Parlamentarische Sommerpause: Ohne Fleiß kein Preis
Es geht nicht voran mit den Reformen. Deshalb fordert der Verband der Familienunternehmen, das Parlament solle durcharbeiten. Richtig so, oder?
E ndlich sagt’s mal jemand: Friedrich Merz, Alexander Dobrindt, Bärbel Bas, Lars Klingbeil, Katherina Reiche, ach was, sämtliche Leute, die ihre Tage im Bundestag mit was auch immer rumbringen, sollen mehr arbeiten. Marie-Christine Ostermann, die Präsidentin des Verbands der Familienunternehmen, hat das messerscharf erkannt – und fordert, das Parlament solle in diesem Jahr auf seine Sommerpause verzichten. Damit endlich all die Reformen umgesetzt werden, von denen der Kanzler seit vergangenem Herbst faselt. Aber was ist bis jetzt – wir haben schon fast Sommer – passiert? Nichts.
Oder haben Sie von irgendeiner Ministerin, einem Minister oder meinetwegen auch von irgendeinem Hinterbänkler im Reichstag irgendwas Substanzielles zur Rentenreform gehört? Von einer Idee also, die Jüngere und Ältere gleichermaßen glücklich macht, weil alt sein nicht mehr Flaschen sammeln bedeutet? Oder von einem Vorschlag, wie Reiche und Superreiche mehr Steuern bezahlen? Hat Ihnen Ihre Krankenkasse schon einen Brief geschrieben, dass Sie künftig nicht mehr, sondern weniger Beiträge zahlen müssen? Nein? Keine Sorge, das liegt nicht an Ihnen, sondern an der Regierung. Marie Ostermann hat es für uns herausgefunden.
Dafür muss man ihr dankbar sein. Klar, wer leitet, muss leisten. Und Vorbild sein. Denn wer will, dass andere Leistung bringen, sollte selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Sonst nimmt einem nämlich niemand ab, dass man es ernst meint mit dem, was man vor allem von anderen fordert. Von uns fordern Friedrich Merz und seine Kolleg:innen bekanntlich jede Menge: Wir sollen mehr arbeiten. Nicht nur mehr ranklotzen am Tag, sondern auch insgesamt länger schuften. Vergessen Sie die Rente mit 67! Auch Ihre liebgewonnene Lifestyleteilzeit! Man braucht kein Mathe-Abi, um sich auszurechnen, dass man in läppischen sechs Stunden nicht so viel schafft wie in der doppelten Zeit.
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Wer Frau Ostermann da nicht zustimmt, dem ist die Wirtschaft ganz offensichtlich egal. Überhaupt ist die Chefin eines Lobbyverbands für Großunternehmen recht innovativ, wenn es um den Standort Deutschland geht. Der braucht in ihren Augen keinen Mindestlohn, keine Flächentarifverträge und auch keine Erbschaftsteuer. Familienunternehmen arbeiten in der Regel 24/7 und – was sonst? – ohne Sommerpause.
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