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Union und GrüneEsst mal wieder Pizza

Peter Unfried

Kommentar von

Peter Unfried

Schwarz-Grün? Davon wurde schon vor 30 Jahren geträumt, doch es klappte im Bund nie. Dabei hätte das was – wenn das Bündnis komplementär gedacht wird.

W ie die Boomer wissen, entstand die sogenannte Pizza-Connection Mitte der 1990er, damals noch in Bonn. Die jungen Politiker Cem Özdemir, Peter Altmaier, Armin Laschet, später auch Omid Nouripour und Jens Spahn, hingen beim Italiener ab. Darüber wurde medial wie über ein Weltwunder berichtet: Grüne und CDU essen zusammen Pizza, ja geht das denn? Dazu faselte man was von „Versöhnung“ der Bürgereltern und Bürgerkinder. Aber man hatte halt keine anderen Sorgen. Und dann gingen die Jahre ins Land, die „jungen Wilden“ wurden in hohen Ämtern alt, aber Grün-Schwarz oder Schwarz-Grün im Bund kam bis heute nicht.

Diverse Gelegenheiten wurden verspielt, 2013 wegen Jürgen Trittins Linkskurs, 2017 als „Jamaika“ wegen Christian Lindner, 2021, weil Armin Laschet und Annalena Baerbock eine Mehrheit vergeigten. Nun scheint die Zeit über Grün und Schwarz als Bundesregierung hinweg, aber mangels Alternativen gilt das plötzlich als allerletzte Patrone der klassischen Parteiendemokratie. Oder ist es eine Platzpatrone?

Die Aufgabe ist klar. Zeigen, dass sich aus Vernunftgründen Leute von linksemanzipatorisch bis rechtskonservativ zusammentun können, um zentrale Zukunftsfragen voranzubringen: Bewahrung der planetarischen Grundlagen, Geopolitik, Europa, Wirtschaft, Verteidigung – alles Fragen, die nicht mit dem gemütlichen „rechts“ oder „links“ zu beantworten sind, wenn sie wirklich gelöst werden sollen.

Diese beiden Begriffe werden heute in der Mediengesellschaft hauptsächlich strategisch und emotional und selten politisch besetzt. Meist soll jemand moralisch abgewertet werden, etwa wenn Cem Özdemir von Parteifreunden als „rechts“ tituliert wird oder CDU-Kanzler Friedrich Merz von rechtspopulistischen Büchsenspannern als „links“. Auch „Grün“ ist längst ein strategisch-moralisch missbrauchter Begriff; so wird CDU-Altkanzlerin Merkel von Konservativen und Rechtspopulisten vorgeworfen, sie sei grün, also ganz schlimm.

Die Kultivierung der moralischen Abwertung

Um das auf eine grün-schwarze Koalitionsperspektive zu übertragen: Die Kultivierung des Grünenhasses durch die Union-Protagonisten Söder und Spahn lässt eine ordentliche Zusammenarbeit als unwahrscheinlich erscheinen. Zumindest mit diesen beiden als Protagonisten. Auf der anderen Seite steht die Kultivierung der moralischen Abwertung von Konservativen als „Rechte“, Rassisten, Antifeministen und anderes durch die Grüne Jugend und Teile der Grünen. Man müsste beides bleiben lassen.

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Aber wie wäre das erst, wenn Grün und Schwarz ernsthafte und ökonomisch seriöse Zukunftspolitik machen wollten, bei ausbleibendem Wachstum und Haushaltsdefiziten? Ein Beispiel: Was passiert, wenn ein Wirtschafts- und Klimaminister Politik macht zum Voranbringen der postfossilen Transformation, der Einhaltung des Pariser Klimaabkommens und der Vorgaben des Bundesverfassungsgerichtes?

Luisa Neubauer würde vermutlich ein Protestcamp vor dem Ministerium live auf Insta übertragen, weil ihr alles viel zu wenig ist, worauf sich eine grün-schwarze Koalition einigen kann. Die Springer-Medien und populistische Lobbyvertreter würden das Voranbringen einer mehrheitsgetragenen Transformation der Wirtschaft als Deutschlands Untergang beschreien – und die linken Oppositionsparteien und linke Medien eine neue Dimension der „sozialen Kälte“, einer „menschenverachtenden“ Elitenpolitik. Und so weiter. Jeder hat seine Rolle, das muss man einfach wissen.

Die Union müsste Klimapolitik zumindest zulassen

Damit müsste die Koalition umgehen, darauf müssten die Parteien und ihre tragenden Milieus vorbereitet sein. Damit überhaupt etwas geht, müssten beide einsehen, dass es so nicht geht, wie sie bisher dachten. Nicht so schnell, wie die Grünen wollten, nicht so langsam, wie die CDU. Die Union müsste Klimapolitik zumindest zulassen, und die Grünen Dobrindts Innenpolitik und die Untergangs- und Rassistenchöre aushalten – und nicht mehr darin einstimmen. Man müsste sich auf eine eisenharte Komplementärkoalition einigen (wir machen das, ihr macht das), und dann müssten beide Koalitionspartner stehen wie eine Frau.

Ist das möglich? Man denke nur an die Wahl von Cem Özdemir zum Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg. Erst versprach CDU-Chef Manuel Hagel, man werde Özdemir „geschlossen“ wählen, weil diese grün-schwarze Koalition für „Stabilität und Verlässlichkeit“ stehe. Dann fehlten 19 von jeweils 56 Stimmen. Auch hier sind zwei Parteiränder unzufrieden bis unglücklich mit der Realität (es gab keine andere Möglichkeit innerhalb des demokratischen Spektrums). Es wird sich zeigen, ob die Verantwortlichen im Zentrum das balancieren können – und trotzdem eine Politik dabei herauskommt, die die wirtschaftlich und finanziell dramatische Lage des Landes wirklich verbessert und nicht nur auf gegenseitige Schuldabwälzung und Eskapismus hinausläuft.

Es gibt die berühmten „Schnittmengen“

Wenn man sich die Gesamtlage im Bund anschaut, gibt es sicher Politikfelder, in denen Grün und Schwarz etwas Gemeinsames hinbekommen können, etwa Außenpolitik, Europa, Verteidigung. Wenn man aber wirklich handlungsfähiger werden will als die Vorgängerregierungen, dann reicht es nicht, zwei Parteien zusammenzubringen, wie sie sind. Dann muss man die parteiinternen, medialen, kulturellen und auch personellen Infrastrukturen überarbeiten und damit funktionsfähig bekommen.

Es braucht zwei Protagonisten, denen ein relevanter Teil beider Parteien vertraut

Ganz naiv gesagt: Es braucht zwei Protagonisten – einer grün, einer schwarz –, denen ein relevanter Teil der gesellschaftlichen Mitte und beider Parteien vertraut, die sich hinstellen und schon vor der Wahl sagen: Leute, wir wollen das zusammen machen. Und wir erzählen euch jetzt auch, in welche Richtung das gehen soll. So sieht es aus, so gehen wir es an, und wenn morgen die nächste Krise dazukommt, dann machen wir es doch anders. Aber die Grundlage ist: Wir meinen es ernst. Und ihr meint es auch ernst.

Das ist total unrealistisch, klar. Aber die Alternative ist sehr realistisch, und das ist die Alternative für Deutschland.

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Peter Unfried

Peter Unfried Chefreporter der taz

Chefreporter der taz, Chefredakteur taz FUTURZWEI, Kolumnist und Autor des Neo-Öko-Klassikers „Öko. Al Gore, der neue Kühlschrank und ich“ (Dumont). Bruder von Politologe und „Ökosex“-Kolumnist Martin Unfried
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36 Kommentare

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  • >Es braucht zwei Protagonisten – einer grün, einer schwarz –, denen ein relevanter Teil der gesellschaftlichen Mitte und beider Parteien vertraut<

    Es gibt nur ein relevantes Thema, über das sich die Protagonisten einigen müssten um der afd das Wasser abzugraben: Armutszuwanderung. Wie soll die schwarz/grüne Einigung da aussehen?

    • @test_name:

      Man kann einer Partei, die von einer 60 Millionen Leute großen "Ausländerfreien Zone" nach "millionenfachen Abschiebungen" träumt, nicht mit Themen eben dieser Partei das Wasser abgraben.



      Was man allerdings tun kann, ist die realen Probleme des Landes lösen.

  • Bei der Weltmeisterschaft werden Fußballstadien durch Klimaanlagen gekühlt. Wer glaubt, dass Deutschland einen Einfluss auf das Klima hat, ob direkt oder als Vorbild, verkennt die Realität.



    Wir brauchen realistische Klimafolgenpolitik. Wir brauchen Wassermanagement. Ob E-Auto oder Verbrenner ist egal, weil auf der Welt eh jeder Tropfen Öl, der erreichbar ist, verbrannt werden wird. Da nützt auch Tomatensuppe nichts.

    • @Otto Mohl:

      Am Nordpol ohne Atomstrom.



      Der Faule-Ausreden-Satz ist schon deswegen falsch, weil Öl u.a. für die Chemie eingesetzt würde.

  • Unfrieds eines Thema: ländlekonservativ-harmlos die Grünen kupieren?



    Über Grün-Schwarz ließe sich à la BaWü reden, doch Schwarz-Grün wäre eine Notlösung, die wohl die nötige soziale Note, die kapitalismuskritische Fortentwicklung und eine echte nachhaltige Umweltpolitik kaum stemmen würde.

  • Ich höre immer wieder was von Pragmatismus, aber wie würde denn ein schwarz- grüner Pragmatismus in der Realität aussehen? Vermutlich wäre es der totale Stillstand und die Afd bräuchte nur zugucken und sich über weiteren Zuwachs freuen.

    Mit der jetztigen CDU werden keine sozialen Probleme angegangen und die Grünen sind im Kern die Klmapartei. Wird auf CDU- Wirtschaftspolitik mit ein paar mehr Windrädern hinauslaufen, während die Bevölkerung weiter auf Lösungen bezüglich Infrastruktur, Mieten, Inflation, Löhne etc wartet und immer unzufriedener wird. Vielleicht sollte mal damit aufgehört werden alles an der Afd und der mittlerweile fast täglichen Wahlumfrage zu messen und stattdessen zukunftsfähige Lösungen ausgearbeitet werden? Nur so als Idee.

    Die Afd wächst übrigens weil sie in der Opposition ist und keine Kompomisse in ihrer politischen Ausrichtung macht.

    Kompomisse sind sicherlich nötig in einer Demokratie, aber nicht wenn es auf vermeintliche Lösungen hinausläuft mit denen niemand zufrieden ist

  • Ja es ist total unrealistisch, weil die Grünen nach der Ampel abgestraft wurden von ihrer Wählerschaft, vor allem den Jungen, weil sie in deren Augen in der Ampel - und vor allem auf EU Ebene - zu rechts waren.



    Stichwort Bezahlkarte, Außengrenzen, Abschiebung nach Afghanistan, etc...



    Grün-Konservativ ist eine tolle Mischung, siehe Baden-Württemberg - Kretschmann, Özdemir und vor allem auch Boris Palmer (für mich ist der immer noch Grüner, Özdemir nutze ihn auch als Stimmenfänger🤷).



    Das sind aber alles Köpfe, die sie im mächtigen Berliner Landesverband der Grünen oder generell in der Grünen Jugend verachten.



    Ob der hohen AfD-Werte sprießen ja gerade überall Artikel aus dem Boden, wie man noch Bündnisse ohne die AfD hinbekommen will - Stichwort Wahl in Sachsen-Anhalt. Da soll, wenns nach Stimmen von links geht, die Union ihren Unvereinbarkeitsbeschluss überdenken.



    Für die hier im Artikel angedachte Wiederaufbereitung der Pizza Connection lautet meine Meinung genau so wie zum Unvereinbarkeitsbeschluss:



    Wer Weidel verhindern will, muss Merz, Söder, Wüst tolerieren - und Kretschmann, Özdemir, Palmer als Parteimitte akzeptieren und nicht als Parteirechte diffamieren - ganz einfach.

    • @Astrid Sehnefeld:

      Die Grünen wurden aber gar nicht besonders abgestraft. Die haben nach der Ampel weitgehend Ergebnisse im Rahmen ihrer Möglichkeiten erzielt.

  • Perfekte Analyse von Unfried – leider zu perfekt, weil sie wahrscheinlich vorerst nicht wirksam werden kann.

    Aber hier der kleine Witz am Rande: Um die AfD zu verhindern, müssen nicht nur Grüne und Schwarze Pizza essen gehen.

    Die große Pizza-Connection für Deutschland wird irgendwann kommen: Grüne + Linke + CDU/CSU + SPD alle am selben Tisch – mit Merz, Klingbeil, Söder, Dröge und Reichinnek ...

    Aus der Sicht der Braun-Blauen sind dann alle Altparteien wieder gemeinsam gegen sie verbunden. Wenn diese Altparteien sich aber zu einem Zukunftsprojekt verbinden können, dann ist das nicht schlecht für Deutschland, sondern auch gut für den Rest der Welt.

  • Es braucht kompatible Protagonisten.



    Inkompatible Protagonisten gibt es in der CDU wie Sand am Meer. Wie soll irgendwas gehen mit Merz, Spahn, Linnemann, Reiche, Prien, Warken etc. pp. ?

  • Der Artikel vereint Inspiration und Mahnung gleichermaßen. Wenn wir in der übernächsten oder gar nächsten Bundesregierung eine afd Beteiligung haben, liegt das auch an der Eitelkeit, solche pragmatischen Projekte nicht zu akzeptieren.

    Das bedeutete aber auch, dass die Parteien eher Menschen vom Format einer Renate Künast, eines Lothar Späth, eines Klaus Töpfer oder eines Robert Habeck in die erste Reihe lassen, und weniger auf Formate wie Jens Spahn oder Jette Nietzard setzen.

    • @Holger_0311:

      Hmmm .... Lothar Späth, das war der, der meinte, die Sachsen seien immun gegen Rechtsextremismus, nicht? Und Töpfer, das war der, der im Ganzkörper-Neopren den Rhein durchquerte. Und erst, nachdem er aus der aktiven Politik ausgeschieden war, kapierte, dass Umweltschutz keine grüne Spinnerei ist.

      • @Kaboom:

        Späth war vor allem der, der beim Netzwerken immer auch die eigene Macht und den eigenen Vorteil im Blick hatte. Aus dieser Generation der CDU wäre eher ein Typ Heiner Geißler wünschenswert. Wobei der in der Sache nicht gerade immer harmoniesüchtig war...

  • Die längerfristige politische Rationalität von Schwarz-Grün hätte die Dekarbonisierung der Wirtschaft innerhalb eines ordoliberalen Rahmens sein können. Mit dem grundsätzlich von den Grünen mitgetragenen Kriegskeynesianismus ist solch ein Projekt aber tot und die Dekarbonisierung generell (vorläufig) erledigt. Was soll dann Schwarz-Grün, außer dass die aktuelle Politik mit einem geringfügig anderen Design weitergeführt würde, vermutlich auch mit etwas mehr Sozialabbau? Außerdem dürfte für die Pizza-Variante das gleiche gelten wie für R2G: Ist der Wille erst einmal da, ist die strukturelle Mehrheit weg.

    • @Kohlrabi:

      Ein ordoliberaler Rahmen wäre schön. Aber mit der CDU? Da muss ich denn doch grinsen.

    • @Kohlrabi:

      Zumindest würde unter Schwarz-Grün die Energiewende nicht torpediert bis zurückgedreht wie aktuell, mit allen perspektischen Nachteilen von Menschen, die in großen Mietshäusern wohnen und somit noch jahrelang mit immer teurer werdenden Gasheizungsnebenkosten belastet werden.

  • Auch eine Fusion ist langsam denkbar.



    Die Unterschiede in den Bereichen Militarismus, Sozialabbau, Primat der Wirtschaft, Massenüberwachung, etc. haben sich ja durch die rasante Entwicklung bei den Grünen weitgehend aufgelöst, so dass die Parteienlandchaft mit schwarz-Grüner Fusion wieder eine stärkere Bürgerlich-konservative Mitte erhält, die evtl. bei den 'weichen' Themen etwas mehr 'Prenzlauer Berg' in die Debatten tragen kann.



    Der Ex-MP in BW hat das mit seinem "Deutschland muss Autoland bleiben" im Grunde schon treffend auf den Punkt gebracht.



    Hätte auch den Vorteil, dass die Grünen Chefetagen sich nicht mehr so sehr mit ihren Habeckschen 'Bauchschmerzen' plagen müssten, sondern die Grünen ihren Kurs selbstbewußter vertreten könnten.

    • @Anne in Pink:

      Ja genau. Grüne und CDU, da passt kein Blatt dazwischen. Als echter Linker, kannste mit denen nicht zusammenarbeiten. Und wenn man das noch weiterdenkt und weiß, dass zwischen Union und AfD schon lange kein Unterschied mehr zu erkennen ist, dann isses ziemlich genau das Bild, was die Blaubraunen ihren Wählern erzählen. Vielleicht ja mal mit denen was machen, oder?

  • Mit der berüchtigten Pizza-Connection begann der Niedergang der Union. Vor 30 Jahren lagen zwischen Union und Grünen noch 34 Prozent.



    Bei der letzten Bundestagswahl waren das noch 16,9 Prozent, und bei den letzten Umfragen sind da je nach Institut ganze 6-8 Prozent übrig geblieben.



    Wenn die Union so weitermacht, wird sie wie in Baden-Württemberg auch im Bund bestenfalls noch Juniorpartner der Grünen werden. Oder der AfD, das wären sie ja jetzt schon.

    • @Don Geraldo:

      Die CDU hat dieselben Qualitätsprobleme beim Personal wie andere Parteien auch. Und das fing schon mit Kohl an. Mit der Pizza-Connection hat das wenig bis gar nichts zu tun. Unter Merkel stand übrigens die CDU 2020 wieder bei 40 %. Da muss Merz wohl irgendwas mit dem "halbieren" vers**** haben.



      Es war halt ein katastrophaler Fehler, einen Dampfplauderer zum CDU-Vorsitzenden und Kanzler zu machen. Die CDU wird weiter fallen, wenn sie an Merz als Kanzler festhält. Hochgradig banal.

  • Es wäre ja durchaus eine Überlegung wert, aber dass dabei etwas ökonomisch tragfähiges herauskommen kann ist relativ unwahrscheinlich. Die cdu setzt auf schwäbische Hausfrau und ein ein Ökonomieverständnis wie ein BWL Absolvent, von Makroökonomik keine Idee. Wirtschaftspolitik wird als Lobbypolitik für einzelne Industriezweige verstanden.



    Die Grünen sitzen leider auch dem falschen Verstndnis auf Dtl`s Wohl läge im Export und Haushaltspolitik besteht aus sparen und gegenfinanzieren.



    Die Probleme Dtl`s liegen nicht in der fehlenden progressiven Politik, sie liegen in einer falscher Ausrichtung der Wirtschaft und einem finanzpolitischen Trugschluss alle könnten sparen und trotzdem ein BIP zum wachsen bringen....



    Solche Experimente sind zum Scheitern verurteilt, aber letztlich wird irgendwann nichts anderes mehr übrigbleiben als, dass beide Parteien zusammengehen, vermutlich auch mit allen anderen Parteen die dann links von der afd sitzen. Nur wird das nicht helfen.

    • @nutzer:

      "...Trugschluss alle könnten sparen und trotzdem ein BIP zum wachsen bringen...."



      Durch Geldschöpfung kann man das BIP natürlich nominell leicht aufblähen.



      Ob es real (in Wert, inflationsbereinigt) wächst, ist eine andere Frage...

      • @sollndas:

        nein, eine Wertschöpfungssteigerung bei gleichbleibender Geldmenge bedeutet Deflation, kein Wachstum.



        Ohne Wachstum der Geldmenge, kein BIPwachstum

        • @nutzer:

          "...Wertschöpfungssteigerung bei gleichbleibender Geldmenge bedeutet Deflation..."



          Das ist eine Binsenweisheit. Was wollen Sie damit sagen?



          "Ohne Wachstum der Geldmenge, kein BIPwachstum"



          Da verwechseln Sie Ursache und Wirkung. Wenn das BIP wächst (real, in Wert) muss die Geldmenge angepasst werden. Das ist die Aufgabe der Notenbanken.



          Wenn die Geldmenge ohne vorausgehendes reales BIP-Wachstum wächst, bedeutet das Geldentwertung. Wenn Banken durch Kreditvergabe Geld "schöpfen", erzeugen sie keinen Wert. Der Gesamtwert verteilt sich nur auf mehr Geldeinheiten. Mit dem Erfolg, dass Sie und ich immer noch die gleiche Menge "Geld" in der Tasche haben, aber weniger Wert.

          • @sollndas:

            Das ist eine Binsenweisheit. Was wollen Sie damit sagen?



            Das ist die die Zusammenfassung Ihrer vorherigen Aussage.



            "Da verwechseln Sie Ursache und Wirkung. Wenn das BIP wächst (real, in Wert) muss die Geldmenge angepasst werden. Das ist die Aufgabe der Notenbanken."



            dito. Sie verwechseln hier etwas. Sie sagen: Das BIP wächst ohne Investitionen und hinterher schießt die EZB mit der Konfettikanone Geld in die Luft?



            Nein, nein, andersrum wird ein Schuh draus, es werden Kredite aufgenommen (vulgo Geld geschöpft) dann wird investiert und damit ein realer Gegenwert geschaffen. Dieser Wert spiegelt sich dann im BIP wider.



            "Wenn die Geldmenge ohne vorausgehendes reales BIP-Wachstum wächst..."



            da liegen Sie falsch und das wird jeden Tag bei jeder einzelnen Kreditvergabe durch Banken praktiziert.



            Bundesbank: "Buchgeld wird also von Banken geschaffen, indem sie Kredite vergeben."



            Link: www.bundesbank.de/...ii-buchgeld-613628

            • @nutzer:

              "... es werden Kredite aufgenommen (vulgo Geld geschöpft) dann wird investiert..."



              Anscheinend kommen Sie mit dem Begriff "Wert" nicht klar. Wenn man mit einem Kredit irgend etwas kaufen will (z.B. Schienen für die Bahn) muss das Geld irgend einen Wert haben, sonst will es niemand. Wo kommt dieser Wert her? Entsteht er durch Mausklick? Oder liegt er nur im Auge des Betrachters? Kleiner Hinweis: Ein bekannter Ökonom hat "Wert" einmal als "kristallisierte menschliche Arbeit" bezeichnet.



              "Bundesbank..." Ich lese in dort nichts über den Wert des Geldes und woher der kommen soll.



              Allerdings steht dort der schöne Satz: "Ebenso wird Buchgeld „vernichtet“, wenn Herr Müller seinen Kredit Rate für Rate zurückzahlt."



              Im Unterschied zu Herrn Müller zahlen Staaten bekanntlich ihre Schulden nicht zurück (vergl. Ulrike Herrmann), sondern lösen sie durch neue Schulden ab. Das Buchgeld bleibt, die durch Geldschöpfung geschaffene Geldverdünnung auch.



              Es bleibt dabei: Finanziert ein Staat sich oder eine Investition durch Geldschöpfung, zieht er seinen Bürgern den Wert dafür aus den Taschen. Nicht anders als mit Steuern. Und zahlt den Wert nie zurück.

    • @nutzer:

      Wo bitte wird denn gespart?? Etwa mit dem "Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität" in Höhe von 500 Milliarden Euro? Mit Sozialausgaben in Höhe von 1,3 Billionen Euro pro Jahr?

      Das Gegenteil ist der Fall, nur wird das Geld leider verkonsumiert und nicht investiert.

      • @Samvim:

        Mit „gespart“ ist der gesamtwirtschaftliche Überschuss der Ersparnisse über die inländischen Investitionen gemeint. Dieser besteht spätestens seit Beginn der Merkel-Ära: Deutschland hat dauerhaft mehr gespart, als im Inland investiert wurde.



        Entscheidend ist, dass die inländischen Investitionen seit rund zwei Jahrzehnten unter dem volkswirtschaftlich erwartbaren Niveau geblieben sind.

        Das Sondervermögen von 500 Milliarden Euro ist ein Versuch, einen Teil dieser fehlenden Investitionen nachzuholen. Es wird allerdings über 12 Jahre verteilt und ist gemessen an dem über Jahrzehnte aufgebauten Investitionsrückstand zu klein, um ihn vollständig auszugleichen.

        Wenn Sie die Sozialausgaben setzen sich aus den beitragsfinanzierten Ausgaben von 897,7 Mrd zusammen, die sind kostenneutral und den Staatsausgaben von 447,7 Mrd.



        1,3 Billionen ist nicht korrekt. Das ist ein Angstargument.



        Einmal angenommen sie kürzen die restl. 447,7 Mrd um 500Mrd, dann fehlt im Anschluß exakt diese Summe im BIP. Ergebnis: Rezession.

        • @nutzer:

          "Wenn Sie die Sozialausgaben setzen sich aus den beitragsfinanzierten Ausgaben von 897,7 Mrd zusammen, die sind kostenneutral und den Staatsausgaben von 447,7 Mrd."

          Was ist an beitragsfinanzierten Ausgaben kostenneutral? Die Beiträge werden von den selben Menschen geleistet, die auch die Steuern zahlen. Es ändert sich nur der Name der Zahlungen

          • @Samvim:

            die beitragsfinanzierten Ausgaben kommen nicht aus dem Bundeshaushalt. Ihr Argument "Sondervermögen/ es wird nicht gespart" zielt auf eben diesen Bundeshaushalt ab. Da kann man die beitragsfinanzierten Sozialleistungen nicht mit zusammenwürfeln.



            Die beitragsfinanzierten Sozialleistungen sind Umlageleistungen und kommen in der Regel den Einzahlenden wieder zugute. Allerdings wird von reicher zu ärmer ausgeglichen, sonst würde es keinen Sinn ergeben.

      • @Samvim:

        Was möchten Sie den mit der Investition produzieren, wenn es dann nicht konsumiert wird?

        • @John Mc co.:

          Na, zum Beispiel Bahnschienen, Straßen, Radwege, etc.



          Die werden benutzt, aber nicht konsumiert.

        • @John Mc co.:

          Konsum auf Pump ist immer schlecht, egal ob privat oder öffentlich

          • @Samvim:

            Dann halbieren wir mal die Renten.

  • Klar müssen sie bald zusammenarbeiten.

    Vielleicht in Berlin im September.

    Vielleicht auch 2029 im Bund, wenn es nochmal reicht.

    Es kann auch einen gewissen Charme haben, lagerübergreifend usw.

    (Linke und rechte Politik wird es aber immer geben, das liegt in der Natur des Politischen.)

    Das Problem wird aber deutlich, wenn wir nach Dresden, Potsdam oder Magdeburg schauen.

    Da gab / gibt es ja lagerübergreifende Kenia-, Deutschland-, etc. Konstellationen - und wo sind wir jetzt?

    Wie Peter Unfried schreibt, ohne einen grundsätzlichen Mentalitätswechsel der politischen Klasse wird es nicht gehen.