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Abschiebungen nach BehördenterminIn Leer wird die Ausländerbehörde zur Abschiebebehörde

Nadine Conti

Kommentar von

Nadine Conti

Der Landkreis Leer verschärft seine Abschiebepolitik. Betroffen sind vor allem Westafrikaner. Die Community ist alarmiert.

Die Ausländerbehörde des Landkreises Leer setzt Abschiebungen mit allen Mitteln durch Foto: Wolfgang Kumm/dpa

K urz vor Weihnachten, am 22. Dezember, standen sie wieder da. Vor der Ausländerbehörde des Landkreises Leer demonstrierten Aktivisten von der Afrikanische Diaspora Ostfriesland, den Omas gegen rechts und des Offenen Antifaschistischen Treffens Nordwest. Nicht zum ersten Mal. Vermutlich auch nicht zum letzten. Denn im Landkreis Leer, so lautet ihr Vorwurf, entwickelt sich die Ausländerbehörde zunehmend zur Abschiebebehörde – vor allem, wenn es um Geflüchtete aus Westafrika geht.

Im Dezember gab es erneut zwei Fälle, die den Flüchtlingsrat Niedersachsen alarmiert haben. Da war zunächst Onyemaechi M. aus Nigeria – der überrascht feststellen musste, dass sein Härtefallantrag abgelehnt wurde, weil die Sozialarbeiter des Landkreises ihn am 1. Dezember tagsüber nicht in der Unterkunft angetroffen und von Amts wegen abgemeldet hatten.

Er dachte zunächst, das sei ein Irrtum – immerhin hatte er gerade noch eine Bescheinigung seines künftigen Arbeitgebers besorgt und große Hoffnung, damit seine Chancen auf einen dauerhaften Aufenthalt zu steigern. Allerdings hatte er früher schon einmal gegen seine Wohnsitzauflage verstoßen und sich bei Freunden im Raum Oldenburg aufgehalten. Das reichte der Behörde.

Die Angst vor Behördenterminen wächst

Bei einem Termin „zur Klärung seiner aufenthaltsrechtlichen Angelegenheiten“ wurde er in der Ausländerbehörde festgenommen und inhaftiert. So ähnlich war es auch Moussa D. aus der Elfenbeinküste schon zehn Tage vorher gegangen. Er wurde sogar körperlich überwältigt, ein Sachbearbeiter und der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes überwältigten ihn – angeblich habe er sich aggressiv geäußert. Seinen Dolmetscher hatte man allerdings vorher ausdrücklich gebeten, draußen zu warten.

In der Community haben diese Abschiebungen nach Behördenterminen große Angst ausgelöst, sagen Ali und Annabel Kone vom Diaspora-Verein. Selbst Menschen, deren Aufenthalt eigentlich gesichert sei, hätten Angst in der Ausländerbehörde auch nur irgendwelche Papiere abzugeben.

Für sie reiht sich dieses brachiale Vorgehen ein in eine lange Reihe von Vorfällen, in denen die Behörde ihren Ermessensspielraum oft zuungunsten der Geflüchteten genutzt hat. Im Februar hatte der Landkreis schon einmal für großen Wirbel gesorgt, weil er die „Wege ins Bleiberecht“ mit eigenwilligen und intransparenten Gesinnungsprüfungen zu „Wegen in die Abschiebung“ umfunktioniert hatte.

Landrat weist Kritik zurück

Auf die Kritik daran reagierte der SPD-Landrat Matthias Groote vor allem deshalb verschnupft, weil darin das Wort „Rassismus“ vorkam. So etwas verbitte er sich, die Mitarbeiter hätten stets nach Recht und Gesetz gehandelt.

Genauso argumentiert auch die Pressestelle des Landkreises. Der Flüchtlingsrat solle doch einmal seine aggressive Wortwahl überprüfen. Allen Abschiebungen gehe grundsätzlich ein umfangreiches Verfahren voraus, in dem die Rechtmäßigkeit der Aufenthaltsbeendigung unabhängig überprüft wird.

wochentaz

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Mitarbeitende einer Behörde, die harte Maßnahmen zulasten von Ausländern umsetzen müssen, weil das Gesetz es so vorsieht, mit dem Vorwurf des strukturellen Rassismus zu diskreditieren, zeige, dass emotional und nicht aufgrund der Gesetze argumentiert und agiert werde.

Was der Landkreis Leer allerdings nicht tut, ist, das Handeln seiner Behörde transparent zu machen. Auch auf mehrfache Nachfrage sowohl aus der Politik als auch von Medien rückt er keine detaillierten Zahlen zu Abschiebungen oder dem Chancen-Aufenthaltsrecht heraus, an denen sich nachvollziehen ließe, ob es Westafrikaner hier tatsächlich schwerer haben als anderswo. Schuld hat wie immer der Datenschutz.

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Nadine Conti
Niedersachsen-Korrespondentin der taz in Hannover seit 2020
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73 Kommentare

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  • Danke für die klare Benennung des Rassismus in sicher nicht allen aber zahlreichen Ausländerbehörden. Und für das Einfordern von Transparenz. Für konstruktive menschliche Lösungen gegen Rassismus und Sadismus aus Neid und Machtposition heraus. Oder was immer die Beweggründe für solches Verhalten sein mögen.

  • Ich verstehe nicht, wieso ein Dolmetscher vor die Tür geschickt wird. Der ist doch für eine erfolgreiche Kommunikation wichtig. Außerdem ist er in der Regel zur Verschwiegenheit verpflichtet, also kann auch Datenschutz kein Grund sein.



    Was wollte der Sachbearbeiter also ohne Dolmetscher mit dem Betroffenen besprechen? Wieso konnte es ohne Dolmetscher zu einer Eskalation kommen? Gab es überhaupt wirklich eine Eskalation? Weiter möchte ich gar nicht fragen oder spekulieren, denn die Situation und die Vorgehensweise scheinen mir sehr klärungsbedürftig zu sein.



    Für ein misslungenes Kundengespräch gibt es meistens mehr als einen Verantwortlichen.

  • Folgt man dem Artikel, ist da konkreter Verbesserungsbedarf, wobei Verwaltung im Regelfall einfach Rechtsumsetzung sein sollte, d.h. sich das Recht und Parlamentsbeschlüsse ansehen gehört immer auch dazu, so fair muss es gegenüber Beamtens schon immer auch sein.

    Der Landkreis heißt zwar so, muss aber gar nicht leer werden!

  • Ein Verwaltungsverfahren wurde beendet und das Ergebnis wird nun vollstreckt. Ein ganz normaler Vorgang, der keiner besonderen Beachtung bedarf. Es wäre vielmehr ein Skandal, wenn dies nicht so laufen würde. Da meist in die Hauptstädte der betreffenden Länder abgeschoben wird und diese für Nigeria und die Elfenbeinküste als sicher gelten, spricht hier auch nichts dagegen.

    • @Puky:

      Die Behörden haben Handlungsspielräume. Auf dem Papier mag das Handeln der Behörde noch im Rechtsbereich sein. Politisch und menschlich sinnvoll ist es nicht. Um dem deutschen Michel Abschiebezahlen präsentieren zu können werden die angepassten, integrierten Ausländer abgeschoben, denn die sind zu greifen.

      Das Ding ist: die betreffende Person hatte einen Ausbildungsvertrag. Wir BRAUCHEN junge, engagierte Arbeitskräfte. Das mag noch nicht überall angekommen zu sein, aber: mehrere Dienstleistungsbereiche und insbesondere das Pflegesystem steht vor dem Kollaps, wenn in den nächsten 5-10 Jahren sehr viele Fachkräfte in Rente gehen!!! Wir holen für teures Geld über Agenturen Azubis aus Südamerika und sonstwoher, doch für die jungen Menschen, die bereits hier sind finden wir keine Lösung???

      • @Nudel:

        Sie haben recht, es ist absurd die gut Integrierten abzuschieben, so wie am Ende das ganze System absurd ist und ebenso die Debatte, in der so vieles vermischt wird: ja, wir brauchen unbedingt Einwanderung qualifizierter Menschen. Nein, Asyl ist nicht der richtige Weg dazu. Ich verstehe auch nicht warum es so schwierig ist ein Einwanderungssystem zu schaffen, dass es ambitionierten und willigen Menschen ermöglicht einen legalen Weg nach Deutschland zu finden und wir gleichzeitig ebenfalls nicht in der Lage sind Einwanderung in die Sozialsysteme zu verhindern und kriminelle Flüchtlinge außer Landes zu schaffen. Man sollte meinen, dass das doch gar nicht so schwierig sei, warum bekommen wir das nicht hin? Vielleicht, weil wir gesellschaftlich schon zu gespalten sind in jene, die überhaupt keine Migranten im Land haben wollen und jene, die meinen am besten jeder müsse hier ein Bleiberecht haben. Beides ist krasse Realitätsverweigerung.

  • Auffällig ist, was in solchen Texten regelmäßig nicht mitgedacht wird: Vor einer Abschiebung steht rechtlich die Aufforderung zur freiwilligen Ausreise. Das ist kein bürokratisches Randdetail, sondern Bestandteil eines rechtsstaatlichen Verfahrens. Wird das ausgeblendet, entsteht ein moralisch aufgeladener Alarmismus, der eher mobilisiert als erklärt.

    Problematisch ist zudem der pauschale Verweis auf „Westafrika“. Westafrika ist kein homogener Raum, sondern eine hochkomplexe Region mit sehr unterschiedlichen historischen, kulturellen, religiösen und politischen Kontexten – auch wenn das für aktivistische Narrative gelegentlich unpraktisch ist. Diese Differenzen unter einem moralischen Sammelbegriff einzuebnen, reproduziert genau jene essentialisierenden Narrative, die progressive Diskurse sonst zu Recht kritisieren.

    Migration aus westafrikanischen Ländern ist häufig multikausal: soziale Ungleichheit, fragile Staatlichkeit, postkoloniale Machtasymmetrien, aber auch sehr konkrete individuelle Aufstiegsstrategien spielen eine Rolle. Diese strukturellen Probleme lassen sich nicht durch Externalisierung nach Europa lösen.

    • @Desti:

      Westafrika wird hier als Raum genannt, in den besonders häufig abgeschoben wird. So wie Westeuropa. Dass da unterschiedliche Kulturen und Länder darunter sind, muss nicht extra erwähnt werden. Das versteht sich von selbst.

      • @Ingo Knito:

        Der Verweis darauf, dass „Westafrika ein Raum sei, in den besonders häufig abgeschoben wird“, überzeugt mich nicht.

        In Artikeln der taz ist bei Abschiebungen aus Asien regelmäßig von konkreten Ländern die Rede – etwa Afghanistan. Es wird nicht von „Asien“ gesprochen, obwohl auch das ein heterogener Kontinent ist.

        Bei Afrika hingegen wird auffällig oft pauschalisiert. Nicht, weil Differenzierung unmöglich wäre, sondern weil sie offenbar als entbehrlich gilt. Genau das widerspricht dem Anspruch, den man sonst an Sprache und Kontextualisierung stellt.

        Mein Eindruck ist: Bei asiatischen Herkunftsländern wird differenziert, weil man dadurch moralische Argumente präzise begründen kann. Afrika hingegen wird implizit als homogener Raum behandelt – was weniger über die Region aussagt als über die Projektionen derjenigen, die so schreiben.

        Wenn Differenzierung ein progressiver Anspruch ist, dann sollte er konsequent gelten – nicht selektiv.

    • @Desti:

      "Vor einer Abschiebung steht rechtlich die Aufforderung zur freiwilligen Ausreise."



      Das ist überhaupt nicht wahr. Gerade solche "Überraschungs"-Abschiebungen, wenn Leute anlässlich eines Termins auf der Behörde erscheinen und dann nicht wieder rauskommen, sondern abends im Flugzeug oder in der Abschiebehaftanstalt 300 km weit weg von ihrem Wohnort und den wartenden Angehörigen sitzen, erfolgen regelmäßig ohne solche Vorwarnungen. Ich weiß nicht, wie man solche amerikanischen Verhältnisse auch noch schönreden kann. Schönes Wording wie "multikausal", "fragile Staatlichkeit, postkoloniale Machtasymmetrien", "sehr konkrete individuelle Aufstiegsstrategien" ändern doch nichts an der Unmenschlichkeit solcher Beiträge.

      • @Günter Picart:

        Das stimmt schlicht und einfach nicht! Vor jeder Abschiebung steht erstmal die Aufforderung zur freiwilligen Ausreise.



        Das was sie hier schildern passiert so nicht.

        Das Personen während eines Behördentermins festgesetzt werden und dann abgeschoben wurden betrifft Personen, welche vorher der freiwilligen Ausreise nicht nachgekommen sind. Oder Straftätern, welche aufgrund der Straftat abgeschoben werden.

        Daher nicht wundern wenn man abgeschoben wird, weil man der freiwilligen Aufforderung zur Ausreise nicht nachgekommen ist. Das ist auch nicht unmenschlich. Jeder der abgeschoben wurde und wird hat die Möglichkeit die Rückreise selber zu planen und organisieren (abgesehen von Abschiebungen direkt aus dem Gefängnis).

        • @Walterismus:

          Das sind weltfremde Theorien.



          Wer zu einem Behördentermin kommt, ist nicht untergetaucht. Du gehst mit der Hoffnung zu dem Termin, dass deine Duldung verlängert wird oder dir zumindest eine Frist gesetzt wird, damit du deine Prüfung noch machen kannst oder dein Auto abmelden. Klassischerweise bekommst du mindestens eine Grenzübertrittsbescheinigung. Diese Hoffnung wird durch das Anschreiben oft auch gezielt befördert, trotz gegenteiliger Absichten der Behörde. Stattdessen wirst du gleich aus dem Büro von der Bundespolizei abgeholt. Das ist eine Ermessensentscheidung, und wenn die Ausländerbehörden das wollen, machen sie das auch.

  • Ich habe gerade mal die politische Konstellation im Landkreis angeschaut: 38% SPD, 30% Union, 12% Grüne. Die AfD spielt mit 5% keine Rolle.



    Da frage ich mich schon: gibt es Aussagen von Anwälten der Betroffenen dazu? Besteht Akteneinsicht? Warum wurden die Betroffenen abgeschoben? Waren sie politisch verfolgt, Angehörige einer Minderheit, LGTBQ oder einfach nur Wirtschaftsflüchtlinge?



    Westafrika ist generell sicher, Nigeria im speziellen, außer das Grenzgebiet im Norden für Christen.



    Was ist mit der Stellungnahme des Landkreises: "Mitarbeitende einer Behörde, die harte Maßnahmen zulasten von Ausländern umsetzen müssen, weil das Gesetz es so vorsieht, mit dem Vorwurf des strukturellen Rassismus zu diskreditieren, zeige, dass emotional und nicht aufgrund der Gesetze argumentiert und agiert werde."



    Gibt es konkrete Beweise oder zumindest Hinweise, dass die Mitarbeiter Kompetenzen überschritten oder willkürlich abgeschoben haben?



    Geltendes Recht anzuwenden ist schließlich deren Aufgabe und nicht zuletzt auch Dienstpflicht.

    • @Saskia Brehn:

      Die meisten Leute arbeiten freiwillig bei so einer Behörde. Sie können sich im Normalfall jedenfalls meistens woandershin versetzen lassen. Wer das nicht tut, muss damit leben, dass ihm seine Mitwirkung an der staatlichen Ausländerverfolgung vorgeworfen werden kann. Noch schlimmer ist es natürlich, wenn die Leute dort ihre Ressentiments ausleben und besonders gerne da arbeiten. Das gibt es schon bei ICE, wo gezielt Ausländerfeinde angeworden werden. In Deutschland ist das nicht üblich und man findet in Ausländerbehörden auch anständige Mitarbeiter. Trotzdem färbt das natürlich ab bzw. schwappt über.

      • @Günter Picart:

        Die Vorstellung, Ausländerbehörden seien Orte, an denen einfach „Ressentiments ausgelebt“ werden, verkennt, wie unser Rechtsstaat funktioniert: Behörden setzen geltende Gesetze um, sie erfinden keine Abschiebungen aus Frust oder Stimmung heraus. Bevor jemand abgeschoben wird, durchläuft sein Fall mehrere rechtliche Stufen und kann durch Gerichte angegriffen werden – selbst wenn Aktivist*innen und Medien das gern verschweigen. Und was das Personal betrifft: Sachbearbeiter*innen sind keine Sadisten, sondern Menschen in einem System, das politisch so gewollt ist. Es ist bequem, ihnen individuelle Bosheit zu unterstellen, aber die eigentliche Verantwortung liegt beim Gesetzgeber, der die Spielregeln festlegt, und nicht bei den Leuten am Schreibtisch, die diese – manchmal widersprüchlichen – Gesetze vollziehen. Wer also „Rassismus“ und „Mitwirkung an staatlicher Verfolgung“ bei jedem Behördenkontakt wittern will, betreibt vor allem eines: ideologische Projektion statt nüchterne Analyse.

      • @Günter Picart:

        Zitat:



        "Wer das nicht tut, muss damit leben, dass ihm seine Mitwirkung an der staatlichen Ausländerverfolgung vorgeworfen werden kann."

        Dies ist ein Vorwurf, der in etwa dem entspricht, wenn man Westafrikanern generell vorwirft mit Drogen zu handeln oder dies zumindest zu unterstützen.

  • Abschiebungen betreffen nur Personen, die sich rechtswidrig in Deutschland aufhalten. Was ist zu kritisieren, wenn eine Behörde einen rechtmäßigen Zustand herstellt? Dazu wären die Betroffenen selbst verpflichtet gewesen.

  • Habe ich schon oft angemahnt: die Leute haben Angst vor einer AfD-Regierung (als ob cdU/csU besser wäre), aber dass schon längst Menschen mit AfD-Gesinnung in der Exekutive unterwegs sind, also in Behörden, Ämtern, Polizei, Staatsanwaltschaft, Militär etc., das haben sie nicht auf dem Schirm.



    Und Gesetze und Vorschriften lassen einem/ Sachbarbeiter/in oft eine sehr große Spanne an Entscheidungsmöglichkeiten.

    • @Jalella:

      Es gibt da Vorgesetzte und anscheinend einen SPD-Landrat, deswegen finde ich die Vermutung nicht unbedingt zielführend. Und in der Regel wollen Behörden genau diesen Vorwurf auch nicht in der Zeitung lesen, dass sie unfair sind.

    • @Jalella:

      Vielleicht sollten sich mehr "links "eingestellte Menschen oder Menschen mit einwanderungs Biographie bei der Ausländerbehörde bewerben.!?



      Bei anderen Behörden hat das doch ganz gut geklappt, z.B Umweltbehörde

      • @Joen:

        Menschen mit Einwanderungsbiographie gibt es bei den Ausländerbehörden vielfach, die sind aber nicht besser als die Biodeutschen. So einfach und schwarz-weiß läuft das nicht, manchmal sind die Übereifrigen die Schlimmsten.

      • @Joen:

        Wenn Definition links für Sie bedeutet, Mitmenschen mit humanistischen Werten, warum nicht...

    • @Jalella:

      Ja, das alles wird unterstützt durch den Duktus der csdU, auch der sPD. Kleine Paschas, Stadtbild oder massiv erhöhte Abschiebungen sind Ausdruck davon. Noch schlimmer ist die Gesetzes"treue" unseres Innenministers, der fortwährend gegen geltendes Recht verstößt und kaum jemand nimmt es auch nur zur Kenntnis. Die AgD wird sich in ein gemachtes Bett legen...

  • Ich möchte einmal darauf hinweisen, dass die Argumentation „Datenschutz“ mittlerweile lächerlich übertrieben wird. Das Datenschutz bezieht sich immer nur auf identifizierbare natürliche Personen. Wenn ich sage von ABC Antragstellern sind XYZ im Kreis Leer abgelehnt worden, ließe sich nur ein Rückschluss auf natürliche Personen ziehen, wenn die Antwort null oder alle ist.



    Selbst, wenn Bedenken darüber hinaus bestehen, ist das Feld „ Differential Privacy“ mittlerweile gut erforscht.

    Es irritiert mich, wie selten der Gesetzgeber Behörden zur Datenaufbereitung verpflichtet.

    Wobei Niedersachsen in Fragen der Informationsfreiheit- und Transparenzgesetze in Europa mittlerweile mit Bayern und Belarus auf einer Stufe steht. Also sollte es mich wohl eher anekeln.

  • Der Verweis auf den Datenschutz ist eine Schutzbehauptung der Behörde. Gesetzlich ist die Landesregierung verpflichtet die Behörden zur anonymisierten Herausfabe der Zahlen zu verpflichten nach Herkunfts bz. Abschiebezielland im angefragten Zeitraum. Bitte liebe taz Redaktion, dranbleiben und auf Auskunft bestehen notfalls vor Gericht. Das ist ein effektiver Weg, um Behörden zu kontrollieren. Denn wenn die Öffentlichkeit genau hinschaut kann man zumindest die Wahrscheinlichkeit illegalen Behördenhandelns verhindern.

  • Solche Schikanen und Rassismus von Behörden ist keineswegs selten. Aus Erfahrung bei der Hilfe mit Geflüchteten kann ich davon ganze Opern singen. Wenn ich dabei war, waren die gleichen Sachbearbeiter zumindest nicht unhöflich, war ich nicht dabei, dann wurden die Menschen oft !!) einfach wieder weggeschickt mit der Bemerkung, sie sollen ein anderes Mal kommen. Auch an Höflichkeit und schon gerade bei Menschlichkeit bestehen heftige Defizite: einer hochschwangeren Frau wurde erst dann ein Stuhl angeboten, als ich mich einmischte. Rassismus ist bei vielen (natürlich nicht allen) Behördenbediensteten der Standard.

    • @Perkele:

      Erschreckend.



      Ich frage mich, ob man das nicht mal wirklich den Leuten zeigen kann. Ich möchte hiermit nicht zu Straftaten aufrufen, aber stelle mir das ein bißchen wie bei Wallraffs "ganz unten" vor.



      Allerdings würde jemand der heimlich filmt und nicht zu RTL oder einem anderen Politfreundlichen Sender gehört, dann sicher ordentlich einen drüber kriegen :-(

      • @Rikard Dobos:

        Ich fürchte das zu filmen geht nach hinten los.



        Was die Mitarbeitenden in diesen Behörden durch ihre Kundschaft an Bedrohungen und Übergriffen ertragen müssen könnte durchaus dazu geeignet sein die Stimmung gänzlich zu ruinieren.



        Ich empfehle mal ein paar Tage Schnupperpraktikum bei der Ausländerbehörde.

  • Die individuelle Aktenlage wäre interessant. Voraussichtlich haben die Bediensteten in Leer Vollzugsrechte. Abschiebung ist für die Ausländerbehörde jedoch eine sog. Dienstpflicht. Wenn ein Mensch vollziehbar ausreisepflichtig ist und Duldungsgründe nicht greifen, was soll ein Bediensteter bis hin zum Behördenleiter denn machen? Jede Maßnahme ist überprüfbar, von der (Rechts- und) Fachaufsicht bis beispielsweise zum Verwaltungsgericht (u. a. § 123 VwGO). Man erinnere, im Fall "Mehmet" wurden Rechtsfehler klar aufgedeckt. Im hier vorliegenden Fall sollte man auch, besser: eher, den ggf mangelbehafteten Zugang der Menschen zu einer professionellen Vertretung (u. a. vor Gericht) bzw Überprüfung ihrer Angelegenheiten kritisieren. Denn eines erscheint sehr klar: wenn Behörden versuchen, Regeln zu umgehen oder zu verbiegen, dann lösen sie nicht kreativ die Probleme, welche die Bevölkerung ggf beschäftigen, sondern beschädigen in erster Linie die Demokratie, weil dann auch unter einer AfD der Mensch und die Unantastbarkeit der Würde zur politischen Verfügungsware werden.

  • Menschen aus Westafrika sollten nicht mehr Asyl beantragen, sondern den Weg über Arbeitsvisum nehmen.



    Die Behörden hier versuchen ganz offen, möglichst zügig und hart abzuschieben, das ist auch zu kritisieren, aber das ist auch teilweise die Aufgabe dieser Behörde. Im Artikel ist das individuelle Schicksal nicht detailliert genug geschildert worden, warum jetzt genau beendet wird.



    Wohnsitzauflagen führen eigentlich nicht zur Abschiebung, außer die Menschen sind untergetaucht, dann kann es zu so einer Situation kommen, aber das ist hier nicht genug erklärt.



    Grundsätzlich gibt es kaum westafrikanische Staaten, die so regiert werden, dass es für Westafrikaner möglich wäre, hier Asyl zu beantragen, das gilt sogar für Nigeria.



    Insofern wird die Behörde dann schauen, wer von denen bleiben kann. Und bei jungen Männern wird kaum eine Chance bleiben.



    Andererseits können Fachkräfte nach Deutschland einreisen und haben Chancen, dauerhaft zu bleiben. Krankenpfleger oder Altenpfleger können kommen.



    Asylanträge aus der Region sind m.M. meist chancenlos, das kann man kritisch sehen.



    Mir ist beim Artikel nicht klar geworden, wo die Behörde sich illegal oder grau verhält.

    • @Andreas_2020:

      "Arbeitsvisum" setzt grundsätzlich eine Anerkennungsfähigkeit von Berufsausbildungen voraus. Überwiegend wahrscheinlich kann davon im Bereich "Westafrikas" nicht diejenige Rede sein, welche für eine größere Menge an Menschen eine "Einwanderung mit Arbeitsvisum" ermöglichen würde. Insoweit ist es mE nicht in Ordnung, auf das "Arbeitsvisum" zu verweisen. Was wir hier erleben ist vielmehr das alte Lied vom viel zu ungleich verteilten Wohlstand, schlicht die derzeit maßgebliche Form des Wirtschaftens inkl. daran anknüpfender rechtlicher, insbesondere zivilrechtlicher, Regelungen. Sicherlich muss deshalb ein Land nicht auf Einwanderungsregeln verzichten, aber aus meiner Sicht kann man fest behaupten, dass "wir" viel zu wenig für die Begrenzung und gerechtere Verteilung von Reichtum weltweit unternehmen und insofern die Lobby der Reichen die Politik steuert. Anstelle alle Problematiken auf Ausländer und Ausländerbehörden (als Rechtsvollziehende) abzuladen, könnten auch Sie einmal in Rechnung stellen, dass wir auch anders, zB humanitärer und kooperativer, zusammenleben könnten.

    • @Andreas_2020:

      Das ist doch deutlich dargestellt: Die Behörde verhält sich so, dass der Spurwechsel vom Asylbewerber zum Chancen-Aufenthaltsrecht verfahrenstechnisch und angesichts der Unterschiede zu anderen Behörden offensichtlich systematisch und gezielt unmöglich gemacht wird und die Leute bürokratisch bedrängt und bei kleinen Fehlern schnell abgeschoben werden, eben damit sie keine Fachkräfte werden können, die eventuell bleiben könnten. Das Ermessen wird also zum Schaden der Ausländer ausgeübt, besonders wenn sie aus Afrika kommen. Den Vorwurf, das sei rassistisch, weist der Behördenleiter von sich, bringt aber keinen Beleg für das Gegenteil. Noch Fragen?

    • @Andreas_2020:

      Hat für Nigeria Zeit weise gegolten zzt. Ist es ja nach dem wer du bist ( christ / Moslem usw .



      Stammeszugehörigkeit uvm nun Mal so das dein Leben dort in Gefahr sein kann auf Basis politisch/ religiöse Verfolgung

      • @KeyserSozeSyndikat:

        Deutsche Diplomaten gehen davon aus, dass Menschen, die in Nigeria in Gefahr sein könnten, durch einen Umzug im Land diese Gefahr abstellen können und dass es teilweise dazu Hilfsangebote gibt, außerdem gibt es genug Arbeit und Bildungsmöglichkeiten für alle Nigerianer. Diese Sicht muss nicht vollständig richtig sein, aber dass schließt einen aussichtsreichen Asylantrag aus. Wer aus Nigeria nach Deutschland einwandern will, sollte m.M. keinen Asylantrag stellen, sondern eine internationale Ausbildung in Medizin und Pflege machen, es legal über die Botschaft probieren.

  • Hatte bis jetzt nicht den Eindruck, dass Sachbearbeiter gern handgreiflich werden. Warum war der Sicherheitsdienst vor Ort? Könnte an der Aggression etwas dran sein?



    Ganz schön dürftig der Artikel.



    Unabhängig davon sollten alle Westafrikaner bleiben sollen. Oder würde jemand hier gern dort leben? Vermutlich eher weniger zu den dortigen Bedingungen

  • Mitarbeiter in den Ausländerbehörden sollten eine mindestens zweijährige Auslandstätigkeit als Einstellungsvoraussetzung nachweisen.

    • @Alex_der_Wunderer:

      Hätte die cdU/csU mit Hilfe der sPD nicht schon längst das Grundgesetz ausgehöhlt was das Menschenrecht auf Asyl angeht, würde ich sagen: sie sollten vor allem auf das Grundgesetz vereidigt werden. Dann wäre auch ein Höcke nicht mehr Beamter und auch die widerlichen Menschenfeinde des NSU2.0 Chats wären es nicht. Sie wären dann da, wo Verfassungsfeinde hingehören: hinter Gittern.

      • @Jalella:

        Das Gewalt von Regierenden, oftmals ursächlich für Gewalt [ Gegengewalt ] auf den Straßen ist & erzeugt raffen auch viele der Biodeutschen unter den Mitbürgern nicht.



        Höcker ausweisen - aber welche Länder nehmen den & seine Konsorten ?

  • Der Landkreis Leer macht das, was eine Ausländerbehörde in einem Rechtsstaat zu tun hat: geltendes Recht vollziehen. Wer nach Abschluss der Verfahren vollziehbar ausreisepflichtig ist und nicht freiwillig ausreist, ist abzuschieben – so steht es im Aufenthaltsgesetz ausdrücklich drin („ist abzuschieben“).

    Das ist nicht „hart um der Härte willen“, sondern staatliche Pflicht: Die vollziehende Gewalt ist an Gesetz und Recht gebunden.

    Ein Staat, der eigene Entscheidungen am Ende nicht durchsetzt, macht Regeln zu Empfehlungen, produziert Willkür durch Nichtvollzug und untergräbt Vertrauen in Behörden und Gerichte.



    Konsequenter Vollzug ist außerdem eine Frage der Gleichbehandlung: Wer Regeln einhält, mitwirkt und rechtliche Wege nutzt, darf nicht der Dumme sein, während rechtskräftige Ausreisepflichten faktisch folgenlos bleiben. Genau deshalb wurde es Zeit, dass das Recht nicht nur verwaltet, sondern auch angewandt wird.

    • @Rupert:

      Worin ich Ihnen ausdrücklich widersprechen möchte ist die Fokussierung auf die Durchsetzung von Abschiebungsregelungen. Das Ungerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung erstreckt sich ebenso auf eine als übermächtig wahrgenommene Verwaltung, die dann auch einmal keine Aktenvermerke macht oder ehrliche Mitarbeiter umsetzt, und eine Schieflage bei den steuerrechtlichen Regelungen zugunsten Vermögender.

    • @Rupert:

      Sie meinen: geltendes Unrecht?

      • @buddhafragt:

        User Rupert hat doch (leider) zumindest zu 99% recht. Es müssten die geltenden Regeln geändert werden.

  • Die nächste Runde Landtagswahlen wirft ihre Schatten voraus. Offenbar gibt es kein Halten mehr. Wir brauchen diese Menschen an allen Ecken und Enden. Und keine neuen Atomkraftwerke für die es ganz bestimmt in keiner einzigen Byrischen Gemeinde ein Endlager geben wird!

  • Das deutsche Ausländerrecht iqar von Anbeginn an vor allem gegen Ausländer und auf Repression hin ausgerichtet. Es gibt praktisch keine gebundenen Ansprüche, es sei denn unsere Verfassung (Schutz der Familie) oder EU-Rechtsprechung (Verwurzelung) zwingen ausdrücklich dazu. Alles ist Ermessen und Gnade. Wer den falschen Sachbearbeiter erwischt, der/die hat dann halt Pech gehabt und ist raus. Und von "falschen", herrischen oder sadiatischen Sachbearbeiterin gibt es in AfD-Zeiten - man muss es ehrlich sagen - leider immer mehr. Diese kaiserliche Art mit Menschen umzugehen, ist schlicht nicht mehr zeitgemäß und zerstört Kaptial und Ressourcen, auch von uns Biodeutschen, die viel Kraft und Energie in Ausbildung, Beratung, Sprachkurse investiert haben.

    • @hedele:

      Das war in den 1990ern so, wie Sie es beschreiben.Ich wurde sagen, da gab es schon viele Gesetzesänderungen. Merz will härter abschieben als Scholz, aber so einfach geht das auch nicht.

  • Ich finde die momentane Gesetzeslage und Praxis der Aufenthaltsgenehmigung auch unerträglich. Integrationsleistungen, Arbeits- und Ausbildungsverhältnisse müssten viel stärker honoriert werden.



    Ich arbeite an einer Berufsfachschule für Pflegekräfte. Wir Lehrer und Praxisanleiter geben uns 3 Jahre lang jede erdenkliche Mühe, die Azubis für die Prüfung und den Pflegealltag fit zu machen. Die Azubis kommen pünktlich, engagiert im Schichtdienst, und müssen sich durch sprachliche Herausforderungen manchen Alltagsrassissmus kämpfen.... Integration kostet Kraft, macht aber auch viel Spass, wenn die Potentiale sich entfalten können!



    Und auf der Zielgeraden, ca. 3-6 Monate vor der Abschlussprüfung erhalten die Azubis serienmässig Post vom Amt, sinngemäß dass sie sofort abgeschoben werden, wenn sie die Prüfung nicht bestehen...



    Dann ist es mit der Prüfungsvorbereitung super schwer, denn Angst lähmt den Kopf. Und die halbe Klasse ist in Aufruhr...



    Die derzeitigen Umsetzungen empfinde ich als respektlos gegenüber Migranten ( die wir dringend brauchen) und allen Integrationshelfern wie Lehrern, Ausbildern, Kollegen...

    • @Nudel:

      Ist das wahr? Regelmäßig kurz vor der Prüfung? Das ist ja so geradezu Nötigung

      • @Matthias Patzak:

        Ja, das ist wohl rechtskonform. Die Aufenthaltsgenehmigung ist oft an den Arbeits-/Ausbildungsvertrag geknüpft. Die Termine sind dem Amt bekannt. Mit deutscher Pünktlichkeit werden die Azubis über die zukünftigen Amtshandlungen informiert. Doch was das psychologisch auslöst, ist von Gesetzgeber und Exekutive nicht mitgedacht...! Für uns an der Basis ist das echt furchtbar!

      • @Matthias Patzak:

        Hanlon's Rasiermesser: keine Bösartigkeit unterstellen, wo Dummheit als Erklärung reicht.

        In diesem Fall ist es wahrscheinlich nicht mal Dummheit, sondern Vorsorge. Mein Tipp ist: die Betroffenen haben Aufenthaltsgenehmigungen befristet auf die Zeit der Ausbildung, welche erlischt wenn keine Aussicht darauf besteht im Anschluss daran eine Arbeitsstelle anzutreten. Also warnt das Amt 3-6 Monate im voraus, damit die Betroffenen darauf gefasst sind und nicht völlig überrascht sind, wenn ihr Aufenthaltstitel erlischt. So können sie Vorkehrungen treffen, also die Ausreise vorbereitet, oder sich um einen anderweitigen Aufenthaltstitel bemühen, Verlängerung beantragen, etc. Nichts verwerfliches.

      • @Matthias Patzak:

        Drangsalierung ist das bessere Wort. Ziel ist die Vergrämung der Fremdlinge.

  • Wenn man sich einmal anschaut, wieviele Westafrikaner einen Schutzstatus erhalten, muss man feststellen, es sind lediglich so um die 10 Prozent, etliche nur mit einem Abschiebeverbot, welches auch wieder aufgehoben werden kann. Die meisten haben kein Anrecht auf Asyl, sie werden nicht verfolgt und kommen wegen der besseren Lebensbedingungen, überwiegend ohne Pass, was eine Abschiebung erschwert. Wenn dann der Asylantrag abgelehnt wurde, auch gerichtlich bestätigt, ist eigentlich klar, dass sie ausreisen müssen oder, wenn möglich, abgeschoben werden. Wie, bitte, kann man bei einem abgelehnten Asylantrag davon ausgehen, bleiben zu können? Es ist weder unmenschlich noch rassistisch, abgelehnte Asylbewerber in ihre Heimatländer zurückzuführen, sondern per Gesetz vorgesehen. Natürlich kann es auch einmal Ausnahmen geben, diese sollte allerdings sehr selten sein und nicht mit der Giesskanne vergeben werden. Es werden nicht vor allem Migranten aus Westafrika abgeschoben, aber eben auch, was richtig und gerechtfertigt ist. Wieder mal viel Aufregung um nichts..

    • @Marwei:

      Marwei es geht nicht einfach so vonstatten, es ist die Frage, wie alt sind diese Menschen, junge Männer 18-30 oder Frauen, wer ist das genau, wie ist seine Situation. Die Ämter müssen Gründe, die gegen eine Abschiebung bzw. eine Ausreise sprechen, bewerten. Und da fehlt das hier im Artikel. Und es kann sein, dass die mit 15 kamen, nach Wohngruppe und versuchter Ausbildung, gerade keine Arbeitsstelle haben und Sozialleistungen bzw. SGB II beziehen, dann kann es sein, dass man sie bittet, zu gehen, vielleicht machen sie das nicht, dann kann es irgendwann auch zur Rückführung kommen. Bis dahin sind in der Regel viele Schritte notwendig. Und es gibt immer auch Gründe, die für einen Verbleib sprechen, etwa Arbeit, Ausbildung, Kinder, Krankheit. Die Gesetze geben nur den grundsätzlichen Rahmen vor, oft genug, muss die individuelle Situation geprüft werden. Und die wird hier nicht genau beschrieben, deswegen ist das unklar, ob diese Behörde wirklich so hart rangeht, oder ob die Betroffenen sich schlecht und unfair behandelt fühlen.

      • @Andreas_2020:

        Menschen werden auch trotz Erwerbstätigkeit abgeschoben, eine Ausbildung kann eventuell vor der Abschiebung schützen.

        Die Behörden haben da viel Spielraum bei der Anwendung der Gesetze.

        Und so kommt es am Ende zu erheblichen Teilen darauf an, in welcher Behörde, bei welcher Sachbearbeiter:in der Antrag bearbeitet wird.

        Anonymisierte Statistiken sollten daher Standart sein um Muster für Diskriminierung erkennbar zu machen.

        "Datenschutz" ist da leider nur eine bequeme Ausrede.

  • Da ich als Vermieter auch an Ausländer vermiete - und dies auch sehr gerne - möchte ich wissen, warum die Ausländerbehörden meinen, uns Vermietern mit diesen Maßnahmen erheblichen wirtschaftlichen Schaden zufügen zu dürfen. Es handelt sich schließlich oft um Menschen, die in Deutschland arbeiten und ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten können. Wer soll denn die Arbeit der Abgeschobenen erledigen? Wer zahlt mir die Miete, wenn meine Mieter aus irgendwelchen fadenscheinigen Gründen abgeschoben werden sollten?

    • @Aurego:

      So verständlich der Ärger im Einzelfall ist: Ausbildungs-, Arbeits- und Aufenthaltsrecht sind keine deckungsgleichen Systeme.

      Wer mit unsicherem Aufenthaltsstatus Verträge eingeht – als Arbeitgeber oder Vermieter –, übernimmt damit auch ein unternehmerisches Risiko. Das ist keine moralische Wertung, sondern Vertragsrealität.

      Verantwortung lässt sich hier nicht vollständig an den Staat delegieren, zumal legale Rekrutierungswege über Arbeitsvisa existieren.

    • @Aurego:

      Ein Aufenthalt kann und darf nicht willkürlich beendet werden. Die Behörde arbeitet nicht illegal oder aggressiv, da sind immer Fristen und Beratungen vorgesehen. Vielleicht erzählen die Menschen ihnen das nicht, die Behörde darf aus Datenschutz nicht einfach Kontakt zu ihnen aufnehmen.

      • @Andreas_2020:

        Haben Sie schon konkrete Erfahrungen mit bayerischen Landratsämtern gemacht? Ich kenne Fälle, die extrem grenzwertig sind und es gab ja auch bereits Gerichtsurteile, die bestätigen, dass nicht alle Abschiebungen nach geltendem Recht gelaufen sind.

    • @Aurego:

      Ist es auf dem momentanen Wohnungsmarkt denn so schwierig, in einer absehbaren Zeit neue Mieter zu finden?

      • @T-Rom:

        In Berlin und Frankfurt vielleicht nicht, aber das sind ja nicht die einzigen Gegenden Deutschlands, in denen man auf die Idee kommen könnte, neue Mieter suchen zu wollen.

      • @T-Rom:

        Das Problem ist: durch eine Abschiebung erlischt ja nicht der Mietvertrag. Und es sind noch alle privaten Habseligkeiten, die die Mieter ja nicht mitnehmen konnten, in der Wohnung. Dafür müssen Lösungen gefunden werden. Und das dauert. Und Vermieter bleiben dabei oft auf hohen Kosten sitzen. Woher ich das weiß? Ich arbeite im Themenfeld Geflüchtete + Wohnungssuche, eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft hat mir die Problematik geschildert.

        • @Kawabunga:

          Der Mietvertrag erlischt vielleicht nicht, aber das ist in einem solchen Fall ziemlich irrelevant, weil die Miete wahrscheinlich nicht mehr gezahlt werden kann. Das hat dann nach zwei Monaten Mietausfall eine fristlose Kündigung zur Folge etc.



          Tatsache ist, dass die CSU mit solchen Ideen uns Vermietern massiven Schaden zufügen will.

    • @Aurego:

      @Aurego



      ...& wer ersetzt die Abgeschobenen in ihrem sozialen Umfeld ? Oftmals engagieren sich Neubüger intensiver als Alteingesessene Biodeutsche in sozialen Netzwerken & Hilfsorganisationen.

      • @Alex_der_Wunderer:

        Können Sie das belegen? Deutsche Staatsbürger zeichnen sich ja nicht unbedingt dadurch aus kein Ehrenamt zu übernehmen.

    • @Aurego:

      Fadenscheinig? Es war im Artikel an keiner Stelle von Rechtswidrigkeit der Ausweisungen die Rede. Nur von "gefällt mir nicht".



      Vielen gefällt vieles nicht. Soll das jetzt Grundlage für staatliches Handeln werden?

      Was wäre das anderes, als ein Willkürstaat?

    • @Aurego:

      Ich verstehe ihr Klagen nicht. Bei der Vertragsunterschrift wissen sie, dass die Mieter keine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis haben? Dann ist ihnen doch das Risiko bewusst. "Fadenscheinige" Gründe für die Abschiebung kann ich auch nicht erkennen, ist halt die Gesetzeslage. Wenn die Gesetzeslage nicht passt, einfach genug Leute überzeugen, eine andere Regierung zu wählen.

      • @Nisse:

        Die CSU kann gerne auf mich als Wähler verzichten. Da sie allerdings bisher stets versucht hat, für die Wohlhabenderen Politik zu betreiben und behauptet zu wissen, was der Wirtschaft guttut, könnten ihre Zustimmungswerte auch bei ihrer Stammwählerschaft weiter sinken.

        Das Problem an der mir geschilderten Situation ist doch folgendes: Die Demographie wird in den nächsten Jahren am Wert des deutschen Immobilienbestandes nagen, und das je deutlicher, desto weniger Menschen in Deutschland wohnen bzw. nach Deutschland einwandern. Der Immobilienbestand entspricht jedoch ungefähr der Hälfte unseres gesamten Wohlstandes. Die Politik sollte sich hüten, an dieser Säule unseres Wohlstandes zu sägen, da Deutschland sonst in der Fläche verarmt. Das werden dann nicht nur Immobilieneigentümer zu spüren bekommen, sondern die gesamte Wirtschaft.

  • Dieser Kommentar ist zu einseitig und zu aktivistisch. Er stützt sich auf die Aussagen der Abgeschobenen, zeigt aber kein Interesse an den Gründen der Gegenseite.

    Der Hauptgrund für Migration aus Nigeria ist Armut. Diese ist aber kein Asylgrund. Es gibt unsichere Regionen in Nigeria, die Asyl rechtfertigen können, eine diffuse Sicherheitslage zählt aber nicht dazu. Dies gilt auch für Mali und andere Staaten der Sahelzone.

    Es ist also durchaus denkbar, dass die Gründe für Asyl einfach nicht gegeben sind. Ein besseres leben zählt einfach nicht dazu.

    • @rakader:

      Ich stimme Ihnen zu.



      Artikel dieser Art haben hier meist auch nicht das Anliegen, eine differenzierte Sicht der Gesamtlage zu zeigen, sondern sind meist sehr einseitig und suggestiv.



      Jahrelange Taz-Leser erkennen das.

    • @rakader:

      Haben Sie den Artikel sowie den dort verlinkten Vorgängerartikel gelesen?

      Für Nigeria gibt es im übrigen regelmäßig Abschiebungsverbote ( = Duldung), mindestens für Frauen und Mädchen.

    • @rakader:

      Ach ja? Dann würde ich mal die Suchmaschine mit den Begriffen "Nigeria, Säuberungen, Verfolgungen" anwerfen.



      Und selbst was die BPB schreibt, die ja nicht gerade als regierungskritisch bezeichnet werden kann, sieht nicht nach einem tollen Heimatland aus:



      www.bpb.de/themen/...te/176466/nigeria/

      • @Jalella:

        Der Hinweis auf „Säuberungen“ ist nicht falsch – nur unvollständig. Nach übereinstimmenden Berichten internationaler Organisationen sind in Nigeria Christen die Bevölkerungsgruppe, die am häufigsten Ziel systematischer Gewalt, Vertreibungen und Tötungen ist, insbesondere im Norden und im Middle Belt.

        Das bedeutet nicht, dass Nigeria auf eine religiöse Konfliktlinie reduzierbar wäre – intersektionale Faktoren wie Armut, Korruption, fragile Staatlichkeit, postkoloniale Machtstrukturen und regionale Ressourcenkonflikte spielen eine zentrale Rolle. Aber die empirische Lage zur religiösen Verfolgung ist relativ eindeutig.

        Unabhängig davon gilt: Die strukturellen Probleme Nigerias lassen sich nicht durch Externalisierung nach Europa lösen. Migration ersetzt weder lokale Agency, nachhaltige Konfliktprävention, noch Good Governance und zivilgesellschaftliche Stärkung vor Ort.

        • @Desti:

          Die deutsche Botschaft geht davon aus, dass Christen im Land umziehen können, sprich Nigeria bietet sichere Gebiete für Christen an. Deswegen brauchen sie keinen Schutz in Deutschland (Ausnahmen bestätigen die Regel)

        • @Desti:

          Es geht doch hier gar nicht um Fluchtgründe und schlechte Asylaussichten. Natürlich haben Westafrikaner schlechte Asylaussichten. Um so wichtiger ist es, den alternativen Weg des Chancen-Aufenthaltsrechts zu beschreiten, damit die Leute dennoch bleiben können. Wenn die Behörde ihnen da Stöcke zwischen die Beine wirft und die Leute dennoch abschiebt, bevor sie die Voraussetzungen erfüllen können, ist das politisch oder ideologisch gewollt.