piwik no script img

Debatte um AfD-Verbotsverfahren Jetzt erst recht?

Lukas Wallraff

Kommentar von

Lukas Wallraff

Die Forderungen, die AfD verbieten zu lassen, hören nicht auf. Das könnte kurz vor den Wahlen nach hinten losgehen. Wie wäre es mit eigenen Angeboten?

J etzt fängt auch noch Cem Özdemir damit an, kurz vor den Landtagswahlen über seine Sympathie für ein AfD-Verbotsverfahren zu reden – so wie vor ihm schon SPD-Chef Lars Klingbeil und die Berliner Linkspartei auf ihren Wahlplakaten. Der Grüne, der Sozialdemokrat und die Berliner Linke bekommen für ihre Verbotsvorschläge zwar sicherlich viel Zustimmung – aber wohl nur bei Leuten in den eigenen Reihen, die ohnehin niemals AfD wählen.

Wäre es vor den Wahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern nicht viel wichtiger, wenigstens den Versuch zu unternehmen, die vielen Menschen dort anzusprechen, die mit der Regierungspolitik in Bund und Ländern unzufrieden sind und die deshalb mit dem Gedanken spielen, erstmals die AfD zu wählen, damit sich aus ihrer Sicht wirklich mal was ändert? Wer dieses wachsende Bedürfnis, das sich in den steigenden Umfragewerten der AfD ausdrückt, zu Recht für eine große Gefahr für die Demokratie hält, müsste sich gerade jetzt dringend bemühen, die Stimmberechtigten doch noch von der Wahl einer demokratischen Partei zu überzeugen. Das geht aber nur mit guten Argumenten und konkreten Angeboten.

Wie das funktionieren kann, hat die Linke Heidi Reichinnek vorgemacht, die im letzten Bundestagswahlkampf vor allem auf Sozialpolitik setzte. Auch in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern bemühen sich viele LandespolitikerInnen täglich, die AfD mit eigenen Ideen zu bekämpfen. Was ihnen dabei kaum helfen dürfte, sind autoritäre Zwischenrufe aus Berlin und Stuttgart.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Ob das Verbot einer Partei, die in manchen Bundesländern auf mehr als 40 Prozent kommt, langfristig der richtige Weg sein kann, um die Demokratie zu retten, lässt sich ohnehin bezweifeln. Bei vielen Ostdeutschen, die sich sowieso schon viel zu oft vernachlässigt und belehrt fühlen, könnten die Drohungen aus dem Westen kurz vor der Wahl den letzten Ausschlag geben, um nun erst recht die AfD zu wählen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Lukas Wallraff

Lukas Wallraff taz.eins- und Seite-1-Redakteur

seit 1999 bei der taz, zunächst im Inland und im Parlamentsbüro, jetzt in der Zentrale. Besondere Interessen: Politik, Fußball und andere tragikomische Aspekte des Weltgeschehens
Mehr zum Thema
Fotomontage eines wochentaz-Titels und dem Buchcover „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit

10 Wochen taz + Sachbuch „Autoritäre Rebellion“

Zeiten wie diese brauchen Seiten wie diese: unabhängig, konzernfrei und mit klarer Kante gegen Faschismus, Rassismus und Rechtsruck. Teste jetzt die taz und erhalte das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Rechtsextremismus-Experten Andreas Speit als Prämie.

  • Das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit als Prämie
  • Die wochentaz jeden Samstag frei Haus + digital in der App
  • Die tägliche taz von Mo-Fr digital in der App
  • Zusammen für nur 28 Euro

10 Wochen taz + Buch „Autoritäre Rebellion“

Jetzt bestellen

37 Kommentare

 / 
  • Hans Dampf

    "Ob das Verbot einer Partei,....langfristig der richtige Weg sein kann, um die Demokratie zu retten, lässt sich ohnehin bezweifeln."



    Sehe ich auch so,



    1) Ich denke ein Verbot wird vor Gericht nicht durchkommen und es kommt zur gleichen Blamage wie damals bei der NPD.



    2) Selbst wenn es gelingen sollte, so sind da immer noch die Wähler, welche sich andere "Alternativen" (z.B. die Heimat, ehemals NPD) suchen werden.



    So mühsam es auch sein mag, wir müssen einen großen Teil der Wähler wieder zurück gewinnen, statt sie einfach nur als Nazis zu verdammen. Denn bei dem Gedanke eine Demokratie mit über 20% "Nazis" aufrecht erhalten zu wollen, graut es mir.

  • tehabe

    Ein Verbot ist dennoch wichtig. Es richtet sich ja auch nicht an die AfD-Wähler'innen, denen ist das eh egal. Und es geht auch nicht, um die Ideologie die die AfD verbreitet. Bei einem Verbot der AfD geht es einzig und allein, darum Infrastruktur zu zerstören, die unsere Demokratie zerstören will. Und es geht auch darum zu zeigen, dass sich eine Demokratie wehren kann.

    • Astrid Sehnefeld

      @tehabe:

      In der Demokratie ist das Volk der Souverän.



      Dementsprechend müssen die Volksvertreter eine Politik vorantreiben, die die Wünsche der Wählenden im Regelfall befriedet.



      Ich schreibe "im Regelfall", weil Abgeordnete laut Grundgesetz nur ihrem Gewissen verpflichtet sind. Das heißt, sie genießen eine Entscheidungsfreiheit.



      Gleichzeitig steht auch im Grundgesetz - und zwar deutlich weiter vorne, also wichtiger: alle Macht geht vom Volke aus.



      Die AfD genießt einen horrenden Zuspruch, weil Politiker aller Parteien seit langem keine Lösungen mehr bieten.



      Egal ob Wirtschaft, Rente, Krankenversicherung, Wohnungsmangel, marode Schulen, Bürokratieirrsinn, oder oder oder - es zwickt an allen Enden.



      Gegner wollen die AfD verbieten, weil sie eine ausländerfeindliche Politik und Repressionen fürchten.



      Diese Argumente kann ich nachvollziehen, sie ignorieren aber völlig weshalb die AfD gewählt wird.



      Nachweislich wählen die wenigsten Wähler die AfD weil sie eine ausländerfeindliche Politik wünschen - siehe Umfragen.



      Die AfD wird gewählt, weil eine tiefgreifende Politikverdrossenheit im Land vorherrscht ob der unzulänglichen Politik.



      Diese Problematik löst kein Verbot.

    • Abdurchdiemitte

      @tehabe:

      Völlig richtig. Man sollte nicht zu viele Erwartungen in ein AfD-Verbot projizieren.



      Zuvorderst geht es darum, der Partei die Infrastruktur zu nehmen, mit der sie ihre Hetze verbreiten kann.



      Dass das natürlich inhaltlich begründet sein muss, ist ja klar. Aber da sehe ich angesichts des vorliegenden Beweismaterials eigentlich kein Hindernis.

  • Ricky-13

    taz: *Ob das Verbot einer Partei, [...], langfristig der richtige Weg sein kann, um die Demokratie zu retten, lässt sich ohnehin bezweifeln.*

    Man kann natürlich auch abwarten was passiert, denn das hat vor knapp 100 Jahren in Deutschland ja auch so gut geklappt. 😈

    Mit einem AfD Verbot 'allein' ist es natürlich nicht getan, denn es muss auch endlich wieder eine soziale Politik her, die nicht mehr Millionen Bürger 'abhängt' und in die Arme einer rechten Partei treibt. Mit Merz und Söder ist das aber nicht machbar, besonders Merz macht nur noch Politik für die Reichen und Mächtigen in diesem Land. Der BlackRock-CDU-Mann hätte niemals Kanzler werden dürfen, denn er spaltet die Gesellschaft immer mehr, treibt die Armen mit seiner unsozialen Politik in die Fänge einer rechten Partei und gefährdet damit den sozialen Frieden in diesem Land.

    Der Sozialstaat wird aber schon seit Jahrzehnten von der CDU/CSU und auch der (S)PD ("Schröder lässt grüßen!") immer mehr abgebaut; und die Nutznießer waren/sind die Rechten. Aber das möchte wohl keiner wahrhaben.

    "Wer die AfD stoppen will, muss die (Merz)CDU/(Söder)CSU stoppen", lese und höre ich jetzt des Öfteren - und das wird wohl auch stimmen.

    • Life is Life

      @Ricky-13:

      Ja, genau so ist es.

  • Karl Theurer

    Ein Verbot der AfD beseitigt nicht den Nährboden, auf dem diese Partei gedeiht.Wirken würde eine Politik, die die Ungleichheit in Deutschland verringert, die dafür sorgt, dass die Einkommens- und Vermögensunterschiede sich massiv verringern. Die den Menschen Einkommen verschafft mit dem ein Auskommen möglich ist.

    Eine Politik, die auch den Niedriglöhnern eine Teilhabe am Leben ermöglicht, die die Vermögenden entsprechend deren Vermögen an den Gemeinkosten einer Gesellschaft beteiligt. Einer Gesellschaft, die ihnen ihr Vermögen erst ermöglicht hat.

    Eine Politik, die berücksichtigt, dass die kommenden Belastungen auch für die weniger Begüterten zu tragen sind.

    Eine Politik, die Chancengleichheit im Bildungssystem, im Gesundheitswesen, in der Altersversorgung etc. als oberstes Zeil anstrebt.

    Möglichkeiten gäbe es genügend, die da wären z.B. Bedingungsloses Grundeinkommen, Krankenversicherung und Altersversorgung an der sich alle entsprechend ihrer finanziellen Potenz beteiligen, nur als Beispiele genannt. Und sage keiner, es sei nicht genügend Geld vorhanden. Es müsste nur anders verteilt werden.

    Es fehlt zumindest der politische Wille, oder schlimmer noch, das Bewusstsein dafür.

    • Marcelo

      @Karl Theurer:

      Was ist mit Wirtschaft, Einwanderungspolitik, Innere Sicherheit und Reduzierung der Steuern und Sozialabgaben? Sowie das mehr Geld in deutsche Infrastruktur ausgegeben wird als in ausländische

      Das ist doch das was viele Menschen wollen

      • Life is Life

        @Marcelo:

        Wo bitte wird denn mehr Geld in ausländische Infrastruktur gegeben als in "deutsche"?

    • T-Rom

      @Karl Theurer:

      Bin nicht sicher, ob der Hauptgrund für die Popularität der AfD wirklich darin liegt, dass es keine / zu wenig linke Wirtschafts- und Finanzpolitik gibt.

  • uwe

    100% Zustimmung

  • c. F

    Warum der Ost-West-Diskurs? Die Wiedervereinigung ist bald 40 Jahre her. Klar, Spaltung ist bequemer im Kopf als Vereinigung, aber wenn Spaltung zum Ritual (Reproduktion) wird, dann müssen wir von einer volkspsychologischen Verhaltensauffälligkeit sprechen, die zu einer Störung werden kann. Die AfD ist ein gesamtdeutsches Problem!



    All die Punkte, die sie aufzählen, sind erstens selbstverständlich, man nennt es Wahlkampf oder repräsentative Demokratie und zweitens ist alles bereits gemacht worden und hat leider eher das Gegenteil bewirkt: Die AfD wurde stärker! Ihr Gegenbeispiel ist eher unbedeutend (Reichinnek).



    Alle die AfD wählen, wählen nicht aus Protest, sondern aus Erpressung: Wenn du nicht das machst, was ich will, wähle ich die AfD. Das Problem: wenn man eine Partei wählt, dann ist man die Partei für die nächste Legislaturperiode. Man kann ein Kreuz nicht zurücknehmen. Das nennt man politische Selbstverantwortung. Wenn die Eigeninteressen wichtiger sind als die Mitverantwortung für die Macht einer undemokratischen Partei, dann ist ein Parteiverbot eher ein Schutz vor den Wählern, als vor der AfD. Und der Rechtsruck der Mitte könnte so gemildert werden.

  • EchteDemokratieWäreSoSchön

    Ja, das wäre richtig. Den Wählern, die mit der derzeitigen Politik unzufrieden sind, ein Angebot zu machen, die sie wieder von den etablierten Parteien überzeugt.



    Das haben ja die Ministerpräsidenten versucht, indem Sie die Rente mit 63 aufrechterhalten wollen. Das überzeugt aber niemanden. Denn solange die Ministerpräsidenten nicht sagen, woher die 10 Milliarden sonst kommen sollen, ist doch absehbar, worauf das hinauslaufen wird. Entweder nach den Wahlen heißt es dann, dass sich das leider doch nicht finanzieren lässt oder die 10 Milliarden wird irgendwoanders bei den selben Menschen geholt, bei denenman jetzt die 10 Milliarden holen will.



    Das Einzige, was Menschen wirklich überzeugen würde, wäre, wenn man sagen würde, dass man sich Geld dadurch beschaffen würde, indem man die Steuern für die 5000 Milliardäre und Superreichen (>100 Mio.$) erhöht. Die besitzen 3.400 Mrd. $. Schon 1,5-3,5% gäben 50-100 Mrd. €. Damit könnte man die Rente mit 63 und noch viele andere Dinge finanzieren (z.B. ein Deutschland Ticket für 9€, Senkung der Stromsteuer für alle Privatpersonen, Keine Streichungen im Gesundheitssystem und vieles mehr).

    Alles andere wäre unglaubwürdig.

    • Marcelo

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Nur ihre Vorschläge wollen die Menschen nicht! Das fordern doch Parteien besonders die Linke aber sie gewinnt damit die Leute nicht!

      • Axel Schäfer

        @Marcelo:

        Solche Politik hat z.b. Eisenhower ziemlich erfolgreich gemacht und mit dem Geld die Infrastruktur mal wieder in Ordnung gebracht. Die Reichen sind auch nicht geflohen, sondern haben auch nur rumgejammert und sind einfach nur etwas langsamer weiter reicher geworden.

    • Gerald Müller

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      also erstmal wäre das ja eine Art Enteignung wenn man den Besitz besteuert. Ausserdem hängen bei vielen der Superreichen an diesem Besitz auch Arbeitsplätze weil es um produzierendes oder handelndes Gewerbe geht. Man würde also Arbeitsplätze vernichten um Geld woanders auszugeben, wahrscheinlich auch nicht sehr populär.



      Ausserdem würden die Superreichen ihre Kohle natürlich sofort ins Ausland bringen.

      Und, das Probel allein mit Geld lösen zu wollen ist schlicht Wunschdenken, es ist sehr viel vielschichtiger.

      Schließlich, was die Besteuerung der Superreichen angeht, da empfehle ich das Buch "Der Fuchs im Hühnerstall" von Ephraim Kishon wo gezeigt wird wo das alles hingeht.

      • Life is Life

        @Gerald Müller:

        Besitz wird in Form einer Grundsteuer bereits ewig besteuert. Warum soll das für Geldbesitz nicht möglich sein?



        Hinsichtlich der von Ihnen aufgeführten vermuteten Effekte decken sich diese auffällig mit der Argumentation der Superreichen gegen eine Vermögenssteuer. Wieso glauben Sie denen so unbesehen, dass das dann auch so eintreten wird?

  • Sole Mio

    Was würde denn in der Wirtschaft unternommen werden, wenn einem Unternehmen die Kunden und damit die eigene Existenzbasis mehr und mehr weg bricht?

    A:Ein weiter so mit noch extremeren Bezug auf die bisherige Firmenpolitik

    B: Analysieren weshalb der Zuspruch sinkt und was der Markt (Wähler) für Bedürfnisse hat

    • Astrid Sehnefeld

      @Sole Mio:

      Ich verstehe ihr Argument.



      Ich stimme ihm größtenteils zu.



      Allerdings DARF ein Unternehmen sich nur auf seine Absatzgruppe konzentrieren, unser Staat MUSS sich hingegen um alle Gruppen kümmern, explizit auch um Minderheiten.



      Das ist aus meiner Sicht die schwächste Stelle in der Verteidigung der Demokratie, weil es sie dort unglaublich leicht angreifbar macht - für die betroffenen Minderheiten ist es hingegen freilich der größte Trumpf der Demokratie, fraglos.



      Das ist auch der entscheidende Punkt, weshalb man eine Demokratie nicht wie ein Unternehmen führen kann -



      und das ist auch der entscheidende Punkt, weshalb Merz bisher so kläglich an seiner Kanzlerschaft scheitert.

  • Philippo1000

    Hmja,



    es hilft, bei Wahlkampfstrategien Wahlanalysen zu lesen.



    Da wird z.B. deutlich, dass die soziale Sicherheit in den Ostdeutschen Ländern als gar nicht so wichtig erachtet wird.



    Statt dessen steht Zuwanderung an erster Stelle.



    Obwohl Dobrindt eine Asylpolitik macht, die sich wenig von der "afd" unterscheidet, bringt das der Union im Bundestrend nur weitere Verluste ein.



    Die "afd" gewinnt, laut Umfragen, deutlich an Zuspruch in der Arbeiterschaft. Dies geschieht, obwohl sie laut Programm sich für Arbeiterinteressen überhaupt nicht einsetzt.



    Wie soll also das "Angebot" an "afd" Wähler aussehen?



    Eine demokratische Partei wird ihr Programm kaum auf Remigration und Abbau der Demokratie umschreiben wollen.

    Es ist eben kompliziert.



    Und wenn Argumente nicht mehr helfen, sind Verbote letztlich ein Weg.



    Die Journalisten sollten sich fragen, ob "Fundamentalopposition"



    der richtige Weg ist, die Demokratie zu stützen.



    Es gibt viele Länder, in denen Journalismus lebensgefährlich ist.



    Hier ist das nicht so.



    Wäre es nicht an der Zeit, Verantwortung für die Demokratie zu übernehmen und demokratische Arbeit auch mal positiv darzustellen?



    Ich sehe meine Verantwortung jedenfalls genau da.

  • Axel Schäfer

    Was will man Menschen in einem der einkommenschwächsten Bundesländer anbieten, die daran glauben es geht ihnen besser, wenn man alle Ausländer rauswirft und wieder russisches Erdgas importiert?

    • Karl Heinz

      @Axel Schäfer:

      Man könnte ihnen anbieten, dass ihre Steuern vorrangig für die Instandsetzung der lokalen Infrastruktur (ÖPNV, Glasfaser), der Gesundheitsversorgung und Austattung der Schulen zu verwenden. Merkel meinte mal in einem anderen Zusammenhang: Wir schaffen das.

  • Markus Hohenfellner

    Ein Kommentar wie das Licht einer Kerze in einer tiefschwarzen Nacht.

  • Andreas J

    Ich kanns nicht mehr hören. Mit vielen kann man nicht mehr reden. Die sind für die Demokratie verloren. Die AfD muss verboten werden!

    • T-Rom

      @Andreas J:

      Politik gegen die Meinung von 40% der Bevölkerung, ohne dass diese eine Partei wählen kann, von der sie sich (zu Recht oder nicht) vertreten fühlen - das würde noch zu ganz anderen Problemen führen.

      • Axel Schäfer

        @T-Rom:

        Klar, Steuern zahlen möchte auch niemand und arbeiten eigentlich auch niemand da setzen sich Staat und Gesellschaft auch einfach über die gefühlte Mehrheitsmeinung hinweg. Das hier ist keine DDR, hier gibt es keine Ausreiseverbote, wer der Meinung ist Demokratie ist nichts für ihn, der kann sich ja was "besseres" suchen. Im GG steht nicht, dass es nur gilt bis 40% in einem Bundesland ihre Meinung ändern.

      • Life is Life

        @T-Rom:

        Was haben die denn für eine Meinung?



        Ausländer raus, Frauen an den Herd, harte Auslese bereits in der Schule, Abschaffung der Grundsicherung, Gas aus Russland etc.?



        Spätestens beim ersten Nachhaken zu den daraus resultierenden Konsequenzen fällt denen nichts mehr ein.



        Im allerbesten Fall (sehr selten) ein: Ach, da müsste ich mich noch einmal genauer mit beschäftigen, im schlechteren Fall Gepöbel .....

  • DiMa

    Jein. Der Hinweis auf die Linke bei der letzten Bubdestagswahl leuchtet nur im ersten Moment ein, den es wird übersehen, welches Ergebnis die AFD bei der gleichen Wahl erreicht hat.

    Insoweit sind eigene Angebote immer richtig, nur müssen diese halt auch Mehrheiten erzeugen können. Und daran hapert es momentan.

  • Šarru-kīnu

    Um diesen Wählern wieder Angebote zu machen, müssten selbstkritisch Leitsätze der Politik der letzten 20 Jahre auf den Prüfstand. Die Bereitschaft innerhalb der Funktionselite zuzugeben Fehler gemacht und die Bevölkerung belogen zu haben, sehe ich aber weiterhin nicht. Die denken immer noch es den Proleten nur besser erklären zu müssen.



    Um die AfD zu schlagen bräuchte es daher eine echte und seriöse Alternative zum derzeitigen StatusQuo. Wer strukturelle Veränderungen wünscht, hat ja keine Partei die überhaupt gewählt werden kann. Selbst die Linke macht ja inzwischen hauptsächlich auf Besitzstandswahrung.

  • Astrid Sehnefeld

    Vollste Zustimmung Herr Wallraff!



    "Wäre es vor den Wahlen (...) nicht viel wichtiger, wenigstens den Versuch zu unternehmen, die vielen Menschen dort anzusprechen" - ja, wäre es. Aber es kommt schon lange keiner mehr. Die AfD ist jedes Jahr mehrmals in meinem Dorf. Grillfest, Bürgersprechstunde, selbst zur Blutspende schaut die AfD vorbei. Andere Parteien? Fehlanzeige.



    SPD, Grüne, Union laden auf den Marktplatz in 21 Kliometern Entfernung - vor Wahlen. Sonst nicht.



    Zur letzten Bundestagswahl hingen nur noch AfD Plakate im Ort und eines von Die Linke - SPD, Grüne, Union waren im gesamten Ort NICHT zu sehen.



    Ihr Fazit Herr Wallraff trifft den Nagel auf den Kopf: "Bei vielen Ostdeutschen, die sich sowieso schon viel zu oft vernachlässigt und belehrt fühlen, könnten die Drohungen aus dem Westen kurz vor der Wahl den letzten Ausschlag geben, um nun erst recht die AfD zu wählen" - so sieht's aus, so wirds laufen.



    Wo sind Klingbeil, Özdemir oder die anderen Verbotsbefürworter?



    Kommt zu uns in die Dörfer, seid vor Ort, spart euch eure Weisheiten aus entfernten Metropolen - die AfD wurde hier Volkspartei weil sie die einzigen sind, die Anwesenheit und Interesse zeigen.



    Leider.

    • Klabauta

      @Astrid Sehnefeld:

      Auch in diesem Forum konnte mir immer noch Keine*r erklären, warum inzwischen ca. 42% der Leute es vorziehen, eine Partei zu wählen, die nach unten tritt.

      Was bleibt den Menschen in Sachsen-Anhalt, die keine AfD wollen? Wohl nur die Wahl zwischen auswandern und dem alten Slogan der DDR-Opposition "Bleib im Land und wehre dich täglich!" Viel Glück damit.

      • PeWi

        @Klabauta:

        Ihr Kommentar, mit dem Sie nicht auf die Punkte von Frau Sehnefeld eingehen, bestätigt doch nur ihre These, dass zu viele Politiker und Anhänger der "etablierten" Parteien lieber in ihrer eigenen Welt leben wollen - von der aus sie bequem "nach unten treten" können, nämlich auf die AfD-Wähler und sich über deren Ansichten und Dummheit mokieren.

        Vielleicht wählen ja viele, nicht nur "im Osten", die AfD, weil sie seit Jahren das Gefühl haben, nach ihnen werde nur getreten, wenn sie sagen, was sie bewegt.

    • Šarru-kīnu

      @Astrid Sehnefeld:

      So ist es auch bei uns. Die AfD steht als einzige Partei das ganze Jahr am Marktplatz. Für die anderen Parteien sind wir dagegen nur die Provinzler aus dem Tal der Ahnungslosen. Die Ergebnisse sind nun wirklich kein Wunder gemessen an der Verachtung, die uns relativ offen entgegengebracht wird.

  • Pico

    "Der Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung", sagte schon Wilhelm Busch.



    Deswegen: Macht es besser als die AfD. Zumindest fangt mal an "was zu machen". Zeit und Mandate habt ihr doch.

  • Jalella

    Eigene Angebote wären super. Schon vor Jahren hätte man die machen sollen, statt das Gegenteil zu tun. Macht man aber nicht. Die neoliberale Front schlägt weiter in die Kerbe der Rechtsextremen und muss teilweise selbst als rechtsextrem bezeichnet werden. Oder was würde z.B. ein AfD-Innenminister anders machen als Dobrindt?

    Problemchen ist, dass es jetzt aber auch keiner mehr glauben würde. Wenn die sPD plötzlich in einem verstaubten Zeitungsartikel Sprüche ihrer Vorfahren-Partei findet, die sozial klingen, wer würde ihnen das nach 30 Jahren neoliberaler Politik abnehmen? Eine Arbeitsministerin, die "bis an die Grenze dessen geht, was das GG hergibt" um arme in Not geratene Menschen noch mehr in den Abgrund zu schubsen, statt "bis an die Grenze dessen zu gehen, was das GG hergibt" um Immobilienkonzerne zu vergesellschaften, hat ein Adjektiv mit dem Bestandteil "sozial" höchstens in Form von "antisozial" verdient.

    Und natürlich müsste man was gegen die Gründe tun, aber wenn der Zug wenige Meter vor der Mauer steht, zieht man eben die Notbremse. Und ein AfD-Verbot wäre eine Notbremse. Auch wenn der Zug dann erstmal auf der Strecke steht und die Passagier nicht an ihr Ziel kommen.

    • Grenzgänger

      @Jalella:

      > AfD-Verbot wäre eine Notbremse







      Das heisst, Art. 21 GG kann ersatzlos gestrichen werden?

  • Martin Rees

    "...Drohungen aus dem Westen kurz vor der Wahl den letzten Ausschlag geben"



    Gut möglich, sogar m.M.n. eher ziemlich wahrscheinlich nach der bekundeten und nachlesbaren Entwicklung zuletzt!