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Wahlen in Sachsen-Anhalt Eine Zäsur auch ohne absolute Mehrheit

Katrin Gottschalk

Kommentar von

Katrin Gottschalk

Nach dem deutlichen Votum für die AfD in Sachsen-Anhalt braucht es andere, neue Antworten. Demokratische Kräfte müssen jetzt zusammenhalten.

S ie haben alles versucht. Sie haben sich vernetzt wie nie zuvor. Sie haben unzählige Veranstaltungen organisiert. Sie waren laut, bunt und hoffnungsvoll. Dass die AfD aus dieser Wahl zwar eindeutig mit den meisten Prozentpunkten, aber dennoch wohl nicht mit der absoluten Mehrheit hervorgeht, ist dem Engagement der Zivilgesellschaft in Sachsen-Anhalt zu verdanken.

Allein am Samstag kamen in Magdeburg über 10.000 Menschen zusammen, der ganze Sommer war geprägt von unzähligen Aktionen der vielen Engagierten im Land. Zu diesen zählen auch die Wahl­kämp­fe­r*in­nen der demokratischen Parteien. Rückenwind bekamen sie dabei von Initiativen wie „Taktisch wählen“, die an über 30.000 Wohnungstüren den Blick auf SPD und Grünen stärkten. Diese Initiativen waren wichtig, denn entschieden wird im Parlament.

Ein offenes Gespräch auf dem Dorfplatz ist für das Leben miteinander wichtig, niemand in Ostdeutschland kann es sich leisten, AfD-Wähler*innen verloren zu geben. Aber wenn diejenigen, die dort nett gesprochen haben, danach weiterhin die AfD wählen, ist die parlamentarische Demokratie weiterhin in Gefahr. Und machen wir uns nichts vor: Die Gefahr ist mit dieser Wahl noch größer geworden. Diese Wahl ist eine Zäsur. Und knapp 78 Prozent der Wahlberechtigten haben sich daran beteiligt. So viele wie noch nie.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Seit Gründung der AfD kennt ihre Kurve mit wenigen Unterbrechungen nur eine Richtung – nach oben. Deshalb geht diese Wahl alle etwas an. Niemand sollte noch glauben, die AfD mit den bekannten Antworten aufhalten zu können. Wenn alle so weitermachen wie bisher, wird sich dieser Trend einfach fortsetzen. Wir wissen offenkundig nicht, was gegen die AfD hilft. Weder ist es das Kopieren der Politik der AfD noch der x-te Erklärungsversuch, dass das Programm der AfD im Widerspruch zu den Interessen ihrer Wäh­le­r*in­nen stehe.

Wetten, die Demokratie gewinnt? ​

Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern droht erstmals eine AfD-Regierung. Die taz berichtet, was auf dem Spiel steht – und wer jetzt die Demokratie verteidigt. Alle Texte zur Serie finden Sie hier.

Dünne Luft braucht neue Antworten

Was wären andere, neue Antworten auf die AfD? Vielleicht sind Spuren bereits sichtbar. In Sachsen trifft sich Ministerpräsident Michael Kretschmer, CDU, mittlerweile regelmäßig mit Ver­tre­te­r*in­nen der Zivilgesellschaft. Denn wenn die Luft dünn wird, müssen die demokratischen Kräfte zusammenhalten. Gleichzeitig wissen wir aus den USA, dass sich allein mit der Losung „für die Demokratie“ keine Wahlen gewinnen lassen.

Wir brauchen neue Antworten, neue Bündnisse und ein ehrliches Hinterfragen der eigenen Gewissheiten. Und vor allem brauchen die demokratischen Kräfte in Sachsen-Anhalt jetzt Unterstützung statt trotziger Mauer-wieder-hoch-Fantasien. Eine rechtsextreme Partei hat fast die absolute Mehrheit bekommen, mitten in Deutschland. Hoffen wir, dass sie nicht regieren werden.

Transparenzhinweis: In einer früheren Version des Textes wurde die Wahlbeteiligung nach ersten Hochrechnungen mit 80 Prozent beziffert.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Katrin Gottschalk

Katrin Gottschalk Chefredakteurin

Zusammen mit Barbara Junge und Ulrike Winkelmann Chefredakteurin der taz. Zuvor stellvertretende Chefredakteurin (seit 2016) und Leiterin der digitalen Produktentwicklung (seit 2020). Initiierte 2017 den taz-Innovationsreport, der den Anstoß zur Seitenwende der taz lieferte. War bis 2016 Chefredakteurin des feministischen Missy Magazine. Studierte Kulturwissenschaften und -journalismus. Aufgewachsen in Dresden, Jahrgang 1985.
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32 Kommentare

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  • Zippism

    „Wir brauchen neue Antworten“ – nach fast 44 Prozent für die AfD. Welch überraschende Erkenntnis. Fast schon revolutionär.

    Nur leider bleibt die taz dann doch bei den alten Antworten: Zivilgesellschaft stärken, demokratische Kräfte müssen zusammenhalten, keine „Mauer-wieder-hoch-Fantasien“ und bloß nicht vergessen, dass die AfD rechtsextrem ist.

    Das Problem ist nur: Genau diese Antworten gibt es seit Jahren. Und die AfD steht jetzt bei fast 44 Prozent.

    Vielleicht wäre es langsam an der Zeit, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass „mehr Zusammenhalt“, „noch mehr Engagement“ und die x-te antifaschistische Kampagne allein nicht die Antwort auf politische Unzufriedenheit sind.

    Aber immerhin hat man erkannt, dass die bisherigen Antworten nicht funktionieren. Jetzt fehlt eigentlich nur noch der mutige nächste Schritt: herauszufinden, warum.

    Und falls man dabei irgendwann bei der eigenen Politik ankommt, wäre das tatsächlich mal eine neue Antwort.

  • WiFi

    Wenn das so weiter geht mit der „Bürgernähe“ der CDU, dann geht sie den Weg der democrazia cristiana , die bekanntlich nach über 40 Jahren als die führende Partei in Italien unterging.

  • vieldenker

    Die S-A-Wähler*innen hatten die Wahl und haben sie mehrheitlich getroffen. Das kann man im Ergebnis bedauern - und sollte doch gleichzeitig erfreuen. Denn die hohe Wahlbeteiligung zeigt vor allem, dass wahlberechtigte Bürger*innen ihr Wahlrecht in Anspruch nehmen, wenn sie denn meinen eine Wahl zu haben. Als überzeugter Anhänger der hiesigen „Konsensdemokratie“ glaube ich gleichwohl, dass die politischen Parteien selbstbewusster ihre kontroversen Konzepte vertreten und gleichzeitig deutlich machen sollten, dass austarierte Koalitionsverträge nicht (nur) die Zustimmung zum vermeintlich kleineren Übel des geringsten gemeinsamen Nenners sind, sondern das Ergebnis gemeinsamer Beratungen mit dem demokratisch gewählten Gegenüber. Denn da bietet ja seit jeher jeder „Block“ eine große Bandbreite an Überzeugungen und vielfache Möglichkeiten zur gemeinsamen Gestaltung über vermeintlich unüberbrückbare Grenzen. Das wird irgendwann auch für die Blaunen gelten, deren wahre innerparteiliche Standfestigkeit jetzt gehörig auf die Probe gestellt werden dürfte.

  • FCA Media

    Dieses Ergebnis sollte niemanden schockieren. Es ist die direkte Reaktion auf einen Bundeskanzler Merz, der vor der Wahl viel versprach, und nach der Wahl das Gegenteil von dem tat, was er versprach, während er sich die Diäten erhöhte und "uns", den Bürgern sagte "wir" hätten über unsere Verhältnisse gelebt und müssten jetzt den Gürtel enger schnallen. Während er und die Politikerkaste selber Millionäre bzw extrem wohlhabend sind. Alle.

    Deutschland hat ein Grundproblem: es hat sich selber sabotiert: Horrende Energiekosten durch einen "tugendhaften" aber völlig unsinnigen Atomausstieg, eine chaotische Migrationspolitik, in der das Individualrecht auf Asyl verballhornt wurde zu "Deutschland braucht Fachkräfte", bei gleichzeitigem Nicht-Fordern der kulturellen Assimilation derjenigen, die hierherkommen.



    Gleichzeitig wird denen, die hier arbeiten erzählt, sie müssten länger und mehr arbeiten - und wir könnten uns den Sozialstaat trotzdem nicht leisten. Es würde trotzdem immer weniger Rente, immer weniger Gesundheit, immer weniger geben - die Diäten der Abgeordneten mögen aber bitte automatisch steigen.



    Deutschland verliert sich gerade - die AFD ist nur das Symptom.

  • Philippo1000

    Ja, das stimmt.



    Es ist unerklärlich, warum Arbeiter eine Partei wählen, die Politik für Besserverdienende machen will.



    Es ist unerklärlich, warum in einem Bundesland, deren Mehrheit eine Diktatur erlebt hat, eine Partei wählen, die eine Diktatur anstrebt. Es ist unerklärlich, warum diese "afd" Wähler ( Nicht-) Migration so wichtig finden, obwohl Sachsen Anhalt das Bundesland mit der geringsten Migrantenquote ist.



    Es wurde lang und breit gewarnt, dass die "afd" rechtsextrem ist.



    Dennoch hat sie eine klare Mehrheit.



    Das bedeutet, eine klare Mehrheit in Sachsen Anhalt ist rechtsextrem.



    Argumente sind überflüssig. Ein Ansatz zum Schutz unserer Demokratie muss daher ein Verbotsverfahren sein, wie Pistorius und Özdemir es vor Wochen nochmals angesprochen haben.



    Klar ist auch, dass demokratische Projekte weiter unterstützt werden müssen und Dobrindt und Konsorten dabei auf die Finger geguckt werden muss .



    Zusammenarbeit heißt aber auch, sich nicht gegenseitig auf die Füße zu treten. Vielen "Linken" erscheint die Bekämpfung der SPD wichtiger als die Bekämpfung der "afd".



    Innerhalb des demokratischen Spektrums muss abgerüstet werden. Die nächste Wahl in MV kann noch gewonnen werden!

  • Wanderin

    Dieses Ergebnis ist auch von den Medien mitfabriziert worden, denn die Partei wurde wochenlang vorher als Angstszenario regelrecht beworben. ("Der gefährlichste Mann Deutschlands" - ist ein verstecktes, überzogenes Kompliment. Für diese großflächig sichtbare Werbekampagne hätte die Partei ansonsten viel Geld ausgeben müssen, aber die Medien haben sie ihr gratis geschenkt) Besonders die Protestwähler, die immer zuhause bleiben und eigentlich nie wählen gehen, wird die Tatsache, dass die etablierten Medien diesen Kandidaten als bürgerlichen Albtraum anpreisen, besonders motiviert und Genugtuung verschafft haben.

    • Jürgen Klute

      @Wanderin:

      Dem stimme ich voll und ganz zu. Die Medien in Deutschland sind ein Problem. Wie man es anders und besser machen könnte, kann man in mehreren Nachbarländern sehen. Davon lernen mögen deutsche Medien aber nicht.

    • Hans Dampf

      @Wanderin:

      "Dieses Ergebnis ist auch von den Medien mitfabriziert worden, "



      Ja, sehe ich auch so.

  • Christoph

    Eine Partei, die verboten ist, könnte man nicht wählen. Ergo - durch die feige und zögerliche Haltung des Parlaments ist es ja erst möglich gewesen, dass diese Antidemokraten gewählt werden konnten.



    Warum ist es nicht im unserer Verfassung verankert, dass Parteien, die nicht 100prozentig verfassungstreu sind, gar nicht erst zur Wahl zugelassen werden?



    Ist es wirklich undemokratisch eine Partei zu verbieten, die unsere demokratische Grundordnung abschaffen will?



    Wir sägen an dem Ast, auf dem wir sitzen - sehenden Auges!



    Armes Deutschland!!!

  • hsqmyp

    Es reicht einfach nicht, wenn Union & SPD auf die Gefahr von Rechts hinweisen und gleichzeitig nichts Substanzielles gegen die Wohnungsnot, Inflation, Verarmung, Klimawandel, Ungleichheit, uvam tun.



    Stattdessen wie einstmals Schröder Sozialkürzungen zulasten der Klein- und Mittelverdiener als Reformen verkaufen.

    Wenn die Parteien nicht endlich wirksame Politik für ihre WählerInnen machen, werden sie abgewählt und verschwinden irgendwann ganz.

  • Sole Mio

    Das Ergebnis, wenn alle demokratischen Parteien nun zusammenhalten bzw. zusammenarbeiten würde dann wieder jenes sein, das jede Partei mehrere Kompromisse eingehen muss und wieder noch mehr Unzufriedenheit in den eigenen Reihen herrscht. Gerade bei schwarz und rot.

    Ich sehe es so dass das BSW sollte es drin sein, mit der AfD zusammenarbeiten wird.

    Das positive daran wäre dass beide dann liefern müssten, jedoch sich entzaubern würden.

  • Dietmar Rauter

    Putins Freunde haben eine Mehrheit im Magdeburger Landtag. Müssen wir vor Wahlen TikTok & Co abschalten ?

  • Strenge Susanne

    Bitterer Abend. Aber fast die Hälfte der Sachsen-Anhalter will offenbar das Ergebnis. Lasst sie also regieren, möglichst schnell. Nachdem es kein Parteiverbot gab, ist dies die einzige Möglichkeit, dass sie sich selbst zerlegen, denn das tun sie und die Menschen werden nur so merken, dass es ihnen mit der AFD schlecht geht. Vorher aber bitte alle Andersdenkenden das Land verlassen! Ihr seid alle herzlich willkommen in NRW.

  • Fran Zose

    Und nun? Ein etwas hilfloser Kommentar, eine wirklich Idee wie es gehen soll kann ich hier auch nicht rauslesen…..

  • Dietmar Rauter

    Stand 6.9. um 22 Uhr : Sind Merz und Klingbeil noch im Amt ? Unglaublich...



    Die Leute sind doch nicht doof:: Klimawandel und Hormus / Trump machen alles teurer für die Mehrheit der WählerInnen ....



    Haben das Grüne/Linke/SPD/CDU nicht gemerkt ? Wer auf dem CO²-Auge blind ist, verweigert die Realitäten.

  • amigo

    Das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt ist ein schmerzhafter Schock, aber keineswegs das Ende unserer Demokratie. Wer meint, mit diesem Votum sei der Weg frei für eine autoritäre Umgestaltung unseres Bundeslandes, hat den Widerstandsgeist der Zivilgesellschaft gewaltig unterschätzt.



    ​Jetzt rächt sich jahrelanges taktisches Klein-Klein und das gegenseitige Zerfleischen der demokratischen Parteien. Schluss damit! Ein schwaches Bündnis der Mitte bringt nichts, wenn nicht endlich mutige, spürbare Antworten auf die Nöte der Menschen geliefert werden: Echter Zusammenhalt, funktionierende Schulen, soziale Sicherheit und eine unerschütterliche Brandmauer.



    ​Demokratische Kräfte dürfen nicht in Schockstarre verharren oder den Rechtsextremen hinterherlaufen. Wir überlassen Sachsen-Anhalt weder den Zündlern noch der Agonie. Jede Kommune, jeder Verein, jede Freie-Presse-Initiative und jede demokratische Fraktion muss nun zum Schutzraum unserer offenen Gesellschaft werden. Jetzt gilt erst recht: Aufstehen, Schulterschluss zeigen und Haltung bewahren!

  • bvbfan

    Nach Jahren einer sinnlosen Brandmauer Politik können diese "neuen" Antworten ja wohl nicht sein, eine Regierung mit CDU/SPD/Grünen/Linken zu etablieren. Das wäre meiner Meinung nach die völlige Kapitulation dieser Parteien, nach dem Motto: uns verbindet nichts, aber wir wollen keine AfD. Die Wahlen danach würden dementsprechend ausfallen, da die Wähler sich zurecht veralbert fühlten. Der Super-Gau würde vor allem die CDU treffen, die alle verbliebenen konservativen Wähler abschreiben könnte. Die einzige und beste Lösung ist eine AfD Minderheitsregierung, die wahrscheinlich nur mit BSW Beteiligung möglich wäre. Die AfD könnte so eine Minderheitsregierung natürlich ablehnen, was strategisch wahrscheinlich Vorteile hätte (null Verantwortung + dysfunktionale Rot-Rot-Grün-Schwarze Koalition). Die Rettung ist meiner Meinung nach das BSW.

  • EchteDemokratieWäreSoSchön

    Der Ausgang der Wahl ist schlimm - schlimm für Sachsen-Anhalt, aber auch für Deutschland.



    Aber es ist auch seit Jahren klar, dass es dazu kommen würde - weil dauernd mit untauglichen Mitteln versucht wurde, dies aufzuhalten.



    Der Autor nennt eine ganze Menge von Maßnahmen, die nicht funktioniert haben und erkennt richtigerweise, dass die nicht geholfen haben und auch nicht helfen werden.

    Es gibt eine Maßnahme, die helfen würde, bei der sich die etablierten Parteien sich seit Jahren weigern zu ergreifen.

    Diese Gesellschaft muss wieder gerechter werden, so dass jeder den Eindruck hat, es wird ihm, seiner Familie und seinen Kindern immer besser gehen.



    Dazu müssen die Gewinne gerechter verteilt werden. Dass die 5000 Milliardäre und Superreichen (>100 Mio €) seit 2024 ihr Vermögen um 400 Mrd. $ erhöhen konnten, aber 50% und auch der Staat nicht mehr über die Runden kommen, kann auf Daher einfach nicht funktionieren.



    Es würde schon reichen, die Steuern für die 5000 um 1,5-3,5% ihres Vermögens zu erhöhen. Das wären 50-100 Mrd.€ pro Jahr. Damit liessen sich alle Probleme lösen.



    Ohne das wird die AdD immer stärker werden

  • Markus Schäfer

    Hoffen wir, dass sie nicht regieren werden. Prinzipiell stimme ich zwar absolut zu, allerdings glaube ich auch nicht, dass eine Fünfparteienregierung (falls das BSW reinkommt), die AfD zurückdrängen kann.

    • Carsten S.

      @Markus Schäfer:

      Am besten gäbe es diesen braunen Sauhaufen gar nicht.

      Aber jetzt haben wir das Elend, und ich weiss nicht, was besser ist: Die AfD von der Macht fernzuhalten und ihr weiteres Erstarken zu riskieren oder sie regieren (und hoffentlich scheitern) zu lassen, so dass jeder merkt, wen er da gewählt hat.



      Dummerweise ist die Rechte fast schon brilliant darin, selbst zu scheitern und dennoch ihre Anhänger davon zu überzeugen, dass die anderen schuld sind. Siehe Trump.

      Vielleicht wäre ein Exodus der ausländischen Arbeitskräfte aus der Medizin, der Pflege und der High-Tech-Industrie heilsam. Wobei: vielleicht sind dann doch wieder die anderen schuld...

      Als Wessi habe ich jedenfalls kein Verständnis dafür, dieses blaubraune Experiment mit meinen Steuern zu unterstützen.

  • gyakusou

    Die Antwort ist simpel: Die "Demokratische Kräfte" müssen bessere Politik machen und das Leben der Menschen nachhaltig verbessern. Mehr Wohlstand, mehr Sicherheit, bessere Bildung usw.

    Das wird nur sehr schwer umsetzbar sein in der Welt, in der wir leben. Egal von wem.

    • Machiavelli

      @gyakusou:

      Das ist des Pudels Kern. Die Politik in Deutschland hat kaum noch Gestaltungsmacht, wir sind Spielball globaler Kräfte und Effekte ohne groß Einfluss darauf nehmen zu können. Diese Hilflosigkeit macht den Menschen Angst.

    • FCA Media

      @gyakusou:

      Das ist schon umsetzbar, wie andere Länder zeigen: Dänemark hat mit einer Migrationspolitik Erfolg. Ebenso Polen. Dort wird Migrationspolitik im Sinne der inneren Sicherheit und des Erhalts der eigenen Kultur betrieben.



      Ebenso Energiepolitik: fast jedes Land will seine Atomenergie in den nächsten Jahren ausbauen und nachhaltig gestalten. Deutschland? Musste mal wieder einen Sonderweg gehen und glaubt, dass sein heroischer Ausstieg aus der Atomenergie das Weltklima retten wird.



      Deutschland sabotiert sich immer dann selbst, wenn es die Welt moralisch belehren will: Beispiel Flüchtlinge "schaut mal, wir Deutschen sind die Guten, wir nehmen sie alle auf, wir schaffen das." Beispiel Atomenergie: "schaut mal, wie tugendhaft wir sind und wie wir Atom beenden."



      Heute sehen wir die Konsequenzen, ganz nüchtern: Deutschland tut sich selber weh, es hat etwas von einer Selbst-Kasteiung, wie dieses Land sich gerade verliert - weil man moralisch irgendeinen Zeigefinder heben will.

    • Ludowig

      @gyakusou:

      Ich fürchte, es fehlt der Wille und nicht das Geld. Man muss den Mietern zum Beispiel die Angst vor der nächsten Öl- und Gasrechnung nehmen und sie bestärken anstatt sie als faul zu beschimpfen. Politik muss wieder für das Volk gemacht werden und nicht für einzelne Interessengruppen.

    • Desdur Nahe

      @gyakusou:

      "Mehr Wohlstand, mehr Sicherheit, bessere Bildung"



      Fehlt da nicht noch ein Punkt? Aber der wird gerne "vergessen". Wie steht da im Artikel:



      "Wir wissen offenkundig nicht, was gegen die AfD hilft."



      Doch, wissen wir.



      Lt. Uni des Saarlandes sind ca. 90% der AfD-Wahlentscheidungen alleine auf das Thema Migration zurrückzuführen. Und der "Praxisversuch" in Dänemark war ja auch ganz aufschlussreich.



      Ob man das als Partei bei dem Thema in diese Richtung möchte ist ein ganz anderes Thema. Aber ahnungslos zu tun hilft nicht weiter, denn die Migrationspolitik wird sich massiv ändern.



      Die Frage ist, ob das durch die Parteien links der AfD passiert, oder dann letztlich die AfD das ein paar Jahre später alleine nach ihren Regeln macht.



      Jede/r, der das Thema nicht anfassen mag, entscheidet sich für die AfD-Variante.

    • Lass uns reden

      @gyakusou:

      Das Versprechen „mehr von allem für alle“ ist genau das Problem, weil es unrealistische Erwartungen erzeugt, Enttäuschung, Resignation und so die Wahl von Parteien fördert, die den Mund noch voller nehmen…



      China als reine Werkbank, billige fossile Energie, Nationalstaaten mit geschlossenen Grenzen, Mama Zuhause mit zwei, drei Kindern, überlegene Produkte „Made in Germany“, das ist weitestgehend Geschichte.



      Das Versprechen, es geht nur bergauf, ist eine schöne und zugleich gruselige Wunschvorstellung.



      Selbst eine zurecht geforderte gerechtere Verteilung des Wohlstands reicht m.E. nicht aus, wenn auch dringend nötig.



      Keiner will den Bevölkerungen der westlichen Welt reinen Wein einschenken: Ein gutes, fröhliches, herzliches, gesundes, kreatives Dasein braucht keine permanente Steigerung des materiellen Wohlstands. Begegnung, Zusammenhalt, gegenseitiges Interesse, Neugierde und Lebenslust wie ein kleine Kinder, wie die Jugend es uns vormachen, Was braucht es dafür?



      Mut, nach vorne Denken, Unbeschwertheit.



      Die alten Erzählungen Kirche, Nation, Wohlstand brauchen lebendige, starke und zeitgemäße Adaptionen, lasst uns zusammen uns neu finden, erfinden, just do it.

    • T-Rom

      @gyakusou:

      Mehr Wohlstand scheint zumindest mittelfristig wenig realistisch und sollte daher auch nicht versprochen werden.



      Vielleicht wäre es mal an der Zeit, dass die "etablierten Parteien" eingestehen, dass Veränderungen notwendig sind (das haben die meisten Bürger ohnehin begriffen), dass es dabei Abstriche geben wird, und dass man darauf achten wird dass es dabei einigermassen gerecht zugeht.



      Das würde auf viel mehr Zustimmung stossen, als dauernd zu suggerieren dass es - zumindest für die eigene Klientel - alles rosa aussähe, wenn man denn nur das richtig tue und die jeweils andere Seite aber alles verkehrt mache.

  • Astrid Sehnefeld

    "Nach dem deutlichen Votum für die AfD in Sachsen-Anhalt braucht es andere, neue Antworten. Demokratische Kräfte müssen jetzt zusammenhalten."



    Was sollen diese neuen Antworten sein?



    Wer soll sie geben?



    Und zusammenhalten hören wir seit Jahren...



    Das ist doch die pure Hilflosigkeit die hier spricht, Entschuldigung.



    Keine Partei hat Antworten. Oder will mir irgendjemand erzählen, dass Grüne oder SPD oder Union erst auf 44% gewartet haben, bevor sie mit der Lösung um die Ecke kommen

    • WiFi

      @Astrid Sehnefeld:

      Müssen wir alle, nicht nur die Parteien /Politiker vielen Menschen/Wähler klar machen , was das Leben in einem demokratischen Staat mit sozialer Marktwirtschaft so Chancenreich macht? Hilfe zur Selbsthilfe,

    • Martin Rees

      @Astrid Sehnefeld:

      In "blühenden Landschaften" mit vielen Arbeitsplätzen und auskömmlichen Renten gedeiht Populismus eher nicht, aber analog Rust Belt in den USA:



      "In der Gesamtsicht zeigt sich, dass Populismus multiple ökonomische Gründe hat. In der Summe laufen sie auf Abstiegsängste und Verteilungskonflikte hinaus, die verstärkt werden, wenn das Vertrauen in die Politik und in die Fairness unterminiert werden. Statt auf eine offene, globale Wirtschaft zu setzen, betont der Populismus nationale Abschottungen und in seiner linken Variante starke umverteilungspolitische Ansätze."



      Naumer, HJ., Hofrichter, S. (2025). Populismus: Ein weltweites Phänomen. In: Kapitalismus Populismus Demokratie. essentials. Springer Gabler, Wiesbaden. doi.org/10.1007/978-3-658-47564-2_2



      Vice versa wird daraus ein Schuh: Indem ökonomische Interessen auch bedient werden und Renten nicht geschmälert werden, so könnte die Lehre sein.



      Allerdings ein Paradoxon: Viele Wähler*innen denken, dass es ihnen nicht so schlecht geht, sondern eher dem Land.



      Das wollen sie sich zurückholen...



      Eine weitere Ungereimtheit: Der Glaube an Putins Unterstützung.



      Dass genuine Landespolitik wenig diskutiert wird, ist leider nun die Regel.

    • Lass uns reden

      @Astrid Sehnefeld:

      Es gibt keine Alternative zum Zusammenhalt in der Familie im Freundeskreis in der Nachbarschaft,



      Das Gute ist: es kommt mehr Energie zurück als es kostet

    • Carsten S.

      @Astrid Sehnefeld:

      Danke für Ihren wie immer klaren Kommentar.