piwik no script img

Milliardenschäden durch Hitzesommer Wieder kein Wendepunkt

Eva Fischer

Kommentar von

Eva Fischer

Laut Greenpeace hat der heiße Sommer die Wirtschaft mindestens 36 Milliarden Euro gekostet. Zum Umdenken in der Klimapolitik führt das wohl nicht.

O b dieser Sommer der Wendepunkt ist? Er führte uns die fatalen Auswirkungen der globalen Erwärmung so geballt vor Augen wie kein Sommer zuvor. Rekordtemperaturen, mindestens 14.000 Hitzetote in Deutschland, Waldbrände in einem nie dagewesenen Ausmaß, wegen des Niedrigwassers musste Schiffsladung reduziert werden, Atomkraftwerke in Osteuropa konnten nicht mehr ausreichend gekühlt werden, Land­wir­t:in­nen beklagen Ernteausfälle im Milliardenbereich.

Nun bezifferte eine erste Berechnung von Greenpeace den Schaden für die deutsche Wirtschaft auf 36 bis 42 Milliarden Euro, was knapp einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Zum Vergleich: Der Etat des Bundesverkehrsministeriums liegt in diesem Jahr bei 28 Milliarden Euro.

Es sind Zahlen, die Politik und Wirtschaft aufrütteln sollen, schließlich werden deren Ent­schei­de­r*in­nen meist erst durch das Argument wirtschaftlicher Einbußen einsichtig. Doch könnte dieser Sommer wirklich ein Wendepunkt sein?

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

In den vergangenen Jahren gab es mehrere Ereignisse, bei denen die Hoffnung bestand, sie würden dies sein. 2019, als die EU-Kommission ankündigte, die EU bis 2050 klimaneutral umzubauen, und sich viele andere Industrieländer mit ambitionierten Klimaplänen anschlossen. Das Coronavirus Anfang 2020, das uns nicht nur die Gefahr von Pandemien vor Augen führte, sondern auch durch Lockdowns eine Welt mit weniger Konsum und Pendelwegen zeigte. Der russische Angriff auf die Ukraine, der deutlich machte, dass der Ausstieg aus fossilen Energien und der Ausbau von Erneuerbaren auch Sicherheitspolitik bedeutet.

Nun, rund eine halbe Dekade später, lässt sich sagen: Nein, es waren keine Wendepunkte. Das wird wohl auch diesmal nicht anders sein. Die Temperaturen hierzulande lassen schon erste Herbstgefühle aufkommen. Wen interessieren dann noch Kipppunkte? Eine Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz bekanntlich nicht.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Eva Fischer

Eva Fischer Themenchefin

Jahrgang 1989; seit Anfang 2025 bei der taz, derzeit als Themenchefin, Nachrichtenchefin und CvD bei taz.de. Vorherige Stationen: u.a. EU- und Nato-Korrespondentin in Brüssel beim Handelsblatt, Redakteurin für Internationale Politik beim Tagesspiegel, Redakteurin bei der ZDF-Talkshow "Markus Lanz". Wirtschaftspsychologie-Studium mit Schwerpunkt Arbeits- und Organisationspsychologie und dem Nebenfach Politikwissenschaft, Besuch der Holtzbrinck-Journalistenschule, gelernte Medienkauffrau Digital und Print beim Spiegel-Verlag. Und auch ausgebildete Yogalehrerin.
Mehr zum Thema

22 Kommentare

 / 
  • Jo Lang

    Radtour Bordeaux -Westerwald. Die Flüsse Isle und Cher halbleer, Kanuverleihe verwaist; Limousin, sonst ein Regenloch, eher verbrannte Erde, wie im Juni in Marokko; die Wälder, sehr herbstlich, in Bordeaux hat ein guter Teil der Weinlese schon begonnen und ein Drittel der Neuautos SUV (auch die elektrischen sind ineffizient). Aber rechts wird immer noch in Frankreich von woke, écoterrorisme und ecologie punitive geredet. Quem Deus perdere vult, dementat prius.

    • Perkele

      @Jo Lang:

      Dise Strafe wird allerdings auch uns treffen, nicht nur die Franzosen....

  • Nansen

    Bekanntermaßen wissen Ölkonzerne wie Exxon bereits seit Ende der 1970er Jahre von den schwerwiegenden Folgen der fossilen Verbrennung für das Klima. Ihre eigenen Wissenschaftler sagten die globale Erwärmung damals ziemlich präzise voraus.

    Ich finde es sehr redlich, diese Konzerne und nicht nur sie zur Kasse zu bitten.



    Dazu jeden, der die fossilen Folgen ignoriert, den Klimawandel leugnet und jeden, der bestreitet, dass der Klimawandel menschengemacht ist.



    Knüppel auf den Sack und enteignen.



    Das wäre schön. Und wirklich viele würde es nicht Mal treffen. Nur leider haben sie die Macht.



    Schade um uns.

  • Andreas Flaig

    "Regierungen auf der ganzen Welt, die Spaniens Vermögenssteuer für Superreiche kopieren, könnten mehr als 2 Billionen Dollar (1,5 Billionen Pfund) einnehmen, so die Aktivisten, die fordern, dass das Geld zur Finanzierung des Klimawandels verwendet wird.

    Während immer mehr Länder über Steuererhöhungen für die Superreichen nachdenken , erklärte die Kampagnengruppe Tax Justice Network in einem Bericht, dass Erkenntnisse aus einer minimalen Steuer auf die 0,5 % reichsten Haushalte in Spanien dazu beitragen könnten, weltweit jährlich Billionen von Dollar einzunehmen."



    Das können wir unseren 5000 Superreichen hier im Lande doch nicht antun!



    Sagt Merz und steigt in seinen Privatjet.

  • Ricky-13

    "Schätzungsweise 35 Milliarden Euro Schäden entstanden durch Hitze und Dürre in den Jahren 2018 und 2019. Die Folgekosten der Sturzfluten und Überschwemmungen im Juli 2021 summieren sich auf mehr als 40 Milliarden Euro. Weitere Schäden in Höhe von rund 5 Milliarden Euro wurden durch vereinzelte Sturm- und Hagelereignisse verursacht.", hatte das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz im Jahr 2022 geschrieben.

    Und dieser Sommer hat laut Greenpeace der Wirtschaft schon mindestens 36 Milliarden Euro gekostet. "Gekostet" hat es übrigens auch 14.000 Menschen das Leben (Hitzetote).

    Und was wird uns der Klimawandel in den nächsten Jahren kosten? Aber darüber möchte mal wieder keiner nachdenken, denn das Spiel "Wirtschaftswachstum" macht ja so viel Spaß; selbst dann wenn man viele Milliarden Euro draufzahlen muss.

    Aber halt, denn wer zahlt das eigentlich alles? Ach ja, der kleine Bürger mit seinen Steuern. Und was zahlen die Eigentümer und Manager der klimaschädlichen Wirtschaft/Industrie?

    Okay, die letzte Frage war ne' rhetorische Frage, denn wir kennen ja die Antwort. 😂🤣😂

    • Ricky-13

      @Ricky-13:

      ***Und dieser Sommer hat laut Greenpeace der Wirtschaft schon mindestens 36 Milliarden Euro gekostet.***

      Die Wirtschaft kann einem, bei 36 Milliarden Euro Verlust in diesem Sommer, wirklich leidtun. Die Wahrheit ist aber, dass am Ende der Steuerzahler und Verbraucher wieder die gesamte finanzielle Last trägt, denn die Unternehmen legen ihre Kosten 'eins zu eins' auf die Endpreise um.

      Das wird in der Ökonomie bereits als "Climateflation" (Klimainflation) bezeichnet. Aus dem Grund wird das klimaschädliche Monopolyspiel 'Wirtschaftswachstum' auch frech weitergespielt, da die Wirtschaft nie zur Kasse gebeten wird. Die Unternehmen besitzen nämlich die Eigenschaft, steigende Kosten über Preise weiterzugeben, während der Staat – also der kleine Bürger – sämtliche Schäden aus Steuermitteln finanziert.

  • sollndas

    "Laut Greenpeace hat der heiße Sommer die Wirtschaft mindestens 36 Milliarden Euro gekostet. Zum Umdenken in der Klimapolitik führt das wohl nicht."



    Die Argumentation ist unredlich.



    Alle Maßnahmen zur CO2-Reduzierung greifen frühestens in Jahrzehnten, wenn nicht erst in Jahrhunderten.



    Die Waldbrandgefahr wird erst dann wieder geringer werden, wenn in ferner Zukunft der CO2-Gehalt der Atmosphäre wieder unter den heutigen Stand sinkt.



    Bis dahin bleibt uns gar nichts anderes übrig, als uns an den Klimawandel anzupassen. Sonst werden die wirtschaftlichen Schäden Jahr für Jahr zunehmen. Und Hamburg wird im Meer versunken sein, bevor das Klima wieder kühler wird.

    • Perkele

      @sollndas:

      Unredlich ist das Argument lieber zuzuschauen als JETZT dagegenzusteuern und zwar massiv!



      Selbst wenn es so wäre, dass das erst in ein paar Jahrzehnetn greift (was falsch ist) dann bleibt uns die Verantwortung nicht erspart, nachfolgende Generationen zu schützen und nicht mit unserem Dreck zu verseuchen. Das nennt man Verantwortungsbewusstsein - im Gegensatz zu Egoismus.

    • Holger_0311

      @sollndas:

      Das in die Atmosphäre ausgestoßene CO2 wirkt sofort. Daher lohnt es sich, Emissionen zu verringern, wird dann weniger heiß.

      "wenn in ferner Zukunft der CO2-Gehalt der Atmosphäre wieder unter den heutigen Stand sinkt.". wie in absehbarer Zeit der CO2-Gehalt sinken soll, müssen mal erklären, ich bin gespannt.

      • sollndas

        @Holger_0311:

        Können Sie lesen, was Sie selbst zitiert haben???



        Ich schrieb: "...in ferner Zukunft..."

    • Francesco

      @sollndas:

      »Alle Maßnahmen zur CO2-Reduzierung greifen frühestens in Jahrzehnten, wenn nicht erst in Jahrhunderten.«



      Und deshalb lassen wir es?

  • Christine_Winterabend

    Passend zum Thema habe ich gerade festgestellt, dass nicht nur der Mensch für sich die Probleme gern verdrängt. Auch deutsche Wissenschaftler haben seit vielen Jahren erforscht, was die Ignoranz der Klimakrise für Kosten verursacht und weiterhin verursachen wird, und da ich mich seit langem für die Arbeit einer namhaften Energieökonomin interessiert habe, verwundern mich die Greenpeace-Zahlen nicht. Mich verwundert etwas anderes: Die Ergebnisse deutscher Wissenschafter scheinen auf geheimnisvolle Weise aus der journalistischen Öffenlichkeit zu verschwinden, und auch Wikipedea und die Webauftritte ihrer Wirkungsstätten geben wenig Auskunft über ihre gegenwärtigen Aktivitäten. Mich würde mal interessieren, wer eigentlich dafür sorgt, dass wesentliche Informationen zu Forschungsarbeit und Forschern über die Klimakrise in Medien und Internet nur noch sporadisch und kaum aktuell zu finden sind, und in diesem Fall habe ich den Verdacht, es geht nicht nur um Wahlkampf.

  • Marcelo

    Es ist eine Schätzung und die Summe ist mir zu sehr bei den Haaren gezogen nachdem Motto lass uns die Summe so hoch wie möglich machen. Den wie sich die Summen zusammen kommen ist mir zu hypothetisch. ich kann nicht einfach aus mehreren Sektoren Summen nehmen die irgendwann mal hoch waren

  • Jalella

    "Umdenken" setzt "Denken" voraus.

    Was erwartet man von einer Spezies, die die Hand auf der heißen Herdplatte hat und nur darüber nachdenkt, wo man möglichst hitzebeständige Handschuhe herbekommen kann statt die Herdplatte auszumachen?

    Merkste selbst, dass das nix wird.

  • Klabauta

    Du sagst



    Du willst die Welt nicht ändern



    Und ich frag mich, wie machst du das nur



    Du bist doch kein Geist in der Flasche



    Und du bist auch kein Loch in der Natur



    Denn nach jedem Schritt, den du gehst



    Und nach jedem Wort, das du sagst



    Und nach jedem Bissen, den du isst



    Ist die Welt anders als sie vorher war

    Wann, wenn nicht jetzt



    Wo, wenn nicht hier



    Wie, wenn ohne Liebe



    Wer, wenn nicht wir

    Du sagst



    Du willst die Welt nicht retten



    Das ist dir alles ne Nummer zu groß



    Und die Weltenretter war'n schon so oft da



    Nur die meisten verschlimmbessern bloß



    Und doch fragt mich jeder neue Tag



    Auf welcher Seite ich steh



    Und ich schaff's einfach nicht einfach zuzusehen



    Wie alles den Berg runtergeht

    Wann, wenn nicht jetzt...

    Du sagst



    Du willst die Welt nicht ändern



    Dann tun's eben andere für dich



    Und der Wald, in dem du vor Jahren noch gespielt hast



    Hat plötzlich ein steinernes Gesicht



    Und die Wiese, auf der du grade noch liegst



    Ist morgen ne Autobahn



    Und wenn du jemals wieder zurückkommst



    Fängt alles von vorne an

    Wann, wenn nicht jetzt...

    Rio Reiser

  • Perkele

    Es ist nicht wahrscheinlich, dass die fossile Wirt von diesem Manko mitbetroffen ist. Ganz sicher ist jedoch, dass für sie die exorbitanten Gewinne weiter sprudeln. Genau das ist der Grund, wieso die Regierung bei ihrem Kurs bleibt und dem Auftrag ihrer Lobby folgt. Andere Branchen sollten ganz massiv protestieren...

  • realnessuno

    Selbst verständlich führt das nicht zu einem "Umdenken"! Denn die Folgekosten werden wie immer den Bürgern aufgehalst.

    Solange unsere realitätsfernen "Entscheider" (Politiker und Überreiche) die Folgen ihres Tuns nicht selbst spüren, wird Nichts passieren!

    WIR müssen endlich wieder dafür sorgen dass sie es spüren, uns um unsere Welt und die kommenden Generationen kümmern! Wenn wir Nichts tun außer zu konsumieren (so wie in den letzten >20 Jahren), dann wird sich auch Nichts verändern; einfach, oder?

    Jeder der schweigt anstatt zu handeln, tut Nichts. Alle die konservativ bis rechtsradikal wählen, unterstützen den aktuellen Status... Ja, es ist unbequem.

  • Sybille Bergi

    Wir haben doch eh schon alle relevanten Kippunkte überschritten. Jetzt hilft nur noch Anpassung.

  • Holger_0311

    In der aktuellen gesellschaftlichen Situation mit einer Vielzahl von Krisen ist nicht vielfach die Bereitschaft nicht vorhanden, sich mit den Folgen und Ursachen der Klimakrise auseinander zu setzen. Der Mensch verdrängt die Probleme lieber, als sich mit ihnen zu beschäftigen.



    Und Aussagen unseres Kanzlers, dass das Klima durch Europa und Deutschland alleine nicht gerettet werden kann, motivieren nicht zur Lösung des Problems. Ganz Unrecht hat er dabei nicht, Klimaschutz ist umso wirksamer, je mehr Menschen und Länder mitmachen.



    NIcht die besten Voraussetzungen, um Klimaschutz umzusetzen.

    Ist das ein Grund zum Nichtstun? Nein! Jedes Zehntel Grad reduziert die Folgen und führt dazu, dass die Krise weniger stark ausfällt.

    • Axel Schäfer

      @Holger_0311:

      .. und wenn man das mit Anpassungsmassnahmen kombiniert sieht jeder das es hilft. Wenn der Alt-/Bestandsbau isoliert wird, braucht man weniger Energie zum Kühlen oder Heizen.

  • Okti

    Das Schicksal einer Gerontokratie: was kümmert einen die Tragödien der Zukunft, welche man selbst verursacht hat, wenn man dann ohnehin schon tot ist.

  • Janix

    Die Schwarzen können halt nicht mit Geld umgehen.