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Digitaler EuroVöllig überflüssig

Ulrike Herrmann

Kommentar von

Ulrike Herrmann

Die EZB will einen digitalen Euro einführen. Eine PR-Aktion, in der Hoffnung, damit den Hype um Kryptowährungen zu beenden.

D igitaler Euro: Das klingt ein bisschen geheimnisvoll, denn das neue Geld soll erst 2029 kommen. Aber eine weitere Hürde ist jetzt genommen: Der zuständige Ausschuss im EU-Parlament stimmte in dieser Woche dafür, dass die Europäische Zentralbank (EZB) das Mandat erhält, den digitalen Euro in ein paar Jahren auszugeben. In diesem parlamentarischen Verfahren ging allerdings die zentrale Frage unter: Was soll ein digitaler Euro überhaupt? Der Zahlungsverkehr funktioniert auch jetzt.

Unter anderem sind im Angebot: Bargeld, Überweisungen, Lastschriften, EC-Karten, Kreditkarten, Paypal. Früher gab’s auch noch Schecks und Wechsel. Die Welt des Geldes ist in ständigem Wandel. Wer einst Reiseschecks gezückt hat, nimmt heute seine EC-Karte. Da wirkt es modern, dass auch die EZB mit der Zeit gehen und einen digitalen Euro einführen will. Trotzdem bleibt ungeklärt, wofür man dieses Zentralbankgeld brauchen soll.

Bisher sind die Zentralbanken nicht stark ins Alltagsgeschäft involviert, den normalen Geldtransfer wickeln vor allem private Banken ab. Die Zentralbanken drucken nur die Banknoten – was sie auch künftig tun wollen. Die EZB versichert, dass sie das Bargeld nicht abschaffen möchte, und dass es den digitalen Euro nur zusätzlich geben soll.

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Er soll wie virtuelles Bargeld funktionieren, weil das echte Bargeld an Bedeutung verliert. Diese EZB-Begründung ist seltsam zirkulär: Wenn man Bargeld kaum noch braucht, ist es auch digital überflüssig. In Wahrheit ist der digitale Euro vor allem eine PR-Maßnahme der EZB, um den Hype rund um die Kryptowährungen zu beenden. Bitcoin oder Ethereum tun so, als wären sie digitales Geld – sind aber spekulative Schneeballsysteme.

Die EZB hat recht, wenn sie die Kryptowährungen kritisiert. Trotzdem dürfte ein digitaler Euro diesen Wahnsinn nicht beenden. Denn die Kryptowährungen sind so erfolgreich, weil sie versprechen, ganz ohne Staat auszukommen. Die EZB ist aber bekanntlich eine öffentliche Institution. Der digitale Euro ist überflüssig. Normalbürger brauchen ihn nicht, und Kryptofans werden sich nicht für ihn interessieren.

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Ulrike Herrmann

Ulrike Herrmann Wirtschaftsredakteurin

Ulrike ist seit 2000 bei der taz. Nebenher schreibt sie Bücher. Das neueste heißt "Geld als Waffe. Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet" und erscheint am 12. März 2026.
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14 Kommentare

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  • Die These, der digitale Euro sei „völlig überflüssig“, greift zu kurz. Entscheidend ist nicht, ob man heute schon zahlen kann, sondern ob öffentliches Geld auch in einer digitalen Wirtschaft nutzbar bleibt. Bargeld funktioniert online nicht; private Zahlungsdienste ersetzen es nur scheinbar, schaffen aber Abhängigkeiten von Banken, Kartenanbietern und Plattformen.



    Der digitale Euro wäre deshalb keine PR-Aktion gegen Bitcoin, sondern digitales Zentralbankgeld: ergänzend zu Bargeld, für Online- und Offline-Zahlungen, mit dem Ziel größerer Wahlfreiheit, finanzieller Teilhabe und europäischer Zahlungsautonomie.



    Auch die Souveränitätsfrage ist real. Europas Zahlungsverkehr hängt stark an außereuropäischen Infrastrukturen; Visa und Mastercard dominieren erhebliche Teile des Kartengeschäfts. Ein europäisches öffentliches Zahlverfahren schafft Redundanz und Krisenfestigkeit.



    Krypto-Fans wird das nicht bekehren. Das ist aber irrelevant. Der digitale Euro soll kein Spekulationsobjekt sein, sondern Infrastruktur. Überflüssig ist er nur, wenn man private Zahlungsmonopole für harmlos hält.

  • Mit etwas Recherche hätte der Artikel nicht ganz so sinnlos sein müssen.



    Krypto und digitaler Euro habe (fast) nichts miteinander zu tun. Warum sollte man nicht mehr in Kryptowährungen inverstieren weil in 3 Jahren (vielleicht) der digitale Euro kommt?



    Die Abhängigheit von amerikanischen Kreditkarten und PayPal sollte kleiner werden was der digitale Euro auch bewirken kann.



    Krittisch sehe ich aber das immer wieder betonte "wir werden das Bargeld nicht abschaffen". Wenn es nach der EU ginge wäre das schon längst weg. Dort weiß man nur, dass man sich bei vielen Bürgern damit keine Freunde macht. Bei mir auch nicht.

  • Es geht durchaus auch darum, einen grenzüberschreitenden digitalen Bezahlweg zu schaffen, der nicht von den USA abhängt.



    - EC-Karte (eigentlich Girocard, die EC-Karte gibt es nicht mehr) ist ein deutscher Sonderweg, der einem in den Nachbarländern wenig hilft



    - Debit-/Kreditkarten sind von Visa oder Master und somit abhängig von den USA



    - PayPal sowieso (daher wird aktuell Wero aufgebaut)

  • Also erstens ist der digitale Euro keine Konkurrenz zum Bitcoin sondern zu Stablecoins. Und das macht im Prinzip schon Sinn.

    Und zweitens hat die Autorin leider überhaupt keine Kenntnis davon, wie Bitcoin funktioniert. "Bitcoin oder Ethereum tun so, als wären sie digitales Geld – sind aber spekulative Schneeballsysteme." Bitcoin kann nicht durch die Welt laufen und rufen: "Look at me, ich bin Geld!" Bitcoin tut nichts und Bitcoin will nichts. Es ist eine endlose Kassenrolle mit Transaktionen, die auf immer und ewig nicht ausgelöscht werden kann und wo man nur was hinzufügen aber nie etwas Vergangenes ändern kann.

    Und drittens wäre Krypto generell sehr nützlich gewesen im Jahr 1933 und folgende für Menschen, die Deutschland verlassen mussten.

  • Der Kommentar geht vollkommen am Sinn digitalen Bargeld vorbei. Geht man von der Prämisse aus dass man eine digitale Alternative zu Bargeld will (anonyme Zahlung von Kleinbeträgen ohne die Notwendigkeit online zu sein und ohne 'Inkasso'-Risiken), dann braucht es eine neue Lösung. Ob die vor dem Hintergrund von Geldwäsche und anderen Interesse dann sinnvoll ausgestaltet wird, ist eine andere Frage. Ich finde der Kommentar gibt keinen sinnvollen Beitrag zur Debatte ab, sorry.

  • Es geht auch darum, den großen Zahlungsdienstleistern aus Übersee (Paypal, Mastercard, Visa, Amex) etwas europäisches entgegenzusetzen, um deren Macht zu begrenzen. Wenn schon europäische Banken aus Angst vor us-amerikanischen Konsequenzen Konten kündigen (Stichwort Rote Hilfe), wie sieht es dann mit den amerikanischen Banken und Dienstleistern aus?



    Sparkassen und Volks/Raiffeisenbanken probieren es gerade mit Wero, um unabhängiger zu werden.



    Übrigens: die EC-Karte (richtigerweise heute girocard genannt) nutzt für Zahlungen im europäischen Ausland auch VISA und Mastercard im Hintergrund, nur bei Zahlungen innerhalb Deutschlands gibt es verschiedene andere Dienstleister, meistens Banktöchter, die das auch abwickeln.

  • Allein schon die Anonymität ist ein starkes Argument für den digitalen €uro. Datenkraken müssen zerschlagen werden oder ihnen zu mindestens die Arme gekürzt.

  • An dieser Stelle möchte ich einen Link zur Verbraucherzentrale Ba-Wü anfügen, der auf weitere "Möglichkeiten" eines digitalen Euros hinweist.

    www.verbraucherzen...gitaler-euro-88369

  • Nun ja, Leute können dann unabhängig von einem Bankkonto und ohne Kontogebühren digital bezahlen, und wären nicht auf Dienste wie Paypal angewiesen. Das wäre ja schon mal was.

  • Kryptowährungen haben einen Hype ausgelöst, weil man erstmals reale Werte online austauschen konnte, ohne von einer Bank wie von Mama oder Papa an die Hand genommen zu werden. Davor konnte man nämlich nur schuldrechtliche Forderungen gegen Dritte austauschen.



    Dieser Vorteil bleibt auch, wenn der digitale Euro kommt. Er ist somit eine Lösung für die Krise: Wenn Banken wie 2008 scheitern, wenn Überweisungen auf Kontinente und in Regionen erfolgen müssen, die für Banken und Finanzdienstleister zu gefährlich oder schlicht wirtschaftlich uninteressant sind oder mit so hohen Gebühren (RiaMoney, WesternUnion etc.) belegt werden, dass man lieber einen Freund mit dem Bargeld losschicken möchte anstatt ihre Hilfe in Anspruch zu nehmen, wie es heute z.B. bei Äthiopien, Eritrea oder Afghanistan der Fall ist.



    Also ja, das ist doch irgendwie sinnvoll und nicht bloße PR.

    • @hedele:

      Können sie das nichtmal in einem ganzen Artikel ausschreiben? Die taz stellt es bestimmt mit online und dann wäre es noch besder nachvollziehbar :)

  • Völlig überflüssig? Von wegen!



    "Unter anderem sind im Angebot: Bargeld, Überweisungen, Lastschriften, EC-Karten, Kreditkarten, Paypal."



    Dafür im Online Handel zutzbar: Paypal, Kreditkarte (manchmal auch Lastschrift). Aktuelle Kreditkartenanbieter: Visa, Mastercard, American Express. Alles 3 aus Amerika, Paypal natürlich auch.



    Was das Problem daran ist? Z.b.: Ankläger und Richter des Internationalen Strafgerichtshofs wurden von den USA sanktioniert, weil sie die Militäraktionen von Israel kritisch fanden. Die folge war, dass diese Personen quasi übernacht vom Digitalen Zahlungsverkehr abgeschnitten waren. Besonders Problematisch ist, wenn man noch dazu gerade im Außland ist, dort funktioniert nähmlich die EC-Karte nicht, die ist nur in Deutschland verbreited, man nutzt dort vor allem Kreditkarten. Und die wenigsten haben heutzutage noch ständig größere Bargeldmengen dabei.



    Ein Digitaler Euro ist ein Mittel, uns unabhängig von der USA zu machen und nicht erpressbar zu sein.

  • Reiseschecks!



    Danke für die Erwähnung, ich vermisse die Einfachheit dieser Dinger.



    Inzwischen darf man an der Supermarktkasse immer häufiger darauf warten, dass der Mensch vorne in der Schlange die richtige "app" auf dem Handy findet :-)

    Für mich ist auch ein "digitaler Euro" eine Kryptowährung und ich halte jegliche Abkopplung einer Währung von der realen Welt für Teufelszeug. Warum hat man in den 70er Jahren den Doller vom Gold getrennt? Damit die "richtigen" Menschen schneller reich werden können und man mehr Sauereien machen kann.

    Kryptowährungen sind ein nächster Schritt in die falsche Richtung: Man kann dann die Sauereien noch besser vor einer Aufsicht verstecken und noch schneller durchführen.

  • Ich schätze Frau Hermann's Meinung immer sehr, aber dieser Artikel geht voll am Ziel vorbei.

    Der D€ ist nicht als Ersatz für spekulative Crypto-Assets gedacht, sondern als neues Zahlungsmittel, mit dem amerikanische Zahlungsdienstleister verdrängt werden sollen. Kann man so auch alles bei der EZB nachlesen. Deshalb soll der D€ ja auch ein verpflichtendes gesetzliches Zahlungsmittel werden.