piwik no script img

Diskriminierung im FreibadKein Deutsch, kein Eintritt? Der Leiter gerät ins Schwimmen

Ins Heidebad in Halle sollen nur Menschen eingelassen werden, die Deutsch sprechen. Der Leiter sagt, die Regel gebe es nicht. Die Wahrheit liegt dazwischen.

Aus Halle

Johanna Pichler

Am Eingang des Heidebads in Halle deutet nichts darauf hin, dass die Fähigkeit, sich auf Deutsch zu verständigen, zur Eintrittsvoraussetzung werden könnte. Auch nachdem ich an der Kasse mit dem grammatikalisch unvollständigen Satz „Einmal Student bitte“ erscheine, werden meine Deutschkenntnisse nicht weiter getestet. „Ach, das glaub’ ich dir auch so“, sagt die Frau am Einlass freundlich, während ich meinen Studierendenausweis in die Luft halte. Ob dieses kurze Gespräch schon entscheidend dafür ist, ob ich hereingelassen werde? „Kein Deutsch = kein Eintritt ins Heidebad in Halle.“ Diese Schlagzeile geht seit Sonntagabend durch sämtliche Medien. Als Grund nennt das Heidebad: Sicherheit.

An diesem Montagnachmittag ist das Heidebad nicht gerade überfüllt. Trotzdem tummeln sich im Nichtschwimmerbereich einige Kinder mit ihren Eltern im Wasser. Am Rande des Sees ist ein großes Schild angebracht. Auf dem steht: „Sicherheit ist uns wichtig.“ Daneben ein Hinweistext über den Nichtschwimmerbereich – nur in Teilen lesbar, weil ein Ast mit Blättern darüber hängt. Am Ufer stehen aber weitere Schilder. Auf ihnen steht: „Achtung. Nur für Schwimmer. Steile Uferhänge. 10 m Wassertiefe. Baden/Schwimmen auf eigene Gefahr.“

„Generell hab ich keine neue Regel eingeführt. Ich setze lediglich die aktuelle Haus- und Badeordnung besser durch, weil es regelmäßig zu Verstößen kommt.“ Mathias Nobel ist der Geschäftsführer des Heidebads und gibt an diesem Tag fleißig Interviews – auch der taz. Bereits am Eingang soll überprüft werden, ob die Badeordnung durchgesetzt werden kann. „Wenn es da scheitert, müssen wir diese Konsequenz ziehen und sagen: Ihr könnt nicht eintreten“, sagt er.

Empfohlener externer Inhalt

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob Sie dieses Element auch sehen wollen:

Kein Deutsch kein Eintritt?

Ein rosa Gebäude vor Bäumen, darauf steht „Heidebad“. Text: Kein Deutsch, kein Eintritt?

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung

Auf Instagram gibt es viel Gegenwind. Viele Menschen fordern unter einem Post des Heidebads die Einführung mehrsprachiger Hinweise oder Piktogramme, um für mehr Sicherheit am Badestrand zu sorgen – Methoden, die nicht strukturell Menschengruppen ausschließen. Auch Michael Keil hält das für eine bessere Lösung. Er besucht das Heidebad heute, weil hier der Kindergeburtstag seiner Tochter stattfindet. Trotzdem versteht er die Sicherheitsbedenken des Geschäftsführers. „Wenn es wirklich um die Sicherheit geht, dann finde ich das auch gut. Aber da gibt es auch andere Lösungen. Von daher hat das natürlich ein Geschmäckle“, sagt er.

Nicht alle Be­su­che­r*in­nen sehen die neue Regel kritisch. Eine ältere Frau im grauen Oberteil und schwarzer Sonnenbrille, die anonym bleiben möchte, hat von der Debatte bislang nichts mitbekommen. Wer hierherkomme, sei ihr grundsätzlich egal, sagt sie. Wenn Kinder gefährdet seien, könne sie die strengere Praxis aber nachvollziehen. „Dafür muss man Deutsch sprechen können. Wenn das Kind am Ertrinken ist und Eltern nicht anständig nach Hilfe rufen können. Für mich werden im Urlaub ja auch nicht extra Schilder hingestellt“, sagt sie.

„Wir beschäftigen sogar Ausländer“

Aber was ist eigentlich mit Menschen, die gehörlos oder sehbehindert sind – kann es da nicht auch zu „Kommunikationsproblemen“ kommen? „Wir arbeiten aktiv mit der Lebenshilfe oder mit der Kirche zusammen. Da gibt es kein Kommunikationsproblem, weil wir allen irgendwie immer signalisieren können, es wird sich an die Regeln gehalten“, sagt Mathias Nobel. „Es geht ausschließlich um Menschen, die sich an keine Regeln halten.“

Doch warum betrifft die Regel dann nur Menschen, die nicht ausreichend Deutsch sprechen? „Weil es zufällig gerade eine Gruppe ist, die mich nicht versteht. Ein Deutscher, der hier ist, den ermahne ich dreimal. Auch da gibt es Fälle, wo ich sage: Bitte verlasse das Bad jetzt, das funktioniert so nicht. Aber das ist im ganz seltenen Fall, dass wir da auf eine Gegenwehr stoßen“, antwortet er darauf. Rassismusvorwürfe weist er strikt ab. „Ich bin sehr ausländerfreundlich. Man sieht es jeden Tag im Heidebad. Wir haben einen großen Ausländeranteil vertreten, beschäftigen sogar Ausländer.“

Eine richtige Sprachprüfung am Eingang gebe es nicht. Bei Familien mit kleinen Kindern fragt der Geschäftsführer aber die Eltern nach dem Alter der Kinder. „Wenn da keine Antwort kommt, frage ich erneut nach. Entweder man kann sich irgendwie verständigen und man sieht, die haben Schwimmhilfen mit und wir können irgendwie sprechen mit Händen und Füßen. Es gibt aber auch das Gegenteil.“

Und wenn ich als erwachsene Person reingehe, ohne Kind – werde ich dann gefragt, welche Sprache ich spreche? „Nein, alles Falschaussagen, alles falsch. Ich habe gesagt: Leute, die unsere Hausordnung nicht akzeptieren oder nicht verstehen wollen, die kann ich nicht mehr reinlassen. Wir hatten heute erst den Fall, wo Ausländer da waren und ganz normal auch ohne Deutschkenntnisse natürlich das Bad betreten können.“

Zwei junge Männer gehen aus dem Wasser, sie unterhalten sich auf Arabisch. Sie setzen sich zu einer weiteren Person auf die Liegestühle, die hier im Heidebad aufgestellt sind. Mohamad Zialom ist gerade zu Besuch in Halle bei Freunden. Die drei kommen aus Syrien, wobei Mohamad schon lange in Deutschland lebt und fließend Deutsch spricht. Seine Freunde sprechen kein Deutsch. Von der Regel haben sie nichts mitbekommen. Seinen beiden Freunden übersetzt er während unseres Gesprächs auf Arabisch. Sie sind schon zum dritten Mal im Heidebad – ob sie Deutsch sprechen, wurden sie hier noch nie gefragt. Dass Sprache nun zum Sicherheitsargument wird, hält Mohamad für den falschen Ansatz. „Für die Sicherheit wäre es besser, wenn überall Schilder in mehreren Sprachen stehen würden.“

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema
Fotomontage eines wochentaz-Titels und dem Buchcover „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit

10 Wochen taz + Sachbuch „Autoritäre Rebellion“

Zeiten wie diese brauchen Seiten wie diese: unabhängig, konzernfrei und mit klarer Kante gegen Faschismus, Rassismus und Rechtsruck. Teste jetzt die taz und erhalte das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Rechtsextremismus-Experten Andreas Speit als Prämie.

  • Das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit als Prämie
  • Die wochentaz jeden Samstag frei Haus + digital in der App
  • Die tägliche taz von Mo-Fr digital in der App
  • Zusammen für nur 28 Euro

10 Wochen taz + Buch „Autoritäre Rebellion“

Jetzt bestellen

63 Kommentare

 / 
  • Irgendeine Diskriminierung ist immer. Mir scheint es am Ende eine Luxusdiskussion. Montagmittag als Erwachsener im Freibad, was für ein Leben!

    • @Leo Onlin:

      Das kann einfach der reguläre Jahresurlaub sein. Ein Fünftel hierzulande hat nicht mal das Geld für auch nur einen Wegfahr-Urlaub im Jahr. Oder sich kümmern um die Kinder mit Schulfrei. Eines der manchen Arbeitsfelder, wo der Montag der freie Tag ist. Das kann unfreiwillige Arbeitslosigkeit sein.



      Etwaige arbeitsscheue Luxusbonzen hingegen wären übrigens doch wohl eher im quasi geerbten Privatpool unterwegs.

      • @Janix:

        Kann alles sein.

        Kann auch sein, dass „Luxusbonzen“ viel arbeiten, dass sie kaum die eigene Familie sehen.

        Aber: dass voll berufstätige Menschen ihren Jahresurlaub außerhalb der Ferienzeit in Gruppen im Freibad verbringen, entspricht nicht der allgemeinen Lebenserfahrung.

        Auch kleiner Luxus ist Luxus, es sei jedem gegönnt, aber lebensnotwendig oder gar ein Menschenrecht ist es nicht.

        Deswegen: Luxusdiskussion.

  • Das Entscheidende ist wohl in diesem speziellen Fall, dass der Boden sehr schnell sehr steil abfällt und es vorgekommen ist, dass Menschen Kleinkinder mit dort hinein genommen haben. Es wurde von einem Fall berichtet, wo die Leute eben die Schilder nicht gelesen/verstanden oder ignoriert hatten und die Aufsichtsführenden angeben, häufiges mit Händen und Füßen erklären wäre zu zeitaufwändig und während des normalen Betriebs nicht auch noch zu leisten.

    Das Ganze kann ein Sprachproblem sein, aber natürlich auch ein "Regeln interessieren mich nicht" bei egal welcher Sprachkompetenz.

    Jedenfalls geht es potentiell um Lebensgefahr und man muss wirklich mindestens mit deutlichen Piktogrammen ganz klar machen, dass 10 m tief heißt: Kein Nichtschwimmer, nie!

    Sieht man halt von außen nicht und man kann es auch nicht jedem einzeln erklären. Wenn viel los ist, kann ich mir schon vorstellen, dass man als Verantwortlicher ins Schwitzen kommt, besonders bei vielen Familien mit kleinen Kindern in Kombination mit Nichteinhaltung von Regeln.

    Direkt beim Eintritt sollten Piktogramme die Gefahr für Nichtschwimmer zeigen und beim Ticketverkauf muss das kurz abgecheckt werden, dass es verstanden ist.

  • Klingt alles bisschen nach Sturm im Wasserglas. Oder im Babybecken?

  • Die Sicherheit auch bei „Sport und Spiel“ ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Was mir mit einer gewissen Analogie für den Bereich Arbeit dazu auffällt: Das Programm Job-Turbo des Arbeitsministeriums soll Flüchtlinge schneller in Arbeit bringen. Die Flüchtlinge könnten die neue Sprache am Arbeitsplatz sogar schneller erlernen, als in Sprachkursen als in vorangegangenen Sprachkursen, die man zurückfährt.



    Wie wird sichergestellt, dass die AN mit „rudimentären“ Sprachkenntnissen die Sicherheitsvorschriften der Betriebe kennen und beachten? Mir begegnete die Schilderung eines Unternehmens, das Flüchtlinge mit Jahresvertrag in der Produktion einstellte. Um überhaupt in die Auswahl zur Weiterbeschäftigung zu kommen, war die Teilnahme an einem Sprachkurs neben der Arbeitszeit unerlässlich. Der genannte Grund u. a.: Die hoch relevanten Sicherheitsregeln. Aber: Wieso wurden dann zuvor die rudimentären Sprachkenntnisse der AN für den Zeitvertrag auf genau diesen Arbeitsstellen als noch ausreichend gewertet? Das kann ja sein. Aber ein gewisser Widerspruch bleibt. Für mich auch übertragbar auf die Frage: Baden ohne Deutschkenntnisse?

    • @Moon:

      Wie Sie es schreiben: Das restliche Lernen geschieht in der Situation. Ausgrenzen würde das Lernen anhalten.



      Solidarische Kollegens haben da anfangs Geduld, üben ein wenig, schauen, dass die Hände nicht zu nahe ans Gerät geht etc.



      Für Baden hingegen braucht es keine Deutschkenntnisse. Geht auch mit hartem Anhaltinisch, Amhari oder Esperanto als einziger Sprache. Nur eben Verständnis, was die Sonderverhältnisse am Ort sind. Da wird jetzt hoffentlich die Box der Ideen etwas weiter geöffnet.

      • @Janix:

        Ja, vernünftiger Pragmatismus ist angesagt, immer im Verbund mit höflichem, respektvollem Umgang mieinander. Ist leichter gesagt als getan. Das weiss ich aus eigener Erfahrung. Genau das ist aber der Antrieb dafür, es so zu halten.



        Die Ideen-Box öffnen unter dieser Voraussetzung. Piktogramme z. B. halte ich für eine der geeigneten Maßnahmen bei "Sport und Spiel". Bei der Arbeit verantwortungsbewusste Kolleginnen und Kollegen. Vor dem Hintergrund wirksamer Sicherheitsvorgkehrungen, nur so kann er wirken.



        Ansonsten sage ich mir halt auch manchmal: Wir sind schon komisch. Da bauen wir einerseits Sprachkurse ab. Stützen uns dann oberschlau auf die Aussage: In der Praxis, im Alltag lernt man Sprache sowieso am besten. Dann sagen wir z. B. den Flüchtlingen: Geht in den Alltag, habt am gesellschaflichen Leben teil, dann klappt das auch mit der Sprache. Und dann machen wir flugs eines der Türchen des Alltags zu. So kann das nichts werden. Auch wenn man, vernünftig pragmatisch, halt auch die Probleme des Bademeisters und Rettungsschwimmers mit der sprachlichen Vermittlung ernst nehmen muss! Die Ideen-Box ist gefragt. Gucken wir alle zusammen rein.

  • Die Kommunen sind klamm und der Betrieb von Schwimmbädern ist so kostspielig, dass immer mehr schließen müssen. Die Eintrittspreise so anzuheben, dass sich nur noch Gutbetuchte den Besuch leisten können, ist keine Lösung. Die Sicherheitsstandards runtersetzen, so dass jeder nur noch auf eigenes Risiko schwimmt? Auch keine gute Idee. Ich stehe immer wieder vor einem wegen Krankmeldungen verschlossenen Schwimmbad. Ich schaue jetzt immer im Internet nach, bevor ich aufbreche, aber nicht einmal das ist eine Garantie. Ich erinnere mich an einen Morgen, als ich mit zwei bis drei Dutzend anderen Besuchern vor dem Schwimmbad auf den vorgeschriebenen zweiten Bademeister wartete. Alle wie ich sehr gute, durchtrainierte Schwimmer, zwei mit Rettungsschwimmer-Zertifikat. Da sie das nicht in der Tasche hatten, wurde es nicht akzeptiert.



    Keine Ahnung, wie man die Probleme mit der dünnen Personaldecke lösen kann. Vielleicht Zutritt für Kinder und Jugendliche nur noch mit Seepferdchen oder zum Besuch eines Schwimmkurses? Die sollten für Empfänger von Transferleistungen kostenlos sein. Dass so viele Kinder und Jugendliche heutzutage nicht richtig schwimmen können, finde ich problematisch.

    • @Oma:

      "Dass so viele Kinder und Jugendliche heutzutage nicht richtig schwimmen können, finde ich problematisch."



      Da gibt es ein klares Gefälle.



      Es hilft wie immer nicht aus vermeintlich politischer Korrektheit einen homogenen Einheitsbrei zu bilden.



      Kinder von Migranten sind 2,5 mal häufiger Nichtschwimmer und auch Erwachsene Migranten sind 2 mal häufiger Nichtschwimmer.



      Wenn es darum geht tatsächlich sicher und geübt im Schwimmen zu sein, sind die Unterschiede noch eklatanter. Bei den Werten von oben geht's eher nur um ersaufen oder nicht ersaufen.



      Dagegen helfen nur Schwimmkurse Schwimmkurse Schwimmkurse - aber bis dahin🤷



      ➡️ Zugangsverbote.



      edoc.rki.de/handle/176904/2341

  • ""Es geht ausschließlich um Menschen, die sich an keine Regeln halten.“ Doch warum betrifft die Regel dann nur Menschen, die nicht ausreichend Deutsch sprechen?"



    Vielleicht weil die dann auch nicht verstehen (oder verstehen wollen), wenn sie des Bades verwiesen werden.



    Das schweizer Freibad in Pruntrut hat es letztes Jahr vorgemacht und Badegäste als auch das Bad selbst sind dermaßen zufrieden mit den Erfahrungen vom letzten Sommer, dass sie auch dieses Jahr wieder eine ähnliche Linie fahren.



    www.welt.de/vermis...he-zu-stiften.html

    • @Astrid Sehnefeld:

      Ich gehe mal davon aus, dass die französischen Badegäste in Porrentruy durchaus die Sprache der einheimischen versteht. Diese ist nämlich auch Französisch.



      Ergo: Die beiden Fälle haben nichts miteinander zu tun.

      • @Francesco:

        Es handelt sich um zwei verschiedene Lösungen für ein und dasselbe Problem. Das ist alles.

        • @Nachtsonne:

          Nein, das ist ein völlig anderes Problem.

      • @Francesco:

        "Ich gehe mal davon aus, dass die französischen Badegäste in Porrentruy durchaus die Sprache der einheimischen versteht. Diese ist nämlich auch Französisch."

        Diese Annahme sei Ihnen unbenommen. Die Verständigung zwischenSchweizern aus der Romandie und Franzosen mit maghrebinischem Arabisch als "Muttersprache" ist dann aber doch geringfügig schwieriger...

        • @FriedrichHecker:

          In keinem der Artikel, die ich zu Pruntrut gefunden habe, ist von maghrebinischem Hintergrund die Rede. Überall ist nur von französischen Jugendlichen die Rede.

  • Hervorragender Artikel, danke. Auf Social Media wird wirklich ein komplett verzerrtes Bild der Situation gezeichnet. Herr Nobel macht einen vernünftigen und besonnenen Eindruck

  • Na super, damit beenden wir den Overtourism! Nur noch Sprachkundige ins Ausland, jedenfalls dort, wo Meer oder Seen zum Schwimmen locken.

    • @ja wirklich?:

      Mal abgesehen davon, dass Ihre Argumentation völlig am Kern der Sache vorbeigeht, weil auch Menschen ohne Deutschkenntnisse weiterhin ins Bad eingelassen werden, wenn sie die Baderegeln verstehen und befolgen - im Ausland sollte man wirklich nur baden gehen, wenn man die dortigen Hinweisschilder versteht. Zur Not muss ich mich eben erkundigen oder selber ein Übersetzungstool benutzen bevor ich mich (oder noch schlimmer: mein Nichtschwimmerkind) einer Gefahr aussetze. Oder ich verzichte dort aufs Schwimmen, wenn ich mir unsicher bin.

  • Ehrlich neugierige Rückfrage an die Autorin:



    Wieso haben Sie als taz-Festangestellte einen Studentenausweis?

    • @Frauke Z:

      Come on! Weil es clever ist, in den ersten Berufsjahren noch ein wenig die Vorteile der Studierenden zu behalten. Haben wir doch fast alles so gemacht, oder?

    • @Frauke Z:

      Ich war auch im Studium fest wo angestellt. Immer nur auf Rechnung jobben muss ja nicht sein und machen die meisten Arbeitgeber auch gar nicht mit.



      Wo ist da der Widerspruch?

    • @Frauke Z:

      Weil sie Masterstudentin ist, ganz einfach, kann man kurz Googlen. Und Woher wissen sie, ob die Autorin fest angestellt ist? ;)

      • @PartyChampignons:

        Wegen einer Veröffentlichung ihrer alten Schule ...

  • Ich übersetze da gerne aushilfsweise:



    Aiuti, ayudame, aidez-moi, hjälp, help, an-nadʒda, help, voethia, ... Hilfe.

    Es scheint ansonsten ja doch gar nicht so gelebt zu werden, wie zunächst herüberkam, dann können wir das Sommerloch vielleicht eher mit anderem schließen?

  • Das Argument ist durchaus nachvollziehbar. Da helfen auch keine Schilder in anderer Sprache. Außerdem, in wie vielen Sprachen sollen die Schilder denn sein? Ganz abgesehen davon, das solche Schilde in der Regel eh keiner liest. Wenn jemand im Schwimmbad in fremder Sprache, die das Personal nicht versteht, nach Hilfe ruft, wer soll denn das dann verstehen und zur Hilfe kommen?Auch sonst kann das Personal dann mit den Personen nicht kommunizieren. Vom daher finde ich das durchaus gerechtfertigt. Mindestanforderung sollte zumindest Englisch sein oder besser Deutsch.

    • @Thomas Schwiertz:

      Zum einen rufen die wenigsten Ertrinkenden um Hilfe, das geschieht meist still. Dazu würde ich im Zweifel auch ein panisches hrgfrztgl als Hilferuf deuten und entsprechend handeln. Wo es wirklich hakt, ist Schwimmer/Nichtschwimmerbereich, das gehört wirklich in mehreren Sprachen und/oder mit Piktogrammen gekennzeichnet. Gibt ja auch Touristen. Da Ausländer im Gegensatz zu uns durchaus oft mehrsprachig sind, würde vermutlich schon Englisch und Französisch einen Unterschied machen - viele Syrer zB sprechen gut Französisch. Baderegeln könnte man auch vorab online stellen, da sind fast beliebig viele Sprachen möglich, und das kann man als Bademeister dann zB auf dem Handy zeigen. Oder man rekrutiert kurz einen der anderen Badegäste.

      Dass Menschen, die sich im Bad danebenbenehmen, gehen müssen, ist völlig in Ordnung. Ruhig erklärt, ohne "das kannst Du vielleicht bei Euch zuhause machen, aber hier herrscht Ordnung" (doch, doch - selbst gesehen) reicht oft eine Verwarnung aus (natürlich nicht bei zB Belästigung, der darf dann direkt gehen, bzw bei strafrechtlich relevanter Form auch der Polizei erklären, was das gerade sollte). Man kriegt das hin, wenn beide Seiten das wollen.

    • @Thomas Schwiertz:

      Damit dürfte sich das Argument erledigt haben, das Personal könne ausländische Besucher nicht verstehen:

      „Ich bin sehr ausländerfreundlich. Man sieht es jeden Tag im Heidebad. Wir haben einen großen Ausländeranteil vertreten, beschäftigen sogar Ausländer.“

      Abgesehen davon wäre ich mal an der Vielzahl der Fälle interessiert, bei denen Menschen im Freibad ertrunken sind, weil Hilferufe in einer Sprache formuliert wurden, die das Personal nicht verstanden hat. Vielleicht können Sie mir einen Hinweis geben? Ich habe davon noch nicht gehört.

      • @doda:

        Ertrinkende können nicht um Hilfe rufen, weil sie keine Luft dafür haben. Wenn gerade keiner hinguckt, weil ein anderer Radau die Aufmerksamkeit des Personals und der übrigen Badegästen fesselt, haben sie Pech.

      • @doda:

        Es beginnt damit, dass die Aufsichtspflicht weiterhin bei den Eltern liegt.



        Viele kommen dem nur unzureichend nach.

        Diesen muss klargemacht werden, dass es ihre Aufgabe ist, ihre Kinder zu beaufsichtigen.

        Ein Kind, das nicht sicher schwimmen kann, hat im Schwimmerbereich nichts verloren.



        Das ist es, was der Bademeister versuchen muss, zu kommunizieren.

        • @Desti:

          Geht es denn um unbeaufsichtigte Kinder?

      • @doda:

        Sie tun gerade so, als würden alle Ausländer die gleiche Sprache sprechen. Nur weil der Mann Ausländer beschäftigt, heißt dass nicht, dass diese auch andere Ausländer verstehen. Das Argument hat sich damit überhaupt nicht erledigt.

    • @Thomas Schwiertz:

      Schild am Eingang und Übersetzungsprogramm des Handys drauf. Video-Bildschirm oder QR-Code wäre geradezu modern.



      Die Übersetzungen würden sonst auch Besuchers gerne anfertigen (Namensnennung schafft Stolz, wo sind die Contentcreators an der Saale?).



      Und wer Freudenschreie nicht von Hilfeschreien unterscheiden könnte, egal, in welcher Sprache, hätte einen noch niedrigeren EQ als ich.

      • @Janix:

        Bei dem Geräuschpegel im Freibad? Ich würde es nicht merken, wenn auf der Bahn neben mir einer ertrinkt.

    • @Thomas Schwiertz:

      Warum braucht es Schilder in anderen Sprachen? Die gibt es doch am Strand in Italien, Frankreich, Spanien oder der Türkei auch nicht. Trotzdem baden da deutsche Touristen ohne Kenntnis der Landessprache.

      • @Francesco:

        Ja, das ist so und, um Ihnen und der im Artikel zitierten älteren Dame zu antworten, die meint, für sie würden im Urlaub ja auch nicht extra Schilder hingestellt: Genau das ist das Problem. Ich selbst wäre vor 17 Jahren im Comer See mit meinem damals zehnjährigen Sohn fast ertrunken, konnte mich nur mit Mühe retten und hatte das Glück, dass ein anderer Badegast meinen Sohn aus dem Wasser zog. Wir waren an der Mündung eines kalten Bergbachs in den See in eine Unterströmung geraten. Es waren zwar Schilder aufgestellt, die ich beim Betreten des öffentlichen Badestrands auch wahrgenommen hatte. Die Hinweise waren allerdings ausschließlich auf itialenisch formuliert und mit keinen Bildern/Piktogrammen versehen. Da mein Italienisch gerade einmal für die Bestellung in der Pizzerie reicht, habe ich mir nicht einmal die Mühe gemacht, die Tafel zu studieren. Schon Hinweise auf Englisch oder eine mit Warnbildern versehene Tafel hätten mich vorsichtig sein lassen.

  • Danke für die aufklärende Reportage. Macht zwar keine Quote, aber ist dafür um so erhellender.

  • Nunja..alle die hier Sprachkenntnisse mit Sicherheitsanforderungen vermischen, werden dann ja bei ihrem nächsten Auslandsurlaub sicherlich Verständnis haben, wenn sie nicht mehr im Meer baden..oder ans kalte Buffet dürfen, wenn sie die Schilder gar nicht lesen können..

    ..oder ist das dann etwa was anderes.???

    • @Wunderwelt:

      Als ich (schon vor etlichen Jahren) in Japan während meines Studienaufenthalts eine Wohnung suchte, waren Vermietergesellschaften mit mehrstöckigen Häusern verpflichtet zu prüfen, ob potentielle Mieter in der Lage waren, bei Erdbeben etc. sowohl Hinweisschilder zu Fluchtwegen etc. als auch Durchsagen zu verstehen - und das natürlich auf japanisch. Ich fand das eine sehr nachvollziehbare Sicherheits-Regelung.

    • @Wunderwelt:

      Ja, das wundert mich auch etwas, wäre konsequent. Baden in Spanien, Griechenland, Türkei, Thailand nur mit entsprechenden lokalen Sprachkenntnissen?



      Andererseits scheint das ja in diesem Freibad jetzt eigentlich auch nicht in der Form durchgesetzt zu werden, daher verstehe ich immer noch nicht ganz, was jetzt eigentlich los ist. Ich verstehe schon, dass Betreiber*innen eine Sicherheitsverantwortung haben und Kommunikation dafür relevant sein kann. Aber natürlich setzt grundlegende Kommunikation vor allem Bereitschaft von beiden Seiten voraus, für einfache Dinge geht es oft auch ohne Sprache. Die geschilderte Einlasspraxis scheint eher auf Kommunikationsbereitschaft abzuzielen, was ich noch nachvollziehbar fänd. Das über Sprachkenntnisse in der Badeordnung zu verankern (ist das, was passiert ist?), könnte ein etwas hilfloses, linguistisch etwas naives Missverständnis sein, aber andererseits auch ein Versuch, neue Barrieren subtil gesellschaftlich (und rechtlich?) zu verankern.

    • @Wunderwelt:

      Mir ist bisher noch kein gut besuchter Touristenstrand untergekommen an dem keine Schilder oder Anweisungen in englischer Sprache zu finden waren.

    • @Wunderwelt:

      Ich finde den Kommentar nicht gut.

      90% aller Badetoten gibt es in Badeseen und Flüssen (bei uns insbesondere der Rhein), weniger als 10 % an Meeresstränden.

      Im Übrigen auf Mallorca (weil das wurde in anderen Kommentaren häufiger erwähnt) gibt es an fast allen Stränden offizielle Hinweis- und Warnschilder auf Englisch (oft auch auf Deutsch).

  • "Wenn das Kind am Ertrinken ist und Eltern nicht anständig nach Hilfe rufen können." Die Dame soll mir mal beweisen, dass sie bei einem Badeurlaub in Spanien in der Lage ist, auf Spanisch "anständig nach Hilfe" zu rufen.

    • @Il_Leopardo:

      Die professionellen Rettungsschwimmer sprechen in Spanien alle Englisch, im Übrigen kenne ich viele, die im Ausland bevor sie an den Strand gehen, die dortigen Hinweisschilder (fast immer auch auf Englisch) lesen und die wichtigsten Sachen verinnerlichen.

      Hier in Düsseldorf ist das Schwimmen im Rhein verboten, die Uferbereiche sind alle voll von arabischständigen Familien und die Kinder schwimmen im Wasser, es gibt hier immer wieder Todesfälle. Das Ordnungsamt (ich kenne da mehrere Leute) gehen kaum dagegen vor, wegen der Angst vor Rassismusvorwürfen!

      • @Helium60:

        Und die Todesfälle sind Kinder arabischstämmiger Familien?

  • Die Westfälischen Nachrichten aus Münster haben just heute (24.06.2026) im Lokateil auf der ersten Seite einen halbseitigen Beitrag zu Problemen mit der Einhaltung der Aufsichtspflicht von Eltern. Titel des Artikels: "Mangelnde Aufsicht der Eltern: Bedrohliche Situationen in Freibädern." Für mich zentraler Kern des Textes "Mehrfach ertönten Durchsagen über Lautsprecher, dass, wer seine noch nicht des Schwimmens mächtigen Kinder unbeaufsichtigt lasse, ab sofort des Bades verwiesen werde. Nicht ohne Grund: Zu diesem Zeitpunkt hatten die umgangssprachlich als Bademeisterinnen und Bademeister bezeichneten Fachangestellten



    für Bäderbetriebe sowie die weiteren eingesetzten Rettungsschwimmer bereits mehrfach Kinder aus dem Wasser gerettet, die laut Stadtverwaltung „nicht oder nur unzureichend schwimmen konnten“.



    Was das für mich mit dem Strandbad in Halle zu tun hat: Es geht nicht um Deutsch sprechen können oder nicht Deutsch sprechen können, auch wenn sich daran alle aufhängen. Es geht um die Möglichkeit, effektiv mit Eltern/Aufsichtspersonen kommunizieren zu können, wenn Kinder in Gefahr sind. Ich kann nachvollziehen, dass Herrn Nobel das umtreibt!

    • @StefTack:

      Danke für die Informationen. So macht es für mich auch Sinn. Und was spricht eigentlich dagegen, dass Menschen sich die Sprache des Landes, in dem sie leben, zumindest ein bisschen aneignen? Ich kann die Gegenseite da nicht ganz verstehen.

  • Ein Bad ist im allgemeinen daran interessiert viele zahlende Gäste zu haben. Wenn die Anzahl der potentiell zahlenden Gäste von vornherein verringert wird, dann gibt es dafür manchmal auf Erfahrung beruhende Gründe. Ob sich diese Gründe durch mehrsprachige Schilder regeln lassen, sollte man diskutieren. Ein Hinweis auf die Regelungen in diversen schweizer Bädern wäre ebenfalls eine Erwähnung wert gewesen.

    • @Nachtsonne:

      Bitte nicht nur Andeutungen machen. Wie sind denn die Regelungen in den diversen Schweizer Bädern?

      • @Francesco:

        "Bitte nicht nur Andeutungen machen. Wie sind denn die Regelungen in den diversen Schweizer Bädern?"



        Hier dürfte simpel auf das Ausländerverbot in Schweizer Bädern angespielt worden sein, das vor kurzer Zeit durch die Presse ging (hier ging es primär darum, auffällige Personengruppen aus Frankreich nicht mehr in die Bäder zu lassen). Angesichts der kurzen Zeit, die seitdem verstrichen ist, ging Nachtsonne offensichtlich davon aus, dass das noch allgemein bekannt ist.

        • @Encantado:

          Ich lese von einem Schweizer Bad. Bitte nicht generslisieren.

        • @Encantado:

          Offensichtlich habe ich davon nichts mitbekommen. Der Fall ist aber völlig anders gelagert.

      • @Francesco:

        Googlen sie bitte einfach "Freibad Pruntrut".

        • @Nachtsonne:

          Bei ausreichenden Fremdsprachenkenntnissen gerne auch «piscine Porrentruy» 😇😁

        • @Nachtsonne:

          Und wo ist dort das Sprachpeoblem?

  • Und jetzt stelle man sich mal die Bild-Schlagzeile vor, wenn ein Swimming Pool auf Mallorca nur Leute reinließe, die Spanisch oder Katalanisch sprechen. Aus Sicherheitsgründen. Nicht wegen Rassismus. Klar.

    • @fhirsch:

      Ach kommen Sie, das ist doch völlig am Thema vorbei.

    • @fhirsch:

      Man stelle sich die Schlagzeilen in den spanischen Zeitungen vor, wenn der deutsche Tourist behauptet, sein Nichtschwimmer-Kind hätte gerettet werden können, wenn es sich mit dem Bademeister hätte auf deutsch verständigen können...

      • @FriedrichHecker:

        Genau das traue ich dem deutschen Touristen zu: dass er hinterher den Bademeister verklagt, weil er sich selbst nicht um seinen Nachwuchs gekümmert hat.

  • So leid es mir tut, aber das wird das neue Normal werden.

    Flensburg hatte seinen Antisemiten, der Israeliten nicht bedienen wollte. Weltweit gibt es jedoch Fälle, in denen Juden keinen Zutritt haben.

    Anderes Beispiel gefällig? In Asien außerhalb Indiens gibt es rassistische Geschäfte, die Indern den Zutritt verwehren.

    Gegenmaßnahmen? Refugees Welcome, Ausländer so behandeln wie die eigene Familie, nämlich als Menschen, und weitere Maßnahmen werden leider nicht gerne gesehen.

    • @Troll Eulenspiegel:

      Das geht aber am Thema voll vorbei.

  • Die Wahrheit liegt fast immer dazwischen. Wir haben durch die Polarisierung aller Debatten verlernt Grautöne und Ambiguität zu akzeptieren.



    Ein deutlich angenehmerer Beitrag zum Thema als der gestrige Artikel übrigens.