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Proteste in Europa Und die EU-Spitze schaut weg

Eric Bonse

Kommentar von

Eric Bonse

Die europaweiten Proteste könnten sich zu einer Revolte à la 1968 ausweiten. Denn das Nichtstun der EU verstärkt die Wut noch. Dabei gäbe es einen Ausweg.

A ufruhr in Frankreich und Italien, Proteste in Spanien, Portugal und Belgien: Europa erlebt eine Revolte, deren Wucht manche – vor allem in Paris – an den Mai 1968 erinnert. Wieder gehen Schüler und Studentinnen auf die Straße, wieder werden Unis besetzt und Barrikaden errichtet. Allerdings fehlen diesmal Hoffnung und Utopie, wie sie noch die 68er beflügelt haben. Die Proteste gegen die hohen Lebenshaltungskosten, die Wohnungsnot und die Bildungsmisere gehen mit Pessimismus und Zukunftsangst einher, vielerorts leider auch mit sinnloser Gewalt.

Die Politik reagiert hilflos. Jahrelang hat sie die Probleme ignoriert, oft hat sie sie sogar geschaffen. Wohnungsnot und Bildungsmisere sind nicht vom Himmel gefallen, sondern Folgen von Neoliberalismus und Sparzwang, gewollt von der EU. Doch die EU-Spitze schaut weg.

Ihr Gipfel in der vergangenen Woche in Brüssel war dafür wieder ein schlagendes Beispiel. Auf Druck von Kanzler Friedrich Merz haben sich die Staats- und Regierungschefs mit der Wettbewerbsfähigkeit beschäftigt – aber nicht mit der Sozial- und Bildungsmisere. Und die Debatte über die hohen Energiepreise ging aus wie das Hornberger Schießen – ohne Ergebnis.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Ein Vorstoß aus Italien zur Lockerung der strikten Schuldenregeln wurde abgelehnt. Statt sich um die Lösung der immensen Probleme zu kümmern, die auch Deutschland umtreiben, betreiben viele Politiker lieber ihren Wahlkampf. In Frankreich versucht Nationalistenführerin Marine Le Pen, die Schuld für die Krawalle der Linken in die Schuhe zu schieben.

Der polnische Regierungschef Tusk und Ungarns Ministerpräsident Magyar nutzen die Unruhen in Frankreich, um Stimmung gegen Einwanderer und Migranten im eigenen Land zu machen.

Keine Kursänderung in Sicht

Die Gefahr ist groß, dass die berechtigen Anliegen der Schüler, Studenten und Gewerkschaften in dieser gefährlich aufgeheizten Gemengelage untergehen. Europas Politiker suchen einen Sündenbock, statt sich an die eigene Nase zu fassen und den Kurs zu ändern.

Dabei liegt nahe, was zu tun wäre: Die EU müsste sich um erschwingliche Mieten, günstige Energie und bezahlbare Bildung kümmern, statt die wirtschaftsliberalen Reformen voranzutreiben. Erste zaghafte Schritte wurden zwar schon unternommen, etwa auf dem Wohnungsmarkt. Doch das reicht nicht. Solange die EU ihre Gipfel auf die Konzerne ausrichtet und nicht auf die Menschen, wird sich nichts ändern.

Es wird eher noch schlimmer werden – auch in Deutschland. Selbst das größte EU-Land ist vor Protesten nicht gefeit. Der Mai 1968 hat gezeigt, wie schnell sich eine Revolte ausbreiten kann.

Eric Bonse

Eric Bonse EU-Korrespondent

Europäer aus dem Rheinland, EU-Experte wider Willen (es ist kompliziert...). Hat in Hamburg Politikwissenschaft studiert, ging danach als freier Journalist nach Paris und Brüssel. Eric Bonse betreibt den Blog „Lost in EUrope“ (lostineu.eu). Die besten Beiträge erscheinen auch auf seinem taz-Blog
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47 Kommentare

  • Budzylein

    Die EU soll sich um "bezahlbare Bildung" kümmern? Protestieren in Frankreich Jugendliche, denen der Schulbesuch verweigert wird, weil sie das Schulgeld nicht bezahlen können, das es an öffentlichen Schulen gar nicht gibt? Wohl kaum.

    Und um günstige Energie soll sich die EU auch kümmern? Gute Idee. Dann die EU müsste allerdings den "CO2-Preis" abschaffen, den sie zwecks "Klimaschutzes" eingeführt hat.

  • Duplozug

    Dieser Artikel ist schon so der Klassiker.



    Schuld an allem ist der Kapitalismus. Und wenn wir nur darum Sozialismus einführen wird alles gut.



    Ja, das kann man glauben. Aber realistisch ist das nicht. Und verkennt auch, dass der Kapitalismus nicht an allem schuld ist. So sehr dass manche ideologisch auch glauben wollen.

  • Sole Mio

    Ich habe den Anfang der Proteste in Paris erlebt. Da sah man Schulklassen laut aber friedlich protestieren.

    Das was jetzt dort geschieht sind Raubzüge, Zerstörungen und Körperverletzungen. Dies sollte nicht vergessen werden

    • Eichhörnchen99

      @Sole Mio:

      Wut entsteht nicht im Vakuum. Entgegen der neoliberalen Ideologie haben Aggression und Depression eine eindeutig soziale und nicht rein individuelle Dimension. Dies sollte nicht vergessen werden.

      • Astrid Sehnefeld

        @Eichhörnchen99:

        Zu Anfangs waren keine Palästinafahnen und keine Vermummten zwischen den demonstrierenden Schülern. Jetzt sind ständig Palästinafahnen und Vermummte zu sehen, es brennen Autos und öffentliche Gebäude und Geschäfte werden geplündert.



        Eventhooligans und radikale Extremisten - mir egal ob links, rechts, migrantischen oder einheimisch - haben das Ruder übernommen und Randalieren und Brandschatzen unter dem Deckmantel der Schülerproteste.



        Das muss klar benannt und von der Polizei mit aller Härte verfolgt werden.



        Landfriedensbruch ist keine Demonstration sondern ein Verbrechen.

        • Eichhörnchen99

          @Astrid Sehnefeld:

          Okay, Astrid.

  • Jalella

    Ein exotischer Vorschlage, die EU solle oder könne etwas gegen den Kapitalismus tun, der die absurde Ungleichheit geschaffen hat, die die Menschen inzwischen so sehr plagt, dass auch das letzte bisschen Vertrauen in Demokratie so weit gestorben ist, dass die Menschen rechtsextremen Parteien scharenweise in die Arme laufen. Sie ist aus Kapitalismus entstanden (der Startpunkt waren Handelsabkommen) und hat nicht die geringste Absicht, etwas dagegen zu tun.

    ungleichheit.info/de

  • warum_denkt_keiner_nach?

    "Dabei liegt nahe, was zu tun wäre: Die EU müsste sich um erschwingliche Mieten, günstige Energie und bezahlbare Bildung kümmern, statt die wirtschaftsliberalen Reformen voranzutreiben."

    Die EU in ihrer jetzigen Form ist aber genau zu diesem Zweck geformt worden. Um wirtschaftsliberalen Reformen voranzutreiben.

  • Okay

    Von wegen „Freie Gesellschaft“



    Wir reden ständig davon, „Demokratie zu bewahren“, „Meinungsfreiheit zu schützen“ und unsere „freie Gesellschaft“ zu verteidigen. Alles richtige Begriffe – aber oft Floskeln. Gegenüber Autokratien fühlen wir uns bestätigt: Hier kann ein gleichgeschlechtliches Paar heiraten, dort lebt ein Flüchtling mit Kopftuch – also sind wir frei.



    Tatsächlich leben wir in einer Gesellschaft voller Schubladen. Darin verschwinden ungelöste Probleme der Vergangenheit. Auch unser Bildungssystem trägt dazu bei: Vieles wird vermittelt, wenig grundsätzlich hinterfragt.



    Die Nazis waren nicht nur Mörder, sondern auch systematische Diebe. Trotzdem ist bis heute nicht vollständig geklärt, wo beschlagnahmte Kunst und anderes Eigentum geblieben ist und wer davon profitierte.



    Ossi, Wessi – Problem. Die Einheit hat einige reich gemacht, die Probleme aber nicht beseitigt. Der Ossi hat Minderheitsgefühle, der Wessi gibt weiterhin gern den „Klugscheißer“.



    Das eigentliche Problem liegt tiefer: bei Kapital- und Gewinnerträgen, bei Eigentümern, Konzernen und Superreichen, die enorme wirtschaftliche und politische Macht besitzen.



    Denn in unserem System zählt vor allem der ökonomische Wer

  • Ludowig

    Wie gut, dass Herr Dobrindt bereits die richtigen Schlüsse gezogen. Es ist natürlich nicht die Wohnungsnot, die hohen Mieten, die Energiekosten oder die Inflation - nein, es sind die Linken in Berlin.

    • Eichhörnchen99

      @Ludowig:

      Auf seiner Website hat Herr Dobrindt unter der Rubrik „Tradition“ ein Foto eines im Alpenvorland marschierenden Lederhosenzuges veröffentlicht. Herr Merz ist der Meinung, ein Normalverdiener habe die finanziellen Voraussetzungen, um sich mit Aktiengeschäften eine Rente aufzubauen, und Frau Reiche könnte man auch zur Gas-Ministerin oder gleich zur Vorstandsvorsitzenden des Fossilen Ministeriums küren. Wenn diese Leute vor der Linken warnen, kann man eigentlich nur die Linke wählen.

  • J_CGN

    Die Top3% haben die letzten 20 Jahre von deutlich niedrigeren Steuern, enormer Wertsteigerung ihrer Assets profitiert.

    Es ist an der Zeit, dass man ihnen wieder die Steuern erhöht. Kapitalerträge wie Arbeit und auch die Vermögen und Erbschaften entsprechend höher besteuern.

    In Deutschland ist die CDU die Schutzpatronin dieser Gruppe und schadet so dem Land. Die alberne Ausrede der Personengesellschaften kann durch eine einfache Abgrenzung aus der Welt geschafft werden.

  • Wombat

    Also laut der taz sind die Schuldenregeln an die sich eh kein Mensch hält der Grund für die Proteste?

    Mal eine Preisfrage: wenn Frankreich sich hemmungslos verschuldet geht das nur über Ableihenkaufprogramme der EZB weil den Kaputten Land gibt sonst keiner Kredite. Die EZB finanziert das über die Notenpresse, die Inflation schießt nach oben. Und wogegen demonstrieren die Demonstranten bzw Randalier nochmal?

  • Dieter Schütt

    Mir sind die Gründe für die Demonstrationen zu diffus.



    Wenn alle Gründe, gegen etwas zu demonstrieren in einen Topf geworfen werden und nichts anderes übrigbleibt als allgemeine Unzufriedenheit, wie soll dann eine Regierung nachgeben?



    Früher gab es mal kommunistische, sozialistische, sozialdemokratische oder sozialliberale Parteien die die ganzen politischen Themen in nachvollziehbare Richtungen kanalisierten.



    Das gibt es leider nicht mehr.

    • Eichhörnchen99

      @Dieter Schütt:

      Die Polykrise ist Realität und beschreibt die gleichzeitige, sich gegenseitig verstärkende Überlagerung verschiedener globaler Krisen. Es handelt sich nicht um ein bloßes Narrativ oder eine abstrakte Erzählung, sondern um einen Zustand, in dem ökologische, ökonomische, geopolitische und soziale Krisen so eng miteinander verwoben sind, dass die Gesamtkrise größer und unberechenbarer ist als die Summe ihrer Einzelteile.. Was schlagen Sie vor Herr Schütt, wie einer solchen Realität zu begegnen ist als junger Mensch?

      • Machiavelli

        @Eichhörnchen99:

        Als junger Mensch sage ich stoizismus, mark Aurel lesen.

        • Eichhörnchen99

          @Machiavelli:

          Obwohl Marc Aurel in seinen Selbstbetrachtungen innere Ruhe, Milde und Menschlichkeit predigte, führte er jahrelang harte, erbarmungslose Kriege (insbesondere die Markomannenkriegen). Er ließ feindliche Gebiete verwüsten, Dörfer niederbrennen und Kriegsgefangene hinrichten oder versklavven. Kritiker des Stoizismus, wie der Psychologe Michael R. Edelstein, bemängeln im Übrigen, dass das schwarz-weiße Schema („kontrollierbar“ vs. „nicht kontrollierbar“) an der Realität vorbeigeht, da viele Lebensbereiche in Grauzonen der Teilkontrolle liegen.

  • rero

    „Die EU müsste sich um erschwingliche Mieten, günstige Energie und bezahlbare Bildung kümmern“

    Frankreich hat bereits einen problematischen Zentralismus.

    Am Zustand der Schule um die Ecke ist die Regierung im weit entfernten Paris schuld.

    Und das soll besser werden, wenn die Verantwortlichen in Brüssel sitzen?

    Im Leben nicht.

    Das kann Brüssel nicht leisten.

    Mit Mieten ist es ähnlich.

    In Brüssel soll die EU sich kümmern, wie sich die Mieten in Craiova, Melle oder Paderborn entwickeln?

    Sorry, halte ich nicht für realistisch.

  • Carsten Weide

    Nichts von alledem kann überraschen, nicht mal das Ausmaß der Gewalt. Es ist die "Politik der Mitte", die im Grunde eher immer strukturell rechtskonservativ war. Sie ist das Ergebnis überparteilichen Einigung auf einen neoliberalen Bestandskonservativismus, dessen stupide Ausrichtung seit gut 60 Jahren zur einer inhaltlichen Entleerung zunächst der Altparteien und dann später auch der Grünen geführt hat. Auch die Linken und die Wohlfahrtsverbände fanden ihn ganz prima und die AFD sowieso. Die alten Parteien werden diese Probleme nicht überzeugend in den Griff bekommen. Wieder muss es die Zivilgesellschaft richten, hoffentlich ohne weitere Explosionen von Gewalt.

  • Pfennig

    Vielleicht kein Zufall, dass die Proteste in den am höchsten verschuldeten EU-Staaten beginnen (Ausnahmen Griechenland, das sich aber auf dem Weg des Schuldenabbaus befindet): Ein immer größerer Teil des Budgets muss für den Schuldendienst aufgewendet werden und fehlt dann für andere Aufgaben, wie Bildung, etc., und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen.

    • Strolch

      @Pfennig:

      Richtig. Aber wer predigt den immer mehr Staatsverschuldung sei kein Problem? Am häufigsten lese ich das in der taz.

  • Eckhard Hanseat52

    Egal wie man es sieht, es geht eigentlich in vielen Ländern wie Deutschland oder Frankreich nur noch um die Aufweichung der Schuldenregeln, um das zu finanzieren, was man für wichtig hält. Irgendwie auch eine Weigerung die Kosten der Demographie zu tragen. Verlagerung in die Zukunft also. Im Endeffekt heisst das sich Schuldendiensten zu verweigern und die Kosten über die BCe auszulagern oder über Inflation jeden Schuldfnstaat zu sanieren mit Absenkung der Ansprüche.

  • Agarack

    "Die EU müsste sich um erschwingliche Mieten, günstige Energie und bezahlbare Bildung kümmern"



    Na, wenn's weiter nichts ist. Freibier für Alle hilft bestimmt auch.



    Mein Eindruck, der bei diesen Protesten entsteht, ist nicht der von Schüler*innenprotesten, sondern vielfach einfach ein Exzess sinnloser Gewalt. Die Plünderungen von Geschäften sind nicht "Ausdruck legitimer Verzweiflung", sondern teilweise auch einfach blanker Hedonismus. Zudem: Frankreich hat finanziell noch weniger Spielräume als Deutschland: Es muss auf steigende Zinsen reagieren, die dazu führen, dass für soziale Wohltaten schlicht nicht genug übrig bleibt.

    Zudem: Jetzt hier auch noch mit Revolutionsromantik ("es wird wie 1968") zu kommen, finde ich unverantwortlich. Die Gewalt muss aufhören.

  • Zange

    Ich weiß ihr wollt das nicht hören, aber wo soll günstige Energie herkommen, wenn nicht aus Russland? Wir nutzen doch Wind und Sonne schon. Trotzdem reicht das vorne und hinten nicht. Es wäre schön wenn das Sterben in der Ukraine endet. Nur bisher haben alle Sanktionen gegen Russland nichts in diesem Sinne bewirkt. Wenn hier alles zusammenbricht, weil niemand mehr seine Miete zahlen kann, hat Russland gewonnen.

  • Frauke Z

    Speziell in Frankreich ist die wirtschaftliche Lage ähnlich wie in Deutschland vor der Agenda 2010:



    Hohe Jugendarbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit wegen eines verkrusteten Arbeitsmarktes, bei gleichzeitig üppigen Sozialleistungen.



    Frankreichs Staatsanleihen sind bereits auf den Wertpapiermärkten leicht angezählt. Frankreich könnte noch vor der Präsidentschaftswahl eine neue Euro-Krise auslösen und die EU mit sich hinabziehen.



    Und es ist klar, dass weder Stabilitätsbefürworter wie Deutschland, noch weniger jedoch die früheren Krisenländer wie Spanien und Griechenland, die teils unmenschliche "Reformen" über sich ergehen lassen mussten, bereit sind, die französischen Vorruheständler zu finanzieren.



    Frankreich braucht, schon im Sinne der EU, eine Agenda 2030. Klar ist, die kommt weder von der Linken noch der Rechten, und Macron hat sich bereits die Finger daran verbrannt.



    Vermutlich sehen die Franzosen die Notwendigkeit erst dann ein, wenn es ihnen sehr viel schlechter geht. Mal sehen, was bis dann noch von der EU übrig ist.

    • Strolch

      @Frauke Z:

      Ja und das ist ein Problem der gemeinsamen Währung. Hat man an Grichenland gesehen. Nur ist Frankreich wirtschaftlich wesentlich größer.

  • DiMa

    "aber nicht mit der Sozial- und Bildungsmisere."

    Soziales, Bildung und auch Wohnungen sind ausschließlich Themen, für welche die jeweiligen Mitglieder zuständig sind. Die EU darf sich da nicht einmischen.

    Insoweit sind die vom Herrn Bronse gemachten Vorschläge alle an der falschen Stelle angebracht.

  • fly

    „ Die EU müsste sich um erschwingliche Mieten, günstige Energie und bezahlbare Bildung kümmern,“….

    Das kann die EU wie machen?



    Mieten steigen weltweit und die EU kann die in keinem Staat regulieren.



    Günstige Energie? Gasimporte aus Russland? Der Strompreis in Frankreich soll doch durch steuersubvention schon niedrig sein.



    Bezahlbare Bildung? Irgendwie auch keinEU Thema.

    Und die Schuldenreglen sollten abgeschafft werden? Dann kommt der Knall noch schneller.

    • Sam Spade

      @fly:

      "Mieten steigen weltweit und die EU kann die in keinem Staat regulieren"

      Einmal über den European Affordable Housing Plan (EAHP) informieren was da so alles ginge z.B. Förderung von Wohnungsbau über EFRE oder günstige Kredite für Kommunen und Gemeinden für sozialen Wohnungsbau über die EIB. Oder auch der Affordable Housing Act der Zweckentfremdung durch Kurzeitvermietungen verhindern soll. Dagegen hat übrigens Deutschland gerade eine Subsidiaritätsrüge bei der EU eingereicht, da dieser Schutz einen zu tiefen Eingriff in den deutschen Wohnungsmarkt bedeuten würde.

      Aus dem Inhalt der Rüge können sie dann selbst entnehmen, für welches Klientel die Bundesregierung Wohnungspolitik betreibt. Einzusehen über den EU Law Tracker.

      Auch im Bereich Bildung gibt es Förderungen für Schulen und Kitas z.B. für Investitionen in Infrastruktur und Inklusion über den Strukturfonds EFRE und ESF+.

      Für Energie gibt es derart viele Förderungen von REPowerEU bis zu EEEF. Einmal selbst informieren.

      EFRE ist ein Fonds für Privatpersonen zur Förderung der Energieeffizienz. Läuft in Deutschland über die KFW. Auch die einheimische BEG Förderung bei Heizungsaustausch wird mit diesen EU Mitteln gefördert.

      • DiMa

        @Sam Spade:

        Nur weil die Kommission einen EAHP auflegt wird die EU noch lange nicht für Wohnubgen und Mieten zuständig. Dafür bräuchte es eine Änderung der Grundlagenverträge (einstimmig).

        Insoweit fehlt es auch für einen Affordable Housing Act an einer rechtlichen Kompetenzgrundlage.

    • nutzer

      @fly:

      "Und die Schuldenreglen sollten abgeschafft werden? Dann kommt der Knall noch schneller."



      Das ist einfach nur Unfug!

      • Machiavelli

        @nutzer:

        Ziehen halt die Zinsen immer weiter an, irgendwann ist dann 50% der Staatshaushaltes Zinsen und Schulden kriegt man nur noch in Fremdwährung verkauft.

        • nutzer

          @Machiavelli:

          tschuldigung, das ist Unfug. Die EZB gibt das Geld aus. Staaten finanzieren sich nicht zwangsläufig am Kapitalmarkt, sie tun dies nur, weil man sich darauf geeinigt hat, dass die EZB das Geld zunächst an "private" Banken ausgibt und diese dann das Geld an den Staat per Zinsaufschlag weiterreichen. Das ist gewollt und so konstruiert und nicht vom Himmel gefallen.



          Das nur als Hintergrund, selbst wenn man dies so hinnimmt, sich in eine Rezession zu sparen, macht die Zinslast nur schlimmer, weil die Verschuldungsrate relativ zum BIP bemessen wird. Weniger Wirtschaftsleistung höherer Schuldenstand bei gleicher (absolut bemessener) Wirtschaftsleistung.



          Jetzt kommt VWL: Wenn der private Sektor spart (das tut er eigentlich fast immer) der Wirtschaftssektor ebenfalls Nettosparer ist, das Ausland aktuell ebenfalls weniger nachfragt, bleibt nur der Staat um diese Ausfälle zu kompensieren, sonst folgt unweigerlich Rezession.



          Es kommt natürlich darauf an, wie investiert wird, das ist das Entscheidende.



          Wenn alle sparen führt das mit Sicherheit zu den von Ihnen befürchteten Zinsniveaus.

    • Christian

      @fly:

      Weil jahrzehntelang weltweit Immobilien als Wertanlage betrachtet wurden, für Großinvestoren wie auch für Oma Trude. Und jetzt sieht sich die Politik überall dem Druck ausgesetzt von Großinvestoren wie auch von Boomern, die sich das Eigenheim noch leisten konnten, die Immobilienpreise eben *nicht* zu crashen.



      Die Lösung wäre es, in Kauf zu nehmen, eine Menge alte und/oder reiche Leute wütend zu machen um einer Menge jungen Leuten eine Zukunft zu geben.

    • Sonnenhaus

      @fly:

      Der subventionierte Strompreis in Frankreich zur Erhaltung der atomaren Stromerzeugung belastet die Staatskassen in extremer Weise. Doch wie aus dieser Energiesackgassse wieder herauskommen. Für viele Menschen weltweit ganz einfach durch Solar- und Windenergie lösbar, da millionenfach realisiert. Doch die konservativliberale Politelite hat da keine Aktien drin. Die Dividende schöpft eben aus alten atomaren Beteiligungen.

  • Hans Dampf

    Wie ist neue Schulden machen eigentlich immer die einzige Finanzierungsidee, wenn Linke über möglich Lösungen sprechen?

    • Duplozug

      @Hans Dampf:

      Das, und Milliardäre abschaffen .

      • warum_denkt_keiner_nach?

        @Duplozug:

        Was ist positiv an Milliardären?

  • gyakusou

    Frankreich steuert auf eine massive Schuldenkrise zu. Wie kann man "Lockerung der strikten Schuldenregeln" als Lösung des Problems ansehen?

    Wenn Schulden wenigstens in sinnvolle Zukunftsprojekte fließen würden –die Vergangenheit hat gezeigt, dass das Geld aber schnell versickert, um Haushaltslöcher zu stopfen, Wahlgeschenke zu verteilen usw. Und jetzt auch noch steigende Verteidigungsausgaben.

    Außerdem wird man mit mehr Geld allein nicht die Herausforderungen im Bildungssektor bewältigen können. Eine immer heterogenere Schülerschaft in den letzten 1-2 Jahrzehnten stellt in meinen Augen den Bereich vor nahezu unlösbare Probleme. Lehrer müssen sich heute um Schüler kümmern, die kaum die Sprache beherrschen, die keinerlei Unterstützung zuhause erhalten, deren Familien den Wert von Bildung nicht erkennen. Das sind strukturelle Probleme, die kaum zu lösen sind.

  • Astrid Sehnefeld

    "Die europaweiten Proteste könnten sich zu einer Revolte à la 1968 ausweiten"



    Also auf 1968 abzustellen halte ich für falsch. 2026 ist in keiner Weise mit 1968 zu vergleichen.



    Zum einen waren Europa und Deutschland damals völlig anders demografisch aufgestellt. Der Anteil junger Menschen war wesentlich höher.



    Zum anderen war der Anteil an Studenten deutlich kleiner. 1968 lag die Studierendenquote eines Jahrgangs bei nur etwa 10% - heute liegt sie bei ca 50%.



    Ein Studium war damals einem vergleichsweise sehr kleinen Kreis vorbehalten, meist aus bürgerlichem Haus, heute hingegen ist Studieren für jeden offen und Studenten drehen deshalb auch nicht mehr wie 1968 fast ausnahmslos links, sondern decken das gesamte Parteispektrum ab.



    Zwar genießen progressive Parteien immer noch einen Präferenzüberhang, aber für Union und AfD sprechen sich heute ungefähr ein Drittel der Studenten aus.



    Und der größte Unterschied: 1968 verfolgten Studenten ein einheitliches Ziel, heute sind sie nur in ihrer Unzufriedenheit sich einig.



    Ich denke Europa wird diese Proteste, die mittlerweile vielerorts für Randale gekapert wurden, repressiv niederknüppeln. Für eine Revolution fehlen führende Köpfe.

  • Dirk Osygus

    Die 68er Proteste gingen von Studenten aus, die sich gegen den Vietnamkrieg und die Weigerung ihrer Eltern gerichtet hatte, die Beteiligung am Zweiten Weltkrieg aufzuarbeiten.



    Die Krawalle in Frankreich lassen sich damit nun wirklich nicht vergleichen. Außer mit der Gewalt vielleicht.



    Inhaltlich sind es junge Menschen ohne Perspektive und keine Menschen, die den Staat politisch verändern wollen.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Dirk Osygus:

      Doch. Es ist ähnlich. In beiden Fällen geht die Jugend auf die Straße, weil sie die Verhältnisse nicht weiter hinnehmen will.

  • nutzer

    Es ist die Wirtschaftspolitik, die Europa in diese Misere geführt hat, geführt durch eben diese Politi.ker, denen jetzt nichts weiter einfällt, als weiter zu sparen. Kosmetische Operationen die an einzelnen Problemen, wie den Mieten ansetzen sind zum Scheitern verurteilt. Diese Krise ist systemisch und wird sich nicht durch die aktuelle Politik lösen lassen.



    Das schlimme daran, es sind die Rechtsradikalen, die davon profitieren.

    • Sonnenhaus

      @nutzer:

      Aber die Rechtsradikalen werden nur profitieren, wenn ihnen kein Lösungsvorschlag abgerungen wird. Oftmals reicht allein der populistische Aufreger und faktenfreie Behauptungen, um populistisch hochgespült zu werden. Der Journalismus ist in dieser Hinsicht viel zu unprofessionell aufgestellt.



      Oftmals bleibt der verbreitete Populismus ohne klärenden Widerspruch stehen, mit dem Bekenntnis Journalismus mus neutral bleiben. Welch eine Dummheit, wenn am Ende des Tages von den Rechtsradikalen der unabhängige Journalismus abgeschafft wird.

      • nutzer

        @Sonnenhaus:

        dieses Erklären setzt voraus, dass es einen Empfänger gibt, der bereit ist diese Fakten zur Kenntnis zu nehmen und genau das ist der Knackpunkt.



        Wer wissen will kann jetzt schon wissen, für die Masse zählt der kurze Aufreger und das Bauchgefühl. Nicht ohne Grund passt bei Trump logisch analytisch vorne und hinten nichts zusammmen, stehen offensichtliche Widersprüche nebeneinander, ganz einfach, weil es nur wenige interessiert. Für zu viele zählt das Bauchgefühl.

    • Petzi Worpelt

      @nutzer:

      Es ist die Wirtschaftspolitik, ja. Weil wir durch die von uns selbst angestoßene Deindustrialisierung viel zuviel Wohlstand und Zukunftsversprechen verlieren.



      Entweder ist die Transformation selber ein Fehler oder sie würde falsch gemanaged. Vollkommen falsch ist aber definitiv die in linken Kreisen vertretene These, dass man nur noch härter hatte durchziehen müssen..

      • nutzer

        @Petzi Worpelt:

        Transforation ist fester Bestandteil dieser Welt. Zu glauben, wir hätten einfach nur nicht mit den Erneuerbaren anfangen müssen und dann hätten wir weitermachen können wie gehabt, ergibt nur Sinn wenn man die westliche Welt für den Nabel der Welt hält. Wer nicht mitmacht wird irgendwann überholt, das gilt für alle, auch Europa.



        Die Transformation wurde falsch gemanaged, weil Dtl glaubt, wir wären so wichtig, dass wir beschließen können, dass der Verbrenner bleibt und der Illusion aufsitzt wir können einfach den Lauf der Welt bestimmen.



        Das sind die berühmten spätrömischen Zustände, die Verkennung der eigenen Lage und Selbstüberhöhung der eigenen Wichtigkeit ausgelöst durch verknöcherte Besitzstandswahrung.



        Das Gegenteil wird passieren, das Beharren wird der Sargnagel werden.