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Stressbedingte Ausfälle Ungesunde Arbeitswelt

Eva Fischer

Kommentar von

Eva Fischer

Berufstätige waren 2025 so häufig wie nie stressbedingt krank. Kein Wunder, denn die viele Arbeit ist für niemanden dauerhaft machbar.

E s war nicht verwunderlich, was die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) kürzlich mitteilte: Berufstätige sind im vergangenen Jahr so häufig wie noch nie aufgrund von Stressdiagnosen im Job ausgefallen. Laut KKH sind die Krankentage diesbezüglich seit 2017 um 80 Prozent gestiegen, sind also dabei, sich zu verdoppeln. Die Gründe: ein zu hohes Arbeitspensum, ständige Überstunden, Existenzängste, das Aufweichen der Arbeitszeitgrenzen, Konflikte mit Vorgesetzten, aber auch das Privatleben.

Die Arbeitswelt und ihre Norm der 40-Stunden-Woche sind nicht das, was sie einmal waren. 40 Stunden unter Hochdruck panisch durchzuackern ist nicht das Gleiche, als 40 Stunden gemütlich vor sich hin zu werkeln. Und bei der heutigen Arbeitsverdichtung tun die Menschen in der Regel Ersteres. Auch die Techniker-Krankenkasse (TK) berichtet, dass das Stressempfinden der Deutschen kontinuierlich steigt. Laut den TK-Daten fühlen sich lediglich 8 Prozent der Befragten nicht gestresst.

Stress und Angst haben zahlreiche negative Effekte auf unsere Gesundheit und unser Miteinander. So vermindert Stress unser Empathievermögen, macht uns gereizter, weniger rücksichtsvoll und mindert die Impulskontrolle. Eine Folge sind häufigere persönlichere Konflikte am Arbeitsplatz, was wiederum Stress erzeugt.

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Aber auch die Freizeit ist stressiger geworden, unter anderem auch, weil die Zeit der Hauspersonen-Ehen vorbei ist, auf der die Vollzeitnorm basiert. Denn wenn man sich nach einem 8-Stunden-Tag um nichts anderes mehr kümmern muss, weil der Kühlschrank voll, das Essen auf dem Tisch, die Wäsche gewaschen, die Sozialkontakte gepflegt und das nächste Wochenende geplant ist, dann ist der Alltag nicht mehr so stressig. Und es bleibt Zeit, sich um sich selbst zu kümmern.

Die Zahlen der KKH zeigen abermals: Unser Arbeitspensum ist nicht mehr zeitgemäß und schlicht nicht dauerhaft machbar. Das sollte auch die Politik endlich einsehen und entsprechend handeln.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Eva Fischer

Eva Fischer Themenchefin

Jahrgang 1989; seit Anfang 2025 bei der taz, derzeit als Themenchefin, Nachrichtenchefin und CvD bei taz.de. Vorherige Stationen: u.a. EU- und Nato-Korrespondentin in Brüssel beim Handelsblatt, Redakteurin für Internationale Politik beim Tagesspiegel, Redakteurin bei der ZDF-Talkshow "Markus Lanz". Wirtschaftspsychologie-Studium mit Schwerpunkt Arbeits- und Organisationspsychologie und dem Nebenfach Politikwissenschaft, Besuch der Holtzbrinck-Journalistenschule, gelernte Medienkauffrau Digital und Print beim Spiegel-Verlag. Und auch ausgebildete Yogalehrerin.
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20 Kommentare

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  • "vDie Arbeitswelt und ihre Norm der 40-Stunden-Woche sind nicht das, was sie einmal waren. 40 Stunden unter Hochdruck panisch durchzuackern ist nicht das Gleiche, als 40 Stunden gemütlich vor sich hin zu werkeln. "

    Wer arbeitet denn 40 Stunden unter "Hochdruck? Das Einzige was "Hochdruck" auslöst ist in den allermeisten Fällen die Angst irgendeine oberwichtige Chat-Nachricht auf dem Smartphone zu verpassen.

    Wie hoch war eigentlich der Krankenstand bei unseren Eltern und Großeltern, die 48 und mehr Wochenstunden gearbeitet haben?

  • "Die Arbeitswelt und ihre Norm der 40-Stunden-Woche sind nicht das, was sie einmal waren. 40 Stunden unter Hochdruck panisch durchzuackern ist nicht das Gleiche, als 40 Stunden gemütlich vor sich hin zu werkeln."

    Aha? Da haben also die Generationen zuvor, auf dem Bau, in Industrie und Handwerk, am Fließband, in der Pflege, in 3er Schichten, etc. so "vor sich hingewerkelt"? Und wie erklärt sich die Autorin, dass die durchschnittliche Wochenarbeitszeit in Deutschland zu den drei niedrigsten in Europa gehört, bei den die Krankheitstagen aber im oberen Mittelfeld liegt? Weil hier unter Hochdruck geackert wird, während der Rest Europas eher "vor sich hinwerkelt"?



    Der Artikel macht mich echt sprachlos.

  • Unsere Eltern haben mehr gearbeitet und unsere Großeltern noch mehr, schon alleine weil das Leben an sich schon viel härter war und viel weniger Luxus und annehmlichkeiten der heutigen Zeit bot. Bei meinem Vater waren 14 Stunden schichten, wenn es viel zu tun gab normal, 6 Tage arbeiten war ebenfalls normal. Selbst heute mit 64 Jahren hat er noch Bereitschaft und wenn es erforderlich ist fährt er Nachts oder Sonntags in die Firma....ich denke ein großes Problem ist, dass wir heutzutage einfach nicht mehr mit Belastungen umgehen können und auch überhaupt nicht mehr beigebracht bekommen mit Belastungen umzugehen, wir sind eine Jammergesellschaft geworden.

  • One of the main points • Arbeitsverdichtung🫵

    “Die Arbeitswelt und ihre Norm der 40-Stunden-Woche sind nicht das, was sie einmal waren. 40 Stunden unter Hochdruck panisch durchzuackern ist nicht das Gleiche, als 40 Stunden gemütlich vor sich hin zu werkeln.



    Und bei der heutigen Arbeitsverdichtung tun die Menschen in der Regel Ersteres.…“

    Reminiszenz - etwas her - aber…



    Arbeitszeitverdichtung - im Bereich öffentlicher Dienst - via LPVG LandespersonalvertretungsR



    NRW - erwies es sich in den 10 Jährchen + als äußerst schwierig die “gern genommenen“ mit Belastung steigenden - (lediglich) Arbeitszeitverkürzungen - via Mitbestimmung etc sozial einzuhegen.



    Letzteres gelang häufig trotz ausführlichen Erörterungen “…vor und hinterm Tresen“ nicht oder nicht wirklich.



    Die Folgen liegen wie beschrieben und belegt auf der Hand.



    Mich hat es immer mehr als irritiert daß Dienstherren geneigt waren - die Personalräte



    “ außen vor zu halten“ !🧐🙀



    (btw ausgerechnet NRW-LPVG - mit eher bedienstetenunfreundlichen Schlag!;((

  • "...die viele Arbeit ist für niemanden dauerhaft machbar."



    Ein ganz klarer Hinweis auf eine grundsätzlich faule Arbeitshaltung, würde unser geschätzter Bundeskanzler vermutlich sagen.

  • halleluja.



    und diese tatsache, die ich eins-zu-eins genau so erlebe, kombiniert mit gary exonomics, das bewusstsein, dass die kaufkraft jahr um jahr sinkt und trotz besserer bildung der lebensstandard immer weiter sinkt, kombiniert mit merz´wahn, wir müssen alle mehr arbeiten, sonst kann sich deutschland nicht mehr seinen wohlstand halten - welchen wohlstand bloss, seinen?

  • Wird jemand gezwungen, 40 Stunden zu arbeiten? Ich glaube nicht.

    Wie sieht es denn bei der TAZ aus? Ackern Sie auch panisch durch den Tag?

    • @Dirk Osygus:

      Presse-Journalismus ist allgemein _kein Bullshitjob.

    • @Dirk Osygus:

      Die wenigsten. Man sollte aber auch bedenken das ca. 25 Prozent der Arbeitnehmer von 15 Euro Stundenlohn profitiert hätte vor der letzten Bundestagswahl. Die haben wohl keine Wahl.

      Die dürfen sich aber bei SPD und Grüne bedanken, anstatt eine Diskussion zu entfachen um es in die EU Mindestlohnrichtline zu schreiben, haben sie es still und heimlich zur EU geschickt ohne darüber zu diskutieren , weil man wollte sich ja das Wahlkampfthema 15 Euro mindeststundenlohn nicht entgehen lassen.

  • Klar, es gibt Arbeit, und jemand macht sie auch hier im Inland. "Bedürfnisse" dürfen dabei auch ins Blickfeld rücken: Was "muss" wirklich sein und was ist nur Statusgehampel und Konsum-Ablenkung von der Leere sonst? Warum nicht etwa Teilzeit ins Auge fassen?



    Doch allgemein ist die Verdichtung wohl da - etwas Hirnfreies zwischendurch macht die KI oder die Werkstudi, also wird's erst recht pausenlos. Die Zahl 8 % lässt erschrecken.

  • Wie richtig dort steht: Stressgefühl! Haben Sie Stress um Job? Klar, wer sagt da nicht ' ja ' zu.



    Mal Bullshit Jobs abräumen, mal Themen sauber verteilen.



    Haben unsere Eltern nur so vor sich hingewerkelt? Oder die 60 Jährigen?



    Mal persönlich entschleunigen.fie da so gestresst sind.



    Was ist eigentlich Stress? Für mich: Nicht mehr ein- noch auswissen wie es weitergeht. Panik.



    Alles andere halte ich für Empathiegedöns.... "och du Arme, hast aber auch so viel zu tun". Ein Massenphänomen, das so typisch Deutsch ist, allein die Art der Diskussion.... nämlich ein ganzer Wust von Punkten, keiner richtig auflösbar?

  • Auch wenn ich mich damit unbeliebt mache - ich sag's dennoch:



    Wenn ich bis zu 200 mal pro Tag auf mein Smartphone starren würde, wäre ich am Ende des Tages auch gestresst.

    • @Il_Leopardo:

      Damit machst du dich nicht unbeliebt. Der Einfluss digitaler Medien und Bildschirmkonsum auf das Stresslevel ist klar wissenschaftlich nachgewiesen.

    • @Il_Leopardo:

      Das ist definitiv Teil des Problems

    • @Il_Leopardo:

      Da saß ich letztens im Bus einem vermutlichen 70er gegenüber. Gute 20km Stadtverkehr lang hat der gescrollt und gescrollt. Dann hat er das Gerät ausgeschaltet und in die Brusttasche seines Hemdes gesteckt. Für geschlagene 15 Sekunden...



      Ich bin im Übrigen selbst ein 70er - hat also nix mit Altersdiskriminierung zu tun...

  • Da wir leider in einer Oligarchie leben, wo die reichen Familien ihre Interessen über Politik und Medien gezielt platzieren, und gleichzeitig die Demographie ein Sinken der Bevölkerungszahl vorhersieht, wird das Arbeitspensum vorraussichtlich eher noch steigen als sinken, und damit auch logischerweise stressbedingte Ausfälle.

    Aber wie sagte doch unser Champagner-schluerfender Bundeskanzler aus der Mittelschicht mit den Privatflugzeugen: Wir Deutschen sind einfach zu faul.

  • Egal, Merz will Schmerz. Wer Burnout hat, soll es als stolze Narbe tragen. Der 12h-Arbeitstag wird kommen.

  • "die viele Arbeit ist für niemanden dauerhaft machbar"

    Bereits bei dieser Einleitung musste ich laut lachen. Was für ein First-World-Problem!

    Menschen sind zu vielem in der Lage, können mit Anstrengung erhebliche Dinge meistern. Dazu gehört auch lebenslanges Arbeiten. Allerdings bedarf es dazu Anreize und diese sind in unserer Gesellschaft immer schwerer zu setzen.

    Aber statt dessen die Schlussfolgerung: "unser Arbeitspensum ist nicht mehr zeitgemäß und schlicht nicht dauerhaft machbar".

    Willkommen im gesellschaftlichen Verfall ...

    • @Leo Onlin:

      So billig ist es leider nicht. Zumindest nicht immer und überall.



      Ich habe rund zwanzig Jahre lang in einem Vierschichtunternehmen gearbeitet. Als ich dort mit Mitte Vierzig anfing war es noch im Aufbau, an der sehr großen Produktionsanlage - ca. 25m lang und 5m breit - waren bei Temperaturen bis 40° Celsius in 12 Stunden-Wochenendschichten sechs bis sieben Leute beschäftigt. Als ich in Rente ging gab es am selben Arbeitsplatz nur noch deren drei, die zudem auch mit dem Abtransport des Fertigmaterials beschäftigt waren, den vorher ein Staplerfahrer übernehmen musste. Darüber hinaus kamen an anderen Arbeitsplätzen stetig neue Aufgaben, wie Verpackung und Abtransport der Fertigprodukte und immer umfangreichere Dokumentation hinzu, die Zeit fraßen. Und vor allem die Entspannungsminuten zwischen den einzelnen Tätigkeiten gegen Null schrumpfen ließen. Man musste da schon recht erfahren und routiniert sein um zwischenzeitliche Störungen zu meistern.



      Und als sei das alles noch nicht genug beschlossen die amerikanischen Shareholder in einem Handstreich die bezahlten Pausen abzuschaffen... Nein - nicht die Pause an sich - das wäre dann doch nicht gegangen - sondern nur deren Bezahlung.

    • @Leo Onlin:

      Wie sollen denn die Anreize aussehen? Das Leben besteht nur aus Arbeit und wer nicht mitmacht, verhungert?

      Natürlich ist Arbeit notwendig. Aber nicht grenzenlos. Niemand sollte sich für die Profite anderer krank schuften müssen.