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Klimakonferenz in BonnAuf Anti-Klima-Kurs

Susanne Schwarz

Kommentar von

Susanne Schwarz

Seit diesem Montag laufen in Bonn die Klimaverhandlungen der Vereinten Nationen. Der Umweltminister beschönigt die deutschen Klimabemühungen schamlos.

S chön wär’s. „Deutschland setzt sich für internationale Zusammenarbeit, Frieden und Klimaschutz ein“, sagte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) zu den am Montag in Bonn gestarteten Klimaverhandlungen. Und weiter: „Deutschland wird dazu auch künftig seinen Beitrag leisten – verlässlich, konstruktiv und mit dem klaren Ziel, die internationale Energiewende weiter voranzubringen.“

Weil die Vereinten Nationen ihr Klimasekretariat in Bonn haben, findet das alljährliche Treffen zur Vorbereitung der ebenfalls alljährlichen Weltklimakonferenz dort statt. Klar, dass Deutschland die internationale Bühne nutzt, um das eigene Image aufzupolieren. Nur: Wo von vornherein nichts glänzt, hilft auch das Polieren nicht.

Deutschland kürzt bei der Entwicklungshilfe – mit Folgen für die von Schneider beschworene internationale Zusammenarbeit beim Klimaschutz. Viele Projekte, um die es dabei geht, sollen schließlich im globalen Süden für Klimaschutz oder auch die Anpassung an die Klimakrise sorgen. Im Bundeshaushalt 2026 könnte laut Oxfam mindestens eine Milliarde Euro fehlen, um Deutschlands Versprechen einzuhalten, jährlich mindestens sechs Milliarden Euro für die Klimafinanzierung bereitzustellen. Für 2027 befürchten die Ent­wick­lungs­ex­per­t:in­nen noch schlimmere Einschnitte.

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Und dass Deutschland die Energiewende voranbringt, wie Schneider es in Aussicht stellt, ist aktuell auch nicht ersichtlich. Ganz im Gegenteil: Energieministerin Katherina Reiche (CDU) ist fleißig dabei, dem Ausbau von erneuerbaren und dem Abschied von fossilen Energien alle möglichen Steine in den Weg zu legen.

Öl- und Gasheizungen sollen ohne Ende weiter eingebaut werden dürfen. Reiches Netzpaket dürfte Solar- und Windparks in vielen Regionen unkalkulierbar machen, die staatliche Förderung für kleine Solaranlagen auf Dächern will sie einstampfen. Ein vollumfängliches Programm für die fossile Industrie, gegen die Energiewende.

Aber all das würde in einer Eröffnungsrede für eine Klimakonferenz natürlich schlecht ankommen.

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Susanne Schwarz

Susanne Schwarz Leiterin wirtschaft+umwelt

Jahrgang 1991, leitet das Ressort Wirtschaft + Umwelt und schreibt dort vor allem über die Klimakrise. Hat ansonsten das Online-Magazin klimareporter° mitgegründet.
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10 Kommentare

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  • Schneider ist ein Parteisoldat und der wohl ambitionsloseste Umweltminister, den dieses Land je hatte.







    Im Ergebnis fügt er der Zukunft (nicht nur) dieses Landes großen Schaden zu.



    Womit er (nur) eine der vielen Fehlbesetzungen dieser Regierung ist.







    Und wer nun meint, Klimaschutz sei ja mit Trump und dem ganzen dumpfen Rollback eh passé, der irrt.







    Nicht nur die Klimakonferenz in Kolumbien beweist, daß es immer noch sehr rege Bemühungen gibt. Und natürlich werden die, auch hier zu Lande mit Sicherheit kommenden Klimakatastrophen das Bewusstsein wieder schärfen.







    Insofern ist dieser Mann nicht nur zum Schaden, sondern auch eine Blamage für dieses Land..

  • Mich würde mal interessieren, ob es eine Eignungsprüfung für Politiker gibt, bei der festgestellt wird, ob die/derjenige glaubhaft lügen kann oder ob man schon davon ausgehen muss, dass jeder, der Politiker werden will, das kann. Ich glaube immer noch daran, dass es ehrliche Politiker gibt. Stört es die eigentlich, wenn sie mit in das Lügner-Image gezogen werden? Mir ist es allerdings unangenehm, wenn in meinem namen vor der ganzen Welt gelogen wird.

    • @Christine_Winterabend:

      "Mir ist es allerdings unangenehm, wenn in meinem Namen vor der ganzen Welt gelogen wird."

      Danke

    • @Christine_Winterabend:

      Das ist wie beim Alkoholtest. Wenn man bei geschlossenen Augen den rechten und den linken Arm mittig zur Nase führt und den Satz spricht: „Erst das Land, dann die Partei, schließlich die Person" – und dann die Nase nicht gewachsen ist…

  • "Im Bundeshaushalt 2026 könnte laut Oxfam mindestens eine Milliarde Euro fehlen..."



    Naja, Subventionen für Wärmepumpen, E-Autos und Deutschlandtickets kosten eben Geld. Das muss man dann eben anderswo einsparen, wenn man die Alles-mit-Strom-Variante der Energiewende voran bringen will.



    Komme mir niemand mit Reichensteuer. Aus der wird absehbar so viel wie aus der Finanztransaktionssteuer seligen Angedenkens (erinnert sich noch jemand?). Bezahlen wird, wie immer, die produktiv arbeitende Mitte.

    • @sollndas:

      Welche andere Variante der Energiewende schwebt ihnen den vor? Die fossile, die atomare, eine hybride?

      • @Oskar Muster:

        Eine, die berücksichtigt, dass eine versorgungssichere Energiewende auch lagerfähige Energieträger braucht. Wenn es erneuerbar gehen soll, z.b. E-fuels (incl. E-Methan) und Biomasse (incl. Holz).



        Eine, die nicht ausschließlich auf Strom und Akkus fixiert ist, sondern eine, die ein wirtschaftliches (und bezahlbares!) Optimum sucht. Hilfreich wäre es z.B., wenn sie mit bestehenden Strukturen kompatibel wäre.

  • Leider liegt es derzeit im Trend die Dinge zu beschönigen, klein zu reden oder einfach direkt zu leugnen.



    Viele meinen leider, nur weil sie das Glück haben sie schlimmsten Auswirkungen nicht mehr erleben zu müssen, können sie machen und tun was sie wollen.

    • @UB Setala:

      Das wäre ja nicht weiter schlimm, wenn es nur die Werbung und die Angler täten.



      Dass es aber in der Spitzenpolitik gang und gäbe ist, bedeutet nichts Gutes.

    • @UB Setala:

      Genau das ist die Art mit der Sache umzugehen: nicht die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder ist von Interesse, sondern nur das Erscheinungsbild der Handelnden (??) für die Zukunft bis zur nächsten Wahl für Politiker oder bis zur nächsten Ausschüttung von Dividenden und Boni für Verantwortliche der Wirtschaft. Alles was danach kommt interessiert ganz und gar nicht...