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Merz, Trump und der IrankriegEin Nein ist immer teuer

Ulrike Winkelmann

Kommentar von

Ulrike Winkelmann

Mutig war der Kanzler im Weißen Haus nicht. Aber Verweigerung in der Verteidigungspolitik kann an ungeahnten Stellen hohe Kosten verursachen.

Eine Bromance, deren Preis wir nicht kennen: Friedrich Merz am 3. März zu Besuch in Washington Foto: Mark Schiefelbein/ap

F riedrich Merz’ Kopfschütteln setzte ein, noch bevor er zu reden begann. Als Jessy Wellmer den Bundeskanzler am Dienstagabend in den Tagesthemen fragte: „Waren Sie zu wenig solidarisch?“, sagte Merz: „Nein“. Denn er habe dem US-Präsidenten im Anschluss an die Pressekonferenz im Weißen Haus erklärt, dass Großbritannien in der Ukraine sehr wichtig und Spanien übrigens EU-Mitglied sei. Donald Trump könne Spanien nicht einzeln dafür mit Zöllen bestrafen, dass es den Nato-Aufrüstungsvereinbarungen nicht nachkomme. „Und das habe ich beim Mittagessen ihm sehr deutlich auch gesagt“, sagte Merz.

Doch diesen Eindruck, dieses Bild bekommt er nicht mehr aus der Welt: Trump zieht in der ihm eigenen bösartigen Unverschämtheit über Pedro Sánchez und Keir Starmer her – und das Einzige, was Merz von seinem Goldsesselchen nebendran zu sagen hat, ist, dass Trump mit Spaniens Verteidigungsausgaben schon recht habe. Obendrein lässt Merz sich von Trump am Knie tätscheln und dafür loben, dass die Amerikaner ihre Stützpunkte in Deutschland nutzen können, wenn die Spanier dies bei sich nicht wünschen.

Das klang vor 23 Jahren anders, als Kanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer ihre rot-grüne Ablehnung eines sich ankündigenden Irakkriegs vor aller Welt vortrugen. Berühmt wurde der Ausbruch Fischers auf der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2003. „Excuse me, I am not convinced“, rief er dem US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ins Gesicht: Er sei nicht überzeugt von den Behauptungen zur Notwendigkeit eines Irakkriegs, und er sei auch nicht überzeugt von der Notwendigkeit „präventiver“ Angriffe.

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„Für Abenteuer“ stehe Deutschland „nicht zur Verfügung“, hatte Schröder schon Monate zuvor im Bundestagswahlkampf der US-Regierung unter George W. Bush ausgerichtet: erkennbar ein Vorbild jetzt für Sánchez. Doch so wie Spanien sich nun darauf einrichten darf, dass Trump sich schon noch eine Form der Strafe ausdenken wird, blieb auch das rot-grüne Nein vor 23 Jahren nicht ungesühnt. Die Frostphase in den transatlantischen Beziehungen war dabei noch verkraftbar – zumal die USA ihre Stützpunkte in Deutschland voll nutzen konnten und BND-Agenten in Bagdad halfen, Bombenziele auszumachen.

Ein Spiel mit dem Unbekannten

Die Rechnung aber kam mit Afghanistan: „Weil wir im Irak nicht mitgemacht haben, müssen wir in Afghanistan mitziehen“, lautete die Antwort, wen auch immer man nach 2003 zu Sinn und Zweck des deutschen Engagements in Afghanistan befragt hat. Der Druck, „in Afghanistan mehr zu machen“, wurde als enorm empfunden. Es war ein Einsatz, der für die Deutschen 2021 besonders schmählich zu Ende ging, denn nach 20 Jahren Krieg begriffen sie als Letzte, dass die Taliban gewonnen hatten.

Außen- und Verteidigungspolitik ist ein Spiel mit besonders vielen Unbekannten auf mehreren Bühnen. Möglicherweise hat Schröder die Wahl 2002 vor allem wegen seines Neins zum Irakkrieg gewonnen. Es mag weniger völkerrechtlich als innenpolitisch motiviert gewesen sein – der katastrophale Verlauf des Irakkriegs gab Schröder recht. Der Afghanistankrieg allerdings hat alle folgenden Regierungen viel gekostet (wenn auch keine Wahl).

Schröders Vorgänger Helmut Kohl erkaufte sich das deutsche Draußenbleiben – damals noch historisch begründet – stets mit viel Geld. Den Übergang zum Ein-bisschen-Mitmachen managte von 1992 bis 1998 unter anderem Kohls Außenminister von der FDP, Klaus Kinkel. Er berichtete 2017, wenige Monate vor seinem Tod, wie die Bundesrepublik 1993 in den ersten bewaffneten UNO-Einsatz in Somalia gedrängt wurde: Man habe es vom frisch vereinten Deutschland erwartet, es habe der Bündnisverpflichtung entsprochen. Darauf befragt, wie diese Forderung denn genau gelautet habe, sagte Kinkel verblüffenderweise: Es sei eben klar gewesen, „ohne dass das so absolut expressis verbis gesagt wurde“. Die wichtigsten Dinge in der Diplomatie scheinen aus Ungesagtem zu bestehen – wenn denn die Gemeinten tun, was sie sollen.

Doch das war die alte Weltordnung. Trump hat keine Probleme, Forderungen vor laufender Kamera zu stellen. Merz ist offenkundig so froh, dass Trump von Deutschland bloß die Nutzung von Ramstein erwartet, dass ihm keine Einwände gegen den Irankrieg einfallen wollen. Auch für diesen Verrat am Völkerrecht aber wird die Geschichte eine Rechnung aufstellen. Wir kennen sie nur noch nicht.

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Ulrike Winkelmann
Chefredakteurin
Chefredakteurin der taz seit Sommer 2020 - zusammen mit Barbara Junge und inzwischen auch Katrin Gottschalk. Vorher: Von 2014 bis 2020 beim Deutschlandfunk in Köln als Politikredakteurin in der Abteilung "Hintergrund". Davor von 1999 bis 2014 in der taz als Chefin vom Dienst, Sozialredakteurin, Parlamentskorrespondentin, Inlandsressortleiterin. Zwischendurch (2010/2011) auch ein Jahr Politikchefin bei der Wochenzeitung „der Freitag“.
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36 Kommentare

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  • Komplett falsches bzw. verharmlosendes Wording:

    "Aber Verweigerung in der Verteidigungspolitik kann an ungeahnten Stellen hohe Kosten verursachen. "

    Es handelt sich hier mitnichten um 'Verteidigungspolitik', sondern eindeutig um Kriegspolitik seitens des US-Präsidenten und des US-KRIEGS-Ministeriums.



    Diesen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg bzw. seine politischen Dimensionen noch unter 'Verteidigung' zu framen ist purer Euphemismus.

  • Viele Verstehen einfach nicht das Staaten sehr unterschiedlich groß und mächtig sind. Ganz anders als Privatpersonen mit denen man im Alltag agiert. Und dass sich dies auf alles auswirkt.

    Erinnert mich als ich schweizer Medien und Kommentare konsumiert haben. Da stand auch immer das sich die schweizrt Politiker angeblich vor dem Ausland in den Staub werfen.

    Weil man internationale Beziehungen parasozial mit interindividuellen Verwechselt. Dies ist schlichtweg nicht der Fall.

  • "Doch das war die alte Weltordnung. Trump hat keine Probleme, Forderungen vor laufender Kamera zu stellen. Merz ist offenkundig so froh, dass Trump von Deutschland bloß die Nutzung von Ramstein erwartet"



    Immerhin hat sich der POTUS nicht wieder unerwartet und uninformiert zur Innenpolitik in Deutschland geäußert und dabei Wind unter die Flügel der hiesigen Demokratiefeinde gebracht.



    Vor der Bundestagswahl war das schon anders gewesen, auch mit einer Reminiszenz an ein uns historisch abenteuerlich erscheinendes Demokratieverständnis.

    • @Martin Rees:

      Hartnäckig halten sich übrigens kolportierte Falschnachrichten zu Willy Brandt u. Israel:



      "Wie bereits in einem Artikel für die „Welt am Sonntag“, der im Oktober 2013 erschien, wirft Wolffsohn Willy Brandt und der sozial-liberalen Bundesregierung vor, während des Jom-Kippur-Kriegs im Oktober 1973 aus Angst vor einem Stopp der Öllieferungen aus den arabischen Staaten Israel Hilfe verweigert und sich gegenüber dem wichtigsten Bündnispartner USA illoyal verhalten zu haben. ()



      Dieser Vorwurf ist falsch. Das Gegenteil ist richtig. Trotz formeller Neutralität der Bundes­republik in dem Konflikt duldete die Bundesregierung zum einen, dass die Amerikaner in Bremerhaven US-Kriegsmaterial an Israel verschifften. Bonn protestierte gegenüber Washington erst in dem Moment gegen diese Praxis, als bekannt wurde, dass auch nach dem offiziellen Waffenstillstand Material verladen wurde und zwar auf Schiffe unter israelischer Flagge. Zum anderen hatte die Bundeswehr – auf ausdrückliche Anweisung Willy Brandts – zuvor schon selbst Waffen an das in den ersten Kriegstagen schwer bedrängte Israel geliefert. Dies enthüllte Klaus Harpprecht bereits im Jahr 2000" (Artikel für „Die Zeit“).



      b. willy-brandt.de

  • "Kein Blut für Öl!"



    Danke, dass Schröder und Fischer hier nochmal für Ihr Standing geehrt werden . Das war schon ein mutiger Schritt.



    Im Übrigen kam das nicht aus heiterem Himmel:



    die gesellschaftliche Linke war damals pazifistisch.



    Demos, Mahnwachen, Lichterketten begleiteten die Golfkriege.



    Diejenigen, die diese Geschichte heute umschreiben wollen waren wahrscheinlich nicht dabei. Entweder weil sie noch nicht geboren waren, oder bei der Jungen Union das Freibier noch leeren mussten.



    Ach ja :der Rosenmontagszug wurde abgesagt. Aus politischen Gründen!



    Betrachtet man*frau demgegenüber den Möchtegernkanzler Merz, fällt mir spontan ein: "Schießbudenfigur"!

    • @Philippo1000:

      In der Praxis agiert (taten) Merz nicht anders als Fischer.

      Das er bei der Tonalität einen anderen Duktus nutzt mit Persönlichkeit (der von Merz) oder Integrität zu erklären statt mit der Persönlichkeit von Trump oder der Tatsache das Europa von Russland bedroht wird ist eine Entscheidung die allein deswegen gemacht wird um auf Merz zu schimpfen.

      Ich kann mir nicht vorstellen das Fischer anders Handeln oder sehr viel anders reden würde als Merz. Das trifft auch auf alle SPD Kanzlerkandidaten und alle Grünen Spitzenkandidaten der letzten 2 Jahrzehnte zu.

    • @Philippo1000:

      Schon klar, wenn Schröder und Fischer Ramstein bereitstellen ist das kein Dilemma sondern "Standing".

      Wenn Merz die gleiche Haltng Deutschlands als ein Dilemma beschreibt, dann ist das "Möchtegern".

      Warm macht man sich nicht ehrlich damit und bezeichnet die positive Haltung von Schröder und Fischer zur Nutzung von Ramstein als das was es war: eine wesentliche Entscheidung dafür, dass die USA seinerzeit den Irak-Krieg führen konnte. Da war nichts pazifistisches dran.

  • Im Theater sind das die Statusmarkierungen, die Trump da abzog. Nach einem Grabbing by the ... legs feuert man sofort eine Berührung des anderen in seinem Bereich zurück. Spielchen der Erwachsenen, doch so ist es leider.



    Hätte Merz statt Adressbuchverkaufen mal verantwortliche Politik in der Zwischenzeit gemacht, hätte er das gelernt, das weiß bereits ein Landrat.



    Spanien hat sachlich m.E. Recht bei Nein zum Völkerrechtsbruch durch Trump, Netanyahu, Ja zu Palästina-Rechten und Unrecht, dass Putin-Russland durch die Pyrenäen kein Problem sei. Das Letztgenannte sollte nicht unsolidarisch werden.



    Besser hätte er argumentiert, dass mensch Rüstungsgeflechte noch nicht aufpumpt, wenn das Geld in Dividenden versickert.



    Spanien hat dennoch die normale EU-Solidarität verdient. Schlagfertig wäre, das in kurzen Sätzen zu markieren und weiter auf Trumps Aktions-Kanal zu funken, bis er wieder kommunikativ ansprechbar ist. Das Wie von Kommunikation ist halt so wichtig.



    Merz kann leider nur Oppositionsrede. Schade, dass gerade auch das Außenministerium vom Status drittrangig besetzt ist. Da kommt absehbar keine Hilfe.

    • @Janix:

      "Merz kann leider nur Oppositionsrede."

      Sie haben viel geredet. Aber sie kommen nicht auf den Punkt. Soll Deutschland sich nun Absprechen mit den USA zur Ukraine, Wirtschaft, Iran, Steuern oder wollen Sie nur irgend si einen Macho-Kanzler der bei Trump einen auf dicke Hose macht.

      Und zur Solidarität mit Spanien sollten Sie dich mittlerweile auch bescheid wissen. Die kam kurz nach Trumps Tollwutanfall: www.deutschlandfun...etzung-zu-100.html

      Ihre Kritik "Merz kann leider nur Oppositionsrede. " fällt auf Sie selber zurück.

      • @Prinz Leonce vom Königreiche Popo:

        Nix fällt. Merz hat sich nicht eingearbeitet oder vorbereiten lassen.

        Also: bei Leuten mit starkem "Macher"-Kanal das Powerspiel machen und sofort zurückberühren o.ä. - Macron machte es vor.



        Spanien als Teil der EU benennen und Dissens kurz klarstellen geht öffentlich - die 5 % auch. Wir brauchen die Spanier wie sie uns. Vor allem brauchen wir die EU.

        Oppositionsrede gestehe ich ihm wirklich und ernsthaft zu, wie den ähnlich inselbegabten Westerwelle und Lindner.

        • @Janix:

          Sie haben den kurzen Bericht des Deutschlandfunks zur sofortigen wirtschaftlichen Solidarität Europas also insb. auch Deutschlands mit mit Spanien nach Trumps Ausfall scheinbar garnicht zur Kenntnis genommen. Soviel nur zu ihrem Vorwurf, das sich da jemand (Sie) nicht eingearbeitet hat.

          Zudem halte ich es für übergriffig, Menschen aufzufordern, Trump zu betatschen. Das kann Macron so machen, wie es ihm passt, aber das haben nicht andere zu entscheiden.

  • Mit T kann man keine Politik machen. Also kann man auch nicht erwarten das der Bundeskanzler jetzt tolle Worte in diesem Unsäglichen, goldenem Prunkpalast spricht. Das ist alles schon unangenehm genug mit diesem selbstgefälligen T im gleichen Raum zu sitzen und angefasst zu werden.

    • @Kai Kraatz:

      Ist vorher bekanntes und eingesetztes Macht-Spielchen, das wehrt man entweder ab oder spielt es - besser - mit.

  • Das ist doch das Thema, und kann da nur an eine faire Analyse appellieren. Ja, mitmachen in einem Krieg hat einen Preis, nicht Mitmachen hat ebenfalls einen Preis. Auch die Währung des Preises ändert sich, Menschenleben oder nur Geld...?



    Klar in diesen Zeiten: Theoretische Ansätze, juristische Ansätze...., alles 'vergossene Milch', bei den Protagonisten um uns herum. Wir werden einen Preis bezahlen müssen, was Habhaftes, Praktisches, was echt Greifbares. Nur Worte und Verweise auf irgendwelche Rechtsnormen..... kann man komplett vergessen. Wir müssen uns klar machen, was wir wie erreichen wollen, oder verhindern wollen. Und was wir dafür bereit sind zu tun. Und zwar recht schnell.

  • Wiesbaden, Stuttgart und Landstuhl, sind für die US Streitkräfte neben Ramstein auch sehr wichtig...



    Die rot-grüne Ablehnung direkter Beteiligung am Irak Krieg 2003, war damals aber mehr Theater als Widerstand.



    Was wurden auch von Deutschland aus Leute zur Folter verschleppt im Zuge des "War on Terror", mit dem der Iraq ja absurder Weise in Verbindung gebracht wurde.



    Der Irak ist erst durch den Krieg 2003 zu einem "afghanistan-esquen, freiluft Terrorcamp" geworden, so wie es jetzt eventuell bald dem Iran ergehen könnte und alle die sich nicht entschieden gegen diesen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gestellt haben oder ihn direkt oder indirekt unterstützen, tragen eine Mitverantwortung. Ich mag die Theokraten in Iran auch nicht, aber es ist nicht gut, wenn immer wieder diese selektive Anwendung von Völkerrecht zu konstatieren ist.



    Staatschefs kidnappen und töten ist also eigentlich okay, bzw es kommt nur drauf an wer es macht und wem es widerfährt?



    "Souveränität" und "territoriale Integrität". Nette Ideen...

  • Mir wird zu viel in den Kanzlerbesuch hineininterpretiert. Wenn laut Kinkel vieles in der Diplomatie ungesagt bleibt, so gilt dies auch beim Kanzler. Was ist so unterschiedlich zwischen Irakkrieg damals und dem Irankrieg heute? Damals durfte Ramstein genutzt werden. Wo sich Trump aus Europa zurückziehen möchte, ist das heute viel akuter. Später lieferten Tornados Aufklärungsbilder. Heute kann sich Merz zurücklehnen niemand fordert von der Bundeswehr Einheiten.



    Zudem war Teilnahme in Afghanistan richtig. Aus Solidarität und für den internationalen Frieden mussten sich die Deutschen hier beteiligen. Doch es gibt nicht „den Afghanistaneinsatz“. Vielmehr änderte sich der Einsatzzweck mehrfach. Daher zogen sich die Niederländer 2010 und die Kanadier ein Jahr später zurück. Dieser Schritt kam spät, wären die Deutschen schon 2005 gegangen, wäre es nie zu der Kundus-Affäre mit dem Tanklaster gekommen.



    Von einem Merz wird jetzt das gefordert, wo Politiker früher versagten. Wie war das mit dem Atomdeal des Iran mit der EU? Was geheime Zentrifugen lieferten, würde für 11 Gefechtsköpfe reichen. Wenn sich eine Seite nicht an Verträge hält, kann man nicht weitermachen, als sei nichts geschehen

    • @mdarge:

      "Was ist so unterschiedlich zwischen Irakkrieg damals und dem Irankrieg heute?" Am finalen Krieggrund vielleicht wenig.



      Alle anderen Randbedingungen sind massiv anders: Von der Position USA zur Nato angefangen, Krieg in der Ukraine und ein Irrer in Moskau, Standpunkt Israels, Europa uneinig zu vielen Themen, Rechtsparteien im Aufwind.....naja, führen Sie die Liste mal selbst weiter.

      • @Tom Farmer:

        Das Ende des Saddam-Iraks machte den Pfad frei für den Iran und Israel. Das Ende des Mullah-Irans den für Israel und Saudi-Arabien.



        Beidesmal ist das Nachher nicht klar. Öl und Gas spielen mit.



        Und doch gibt es eine sehr andere Umweltlage. Und der Irak war besetzbar, der Iran ist es kaum.

  • Der Krieg gegen den Iran verstößt gegen das Völkerrecht. Aber ohne glaubwürdige amerikanische Unterstützung könnte Putin eher geneigt sein, unsere Verteidigung in der EU praktisch zu testen. Daher ist es bis ca. 2040 schon im Eigeninteresse, den Amerikanern nicht negativ aufzufallen. Erst recht nicht für das Regime im Iran. Die Rechnung der Geschichte wird auch nicht hoch ausfallen - die Mullahs sind nicht so beliebt und anders als in Gaza wird nicht großflächig alles platt gemacht.

    • @Peter Rabe:

      Völkerrecht Schmölkerrecht. Wenn ein Land zu schwach ist, sein Völkerrecht selbst durchzusetzen, dann hat es eben keins.



      Was genau werfen wir Putin nochmal vor, und den Ländern, die an seiner Seite stehen?

      • @Limonadengrundstoff:

        Putin werfen „wir“ einen offensiven Eroberungskrieg und Terror gegen die Zivilisten vor. Weder die USA noch Israel wollen Iran erobern oder die Zivilisten gezielt terrorisieren. Die Ukraine hat Russland nicht bedroht, der Iran droht seit 40 Jahren aber Israel und den USA mit Worten und Taten. Das sind rechtlich zwei unterschiedliche Tatbestände und moralisch ebenso. Und Völkerrecht war schon immer nur so stark wie der Staat, der sich darauf berufen will. Das ist nichts Neues. Sonst gäbe es unter anderem den Nahostkonflikt gar nicht.

        • @Peter Rabe:

          Welchen (völkerrechtlichen) Tatbestand können die USA dem Iran denn vorwerfen, der das massenhafte Töten von unschuldigen Menschen - ob Soldaten oder Frauen und Kindern wie grade wieder geschehen - rechtfertigt? Wenn es da etwas gibt muss man das nach geltendem (Völker-)Recht noch immer bei der UN vorbringen, egal ob man die in ihrem momentanen Zustand für handlungsfähig hält oder nicht. Einen unprovozierten Angriff mit angeblichen rechtlichen Dingen zu legitimieren ist schon sehr weit hergeholt.

          • @Gagman:

            „ Der Krieg gegen den Iran verstößt gegen das Völkerrecht.“ Damit startet mein erster Kommentar. Der Krieg ist - sehr wahrscheinlich - rechtswidrig weil die Voraussetzungen für einen präventiven Krieg nicht vorliegen.

            Ich habe nur vertreten, dass es für uns in Europa politisch opportun ist, die Amerikaner gewähren zu lassen.

            • @Peter Rabe:

              >Ich habe nur vertreten, dass es für uns in Europa politisch opportun ist, die Amerikaner gewähren zu lassen.<

              Trump und Netanjahu sind Verbrecher die ohnehin machen was sie wollen. Es geht nicht darum diese gewähren zu lassen sondern darum sich denen zum Komplizen zu machen - oder eben nicht.

              • @A. Müllermilch:

                Ich bin lieber noch Komplize des Paten Trump, der nur mein Geld will und von dem ich mich „freirüsten“ kann als Opfer des Paten Putin, der mir ans Leben will.

  • Freundlich zu jeder Unverschämtheit über unsere Miteuropäer schweigen und ohne Rückgrat im Goldsesselchen lächeln und sich ans Knie tätscheln lassen. Ich finde, das Merz die deutsche Mehrheitsgesellschaft sehr gut und ehrlich repräsentiert.

    • @Der Anfang:

      Da haben Sie durchaus einen Punkt. Egal welche Staatsform, Regierungen entstehen nie im luftleeren Raum. Das gilt für Deutschland genauso wie für die USA, Russland und alle anderen Staaten.

  • Das sollte man schon noch trennen, Verteidigungspolitik (gegen Rußland?) ist das eine, irrwitzige, planlose militärische Abenteuer, von denen offenbar weder Israel noch die USA wirklich wissen, was ihr Ergebnis sein soll das andere.

  • "„Excuse me, I am not convinced“, rief er dem US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ins Gesicht"



    Das konnte er damals tun, weil niemand der Beteiligten auch nur im Traum daran dachte, die NATO als solche zu beenden.



    Das ist heute anders.



    Sehr wichtiger Unterschied.

    "Auch für diesen Verrat am Völkerrecht aber wird die Geschichte eine Rechnung aufstellen. Wir kennen sie nur noch nicht."



    Wer ein Programm für die Zukunft verfasst, ist ein Reaktionär. Karl Marx

    • @Encantado:

      Die ganze Zeit schon, wenn ich die Nachrichten zur Ukraine verfolge, denke ich an "Petersberg 1999", als man sich in Europa im Zuge der Balkan-Kriege, mal beraten hat eigenständige - unabhängig von den USA/NATO - Verteidigungsfähigkeit zu erlangen.

      Kein Urteil, na. Was schieb' ich alles auf... *lol*



      Schön. Alle mal wieder an Joshka und Gerhard gedacht...

  • Herr Merz sollte sich einen Zettel an den Spiegel kleben. Drauf steht: "Ich bin der Vertreter der zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt!



    Vielleicht würde er dann Trump im aufrechten Gang begegnen.

    • @Il_Leopardo:

      Das muss aber schon ne ganze Weile her sein ;-)



      Gegenwärtig liegt Deutschland kaufkraftbereinigt auf Platz 6, ansonsten nominal berechnet noch auf Platz 3 mit Abwärtstendenz.

    • @Il_Leopardo:

      Ist damit Blackrock gemeint?

      • @nihilist:

        Amüsanter Gedanke! Nein, ich meinte natürlich die EU, in deren Namen er zu diesem ....kerl gefahren ist.

    • @Il_Leopardo:

      „Ich bin der Vertreter der zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt!" - Damit würde er beweisen, dass er von gestern ist. Was ja nicht überraschen täte.



      de.wikipedia.org/w...uttoinlandsprodukt

      • @Mondschaf26:

        Hat er nicht im Namen der EU gesprochen!