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Getöteter Rechtsextremer in FrankreichDer Charlie-Kirk-Effekt

Kommentar von

Lea Fauth

Eine Antifa-Gruppe tötet in Frankreich einen Rechtsextremen. Macron und Minister zeigen sich solidarisch. Bei rassistischen Morden bleibt dieses „Wir“-Gefühl aber aus.

Gedenken an den verstorbenen Quentin am 15. Februar auf der Place de la Sorbonne in Paris Foto: Ivan Couturier/hans lucas/afp

Q uentin Deranques Tod könnte der parteipolitischen und gesellschaftlichen Linken noch nachhaltig schaden. Der rechtsextreme Student starb infolge einer gewaltvollen Auseinandersetzung zwischen einer Antifa-Gruppe und Identitären am 12. Februar in Lyon. Besonders problematisch: Bei der Antifa-Gruppe soll es sich laut rechtsextremer Zeu­g*in­nen um die seit 2025 verbotene Organisation Jeune Garde handeln, die von dem Abgeordneten Raphaël Arnault gegründet wurde, einem Mitglied der linken Partei La France insoumise (FI).

Wie französische Medien berichten, wollen Mitglieder der rechtsextremen Gruppe „Némésis“ Arnaults parlamentarischen Assistenten Jacques-Elie Favrot bei der Tat erkannt haben. Favrot „bestreitet ausdrücklich, für das Drama verantwortlich zu sein“, wie er durch seinen Anwalt mitteilen ließ. Die Staatsanwaltschaft habe bisher noch keinen Zusammenhang hergestellt, schreibt der französische Radiosender RTL. Favrot wurde trotzdem vorsorglich von der Nationalversammlung ausgeschlossen. Sollte sich der Vorwurf bewahrheiten, muss die Partei FI sich zu Recht damit auseinandersetzen, dass sie eine problematische Nähe zu gewalttätigen Kleingruppen pflegt, womit sie moralisch und politisch ihre gesellschaftliche Anschlussfähigkeit verlöre.

Auch linke, außerparlamentarische Gruppen sollten nicht erst nach diesem Fall hinterfragen, wie weit antifaschistische Selbstverteidigung geht und gehen darf. Zum einen ist da die offensichtliche moralische Dimension. Zum anderen ist auch politisch und strategisch fragwürdig, ob mit solchen Mitteln Rechtsruck und Faschismus – die eine reale und akute Gefahr darstellen – wirklich und effektiv zu bekämpfen sind.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.

Über diese Fragen hinaus ist es aber auch wichtig, den medialen und gesellschaftlichen Umgang mit dem Fall kritisch zu betrachten. Dazu gehört auch eine fragwürdige Überidentifikation mit dem Opfer, eine Art Charlie-Kirk-Effekt. So sicherte Präsident Emmanuel Macron der Familie des Ermordeten nichts weniger als „die Unterstützung der Nation“ zu. Hätte eine Verurteilung der Gewalt nicht genügt?

Zum Vergleich: Am 28. April 2025 erstach ein Mann den Malier Aboubakar Cissé vor einer Moschee in Lyon. Am 31. Mai 2025 wurde der tunesische Friseur Hichem Miraoui mit fünf Schüssen von einem Le-Pen-Anhänger ermordet. Auch rassistische Polizeigewalt führt in Frankreich immer wieder zu Toten, zuletzt am 15. Januar, nachdem Polizisten den Mauretanier El Hacen Diarra mit Elektrotaser verletzt haben und dieser später in Polizeigewahrsam verstorben ist. Man könnte auch die 164 Femizide allein im Jahr 2025 nennen.

Kein Whataboutism

Wer jetzt Whataboutism wittert: In dieser Gegenüberstellung geht es nicht darum, den Tod des einen durch den der anderen zu relativieren. Es ist aber bezeichnend, dass bei Frauen und Menschen mit afrikanischen Namen in der politischen Rhetorik nicht annähernd ein vergleichbares Gefühl des „Wir“ propagiert wird.

Das liegt auch an der Berichterstattung. Schilderungen von Rechtsextremen wurden im Fall Deranque von Medien relativ unhinterfragt übernommen, obwohl der Sachverhalt noch nicht geklärt ist. Der Anwalt von Deranques Familie behauptet, dem 23-Jährigen sei von trainierten und bewaffneten Individuen in großer Überzahl ein Hinterhalt gestellt worden.

Das Investigativmagazin Médiapart hat dagegen rekonstruieren können, dass Deranque mit etwa 20 weiteren Rechtsextremen vermummt unter einer Autobrücke stand, um das in der Nähe stehende identitäre Kollektiv „Némésis“ gegen etwaige Angriffe zu schützen, und dass eine linke Gruppe vermutlich zufällig auf sie stieß. Welche Seite zuerst gewalttätig wurde, ist unklar. In einem Video sieht man etwa zehn Menschen – wohl der linken Gruppe zugehörig – auf drei Leute am Boden eintreten. Es wäre keine Relativierung, sondern teil seriöser Berichterstattung, dies alles darzustellen.

Manche der oben genannten rassistischen Morde haben in Frankreich für Demonstrationen gesorgt, nicht aber für Äußerungen, geschweige denn Handlungen von Ministern oder vom Präsidenten wie bei Deranque. Und so lässt sich am Fall Quentin Deranque eben auch feststellen: Staatliche Ak­teu­r*in­nen identifizieren sich explizit eher mit einem Rechtsextremen als mit Frauen und Arabern.

Nebenbei wird der Fall zu einem willkommenen Vorwand, alles, was irgendwie links ist, zu delegitimieren. Das steht symptomatisch für die immer weniger verkappte bürgerliche Nähe zum rechten Rand. Und vielleicht liegt darin das größere Problem.

Transparenzhinweis vom 17.02. 2025 um 13:50: In einer früheren Version dieses Textes, war davon die Rede, dass Zeu­g*in­nen den Abgeordneten Raphaël Arnault bei der Tat gesehen haben wollen. Das stimmt nicht. Tatsächlich hat die Gruppe „Némésis“ dessen parlamentarischen Assistenten Jacques-Elie Favrot in einem Statement beschuldigt an der Tat beteiligt gewesen zu sein. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten um Entschuldigung. Vielen Dank für Hinweise.

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80 Kommentare

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  • Schrecklich, diese Entwicklung. Rache und Polarisierung. Mich besorgt auch gerade die Entwicklung in Frankreich schon länger.

  • Faschisten kommen beim Faschistensachen machen ums Leben.

    Und dann machen eben welche ein Lied für Horst Wessel, oder benennen einen Vergnügungsdampfer nach Wilhelm Gustloff.

    Der zeitgenössische Diskurs drum war sicher weniger digital inkontinent.



    Aber dem Grunde nach doch gleich.

  • Naja, das besondere an dem Fall ist ja, dass es sich bei den Tatverdächtigen nicht (nur) um irgendwelche Extremisten (vom Schlag NSU oder Hammerbande) handelt, sondern dass eine konkrete parteipolitische Komponente vorliegt.

    Das hat dann schon noch ein anderes Niveau.

  • Hier ist in der Tat das größte und schwerwiegendste Problem gut auf den Punkt gebracht: die wachsende Nähe der Bürgerlichen und Konservativen zum rechten Rand bzw. ihre nachlassende Kontaktscheu und politischer Schamhaftigkeit.

  • Die Reaktionen "Whataboutism" hier im Forum finde ich nicht angemessen. Eine Betrachtung darüber, ob über Gewalt von Links und Rechts in den Medien ähnlich berichtet wird und ob die Reaktionen staatlicher Akteure unterschiedlich aussehen, ist schon sinnvoll. Ohne vergleichende Beispiele ist das wohl schlecht möglich.

  • „antifaschistische Selbstverteidigung“ ist in diesem Fall eine klare Opfer-Täter-Umkehr. Nach allem, was man den französischen Medien entnehmen kann, wollte die Frauengruppe Nemesis gegen den Auftritt der LFI-Europaabgeordneten demonstrieren. Die sieben (?) Frauen hatten, wie sich zeigte nicht grundlos, einige Bekannte gebeten sie zu beschützen. Die Antifa (laut Figaro rund 20 militante Linksextremisten) hat diese kleine Gruppe angegriffen, einzelne der „Beschützer“ getrennt und verfolgt, und den „23-jährigen Mathematikstudenten Quentin Deranque“ am Boden liegend durch Fußtritte gegen den Kopf tödlich verletzt. Das sind die bislang bekannten Fakten. Stand jetzt sind elf Tatverdächtige verhaftet. Die Tat wird von der Staatsanwaltschaft Lyon als Mord verfolgt. Der Mitarbeiter des LFI-Abgeordneten Raphaël Arnault, Name Jacques-Élie Favrot, ist als Mitbeteiligter bzw. Tatverdächtiger ebenfalls verhaftet. (Quelle: i. W. Le Figaro, teils auch BBC)

  • "Auch linke, außerparlamentarische Gruppen sollten nicht erst nach diesem Fall hinterfragen, wie weit antifaschistische Selbstverteidigung geht und gehen darf."

    Wenn man bei einem Fall, wo eine Gruppe einer Person auflauert und diese tötet, von "Selbstverteidigung" spricht, hat man den demokratischen Diskursraum im Grunde verlassen. Auch dann, wenn man findet, das ginge zu weit - alleine, dass es im Raum steht, ist schon absurd. Ebenso gut könnten ekelhafte Rechtsradikale die genannten rassistischen Morde als "nationale Selbstverteidigung" bezeichnen (was sie zum Teil ja auch tun). Wenn man proaktiv in einer Demokratie Gewalt propagiert, hat man den Boden der Selbstverteidigung verlassen. Egal, gegen wen es geht.

    Mal abgesehen davon ist der Vergleich zwischen rassistischer und politischer Gewalt im Grunde ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Das es besser wäre, der französische Staat würde stärker auf rassistische Gewalt reagieren, ist unbestritten - das macht es aber nicht falsch, auf politische Gewalt stark zu reagieren.

    • @Agarack:

      Eine Gruppe Linksradikaler ist auf eine Gruppe Rechtsradikaler getroffen. Hier wurde niemandem "aufgelauert". Was den Mord nicht entschuldigt, selbst wenn die Rechtsradikalen angefangen haben sollten, aber man sollte schon bei den Fakten bleiben.

      Wenn Angriffe und Morde von Rechtsradikalen weniger beachtet werden, als Angriffe/Morde auf von Rechtsradikalen, ist das leider auch eine Art Propaganda.

      • @sociajizzm:

        Das liegt aber auch viel daran, wie über die Gewalt berichtet wird. Wenn aber Demos und viele Artikel rausgehauen werden, welche Gewalt relativiert, weil man vermeintlich solidarisch sein will, dann stehen Linke Gewalttaten natürlich mehr im Fokus.



        Rechte Medien und Gruppen zeigen eher selten Solidarität mit rechten Gewalttätern.

        Daher ganz einfach keine Solidarität mit Gewalttätern. Wer sich auf diesen Weg begibt wird fallen gelassen.



        Dann wird es auch einfacher das schiere Ungleichgewicht zwischen Rechter und Linker Gewalt aufzuzeigen.

  • Auch wenn man der Argumentation in Teilen folgen mag, es bleibt doch wie schon bei den Kommentaren zu Maja T. ein Beigeschmack zurück, linke Gewalt wenn nicht zu legitimieren, so doch zu erklären und einzuebnen. Und dann doch: zu verharmlosen. Es ist gerade nicht die Zeit auf andere Gewalttaten hinzuweisen. Man mag Verständnis dafür haben, den Zeitpunkt zu nutzen, um andere Morde ins Gedächtnis zu rufen, doch die Instrumentalisierung und Trittbrettfahrerei schwingt da mit. Das ist einfach schlechtes Timing für ein ernsthaftes Räsonnement in einer emotionalisierten Nachricht, wo sich die Wogen noch nicht geglättet haben.

    Das Thema linke Gewalt hat bei vielen Kommentatoren hier im Blatt auffallend oft Schlagseite. Auch wenn der Autor hier sehr ausgleichend auf den strategischen Fehler hinweist. Es ist zu wenig Distanz.

    • @rakader:

      Danke, meine volle Zustimmung!

  • Macrons Reaktion zum Mord an Abubakar Cisse:



    "Racism and hatred based on religion can have no place in France. Freedom of worship cannot be violated," he wrote, offering support to "our fellow Muslim citizens."

  • Solange niemand verurteilt wurde, kann man weder behaupten, dass die Täter zu irgendeiner politischen Gruppe gehören, noch ergibt es Sinn sich von ihnen großartig zu distanzieren.

  • Wie der Artikel selbst sagt: Das eine entschuldigt nicht das andere, in beide Richtungen. Menschen sind Menschen sind Menschen. Bei (ich vermute) Morden und ihrer Bewertung sollten in beide Richtungen gedacht Herkunft allerlei Art keine Rolle spielen, von der im Gesetz vorgesehenen Wertung von Rassismus als klar verwerflich abgesehen.

    • @Janix:

      Faschisten sind Unmenschen.

  • Bei aller notwendigen Einordnung finde ich diesen Kommentar eher peinlich zu diesem Zeitpunkt. Hat die Linke das nötig? Wem soll es helfen, jetzt auf andere Opfer einer unheilvollen Entwicklung zu verweisen und diese damit zur reinen Kulisse der eigenen Unfähigkeit zu degradieren? Was habende zu recht beklagten Femizide mit Fremdenfeindlichkeit oder rassistisch motiviertem politischen Handeln zu tun, außer unter Umständen sogar noch eine Steilvorlage für Rechtspopulisten zu liefern, wenn sie im migrantisch geprägtem Umfeld passieren?

  • Whatsaboutism in reinform...

    • @Samvim:

      Nö. Es geht um den unterschiedlichen Umgang mit politisch motivierten Gewalttaten. Das kann man nur aufzeigen, indem man vergleicht.

    • @Samvim:

      Dazu sagt der Artikel freilich auch etwas, oder? Er kritisiert das Sich-Beschränken auf die eine, 'linke' Seite.

    • @Samvim:

      Dabei wurden objektive Argumente im Artikel vorgelegt, warum es definitionsgemäß kein Whataboutism ist.

      • @Troll Eulenspiegel:

        Die Argumente erschöpfen sich in der Behauptung, dass die In-Beziehung-Setzung der Tötung des Rechten zu anderen Gewalttaten, teils von Rechten, teils aus rechten Motiven heraus, kein Whataboutism ist. Eine definitionsgemäße Widerlegung Whataboutism setzt meiner Meinung nach einen fest definierten Begriff voraus. Dass Whataboutism immer nur der politische Gegner betreibt beschreibt vielleicht die Praxis der Verwendung dieses Begriffes, kann ihn aber eigentlich nicht allgemeingültig definieren.

        • @Rohek:

          Die Frage, warum manche Menschenleben scheinbar weniger wert sind als andere, ist nicht unbedingt Whataboutism.



          .



          Bsp: Morde von Pretti, Melissa und Mark Hortmann vs. Mord von Charlie Kirk in den USA.



          .



          Wie unterschiedlich da die Reaktionen der regierenden Partei und rechten Medien war.

          • @sociajizzm:

            Ich glaube das Echo auf die Ermordung von Pretti war immens und ich wüsste nicht, dass in rechten Medien die Berichterstattung mit einer Aufzählung von Morden an Rechten garniert war. Dass die US Regierung sich nicht gleichermaßen solidarisch zeigte liegt wohl daran, dass sie sich indirekt beteiligt wähnt. Dass Macron seine Anteilnahme bekundet, zeigt hingegen nicht, dass er Komplize der extremen Rechten ist. Man darf für das öffentliche Interesse auch nicht vergessen, dass es sich um eine Tat mit hoher Symbolwirkung handelt. Da herrscht eine Ungerechtigkeit bei allen Arten von Mord. Prominente gegen Unbekannte, spektakuläre Taten gegen unspektakuläre etc. Es gibt übrigens, apropos manche sind wichtiger als andere, auch nicht zu allen Opfern von Anschlägen Feiern an denen appelartig der Namen der Ermordeten gedacht wird.

      • @Troll Eulenspiegel:

        Welche?

      • @Troll Eulenspiegel:

        Nein, wurden sie nicht. Es wurde behauptet, es wäre kein Whataboutism (was für ein Wort) um danach genauso weiterzumachen. Hat was von der Qualität "Ich hab ja nix gegen Ausländer, aber..."

      • @Troll Eulenspiegel:

        Das erinnert in diesem Fall eher an "Ich habe nichts gegen Ausländer, aber..." nur halt mit anderem Inhalt "Ich verwende keinen Whataboutism, aber..."



        Nur weil man vorher ankündigt, keinen Whataboutism zu betreiben, immunisiert das einen nicht, genau das zu tun.

        • @Katharina Reichenhall:

          Es wurde ja nicht die Verbrechen, sondern die Reaktionen darauf verglichen.

          Man kann doch durchaus sachlich fragen,warum manche Todesfälle mehr Aufmerksamkeit bekommen als andere.

  • Warum wurde eigentlich die Organisation Jeune Garde verboten? Wollten sie Stalinismus einführen oder ist es generell verboten, den Faschismus zu bekämpfen wie seit einiger Zeit in Ungarn?

    • @Troll Eulenspiegel:

      Diese definitorische Exkulpation ist mir nicht bekannt.

    • @Troll Eulenspiegel:

      Vielleicht weil sie derart gewalttätig vorgeht, wie es hier Thema ist?

      • @Dr. McSchreck:

        Tun sie das?

        • @Matt Olie:

          Ich schrieb "vielleicht", weil ich es nicht weiß, es aber naheliegend finde.



          Allerdings weiß ich, dass Frankreich ein Rechtsstaat ist, wo man solche Entscheidungen ggf. auch von Gerichten prüfen lassen kann. Es deutet also einiges darauf hin, dass es gute Gründe für das Verbot gab.

  • Morde aus rassistischen Motiven und politische Morde an prominenten Personen sind nicht die gleiche Kategorie und Sie gleichzusetzen ist falsch.

    Genauso sind Verkehrstote und tote von Terroristen verschiedene Kategorien. (Bezug auf alle aussagen woe 9/11 entspricht der Zahl von Verkehrstoten in X Monaten.

    Auch wenn jedes Menschenleben gleich viel Wert ist darf greifen solche Vergleiche nicht.

    Man muss den fall einfach mal umdrehen: Ein prominenter linker Influenzer/ Intelektueller (zB einer der sich für Flüchtlinge einsetzt) wird von Nazis getielt ermordet. Am Folgetag tötet im ÖPNV ein Asylbewerber irgendeine (deutsche) Person.



    Und dann sagen manche kreise warum dies nicht so viel Beachtung findet? Warum der Bundespräsident hier nichts sagt?

    Also: Nur Vergleichbares vergleichen, und wirklich immer prüfen ob man vergleichbares vergleicht. Hier immer den Fall auf die andere Politische Ausrichtung umdrehen.

    • @Tim Hartmann:

      Quentin Deranques war prominent? Etwa so wie Charlie Kirk, den vor seinem Tod keine Sau kannte?

      • @Matt Olie:

        Charlie Kirk kannte ich vorher. Aber ich verfolge die USA auch etwas. In den USA dürfte es kaum einen geben der sich etwas mit Politik beschäftigt. Wurde sogar in der aktuellen Staffel von South Park persifliert ( vor seinem tot - folge runtergenommen, er selbst nahn die Persiflierung sportlich)

        Deranques kannte ich nicht. Ich kenne aber auch nur Le Pen und Macron von den französischen Politikern. Sehe aber absolut kein Grund am Artikel zu zweifeln dass er sowas wie ein französischer Charlie Kirk war.

        • @Tim Hartmann:

          Ich "verfolge" die USA mindestens genauso wie du, interessiere mich aber nicht für irgendwelche Neonazi-Stars. South Park ist mir so oder so zu kindisch, aber soweit ich weiß, ist der Hype in Deutschland schon lange vorbei. Mach mal außerhalb rechter Kreise eine Umfrage und du wirst feststellen, dass dort niemand C.K. vor dessen Tod kannte.

          Ich zweifel ja überhaupt nicht daran, dass Deranques wie ein französischer Kirk war, ich zeifel daran, dass man sie "prominent" nennen kann. Ok, Dschungelcamp soll ja auch was mit Prominenten zu tun haben. 90% von denen kennt auch niemand.

    • @Tim Hartmann:

      ‚Morde aus rassistischen Motiven und politische Morde an prominenten Personen sind‘ (1) ‚nicht die gleiche Kategorie und‘ (2) ‚Sie gleichzusetzen ist falsch.‘

      (1) Ja



      (2) Nein

  • "Zum anderen ist auch politisch und strategisch fragwürdig, ob mit solchen Mitteln Rechtsruck und Faschismus – die eine reale und akute Gefahr darstellen – wirklich und effektiv zu bekämpfen sind." Was für ein kalter und und pietätloser Satz. Mord passt also nicht in das politische Kalkül?

    • @FraMa:

      Verstehe Ihre Empörung nicht: Frau Fauth hatte im Satz vor dem Ihrerseits zitierten auf das moralische Tabu hingewiesen und nur zusätzlich ("zum anderen") auch auf die politische Sinnlosigkeit.



      Zum anderen sollte es überdies möglich sein, auch bei Todesfällen sachliche Zeitungsartikel schreiben zu dürfen, ohne in einen emotionalen Sermon von Totenklagen fallen zu müssen.

  • Nein, nicht "... Arnault selbst bei der Tat ...":



    Laut LIBÉRATION von heute wurde seitens der extremen Rechten in Frankreich das Gerücht gestreut, ein parlamentarischer Mitarbeiter des wegen früherer Gewalttätigkeit offenbar vorbestraften linksradikalen Abgeordneten Arnault sei unter den Tätern gesehen worden, nicht Arnault selbst.



    Was die Staatsanwaltschaft sich offenbar bislang auch so nicht zu eigen gemacht, sondern sinngemäß kommentiert hat, sie stütze ihre Arbeit nicht auf ein Gerücht, sondern nur auf konkrete Ermittlungsergebnisse.



    Siehe z.B.: www.liberation.fr/...BH4LBHWDCLWZ3DKNM/

  • Derartige Taten müssen immer aufs Schärfste verurteilt werden, egal von welcher Seite und gegen welche Seite.



    Das wäre auch medial nicht anders gewesen, wenn beispielsweise eine Gruppe von 10 Rechtsextremen 3 Afrikaner brutal attackiert und einen von ihnen ermordet hätten. Da wäre der Aufschrei mindestens genauso groß gewesen und vielleicht wäre das Mitgefühl mit den Opfern sogar noch größer gewesen als in diesem Fall.



    Der Autor benutzt den Begriff "antifaschistische Selbstverteidigung ". Damit kann und darf man so eine schreckliche Tat nicht rechtfertigen.

    • @Thomas2023:

      Afrikaner sein ist kein Verbrechen. Rechtsextremist sein unter Umständen schon.

      • @Matt Olie:

        Stimmt zwar, aber dennoch: Niemensch darf wegen seiner/ihrer Meinung (und zwar egal welche!) körperlich attackiert werden, das muss einfach zivilisatorischer Standard sein und bleiben.

        • @Saile:

          Faschismus ist keine Meinung.

          • @Matt Olie:

            Wer entscheidet denn, wo die Grenze zwischen Meinung und keine Meinung mehr, weil Faschismus liegt? Wer entscheidet, ab wann man einen Menschen körperlich attackieren kann?

      • @Matt Olie:

        Ich wollte sagen, das solche brutalen Angriffe immer zu verurteilen sind, unabhängig von Herkunft oder Gesinnung der Opfer.



        Deshalb kann ich das jetzt schon machen, ohne Hintergründe zu kennen.



        Selbst wenn das Opfer rechtsextrem und/oder Verbrecher sein sollte, rechtfertigt das keinen Mord. Die Gesinnung oder Herkunft des Täters spielt für mich dabei auch keine Rolle.

        • @Thomas2023:

          Ob das hier ein Mord war, ist doch noch gar nicht klar?!

    • @Thomas2023:

      "...wenn beispielsweise eine Gruppe von 10 Rechtsextremen 3 Afrikaner brutal attackiert und einen von ihnen ermordet hätten.Da wäre der Aufschrei mindestens genauso groß gewesen"

      Das wage ich zu bezweifeln, zumindest was die Äußerungen von Herrn Macron angeht.



      Stattdessen hätte er vermutlich vorsorglich die Police Nationale in den Banlieues aufmarschieren lassen.

      • @Klabauta:

        OK, da fehlt mir wahrscheinlich etwas mehr Hintergrundwissen zur Situation in Frankreich.



        Mein Kommentar bezieht sich mehr auf Deutschland.

  • Wenn etwas Whatsaboutism ist, dann doch dieser Artikel. Wenn die Linksextremen (angeblich rechtsextreme) Verteidiger einer Demonstration angegriffen und einen derjenigen getötet haben, sollte man nicht über Opfer anderer Straftaten schwadrieren.

    • @undnix:

      Eine Gruppe Linksextremisten ist auf eine Gruppe Rechtsextremisten gestoßen, 1 Rechtsextremist wurde zu Tode geprügelt.



      .



      Wer wen als erstes angegriffen hat steht doch noch gar nicht fest.



      .



      Der Autor stört sich an der etwas überzogenen Anteilnahme an dem Todesopfer. Die Frage warum es diese gerade in diesem Fall gibt ist berechtigt.



      .



      Bei Charlie Kirk war es ähnlich. Über Anschläge auf Politiker der Demokraten wurden Witze gemacht. Kirks Tod war hingegen eine nationale Tragödie.

      • @sociajizzm:

        Rund 20 maskierte Menschen (bewaffnet oder unbewaffnet, das ist noch nicht geklärt) treffen auf eine Gruppe von drei unbewaffneten Menschen. Glauben sie wirklich, dass die drei Leute die Gruppe von 20 Leuten angreifen? Inzwischen hat die französische Staatsanwaltschaft neun Verdächtigte festnehmen lassen, darunter auch den im Artikel genannten parlamentarischen Assistenten.

      • @sociajizzm:

        Von wem wurden Witze über welche Anschläge auf linke Politiker gemacht und wer tat sich sehr schnell mit Relativierungen zu Kirks Ermordung hervor, u.a. auch in diesem Blatt durch die "Feststellung" Kirk habe die Gewaltlust durch sein Auftreten selber provoziert?

        • @Rohek:

          Melissa Hortman und ihr Ehemann. Der Witz kam von Senator Mike Lee. Google hilft, ich werde das hier sicher nicht wiederholen.



          .



          Mike Lee, Derrick Van Orden und Scott Walker verbreiteten zudem Falschinformationen zum Attentäter. Dieser sei Marxist und Linksradikal. Dabei war er erzkonservativ + evangelikal.



          Dazu noch jede Menge anderer wirrer Verschwörungstheorien von Trump, Trump Jr, Senator Moreno, Elon Musk.



          .



          Selbstverständlich kann man das mit den Spekulationen über die politische Ausrichtung des Kirk Attentäters vergleichen, aber Letztere basierten wenigstens nicht auf KI Fakes und kompletten Lügen.



          .



          Das Attentat auf Paul Pelosi, welches Nancy Pelosi als Ziel hatte. Die Witze darüber finden Sie auch auf Google.



          .



          Anmerkung: Angriffe auf Linke Politiker gab es keine "nur" auf Demokraten. Die meisten davon sind nach europäischen Standart konservativ.

      • @sociajizzm:

        offenbar lag aber irgendwann keine Notwehrlage mehr vor und es wurde weiter auf eine inzwischen wehrlose Person eingetreten und geschlagen. Das ist eine Straftat, egal "wer angefangen hat". Eine sehr schwere Straftat, wenn es tödlich endet.

        • @Dr. McSchreck:

          Volle Zustimmung.



          .



          Wobei überzogene Selbstverteidigung ja auch nicht immer vor Gericht verurteilt wird. Sie erinnern sich an den Nazi, der Linksextreme im Treppenhaus traf und sich auf diese mit dem 🔪 stürzte und diese auch dann noch verfolgte, als diese bereits auf der Flucht waren.



          .



          Oder den schläger der AFD, der Pfefferspray und dann ein 🔪 nutzte, weil er beleidigt wurde. Die Messerangriffe wurden als Notwehr gewertet.



          .



          Trotzdem ist es ein eindeutiges Verbrechen auf jemanden einzutreten, der schon am Boden liegt.



          .



          Ich wollte nur darauf hinweisen, dass eben noch nicht feststeht, dass eine Gruppe Linksextremisten eine Gruppe Rechtsextremisten angegriffen hat.

          • @sociajizzm:

            Der traf sie im Treppenhaus? Wurde der nicht von einer mit Hammer und Pfefferspray bewaffneten Überzahl im Treppenhaus seines Wohnhauses konfrontiert?

            • @Blechgesicht:

              Ich möchte nicht die "Konfrontation" rechtfertigen. Aber er hat ja offensichtlich nicht versucht zu fliehen, sondern hat sich direkt in den Kampf gestürzt.



              .



              Als er die mutmaßlichen Angreifer vertrieben hatte und diese weiter verfolgte, war die Grenze der Selbstverteidigung eigentlich überschritten.



              .



              Und ich bin selbst auch schon mal von 3 Idioten 1 mit Schlagstock angegriffen worden, völlig ohne Grund (ich kannte die nicht einmal). Ich hätte nicht versucht, diese zu töten, obwohl ich nicht gerade nüchtern war. Nach einem kurzen Gerangel hab ich das Weite gesucht und mir die Angreifer im Anschluss mit einem großen Stock auf Abstand gehalten, bis endlich jemand die Polizei gerufen hat.

              • @sociajizzm:

                Das stimmt, das war aber in dem Prozess gegen die Angreifer erst mal kein Thema und würde ggf. in einem Prozess gegen ihn zu verhandeln sein. Nach meiner Erinnerung hat er sich aber nicht mehr eingeholt, als er sie verfolgte.

    • @undnix:

      Richtig, geht die wahre Gefahr doch heute von diesen fiesen Linksextremen aus, die mordend durch die Lande marschieren. Schuss nicht gehört, genau darum passt der Artikel.

      • @TV:

        Die wahre Gefahr, so man diese denn definieren möchte, geht von Leuten aus, die Gewalt und Lynchjustiz anwenden, um ihre Ziele durchzusetzen. Ob Rechtsextreme, Islamisten, Linksextreme ist egal.

      • @TV:

        Auch Ihr Kommentar ist whataboutism. Sie reagieren gerade eins zu eins wie Rechte, wenn es wieder einmal eine rechte Straftag gab mit "Aber, aber die Linken...". Schwer, der anderen Seite es vorzuwerfen, wenn man es andersrum nicht besser macht. Bei dieser Tat nur den dummen Links/Rechts Vergleich zu ziehen und sich zu freuen, dass links besser wegkommt, bringt nichts. Hier muss es darum gehen wie sehr die Häufung solcher Gewalt linkspolitischen Zielen und Solidarität schadet.

  • 'Auch linke, außerparlamentarische Gruppen sollten nicht erst nach diesem Fall hinterfragen, wie weit antifaschistische Selbstverteidigung geht und gehen darf': Das war offenbar keine Selbstverteidigung sondern ein aktiver Angriff auf Leib und Leben. Die 'Hammerbande' lässt grüssen.



    Egal ob rechte oder linke Gewalt, Gewalttaten müssen klar verurteilt werden und mit hohen Strafen verfolgt werden.

    • @Nico-1:

      Woher weiß man hier in diesem Fall denn, dass es Linke waren? wurden die Täter schon gefasst?

  • Guter Beitrag, finde ich. Leider ist es in Deutschland oft umgekehrt, da wird bei rechter Gewalt reagiert wie hier und linke Gewalt wird relativiert von Teilen der Medien stark relativiert und entschuldigt. Umso erfreulicher diese klare Position.

  • Nicht alles, was sich antifaschistisch nennt, ist es auch. Junge, selbsternannte Linke sollten Adorno und Sperber lesen, bevor sie sich wieder zu alter Form hochlynchen.

  • Kann's sein dass Linksextremisten gerade gegen die Nazis verlieren wenn's darum geht narrative aufzubauen?



    Warum?

    • @Todesfister:

      Weil Nazis schamloser lügen und sich Bot-Armeen leisten können. Reiche sind halt eher am rechten Rand zu finden...

  • Doch, genau das, was Sie hier tun, ist klassischer Whataboutism in Reinform und deshalb greifen Sie den Begriff ja auch direkt selber auf und streiten es vorsichtshalber direkt einmal ab

    • @Peter Schwarz:

      Genau das habe ich mir beim Lesen des Artikels auch gedacht.

  • Leider bringt es der Artikel auf den Punkt. Wen jucken schon ein paar Menschen afrikanischer Herkunft? Rassistische Gewalt und Morde nehmen wir ebenso schulterzuckend zur Kenntnis wie Gewalt an Frauen. "Frankreich / Deutschland, ganz normal", könnte man sagen.



    Diese ungleiche Haltung den Opfern von Gewalt gegenüber ist leider entlarvend -- auch und gerade für Figuren wie Macron, die immer wieder meinen, den Rechten schmeicheln zu müssen, um sie wieder "einzubinden".

  • "Kein Whataboutism"

    Doch.



    Genau das ist es, wenn ein politischer Mord, an dem ein Abgeordneter anscheinend beteiligt ist, mit Femiziden gleichgesetzt wird.

    • @rero:

      Es gibt kein "anscheinend". Es gibt nur irgendwelche unbelegten Behauptungen.