Der Weg der Klimakonferenz: Warum ich trotz Bahn fliege

Schön wäre es, wenn ein Klimaredakteur zur Klimakonferenz nach Glasgow möglichst treibhausgassparend gelangen könnte. Leider unmöglich.

Ein Flugzeug im Linienflugverkehr der Lufthansa aus Frankfurt/Main landet

Ein Flugzeug im Anflug auf Glasgow Foto: dpa

Ich hasse es, in ein Flugzeug zu steigen. Es dauert ewig, zum Flughafen zu kommen, man verwartet kostbare Lebenszeit am Gate, akzeptiert klaglos alle Verspätungen, kämpft sich durch dekadente Shoppingmalls und quetscht sich dann in einen Sitz, Arm an Arm mit schwitzenden Flugangsthasen. Dazu kommt noch das schlechte Essen, der schlechte Schlaf und das schlechte Gewissen wegen der Sauerei am Klima. Der kann man live zuschauen, wenn man aus dem Fenster auf die Turbinen blickt.

Warum sitze ich also in einem Lufthansa-Flugzeug nach Glasgow? Weil die Bahn mich dazu zwingt. Vor einem halben Jahr war ich beim Blick auf die DB-Website freudig überrascht: Hallo, von Berlin nach Glasgow kann man gut den Zug nehmen! Morgens gegen sechs los, umsteigen in Köln, Brüssel, London, abends da. Hurra! Schöne Erinnerungen wurden wach an die COPs in Paris, in Warschau, in Bonn, wo wir entspannt auf der Schiene ankamen.

Das Problem: Auslandsverbindung, nicht buchbar. Aha. Das mit dem Internet ist ja auch echt noch ganz frisch. Warum sollte man da eine Verbindung buchen können, die in einem fremden Land ein Umsteigen nötig macht. Beim Fliegen kein Problem, bei der Bahn schon. Nun gut, wozu gibt es den freundlichen Service am Bahnhof (keine Ironie hier!).

Nach 20 Minuten Anstehen am Fernbahnschalter kann mir der Kollege aber auch nur sagen: „Ich kann Sie nur bis London buchen. Umsteigen nach Glasgow geht nicht.“ Warum nicht? „Habe ich nicht im System“. Er sieht nicht mal die Verbindungen auf seinem Bildschirm, die ich auf meinem Smartphone im DB-Navigator finde. Wie gesagt, dieses Internet. Sein Rat: „Buchen Sie das von zuhause.“

Bahn vom COP-Ansturm überrascht

Zuhause klappt es aber auch nicht. Weil ich den Zug von London nach Glasgow nicht buchen kann. Warum nicht? Er ist voll. Inzwischen wollen alle zur COP. Offenbar hat es die britisch-schottische Bahn überrascht, dass da ein paar Leute im Anmarsch sind.

Nächste Überlegung: Am Abend vorher nach Köln. Morgens einen frühen Zug, um eine andere Verbindung in London … keine Chance. Ein Schlafwagen wäre noch drin. Als ich die Preise sehe, schlägt mein Gewissen als kostenbewusster Angestellter eines bitterarmen Verlagshauses Alarm.

Allein die Fahrt von London nach Glasgow ist so teuer wie … ich klicke auf die Angebote der Lufthansa. Selbst mit der Kompensation durch atmosfair (ich weiß, ich weiß, das ist nur die fünftbeste Möglichkeit!) ist Fliegen unschlagbar billig. Dazu in sieben statt in fast 40 Stunden. Nee, Leute, so geht das nicht.

Fazit: Die klimafreundliche Alternative hat keine Chance: Zu teuer, zu umständlich, zu langsam, zu sehr mir-doch-egal. Um das zu ändern, braucht es wohl dringend eine Klimakonferenz. Und dann auch noch das: Die Züge zwischen London und Glasgow werden am Freitag gestrichen, weil Unwetter zwei Brücken weggerissen haben. Um das in Zukunft zu verhindern, braucht es mehr als eine Konferenz. Nämlich Taten.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Jahrgang 1965. Seine Schwerpunkte sind die Themen Klima, Energie und Umweltpolitik. Wenn die Zeit es erlaubt, beschäftigt er sich noch mit Kirche, Kindern und Konsum. Für die taz arbeitet er seit 1993, zwischendurch und frei u.a. auch für DIE ZEIT, WOZ, GEO, New Scientist. Autor einiger Bücher, Zum Beispiel „Tatort Klimawandel“ (oekom Verlag) und „Stromwende“(Westend-Verlag, mit Peter Unfried und Hannes Koch).

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de