Umgang mit buddhistischen Symbolen: Jesu Kopf als Blumentopf

Der Umgang mit Buddha hierzulande ist befremdlich. Würde man dasselbe mit Jesus machen, gäbe es einen Aufschrei. Das zeigt doppelte Standards.

Ein Inder begießt eine überlebensgroße Buddha-Statue bei einem Ritual mit Wasser

Eine Buddha-Statue am Vesakh-Tag in Indien. Wasser symbolisiert Reinheit, Klarheit und Ruhe Foto: XinHua/dpa

Yoga, Räucherstäbchen und das „Mit sich im Reinen sein“ liegen im Trend. Solange es vom Alltagsstress ablenkt, ist auch alles schön und gut. Aber um der Zen-Kraft mehr Ausdruck zu verleihen, darf oft die Buddha-Statue nicht fehlen. Ein näherer Blick lässt einen allerdings sprachlos zurück.

Der Buddha ist eine Symbolfigur und verkörpert den Gründer des Buddhismus, Siddharta Gautama. Die Statue steht für Weisheit und Mitgefühl und ist für viele Angehörige der Religion eine gottgleiche Figur. Meistens sitzt der Buddha im Schneidersitz und formt seine Lippen zu einem leichten, freundlichen Lächeln.

Vielleicht wollen ihn deshalb so viele Menschen in ihrer Wohnung, im Garten oder im Yogastudio aufstellen. Weil der Buddha, im Gegensatz zu Jesus, nicht mit schmerzerfüllten, aufgerissenen Augen gen Himmel starrt. Oder seinen Kopf kraftlos zu Boden fallen lässt. Der Buddha schaut eben nett in den Raum, wie ein stummer Beobachter, der über all das wacht, was um sich herum passiert.

Hätte es sich damit, wäre der Hype um den Buddha nicht so ärgerlich. Doch hierzulande findet man den Buddha häufig als billige Figur in Ramsch- und Einrichtungsgeschäften wieder. Für satte 4,99 Euro kann man eine Skulptur aus Zement erwerben, für Bastelfans reicht auch nur der Kopf aus, den sie in den Garten stellen können – dann gedeihen das ganze Jahr über Stiefmütterchen in seinem Gehirn.

Oder aber man entscheidet sich für eine Duftlampe aus Keramik, damit der Buddha den Raum mit heiligem Ayurvedaduft füllt. Gehen wir einen Schritt weiter. Wie wär's mit einem Buddha als Knautschfigur, damit man ihn zerquetschen und seinen Stress bei ihm abladen kann? Passend zur Aggression streckt dieser Buddha auch seinen Mittelfinger hoch.Und wo wir schon beim Stressrauslassen sind, kann man den Buddha auch einfach in die Toilettenkabine stellen, damit er das Klopapier für einen halten kann.

Deutschland hat sich dem Buddhismus gegenüber schon respektlos verhalten, als Hitler das Sonnenrad für sich beansprucht hat und das Symbol somit für alle Ewigkeit zu etwas Faschistischem verdammte. Heute müssen vietnamesische Restaurants hierzulande ihre Buddhafiguren und das heilige Symbol teilweise abdecken, weil deutsche Gäste mit erhobenem Finger auf sie zeigen.

Braucht es wirklich überall despektierliche Statuen und Köpfe des Buddha, wenn man noch nicht mal das heilige Symbol vom Hakenkreuz unterscheiden kann? Wie würden Menschen hierzulande reagieren, täte man dasselbe mit Jesus? Würde sich ein geköpfter Jesus im Garten genauso gut verkaufen? Vermutlich nicht. Deshalb gibt es seinen Kopf auch nicht zum Erwerb. Dafür aber eine Ganzkörper-Plüschfigur zum Kuscheln.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

In Tokyo und Hamburg aufgewachsen, Auslandsjahr in Shanghai. Studium in Berlin, Chongqing und Halle. Seit Juni 2021 taz Panter Volontärin und aktuell im Ressort für Recherche&Reportage. Außerdem freie Mitarbeiterin des Lila Podcasts. (Foto: Hella Wittenberg)

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de