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Iran-USA-Abkommen1:0 für Teheran

Judith Poppe

Kommentar von

Judith Poppe

In gewohntem Größenwahn verkündet US-Präsident Trump das Friedensabkommen mit Iran. Dabei sind die Konsequenzen des Deals eine Katastrophe.

A nd the winner is: das iranische Regime. So müsste die Botschaft aus dem Weißen Haus lauten, ginge es in der Politik – besonders in der von US-Präsident Trump – um Ehrlichkeit.

Doch er verschließt die Augen vor den Konsequenzen des Abkommens, das am kommenden Freitag in Genf von Iran und den USA unterzeichnet werden soll. Noch sind die Informationen zum Abkommen mit Vorsicht zu genießen, sie stammen von den iranischen Nachrichtenagenturen Tasnim und Mehr News, den Sprachrohren des iranischen Regimes. Doch die groben Linien dürften stimmen. Und nicht nur Trump, auch Kanzler Merz, die EU und die Golfstaaten feiern das Abkommen.

Das Öl wird fließen und alles ist gut? Mitnichten. Das Abkommen ist eine Katastrophe. Milliarden von Dollar, die wohl schon in der ersten Phase des Abkommens in Richtung Iran fließen werden, werden die Stellung des iranischen Regimes in der Welt stärken. Nach innen steht zu befürchten, dass das Regime mit dem neu gewonnenen Selbstbewusstsein noch härter gegen die eigene Bevölkerung und Re­gime­kri­ti­ke­r*in­nen vorgeht.

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Auch die meisten Israelis empfinden den Deal als Desaster, egal wie sie zu Netanjahu stehen (der anscheinend blind für das Leid von Zi­vi­lis­t*in­nen auf allen Seiten seine eigene Agenda verfolgt). Voraussichtlich sollen die Verhandlungen über das in Iran gelagerte angereicherte Uran überhaupt erst nach Ablauf der ersten Phase beginnen. Die militärische Unterstützung von Irans Proxys – Hisbollah im Libanon, Hamas in den palästinensischen Gebieten, Huthis im Jemen – wird ignoriert, genauso wie das Raketenprogramm Irans.

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Trump steckt in einer Sackgasse, in die er sich mit zwei fatalen Fehlern selbst manövriert hat. Der erste passierte bereits während seiner ersten Amtszeit: der Ausstieg aus der Wiener Nuklearvereinbarung (das jetzige Abkommen fällt weit dahinter zurück). Der zweite Fehler: der planlos angezettelte Krieg in Trumps aktueller Amtszeit. Nun ist die globale Wirtschaft schwer angeschlagen, selbst unter seinen treuesten Anhängern fehlt Trump der politische Rückhalt für eine Fortsetzung des Krieges. Wäre eine solche wünschenswert? Sicher nicht. Könnte damit, so wie der Krieg bislang geführt wurde, das Regime entmachtet werden? Das steht zu bezweifeln.

Was Trump bleibt, ist, sich in altbekanntem Größenwahn damit zu rühmen, die Meerenge von Hormus wieder geöffnet zu haben – die wohlgemerkt vor dem Krieg für Schiffe frei passierbar war. In letzter Sekunde hat Iran laut Medienberichten nun noch eine Klausel hinzugefügt, dass das Land für die Passage von Schiffen Gebühren verlangen kann.

Was es jetzt bräuchte, wäre kluge Diplomatie zwischen den Golfstaaten und Libanon auf der einen und Israel auf der anderen Seite, eine andere Art der Politik im Nahen Osten. Trump als selbst erklärter Beschützer des Nahen Ostens ist gefährlich – das sollten nun auch die Letzten begriffen haben.

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Judith Poppe

Judith Poppe Auslandsredakteurin

Jahrgang 1979, Auslandsredakteurin, zuvor von 2019 bis 2023 Korrespondentin für Israel und die palästinensischen Gebiete.
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51 Kommentare

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  • Der Iran hat gut und konsequent verhandelt und scheint sich in einigen Punkten durchgesetzt zu haben. Und für Trump ist es immerhin ein Deal. Ob ein guter oder eher schlechter Deal ist dem doch völlig egal. Das wussten wohl auch die Iraner ...

  • Es ist einfach nur traurig wenn Personen geistig verfallen, schlimmer ist es nur wenn sie trotz ihrer Gebrechen immer noch Präsident über eines der größten Länder sind.

    • @Günter Witte:

      Nur ist dieser geistige Verfall kein Verfall sondern der Ursprungszustand dieses Menschen. Schlimm ist es, dass so viele Menschen einen Straftäter und Pleitegeier zum Präsidenten machten, Staatsmänner anderer Länder Kotauverhlten als Diplomatie verkaufen wollen, Medien einknicken (ZDF u.a.), …..

  • Die USA haben keines der diverse Ziele die sie anfänglich hinausposaunten erreicht.



    Stattdessen haben sie der Welt gezeigt, dass ihr Militär nicht in der Lage ist Iran den Willen des Weißen Hauses aufzuzwingen und wird nun dem Iran gegenüber reparationspflichtig.



    Dafür hat man ganze Jahresproduktionen an Munition verfeuert. Munition die erst gegen Geld wiederbeschafft werden muss und nicht an Verbündete verkauft werden kann. Das trifft das Staatssäckel gleich doppelt und untergräbt zusätzlich noch die letzten Reste von Schutzversprechen.

    Für die USA als globaler Hegemon ist 0:1 hier noch beschönigend.

    Und auch für Iran ist 1:0 hier noch zu tief gegriffen. Die von den USA jetzt nicht mehr geschützten Staaten werden sich mit Iran als lokaler Hegemon arrangieren müssen. Zudem hat man jetzt die Straße von Hormuz als Druckmittel gegen alles und jeden.

  • Ich verstehe das mit den 300Milliarden privaten Investionsfond eher so, dass die amerikanischen Firmen da sehr sehr viel Einfluss gewinnen im Gegensatz zu den lange Zeit starken und beliebten deutschen Partnern?

  • Trump hat den Krieg militärisch nicht so geplant, dass er ihn auch militärisch hätte gewinnen können. Stattdessen hätten sich die Iraner erheben müssen oder die MIlitärs dort hätten aufgeben müssen.



    War das realistisch?



    Nein, das war eben nicht realisitisch.



    Alles, was danach kam, war am Ende eine Niederlage für die USA und besonders für Trump.



    Und das Regime wird jetzt noch repressiver und ideologischer, es wird die Indoktrination und die Überwachung verstärken.



    Das tut dieses Regime nur, weil es dennoch militärisch und sicherheitspolitisch auch geschwächt wurde. Sprich, Trump hat das Regime in diese extreme Position gepuscht. Ohne sein Zutun wäre das nicht so extrem. Und da muss sich jeder vernünftige Mensch fragen, ob Trump überhaupt denken kann? Dass er seinen Militärs und CIA-Leuten grundsätzlich nicht zuhört und deren Expertise ignoriert, dürfte jetzt jeder wissen. Das wußte auch der Iran und das wissen die Militärs in Pakistan auch. Das macht Trump in gewisser Weise zu einem viel schwächeren Präsidenten als er es sein könnte. Aber was spielt das noch für eine Rolle?

  • Der Autorin ist schon klar, dass die Milliarden, die der Iran "bekommt" seine eigenen von der USA eingefrorenen Gelder sind! Auch das Israel nie die internationale Atomenergiekommission ins eigene Land gelassen hat!

    • @Odysseus L:

      Danke für die gerne „vergessenen“ Fakten.

    • @Odysseus L:

      Die Iraner fordern, dass nicht nur eingefrorene Gelder freigegeben, sondern auch Reparationszahlungen seitens der USA geleistet werden.

  • Ich wäre mit Behauptungen dass es 1:0 für den Iran steht sehr vorsichtig. Die iranische Infrastruktur ist beschädigt, die Atomanlagen zerstört, das angereicherte Uran im Felsen begraben. Die Schäden werden auf 270 Mrd geschätzt, etwa ein jährliches Bruttosozialprodukt. Die Exporte sind seit 2 Monaten auf Null, wenn nicht gleich etwas passiert werden Ölquellen geschlossen werden müssen und es bestehen Zweifel ob diese je wieder geöffnet werden können und wenn ja, dann mit mehrjährigem Zeitverlust und hohen Kosten. Die Glaubwürdigkeit des Iran im Nahen und mittleren Osten ist stark verringert, das ganze Geld das für die "Proxys" Huthis, Hamas und Hisbollah ausgegeben wurde ist weg. Der Wechelkurs des Rial ist im freien Fall, die Inflationsrate ist bei 54%. Millionen von Arbeitsplätzen sind verloren gegangen, von der Wasserversorgung Teherans will ich garnicht reden. Und natürlich produzieren die Mullahs positive Nachrichten, meist frei erfunden, um besser auszusehen und vor allem um zu verschleiern dass die Lage katastrophal ist. Und der Tanker der heute durch Hormus gefahren ist fährt wohl nach China... das ist ein weiterer player der sich allerdings zurück hält.

    • @Gerald Müller:

      Ja, und dann wird Ihnen auch noch von den USA mit viel Geld geholfen, das kann schlimm werden. Stellt Euch vor, die ganz grossen Konzerne kommen mit viel Geld und noch mehr Korruption.

      So gibt sys vielleicht doch noch den Regime Change.

    • @Gerald Müller:

      Aus Infrastruktur ect. machen sich die Machthaber doch nichts. Ihnen geht es nur um Macht und Unterdrückung des Volkes. Da sie mit brachialer Gewalt jeden Protest ersticken, kann ihnen die Not der Menschen nur recht sein, dann haben diese noch weniger Kraft, sich aufzulehnen.

    • @Gerald Müller:

      Die USA wollen da 300 Mrd rein pumpen und der Iran bekommt zusätzlich eingefrorene Gelder, Öleinnahmen und "Service-Gebühren" für Hormus.



      Und das Uran ist da, wo es ist, sicher vor den USA bis der Iran sich wieder aufgebaut hat. Das zerstörte Material war eh alt.

    • @Gerald Müller:

      In dem Abkommen verpflichtet sich die USA und Konsorten (Golf Staaten) 300Mrd an Wiederaufbauhilfe zu leisten.

  • (Fortsetzung) Meine Frau hingegen, die das Glück hatte, nach der Revolution geboren zu sein, konnte nicht nur einen Schulabschluss machen, sondern außerdem studieren und sogar promovieren. Sie vergleicht manchmal die Rechte der Frauen in ihrer Heimat mit den Rechten der Frauen hier - und dieser Vergleich fällt auf keinen Fall zugunsten Deutschlands aus. So kann etwa eine Frau im Iran arbeiten wenn sie möchte, muss es aber nicht. Denn im Iran ist grundsätzlich allein der Mann für den Lebensunterhalt zuständig, selbst dann wenn die Frau verdient - während in Deutschland Frauen genauso arbeiten und zahlen müssen als seien sie Männer.

    • @StefanK:

      Glauben Sie wirklich selbst an das, was Sie schreiben?

    • @StefanK:

      Da verwechselt ihre Frau aber gründlich die Systeme, wenn sie die Grundrechte in Deutschland mit denen im Iran gleichsetzt.

      Aufgrund der Rechtsordnung im Iran, die auch die Scharia mit einbezieht, sind Grundrechte kaum einklagbar, auch wenn sie von der Verfassung garantiert sind.

      Das ist der Unterschied zu einem Rechtsstaat wie Deutschland, der jedem Staatsbürger nicht nur die gleichen Rechte einräumt sondern aufgrund seiner Rechtsstrukturen, wie neutrale Justiz und weisungsunabhängige Gerichte, auch sicherstellt das diese wahrgenommen werden können.

      Im Iran handelt es sich deshalb in diesem Sinne nicht um Rechte, welche den Frauen eingeräumt werden sondern um Spielräume, die von den Herrschenden oder der örtlichen Gesinnungsjustiz willkürlich erweitert oder eingeschränkt werden können, wie es der Anlass gerade gebietet.

      Generell hat das System im Iran nur wenig gemein mit den Rechtsakten, wie sie in einem demokratischen Rechtsstaat praktiziert werden.

    • @StefanK:

      "So kann etwa eine Frau im Iran arbeiten wenn sie möchte, muss es aber nicht...."



      So kann etwa eine Frau in der BRD eine Verschleierung tragen wenn sie möchte, muss sie aber nicht ohne befürchten zu müssen verhaftet und misshandelt zu werden.



      Und da gibt es noch ein paar andere Kleinigkeiten.



      Gut, das Argument mit der Arbeit überwiegt natürlich, wahrscheinlich aber nur bei Ihnen.

      • @Furth im Wald:

        Verschleiern muss sich niemand, in Deutschland außerhalb des Hochsommers übliche Straßenkleidung



        plus ein Kopftuch welches zumindest einen Teil des Haars bedeckt genügt. Es zeugt von Weltoffenheit,



        kulturelle Unterschiede in anderen Ländern zu akzeptieren - Iraner hätten sonst auch allen Grund,



        an den Sitten hierzulande Anstoß zu nehmen.

  • (Fortsetzung:) Die bezüglich der Straße von Hormus angedachten Gebührensätze - ich habe von ungefähr einem Dollar pro Barrel Rohöl gehört - sind zudem äußerst moderat, insbesondere im Vergleich mit den Sätzen der Trump'schen Strafzölle. Wenn diese Mautgebühren nennenswerten Einfluss auf die Ölpreise haben, dann nur durch Spekulanten.

    Als Rechtfertigung für die "Sanktionen" und die Angriffe wird häufig die Behauptung angeführt, das Land sei keine Demokratie, und die Regierung unterdrücke die Bevölkerung und insbesondere die Frauen. Nun - meine Frau ist Iranerin. Ihre Mutter, deren Jugend in die Zeit der Schah-Diktatur gefallen ist, hatte nicht einmal die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen und lesen und schreiben zu lernen. (F.f.)

    • @StefanK:

      Gerade der Schah wollte aber mittels seiner Weißen Revolution die Bildung breiter Bevölkerungsschichten ermöglichen und hat Frauen überhaupt erst den Zugang zur höheren Bildungseinrichtungen ermöglicht…soso, Eure Frau hatte also „das Glück erst nach der (islamischen) Revolution geboren zu sein“: Warum lebt denn die Frau nun hier in Deutschland? War doch nicht alles so knusper bei den Mullahs im heutigen Iran, hm?

      • @Saile:

        Im Iran sind viele Frauen, deren Jugend in die Zeit der Schah-Diktatur gefallen ist, funktionale Analphabeten. Berichtet wird, was politisch opportun ist. Zur letzten Frage: derzeit ist es für eine Iranerin einfacher, in Deutschland beruflich Fuß zu fassen als für einen Deutschen im Iran unter all den "Sanktionen", mehr Gründe braucht es nicht.

  • Nun, die USA und das Regime in Tel Aviv haben den Iran völkerrechtswidrig angegriffen und

    - das Staatsoberhaupt und

    - viele weitere wichtige Politiker, Wissenschaftler, etc. im Lande ermordet,

    - tausende Zivilisten umgebracht durch das Anheizen der Unruhen zu Beginn dieses Jahres, durch den Raketenangriff auf die Schule von Minab (allein hier 168 Tote), und unzählige Luftangriffe während des Krieges im März und April, und

    - flächendeckend im ganzen Land gewaltige Schäden an der Infrastruktur, an wichtigen Universitäten, an historisch bedeutsamen Bauten, etc., etc. angerichtet, sowie

    - die Wirtschaft des Landes und die Bevölkerung mit jahrzehntelangen "Sanktionen" massiv geschädigt und drangsaliert.

    Angesichts dessen denke ich, ein 1:0 für Teheran sähe deutlich anders aus, selbst wenn der Iran alles das bekommen sollte, was im Abkommen zugesichert wird. Eine Aufhebung der "Sanktionen", eine Rückgabe der gestohlenen Auslandsvermögen und eine dauerhafte Einstellung sämtlicher Angriffe an allen Fronten sind pure Selbstverständlichkeiten - und die wirtschaftliche Nutzung der Straße von Hormus kann lediglich ein kleiner Teil einer Wiedergutmachung der Kriegsschäden sein. (F.f.)

    • @StefanK:

      Lieber Herr K.



      Dass Sie auf die Schäden und vor allem auch die vielen zivilen Opfer unter der Iranischen Bevölkerung durch die israelisch-amerikanischen Militärschläge hinweisen, geht in Ordnung. Im gleichen Satz aber sprechen Sie von tausenden Zivilisten, welche die USA umgebracht hätten durch das Anheizen der Unruhen zu Beginn dieses Jahres. Ja, ich finde es auch makaber, wie Donald T. die Verantwortung für den Regimechange auf das iranische Volk abgeschoben hat. Aber ist es nicht minder verwerflich, wenn Sie hergehen und die USA bezichtigen, aktiv "Tausende Zivilisten umgebracht" zu haben? Denn aus hunderten unabhängiger Quellen geht hervor, dass diese mutigen Menschen - und dabei handelt es sich offensichtlich nicht um Tausende sondern Zehntausende - doch von den Mördern und Schergen des iranischen Regimes getötet wurden. Haben Sie das vergessen oder blenden Sie diese Berichte einfach aus Ihrem Weltbild aus?

      • @Hans Georg Nickel:

        Mal Hand aufs Herz - was würden Sie sagen, wenn umgekehrt der Iran hier in Deutschland zum Umsturz aufrufen würde, und Leute auf der Straße wahllos auf Passanten und Polizisten feuern? Wären das dann in Ihren Augen auch "mutige Menschen"? Ich gehe jedenfalls davon aus, dass auch hierzulande die Sicherheitskräfte in einem solchen Falle von der Waffe Gebrauch machen würden. Im Übrigen gab es im Iran



        - anders als im Westen vielfach berichtet - bei den Unruhen tausende, und nicht zehntausende, Todesopfer.

    • @StefanK:

      Eine Sanktion ist ein Mittel, mit dem die EU einem Staat signalisiert, dass sie eine bestimmte Politik verurteilt. Eine Sanktion ist daher verknüpft mit einer bestimmten Politik. Iran ist frei, die Politik, die von der EU mit Sanktionen belegt wird, zu ändern. Warum möchte Iran Uran anreichern über den Grad der Anreicherung hinaus, der nötig ist für den Betrieb von Kernkraftwerken?

      • @Raul Laubeiter:

        Nach dieser Logik hat der Iran genauso das Recht, Sanktionen etwa gegen die EU oder die USA zu verhängen, weil er deren Politik verurteilt. Eine solche Sanktion kann etwa sein, die Straße von Hormus (sowie über die befreundeten Huthi die Straße von Bab al-Mandab) für Schiffe von dort zu schließen. Dann ist die EU beziehungsweise die USA frei, die Politik, die vom Iran mit Sanktionen belegt wird, zu ändern. Und bezüglich Urananreicherung: weshalb reichern denn die USA Uran über den Grad der Anreicherung hinaus an, der nötig ist für den Betrieb von Kernkraftwerken? Ist das vielleicht kein Grund für Sanktionen?

      • @Raul Laubeiter:

        Warum der Iran Uran höher anreichern möchte, bleibt Spekulation, entscheidend ist, dass er das darf: das iranische Atomprogramm verstößt in seiner bisherigen Form nicht gegen den NPT und ist daher völlig legal. Fragen Sie sich auch, warum Deutschland Uran über das für zivile Kernenergie nötige Mass anreichert?

        • @O.F.:

          "Fragen Sie sich auch, warum Deutschland Uran über das für zivile Kernenergie nötige Mass anreichert?"

          Das ist eine Falschbehauptung.

          Die Urananreicherungen in Gronau unterliegen gemäß dem völkerrechtlichen Vertrag von Almelo strengen Kontrollen und sind limitiert auf eine Anreicherung von 3 bis 5%.

          Falschbehauptung zum Zweiten

          "entscheidend ist, dass er das darf: das iranische Atomprogramm verstößt in seiner bisherigen Form nicht gegen den NPT und ist daher völlig legal."

          Der Atomwaffensperrvertrag sieht Uran nur für eine zivile Nutzung vor. Bei ziviler Nutzung spricht man von einer Anreicherung von max. 20%. Das ist die Grenze von niedrig angereicherten Uran. Alles was darüber liegt fällt unter hoch angereichertes Uran und stellt einen völkerrechtlichen Vertragsbruch dar.

          • @Sam Spade:

            Sie haben in einem Punkt Recht: Deutschland stellt selbst kein hochangereichwertes Uran her - es verwendet solches aber in seinem Forschungsreaktor in Garching. Ebenso gibt es für das hochangereichwertes Uran im Iran wissenschaftliche Erklärungen. Ob man die glaubt, sei dahingestellt - der Punkt aber ist, dass die entsprechende Anreicherung noch keinen Verstoß gegen den NPT darstellt und daher völlig legal ist.

            • @O.F.:

              "der Punkt aber ist, dass die entsprechende Anreicherung noch keinen Verstoß gegen den NPT darstellt und daher völlig legal ist."

              Artikel IV des Atomwaffensperrvertags ist da ziemlich deutlich. Uran auf 60% anzureichern fällt nicht unter legale Aktivitäten.

              • @Sam Spade:

                Mit dieser Interpretation stehen Sie ziemlich allein. Iran kann hier (genau wie Deutschland in Garching) mit wissenschaftlichen oder medizinischen Zwecken argumentieren. Wie glaubwürdig das ist, sei dahingestellt, aber es bleibt dabei, dass Iran sich formal innerhalb des NPT bewegt hat.

      • @Raul Laubeiter:

        Ich weiß nicht, warum der Iran unbedingt Uran anreichern will - vielleicht hat er vom kleinen dicken Nordkoreaner gelernt, dass man nur auf diese Weise keinen unerwünschten Besuch aus USA bekommt?



        Ob das im Interesse anderer Mächte ist sein frelich dahingestellt...

  • Das Schweizer Außenministerium bestätigt gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass das Abkommen zwischen den USA und dem Iran am Freitag im Schweizer Resort Bürgenstock unterzeichnet werden wird.



    ==



    Der in der Zentralschweiz bei Luzern gelegene Ort ist schwer zugänglich und lässt sich daher leicht sichern. Er „wurde von den pakistanischen und katarischen Vermittlern sowie von den USA und dem Iran vorgeschlagen“, so das Schweizer Außenministerium.



    =



    Zitat:"" Was es jetzt bräuchte, wäre kluge Diplomatie zwischen den Golfstaaten und Libanon auf der einen und Israel auf der anderen Seite, eine andere Art der Politik im Nahen Osten""



    =



    Mit Sicherheit wären Gespräche unter den Staaten des Nahen Ostens ein wichtiger Schritt. Nur -- Hizbollah, die Terrorkrake Im Libanon, hat Israel gemeinsam mit dem Iran angegriffen - und der 7. Oktober war die Antwort der Terrortruppe Hamas auf die diplomatische Annäherung zwischen Israel und den Golfstaaten.



    =



    Wir wissen noch nicht den Inhalt des Memorandums welches am Freitag in der Schweiz unterzeichnet werden wird. Zu befürchten ist, das es dem Iran & Proxies wie in der Vergangenheit weiter gelingt jede Diplomatie im Keim zu ersticken.

  • Auch ich denke, dass der Iran "gewonnen" hat, was ich bedauere. Meine Hoffnung ist, dass sich der Iran durch die Entmachtung der religiösen Führung, sofern der Begriff verwendet werden kann, zu Gunsten der militärischen Führung, von einer Religions-Diktatur zu einer Militär-Diktatur wandelt. Beides ist übel, aber eine Militär-Diktatur räumt den Menschen vielleicht zumindest im privaten Bereich mehr Spielräume ein, indem Frauen keine bestimmte Bekleidung mehr aufgezwungen wird, sie dafür getötet werden können und LGBTQIA+-Menschen nicht mehr aufgehängt oder von Dächern geworfen werden. Mit einer Militär-Diktatur stände der Iran wieder da, wo er zu Schah-Zeiten stand. Für mich als Atheistin trotz allem die bessere Alternative.

    • @*Sabine*:

      Der letzte Satz offenbart einen grundlegenden Denkfehler, der nicht nur den deutschen Iran-Diskurs prägt: andere Gesellschaften werden zur Projektionsfläche für unsere eigenen politischen Wünsche. Nun geht es aber nicht darum, was wir hier für die bessere Alternative halten, sondern um die Wünsche der iranischen Bevölkerung (die wie der Schulterschluss nach dem Überfall auf Iran gezeigt hat, keineswegs deckungsgleich mit dem medial präsenten Exiloppositionellenmilieu ist). Und hier in Deutschland geht die innere Ordnung Irans schlichtweg nichts an. Übrigens ist die Kopftuchpflicht gegenwärtig de facto aufgehoben und wann im Iran das letzte Mal jemand wegen Homosexualität hingerichtet wurde, können Sie gerne recherchieren (geschweige denn vom Dach geworfen - woher kommen solche Behauptungen eigentlich?).

      • @O.F.:

        Die letzte dokumentierte offizielle Hinrichtung wegen Homosexualität fand 2022 in Maragheh statt.

        Die Dunkelziffer dürfte aufgrund der Intransparenz des iranischen Justizsystems aber deutlich höher ausfallen, zumal derartige Prozesse meist unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfinden.

        Deutschland hat die Souveränität des Iran als Staat, im Rahmen internationaler Vereinbarungen, zu respektieren - mehr aber auch nicht.

        Das Eintreten für Menschenrechte schließt auch Verurteilungen auf deutschen Boden nach dem Weltrechtprinzip mit ein, für Verbrechen die im Iran begangen wurden.

        Ebenfalls diplomatische Einmischung in interne Angelegenheiten des Iran bei Verstößen gegen diese Menschenrechte.

        Ein Eingriff stellen auch Sanktionen dar, wenn ein Staat kontinuierlich die Menschenrechte missachtet.

        Wo sie im Iran eine "innere Ordnung" vernehmen, es sei denn Staatsterror fällt bei ihnen unter Ordnung, und worauf ihre Annahme beruht die Bevölkerung habe einen "Schulterschluss" mit dem Regime praktiziert, dürfte wohl ihr Geheimnis bleiben.

        • @Sam Spade:

          Bei den Fällen von 2022 war der Vorwurf aber nicht bloß Homosexualität, sondern Vergewaltigung. Nun habe ich eigentlich keine Ambitionen, den Umgang Irans mit Homosexuellen zu verteidigen, aber hier geht es um ein grundsätzlicheres Problem der Iran-Berichterstattung: dass aus Vermutungen und Halbwahrheiten allzu schnell Fakten werden.



          Und natürlich hat Iran eine innere Ordnung: es gibt staatliche Institutionen, gesellschaftliche Strukturen, Gesetz etc., wie in jedem anderen Staat auch. Dass diese Ordnung allein auf Terror beruht, ist wieder eine Vereinfachung, die einen beträchtlichen Teil der dortigen Gesellschaft ignoriert. Die islamische Republik wird ja nicht von Marsmenschen regiert und verteidigt, sondern von Iranern. Und dass der Überfall auf Iran zu einem nationalen Schulterschluss geführt hat, können Sie sogar der hiesigen Presse entnehmen - es gibt, außer den nicht wenigen Anhängern des Systems ein breites nationalistischen Milieu, das vielleicht nicht die Islamische Republik, aber seht wohl Iran gegen Feinde von außen verteidigt. Als Norweger bekommen Sie leicht ein Visum - es hilft manchmal, sich selbst ein Bild zu machen.

          • @O.F.:

            Sie schreiben sich hier aber auch etwas zusammen in ihren Kommentaren zum Thema.

            Erst mangelnde Kenntnisse vom Atomwaffensperrvertrag und jetzt die Staatsordnung.

            Was verstehen Sie denn unter "innerer Ordnung"? Gesellschaftsstrukturen fallen da ganz bestimmt nicht drunter.

            Innere Ordnung auch Staatsordnung genannt stützt sich auf mehrere Säulen. Ein Beispiel für Deutschland: Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit.

            Die iranische Staatsordnung basiert auf den Prinzipien des Fiqh. Das ist die einzige Grundlage, von der sich alles andere herleitet. Führe ich jetzt nicht weiter aus, da müssen sie sich schon selbst informieren. Nur stützen tut sie sich einzig auf den Rahbari.

            Ihre Anmerkung zu der Verurteilung ist mehr als naiv. Es gehört zu den Merkmalen der iranischen Justiz die eigentlichen Gründe der Anklage zu verschleiern, indem neue Anklagepunkte hinzuerfunden werden. Sei es wie sie hier schreiben Vergewaltigung oder auch Drogenhandel.

            Der Anklagepunkt bei den beiden Queer Aktivisten vor gut zwei Jahren war z.B. Prostitution und Förderung der Prostitution. In Wahrheit ging es um deren Homosexualität. Auch hier wurde die Todesstrafe gefordert, aber nicht vollzogen.

      • @O.F.:

        ""Und in Deutschland geht die innere Ordnung Irans schlichtweg nichts an.""



        ==



        Das iranische Regime begeht systematische und schwerwiegende Verbrechen gegen die eigene Bevölkerung, die als Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingestuft werden. Dazu gehören Massenhinrichtungen, Folter, willkürliche Massenverhaftungen, extreme Einschränkungen der Meinungsfreiheit sowie die gewaltsame Unterdrückung von Frauen und Minderheiten.



        =



        Die Zahl der Todesurteile erreicht im Iran Höchststände. Allein im Jahr 2025 wurden über 1.600 Menschen exekutiert – der höchste Stand seit Jahrzehnten. Unter dem Deckmantel von Krisen und unter Kriegsbedingungen werden zunehmend politisch motivierte Hinrichtungen und Todesurteile vollstreckt,



        =



        In iranischen Haftanstalten sind Folter, sexualisierte Gewalt und das Vorenthalten medizinischer Versorgung an der Tagesordnung. Unter Folter erpresste Geständnisse dienen als Grundlage für drakonische Haftstrafen & Todesurteile.



        =



        Was sie unter iranischer innerer Ordnung verstehen ist sehr seltsam. Die Bundesrepublik unterstützt das grundlegende Streben der iIraner nach einer Zukunft, in der ihre universellen Menschenrechte und Grundfreiheiten geachtet werden.

        • @zartbitter:

          Danke, dass Sie mir die lange Auflistung abgenommen haben!

      • @O.F.:

        "Deutschland geht die innere Ordnung Irans schlichtweg nichts an." "Können Sie gerne recherchieren" Deutschland stellt syrische Staatsbürger in Deutschland vor Gericht, die in Syrien Verbrechen begangen haben. Genauso sieht sich Deutschland in der Position, iranische Staatsbürger in Deutschland vor Gericht zu stellen, die in Iran Verbrechen begangen haben. Die innere Ordnung Irans beruht auf Verbrechen gegen die Bevölkerung Irans. Die Außenpolitik Irans finanziert Privatarmeen, die Israel angreifen.

      • @O.F.:

        Ehm, doch: Menschenrechte SIND die bessere Alternative, und es ist richtig, diese in andere Länder zu importieren.

        Kein McDonalds oder Starbucks, sondern die Würde des Menschen und Jin Jiyad Azadi.

        • @Troll Eulenspiegel:

          Sie verwechseln hier zwei Fragen, die zunächst einmal nichts miteinander zu tun haben: die nach konkreten Menschenrechtsverletzungen und die nach der staatlichen Verfasstheit anderer Staaten. In meinem Beitrag ging es um letztere - und die ist nun einmal Sache der jeweiligen Bevölkerung (zu der im Falle Irans eben auch Mullahs, Basidjis und Frauen im Tschador gehörten). Es gibt keinen Anspruch darauf, dass der Rest der Welt sich am westlichen Muster liberaler Demokratien orientiert (deren Strahlkraft vermutlich größer wäre, würde man sich um gute Regierungsführung im eigenen Land kümmern, statt um Umstürze in anderen). Ob Deutschland, gegen das gerade ein Verfahren wegen Beihilfe zum Völkermord läuft, als moralische Instanz auftreten sollte, ist ohnehin eine offene Frage...

  • In gewohntem Größenwahn verkündet US-Präsident Trump das Friedensabkommen mit dem Iran. Dabei sind die Konsequenzen des Deals eine Katastrophe.



    ----



    Na ja, man(n) kann nicht alles HABEN, wenn Nr. 47 den "ganzen Ruhm" für sich haben will!



    Doch "hübsches Bild"! Ähnliches wurde in DE mal mit "aufgehobene Rechte" bezeichnet! :-)



    Ps. Wer im o.a. Text Doppeldeutigkeit findet, darf die behalten!

  • Der wie er meint beste, klügste und wunderbarste amerikanische Präsident aller Zeiten hat mit seinem Iran Krieg eines wohl erreicht nach dem Motto "Make Iran great again"

  • Das ist mit Sicherheit nicht das Ende dieses Krieges.



    Israel hat kein Interesse, auf gelegentliche Bombardierungen des Irans verzichten zu müssen, denn die jetzigen Kontrolle des Nuklearprogramms ist viel schwächer als im Wiener Abkommen.



    Zudem haben sich die Gewichte im Iran vom religiösen Führer hin zu korrupten Pashdarannetzwerken verschoben, die wie Mafiabanden wesentlich schwerer kontrollierbar sind.



    Der Iran hat sich zudem nach außen vorbehalten seine Nachbarn Katar, Irak, Kuweit, Saudi-Arabien, VAE weiter mit Mautforderungen beliebig würgen zu dürfen, um sie niederzuhalten und selbst maximale Preise kassieren zu können. Das gesamte Gewicht der OPEC hat sich damit von Saudi-Arabien zum Iran verschoben. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die Sunniten dieses schiitische Diktat so nicht mehr gefallen lassen.



    Gut, die USA sind dann nicht mehr dabei. Aber das ist auch alles.

    • @hedele:

      Die USA unter dem Trump-Regime (später möglicherweise dem Vance-Regime) werden sich nicht völlig zurückziehen. Dafür ist der Ölreichtum des Iran viel zu verlockend. Sie werden vielleicht etwas verborgener agieren. . .

  • Es ist die Regel, dass Kriege nicht zu guten Ergebnissen führen.



    Es war gut, dass die Alliierten das dritte Reich erfolgreich bekämpft haben.



    Aber danach?



    Trump hat einen Krieg vom Zaun gebrochen, der vieles zerstört hat .



    Im Iran, im Libanon und Israel sind ZivilistInnen gestorben.



    Die US Streitkräfte haben Milliarden verpulvert ohne irgendeine Verbesserung der Situation erreicht zu haben.



    Im Gegenteil!



    Neben der Stärkung des Regimes im Iran hat trump das Vertrauen seiner Verbündeten im nahen Osten enttäuscht.



    Die USA und somit der ganze Westen stehen als Verlierer da.



    Welche diplomatischen und ökonomischen Folgen das nach sich ziehen wird, ist noch gar nicht abzusehen.



    Der sowieso schon nachlassende Einfluss wird weiter nachlassen.



    Merz lächerliche Einlassung zum " diplomatischen Erfolg Trumps" wirkt geradezu unterwürfig.



    Natürlich ist neben trump im Porzellanladen alles Elend relativ klein, doch Merz ist stets bemüht mit mindestens 4 Füßen in den Fettnäpfchen zu stehen.



    Die einzige Hoffnung ist, dass der Krieg wirklich beendet wird und das Trauerspiel endet.



    Doch sicher ist das auch noch nicht.

    • @Philippo1000:

      Ich denke, Trump hat alles erreicht, was er wollte. Ich sehe bei ihm keine anderen Ziele als der Menschheit Not und Elend zu bringen und sich daran persönlich zu bereichern.



      Wird hier ähnlich laufen, wenn die AfD nicht bald mal verboten wird.

      • @Matt Olie:

        Volle Zustimmung!