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Toter Wal vor DänemarkEin Kadaver namens Timmy

Ein deutsches Drama geht zu Ende: Bei dem vor der dänischen Insel Anholt angeschwemmten Wal-Kadaver handelt es sich um den todessehnsüchtigen Buckelwal von Poel.

Liebling der Nation: Timmy vor Anholt (nicht mehr ganz taufrisch) Foto: Jonas Walzberg/dpa

dpa/taz | Bei dem toten Wal vor der dänischen Insel Anholt handelt es sich nach Angaben der Behörden um den als „Timmy“ bekannten und zuvor in der Ostsee vor der Küste von Mecklenburg-Vorpommern gestrandeten Buckelwal. An dem Tier wurde ein zuvor angebrachter Tracker gefunden, teilten das Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern und die dänische Umweltbehörde am Samstag mit.

Zuvor hatten sich Taucher der dänischen Naturschutzbehörde und eine deutsche Tierärztin am Samstag – nach ersten Begutachtungen am Freitag – ein Bild von dem Kadaver gemacht, wie auf Livestream-Bildern des Wals zu erkennen war.

Die eigentlich auf Pferde spezialisierte Tierärztin Anne Herrschaft gehört zu der umstrittenen privaten Initiative, die den vor der Insel Poel gestrandeten Wal per Lastkahn Richtung Nordsee transportiert und dann Anfang Mai „freigesetzt“ hatte – eine Aktion, von der viele Experten zuvor abgeraten hatten. Auch weil es hieß, dass „Timmy“ für die komplette Aktion viel zu geschwächt sei und unter Umständen unmittelbar nach der „Freisetzung“ absaufen könnte.

Der Walforscher Peter Teglberg Madsen von der Universität Aarhus sprach nun auch erneut von Tierquälerei. „Der wurde ja in die Nordsee geschubst, krank und geschwächt, und dann ist er vermutlich nach Anholt getrieben“, sagte Teglberg Madsen im dänischen Fernsehen. Man hätte den Wal in Frieden lassen sollen, „statt ihn zwei Tage lang bis zur Nordsee zu schleppen“, wo er vermutlich ertrunken sei.

Möwen picken am Kadaver herum

Nach dänischen Schätzungen ist der vor Dänemark aufgetauchte Wal bereits seit einiger Zeit tot. Laut der dänischen Umweltbehörde Miljøstyrelsen sollen die Gewebeproben in Dänemark analysiert werden. Ob ein Gewebestück des Wals auch nach Deutschland geschickt wird – wo das Stranden von „Timmy“ wochenlang für derart viel Aufregung sorgte, dass böse Zungen schon von einer nationalen Psychose sprachen –, ist bislang offen.

Es gebe momentan auch gar keine Pläne, den Wal-Kadaver zu entfernen, hieß es zusätzlich von den dänischen Behörden. Da er weit vom Strand entfernt liege, störe er niemanden. Zahlreiche Möwen tummelten sich seit der Strandung am Donnerstag um das Tier und pickten an dem Kadaver herum.

Die Umweltbehörde forderte die Menschen auf der Insel dazu auf, sich von dem Wal-Kadaver fernzuhalten, schrieb die Zeitung Ekstra Bladet. Eventuelle Krankheitserreger könnten demnach von dem toten Tier auf Menschen übertragen werden. Außerdem bestehe die Gefahr, dass der Wal aufgrund von Fäulnisgasen explodiere. Das wäre dann wenigstens ein Abgang mit Wumms.

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