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Sommerdepressionen I got that summertime, summertime sadness

Wenn es im Sommer heiß ist, wird der Schlaf schlechter. Das kann psychisch krank machen. Wie immer können sich Reiche besser vor der Hitze schützen.

E s ist zu heiß. Sogar zu heiß zum Schlafen. Unter der Bettdecke zerfließt man. Ohne ist es zu ungemütlich. Und auch wenn das Fenster nachts sperrangelweit offensteht, man den Straßenlärm mit Ohrstöpseln auszublenden versucht, staut sich die Hitze so sehr, dass das Schlafzimmer trotzdem einfach nicht abkühlen will.

Die Hitze raubt uns den Schlaf und den letzten Nerv. Stürzt die Klimakrise uns nun alle in die Sommerdepression? Vielleicht nicht uns alle. Doch gerade für diejenigen, die sich weniger gut vor Hitze schützen können, bedeutet das ein immens erhöhtes Risiko, psychisch zu erkranken. Und das sind wie so oft Menschen, die von Armut betroffen sind.

Aber einen Schritt zurück: Warum ist Schlafentzug in diesen tropischen Nächten so ein Problem? Ist es zu heiß, können wir nicht einschlafen. Denn beim Einschlafen gibt der Körper Wärme ab, um unsere Körpertemperatur zu senken. Dafür muss es kühl genug sein.

Und: Bei Hitze haben wir weniger Tiefschlaf und REM-Schlaf. Die beiden sind für Erholung und die Verarbeitung der Erlebnisse des Tages besonders wichtig. Wir schlafen also später ein und nicht tief genug. Das hat Konsequenzen für unsere körperliche Gesundheit, zum Beispiel geht das mit einem erhöhten Risiko für Bluthochdruck, Infektionen oder Diabetes einher. Aber auch mit einem erhöhten Risiko für Depressionen.

Gerät unsere innere Uhr aus dem Gleichgewicht, wirkt das auf unseren Hormonhaushalt. Besonders das Schlafhormon Melatonin, das Glückshormon Serotonin und das Stresshormon Cortisol spielen hier eine Rolle. Sind sie alle im Ungleichgewicht, kann unser Körper schlechter mit Stress umgehen, kommt nicht mehr zur Ruhe. Das wirkt sich auch auf die Psyche aus.

Ohnehin schon Betroffene leiden am meisten

Schlafentzug und ein durcheinandergewirbelter Hormonhaushalt gehören zu den Risikofaktoren einer Sommerdepression. Bereits jetzt betrifft diese saisonal abhängige Form der Depression je nach Studie etwa vier bis sechs Prozent der Bevölkerung. Betroffene spüren vor allem starke Unruhe, Ängstlichkeit, Reizbarkeit. Und das über mehrere Wochen.

Bislang gilt der Winter als die düstere Jahreszeit. Der von Lethargie geprägte Winterblues ist bekannt, aber Sommerdepressionen? Die kennen bisher wenige. Außer Lana Del Rey, die mit „Summertime Sadness“ schon fast hellseherische Kräfte erahnen ließ. Vielleicht haben einige auch die Sängerin girl in red schon 2018 singen hören: „Summer depression, there is so much time to question my life.“

Vermutlich können wir uns darauf einstellen, dass in den kommenden Jahren weniger die allseits bekannten Winter- und stattdessen die Sommerdepressionen heiß diskutiert werden. Dann werden wir uns nicht nur in Grübelschleifen verheddern in schlaflosen Nächten, sondern auch in Debatten darum, was noch Müdigkeit und was schon Sommerdepression ist.

Worüber wir hoffentlich noch ausführlicher sprechen werden, ist, dass die psychische Belastung von hitzebedingtem Schlafmangel zwar auch wohlhabendere Menschen betrifft, aber größer für die Bevölkerungsgruppen ist, die es sich nicht leisten können, sich ins angenehme Kühl zurückzuziehen. Das sind arme, ältere und kranke Menschen. Also genau die Bevölkerungsgruppen, die schon jetzt häufiger von psychischen Erkrankungen betroffen sind.

So zeigt sich an den Auswirkungen von Hitze auf Schlafgesundheit einmal mehr, wie die Klimakrise gesellschaftliche Ungleichheit verschärft. Weil sie krank macht, uns alle. Aber diejenigen, die sich noch weniger vor ihr schützen können, ganz besonders.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Hannah Marlene Göschel

Hannah Marlene Göschel

Geboren 2003 in Berlin. Studierte Psychologie in Leipzig und Lyon. Schreibt am liebsten über all das Schöne und Widersprüchliche am Menschsein.
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22 Kommentare

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  • Ringsle

    Es kommt noch viel "schlimmerx:



    Global betrachtet leben in den heißen Regionen der Erde auch die Ärmsten...



    Paar Tipps:



    Ventilator ist deutlich erschwinglicher als Klimaanlage.



    Schlafen ohne Bettdecke kann man sich angewöhnen, man kann auch ein Laken als Decke nehmen.



    Die eigenen Befindlichkeiten sind nicht immer Dreh- und Angelpunkt für die sozialen Ungerechtigkeiten der Welt, auch wenn es noch so sehr ins Narrativ zu passen scheint...

  • Metulski

    Die trockene Wärme ist doch noch ok, in Asien sinds 35 Grad bei 80% Luftfeuchtigkeit. Das ist etwas unangenehm. Und nachts ist es sogar relativ kalt hier mit 10 Grad. Also im Berliner Raum eher ein schöner Sommer. Wo hat denn die Autorin den Artikel verfasst?

  • t-mos

    Eine Sommerdepression hat nichts mit Hitze zu tun. Und wir werden nicht alle reihenweise eine bekommen weil es hier jetzt ein bisschen heißer wird. Das haben andere Länder schon seit Jahrzehnten.

    Das wird Menschen, die tatsächlich an einer Sommerdepression leiden, einfach nicht gerecht.



    Vielleicht beim nächsten Mal etwas besser recherchieren.

  • Martin Rees

    Was bei höherer Reizbarkeit auch zunimmt unter d. Belastung durch Hitze:



    "Dass Hitze aggressiv macht, ist kein Mythos, sondern wissenschaftlich erklärbar. "Wir sehen in Gegenden, die eigentlich nicht an diese Hitze angepasst sind, dass die Aggressivität steigt", sagt Claudia Traidl-Hoffmann, Professorin für Umweltmedizin an der Universität Augsburg. Das liegt daran, dass der Körper bei den derzeitigen Temperaturen Alarm schlägt. Er droht zu überhitzen. Deshalb regt das Gehirn dazu an, mehr Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin auszuschütten, um den Körper vor der ungewöhnlichen Situation zu warnen. Außerdem schüttet der Hypothalamus vermehrt das Hormon Vasopressin aus, um Wasser in den Nieren zurückzuhalten. Das soll verhindern, dass der Körper austrocknet."



    b. br.de



    Der menschliche Körper ist bauartlich stenotherm u. braucht daher fast überall Technik z. Überleben, das fing mit Kleidung u. Behausungen schon früh an.



    b. forschung-und-wissen.de:



    "Bodyhackern zufolge ist der Fortschritt unabdingbar und wichtig für die Entwicklung der Menschheit, Stagnation ist keine Option. Zudem vertreten Bodyhacker die Auffassung, dass die geistige Weiterentwicklung allein in Zukunft nicht..."🤔

  • SGouldo

    Ich habe mir durch Studium, 2 Jahre unbezahltem Praktikum mit anschließender Übernahme und durch Unternehmertum neben dem Vollzeitjob einen gewissen Wohlstand erarbeitet, auch wenn ich nicht behaupten würde, reich zu sein. Meine Beiträge zahle ich durch hohe Lohnsteuer, hoher Gewerbesteuer, hohen Abzügen bei der Sozialversicherung und was es nicht sonst noch alles gibt. Nun habe ich mein Haus mit einer Multisplit-Klimaanlage nachrüsten lassen. Ist das jetzt tatsächlich so unfair?

    • Nachtsonne

      @SGouldo:

      Nöh, total vernünftig. Bis etwa 0 Grad kann man damit auch kostenguenstiger heizen als mit Gas. Scheint aber in Deutschland nicht gewünscht zu sein. Ist wohl die falsche Technologie und löst unkompliziert Probleme.

    • ToMuch

      @SGouldo:

      Nein. Ich schäme mich auch nicht für Vollzeitjob und Nebenjob. Zweimal monatlich ausschlafen, mehr ist nicht drin. Dafür genug Geld.

  • LesendEr

    1958 erschien Esdie Cochrans "Summertime Blues"



    de.wikipedia.org/w...rtime_Blues_(Lied)

  • Alex_der_Wunderer

    Depressionen ?



    Wir leiden hier ständig seit Wochen an einer Erkältung nach der anderen, durch diese neuen nicht abschaltbaren , automatischen Solarbetriebenen Klimaanlagen im Haus, dazu kommt Nachts springt ab und an auch noch die - vom Aussenthermometer gesteuerte Wärmepumpe der Heizungsanlage an.



    War echt schonmal entspannter, die Sommerzeit, wann wird die Uhr wieder umgestellt ? 😇

  • Astrid Sehnefeld

    "Es ist zu heiß. Sogar zu heiß zum Schlafen. Unter der Bettdecke zerfließt man"



    Also ich weiß nicht was in den Städten los ist, aber wie haben mittlerweile nachts einstellige Werte.



    Tagsüber 30 Grad plus, ja, aber heute morgen bin ich wieder bei 9 Grad (5.30 Uhr) laut Thermometer im Auto unterwegs gewesen.



    Die Augustnächte sind kühl, da zerfließt keiner mehr.

    • Alex_der_Wunderer

      @Astrid Sehnefeld:

      @ Astrid Sehnefeld



      So schaut's hier bei uns auch aus. Tagsüber um 28 / 30 Grad, ab 20 h wird's kühl draußen. In den vergangenen Iahren konnten wir fast nur mit Badeshorts Nachts draußen sitzen.

    • Klabauta

      @Astrid Sehnefeld:

      Können Sie sich für einen kleinen Moment einmal vorstellen, dass das anderswo in Deutschland anders sein könnte?



      Hier zum Beispiel vergangene Nacht 20°C, für heute sind tagsüber Temperaturen bis 37 °C angekündigt. Bis die Hitze nachts aus den Räumen wieder raus ist, dauert's.



      Aber Hauptsache, in Ihrer Welt ist alles gut.

      • Nachtsonne

        @Klabauta:

        Einfache Klimageräte gibt es im Baumarkt ab 250€ - reicht fuer einen Raum. Richtig gute transportable Split-Klimageraete ab 800€ - damit kühlen Sie fast die ganze Wohnung runter. Macht das Leben deutlich angenehmer. Die Stromkosten sind überschaubar fuer die paar Tage im Jahr.

        • Klabauta

          @Nachtsonne:

          Schon klar. Was mich ärgert ist die Haltung, die hinter dem Beitrag von Frau Sehnefeld steht., nämlich, dass ihre Perspektive für alle gilt und sie der Autorin des Artikels deren Erfahrung abspricht wenn sie schreibt: „Die Augustnächte sind kühl, da zerfließt keiner mehr.“

  • Krawallohren

    Schön, dass der Wirkzusammenhang von "Hitze - (mehr) Schlafstörungen - Destabilisierung der psychischen Gesundheit" hier als einer der (zahlreichen) Beispiele von Hitzewellen im Zuge des Klimaerwärmungs als Katalysatoren der gesellschaftlichen Ungerechtigkeit benannt wird.

    Enttäuschend und frustrierend, dass in dem Artikel ausschließlich "Depression(en)" als psychische Krankheit, die durch Schlafmangel schwerer zu bewältigen wird, benannt wird. Insbesondere, da a) es deutlich stärker durch schlechten/zu wenig Nachtschlaf begünstigten psychischen Syndrome/Krankheit(-sepidoden) gibt und b) diese nahezu allesamt allgemeingesellschaftlich wie auch in der Bubble des linken Feuilletons viel-VIEL stärker stigmatisiert werden als die (inzwischen ja schon durchaus salonfähig gewordene) unipolare Depression

  • Sachindra Suri

    So richtig ihr Artikel in der Diagnose ist, so wenig Erkenntnis bringt er, wie das Land dem Ziel näher kommt.

    • Martin Rees

      @Sachindra Suri:

      "wie das Land dem Ziel näher kommt"



      /



      Vielleicht ist eine der Optionen die, wie es in Frankreich gemacht wird. Die taz berichtete 2025:



      taz.de/Hitzeschutz...ser-geht/!6104462/

  • JeanK

    Klimaanlage hilft.

  • T-Rom

    Man kann es gut finden oder schlecht - aber das System der Marktwirtschaft beruht u.a. darauf, dass reichere Mesnschen sich mehr Annehmlichkeiten leisten können. Beispielweise auch angenehmere und klimatisierte Wohnräume.

    • rero

      @T-Rom:

      Klimaanlagen für die Wohnung sind heute erschwinglich.

      Ich habe aus Überzeugung keine, weil ich damit das Klima noch mehr schädige.

      Aber alte Leute in meinem persönlichen Umfeld haben sie. Reich sind die wirklich nicht.

    • Christine_Winterabend

      @T-Rom:

      ...aber die klugen und wichtigen Experten im Fernsehen haben ja gesagt, das muss so. Und die anderen Experten dürfen meist nicht ins Fernsehen. Also legt Euch wieder hin und schluchzt ins Taschentuch....