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Beschluss des EU-ParlamentsViele Gentechnik-Lebensmittel bald ohne Kennzeichnung

Zahlreiche Gentechnik-Pflanzen müssen künftig nicht mehr erkennbar gemacht werden. Risikotests fallen weg. Das beschloss das EU-Parlament endgültig.

Ab 2028 muss auf konventionellen Lebensmitteln in der EU nicht mehr stehen, ob sie bestimmte Pflanzen der neuen Gentechnik enthalten. Solche Pflanzen sollen auch nicht mehr auf Gesundheits- und Umweltrisiken geprüft werden. Das hat das EU-Parlament in Straßburg am Mittwoch endgültig beschlossen. Dabei lehnte es Änderungsanträge ab, die die Möglichkeit der Patentierung von Pflanzen eingeschränkt hätten.

Die gelockerten Regeln sollen der Gentechnik zum Durchbruch verhelfen. Die EU lässt zwar schon lange zahlreiche Gentech-Pflanzen zum Import zu, eine Mais-Sorte auch zum Anbau, aber diese werden fast nur als Futtermittel benutzt. Denn die Verbraucher haben sie in Umfragen mehrheitlich abgelehnt.

Die Befürworter versprechen sich von der Technik zum Beispiel mehr Getreide, das besser mit der Klimakrise klarkommt. Möglich seien auch Innovationen wie allergenfreie Erdnüsse oder Mais, der dank kürzerer Halme bei Wind nicht so leicht umknickt.

Umweltschützer bezweifeln solche Versprechen und kritisieren, dass die Verbraucher sich ohne Kennzeichnung nicht mehr gegen Gentechnik-Pflanzen entscheiden könnten. Außerdem könnten Saatgutkonzerne ihre Macht ausweiten, wenn Gentech-Pflanzen patentierbar sind. Kritiker befürchten zudem steigende Lebensmittelpreise. Patentiertes Saatgut dürfen Züchter nur mit Erlaubnis der Schutzrechteinhaber weiterentwickeln. Das könnte den Züchtungsfortschritt hemmen, sodass Pflanzen langsamer an den Klimawandel angepasst werden. Gegner warnen, viele dieser Patente würden sogar konventionelle Sorten erfassen.

Patentierbarkeit nicht eingeschränkt

Doch die Abgeordneten lehnten sogar einen vergleichsweise gemäßigten Antrag ab, wonach zumindest Pflanzen nicht patentiert werden dürfen, die aus konventioneller Züchtung stammen oder stammen könnten. Stattdessen sieht die neue Verordnung einen Verhaltenskodex für eine faire Lizenzerteilung und mehr Rechtssicherheit für Züchter vor, der aber nur freiwillig ist.

Damit kamen die Parlamentarier Forderungen der Chemieindustrie nach, die Patente für nötig erachtet, damit sie die Entwicklung neuer Pflanzen finanzieren kann. Allerdings gibt es in Europa bereits ein Sortenschutzrecht mit Lizenzgebühren, das aber anders als das Patentrecht Ausnahmen für Züchter vorsieht.

Die Kennzeichnungs- und Risikoprüfungspflicht soll dem Beschluss zufolge für alle Gentech-Pflanzen der „Kategorie 1“ fallen. Diese werden durch Methoden wie die Genschere Crispr erzeugt und könnten theoretisch auch auf natürliche Weise oder durch herkömmliche Züchtung entstehen. Das Erbgut darf an höchstens 20 Stellen gezielt verändert worden sein.

Lediglich Saatgut soll noch speziell deklariert werden. Für Pflanzen, die dank Gentechnik resistent gegen Unkrautvernichtungsmittel oder giftig für Insekten sind, sollen weiter die alten, strengeren Regeln der „Kategorie 2“ gelten. Diese Ausnahme begründet die EU mit dem höheren Pestizideinsatz bei solchen Pflanzen beziehungsweise Schäden für nützliche Insekten wie Bestäuber.

In der Biolandwirtschaft wären weiterhin alle Gentechnik-Pflanzen verboten. Technisch unvermeidbare Verunreinigungen von Ökolebensmitteln sollen aber nicht zur Aberkennung des Biosiegels führen.

Vergeblicher Appell des Bauernverbands

Noch wenige Stunden vor der Abstimmung hatte der Deutsche Bauernverband gemeinsam mit dem Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft Abgeordnete aus der Bundesrepublik in einem Schreiben aufgefordert, für Änderungsanträge in der Patentfrage zu stimmen. Doch diese Anträge hätten „den Deal gekillt“, wie die Verhandlungsführerin des Parlaments, die schwedische Christdemokratin Jessica Polfjärd, in der Sitzung sagte. Die EU-Institutionen hätten noch einmal verhandeln müssen. Am Ende war für die Mehrheit, zu der neben Polfjärds Europäischer Volkspartei zum Beispiel auch die EU-kritische, rechtskonservative ECR-Fraktion zählt, wohl wichtiger, dass die Gentechnik-Reform in Kraft tritt. Zu den Gegnern gehörten beispielsweise Grüne, Linke und Sozialdemokraten.

Die Verhandlungsführer des EU-Parlaments und der EU-Staaten hatten sich im Dezember auf den Entwurf geeinigt. Der Rat billigte diesen Kompromiss bereits im April.

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9 Kommentare

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  • Der heutige, leider nicht kommentierbare Bericht über "unseren" Agrarminister und den Umgang mit Überwachung auf Schlachthöfen ist ein weiterer Mosaikstein in der Darstellung der Politik (als gehorsamer Handlanger der Wirtschaft) in Sachen Mensch und Umwelt.

    • @Erfahrungssammler:

      Anderswo werden solche Praktiken als "Korruption" bezeichnet. Hier ist das " Bemühen um die Wirtschaft und Wohlstand". Was kann es Besseres geben für Lobbyisten, als ein Ministerium gleich mit eigenen Leuten zu besetzen? Wirtschaft, Landwirtschaft, Gesundheit sind ein paar Beispiele.

  • Seit Jahren verteidige ich die EU wo immer es mir möglich ist. Die Idee eines geeinten Europas im Interesse der hier lebenden Menschen ist und bleibt ein unglaublich gutes Projekt. Doch meine Zuversicht, mein Optimismus schwindet rapide. Leider muss man konstatieren, dass die EU keineswegs (mehr) die Interessen der Bevölkerung im Visier hat, sondern primär die Profite der Wirtschaft - auf Kosten der Gesundheit und der Unbeschwertheit der Europäer*innen. Sogar das Parlament wird zum Spielball der ökonomischen Interessen und zum Durchführungsgehilfen der rechten Interessen, auch rechtsextremer Parteien. Williger Helfer ist die EVP / Weber, die zielstrebig nur ihre eigenen Ideologien durchzusetzen sucht. Das ist bei der Migrationspolitik zu sehen und natürlich auch bei dem o.a. Thema. Mein Optimismus hat sich ins Gegenteil verwandelt.

    • @Perkele:

      Ob bei Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie, Kosmetik, Verpackungen, Verkehr, Lärm, Tourismus, Energie - die Giftmüllindustrie hat den größten Lobbyisten klar auf ihrer Seite: Die EU!!

  • Wann beantworten die Chemie- und Lebensmittel-Konzerne die Frage, ob die verwendeten Inhaltsstoffe zur Zunahme der Autoimmunerkrankungen führen?



    Ist klar - nie!



    Besser situierte Menschen werden auf 100% Bio umsteigen und der Rest wird dann den krankmachenden Müll "fressen".



    Danke EU - bei solchen unaufgewogenen Entscheidungen, die die USA und Südamerika begünstigen, kann man wirklich in Zweifel bekommen. Offenbar haben sich die Lobby-Ausgaben der Chemie-Wirtschaft gelohnt.

    • @Hatespeech_is_not_an_opinion:

      Mit Schweigen zu dieser Frage beachten die Chemie- und Lebensmittelkonzerne wenigstens einmal das achte Gebot: Du sollst nicht lügen!



      Aber das eine Mal spiel auch keine Rolle mehr....

  • Da hat die Evolution über hunderte von Millionen Jahren genetische Zusammenhangsspektren entwickelt. Ganze Ökosysteme und feinste Vernetzungen, in denen weitestgehend alles im Gleichgewicht ist.







    Und dann kommt der Mensch in seiner Gier und mit seinem Halbwissen und denkt er könnte alles besser..







    ..na dann: toi toi toi...

  • Diese Entscheidung ist ein Skandal! Gentechnikveränderte Pflanzen gelangen durch Wind und Tiere überall hin. Das ist dann nicht mehr zu stoppen. Und wir Verbraucher*innen sollen in Zukunft keine Info mehr darüber bekommen, wo Gentechnik drin ist und wo nicht. Damit werden wir (für dumm) verkauft. Die einzige Möglichkeit: Ein europäischer Bürgerentscheid!

  • "Allerdings gibt es in Europa bereits ein Sortenschutzrecht mit Lizenzgebühren, das aber anders als das Patentrecht Ausnahmen für Züchter vorsieht." Das stimmt zwar, gilt aber eben nur für Sorten. Wenn man eine etablierte Sorte zum Beispiel krankheitsresistenter macht, ist das keine neue Sorte und kann deshalb auch nicht geschützt werden. Der Sortenschutz greift hier also nicht.