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Moore für den KlimaschutzErstaunlich klug

Jonas Waack

Kommentar von

Jonas Waack

Die Bundesregierung will mit viel Geld Moore wieder vernässen. Umweltminister Schneider macht so seine Prioritäten deutlich. Das könnte sich auszahlen.

Mit Wasserbüffeln können Land­wir­t*in­nen auch auf wiedervernässten Mooren Geld verdienen Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

E s ist eine beachtliche Summe, die Umweltminister Carsten Schneider (SPD) buchstäblich in den Sumpf setzt: Mit 1,75 Milliarden Euro will die Bundesregierung die Wiedervernässung von Mooren fördern, die gleichzeitig weiter landwirtschaftlich beackert werden sollen.

Lassen sich viele Land­wir­t*in­nen darauf ein, wäre das nicht nur ein Erfolg für die Artenvielfalt, sondern auch für den Klimaschutz in Deutschland. Denn trockengelegte Moore sind für etwa 7 Prozent der deutschen CO₂-Emissionen verantwortlich. Würden Förs­te­r*in­nen und Baue­r*in­nen sie wieder vernässen, könnten die Moore von einer CO₂-Quelle sogar zur Senke werden, also mehr Treibhausgase binden als sie ausstoßen.

Das Förderprogramm zeigt aber auch, wie Schneider die Klimapolitik der Bundesregierung umschichtet: Auf Kosten der Emissionsreduktion in der Industrie, beim Autoverkehr und beim Heizen legt Schneider den Fokus auf grünen Strom und den natürlichen Klimaschutz.

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Indem Schneider Natur- und Klimaschutz verknüpft, will er mehr Unterstützung in der Bevölkerung mobilisieren. Das kündigte er schon zum Amtsantritt an. Er vermeidet außerdem Großkonflikte: Zwar sperrt sich der mächtige Bauernverband seit Jahren gegen eine großflächige Wiedervernässung von Mooren. Aber diesen Widerstand zu überwinden, ist einfacher, als die fossilen Ideo­lo­g*in­nen in der CDU zu überzeugen.

Falls Wald, Moore und Böden in den 2030ern zur CO₂-Senke werden, könnten sie darüber hinaus die Emissionen der Schwerindustrie teilweise ausgleichen. Denn Chemie-, Stahl- und Betonkonzerne werden aufgrund einer Mischung aus Ambitionslosigkeit und echten technischen Herausforderungen wahrscheinlich noch bis in die 2040er hinein viel CO₂ ausstoßen.

Kann Schneider neben den Moorschutz- auch die ambitionierten Waldumbaupläne seines Ministeriums durchsetzen, verschafft er also auch noch der deutschen Industrie Zeit zur Umstellung. Das ist politisch klug, aber um Deutschlands fairen Beitrag zum weltweiten Klimaschutz zu leisten, reicht es nicht: Dafür müsste die Bundesregierung überall klimapolitischen Ehrgeiz zeigen, nicht nur beim Naturschutz.

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Jonas Waack
Klima-Redakteur
Jahrgang 1999, zuständig für Klima-Themen im Ressort Wirtschaft und Umwelt. Stadtkind aus Mecklenburg, möchte auch sonst Widersprüche vereinbaren. Bittet um Warnung per Mail, falls er zu sehr wie ein Hippie klingt.
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11 Kommentare

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  • Der Minister macht was er kann. Sicher klug und effektiv in einer Koalition mit tendenziell konzernhörigen Kolleg*innen.

  • Man sollte vielleicht den verteidigungspolitischen Aspekt von Mooren betonen, wie es kürzlich auch die EU-Umweltkommissarin tat.

    Feuchtgebiete sind hervorragende Panzersperren - die Ukraine wurde unter anderem durch Moore und Flussauen vor dem Durchbruch der Russen bewahrt. Theiretisch könnte man z.B. um Berlin ein weiträumiges Netz von Mooren schaffen. Noch heute stellen Feuchtgebiete südlich von Hamburg ein für gepanzerte Fahrzeuge ein unüberwindliches Hindernis noch vor dem eigentlichen Ufer der Elbe dar und schützen damit die Stadt in dieser Richtung.

    Dann kann man vielleicht auch den Bauernverband ausbooten - einfach Flächen im Namen der nationalen Sicherheit requirieren und die Vernässung durch die Bundeswehr durchführen lassen.

    • @Suryo:

      Frage ist halt was schief gelaufen ist das der Feind vor Berlin steht und ob man die Ressourcen nicht lieber in den baltischen Staaten und dortige Moore investiert dann hat man den Klimaschutz und Verteidgungseffekt.

      • @Machiavelli:

        Es geht hier um die politische Durchsetzung. Kann ein echter Konservativer was gegen Verteidigung haben?

        • @Suryo:

          Gegen kostengünstige Maßnahmen die dazu noch der Umwelt dienen? Ich denke da finden die Gründe...

  • Ganz nett, aber an Auto, Fossil und die anderen CDU-/CSU-Buddies muss die Regierung dennoch ran. Wenn sie denn auch an Gegenwart und Zukunft denken sollte.

  • Nochmal. Wiedervernässte landw. Moorböden können nicht mehr zur CO2 Senke werden undnirgendwas kompensieren. Das geht nur wenn natürliche Moore wachsen. Auch ist das pro Jahr und Hektar sehr wenig (im Idealfall nur 10cm Aufwuchs pro 100(!) Jahre).



    Der wichtige Grund für Wiedervernässung sind die derzeitigen riesigen CO2 Emissionen (etwa 18% der Gesamtemissionen, aber nur im moorbodenreichen Niedersachsen!) vertrockneter Moorböden zu stoppen. DAS kann gelingen.



    Wiedervernässte Moore als CO2 Senke wird dauernd falsch erwähnt. Das muss aufhören.

    • @So,so:

      Jo, aber: Wiedervernässung macht Moorböden nicht sofort zu CO₂-Senken - aber sie ist nunmal die Voraussetzung dafür, dass sie langfristig wieder wachsen und überhaupt wieder als Senken wirken können, oder?

      • @MeinerHeiner:

        die Frage ist ja, was kann man sich unter landwirtschaftlich genutzten Mooren vorstellen? Reetflächen, Büffelweiden etc. sind keine Moore (mehr). Das können aber Nutzungen ehemaliger Moore sein, aktive Moore landwirtschaftlich zu nutzen ist eher schwierig.

  • Expertin als Autorin:



    "Franziska Tanneberger leitet das Greifswald Moor Centrum und arbeitet an der Revitalisierung von Mooren. Für ihre Arbeit wurde die Landschaftsökologin 2024 mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet."



    Bei ndr.de



    Weiter dort:



    "... es gebe Quellmoore, Hangmoore, Versumpfungsmoore Verlandungsmoore, Überflutungsmoore, Überrieselungsmoore, Durchströmungsmoore, Kesselmoore, Übergangsmoore und Regenmoore. Das ist eine ganz große Bandbreite"



    Wirklich interessante Details, auch die lokoregionäre und die globale Verteilung.

  • Das ganze lässt sich auch aus verteidigungspolitischer Perspektive betrachten: politik.watson.de/...and-plant-das-auch