piwik no script img

Unklares Ende der RettungsaktionWo ist der Wal?

Die privat finanzierte Rettungsaktion von „Timmy“ endet im Eklat: Es ist unklar, ob das Tier in Freiheit schwimmt – oder schlicht verklappt wurde.

Der Wal wurde zum Opfer bester Absichten. Ein Lastschiff als Transportmittel in die Freiheit oder den Tod Foto: Philip Dulian/dpa

Nun ist er also weg. Exakt zwei Monate lang hat der gestrandete Buckelwal, der von den Boulevardmedien „Timmy“, von Tierschutzaktivisten „Hope“ und von den meisten schlicht „der Wal“ genannt wurde, das Land in einem Ausmaß in Atem gehalten, das viel über die aktuelle Verfassung seiner Bewohnenden sagt – und leider viel zu wenig über Wale.

Seit seinem ersten wortwörtlichen Auftauchen vor exakt zwei Monaten im Hafen von Wismar ist der mehrfach gestrandete Wal im Laufe diverser Befreiungsaktionen, Influencer-Auftritte, weinender Landespolitiker und Internet-Shitstorms von der Randnotiz zum popkulturellen Phänomen geworden. Entgegen den Stellungnahmen der zuständigen staatlichen Institutionen und etablierten Tier-, Arten- und Meeresschutzorganisationen schleppte ihn schließlich ein schillerndes privates Konsortium aus Multimillionären und vermeintlichen oder tatsächlichen Experten, die extra aus Hawaii und Südamerika eingeflogen wurden, in einer spektakulären Aktion in Richtung Nordsee.

Dort ist er am Samstag schließlich unter noch ungeklärten Umständen entweder freigekommen oder schlicht verklappt worden – was zu erheblichem Zwist unter den Beteiligten geführt hat, aber auch zu scharfer Kritik von unter anderem Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) und Greenpeace, weil offenbar Absprachen zur Überwachung und Dokumentation des Vorgehens nicht eingehalten wurden und der Ort der Freisetzung im Skagerrak, einer der meistbefahrenen Schifffahrtsrouten Europas, wenig walgerecht erscheint.

Timmy ist frei – oder tot

Schon der Transport in schwerer See, bis zur Nordspitze Dänemarks, dürfte das Leiden des moribunden Meeressäugers vermutlich eher noch einmal gesteigert haben. Nachdem er schon die Tage zuvor dem Dauergedröhne von Motoren und permanentem Menschenkontakt ausgesetzt war, wurde er nun auch noch gegen die Wände der Barge geschleudert und offenbar in Seilen verstrickt, bis die Bildübertragung womöglich aus guten Gründen aussetzte und sich die Besatzung der Schiffe der lästigen Fracht offenbar einfach entledigte. „Timmy ist frei!“ – so kann man es natürlich auch nennen, zumindest wenn man die Bild-Zeitung ist. Zwar stirbt die Hoffnung bekanntlich zuletzt, aber am Ende eben doch, und im Fall von „Hope“ steht zu befürchten, dass dieser Zeitpunkt nah ist oder womöglich auch schon vorbei. Ob wir je davon erfahren, ist allerdings unklar, denn ob der am Wal installierte Sender sendet und unter welchen Umständen, ist ebenfalls ungewiss.

Mit den Ressourcen, die die Rettungsaktion kostete, hätte man viel für den Schutz von Meeressäugern tun können

Die zahlreichen Facetten des ganzen Falls ziehen mindestens ebenso viele Fragen nach sich. Dass die vermeintliche Rettungsaktion eher eine walgroß angelegte Tierquälerei war, ist das eine. Dass dafür absurd viele Ressourcen verbraucht wurden, mit denen man, richtig eingesetzt, eine ganze Menge für Wale, Delfine oder andere Tierarten hätte bewegen können, das andere.

Bedenklicher ist aber vielleicht noch, wie sehr der gesellschaftliche Diskurs sich von jeder Rationalität verabschiedet hat. Symbolisch dafür steht, dass Minister Backhaus irgendwann auf die Gutachten seiner landeseigenen Fachleute pfiff und statt zu einem anberaumten Expertentreffen zum Schutz von Meeressäugern in der Ostsee lieber selbst in die Ostsee zum Wal ging, um dem wehrlosen Tier in die Augen zu schauen.

Wenn Fakten zu Meinungen werden

Deutlicher kann man kaum zeigen, was man von Wissenschaft hält. Wenn aber begründete Fakten am Ende nur noch Meinungen sind, die gleichberechtigt neben den Äußerungen von „Free Willy“-Aktivisten und Selfie-Stick-Tierfilmern stehen, darf man sich vielleicht auch nicht wundern, wenn Maßnahmen zur Eingrenzung einer Pandemie ganze Bevölkerungsteile in die Staatsfeindlichkeit treiben oder der menschgemachte Klimawandel nur noch als Gruselgeschichte wahrgenommen wird, mit der man jetzt aber bitte auch mal wieder Schluss machen kann, weil wir weiter Verbrennermotoren verkaufen wollen.

Der Walfall zeigt, dass wir offenbar bereit sind, sobald der mediale Lärm nur groß genug ist, fachfremde Vermögende entscheiden zu lassen, wie mit einem gestrandeten Wal zu verfahren ist. Um gleichzeitig zu betonen, die Verantwortung dafür liege ganz allein bei ihnen und nicht etwa bei der Regierung und ihren staatlichen Einrichtungen. Und um hinterher zu beklagen, man sei hinters Licht geführt worden, wenn diese unkontrollierten Akteure unkontrolliert agieren. So wurde wahrscheinlich auch noch die Chance vertan, wissenschaftliche Daten zu sammeln, damit das Schicksal des Wals wenigstens für irgendetwas zunutze gewesen wäre.

Die Anteilnahme war nicht rational

Zu Recht wurde vielfach darauf hingewiesen, dass die große Anteilnahme am Schicksal des Wals ebenfalls nicht rational sei. So viele Tiere leiden in Schlachthöfen und Fangnetzen, und manch Wismarer Walfreund dürfte sich dennoch nach einem Blick auf den gestrandeten Meeressäuger zur Stärkung eine Bratwurst oder ein Fischbrötchen gegönnt haben.

Aber Rationalität ist nicht alles. Überschaubare Einzelschicksale erlauben uns, Anteil zu nehmen und Mitgefühl zu entwickeln, letztlich also: Menschlichkeit zu zeigen. Sie könnten uns helfen, vom individuellen Schicksal den Blick zu weiten auf größere Zusammenhänge. Wale sind uns erkennbar nicht egal. Wenn die Empathie für Timmy/Hope/den Wal dazu führte, dass wir uns stärker bemühen, die eigentlichen Gefährdungsfaktoren für Wale und Delfine zu reduzieren, statt einen einzelnen, todkranken Wal zurück ins Meer zu schubsen, hätte das ganze Spektakel auch etwas Gutes gehabt. Der Punkt dafür ist im populistischen Getümmel aber am Ende wohl so sang- und klanglos untergegangen wie womöglich der Wal.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

38 Kommentare

 / 
  • Toller Artikel! Vielen Dank dafür.



    In vielen Punkten exakt meine Meinung. Und wirklich sehr gut formuliert und in den Kontext gesetzt =)

    Wie ich selbst schon vor einigen Wochen geunkt habe: "Früher hat Greenpeace Wale geschützt, heute werden Wale geschubst." 🙄🥴

  • Hervorragender Kommentar, vielen Dank dafür. Der Wal wurde wochenlang gequält und von rechten Spinnern, Verschwörungstheoretikern, "Wahl"-nahen Politikern und sonstigen dubiosen Figuren für die jeweiligen Interessen ausgenutzt. Natürlich hätte man sich gewünscht dass der Wal sich irgendwie selbst rettet, aber was dann daraus gemacht wurde ist der absolute Wahnsinn. Menschen ertrinken im Mittelmeer im verzweifelten Versuch ein besseres Leben zu finden, überall gibt es Krieg, Armut, Ausbeutung, Folter, Mord. Dafür geht kein Mensch auf die Straße. Dazu noch die Millionen von Tieren die unter uns Menschen leiden und von uns gequält werden. Aber ein sterbenskranker Wal wird als Ikone der Fake News Fetischisten durch den inzwischen täglichen medialen Wahnsinn getrieben. Sehr traurig. Und es zeigt sehr deutlich wie es um unsere Gesellschaft steht. Das macht mir Angst.

    • @Pumba:

      Es ist nicht bekannt, ob der Wal sterbenskrank war. Dass er in einen Lebensraum gebracht wurde, wo es ihm hoffentlich besser geht, macht mir nicht Angst. Im Gegenteil. Ich hoffe, dass dadurch Menschen ermuntert werden, sich für die Gesamtheit von Flora und Fauna einzusetzen.

  • Timmy sollte eigentlich das offizielle Maskottchen der Whataboutisten und „das ist doch nicht Rational“ Rufer werden.

  • "moribunden"... genau das wäre mit Daten zu belegen, oder eben nicht.



    "Moribund bedeutet "todgeweiht" bzw. "sterbend". Ein Patient, der kurz vorm Tod steht, wurde früher auch als Moribundus bezeichnet."



    Quelle flexikon.doccheck.com



    Und dennoch als Anregung:



    Wir werden uns mit den Begriff "Priorisierung" ernsthaft in naher Zukunft auseinandersetzen müssen. Wegen der Prognose von Verschwendung.



    "Dass dafür absurd viele Ressourcen verbraucht wurden, mit denen man, richtig eingesetzt, eine ganze Menge für Wale, Delfine oder andere Tierarten hätte bewegen können, das andere."



    ?Eine Analogie der Verschwendung:



    www.sueddeutsche.d...n-medizin-e962386/



    Viele Menschen sind in zahlreichen Zusammenhängen irgendwie auch sehr dubiose Wesen...

  • Es muß auch nicht immer alles rational sein, aber sinnvoll, was auch immer das ist. Es war ein Versuch, und hätte der geklappt, hätte die ganze Welt gejubelt. Aber vielleicht wollte das Land auch nicht wochenlang beim Sterben zugucken, wie immer. So ist man den Wal los und fertig.

  • Wenn der Mensch Tieren nette Vornamen gibt ist es offenbar um den rationalen Verstand seiner Spezies geschehen...

    Ich stelle den guten Willen vieler Mitfühlender nicht einmal in Abrede. Aber was in diesem Fall vor den Augen einer staunenden bis entsetzten Öffentlichkeit zelebriert wurde war in vielen Fällen letztlich Selbstdarstellertum erster Güte. Da scharten sich die "Selfmade-Experten" um das zu bedauernde Einzellebewesen, fast jeder mit sehr eigener Agenda. Bis zum Schluß ist nicht wirklich nachvollziehbar ob man den Wal nicht doch besser sich selbst überlassen hätte...



    Ja - hatte schon Gründe, wenn anderswo geschrieben stand, dass man sich in Europa über uns amüsierte...

  • Es tut mir jetzt aufrichtig leid, das es keine aufwühlenden schwarz weiß Bilder ( die sehen bedrohlicher aus als Farbfotos) gibt mir denen die Hilfsorganisationen, die den Wal schon für fast tot erklärt haben, große Presse und Spendenaufrufe ankurbeln können. Ich denke das ist der eigentliche Ärger dem manche hier wutschnaubend Luft machen müssen. Ich hoffe der Wal hat überlebt und kommt nie wieder in die Nähe von Menschen. Viel Glück Timmy

  • Danke für den Artikel.

    Ich habe es nicht verstanden, warum da so ein Aufzug veranstaltet wird. Überall stranden die Wale, nicht nur wegen der akustischen Meerverschmutzung. Vor Ort geht die Natur den Bach runter, Versiegelung der Naturflächen, bester Ackerboden in der Wetterau für Rechenzentren und E-Werke, Waldsterben für die Autobahn ...

    Delphine und Wale berühren des Menschen Seele (siehe Whale Rider und andere Dokus). Über sie kann man was erreichen, aber doch nicht so. Mit einem Bratwurstbrötchen zwischen den Kiemen, das Leid einer "Rettungsaktion" verfolgen. Ganz große Kunst. :-/

  • Alles, was um das Schicksal dieses Wales herum geschehen ist, und geschrieben wurde, entlarvt die Menschheit.



    Der Millionär besitzt Millionen, und offenbar können viele es nicht ertragen dass er sie so ausgibt wie er es für richtig hält. Herr Gunz finanziert auch andere Maßnahmen zum Tierwohl.



    Der Wal hat durch die Maßnahme eine Chance auf Leben erhalten, die er auf seiner Ostsee-Sandbank niemals gehabt hätte. Und nachdem das von Wissenschaftlern "innerhalb von drei bis fünf Tagen sterbend" bezeichnete Tier fast einen Monat auf der Sandbank überlebt hat, ist doch offensichtlich dass auch Wissenschaft nicht alles weiß.



    Der Artikel ignoriert völlig, wie viel Zulauf und Zuspruch Schutzorganisationen zur Rettung der Meere und ihrer Bewohner durch die Berichterstattung um den Wal erhalten haben. Leider haben gerade die Medien, auch wie die taz, die Chance, weiter über die zugrunde liegenden Probleme aufzuklären nicht hinreichend genutzt. Von einer Selbstverantwortung jedes Einzelnen, seinen Beitrag zum Schutz von Meer und Umwelt zu leisten, gar nicht anzufangen. Überall viel Hetze und wenig klarer Standpunkt.

  • Ich bin schon ein bisschen spät, möchte mich aber für seinen Kommentar bei Heiko Werning herzlich bedanken! Ich bin ein vielleicht zu empathischer Mensch, und mir hat dieser Klamauk mehrfach das Herz gebrochen. Wie das arme Tier, besonders gegen Ende der Aktion, mit Lärm aller Art und zusätzlicher menschlicher Annäherung geflutet wurde, das war unerträglich. Ich hoffe, dass er sich wenigstens gefreut hat, wieder in Freiheit zu sein, wenn sie wahrscheinlich auch nur kurz währte.

  • Wo ist Wal-ter (Hope-Timmy-Dörte-Chantalle-Kevin-Jan-Luca-Amelie-Robespierre)?

    Das eigentlich Interessante an der ganzen Geschichte ist doch tatsächlich auch nicht die anrührende Moritat vom suizidalen Wal, sondern wie die Menschen sich untereinander dazu verhalten. Ein wahrer Reigen der Befindlichkeiten.

  • Der Wal wurde nicht "verklappt" - es gibt Live-Drohnenaufnahmen von NEW5Live wie er von der Barge wegschwimmt. Es gibt auch Signale vom GPS-Sender. Hätte man rausfinden können, vor oder bei Schreiben des Artikels.

    Und darüber hinaus: Man kann anhand dieses Wales viel lernen über guten Journalismus, Hin- und Wegschauen.



    NEWS5 hat 44 Tage 24/7 live draufgehalten und dadurch bewiesen, dass im Totgesagten viel Lebenswillen und Kraft steckte.



    NEWS5 war auch mit gecharterten Booten - alles durch seine Community finanziert - bei der Rettungsaktion dabei und hat durch Drohnenaufnahmen für Klarheit gesorgt.



    Ohne diese Live-Übertragungen - die auch die Retterinitiative gesehen hat - würde das Tier jetzt noch in seiner 50-cm-Brackwasser-Pfütze vor Poel leiden.

    Dieser Wal hat ein Recht auf Leben und Nicht-Leiden wie jedes andere Lebewesen. Man kann ein einzelnes Leben retten und gleichzeitig für die Bewahrung des Großen Ganzen sorgen. Das ist kein Entweder Oder.

    Andere Wildtiere - kleinere - werden selbstverständlich gerettet, aufgepäppelt und wieder in die Freiheit entlassen. Jetzt war es eben ein Wal.

    • @sujall:

      Wo - bitte - kann man die benannten 24/7 Aufnahmen von NEWS5 sehen? Das interessiert mich und bestimmt viele andere sehr!! Warum werden sie nicht öffentlich gemacht?!

  • Der bisher beste Artikel, den ich über dieses Thema insgesamt gelesen habe. Ich muss gestehen, dass ich mich zeitweise aus der Berichterstattung ausgeklingt habe, da ich dieses Thema einfach nicht mehr ertragen konnte und von Natur aus eher pessimistisch bin. Erst als der Wal erfolgreich in die Barge schwamm, habe ich mich wieder zugeschaltet und war zunächst zutiefst beeindruckt. Das Ende der Geschichte ist dann leider sehr unprofessionell verlaufen, wenn man sich die Pressekonferenz mit Frau. Dr. Tönnies ansieht, weshalb ich meine, dass dies Konsequenzen haben sollte - in welcher Form auch immer. Aber das ist im Nachhinein eigentlich auch keine große Überraschung - leider. Ich habe aber - trotz Pessimismus - die Hoffnung, dass man aus der ganzen Aktion etwas für die Zukunft lernen kann. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Nochmals: Danke für den Artikel!!!

  • Leider bestens auf den Punkt gebracht. Leider, weil ich mir eine andere Welt wünschen würde.

  • Ich bin einfach nur froh, dass sämtliche Influecer und Journalisten, die sich seit zwei Monaten urplötzlich in Meeresbiologen (mit dem Schwerpunkt Walrettung) verwandelt haben, nun ENDLICH aufhören von diesem Schwachsinn zu berichten und wieder ihrer normalen Arbeit nachgehen. Die Berichterstattung war ähnlich unerträglich wie die (versuchten) philosophischen oder bildungspolitischen Reden von R.D. Precht bei Lanz: Fachfremde Selbstdarstellung, dem Internet sei Dank...

    • @MarsiFuckinMoto:

      Precht und Lanz sind doch ganz unabhängig vom Thema völlig unerträglich. Was kann der arme Wal dafür?

  • Militarisierung der Meere durch Sonaranlagen, Müllverklappung, übermäßigen Güterverkehr, Überfischung stoppen.

  • "Die Anteilnahme war nicht rational." Dafür hat die örtliche Fischbrötchenbude ordentlich Kasse gemacht. Kognitive Dissonanz Masterclass.

  • Einen Erfolg hätte man sicher geeignet dokumentiert und anschließend gefeiert - vielleicht sogar zu Recht. Die Abwesenheit von Bildmaterial spricht eine deutliche Sprache - er wird wohl nach einigen Metern schlicht untergegangen und ertrunken sein. Viel Rauch um gar nichts? Würde ich nicht sagen, wenn man betrachtet, wie lächerlich sich einige führende Landespolitiker benommen haben. Ich plädiere für ein Denkmal, gerne einige Millionen Euro teuer, natürlich aus Steuermitteln.

    • @Nachtsonne:

      Die Nordsee bei Sturm ist zuweilen tatsächlich ein ernstzunehmender Gegner für die vermeintlichen Selbstverständlichkeiten moderner Medienrealität. Deshalb würde ich da nicht so messerscharf rückschließen wollen.



      Aber dass es viel Rauch um relativ wenig war, kann man wohl nicht abstreiten. Es wäre auch nicht die erste Rettungsaktion für gestrandete Wale gewesen, die sich in Sachen Herzblut und öffentlicher Hype in einem eklatanten Missverhältnis zu den absehbaren Erfolgschancen befand. Ob es nun Massenstrandungen auf der Südhalbkugel sind oder einzene veriirte Tiere in unseren Breiten: Überlebt haben es oft genug trotz tage- und wochenlanger, aufopferungsvoller Hilfsaktionen die wenigsten Wale. Effizienter Mitteleinsatz für Tier- und Artenschutz sieht also unstreitig anders aus - das haben auch die entsprechenden NGOs quasi von Tag 1 an betont.



      Auf der anderen Seite werden für sowas eben Mittel mobilisiert, die für die effektivere, aber nicht so "emotional erfahrbare" Arbeit gar nicht erst zur Verfügung stünden. Und vielleicht bleibt auch ein nachhaltiger Rest von Bewusstsein übrig, dass auch Mittel dafür etwas reichhaltiger fließen.

  • "Deutlicher kann man kaum zeigen, was man von Wissenschaft hält": Die Entscheidung, ob der Wal gerettet wird oder nicht, ist eine politische, nicht wissenschaftliche. Wissenschaft liefert nur Fakten, und es konnte, laut Presseberichten, nichts schlüssiges festgestellt werden. Ob und wie die existierenden Vorschriften eingehalten wurden, ist ein anderes Thema.

    • @Abcd E:

      Es ging im wesentlichen ja wohl eher darum, ob eine Rettung überhaupt möglich ist und wie sie zu bewerkstelligen wäre. Das hat ja nichts mit Politik zu tun.

  • Genau.

  • "Deutlicher kann man kaum zeigen, was man von Wissenschaft hält."



    Auf den Punkt gebracht.

    • @Nansen:

      Wissenschaft ist eine Methode, nicht die Inhaberin der absoluten Wahrheit. Greta hat auch in diesem Punkt unrecht.

      • @Nachtsonne:

        Und die wissenschaftliche Methode ist ein systematischer Prozess, der zu neuen Erkenntnissen führt, die auf Basis von Beobachtungen, Experimenten, Analysen und Kritik entstehen. (www.science.lu/de/...haftliche-methode)



        Auf Basis von was hingegen erfolgte diese FreeWillyShow?

      • @Nachtsonne:

        Wenn man sich aber medienwirksam der Einzelfallbetrachtung samt Herzschmerz-Publicityfaktor widmet und um dessentwillen (so steht es im Artikel) eine Konferenz sausenlässt, auf der man alternativ zu grundsätzlichen Lösungen für die Probleme der Meerestiere hätte beitragen können, dann ist dieser Satz völlig gerechtfertigt.



        Wissenschaft ist eine Methode und nicht weiß der Kuckuck was. Aber sie ist mehr als eine Meinung, und vor allem eher das, womit sich ein Politiker Einfluss verschaffen sollte anstatt mit Insta-Pics.

      • @Nachtsonne:

        und wer hat dann die absolute Wahrheit. Sicher nicht die mit dem meißten Gelde und auch nicht die die am lautesten schreien.



        Wissenschaft ist immer noch näher an der Wahrheit als alle andere. (wenn es freie Wissenschaft ist)

  • Danke für den Kommentar. Jetzt wo der Wal verschwunden ist...bitte



    die deutsche Marine mit einem U-Boot danach suchen lassen.

  • Erfahrungsgemäß ist die Hoffnung, dass das mediale Ausschlachten des Leidens des Wales irgendeine Änderung im Denken und Verhalten von Menschen bewirken könnte, völlig naiv.



    Nächste Woche wird eine neue (Erregungs-) Geschichte durch elektronische Dorf getrieben und in drei Wochen erinnert sich niemand der empörten und weinenden „Naturliebhaber“ mehr, das es „Timmy“ gegeben hat.



    So funktionieren heute Medien…

  • Es scheint vielleicht zu abwegig, selbst den Machern von Star Treck IV: Zurück in die Gegenwart ist es nicht eingefallen, mit dem Wal zu sprechen. Es ist zwar immer von Wal-Gesängen die Rede, doch wie sie kommunizieren, wissen wir nicht. Wenn der berühmte Graupapagei Alex Farben und Formen unterscheiden und benennen kann, sollte ein Wal mit einem etwas größeren Gehirn zu ähnlichen kognitiven Leistungen fähig sein. Angesichts der Absprachen unter Schwertwalen sollten auch komplexere Zusammenhänge verstanden werden. Dabei gibt es schon so lange Aufzeichnungen von Wal-Gesängen. Mit KI ausgewertet sollte sich doch da etwas finden. Sicher, es fehlt noch ein Stein von Rosetta, wo anhand von Beispielen ein erster Einblick geschaffen wird. Mit Tieren, die man kennt gelingt meist eine nonverbale Kommunikation.

    • @mdarge:

      Es gibt keine "KI". Das was du meinst sind LLMs. Die können natürlich nur irgendwas ausspucken, auf das sie trainiert wurden. Wenn keine entschlüsselte Wal-Kommunikation vorliegt, kann ein LLM rein gar nichts diesbezüglich.

  • Die Hoffnung stirbt zuletzt?



    Dann stirbt der Wal ja schon mal davor.

    Anderthalb Millionen für emotionale Befindlichkeitsentlastung und dann immer noch nicht im eigentlichen Habitat rausgesetzt (das wäre laut einem Biologen das Nordmeer gewesen). Wir spinnen, wir Menschlichen, wie Obelix schon wusste.

  • Homo sapiens hat Ratiowalität komplett verloren.

  • Laut meiner jugendlichen Nachbarin erkennt man am Namen die Sprecherin oder den Sprecher: Timmy sagen alte Leute; alle anderen nennen ihn Hope.

  • Hat der Irrsinn nun endlich ein Ende?



    Während in Japan 2025 im kommerziellen Walfang 326 Wale erlegt wurden, also fast jeden Tag einer, und niemand darüber berichtete, wurde um EINEN vermutlich schwerkranken Wal ein irrer Medienhyphe veranstaltet. Selbst T-Shirt und Taschen mit Aufschrift "Free Timmy" und "go Timy go" kann man kaufen, alleine in Temu über 100 Artikel - Irrsinn.



    All denjenigen die nun von Empathie für Timmy reden empfehle ich nur noch Fische mit dem Mindestsiegel MSC zu kaufen, das rettet hundertfach mehr Wale und Delfine, wenn auch ohne mediales Spektakel.