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Der Klimaschmutzminister Was macht eigentlich Carsten Schneider?

Nick Reimer

Kommentar von

Nick Reimer

Die Bundesregierung bremst beherzt beim Klimaschutz. Noch schlimmer ist fast, dass sich der zuständige Minister nicht dafür zu interessieren scheint.

B ereits nahezu 10.000 Menschen sind dieses Jahr hierzulande an Hitze gestorben – und der Sommer strebt erst noch seinem Höhepunkt entgegen. Befragt, ob der Kanzler die Hitze zur Chefsache machen wolle, erklärte sein Sprecher, eine Chefsache werde das Wetter auch nicht ändern. Aber das ist falsch: Eine Attributionsstudie [untersucht, inwieweit der Klimawandel die Häufigkeit und die Stärke einzelner Wetterextreme beeinflusst; d. Red.] des Deutschen Wetterdienstes hat ergeben, dass derartige Hitzebelastung ohne den Klimawandel gar nicht möglich wäre. Hier geht es also nicht ums Wetter.

Wenn sich schon der Kanzler nicht für zuständig erklärt, müsste es dann nicht wenigstens der zuständige Minister tun? Carsten Schneider von der SPD nennt sich Klimaschutzminister, für den Klimaschutz tut er aber praktisch nichts. Wie sonst ist es beispielsweise zu erklären, dass das Kabinett immer wieder neue Hürden gegen den Ausbau der Erneuerbaren in die Gesetzestexte schreibt? Dass der Klimaschutzminister Widerstand dagegen leistete, gar mit Rücktritt drohte, wenn er seine Mission in Gefahr sieht – davon ist bislang nichts überliefert.

84 Gigawatt Windkraftleistung sollen es sein, es gibt aber nur knapp 70

Noch mal kurz die Fakten: Gesetz in Deutschland ist, dass das Land bis zum Jahr 2030 mindestens 65 Prozent weniger Treibhausgase produziert – verglichen mit 1990. Um das zu erreichen, sollen am Ende dieses Jahres – das ist ebenfalls Regierungsbeschluss – Windräder mit einer Leistung von 84 Gigawatt auf dem Boden stehen. Geschafft sind aber noch nicht einmal 70 Gigawatt.

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Doch statt sich jetzt dafür einzusetzen, dass der Windkraftausbau beschleunigt wird, hat die Regierung neue Investitionshürden auf den Weg gebracht – mit dem Segen des Bundesklimaschutzministers. Im Strafrecht, im Zivil-, Familien oder Wirtschaftsrecht sind die Dinge klar: Das Gesetz schreibt gesellschaftliche Normen vor, die für alle gelten. Wer dagegen verstößt, hat ein Problem. Wie aber verhält es sich mit Gesetzgebern, die Gesetze erlassen, die gegen geltende Gesetze verstoßen?

Natürlich, es kann das Bundesverfassungsgericht angerufen werden; in Bezug auf die Klimaziele läuft seit 2023 ein Verfahren. Bei allem Verständnis für die Gründlichkeit von Karlsruhe: Gesellschaftlich wäre es dringend geboten, dass sein Urteil endlich kommt. Sonst nämlich wacht der Klimaschutzminister am prognostizierten Ende seiner Amtszeit überrascht auf und muss eingestehen, dass das Ziel nun leider nicht mehr zu schaffen ist.

Mehr Tempo

Dabei macht Carsten Schneider gar nicht den Eindruck, als ob ihm irgendetwas an diesem Ziel liegt. 2025 waren die deutschen Emissionen noch nicht einmal 49 Prozent unter dem Niveau von 1990; um dennoch gesetzestreu zu sein, müssten jetzt jährlich gut 5 Prozent weggespart werden. Es waren in letzter Zeit 1 Prozent pro Jahr. Der Klimaschutzminister müsste Tempo anmahnen und in kurzer Taktfolge mit neuen Vorschlägen für Klimaschutzmaßnahmen aufwarten.

Aber Carsten Schneider schweigt. Er ist ein Klimaschmutzminister.

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Nick Reimer

Nick Reimer

Seit 1998 bei der taz (mit Unterbrechungen), zunächst als Korrespondent in Dresden, dann als Wirtschaftsredakteur mit Schwerpunkt Energie, Klima und Landwirtschaft, heute Autor im Zukunftsressort.
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17 Kommentare

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  • Vorgestern nacht hat Windenergie 2.4 GWh/h zum Stromverbrauch von 44 GWh/h beigetragen. Selbst eine Verdopplung würde hier nicht viel helfen. Der Rest kommt aus Wasserund Biomasse (5,4), konventionell (25,6 !!) und Import. wir müssen endlich mal die Realitäten berücksichtigen. Vielleicht macht Schneider das ja, obwohl ich das bezweifle. SPD und fachliche Kompetenz schließen sich ja irgendwie aus.

  • einfach unerträglicher Mensch , er sollte sofort zurücktreten und das Amt an Steffi Lemke zurückgeben Das Schlimmste ist bei Carsten Schneider, dass er auch total inkompetent ist.



    Wie kann ein Umweltminister die katastrophale Klimapolitik von Reiche ohne einen Aufstand geschehen lassen. In welcher Welt lebt dieser Mensch überhaupt?

  • Vielleicht müsste man auch einfach anerkennen, dass die Ziele festgelegt wurden, als es noch keine Kriege in Europa gab.

    • @Dirk Osygus:

      Vielleicht sind die Prioritäten falsch gesetzt? Der Klimawandel istxdie weitaus größere Bedrohung.

  • Abstrakte Zielangaben zum Windkraftausbau - wie in diesem Artikel -sind der Grund, warum Grüne in Mecklenburg-Vorpommern kein Bein auf den Boden bekommen, sich Bürger weiteren Windkraftausbau widersetzen, wie z. B. in West-Mecklenburg.



    Der Strompreis in MVP ist enorm hoch. Denn Stromkonzerne finanzieren ihren Netzausbau aus den Taschen der Bürger. Weil MeckPomm so wenige Bürger hat, ist die Umlage auf die Stromrechnung hoch.



    Zugleich werden massenhaft Anträge für Windparks in MVP gestellt, wovon etliche aufgrund unlauterem Umgang bei der Antragsstellung scheitern, z. B. weil Schutz von Seeadlern in einem Fall völlig ignoriert wurde. Investor war eine Tochter der Wemag, dem größten Energieerzeuger im Land, den es nicht zu interessieren scheint, wenn Tochterfirmen in dunkle Machenschaften verstrickt sind. Grüne schauen hier nicht hin!

    Bürger und Kommunnen werden zwar beim Windkraftausbau beteiligt, aber das große Geld verdienen Finanzinvestoren oder die örtliche Wemag.



    Bürgerbeteiligungverfahren sind bei genauer Hinsicht eine Farce, weil kaum ein Bürger die Antragsbürokratie auch nur im Ansatz durchaut.



    Windkraftausbau zu bemsen, wie Schneider es tut, ist deshalb gut.

    • @Lindenberg:

      »Weil MeckPomm so wenige Bürger hat, ist die Umlage auf die Stromrechnung hoch.«



      Dann muss man halt die Berechnungsmethode der Netzentgelte ändern. Das wäre eine Aufgabe für die Bundesregierung

  • Menschen, Tiere und Pflanzen machen was sie gelernt haben und wofür sie belohnt werden.



    Ein Bankkaufmann hält sich ans Bankgeheimnis und schweigt.

  • Was ist von einer Regierung zu erwarten, bei der die Fehlbesetzung eines Ministerpostens der Normalfall ist. Wahrscheinlich muss Merz froh sein, wenn er jemand findet, der so ein Amt unter seiner Führung übernimmt. Dann ist halt jeder recht.

  • Wer bitte?



    Nie gesehen!

  • Okay, furchtbar.



    Aber warum bleibt der Artikel in diesem Schockzustand stehen.



    Ich finde die TAZ eine ernstzunehmende Zeitung.

    Warum fehlt der Schritt der Unterstützung?



    Aufzeigen von ungesehenen Lösungsansätzen?



    Vorstellung von kreativen Organisationen?



    Begleitung von ernstzunehmenden Aktivitäten?



    Sichtbarmachung von Organisationen, die auf einem guten Weg sind.



    Das Projekt der TAZ-Leser? Und? Und? Und?



    Ich finde es unbefriedigend, nachdem mir der ganze Müll ins Frühstück gekippt wurde, so alleine gelassen zu werden.

  • Das ist das Eine: vom Klimaschutzminister hört man nix, sieht man nix und außer Sonntagsreden hält er nix. Doch das ist Standard der derzeitigen Regierung. Das Wirtschaftsministerium wird ähnlich geführt, für die Erfolge der (fossilen) Wirtschaft werden alle Ventile geöffnet, für die Bevölkerung verschlossen. Es ist kein Ressort zu erkennen, das wirklich greifbare Ergebnisse vorweist, die auch den "kleinen Leuten" weiterhilft. In diese Phalanx reiht sich Schneider prächtig ein.

  • Völlig richtig, hier auf die Mitverantwortung der SPD hingewiesen wird.



    Allein scheint es die Parteiführung nicht zu interessieren.

    Da hilft nur das Wenige, was ein relativ machtloser deutscher Wähler tun kann: Abwählen.

    Die AfD wird durch diese SPD eh nicht verhindert.

  • Titelte doch soeben die taz zur fehlenden Expertise von Minister:innen, bezogen auf den neuen Gesundheitsminister.



    Am 5.5.25 bereits in der taz



    "Neuer Umweltminister



    Qualifikation? Egal



    (...)



    Carsten Schneider war nie Umweltpolitiker und wird trotzdem Chef des Ministeriums. Dabei wäre Fachexpertise hilfreich auf diesem Posten."



    Damals dachte ich, seine (Schneiders) nächste Ebene der Staatssekretär:innen hätte diese Expertise !auch in praxi, also in der Umsetzung.



    Ein Beispiel:



    "Der Mann für Umwelt und Kompliziertes



    Jochen Flasbarth ist dienstältester Staatssekretär der Bundesregierung und nun zurück in der internationalen Klimapolitik."



    Bei sueddeutsche.de

  • "Carsten Schneider von der SPD nennt sich Klimaschutzminister, für den Klimaschutz tut er aber praktisch nichts. Wie sonst ist es beispielsweise zu erklären, dass das Kabinett immer wieder neue Hürden gegen den Ausbau der Erneuerbaren in die Gesetzestexte schreibt?"



    Das ist damit zu erklären, dass Schneider als auch die SPD an der Macht bleiben wollen.



    Es gibt in der Bevölkerung keinen breiten Rückhalt für einen forcierten Ausbau der Erneuerbaren - zumindest keinen der höherer Kosten beinhaltet.



    Zudem erfreuen sich Windräder selten der Beliebtheit bei ihren direkten Anwohnern.



    Die Mittelgebirge mit Pumpspeicherwerken zuzupflastern kommt auch nicht gut bei der lokalen Bevölkerung an - und auch für die Umwelt ist das kein problemfreier Deal. Riesige Landnahme, Abholzung, Erdbewegungen, Wassernahme - so ein Pumpspeicherwerk ist ein ähnlicher zerstörender Eingriff wie ein Tagebau.



    Alles was für Stadtmenschen so logisch erscheint - Windräder, riesige PV Felder, monströse Überlandleitungen oder Pumpspeicherwerke - müssen diese nicht tagtäglich sehen.



    Die Landbevölkerung aber schon.



    Und die finden das sehr oft unschön - höflich ausgedrückt.



    Und die sind halt auch stimmberechtigt...🤷

    • @Astrid Sehnefeld:

      Die Landbevölkerung findet auch Autobahnen unschön. Die werden trotzdem gebaut.

  • Ohne Netz, kein Strom. Was nützen Windkraftanlagen, die den erzeugten Strom nicht einspeisen können? Der Netzausbau läuft inzwischen auf Hochtouren. Oder geht es insgeheim um den möglichen Verlust der Kompensationszahlungen in Milliardenhöhe für nicht eingespeisten Strom?

  • Vielleicht hatte er noch nicht genug Zeit sich in sein Resort einzuarbeiten? Denn Minister können scheinbar alles, nur nicht liefern.