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Ukraine-Gipfel in LondonRussland an den Verhandlungstisch zwingen

Dominic Johnson

Kommentar von

Dominic Johnson

Bislang will Putin nicht mit, sondern nur über die Ukraine reden. Um das zu ändern, ist weiterer militärischer Druck nötig.

B ringt das Jahr 2026 das Ende des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine? Was vor einem Jahr noch als Hirngespinst abgetan werden konnte, ist inzwischen ein reales Szenario. Die Ukraine setzt Russlands militärische Infrastruktur und Ölwirtschaft massiv außer Gefecht, an der Front im Donbass wird die russische Armee aufgerieben, und der russischen Kriegswirtschaft geht die Puste aus.

Die Ukraine ist selbst ausgeblutet und entkräftet, aber sie schöpft aus Russlands Schwäche Zuversicht und inszeniert das gekonnt, zuletzt mit Drohnenangriffen in St. Petersburg beim Internationalen Wirtschaftsforum vergangene Woche und der nachfolgenden öffentlichen Aufforderung Selenskyjs an Putin, endlich zu verhandeln. Russland wollte in St. Petersburg der Welt Stärke vorführen, das Gegenteil trat ein. Inzwischen wird sogar über einen Fall der besetzten Krim spekuliert, auf der Russlands Militär besonders leicht zu isolieren und zu schwächen ist.

Die Hoffnung ist, dass all dies Russland an den Verhandlungstisch mit der Ukraine zwingt. Bisher will Russland nicht mit der Ukraine sprechen, sondern nur über die Ukraine, und zwar mit Donald Trump – begleitet vom fortgesetzten Krieg. Die Regierung in Kyjiw soll nicht mitreden, sondern höchstens am Ende die zwischen Moskau und Washington vereinbarte Zerschlagung und Unterwerfung der Ukraine unterschreiben. Echte Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine sähen ganz anders aus. Es würde ein international überwachter Waffenstillstand in Kraft treten, dann könnten Direktgespräche mit internationaler Beteiligung folgen.

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Existenz der Ukraine akzeptieren

Hinter dieses Friedenskonzept haben sich in London Selenskyjs drei wichtigste europäische Verbündete gestellt. Seine Realisierung setzt zweierlei voraus: Dass Russland in einen Waffenstillstand einwilligt und dass es sich endlich dazu durchringt, die Existenz einer freien Ukraine zu akzeptieren. Zu alldem scheint Putin weder bereit noch in der Lage. Aber das hinzunehmen bedeutet, Putins Krieg hinzunehmen. Wer stattdessen Frieden will, muss Druck ausüben.

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Im Umgang mit einer renitenten Kriegspartei macht erst militärischer Druck einen Friedensprozess möglich. Solange man Putin freie Hand lässt, wird er seine Ziele weiter mit der Waffe verfolgen wollen. Erst wenn er die Aussichtslosigkeit seiner Lage erkennt oder wenn jemand Vernünftiges in Moskau die Initiative ergreift, ist überhaupt denkbar, dass Russland Gesprächspartner wird. Dafür muss die Ukraine den militärischen Druck auf Russland aufrechterhalten und steigern. Das ist der einzige Weg zum Frieden.

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Dominic Johnson

Dominic Johnson Ressortleiter Ausland

Seit 2011 Co-Leiter des taz-Auslandsressorts und seit 1990 Afrikaredakteur der taz.
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27 Kommentare

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  • Putin schlug G Schröder als Vermittler vor. Das wurde unisono abgelehnt. An dieser Stelle haben die EU und auch einzelne Staaten schlicht versagt. Schröder wäre nicht der Richtige gewesen, doch warum hat man nicht auf die "Verhandlungsbereitschaft" Putis reagiert, indem man einen Gegenvorschlag macht. Das hätte Putin in Zugzwang gebracht, er wäre klar in die Defensive geraten. Das ist und bleibt absolut unverständlich.

  • Mal zur Erinnerung:



    .



    》OSTERWEITERUNG UND MILITÄRPRÄSENZ



    .



    Russland schickt schriftlichen Forderungskatalog an USA und Nato



    .



    Veröffentlicht am 17.12.2021



    .



    Russland hat seine Forderungen nach einem Ende der Nato-Osterweiterung schriftlich niedergelegt. In einem am Freitag veröffentlichten Entwurf für Sicherheitsabkommen mit den USA und der Nato verlangte Moskau, dass das westliche Militärbündnis die Ukraine und andere ehemalige Sowjetrepubliken nicht aufnehme, Waffen aus der Region abziehe und Manöver dort beende. [...] Der russische Vizeaußenminister Sergej Rjabkow sagte, sein Land sei bereit, die Verhandlungen über seine Vorschläge sofort zu beginnen und habe Genf als Verhandlungsort vorgeschlagen. Die Beziehungen zwischen Russland und der Nato seien an einem „gefährlichen Punkt“ angekommen.《



    .



    www.welt.de/politi...-USA-und-Nato.html

    • @ke1ner:

      @ke 1 ner



      👍👍 & 👍👍

  • Der Kommentarbereich liest sich ja fast wie der der Berlinskaja Prawda.

    Was bringt Menschen dazu, etwas anderes als tiefe Abscheu gegenüber dem faschistischen Terrorstaat Russland zu empfinden?

    • @Suryo:

      Abscheu empfinde ich nicht pauschal vor einem Staat. Was soll das?

      • @Perkele:

        Dann halt die Nomenklatura des Staates!

        • @Il_Leopardo:

          Einverstanden

      • @Perkele:

        Wenn, dann ja wohl gerade vor einem Staat.

        Die heutige Russische Föderation ist ein zutiefst gewalttätiges, faschistoides System, das seine Nachbarn mit Krieg überzieht und sich im Krieg mit uns wähnt.

        Was gibt es daran zu leugnen?

        • @Suryo:

          Das würde bedeuten, dass ALLE Menschen die dort leben böswillig, egozentrisch und verlogen sind. Das ist eine schlicht und einfach unhaltbare Einstellung. Abscheu empfindet man gegen Menschen !! die sich so verhalten und ungeprüft übelste Verleumdungen verbreiten oder üble Handlungen vollbringen. Es gibt viele Russ*innen, die ehrliche, redliche Leute und die keineswegs charakterlich fraglich sind. Was soll das, pauschal alle zu verurteilen? Das ist abscheulich....

          • @Perkele:

            Nein, denn Staat und Bevölkerung sind nicht identisch.

            Mal davon abgesehen, dass auch die Russische Föderation von Menschen getragen wird und die russische Gesellschaft natürlich auch durch 26 Jahre Putinismus geschädigt und deformiert ist.

            • @Suryo:

              @Suryo



              Den Saat bilden WIR als Bevölkerung, die Regierenden sind ein Teil der Bevölkerung, sind aber nicht der Staat, sondern regieren als Regierung unseren Staat.

  • Nach wie vor sind die Forderungen Putins:



    Anerkennung der besetzten Gebiete



    "Entnazifizierung"



    Demilitarisierung



    Zusicherung der Nato, dass die Ukraine niemals Mitglied werden wird



    Von diesen Forderungen wird er nach meiner Einschätzung nicht abrücken und die Ukraine kann schon nach der eigenen Verfassung auf solche Forderungen nicht eingehen. Somit sind alle Friedensverhandlungen derzeit sinnlos.

  • Relevant ist eigentlich nur der letzte Absatz. Dominic Johnson empfiehlt der westlichen Seite das zu machen, was vier bis fünf Jahre nicht funktioniert hat: den militärischen Druck erhöhen. Aufgehen kann dieses Konzept nur, wenn es irgendwann mal dazu kommen sollte, das Russland militärisch besiegt wird. Das kann dann aber noch ein paar Jahre dauern. Möglicherweise geht es etwas schneller, wenn Russland zwischenzeitlich die Ukraine militärisch in die Knie gezwungen hat. Das Problem mit dieser Kriegslogik ist nur, dass jeder politische Gestaltungsanspruch verloren geht.

    • @Egon Schmitz:

      Es funktioniert schon: die ukrainische Regierung ist noch am Leben, der Großteil der Ukraine ist weiterhin nicht besetzt.



      Eine politische Lösung darüber hinaus ist wohl nur möglich wenn China diese forcieren würde. Trump und die USA waren ja schon zu einem Entgegenkommen bereit, was seitens Russland abgewiesen wurde.

    • @Egon Schmitz:

      "Das Problem mit dieser Kriegslogik ist nur, dass jeder politische Gestaltungsanspruch verloren geht."



      Scheint der Genosse Putin deutlich anders zu sehen, schade.

  • Allein durch die Wortwahl in der Schlagzeile stülpt der Dickkopf im Kreml die Unterlippe vor und motzt "Jetzt erst recht njet!!!"

  • "Bisher will Russland nicht mit der Ukraine sprechen, sondern nur über die Ukraine,"



    Komisch, ich dachte, es wäre noch immer ein Dekret von Selensky in Kraft, das Verhandlungen mit Russland unter Strafe stellt. Ist das mittlerweile abgeschafft? Bitte um Referenzen!

    • @XXX:

      @XXX



      Ach Sie meinen wegen Ursula von der Leyen und ihrer Intriganten der Vizepräsidentin von Frau von der Leyen's EU Kommission, die Aussenbeauftragte Frau Kallas aus Estrien von der Estnischen Reformpartei, die eigentlich offizell Verhandlungen führen müsste, aber leider leider wie die von der Leyen tickt. Da gibt's kein Interesse für Friedensverhandlungen, im Gegenteil.

    • @XXX:

      So ein Dekret wie von ihnen beschrieben gibt es nicht.

  • Wäre die EU Kommission in der Lage und Willens einen eigenen Vermittler zu beauftragen, es wäre sehr viel gewonnen. Putin hat Schröder vorgeschlagen, der abgelehnt wurde. Sofort hätte eine kluge EU Führung dann dieses Momentum genutzt und einen eigenen Vorschlag gemacht und darauf hingewiesen, dass Putin selbst einen Verhandlungswillen gezeigt habe mit seiner Benennung. In dem Augenblick wäre Putin in der Defensive gewesen.

  • Ich bin nicht ganz einverstanden mit der Festlegung auf Donald Trump in der Passage "Bisher will Russland nicht mit der Ukraine sprechen, sondern nur über die Ukraine, und zwar mit Donald Trump".



    Die TAZ selbst schreibt explizit an anderer Stelle, dass man auch zu Gesprächen mit der EU bereit sei: "Als Vermittler zwischen der EU und Russland" wurde von Seiten Russland der Altkanzler Schröder vorgeschlagen.



    Quelle: taz.de/Gerhard-Sch...im-Kreml/!6184922/

    Im allgemeinen bin ich der Meinung, dass man viel mehr auf ehrliche Diplomatie setzen sollte als es bisher der Fall war. Viel mehr. Hier könnte Hr. Schröder als _Vermittler_ (nicht _Verhandlungsführer_, das ist eine andere Rolle!) vielleicht tatsächlich etwas bewirken.

  • Der bedingungslose Waffenstillstand als Ausgangspunkt für weitergehende Verhandlungen ist sicherlich etwas, worauf sich alle bei gutem Willen verständigen müssten. Wenn aber jetzt von westeuropäischer Seite eine Truppenstationierung zur Bedingung für einen Friedensprozess erklärt wird, dann erscheint mir das doch sehr kontraproduktiv, fast so, als wolle man ein Scheitern herbeiführen. Ähnlich kontraproduktiv wie die russische Forderung nach einem Rückzug der UA aus dem nordwestlichen Donbass.

    Dass die Frage der russischen Auslandsvermögen mit Reparationszahlungen verbunden wird, ist im Prinzip wohl ein richtiger Ansatz. Das aber gleich zu Beginn als Bedingung zu formulieren, scheint mir alles andere als klug zu sein. Vielleicht sollte dieser Strang besser von den übrigen Verhandlungen abgetrennt und separat verfolgt werden

  • Wie? Verhandlungen? Herr Johnson, wenn ich mich richtig entsinne war es jahrelang Ihre Meinung, dass man mit Putin nicht verhandeln darf. Sind Sie etwa Putinversteher geworden? Ich dachte es zählt nur eine Niederlage Russlands. Wenn Sie unter die Putinversteher gegangen sind, dann hätten Sie diesselbe Meinung viele 100000 Tote eher vertreten können.

    • @zio pipo:

      Ärgerlich was Sie hier suggerieren; anscheinend haben Sie nie einen Text von Hrn. Johnson verstanden. Niemand war jemals gegen Verhandlungen, mit Ausnahme von Putin. Was Johnson immer und vollkommen zu Recht gefordert hat, war eine starke Unterstützung der Ukraine um überhaupt Verhandlungen auf Augenhöhe führen zu können. Was Sie und die ganzen Putinfreunde vom BSW über die AfD bis hin zu Mützenich hingegen mit Verhandlungen meinten ist der Ukraine jedewede Unterstützung zu entziehen damit sie gar nicht anders kann als einem Moskauerdiktatfrieden zuzustimmen; ganz egal welches Leid es für die ukrainische Bevölkerung bedeutet. Alle, wirklich alle Toten dieses Krieges gehen allein auf das Konto Russlands und statt hier Hrn. Johnson anzugehen würde Ihnen Demut besser stehen.

    • @zio pipo:

      Genaus so ist es. Danke für die klaren Worte!

  • Danke für die klaren Worte. Dem ist nichts hinzuzufügen.