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EU-Regeln für GentechnikMonsanto freut sich

Kommentar von

Jost Maurin

Das neue EU-Gentechnik-Recht wird zu mehr patentierten Pflanzen führen. Das kann die Anpassung an den Klimawandel bremsen und Lebensmittel verteuern.

D ie Lockerung der EU-Regeln für Gentechnik-Pflanzen könnte Lebensmittel verteuern. Und dazu führen, dass mittelständische Züchter zum Beispiel Weizen wegen Patentbarrieren langsamer an den Klimawandel anpassen. Denn die nun laxeren Zulassungsvorschriften werden eine Welle von gentechnisch veränderten Pflanzen auf dem Markt verursachen.

Die gelten im Gegensatz zu Sorten aus herkömmlicher Züchtung als technische Erfindung. Deshalb können sie besonders leicht patentiert werden. Dieses Saatgut dürfen Züchter aber nur mit Erlaubnis der Schutzrechteinhaber weiterentwickeln. Da sich mit der neuen Gentechnik auch natürlich vorkommende Gene nachbauen lassen, könnten sogar herkömmliche Pflanzen vom Patentschutz erfasst werden. All das hemmt den Züchtungsfortschritt.

Saatgut-Multis argumentieren, nur mithilfe von Patenten könnten sie Innovationen finanzieren. In Wirklichkeit bekommen Züchter in Europa „Nachbaugebühren“ von Bauern, die ihr Saatgut aussäen. Dieses Sortenschutzrecht hat sich seit Jahrzehnten bewährt. Es sieht aber eine wichtige Ausnahme vor: Züchter dürfen geschützte Pflanzen für ihre Züchtungsarbeit nutzen – ohne dass sie dafür eine Genehmigung des Sortenschutzinhabers einholen und Gebühren zahlen müssen. Genau dieses „Züchterprivileg“ fehlt im Patentrecht.

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Deshalb tragen Patente auf Saatgut auch dazu bei, dass sowieso schon mächtige Konzerne wie Bayer/Monsanto noch mehr Macht über die Lebensmittelerzeugung erlangen. Weniger Konkurrenz kann jedoch langfristig zu höheren Preisen beitragen.

Leider hat das EU-Parlament unter Führung der Christdemokraten am Mittwoch alle Änderungsanträge abgewiesen, die die Patentierbarkeit eingeschränkt hätten. Stattdessen setzt die Europäische Union auf einen freiwilligen Verhaltenskodex für die Konzerne. Sie sollen ihre kleineren Konkurrenten bitte fair behandeln, wenn sie um Nutzungsrechte bitten. Das klingt lächerlich – und das ist es auch.

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Jost Maurin Redakteur für Wirtschaft und Umwelt

Jahrgang 1974. Er schreibt vor allem zu Ernährungsfragen – etwa über Agrarpolitik, Gentechnik und die Lebensmittelindustrie. 2026 nominiert für den Wächterpreis. Journalistenpreis "Faire Milch" 2024 des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter. 2018, 2017 und 2014 gewann er den Preis "Grüne Reportage" des Verbands Deutscher Agrarjournalisten. 2015 "Bester Zweiter" beim Deutschen Journalistenpreis. 2025 nominiert für den Deutschen Journalistenpreis, 2022 nominiert für den Deutschen Reporter:innen-Preis (Essay "Mein Krieg mit der Waffe"), 2013 für den "Langen Atem". Bevor er zur taz kam, war er Redakteur bei der Nachrichtenagentur Reuters und Volontär bei der Süddeutschen Zeitung.
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21 Kommentare

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  • So, liebe idealistische Hobby-Genetiker des Globus, Crispr-Scheren an, alles durchprobieren, durchpatentieren und dann auf Open-Source stellen. Oder auf Eigentlich-Nicht-Nutzung.

    Bevor es amerikanische oder pseudoamerikanische Firmen für sich machen.

    Das Argument der Gentechnikfreunde ist ja, dass die Änderungen inzwischen so klein seien, dass sie mit natürlichen Mutationen vergleichbar seien. Dann sollte es aber nicht patentierbar sein.

  • Alles richtig, nur der zweite Satz sollte ein wenig geändert werden "Das wird die Anpassung an den Klimawandel bremsen und Lebensmittel verteuern"

  • Lebensmittel durch Gentechnik teurer? Seltsame Logik. Sollte eher umgekehrt sein, nämlich billiger durch Gentechnik.

    Grund: Niemand ist gezwungen gentechnisch veränderte Pflanzen anzubauen. Sollten die konventionell gezüchteten Pflanzen ab Hof (bei gleicher Qualität!) billiger sein als die genetisch veränderten, dann wird der Handel gerne die billigeren konventionellen kaufen und an den Verbraucher weiterreichen.

  • Ich halte es für eventuell vielleicht unter Umständen denkbar, dass es



    Menschen gibt, bei denen Monsanto sich bedankt und die sich dadurch auch freuen.

  • Haben "freiwillige Verhaltenskodexe" sich schon jemals positiv auf die Verbraucher ausgewirkt?



    Patente auf Pflanzen sind widersinnig, warum nur muss man dies den lobbyverseuchten "christlichen" Parteien" erklären?

    • @nepp:

      Patente auf Pflanzen sind klar widersinnig, allerdings nicht wenn man die Absicht dahinter beleuchtet: das bringt unglaublich viel Profit, denn jeder, der solche Pflanzen nutzen will, muss dafür bezahlen. So einfach ist das. In den Entwicklungsländern sorgt dieses System für Armut und Hunger und - kurbelt die Flüchtlingsraten mit an, über die wir uns dann wieder herrlich aufregen können...

  • WARUM sollten dadurch die Lebensmittel teurer werden ? Es hat noch nie interessiert wie hoch die Kosten für die Erzeuger, die Landwirte sind. Getreidepreise sind das Ergebnis von Internationalen Spekulationen an den Börsen, denen ist es völlig egal ob jetzt ein Landwirt kostendeckend entlohnt wird, Gewinn oder Verlust macht. 13 % von Verkaufspreis je kg Brot und 5 % je Semmel bekommt der Landwirt, wenn jetzt also Preise für Backwaren steigen dann nur weil der Handel seine Gewinnspanne immer weiter in die höhe schraubt.

    • @Günter Witte:

      Diese Frage ist längst beantwortet, es sei denn, man denkt nur an sich selbst. Weltweit liegen schon sehr viele Produzenten an der Kette von Saatgut-, Dünger und Pflanzenschutzmonopolisten. Selbstversorgung soll überall weitgehend unterbunden werden, damit wir als Ausbeutungsobjekte funktionieren und den Fantasiepreisen der Monopolisten nicht entkommen können, wenn erst einmal alle Alternativen vernichtet sein werden. Wir sollten nach Kräften einheimische Erzeuger, Bioanbau und traditionelle Lebnensmittelerzeugung unterstützen, wenn wir nicht bald nur noch für teures Geld den Dreck fressen wollen, den uns die Konzerne vorwerfen, während die Reise immer schneller in Richtung industrielle Erzeugung und Umweltzerstörung geht.

      • @Christine_Winterabend:

        Danke für diesen Kommentar. Das unterschreibe ich sofort.

      • @Christine_Winterabend:

        Saatgut-, Dünger und Pflanzenschutzmonopolisten sind ja nur die eine Seite der Münze, die andere Seite ist der Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Es ist NUR der Handel der davon profitiert wenn Gen-Veränderungen nicht mehr gekennzeichnet werden müssen, so kann er Weltweit jeden Schrott, zu billigsten Preisen, zusammenkaufen und somit noch viel mehr Druck auf die letzte ehrlichen Erzeuger ausüben. Das jeder Besitzer der großen Handelsketten zu denn aller reichsten Deutschen gehört kommt ja nicht von ungefähr.

  • Es ist ein fassungslos machendes Meisterstück der Lobbyarbeit: Unter dem Deckmantel von „Bürokratieabbau“ und „Modernisierung“ ebnet die EU-Saatgutgesetzgebung den Weg für die endgültige Monopolisierung unserer Lebensgrundlagen. Konzerne wie Bayer-Monsanto, Corteva und Syngenta reiben sich die Hände. Was hier exekutiert wird, ist nichts Geringeres als die schleichende Enteignung von Landwirten und Gärtnern, die seit Generationen traditionelles, freies Saatgut vermehren und tauschen.



    ​Wer die Vielfalt auf den Feldern durch absurde Zertifizierungshürden und Patente im Würgegriff weniger Agrochemie-Riesen erstickt, gefährdet vorsätzlich unsere Ernährungssicherheit und die Biodiversität. Die EU degradiert die Natur zur konzerneigenen Software, für die künftig Lizenzgebühren fällig werden. Dass demokratisch gewählte Politiker vor dieser skrupellosen Marktkonzentration kapitulieren, ist ein Skandal. Wenn Patente und Profitgier wichtiger werden als evolutionäres Kulturgut, ist das kein Fortschritt, sondern moderner Feudalismus im Laborkittel.

  • Das kann man so oder so sehen.



    Wie kann man 10 Milliarden Menschen in Zeiten des Klimawandels und der Energiekrise ernähren? Durch den deutschen Sonderweg eines hoch subventionierten Biomarktes, der auf Methoden von vorgestern setzt und Erträge halbiert und unsicher macht oder durch moderne Züchtung/Gentechnik?

    • @Otto Mohl:

      Das Einzigartige an der grünen Gentechnik ist, dass ihre Lobbyisten seit Jahrzehnten das Blaue vom Himmel herunter versprechen, und nicht liefern.



      Selbst der immer wieder gern genommene goldene Reis löst das Problem der Mangelernährung nicht. Das Ganze hat weitestgehend die gleiche Substanz wie die Kernfusion.

    • @Otto Mohl:

      Warum denn ENTWEDER ODER? Resilienz entsteht doch durch Vielfalt. Ich empfinde Ihren Beitrag als im schlechte Sinne Lobby-getrieben bzw. monopolkapitalistisch-planwirtschaftlichen.



      Eine Nummer kleiner könnte man es wie der Kölner sagen: Man muss auch gönne könne.

    • Jost Maurin , Autor des Artikels, Redakteur für Wirtschaft und Umwelt

      @Otto Mohl:

      Jahrzehntelange Erfahrung mit Agro-Gentechnik hat gezeigt, dass sie eben nicht nötig ist, um den Planeten zu ernähren. Klassische Züchtung ist viel weiter.

      • @Jost Maurin:

        Steile These, dafür hätte ich gerne mal ein konkretes Beispiel. Besonders für den letzten Satz.

      • @Jost Maurin:

        "Klassische Züchtung" macht heute etwas ziemlich ähnliches wie CRISP/R. Nur nicht so gezielt. Es werden Mutagene eingesetzt, um Mutationen zu erzeugen. Man macht das u.a. mit radioaktiver Bestrahlung. Keine Ahnung, was daran so viel besser sein soll.

    • @Otto Mohl:

      Die Produktion der großen Agrarkonzerne ist mindestens genau so subventioniert. Und mit den Patenten werden die Preise weiter steigen. Hier geht es nur um Gewinnmaximierung. Nicht um die Ernährung der Menschheit.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Biobauern bekommen das doppelte an Subventionen pro Fläche und ernten nur die Hälfte pro Fläche, wie ihre konventionellen Kollegen. Diese Produkte sind auch weder besser für die Natur (eben weil die doppelte Fläche gebraucht wird, die man ansonsten auch gezielt für die Natur bereitstellen könnte) noch gesünder. Und trotz der hohen Subventionen bleibt es ein teureres Produkt für Besserverdienende und sich Besserfühlende.

  • Lebensverachtend wie so oft. Trotz tausender Emails an die "Christsozialen" EU-Politiker kein Einsehen. Das Bauernsterben auch in unserem Land geht weiter, mit besonderer Hilfe der CSDU im EU-Parlament. Auch sie werden noch verstehen, dass sie Patent-Geld nicht essen können.



    Wir sichern uns schon mal die sauberen Samen, die zukünftig noch mehr Wert haben werden als alle Monsantokörner zusammen.

  • "Stattdessen setzt die Europäische Union auf einen freiwilligen Verhaltenskodex für die Konzerne. "

    Es ist nur noch zum heulen...