Hass im Fußball und Dietmar Hopp: Absurder Kampf

Schmähungen müssen verfolgt werden. Doch nach eigenen Maßstäben müsste der DFB fortan jedes Spiel abbrechen.

Dietmar Hopp und Karl-Heinz Rumenigge umarmen sich auf dem Spielfeld

Manche sind gleicher als andere, Fußballmäzen Dietmar Hopp (l.) etwa Foto: dpa

Vielleicht wird man irgendwann mal sagen: Dieses Spiel, also das 6:0 der Männer des FC Bayern gegen Hoffenheim, hat uns in 90 Minuten fast alles über den Fußball und unser Wirtschaftssystem erzählt. Nachdem der Multimilliardär und Mäzen Dietmar Hopp auf Fan-Plakaten wieder mal als „Hurensohn“ betitelt worden war, wurde die Partie faktisch abgebrochen.

Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge ging ergriffen mit Hopp Hand in Hand auf den Rasen, und nicht nur die „Sportschau“ stellte einen Bezug zu Hanau her. Es war in gleichem Maße peinlich, entlarvend und erschreckend. DFB, DFL und das Klubpersonal haben dramatisch den Bezug zum realen Leben verloren.

Es hätte wahrlich genug Anlässe gegeben, in der jüngeren Vergangenheit Spiele abzubrechen. Als Jordan Torunarigha rassistisch beleidigt wurde und später weinte, als die Hertha-Junioren wegen rassistischer Beleidigungen nicht mehr weiterspielten, auch am Samstag angesichts des Mobbings gegen den später ebenfalls weinenden Alexander Nübel.

Einen Abbruch aber erhält in 60 Jahren Bundesliga nur Dietmar Hopp, „Premium-Partner“ des DFB, der Beleidigungen gegen seine Person sehr unangenehm mit Rassismus und NS-Zeit in Bezug setzt. Ja, bei Kritik an den Mächtigen (so naiv viele Fans sie vortragen), da hört für den DFB der Spaß auf.

Nichts rechtfertigte den Aufschrei. „Hurensohn“ ist eine Beleidigung, die tausendmal pro Spieltag fällt, gegen Torhüter, Fankurven, Feldspieler. Niemand bekam dafür je einen Abbruch. Warum auch?

Dass Schmähungen jetzt mit Kameras verfolgt werden, ist gegen Rassismus oder Homophobie unbedingt sinnvoll, trägt aber auch Züge eines orwellschen Schreckensszenarios. Einer gefährlichen (auch von links vertretenen) Sehnsucht nach Asepsis, die maßvolle und relativ harmlose Katharsis nicht mehr duldet. DFB und DFL müssten nach eigenem Maßstab von jetzt an jedes Spiel abbrechen. Sie haben damit einen absurden Kampf eröffnet, den sie nur verlieren können.

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Jahrgang 1991, macht für die taz seit 2015 Sport, und das vor allem in Berlin. Wenn sie nicht gerade im Stadion sitzt, schreibt sie auch fürs Reise-Ressort.

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