Höhenflug der SPD: Der Scholz-Zug rollt

Die SPD ist plötzlich in einem Umfragehoch und versucht, bescheiden zu wirken. Das irritiert die Union, sie will „den Linksruck der SPD“ angreifen.

Olaf Scholz, SPD-Kanzlerkandidat und Bundesminister der Finanzen, sitzt im Rahmen einer Wahlkampftour in einem Hörsaal im Zentrum für Zukunftstechnologien

Hat plötzlich viele Fans: Olaf Scholz (hier im ZFZ Wildau) Foto: Kay nietfeld/dpa

BERLIN taz | Olaf Scholz geht im blauen Anzug gemessenen Schrittes durch das Regierungsviertel. Die Sonne scheint friedlich. Aus dem Off hört man den Amtseid eines Bundeskanzlers. Helmut Schmidt in den siebziger Jahren. Was Schmidt als Krisenmanager damals vollbrachte, soll jetzt Scholz tun.

So beginnt der betont seriöse, professionell inszenierte SPD-Wahlwerbespot, den Generalsekretär Lars Klingbeil am Donnerstag im Willy-Brandt-Haus vorstellte. Für die SPD gibt es 31 Tage vor der Wahl nur noch eine Botschaft: Scholz. Auch in einem anderen Spot für so­zia­le Medien dreht sich alles um Scholz.

Im Hintergrund ist mal kurz die Parteispitze zu sehen, Norbert Walter-Borjans und ­Saskia Esken. Aber ohne Ton. Sie sind offenbar keine Akteure, eher Staffage, stummer Hintergrund für the one and only.

Auch auf den neuen Plakaten ist nur Scholz zu sehen. Kom­biniert mit vier Kernforderungen. „Kanzler für Klimaschutz“, dito für sichere Arbeit, bezahlbares Wohnen, stabile Rente. 12 Euro Mindestlohn steht nicht auf den neuen Scholz-Plakaten.

Comeback in den Umfragen

Die SPD war bis vor vier Wochen im Kampf ums ­Kanzleramt fast abgemeldet. Das ist nun anders. In einer Forsa-Umfrage – ein Institut, das die SPD oft schwächer als andere sieht – liegt sie jetzt einen Punkt vor der Union. Das gab es sehr lange nicht: Zuletzt im Februar 2017 lagen beide Parteien mal gleichauf. „Wir erleben viel Zuspruch“ sagt Klingbeil, bemüht, nicht zu auftrumpfend zu klingen.

Die Umfragen sind nicht nur im Bund gut, sondern auch in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin, wo am 26. September auch gewählt wird. In Berlin führt die SPD mit 23 Prozent vor der CDU (19) und den Grünen (17). Noch besser sieht es für Manuela Schwesig in Schwerin aus. Dort würden 36 Prozent ihr Kreuz bei der SPD machen, 17 bei der AfD, 15 bei der CDU.

Union will „Linksruck“ der SPD angreifen

Die Union wirkt angesichts des unerwarteten Aufstiegs der SPD im Bund irritiert. Ralph Brinkhaus, Fraktionschef der Union, gab in einem Interview mit ntv die Richtung vor. Es sei nun ja „eine Linkskoalition möglich – und das mobilisiert unsere Leute“. Im Wahlkampf werde die Union „den Linksruck der SPD“ angreifen. Als Ziele hat die Union Parteichefin Saskia Esken und den Ex-Jusochef Kevin Kühnert ausgemacht.

Allerdings ist der etwas hektisch ausgerufene Lagerwahlkampf gegen links für die Union nicht ungefährlich. Er passt nicht so recht zu dem Mitte-Wahlkampf, für den der gemütliche, nette Konsenskandidat Armin Laschet steht. Eigentlich sollte Laschet mit dem Merkel-Konzept ins Kanzleramt kommen: Keine Angriffsflächen bieten und auch selbst wenig angreifen. Bei dem TV-Triell am Sonntag mit Laschet, Annalena Baerbock und Scholz wird man sehen, ob der CDU-Kandidat versucht, die Rote-Socken-Karte in der direkten Konfrontation gegen Scholz zu spielen.

Klingbeil sieht den sich anbahnenden Anti-links-Wahlkampf der Union gelassen. Das sei „Panik pur“ und zeige nur „den verzweifelten Zustand der Union“.

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