Diskriminierung im Freibad: Kein Deutsch, kein Eintritt? Der Leiter gerät ins Schwimmen
Im Heidebad in Halle sollen nur Menschen hereingelassen werden, die Deutsch sprechen. Der Leiter sagt, die Regel gebe es nicht. Die Wahrheit liegt dazwischen.
Am Eingang des Heidebads in Halle deutet nichts darauf hin, dass die Fähigkeit, sich auf Deutsch zu verständigen, zur Eintrittsvoraussetzung werden könnte. Auch nachdem ich an der Kasse mit dem grammatikalisch unvollständigen Satz „Einmal Student bitte“ erscheine, werden meine Deutschkenntnisse nicht weiter getestet. „Ach, das glaub’ ich dir auch so“, sagt die Frau am Einlass freundlich, während ich meinen Studierendenausweis in die Luft halte. Ob dieses kurze Gespräch schon entscheidend dafür ist, ob ich hereingelassen werde? „Kein Deutsch = kein Eintritt ins Heidebad in Halle.“ Diese Schlagzeile geht seit Sonntagabend durch sämtliche Medien. Als Grund nennt das Heidebad: Sicherheit.
An diesem Montagnachmittag ist das Heidebad nicht gerade überfüllt. Trotzdem tummeln sich im Nichtschwimmerbereich einige Kinder mit ihren Eltern im Wasser. Am Rande des Sees ist ein großes Schild angebracht. Auf dem steht: „Sicherheit ist uns wichtig.“ Daneben ein Hinweistext über den Nichtschwimmerbereich – nur in Teilen lesbar, weil ein Ast mit Blättern darüber hängt. Am Ufer stehen aber weitere Schilder. Auf ihnen steht: „Achtung. Nur für Schwimmer. Steile Uferhänge. 10 m Wassertiefe. Baden/Schwimmen auf eigene Gefahr.“
„Generell hab ich keine neue Regel eingeführt. Ich setze lediglich die aktuelle Haus- und Badeordnung besser durch, weil es regelmäßig zu Verstößen kommt.“ Mathias Nobel ist der Geschäftsführer des Heidebads und gibt an diesem Tag fleißig Interviews – auch der taz. Bereits am Eingang soll überprüft werden, ob die Badeordnung durchgesetzt werden kann. „Wenn es da scheitert, müssen wir diese Konsequenz ziehen und sagen: Ihr könnt nicht eintreten“, sagt er.
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Kein Deutsch kein Eintritt?
Im Heidebad in Halle sollen nur Menschen hereingelassen werden, die Deutsch sprechen. Der Leiter sagt, die Regel gebe es nicht. Die Wahrheit liegt dazwischen. Zum Text: taz.de/Diskriminier...
— taz (@taz.de) 24. Juni 2026 um 16:38
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Auf Instagram gibt es viel Gegenwind. Viele Menschen fordern unter einem Post des Heidebads die Einführung mehrsprachiger Hinweise oder Piktogramme, um für mehr Sicherheit am Badestrand zu sorgen – Methoden, die nicht strukturell Menschengruppen ausschließen. Auch Michael Keil hält das für eine bessere Lösung. Er besucht das Heidebad heute, weil hier der Kindergeburtstag seiner Tochter stattfindet. Trotzdem versteht er die Sicherheitsbedenken des Geschäftsführers. „Wenn es wirklich um die Sicherheit geht, dann finde ich das auch gut. Aber da gibt es auch andere Lösungen. Von daher hat das natürlich ein Geschmäckle“, sagt er.
Nicht alle Besucher*innen sehen die neue Regel kritisch. Eine ältere Frau im grauen Oberteil und schwarzer Sonnenbrille, die anonym bleiben möchte, hat von der Debatte bislang nichts mitbekommen. Wer hierherkomme, sei ihr grundsätzlich egal, sagt sie. Wenn Kinder gefährdet seien, könne sie die strengere Praxis aber nachvollziehen. „Dafür muss man Deutsch sprechen können. Wenn das Kind am Ertrinken ist und Eltern nicht anständig nach Hilfe rufen können. Für mich werden im Urlaub ja auch nicht extra Schilder hingestellt“, sagt sie.
„Wir beschäftigen sogar Ausländer“
Aber was ist eigentlich mit Menschen, die gehörlos oder sehbehindert sind – kann es da nicht auch zu „Kommunikationsproblemen“ kommen? „Wir arbeiten aktiv mit der Lebenshilfe oder mit der Kirche zusammen. Da gibt es kein Kommunikationsproblem, weil wir allen irgendwie immer signalisieren können, es wird sich an die Regeln gehalten“, sagt Mathias Nobel. „Es geht ausschließlich um Menschen, die sich an keine Regeln halten.“
Doch warum betrifft die Regel dann nur Menschen, die nicht ausreichend Deutsch sprechen? „Weil es zufällig gerade eine Gruppe ist, die mich nicht versteht. Ein Deutscher, der hier ist, den ermahne ich dreimal. Auch da gibt es Fälle, wo ich sage: Bitte verlasse das Bad jetzt, das funktioniert so nicht. Aber das ist im ganz seltenen Fall, dass wir da auf eine Gegenwehr stoßen“, antwortet er darauf. Rassismusvorwürfe weist er strikt ab. „Ich bin sehr ausländerfreundlich. Man sieht es jeden Tag im Heidebad. Wir haben einen großen Ausländeranteil vertreten, beschäftigen sogar Ausländer.“
Eine richtige Sprachprüfung am Eingang gebe es nicht. Bei Familien mit kleinen Kindern fragt der Geschäftsführer aber die Eltern nach dem Alter der Kinder. „Wenn da keine Antwort kommt, frage ich erneut nach. Entweder man kann sich irgendwie verständigen und man sieht, die haben Schwimmhilfen mit und wir können irgendwie sprechen mit Händen und Füßen. Es gibt aber auch das Gegenteil.“
Und wenn ich als erwachsene Person reingehe, ohne Kind – werde ich dann gefragt, welche Sprache ich spreche? „Nein, alles Falschaussagen, alles falsch. Ich habe gesagt: Leute, die unsere Hausordnung nicht akzeptieren oder nicht verstehen wollen, die kann ich nicht mehr reinlassen. Wir hatten heute erst den Fall, wo Ausländer da waren und ganz normal auch ohne Deutschkenntnisse natürlich das Bad betreten können.“
Zwei junge Männer gehen aus dem Wasser, sie unterhalten sich auf Arabisch. Sie setzen sich zu einer weiteren Person auf die Liegestühle, die hier im Heidebad aufgestellt sind. Mohamad Zialom ist gerade zu Besuch in Halle bei Freunden. Die drei kommen aus Syrien, wobei Mohamad schon lange in Deutschland lebt und fließend Deutsch spricht. Seine Freunde sprechen kein Deutsch. Von der Regel haben sie nichts mitbekommen. Seinen beiden Freunden übersetzt er während unseres Gesprächs auf Arabisch. Sie sind schon zum dritten Mal im Heidebad – ob sie Deutsch sprechen, wurden sie hier noch nie gefragt. Dass Sprache nun zum Sicherheitsargument wird, hält Mohamad für den falschen Ansatz. „Für die Sicherheit wäre es besser, wenn überall Schilder in mehreren Sprachen stehen würden.“
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