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Rechtsextreme im WahlkampfAfD-Landesparteitag beschließt Machtübernahme im September

Sachsen-Anhalts AfD wählt mitten im Wahlkampf den Vorstand neu und verkündet ein 100-Tage-Programm. Es beinhaltet viel Ideologie und nichts Soziales.

Welche Partei riskiert zwei Monate vor einer „Schicksalswahl“ noch eine Neuwahl des Parteivorstandes? Die AfD Sachsen-Anhalt hätte dafür laut Satzung noch bis zum Jahresende Zeit gehabt. Aber die Rechtsextremen rechnen siegesgewiss damit, sofort nach der Landtagswahl am 6. September ohne lästige Koalitionsverhandlungen die alleinige Macht zu übernehmen. Für einen Landesparteitag im Herbst bleibe dann keine Zeit, ist aus AfD-Kreisen zu hören – auch wenn in Umfragen noch ein paar wenige Prozentpunkte zur absoluten Mehrheit fehlen. Deswegen traf man sich schon diesen Samstag in Magdeburg.

„Wir sind die Zukunft“, prahlte dort auch Spitzenkandidat Ulrich Siegmund. Um sogleich im Namen aller Deutschen die Vergangenheit zu beschwören: „Wir wollen unser altes sicheres Deutschland zurück!“

Tatsächlich war die Vorstandswahl mitten im Wahlkampf für die AfD aber auch gar kein so großes Risiko. Personaldebatten waren in einer so straff geführten Partei nicht zu befürchten. Mehrere Redner sonnten sich geradezu in der Einschätzung des Verfassungsschutzes, es handele sich in Sachsen-Anhalt um den geschlossensten AfD-Landesverband in Deutschland. „Keine Experimente“ wurde der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer zitiert, von „blindem Vertrauen“ war die Rede.

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Seinen im martialischen Ton eines früheren Offiziers vorgetragenen Rechenschaftsbericht nannte der Landesvorsitzende Martin Reichardt denn auch eine „Heer- und Leistungsschau“. Die auf 3.500 gewachsene Mitgliederzahl des Landesverbandes und die staatliche Parteienfinanzierung bescheren der AfD Sachsen-Anhalt wegen der guten Wahlergebnisse Rekordeinnahmen. Bei der Bundestagswahl 2025 gewann sie beispielsweise alle sieben Wahlkreise. Dank des „Siegmund-Effektes“, so Reichardt, sind die Spendeneinnahmen auf 465.000 Euro geradezu explodiert. Für den aktuellen Wahlkampf hat die Landespartei einen Kredit von einer halben Million Euro aufgenommen.

Nicht ganz wie bei der SED

In diesem Vorab-Siegesrausch war keine unangenehme Spontankandidatur oder personelle Überraschung zu erwarten. Eine durchgeplante Parteitagsregie ließ nichts anderes als die Wiederwahl des Landesvorstandes zu. Eine Handvoll Spitzenfunktionäre hat die Landespartei derzeit fest im Griff. Es gab keine lästigen Fragen an die Kandidaten, alle offenen Abstimmungen mit der blauen Stimmkarte fielen nahezu einstimmig aus.

Die geheimen elektronischen Voten für die einzelnen Kandidaten erinnerten dann allerdings nicht ganz an frühere SED-Parteitage. Sogar der von Fraktionschef Oliver Kirchner mit den Worten „Es kann nur einen geben“ zur Wiederwahl vorgeschlagene Landesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Martin Reichardt bekam nur 89 Prozent der Delegiertenstimmen. Kirchner selbst ging mit 90 Prozent durch, Chefideologe Hans-Thomas Tillschneider mit 86, Generalsekretär Tobias Rausch nur mit knapp 80 Prozent der Stimmen. Zumindest eine Andeutung, dass alte Grabenkämpfe doch wieder aufbrechen könnten, sollten Wählerinnen und Wähler die AfD am 6. September wieder auf ihre bisherige Oppositionsrolle verweisen.

Einzig der 35-jährige immer strahlende Spitzenkandidat Ulrich Siegmund erreichte als Beisitzer im Landesvorstand mit 99,48 Prozent ein sozialistisches Ergebnis. Er präsentierte unter dem Titel oder der Drohung „Alles ist möglich“ ein Hundert-Tage-Sofortprogramm der AfD nach dem erwarteten Wahlsieg, basierend auf einem bereits im April beschlossenen „Regierungsprogramm“.

Sofortprogramm mit großen Leerstellen

Es enthält ausschließlich ideologisch begründete Maßnahmen und keine sozialen Verbesserungen für das arbeitende Volk, in dessen Namen die AfD angeblich antritt. An erster Stelle steht die Kündigung des MDR-Rundfunkstaatsvertrages, an zweiter Abschiebungen „ab Minute eins“. Verbliebene Migrantenkinder will die AfD in Sonderklassen unterrichten lassen. Es soll überall deutsch gedacht werden, Regenbogenfahnen sollen verschwinden. Den „Altparteienfilz“ will die AfD durch Austrocknung der staatlichen Parteienfinanzierung bekämpfen. Ministerien sollen reduziert und ein Corona-Untersuchungsausschuss im Landtag eingesetzt werden.

Die wochentaz hatte am 23. Mai schon ausführlich analysiert, was vom AfD-„Regierungsprogramm“ in Landeshoheit überhaupt schnell umsetzbar wäre. Mehr als der sofortige Austausch von Spitzenpersonal bleibt nicht. Der Landtag hatte außerdem im April noch eine Parlamentsreform beschlossen, die einen direkten Zugriff auf demokratische Institutionen wie das Landesverfassungsgericht abwehrt.

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57 Kommentare

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  • Ich weiß nicht genau, ob man die AfD als Junior Koalitionspartner in der Vergangenheit nicht schon längst hätte entzaubern können, ohne das Heft des Handelns aus der Hand zu geben.

    Im worst case haben wir ab dem Spätsommer in zwei Landtagen die AfD mit absoluter Mehrheit und das für 5 Jahre.



    Im aktuell abzusehenden best case sind zwei Bundesländer für die nächsten 5 Jahre unregierbar.

    Nichtsdestotrotz finde ich die Darstellung der AfD mit der Farbe Braun in den Grafiken der TAZ ziemlich unprofessionell....

    • @Herr Müller*in:

      Wenn man sich so anguckt wie sich die Vertreter der AfD so nach Landtagswahlen so in den Parlamenten benehmen,



      will man die nicht unbedingt als Koalitionspartner.



      Für normale Menschen sollte es schon reichen wie sich AfDler artikulieren um sie nicht zu wählen.



      Hat man je von einem AfDler was von Versöhnung gehört?

    • @Herr Müller*in:

      "Im worst case haben wir ab dem Spätsommer in zwei Landtagen die AfD mit absoluter Mehrheit und das für 5 Jahre."



      Das nennen Sie 'worst case'?

    • @Herr Müller*in:

      "Ich weiß nicht genau, ob man die AfD als Junior Koalitionspartner in der Vergangenheit nicht schon längst hätte entzaubern können, ohne das Heft des Handelns aus der Hand zu geben."

      Erstens ist man immer vom Koalitionspartner abhängig. Ohne den geht nichts.

      Und zweitens will AfD nicht Juniorpartner sein. Sie würde das nicht machen. Gegenüber ihren Wählern kann sie das leicht begründen. Sie will eben das "System" nicht stützen...

      "Nichtsdestotrotz finde ich die Darstellung der AfD mit der Farbe Braun in den Grafiken der TAZ ziemlich unprofessionell...."

      Warum ist es unprofessionell, die echte Farbe, statt der blauen Tarnfarbe zu verwenden? Es ist doch ehrlich.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        "Warum ist es unprofessionell, die echte Farbe, statt der blauen Tarnfarbe zu verwenden?"



        Zumal die Farbe Blau mit der 'Blauen Partei' seit den 70er Jahren im Kölner Karneval belegt ist. Eine Unverschämtheit kultureller Aneignung seitens der AfD! Alaaf!

  • Das ist womöglich schwierig, für mich jedoch, falls es zu einem so deutlichen Wahlsieg kommen sollte, ganz stark Verantwortung der SPD. Sie ist in Sachsen-Anhalt, stärker im Bund, als soziale Kraft ausgefallen. Das Beste, was Putin geschehen kon8, ist für mich die politische Arbeit von Gerhard Schröder und F. W. Steinmeier.

  • Einfach immer wieder die AfD zum Thema MIETEN befragen.



    Gerade auf dem Land - das nächste Thema: ARBEITSLOSIGKEIT.



    Das dritte GESUNDHEITSVERSORGUNG.

    Wer das Parteiprogramm der AfD auch nur anliest, erkennt schnell, dass "die da" einfach nur Ost-CSU spielen wollen - halt ohne die charmanten Bauchlandungen unserer bayrischen Landesfürsten!

    Sehr bewusst ein wenig platt gehalten, aber so werden wenigstens die "Proporze" von der CSU nach ü 20 Jahren aa amoi "a weng" aktiv.

    • @Altbayer:

      Einfach (als Strategie), aber einleuchtend richtig. Nur, wer macht's?

    • @Altbayer:

      Wenn es angeblich so einfach ist die fehlenden Lösungen der AfD zu demaskieren, warum ist das nicht längst schon passiert? Die altbekannte Antwort der Rechtsextremen auf all diese Fragen lautet doch immer wieder "Die Migranten sind Schuld. Die nehmen uns die Wohnungen, die Jobs und die Zahnarzttermine weg." und die Leute glauben das. Die Hohlheit desse ist derart offensichtlich, dass es da schlicht nichts zu demaskieren gibt. Und es waren nicht zuletzt die so charmanten bayerischen Landesfürsten die nach Kräften dazu beigeragen haben die Menschen an Populismus und intellektuelle Verflachung in der Politik zu gewöhnen, statt sie als Citoyens auf Augenhöhe zu anzusprechen.

      • @Ingo Bernable:

        Nee, so hohle Sprüche bringt die AfD eben -leider- nicht mehr, es wird eher lamentiert dass viele Migranten eben _nicht_ arbeiten sondern staatliche Unterstützung erhalten.

    • @Altbayer:

      "Einfach immer wieder die AfD zum Thema MIETEN befragen. "



      Wer soll das tun?



      Die 'Altparteien' werden hämisch nach ihrer eigenen Erfolgsbilanz befragt werden, und das Thema ist in der Debatte verbrannt...

      • @Encantado:

        Befrage niemals Union zum Thema Bildung oder altersarmut

        Oder SPD was sie die letzten 20 Jahre für den Arbeiter getan hat....

        • @Todesfister:

          Wohl wahr. Wobei die Union noch schlimmer ist.

        • @Todesfister:

          "Befrage niemals Union...



          Oder SPD ..."



          Exakt. Deshalb sind die ganzen Phrasen über die Jahre, man müsse die AfD argumentativ stellen, auch ebendas geblieben. Phrasen.

      • @Encantado:

        So ist es. D.h. es läuft auf eine Polarisierung hinaus, bei der v.a. Die ehemaligen Volksparteien CDU und SPD zerrieben werden, da sie nicht mehr, wie in früheren Zeiten, die politischen Gegenpole abbilden., sondern in den Augen der (ost)deutschen Wähler wie eine Einheitspartei wirken.



        Und der AfD fährt relativ erfolgreich die Strategie, sämtliche Parteien des demokratischen Spektrums in den Sack der ‚Systemparteien‘ zu stecken - das BSW wird dabei trotz Heranschleimens an die Faschisten und weitgehender politischer Selbstaufgabe von der AfD einfach konsequent ignoriert.



        Nett, dass Die Linke dabei auch 10% vom radikalisierten Wählerkuchen abbekommt (im Osten wahrscheinlich sogar etwas mehr). Aber die Bäume reichen für sie nicht in den Himmel, wegen der strukturellen Rechtslastigkeit dieser Gesellschaft - und wegen der realen Machtverhältnisse. Eine Revolution bei Machtübernahme der AfD steht also nicht zu befürchten, obwohl der radikale national-sozialistische Flügel um Höcke durchaus davon träumt.



        Es wird halt ähnlich wie 1933 laufen und am Ende wird die Rüstungsindustrie den dicken Reibach machen. Keiner wird ärmer, der es nicht jetzt schon ist.

  • Ich weiß nicht, es ist zwar eine furchtbare Vorstellung, dass die AfD allein regieren könnte.



    Aber zum einen glaube ich, dass sie das nicht schaffen wird, weil sich viel, viel Widerstand formiert.



    Und zum anderen würde selbst eine 100%-AfD bald merken, dass man aus Sachsen-Anhalt heraus weder den Klimawandel noch die Globalisierung rückabwickeln kann.



    Und darum wird ein altes, sicheres Deutschland nie mehr zurückkehren.

    • @Annette Thomas:

      "Und zum anderen würde selbst eine 100%-AfD bald merken, dass man aus Sachsen-Anhalt heraus weder den Klimawandel noch die Globalisierung rückabwickeln kann.":

      Ich fürchte, daß das weder die AFD noch deren Wähler interessiert. Weder vor noch nach der Wahl.

    • @Annette Thomas:

      Und was glauben sie wird wohl passieren wenn die das merken? Werden die ihre rechtsextreme Ideologie aufgeben und fortan seriöse, gemäßigt konservative Politik betreiben oder muss man nicht eher befürchten, dass das der Punkt sein wird an dem zu noch viel extremeren Ansätzen gegriffen wird?

      • @Ingo Bernable:

        "...muss man nicht eher befürchten, dass das der Punkt sein wird an dem zu noch viel extremeren Ansätzen gegriffen wird?"



        Eindeutig letzteres. Als Staat beginnt man in solchen Situationen beliebterweise Kriege zur Ablenkung. Mal sehen, was sich die AfD in einem Bundesland einfallen lässt.



        Die Hoffnung, die Rechten ließen sich durch Realitäten zu einer rationalen Politik bewegen, ist doch bereits über's Gesundbeten hinaus.

        • @Encantado:

          Nein, nicht "Staat", sondern konservative bis rechte Diktaturen machen dies womöglich.

          • @Gerhard Krause:

            "Nein, nicht "Staat", sondern konservative bis rechte Diktaturen machen dies womöglich."



            Einigen wir uns auf 'autoritäre Regierungen', und einigen uns in der Mitte?

  • Das wird eine Filzparty der Inkompetenten. Nationalismus als Schmiermittel wird nur sehr eingeschränkt funktionieren.



    Ein Katastrophenfilm. Ich suche schon mal das Popcorn.

    • @aujau:

      Diese Einstellung war 1933 weit verbreitet. Wir wissen, wie es ausging.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Einen hab ich noch: Bündnis Widersetzen hat Infos zur nächsten Blockade. Wir sehen uns dort wie vorher in Gießen und Erfurt.

        • @aujau:

          "Bündnis Widersetzen ... wie vorher in Gießen und Erfurt."



          Kurze Frage eines Uninformierten: Was hat das an konkreten Ergebnissen gebracht?

          • @Encantado:

            Ein Zeichen, dass politische Raumnahme der Nationalisten nicht ohne Kritik und Gegenwehr bleibt. Ein Zeichen an die MigrantInnen, dass rassistische Hetze und Abschiebevorhaben nicht von schweigendem Zustimmen unterstützt wird.

        • @aujau:

          Warum finden die Aktionen eigentlich fast nie im Südwesten statt? Ich muss mich dann immer darauf beschränken, sie mit Spenden zu unterstützen.

          • @warum_denkt_keiner_nach?:

            Der nächste Parteitag der AgD im Südwesten wird dann bearbeitet.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Ach Leute, ihr wisst doch, wie ich zur AfD stehe und dass ich Widerstand für geboten halte.



        Trotzdem wird das Schauspiel der Unfähigkeit der AfD auch einen - zugegeben - grimmigen Unterhaltungsfaktor haben.

        • @aujau:

          Mir ist das Lachen weitgehend vergangen.

          • @warum_denkt_keiner_nach?:

            Mir auch. Aber den Humor verlieren ist keine Option.

    • @aujau:

      Katastrophenfilme sind üblicherweise nach etwa zwei Stunden überstanden und haben meist auch ein Happy End. Das hier ist Realität und, dass die AfDler innerhalb kürzester Zeit an sich selbst scheitern werden ist keineswegs garantiert, ein Happy End noch viel weniger. Viel mehr steht zu befürchten, dass wenn das aktuelle Führungspersonal nicht die gewünschten Ergebnisse liefert, die AfD nach altbekanntem Muster verfährt und es gegen noch extremere Gestalten austauscht.

      Kurz, ich hätte erhebliche Zweifel of Popcorn die angemessene und richtige Reaktion auf die Lage ist.

      • @Ingo Bernable:

        Keine Angst, beim Popcorn wird es nicht bleiben. Die von Ihnen bemerkten Verhältnisse sind charakteristisch und durchaus bekannt.

    • @aujau:

      "Nationalismus als Schmiermittel wird nur sehr eingeschränkt funktionieren.



      Ein Katastrophenfilm."



      Das Problem dabei ist das Unheil, das im Scheitern angerichtet wird...

      • @Encantado:

        Das bezweifele ich wie die Meisten hier nicht.

  • "Wir wollen unser altes sicheres Deutschland zurück!“

    Ob er wohl das im Link beschriebene Deutschland meint?

    www.spiegel.de/wis...len-a-1096449.html

    • @Il_Leopardo:

      Eher nicht. Die AfD ist liebt den Kapitalismus. Nicht umsonst sehnt sich der eine oder andere Unternehmer nach den Zeiten zurück, in denen er als Betriebsführer keinen Widerspruch von seiner Gefolgschaft fürchten musste.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Unternehmer sind und waren durchaus Widerspruch gewohnt. Sie konnten Leute ja nicht einfach bei Nacht und Nebel aus dem Verkehr ziehen und einlochen lassen.



        Das war das Rechtsbewusstsein der DDR-Oberen. Hier bitte nichts verwechseln.

        • @Josef 123:

          Ich denke, @warum_denkt_keiner_nach? dachte beim Verfassen seines Kommentars eher an die NSDAP als an die SED. Insofern wurde hier auch nichts verwechselt.

        • @Josef 123:

          Zwischen 33 und 45 konnten Unternehmer durchaus unbequeme Mitarbeiter bei der Gestapo anschwärzen und sie dadurch ins KZ schicken. Bitte nicht verharmlosen.

          • @warum_denkt_keiner_nach?:

            Heutigen Unternehmern zu unterstellen, sie sehnte sich nach diesen dunklen Zeiten zurück, dürfte aber auch im besten Fall ein Missverständnis sein. Zum Einen waren unter den Nazis die allermeisten von ihnen ebenso "grundverdächtig", keine guten Nazis zu sein, und entsprechend unter der Knute wie ihre Mitarbeiter. Echten Freiraum hatten nur wenige Magnaten.



            Zum Zweiten sind heutige Unternehmer nunmal auch völlig anders sozialisiert und haben völlig andere Dynamiken gelernt als die fabrikbesitzenden Patriarchen von einst. Die setzen mehr auch auf die eigenständig funktionierenden Hirne ihrer Mitarbeiter.



            Der Wunsch nach liberalerem Arbeitsrecht und weniger Bürokratie, den es sicher sehr verbreitet gibt (und dem sich neben Abgrenzung von der Rest-EU die ursprüngliche Lucke-AfD verschrieben hatte), ist mit dem, was Sie da an arbeitgeberischer Niedertracht insinuieren, nicht zu vergleichen.

  • Braucht es noch einen klareren Beweis als, dieses Programm um festzustellen, dass es um eine Machtübernahme geht, die nicht mehr rückgängig gemacht werden kann?

    • @nutzer:

      Zur Wahrheit gehört aber leider auch, dass zum verhindern der AfD teilweise die Demokratie abgebaut wird. Bspw ist es ein Unding, dass eine im Bundestag vertretenen Partei seit mehreren Legislaturperioden keinen Parlamentsvize stellen kann. Oder denken wir an die Änderung zum Alterspräsidium um Gauland zu verhindern.



      In RLP ist nach der Wahl meines Wissens nach, mit den alten Mehrheiten, die Schwelle für die Beantragung von U-Ausschüssen über den Wahlwert der AfD gelegt worden, damit dieser bestimmte Oppositionsrechte vorenthalten werden.



      Damit kann quasi keine Oppositionsfraktionen mehr entsprechenden Ausschüsse einberufen.



      Sicherlich gibt es noch mehr Beispiele aus den entsprechenden Parlamenten.

      Man kann von der AfD ja halten was man will aber ich finde diese "Verhinderunshysterie" hat der Demokratie bis dato mehr geschadet als die AfD es hätte tun können. Und das ist echt ein Armutszeugnis.

    • @nutzer:

      Im Gegensatz zu anderen Parteien möchte die AfD herrschen nicht regieren.



      Das wird ab September in Deutschland richtig ungemütlich,



      eine AfD die vor Kraft kaum laufen kann, die wird die Regierung richtig vor sich hertreiben und mit den sozialen Medien will ich eigentlich gar nicht anfangen aber da tobt



      der Mopp schon.

  • Ich spüre keinerlei Mitleid mit Sachsen-Anhalt. Wer den Abgrund wählt, hat es nicht anders verdient. Es stellt sich aber die Frage, ob man die jährlichen 1,9 Mrd Länderfinanzausgleich an Sachsen-Anhalt an eine gesichert rechtsradikale Regierung aussetzen muss. Einen großen Bogen kann man um diesen Landstrich ja sowieso machen.

    • @Bauer Gerry:

      Wirklich kein Mitleid mit der Mehrheit von 60%, die NICHT AfD wählen wollen?

      • @Abdurchdiemitte:

        Pflügt hat etwas flach, der Bauer...

    • @Bauer Gerry:

      Denken Sie, das hat keine Auswirkungen auf die Bundespolitik? Man wird sich kaum mit Landespolitik aufhalten, unter Garantie wird ab dem ersten Tag an der Bundespolitik die Säge angesetzt, das wird u.U. dann sehr schnell Konsequenzen haben, vor denen wir jetzt noch die Augen verschließen.

    • @Bauer Gerry:

      Die Pauschalierung „keinerlei Mitleid mit Sachsen-Anhalt“ geht meines Erachtens vollkommen fehl. Die Menschen, die von solch einem Regime betroffen sein könnten, werden diese Partei ja mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht wählen und wahrscheinlich auch aktiv Positionen besetzen, die dieser Partei entgegenstehen. Mitleid mit den Wählern, die solch ein Regime wählen, ist aber tatsächlich nicht angebracht.

    • @Bauer Gerry:

      Das liest sich fast wie der Springer-Chef Mathias Döpfner 2019:



      »Die Ossis werden nie Demokraten. Vielleicht sollte man aus der ehemaligen DDR eine Agrar- und Produktions-Zone mit Einheitslohn machen. Die Ossis sind entweder Kommunisten oder Faschisten. Dazwischen tun sie es nicht. Eklig.«

      • @Harald Schwager:

        Ja. Döpfner war schon immer vorn dabei, wenn es um Menschenfeindlichkeit geht...

        • @warum_denkt_keiner_nach?:

          Nicht nur das. Er irrt in seiner Einschätzung. Die ‚Ossis‘ sind nicht entweder - oder, sie sind überwiegend Faschisten. Der zweite Irrtum: es betrifft nicht die ‚Ossis‘, es betrifft ALLE Deutschsn.



          Man kann es statt Faschismus etwas abgemildert auch strukturelle Rechtslastigkeit - als ‚eingebauter‘ Fehler im deutschen Nation-Building-Prozess - nennen, es macht die Sache jedoch nicht besser.



          Der reale Sozialismus in der DDR war nicht etwa ein freiwillig gewählter Betriebsunfall der deutschen Geschichte, er wurde den Ostdeutschen aufgezwungen - als historische Folge der von Deutschland ausgegangenen Nazi-Barbarei.

  • Der Landtag hatte außerdem im April noch eine Parlamentsreform beschlossen ....

    die beim Bund und der Verfassungsrichterwahl aber sowas von nach hinten losging.....

    mal sehen ob die in SA besser gearbeitet haben, wie die Pfuscher von BT.

  • "Wir wollen unser altes sicheres Deutschland zurück!“

    Ich weis nicht, ob es stimmt. Aber Herr Siegmund möchte, dass an allen Schulen die Deutsche Flagge gehisst wird.



    Ich schlage vor, dass dann jeden Morgen die Schüler zum Fahnenappell antreten müssen. Vielleicht könnte man ja auch alle Strophen des Deutschlandliedes singen.



    Nicht-Deutsche "müssen" selbstverständlich nicht teilnehmen. Die stehen dann separiert in einer Ecke am Rand und müssen den Blick gesenkt halten.

    • @Il_Leopardo:

      Fragt sich nur, welche Farben die Flagge haben wird. Schwarz-rot-gold oder schwarz-weiß-rot? Als Schuluniform für die Jungen Hemd und kurze Hosen, für die Mädchen Bluse, Rock und Kniestrümpfe?



      Mir graut vor dem, was noch (wieder)kommen könnte, wenn dieser inzwischen offen faschistische Haufen auch nur den kleinen Finger an die Macht bekommt.

    • @Il_Leopardo:

      Der ist 1990 geboren, da fragt man sich schon welches alte



      Deutschland der meint.



      Ich befürchte das die AfD ab September kaum laufen kann.



      Harte Zeiten kommen auf uns zu.



      Bei dem Ausdruck "Altes Deutschland" bekomme ich irgendwie 1933 Vibes.

  • "Die wochentaz hatte am 23. Mai schon ausführlich analysiert, was vom AfD-„Regierungsprogramm“ in Landeshoheit überhaupt schnell umsetzbar wäre."

    Will man sich wirklich damit beruhigen, dass die ja doch gar nicht können wie sie wollen wenn sie strikt nach dem Gesetzte innerhalb des bestehenden Institutionengefüges und nach der etablierten politischen Kultur agieren? Aber was wenn nicht? Haben wir nicht bereits jetzt einen Innenminister der seit bald einem Jahre europa- und menschenrechtswidrige Zurückweisungen von Asylsuchenden (Non-Refoulmentverbot) betreibt und das gemeinhin nicht als Rechtsbruch und Skandal gewertet wird, sondern als entschlossenes Handeln breiten Beifall findet? Und sehen wir nicht bei Trump regelmäßig wieder Regelübertritte und Machtanmaßung die ihm nach Verfassung und Gesetz nicht zustünde und die dann teils-teils gerichtlich kassiert wird, während er längst schon wieder drei weitere Grenzen überschritten hat? Was also spricht für die Vermutung, dass ausgerechnet eine Partei wie die AfD die zur Demokratie ein rein instrumentelles Verhältnis pflegt, einmal an der Macht vom Geist eines rechtschaffen-biedernen Rechtskonformismus erfüllt werden wird?