piwik no script img

EU-Schutzstatus für UkrainerSchutz für Wehrpflichtige wird erschwert

Die EU verlängert zwar den Schutzstatus für ukrainische Geflüchtete um ein Jahr. Nur wehrpflichtige Männer sollen nicht mehr einfach kommen können.

Eric Bonse

Aus Brüssel

Eric Bonse

Die Ankündigung klang harmlos: EU-Innenkommissar Magnus Brunner werde einen längeren Schutz für geflüchtete Ukrainer ankündigen, hieß es in Brüssel. Tatsächlich wird der besondere Schutzstatus, den nur Ukrainer, nicht aber Syrer, Afghanen und andere Flüchtlinge in der EU genießen, um ein weiteres Jahr bis März 2028 verlängert. Allerdings gibt es eine Ausnahme: wehrpflichtige Männer.

Sie sollen sich einem Einsatz im Krieg gegen die russischen Angreifer künftig schwerer entziehen können und nicht mehr so leicht wie bisher Zuflucht in Deutschland oder anderen EU-Staaten finden. 23- bis 60-Jährige, die von der Ukraine keine Ausreiseerlaubnis bekommen, sollen nach einem Vorschlag der EU-Kommission von den vereinfachten Aufnahmeregeln für Flüchtlinge ausgenommen werden.

Man werde künftig ukrainisches Recht anwenden und dafür sorgen, dass die Männer ihren „militärischen Verpflichtungen“ nachkommen, sagte ein EU-Beamter. Dabei flüchten immer mehr Wehrpflichtige – nicht zuletzt, weil sie von den Häschern des Militärs verfolgt werden. Berichte über die „Busifizierung“ – die gewaltsame Rekrutierung – reißen nicht ab, sie sind natürlich auch in Brüssel bekannt.

Doch die EU-Kommission ging darauf mit keinem Wort ein. Auch die Bedenken des Europarates in Straßburg, der nichts mit der EU zu tun hat, wischte sie vom Tisch. Michael O’Flaherty, der beim Europarat für Menschenrechte zuständig ist, hatte noch am Donnerstag vor einer pauschalen Einschränkung der Schutzrechte gewarnt. Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung müsse gewahrt werden.

Die Ukraine mobilisiert 34.000 Mann monatlich

Dies sei jedoch kein Grund für automatische Anerkennung, erklärte der EU-Beamte. Die EU habe den besonderen Schutzstatus für Ukrainer nach der sogenannten Massenzustromrichtlinie selbst geschaffen. Sie könne ihn daher auch verändern. Wie die Umsetzung in der Praxis aussehen soll, blieb jedoch unklar. Brüssel wartet offenbar noch auf Instruktionen aus Kiew, von wo die Initiative ausgegangen war.

EU-Kommissar Brunner sagte, das Thema sei ausführlich mit der ukrainischen Seite besprochen worden. „Unser Vorschlag trägt den sich wandelnden Verteidigungs- und Wiederaufbaubedürfnissen der Ukraine Rechnung.“ Nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj mobilisiert die Armee monatlich bis zu 34.000 Mann. Das reicht jedoch nicht, um die massiven Verluste an der Front auszugleichen.

Deshalb wurde nun der Marschbefehl aus Brüssel fällig. Er könnte sehr schnell kommen. Zwar müssen die EU-Innenminister noch grünes Licht geben. Doch das könnte schon beim nächsten Treffen Anfang Juli erfolgen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat bereits Zustimmung signalisiert. Kanzler Friedrich Merz (CDU) hatte schon 2025 striktere Ausreiseregeln für junge Männer gefordert.

Ukrainische Männer, die bereits in Deutschland und in der EU leben, seien von der Neuregelung nicht betroffen, hieß es in Brüssel. Sie sollen, wie Frauen und Kinder, von der Verlängerung des Schutzstatus bis März 2028 profitieren. Wie es danach weitergeht, ist aber offen. Brunner kündigte ein freiwilliges Rückkehrprogramm an. Denkbar ist aber auch, dass der Schutz 2028 ausläuft.

Derzeit 4,4 Millionen Ukrainer im Schutzprogramm

Die neuen Planungen passen schlecht zu den jüngsten Bemühungen um eine Friedenslösung für die Ukraine. Beim EU-Gipfel vor einer Woche hatte es noch geheißen, dass man sich auf Verhandlungen mit Russland vorbereiten wolle. Nun trifft die EU Vorbereitungen für einen Krieg bis ins Jahr 2028. Außerdem stellt sich Brüssel auf eine längere Zusammenarbeit mit den ukrainischen Wehrbehörden ein.

Die Regierung in Kyjiw fahndet derzeit nach über zwei Millionen Männern, die sie an die Front schicken will. Wie viele zusätzliche Soldaten die neue EU-Regelung bringen soll, ist unklar. Derzeit profitieren rund 4,4 Millionen Ukrainer vom EU-Schutzprogramm. Darunter sind etwa 27 Prozent erwachsene Männer. Deutschland hat seit Kriegsbeginn mehr als 1,1 Millionen Menschen aufgenommen.

Die Fraktion der Linken im Bundestag protestierte gegen die EU-Pläne. Brüssel stelle die Europäische Menschenrechtskonvention infrage, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Clara Bünger. „Das universelle Recht auf Kriegsdienstverweigerung existiert in der Ukraine nicht mehr.“ Nun werde es auch in der EU ausgehöhlt.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

46 Kommentare

 / 
  • Ein "universelles Recht auf Kriegsdienstverweigerung" wie es in dem Artikel proklamiert wird existiert nicht. Weder in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte noch der Genfer Flüchtlingskonvention ist ein solcher Anspruch kodifiziert. Die Vertreter einer solchen Anspruchs berufen sich bestenfalls auf zwei weit auslegbare Beschlüsse der UN Generalversammlung ohne völkerrechtliche Bindungskraft. Jeder Staat hat in Ausübung seiner völkerechtlichen verbrieften Souveränität das Recht von seinen Staatsbürgern die Ableistung eines Wehrdienstes zu verlangen. Auch die Ukraine Wehrpflicht ist kein Asylgrund. Dies wurde auch durch unzählige Gerichtsentscheidungen in den vergangenen Jahrzehnten bestätigt. Eine politische Verfolgung im Sinne der GFK droht niemanden der in der Ukraine sich dem Wehrdienst entzieht. Rechtlich ist diese Frage vollkommen eindeutig und politisch ist es auch absolut nachvollziehbar angesicht der fortwährenden russischen Aggression männlichen ukrainischen Staatsangehörogen die sich eindeutig dem Wehrdienst in der Ukraine entziehen kein fortdauerndes Aufenthaltsrecht in der EU zu geben.

  • Also, wenn man keine intelligente Drohnen verwenden möchte, dann muss mal wohl Menschen einsetzten und vermehrt opfern. Wenn man keine Ukrainer in den Krieg schicken möchte, dann muss man eben irgendwann seine eigenen jungen Männer (und auch Frauen) in den Krieg schicken. Manche Regeln sind im Kriege sehr einfach. Und über die Bürgergeldquote bei Ukrainern im Vergleich zum Ausland mag ich nichts mehr schreiben. Oder doch: Wenn zu befürchten steht, dass die jungen Männer als Soldaten eingesetzt werden, darf man wohl von einer grundsätzlichen Arbeitsfähigkeit ausgehen.

  • Staatsbürger zu sein kommt mir Rechten aber auch Pflichten wenn es um die Verteidigung des Kollektivs geht steht das Recht der Gemeinschaft über dem Recht des Individuums. Im Kriegsfall würde ich auch erwarten das Spanien deutsche Wehrpflichtige nach Deutschland schickt. Wir sind mit der Ukraine verbündet daher it's das ganz normal.

    • @Machiavelli:

      Europa unterstützt die Ukraine massiv, ohne die Gelder aus Europa würde dieser Staat vermutlich nicht mehr existieren, das ist richtig. Deutschland ist aber kein Verbündeter der Ukraine, es existieren keinerlei Verpflichtungen!



      Dem ukrainischen Militär bei seinen Zwangsrekrutierungen zu helfen ist schäbig und unmenschlich!

    • @Machiavelli:

      Allerdings sind die Rechte und Pflichten leider nicht mehr gerecht verteilt. Als Frau wird man von der Bundeswehr nicht erfasst. Besitzt man die deutsche Staatsbürgerschaft nicht, genießt man die Vorteile dieses Landes ohne Wehrpflicht. Das ist alles nicht mehr Zeitgemäß!

      • @Nachtsonne:

        Ich bin absolut dafür Wehrpflicht im kriegsfall auf Frauen und nicht-deutsche menschen mit lebensmittelpunkt in Deutschland auszudehnen. I'm kriegsfall Wer das Land verlassen will verliert dann halt alle finanziellen Ansprüche an den Staat, Wahlrecht oder bei Ausländern das Aufenthaltsrecht für den Rest des Lebens.

  • "Die neuen Planungen passen schlecht zu den jüngsten Bemühungen um eine Friedenslösung für die Ukraine. Beim EU-Gipfel vor einer Woche hatte es noch geheißen, dass man sich auf Verhandlungen mit Russland vorbereiten wolle. Nun trifft die EU Vorbereitungen für einen Krieg bis ins Jahr 2028."



    Im Gegenteil, das passt sehr gut. Russland verhandelt nur - wenn überhaupt - wenn es damit rechnen muss, weiterhin auf Widerstand zu stoßen.

  • Wenn die Ukraine mit geliehenem Geld ausländische Söldner anheuert, während hierzulande ukrainische Wehrpflichtige vom deutschen Sozialstaat unterhalten werden, ist das eine Steilvorlage für die AfD.



    Wenn die Männer schon hier sind, sollen sie wenigstens nach Kräften für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen, sich bei uns einbringen und sich nicht zuletzt durch ihre Steuern an unserer Unterstützung für ihr Heimatland beteiligen.

  • "Man werde künftig ukrainisches Recht anwenden und dafür sorgen, dass die Männer ihren „militärischen Verpflichtungen“ nachkommen"



    Ja was auch sonst?



    Es ist ein Unding, dass das nicht von Anfang an so gehandhabt wurde.



    Wir erwarten ja auch, wenn wir Gesetzesbrecher verfolgen wollen, dass Länder die mit uns zusammenarbeiten, uns diese ausnahmslos ausliefern, damit sie der Justiz zugeführt werden können.



    In der Ukraine herrscht Wehrpflicht. Und die Ukraine befindet sich aktuell im Krieg. Einem Verteidigungskrieg wohlgemerkt. Da ist es die Pflicht, darum heißt es ja Wehrpflicht, sein Heimatland zu verteidigen.



    Wer den Sozialstaat genießen will, muss auch für ihn einstehen.



    Sollte Deutschland militärisch angegriffen werden, wäre es hier nicht anders.



    Und natürlich müsste dann auch hier gedient werden.



    Ein Staat ist keine Einbahnstrasse. Wer sich auf den Staat verlassen will, der muss im Umkehrschluss auch verlässlich für seinen Staat einstehen.

    • @Astrid Sehnefeld:

      Der Umkehrschluss scheitert bereits an den Voraussetzungen. Diese Flüchtlinge verlassen sich insoweit weder auf die Ukraine noch „genießen“ sie deren Sozialstaat, da sie das Land doch bereits verlassen haben. Warum sollen sie auch etwas für eine Gegenleistung erbringen, die sie gar nicht erhalten? Das widerspricht Ihrer Idee von Einbahnstraßen. Auch nach Ihren Maßstäben müsste man die Flüchtlinge vielmehr - im Umkehrschluss - hier gewähren lassen. Sollten die EU-Staaten außerdem danach Iraner ebenso „ausnahmslos ausliefern“? Deren Herkunftsstaat befindet sich ebenfalls in einem Verteidigungskrieg und eine Wehrpflicht gibt es dort genauso. Nach Ihrer Argumentationslogik müsste man mit allen Kriegsflüchtlingen genau so verfahren, was mit weiteren missliebigen Gesetzesbrüchen einherginge und, gerade wenn man zugleich auch noch fremde Rechtsordnungen anwenden möchte, vor allem die reinsten Ordnungshüter unter uns auch mental in Anarchie und Chaos stürzen dürfte, in erster Linie aber verkennt, dass Gesetzesbrüche nicht um der Gesetze willen verfolgt werden, sondern diese auch Zwecke und Folgen haben, die es vorrangig zu beherzigen gilt.

      • @Yes:

        "Diese Flüchtlinge verlassen sich insoweit weder auf die Ukraine noch „genießen“ sie deren Sozialstaat, da sie das Land doch bereits verlassen haben. Warum sollen sie auch etwas für eine Gegenleistung erbringen, die sie gar nicht erhalten?"



        Sie haben bis zum Kriegsausbruch den Staat genossen.



        Gegenseitigkeit geht immer einher mit Dauerhaftigkeit.



        Sonst funktioniert kein System.



        Sie haben Schulbildung, Aufwachsen, Infrastruktur genossen, dann müssen sie diese auch verteidigen.



        Oder anders ausgedrückt: sie verlassen sich ja auch darauf, ihre Rente mal zu kriegen oder im Krankheitsfall operiert zu werden.



        Da kann der Staat auch nicht sagen: "nö, mach ich nicht. Jetzt wo du mir eine Last wirst habe ich kein Interesse mehr an dir."



        Aber die Fahnenflüchtigen sollen dieses Recht haben? Weglaufen wenns nicht mehr zum eigenen Vorteil ist?



        Mit der Einstellung funktioniert kein Staat, kein System und wir würden heute noch in Leibeigenschaft und unter Monarchen leben.



        Freiheit ist teuer, Freiheit kostet zuweilen Blut.



        Leider.

      • @Yes:

        "Diese Flüchtlinge verlassen sich insoweit weder auf die Ukraine noch „genießen“ sie deren Sozialstaat, da sie das Land doch bereits verlassen haben. Warum sollen sie auch etwas für eine Gegenleistung erbringen, die sie gar nicht erhalten?"



        Jetzt bin ich auf die Gegenleistung gespannt, die Sie den Flüchtlingen in Deutschland/Europa abverlangen wollen.

  • "Man werde künftig ukrainisches Recht anwenden und dafür sorgen, dass die Männer ihren „militärischen Verpflichtungen“ nachkommen, sagte ein EU-Beamter."

    Und wie will die EU dafuer sorgen, dass die Maenner gegen ihren Willen an die Front kommen und dort bleiben. also ihren "militaerischen Verpflichtungen" nachkommen?

    • @elektrozwerg:

      Wenn der Beamte es tatsächlich so meinte, wäre das auch unzulässig, leicht angreifbar und könnte sogar zivil‑, disziplinar- und strafrechtliche Risiken bergen. Auf EU-Ebene darf er nicht eigenmächtig fremde Rechtsordnungen vollziehen, sondern muss Unionsrecht anwenden, da dieses die Grundlage für das Handeln der EU‑Organe und deren Bediensteten ist. Wer unbedingt ukrainisches Recht anwenden möchte, sollte lieber in die Dienste der Ukraine treten.

      • @Yes:

        Ukrainer sind keine Europäer.



        Also geographisch natürlich, aber eben nicht EU technisch.



        Insofern ist das EU Recht hierbei völlig piepe.

        • @Astrid Sehnefeld:

          In der EU gilt EU Recht. Oder wenden wir hier künftig auch iranisches Recht auf Iranerinnen an?

      • @Yes:

        Mit der Aussage bezog sich der EU Beamte darauf, das die Ukraine kein Recht auf Kriegsdienstverweigerung im Kriegsfall kennt.

        Es reicht für Auslieferungen EU Recht konsequent anzuwenden. Gemäß EU-Qualifikationsrichtlinie (Richtlinie 2011/95/EU) wird Flüchtlingsschutz für Kriegsdienstverweigerer nur dann gewährt, wenn es sich um völkerrechtswidrige Konflikte handelt oder eine Teilnahme an Kriegsverbrechen droht.

        Gewissensgründe stellen keinen Asylgrund dar.

        Dazu gibt es auch ein Grundsatzurteil vom EuGH.

        Beides trifft auf die Ukraine in der Form nicht zu. Zum völkerrechtskonformen Verteidigungsfall der Ukraine hat der BGH in seinem Urteil über die Auslieferung ukrainischer Kriegsdienstverweigerer bereits Stellung bezogen und koordinierte Kriegsverbrechen mit Vorsatz dürften seitens der Ukraine ebenfalls bezweifelt werden. Was eine gezielte Teilnahme ausschließt.

  • Das "Recht auf Kriegsdienstverweigerung" ist - wie schon andere geschrieben haben, de facto ein "Schönwetterrecht": Es wird gewährt, wenn der Staat meint, es sich leisten zu können, und dann, wenn es eigentlich erst so richtig wichtig wird - also im Krieg - so schnell kassiert, dass man gar nicht hinterherkommt. Erst vor gut einem Jahr hat auch der BGH klar gemacht, in welcher militaristischer Traditiom er steht (mit der eingängigen Formel: "Wir scheißen schlicht aufs Recht, wenn's Not tut!"): verfassungsblog.de...bundesgerichtshof/

    Und die deutschen innerstaatlichen Verhältnisse? Die Wehrpflicht wird kommen, und dann geht man mit denen, die ihr nicht folgen, auch nicht viel glimpflicher um: uris-tkdv.de - wo hunderte von Urteilen gegen Totale Kriegsdienstverweigerer dokumentiert sind (und bestimmt bald neue dokumentiert werden).

    Und das: noch vor einem Krieg. Wenn der erstmal wieder kommt, wird es noch viel düsterer werden. Bereitet Euch drauf vor...

    • @Detlev Beutner:

      "Totale Kriegsdienstverweigerer"



      Link geht bei mir nicht. Was unterscheidet einen 'totalen Kriegsdienstverweigerer' von einem Kriegsdienstverweigerer?

    • @Detlev Beutner:

      Auch das Grundgesetz kennt kein Recht auf Desertion, sondern nur eines auf Verweigerung des Kriegsdienstes mit der Waffe, und dafür muss man Gewissensgründen anführen, also, dass man es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren kann, Menschen zu töten.



      Frontnaher Lazarettdienst (ohne Waffe) ist damit nicht ausgeschlossen.

    • @Detlev Beutner:

      Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung ist in Artikel 4 Abs 3 GG niedergelegt und gilt ohne Einschränkungen, auch im Kriegsfall.

      Voraussetzung dafür ist ein rechtskräftiger Anerkennungsbescheid. Verweigerer können aber im Verteidigungsfall zur zivilen Unterstützung ausserhalb der Bundeswehr gemäß Absatz 1.2 KDVG verpflichtet werden, wie übrigens jeder andere Bürger auch im Kriegsfall herangezogen werden kann, der über nachgefragte Fähigkeiten im Zivilbereich verfügt.

      Auch hat der BGH in seinem Urteil die Ansicht vertreten, dass das Grundrecht welches sich aus Artikel 4 GG ableitet lediglich in Bezug auf den Eintritt in die deutschen Streitkräfte abgefasst ist und ausländische Staatsbürger sich in Deutschland nicht im Falle einer Kriegsdienstverweigerung auf dieses Recht beziehen können.

      Für Auslieferungen hat es aber eine klare Grenze gezogen, indem es in dieser Frage ausschließlich um kriegerische Konflikte geht denen ein völkerrechtlicher Verteidigungsfall zu Grunde liegt und kein Recht auf Kriegsdienstverweigerung existiert.

  • Im Artikel heisst es, dass die Ukraine nach zwei Millionenen Männern fahndet, die sie an die Front schicken will. Das klingt so, als würde sie es gerne tun.



    Was sollte die Ukraine denn nach Meinung des Autors, Herrn Bonse, tun ?

    • @Franz Hofer:

      Gegenfrage: Was sollte der einzelne männliche Ukrainer tun, dem Kriegstod oder Invalidität droht?

      Und wenn der Ukrainer etwas anderes tun will als das, wozu "die Ukraine" ihn bestimmt hat, welches Interesse ist dann höher zu gewichten? Das des Individuums oder das des Staates?

      Ist schon eine prinzipielle Frage. Irritierend finde ich, dass manche Stimmen, die sonst individuelle Schutz- und Freiheitsrechte über alles stellen, in diesem Fall plötzlich ihre Sympathie für den (ukrainischen) Leviathan entdecken.

      • @Kohlrabi:

        Sie wissen aber schon, was WehrPFLICHT bedeutet, oder?



        Es ist absolut verständlich und mWn auch rechtens, dass ein angegriffener Staat für die Zeit des Krieges das Recht auf Kriegsdienstverweigerung aussetzt.

      • @Kohlrabi:

        Was, wenn sich niemand bereitfindet, ihn zu verteidigen?



        Dann muss er es letzten Endes selbst tun.

      • @Kohlrabi:

        "Das des Individuums oder das des Staates?"



        Das des Staates natürlich.



        Keiner hat Lust zu sterben oder versehrt zu werden.



        Aber nochmal, die Ukraine führt keinen Angriffskrieg.



        Ginge es hier um irgendwelche imperialistischen Gelüste, wäre ich auf der Seite der Fahnenflüchtigen.



        Es geht aber um die Verteidigung der Heimat, der Kultur, der Wertegesellschaft.



        Für deren Verteidigung im worst case sterben zu müssen ist auch nicht 'schön', aber notwendig.



        Denn, spinnen wir die Nummer einmal weiter: wenn alle immer weglaufen, dann reißen sich Putin, Xi und Konsorten ein Land nach dem anderen unter den Nagel und irgendwann gibt's dann keine freien Länder mehr in die man flüchten kann...



        Frei nach Thomas Jefferson: "Der Baum der Freiheit muss von Zeit zu Zeit mit dem Blut der Patrioten und der Tyrannen begossen werden. Dies ist der Freiheit natürlicher Dünger."



        Wäre schön wenn wir im 21 Jahrhundert schon weiter wären, ist aber nicht so.



        Deshalb Wehrpflicht. Zurecht. Notwendigerweise.

  • Solange die Ukrainer kämpfen, müssen wir nicht ran, denkt man in Brüssel und opfert die Schwächsten um sich selbst zu schützen. So banal ist die Rechnung.

    • @nutzer:

      Die Schwächsten sind Männer zwischen 23 und 60 ja nun eher nicht.

      Mehr so die Stärksten.

      Zudem ist es ja auch heuchlerisch zu sagen: "Wir finden es super, wie ihr kämpft, und unterstützen euch."

      Und dann wird aber jeder, der sich drückt, mit einem besseren Leben als in der Ukraine belohnt.

      • @rero:

        Der Vergleich ist zwischen individuellen Personen (schwach) zu institutioneller Ebene/ EU (stark).

        Wie würden Sie die Situation als Betroffener beurteilen?



        Stellen Sie sich vor, Sie müssen in den Krieg, zu welchem Urteil kommen Sie dann?

        • @nutzer:

          Stellen Sie sich vor, Ihre Angehörigen wären dort, und niemand wäre bereit, sie zu verteidigen.



          Mal als anderer Gesichtspunkt. Das Leben ist nicht schwarz und weiss.



          Beide Standpunkte verdienen Berücksichtigung.

        • @nutzer:

          In einem Krieg, wie ihn die Ukraine gerade erlebt, also einen Überfall von außen:

          Ich würde nicht weggehen.

          Das ist meine Heimat, meine Familie, meine Nachbarn.

          Ich habe keine andere Heimat.

          Ich weiß, das ist etwas altsozialistisch.

          Ist aber meine private Meinung.

          Ich erwarte nicht, dass sie Norm für alle wird.

          • @rero:

            Sie schreiben: "Ich erwarte nicht, dass sie Norm für alle wird."



            Und heißen es gut, dass die EU Menschen dazu zwingen möchte, an die Front zu gehen. Genau das sagen Sie, wenn Sie sagen: "Und dann wird aber jeder, der sich drückt, mit einem besseren Leben als in der Ukraine belohnt."



            Ich sehe da einen Widerspruch.

            • @nutzer:

              Da besteht kein Widerspruch. Vielmehr gehen Sie von einer falschen Ausgangsthese aus: Die EU zwingt niemanden, an die Front zu gehen.

              • @Katharina Reichenhall:

                Nein, stimmt, die EU zwingt nur Menschen zurück in die Ukraine zu gehen, wenn sie wehrfähig sind. Es ist die Ukraine, die die Menschen dann zur Front bringt.



                Das ist etwas anderes, stimmt.

            • @nutzer:

              Für mich ist ein wesentlicher Punkt: Ich möchte nicht im Faschismus leben.

              Geht für mich nicht. Punkt.

              Das mögen andere anders sehen.

              Daraus folgt dann logischerweise auch ein anderes Verhalten.

              Es gibt ja schon zwei Parteien im Bundestag, die in Teilen damit nicht allzu große Probleme hätten.

              Die dritte Partei würde gerne rein.

            • @nutzer:

              Ich heiße da gar nichts gut.

              Man kann das von zwei Seiten sehen und beide Seiten sind moralisch vertretbar.

              Ich fand Ihren Kommentar nur genau deshalb unterkomplex.

              Das verleitete mich dazu zu antworten.

              Ich erwarte nicht, dass die EU meine Position teilt oder umsetzt.

          • @rero:

            Ihre unmittelbare Umgebung müssten Sie aber schon verlassen, denn Sie müssten dann ja an die Front (oder halt ins Gefängnis).

            • @Yes:

              Das ist nun aber schon haarspalterisch. Natürlich verteidigt nicht jeder nur sein eigenes Grundstück.

            • @Yes:

              Wir reden hier von einem Krieg, wo die Front zu einem kommt.

              Ich wohne rund 80 km hinter der Grenze.

              Ich befürchte, da muss ich meine Heimat nicht verlassen.

              Da schicke ich eher meine Familie Richtung Westen von der Front weg.

  • Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung ist leider überhaupt nicht universell.



    Es ist ein Luxus für Friedenszeiten und weitgehend sichere Umgebungen, und sobald ein Land angegriffen wird, wird es dort als erstes gestrichen.

    • @nihilist:

      Stimmt.



      Nicht einmal das Grundgesetz kennt ein Recht darauf, einfach abzuhauen.



      Wer es aus Gewissensgründen ablehnt zu töten, darf lediglich den Dienst *mit der Waffe* verweigern.

  • Die Fraktion der Linken findet bei Eric Bonse natürlich immer Gehör. Die anderen Fraktionen interessieren ihn nicht. Einmal mehr. So kann man Journalismus natürlich auch verstehen.

    Immerhin das Wichtigste steht im Artikel, der Bestandsschutz. Denn einige junge Männer aus der Ukraine studieren inzwischen in Deutschland, darunter auch welche aus meinem Freundeskreis.

    Entwarnung? Keineswegs. Ich schließe aus der Aussage des EU-Beamten, dass die EU jederzeit den selbstgeschaffenen Schutzstatus ändern kann. Bei allem Verständnis für die Einschränkung - Rechtssicherheit hört sich anders an.

  • Habe mal gegoogelt: "In den folgenden EU-Ländern wurden die meisten Personen aus der Ukraine, die vorübergehenden Schutz genießen, aufgenommen: Deutschland (1 235 960 Personen)", also nicht 1.1 Millionen wie im Artikel gesagt



    Aber egal. Man könnte sagen dass Deutschland dadurch dass es den wehrfähigen ukrainischen Männern Schutz gewährt, den Russen hilft (?). Auf der anderen Seite kann man natürlich die Männer die keine Lust haben für das Regime Selenski zu sterben verstehen. Ich würde mich auch abetzen. Die Verlustrate an der Front spricht auch für sich.



    Die EU scheint einzusehen dass die militärische Lage in der UA nicht einfach ist, und sich verschlechtert, obwohl die Medien das Gegenteil schreiben. Viele Leute können es sich nicht leisten für den Fall der Fälle eine Villa für 4Mio in Italien zu kaufen wie die Frau des ukrainischen Verteidigungsministers letzthin. Ich nehme also an dass sich die Zahl der Schutzsuchenden im wehrfähigen Alter aus der UA in den nächsten Tagen deutlich erhöhen wird.

    • @Gerald Müller:

      Warum sprechen Sie von einem "Regime Selenski"? Was möchten Sie damit suggerieren?



      Im Übrigen sterben die Männer nicht für das "Regime Selenski" sondern für die Verteidigung ihres Heimatlandes, das vom aggressiven und imperialistischen Nachbarn Russland überfallen wurde und zerstört werden soll.

    • @Gerald Müller:

      Spinnen wir den Faden mal weiter:



      Nehmen wir an, die Ukraine bräche zusammen und Putin zieht weiter nach Westen.



      Welchem jungen Deutschen wollen Sie vermitteln, dass er sich notfalls opfern soll, um wehrfähige Ukrainer zu beschützen?

    • @Gerald Müller:

      "und sich verschlechtert, obwohl die Medien das Gegenteil schreiben."

      Woher nehmen Sie diese Information?

      Putins Vermögen wächst auch, während in ganz Russland Notstand ausgerufen wird wegen Kraftstoffmangel.

      "Russischen Arbeitern werden hohe Prämien versprochen, Gefangenen die Freiheit, Ausländern ein schneller Pass: So füllt Moskau seine Reihen für den Ukrainekrieg. Experten warnen jedoch, die Rekrutierung sei angesichts der schwächelnden Wirtschaft „extrem kostspielig“."

      de.euronews.com/20...ne-migranten-krieg

      Nur exemplarisch. Kann man quasi überall schon eine ganze Zeit nachlesen.

      Niemand sagt, die Ukraine sei perfekt (Korruption) aber wenn die Ukraine von russland besetzt ist, was Russlands erklärtes Ziel ist, wird es nur schlimmer werden. Dann kämpfen wir demnächst gegen Ukrainer im Baltikum die dann von Russland an die Front gezwungen werden.