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Hype um Künstliche IntelligenzWas, wenn die Blase platzt?

Investitionen in KI sind eine Wette mit offenem Ausgang. Trotzdem hätte ein Börsencrash noch ganz andere Folgen als die letzte US-Finanzkrise.

Billionen US-Dollar an Aktienvermögen könnten verloren gehen, falls die KI-Blase platzt Foto: Brendan McDermid /reuters

U nglaubliche Geldmengen fließen in die Künstliche Intelligenz: Amazon will in diesem Jahr 200 Milliarden US-Dollar investieren. Googles Mutterfirma Alphabet plant mit 185 Milliarden US-Dollar, Meta mit 135 Milliarden und Microsoft mit 130 Milliarden. Die bange Frage ist: Kann sich dieses Geld amortisieren und Gewinne abwerfen? An den Börsen geht die Angst vor einem Crash um.

KI-Investitionen sind eine Zukunftswette, wie sie selten vorkommt. Denn es ist unklar, was diese Technik künftig leisten können wird. Das war bei früheren Crashs anders. Ob Eisenbahnen oder Immobilien: Den Investoren war klar, wie eine Lok funktioniert oder wie man Häuser errichtet. Sie bauten nur zu viele Strecken oder Gebäude. Das Problem war die Quantität, nicht die Qualität. Doch bei der KI ist gänzlich unbekannt, wohin sie sich entwickelt.

Wie gefährlich wäre ein KI-Crash?

Prognosen sind selbst für Experten schwierig. Eine schöne Anekdote hat gerade der US-Neurowissenschaftler Gary Marcus gepostet: Vor zehn Jahren forderte der berühmte KI-Forscher Geoffrey Hinton, keine Radiologen mehr auszubilden. „Es ist völlig offensichtlich, dass in nur fünf Jahren die Künstliche Intelligenz besser sein wird als jeder Radiologe.“ Es kam anders, Radiologen sind gefragter denn je.

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Zugleich ist aber nicht zu leugnen, dass sich KI-Anwendungen rasend schnell entwickeln. Gerade ging ein kurzes Video viral, in dem Tom Cruise auf Brad Pitt einschlägt. Die Szene sieht so echt aus, als hätten sich die beiden Superstars tatsächlich geprügelt.

Allerdings reichen eindrucksvolle Gimmicks nicht aus, damit sich die gigantischen Investitionen lohnen. Es bleibt die Frage: Wie gefährlich wäre ein KI-Crash?

Zunächst einmal: Crash ist nicht gleich Crash. Besonders katastrophal sind Immobilienkrisen wie in den USA ab 2007, als zu viele Häuser auf Pump gebaut wurden, obwohl die Besitzer kaum Einkommen hatten und diese Kredite nicht zurückzahlen konnten. Eine Immobilienkrise ist immer tückisch, da Gebäude etwa 65 Prozent des privaten Vermögens ausmachen. Fallende Preise betreffen jeden Hausbesitzer.

Aktien sind längst nicht so wichtig. Ein Börsencrash ist daher leichter zu überstehen als eine Immobilienkrise. Aber was heißt das schon?

Billionen US-Dollar könnten verloren gehen

Die Harvard-Ökonomin Gita Gopinath schätzt, dass in den USA etwa zwanzig Billionen Dollar an Aktienvermögen verloren gehen könnten, falls die KI-Blase platzt. Das klingt heftig – aber damit wären „nur“ die Kursgewinne der vergangenen zwei Jahre ausgelöscht. Das ließe sich verkraften. Zudem bedeutet ein sinkender Aktienkurs nicht automatisch, dass die Firmen unmittelbar vor der Pleite stehen.

Viele KI-Firmen besitzen noch andere Geldquellen, aus denen sie ihre Kredite zurückzahlen könnten, falls sich die KI-Investitionen langfristig nicht rentieren sollten. Dazu zählen etwa Google oder Amazon, die mit ihren Suchmaschinen und Verkaufsplattformen enorme Profite machen.

Wenn die KI-Blase platzt, gäbe es in den USA vorerst kein Wachstum mehr

Allerdings gibt es auch klamme Firmen wie OpenAI, die nur ihre KI-Sparten haben, um die Milliardeninvestitionen zu finanzieren. Ob das gelingt, weiß niemand. Das Ende von OpenAI wäre dennoch kein Crash aller KI-Unternehmen. Die Auswirkungen wären möglicherweise eher indirekt: Wenn die KI-Blase platzt, gäbe es in den USA vorerst kein Wachstum mehr, da gigantische Investitionen in gigantische Rechenzentren ausbleiben würden. Das muss jedoch keine schlechte Nachricht sein. Ohne Wachstum wäre Trump garantiert entzaubert – auch bei seiner MAGA-Basis.

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Ulrike Herrmann
Wirtschaftsredakteurin
Ulrike ist seit 2000 bei der taz. Nebenher schreibt sie Bücher. Das neueste heißt "Geld als Waffe. Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet" und erscheint am 12. März 2026.
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