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Das Sterben der FDPWolfgang Kubicki ist nicht Gerhart Baum

Tobias Schulze

Kommentar von

Tobias Schulze

Ausgerechnet die Krawallkanone Wolfgang Kubicki soll die Liberalen retten. Mit ihm entscheidet sich die Partei für einen moderaten Rechtspopulismus.

Soll die FDP retten und wieder hochprozentig machen: Wolfgang Kubicki Foto: Michael Kappeler/dpa

D ie Leiche ist noch nicht unter der Erde, am Erbe wird aber schon gezerrt. Nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg verkündete Bundeskanzler Friedrich Merz, die FDP sei von der Bühne verschwunden und komme nicht wieder. Ihre Wäh­le­r*in­nen sollen künftig bitte die CDU wählen.

Zwei Wochen später in Rheinland-Pfalz taten sie das dann auch, was den Sterbeprozess der Liberalen beschleunigte und Grünen-Chefin Franziska Brantner zur Nachahmung bewegte: Mit einem Interview in der <i>Welt</i> und einem Gastbeitrag in der <i>FAZ</i> sprach mittlerweile auch sie eine „Einladung“ an die bisherige FDP-Klientel aus.

Mit der Erbfolge kann man sich tatsächlich schon mal befassen. Die Freidemokraten zucken zwar noch und wollen mit der Wahl einer neuen Spitze im Mai einen letzten Comebackversuch starten. Große Hoffnungen sollten sie sich aber nicht machen. Mit dem einen Kandidaten, Wolfgang Kubicki, würde sie sich für einen moderaten Rechtspopulismus zwischen CDU und AfD entscheiden.

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Ob dort überhaupt noch Platz ist, ist fraglich. Der Gegenkandidat, Henning Höne, ist jünger als Kubicki und weniger unseriös. Sonst weiß man nicht viel über ihn – was den Landespolitiker für die Rettung einer Partei, der die Bundestagsfraktion und damit mediale Reichweite abhandengekommen ist, auch nicht prädestiniert.

FDP hat viele Stimmen an die Rechten verloren

Aber ob sich ausgerechnet die Grünen Chancen auf den Nachlass der FDP ausrechnen können? Brantners Vorgängerin Ricarda Lang sagte diese Woche in der Zeit, sie bezweifle, dass die FDP-Wähler*innen „nur auf uns Grüne gewartet haben“. Daten zur Wählerwanderung bei den vergangenen Landtagswahlen deuten darauf hin, dass sie recht hat.

Die FDP hat dort stark an die AfD und noch stärker an die Union verloren, an die Grünen dagegen wenig bis gar nicht. Was allerdings denkbar ist: dass für die Grünen nur deshalb nichts zu holen war, weil sie längst ein vorgezogenes Erbe eingestrichen haben.

Es liegt nahe, dass sie in einem schleichenden Prozess zur politischen Heimat von Wählergruppen wurden, die einst die FDP geschätzt haben – aber nicht wegen deren Kampf gegen Staatsschulden und Mietpreisbremse, sondern wegen der Bürgerrechtspolitik und des Linksliberalismus von Urgesteinen wie Gerhart Baum.

Liberal sind die Grünen ja schon auch, nur anders. Die FDP, wie wir sie heute kennen, verfolgt einen intuitiven Begriff von Freiheit: Frei ist der Mensch, wenn der Staat ihn in Ruhe lässt. Bei den Grünen ist es komplexer: Frei ist der Mensch, wenn ihm der Staat seine Freiheit ermöglicht, und sei es mit Verboten. Anschaulich wird das zum Beispiel in der Klimapolitik, in der die Grünen für massive staatliche Eingriffe werben – und dabei gerne mit dem Urteil des Verfassungsgerichts von 2021 argumentieren: Wenn wir jetzt nicht handeln, verlieren künftige Generationen an Freiheit.

Damit kann man sicherlich Liberale überzeugen. Aber sicher nicht die Liberalen, die bis zum bitteren Ende die FDP gewählt haben.

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Tobias Schulze
Parlamentskorrespondent
Geboren 1988, arbeitet seit 2013 für die taz. Schreibt als Parlamentskorrespondent unter anderem über die Grünen, deutsche Außenpolitik und militärische Themen. Leitete zuvor das Inlandsressort.
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30 Kommentare

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  • Dann wird das Wahlprogramm der FDP deutlich übersichtlicher:



    Punkt 1) Freie Fahrt für freie Bürger.



    Punkt 2) Abschaffung der Alkoholsteuer,

  • Der Genickbruch für die FDP war ihr völlig destruktives und komplett unprofessionelles Verhalten in der Ampel. Man strikte Kompromisse mit SPD und Grünen und blockierte diese dann dämlich grinsend, weil sie (oh weh) nicht FDP-Politik pur waren.



    So ein Kaschperltheater braucht niemand, hat man schon die Schwarz-Gelbe Option an die Wand gefahren, war der Ampel-„D-Day“ der endgültige politische Selbstmord.

  • In ihrer Liebe zu Ordnung und Regeln nehmen sich Linke und Rechte nichts. Nonkonformes Verhalten wird argwöhnisch betrachtet und moralisch verurteilt.



    Dabei ist es egal, ob es um Völkerrecht, Fahradfahren auf Gehwegen oder Schwarzfahren geht - abgeurteilt wird mittels Moral. "Da hat sich jemand nicht an die Regeln gehalten!"

    Aber ohne individualistische, liberale Querschläger, die als Korrektiv die Ordnungsfreude immer wieder herausfordern, droht der Gesellschaft die Erstarrung im Konservativismus. Der ist dann weder rechts noch links, sondern einfach nur unbeweglich.

    Die FDP hat diese Aufgabe spätestens seit Westerwelle nicht mehr ausgefüllt (wenn überhaupt je), bei den Grünen haben die Freidenker schon sehr lange einen schweren Stand. Wahrscheinlich zermahlen die Strukturen in den Parteien solche Charaktere.

    Es bleibt wohl Aufgabe aller Bürger, die Freiheitsräume zu erhalten.

  • Schöner Titel! Das ist etwa so wie "Trump ist nicht der Dalai Lama". Vom ehernwerten Gerhard Baum bis zu Kubicki ist es ein laaanger Weg.

  • Nachtreten galt lange Zeit als unmoralisch, mittlerweile scheinen dir noch nicht sattelfesten Erb*Innen in Union und bei den Grünen neue „Maßstäbe“ zu setzen.



    Es ist kein Gewinn für die Demokratie, wenn die Möglichkeiten reduziert werden.



    Das Negativbeispiel bleibt die USA, wo letztlich ein entweder/oder zurcWajl steht.



    Dass Jemand, der in diesem Land Kanzler sein will, Parteipolitik vor demokratische Verantwortung stellt, zeigt mal wieder, dass Merz der Falsche ist.



    Statt vermeintliche Gewinne zu feiern, sollten sich die Demokrat*Innen mit der Demokratiegefährdung namens „afd“ auseinander setzen,



    Das ist aber wohl zu kompliziert,



    viel einfacher ist es z.B. auch die SPD zu kritisieren.



    Dass diese Kritik Wasser auf die Mühlen der Rechten bedeutet, sollte JedE*r klar sein, der*die einigermaßen geradeaus denken kann.



    Das treibt so seltsame Blüten, dass , statt mit der Justizministerin zum Schutz von Frauen im Internet zusammen zu arbeiten,



    versucht wird, „schneller“ zu sein um die Partei in den Vordergrund zu rücken,



    Mir waren stets Inhalte wichtiger, als Farben.



    Politiker*Innen wie Jounalist*Innen sollten das Ziel haben, für die freiheitlich demokratische Gesellschaft einzustehen.

  • ... und die taz ist nicht DIE ZEIT. 🤓

  • Warte seit langem auf einen taz-Artikel, der erwähnt, wie sich Brantner in der faz als Erbin der FDP geriert, indem sie den Vorläufer des Neoliberalismus Locke zitiert, um dann bei der unvermeitlichen Hannah Arendt und dem Begriff Freiheit zu landen, letztlich also marktkonforme neoliberale Politik als alternativlos dazustellen.



    Unter den Tisch fällt dabei Arendts Kritik an den negativen Folgen der ständigen externen Machterweiterung, wie sie die EU z. b. im Mercosor-Abkommen schuf.



    Innerhalb der Grünen ist eine Kritik an der Ausbeutung des Globalen Südens mittlerweile ein No Go - wie auch an massiver Aufrüstung mit staatlichen Geld ohne Ende.

    Da wäre es doch nur konsequent, wenn sich die FDP grün neu erfinden würde, dem Marktradiakalismus mit dem Mercosur-Abkommen eine Absage erteilen würde.

    Eine Neuerfindung der FDP wäre nur möglich, wenn es in der FDP noch ein Hauch Intellektualismus geben würde, sie erkennen würde, dass ein Parteiprogramm kein Produkt oder Show ist, sondern neue Inhalte geboten sind, die die Metakrise Erderwärmung ernst nehmen, damit demokratische Freiheit jenseits neoliberaler Zwänge entsteht.

    • @Lindenberg:

      Ach was? Ist da ein Kenner der GRÜNEN Szene am Werk? Woher willst Du das denn wissen, dass es intern bei GRÜN's nicht kritisiert wird, dass die Kolonialisierung fortgesetzt stattfindet? Es IST ein Thema, glaub' mir!

    • @Lindenberg:

      " Innerhalb der Grünen ist eine Kritik an der Ausbeutung des Globalen Südens mittlerweile ein No Go - wie auch an massiver Aufrüstung mit staatlichen Geld ohne Ende."



      Wie kommen Sie darauf? Die Kritik ist durchaus wahrnehmbar vorhanden. Sie kommen allerdings bei den Grünen mit Sprüchen der Marke: "WIR müssen endlich alle verzichten und dem globalen Süden weniger wegnehmen" nicht mehr weit, weil die Grünen jetzt in Regierungsverantwortung waren und eben verpflichtet waren, tatsächliche Forderungen auch in die Tat umzusetzen, was deren Affinität für Sprücheklopfen reduziert hat.

      Und die Kritik an "massiver Aufrüstung mit staatlichem Geld ohne Ende" ist bei den Grünen deshalb nicht vorhanden, weil die Weltlage eine Situation ergeben hat, in der diese tatsächlich mehr oder weniger alternativlos ist - außer, man möchte sich zukünftig eben denen anschließen, die von den anderen Großmächten untergebuttert werden.

    • @Lindenberg:

      Wenn potentielle FDP Wähler eines nicht ausstehen können, dann sind das die Grünen.

    • @Lindenberg:

      Bei welcher Partei wäre denn das Parzeiprogramm keine Show?

      Mir fällt keine ein.

  • Viele in der fDP haben den Begriff "Freiheit" gar nicht richtig vestanden. Die haben diese wertvolle Errungenschaft reduziert auf wirtschaftliche Vorteile, Rücksichtslosigkeit, Egoismus. Zu denen gehört auch Kubicki. So abgedroschen der Spruch auch sein mag, er beschreibt aber die Grundlage: "Freiheit ist auch die der Anderen - nicht nur meine eigene!"

    • @Perkele:

      Kubicki hat schon mehrere Bücher über seinen Freiheitsbegriff geschrieben. Wer ihn als Marktradikalen beschreibt, kennt ihn nicht und hat nichts von ihm gelesen. Aber BEHAUPTEN kann man ja alles. Kubicki ist auch kein Rechtspopulist, sondern ein überzeugter Liberaler. Wer mit 74 nochmals für ein Spitzenamt antritt ist kein Populist, sondern liebt den Liberalismus.

  • Die FDP ist verloren, da ändert auch der graue Korsar Kubicki nichts dran. Der Mann für harte Sprüche ist ein Sprücheklopfer und kein Genscher. Kubicki inszeniert sich selbst, das haben die Wähler schnell raus. Wer auf Sprücheklopfer steht, der wählt AfD - das derbe Original.

    • @Salinger:

      +1

    • @Salinger:

      Waren es nicht Genscher, Lambsdorf und Co. die sich von der Baum FDP verabschiedet haben?

  • Auf eines wird mit Kubicki Verlass sein, dass er seine Rolle weiter spielen will und die Medien ihm die Bühne dafür schaffen werden.



    Bei rnd.de war dazu zu lesen:



    "Kubicki? Da fassen sich viele an den Kopf. Der 74-Jährige vergreift sich immer wieder im Ton, oft gegenüber Frauen. Er gilt als Heckenschütze, der keine Parteidisziplin kennt. Er attackiert gern eigene Parteikolleginnen und -kollegen und auch die Partner in Regierungskoalitionen sind vor ihm nicht sicher. „Kotzbrocken“, „Egomane“ oder „Quartalsirrer“ sagen diejenigen über Kubicki, die mit ihm nicht zurechtkommen.



    Gefragte Eigenschaften



    Aber Kubicki hat eben auch Eigenschaften, die gefragt sind beim politischen Überlebenskampf einer Partei. Da geht es weniger um ausgefeilte Programme. Da geht es um Sichtbarkeit in den Medien, um provokante Wortmeldungen, gut gesetzte Attacken. Dafür ist der scharfzüngige Kubicki mit seiner bundesweiten Bekanntheit geradezu eine Idealbesetzung. Ein Mann mit Ecken und Kanten, aber großer Klappe. Eine Type. So etwas sorgt für Aufmerksamkeit und auch für Sympathien."



    2024 b. focus.de



    "Wolfgang Kubicki gibt Interview



    „Ich werde auf keinen Fall mehr mit den Grünen zusammenarbeiten“



    Alles gesagt

  • Das ist schon arg beleidigend die Grünen mit der derzeitigen Illiberalen Rest FDP zu vergleichen.

    • @Axel Schäfer:

      Warum? Was unterscheidet diese beiden Parteien denn nun so sehr voneinander? Die FDP wirkt sicherlich dumpf-reaktionärer, die Grünen hingegen maximal heuchlerischer mit ihrem (pseodo-) progressiven Anstrich. Fragt sich, was charakterlich schlimmer ist. Neoliberal ist jedenfalls beides. Und die Grünen werden ja inzwischen von einem noch wohlhabenderen Klientel gewählt als die Gelben

  • Vielleicht ist der Drops FDP noch nicht gelutscht - Totgesagte leben bekanntlich länger.

    Diese kleine Möglichkeit hilft jedoch nicht darüber hinweg, dass die Krise der Partei tiefe strukturelle Gründe hat:

    Softer Rechtspopulismus, wie im Artikel erwähnt, ist einer davon; eine Vulgärfreiheit, die sich erschöpft in Parolen wie "wir wollen keine Steuern zahlen und Genehmigungsverfahren dauern zu lange", ein anderer.

    Intellektuelle Leere und konzeptuelle Ideenlosigkeit in der Kurzatmigkeit des politischen Alltags betrifft alle Parteien; aber die FDP ganz besonders.

    Solange sich daran nichts ändert, wird es nicht besser werden. Ich empfehle die Klassiker liberalen Denkens wie John Stuart Mill zu lesen.

  • Wenn ich die (ehemaligen) FDP-Parteifarben gelb und blau mische, so wird daraus grün!

  • Ewiges schwarz/rot oder schwarz/grün oder GroKo?



    Man muss die FDP nicht mögen, über 97% der Wähler mögen sie ja auch nicht. Fehlen wird sie trotzdem in der politischen Landschaft. Und kracht es mal so richtig zwischen SPD/Grünen und der CDU, dann ist sie als Zünglein an der Waage nicht mehr da. Dann, so fürchte ich, schaut die CDU doch nach rechts zur AfD und erklärt sie für Hoffähig, weil sonst keiner mehr anders an eine Mehrheit kommt. Aber was solls, die Partei ist eh schon weg vom Fenster und wird wohl die das BSW auch nicht wiederkehren.

    • @Hans Dampf:

      Die FDP war schon seit vielen Jahren nur noch eine Partei, die unter Liberalität die die unbeschränkte Akkumulation von Kapital und das unbeschränkte Ausleben (häufig teuer) Marotten auch auf Kosten anderer Menschen verstand. Diese Art von Liberalismus wird offensichtlich nur noch von einer kleinen Gruppe gewünscht. Fährt Kubicki die Klapperkiste endgültig an die Wand, besteht vielleicht die Chance, dass sich eine Liberale Partei gründet, die sich an Baum/Genscher/Leutheusser-Schnarrenberger orientiert, statt an Westerwelle/Lindner/Dürr. So eine Partei hätte dann vielleicht auch wieder einen Platz im Bundestag...

    • @Hans Dampf:

      Das Zünglein an der Waage? Doch wohl eher der Schwanz, der mit dem Hund wackelt. Oft genug praktiziert von den freien Demokraten - nicht erst seit Genscher.

  • Ich halte die Grünen im Kern nicht für eine liberale Partei. Das wollen sie, meinem Eindruck nach, auch gar nicht sein. Das Menschenbild passt einfach nicht - das Image als "Verbotspartei" ist nicht völlig aus der Luft gegriffen. Die Grünen, insbesondere die grüne Jugend, würden zudem wohl kaum das Recht auf Privateigentum an sich für fundamental wichtig halten, was nun mal eine der Grundlagen des Liberalismus ist (sonst wäre man, insbesondere in Berlin, nicht so ein dogmatischer Enteignungsfan).

    Alle diese Ansichten sind völlig legitim, aber eben nicht liberal.

    • @Agarack:

      Liberal heißt ja sehr unterschiedliche Dinge. Es ist nicht nur das Recht auf Eigentum, sondern eben auch auf Bürgerrechte, nicht überwacht zu werden (Vorratsdatenspeicherung usw.), Cannabislegalisierung und ähnliches.

      Im gesellschaftlichen Sinne sind sich Grüne und FDP sehr nahe, das war ja auch in der Koalition so. Nur im wirtschaftlichen sind sie sich sehr fern, da die FDP ökonomische Freiheit als die Freiheit der Reichen missverstand, den Planeten zerstören und die Armen ausbeuten zu dürfen.

      Es ist durchaus schade, denn eine Zusammenarbeit wäre mit konstruktiverem Spitzenpersonal der FDP absolut möglich gewesen. Leider wollten die lieber mit Rechtsextremen zusammenarbeiten und die Koalition sprengen.

      • @leonavis:

        Ja, Liberalismus hat viele Seiten. Aber Frau Brantner und Herr Onay berufen sich im verlinkten Artikel selbst u.a. auf John Stuart Mill, den klassischen Gründervater des Liberalismus - und dieser hält das Recht auf Privateigentum für ein unumstößliches Grundrecht und stellt den Grundsatz auf, die Freiheit des Einzelnen sollte nur so weit staatlich reguliert werden, dass sie die Freiheit der Anderen nicht einschränkt - was einem immer noch viel Interpretationsspielraum gibt.

        Selbst, wenn ich die wirtschaftliche Seite außen vor lasse, bin ich mir aber sicher, dass die Grünen auch gesellschaftlich diese Ansichten nicht im Grundsatz vertreten. Wenn es z.B. um die Verfolgung von Sexualstraftätern geht, sind die Grünen plötzlich auch gerne ganz obrigkeitsstaatlich (siehe Fr. Nietzard: "Die Unschuldsvermutung darf in einer progressiven Partei nicht gelten"). Hinzu kommt, dass die Grünen sehr viel eher bereit sind als die FDP, ihre gesellschaftliche Vision regulatorisch zu erzwingen (z.B. durch Frauen- und Minderheitenquoten).

        Die Grünen sind sicher nicht illiberal - sie sind glaubwürdige Verteidiger der liberalen Demokratie. Aber als Stimme des Liberalismus sehe ich sie auch nicht.

    • @Agarack:

      Für dogmatische Enteignungsfans ist, meinem Eindruck nach, die Beschränkung auf einen einzigen Immobilienkonzern aber ganz schön zahnlos. In Berlin gäbe es doch viel mehr Privateigentum zu enteignen als die paar Wohnungen.

      • @nihilist:

        Nur, um das klarzustellen: Die Grünen, auch die Berliner Grünen, sind natürlich keine kommunistische Partei, die gerne alles enteignen möchte. Was ich mit "dogmatische Enteignungsfans" meine, ist, dass die Befürwortung der staatlichen Übernahme der besprochenen Wohnungen etwas dogmatisches hat und eher ideologie- als zahlenbasiert gefordert wird.

  • Ich versteh' es nicht.

    Die FDP steht doch stets auf der Seite des kleinen Mannes.

    Sie ist doch schon immer ein verlässlicher Partner der sozial Benachteiligten.

    Keine Partei steht so für soziale Gerechtigkeit wie die FDP !

    Stammt nicht von ihr der geflügelte Satz "Aufstieg und Wohlstand durch soziale Gerechtigkeit" ?

    Ich bitte sie: Wie kann es angesichts dieser Maxime nur zu dieser Niederlage gekommen sein ?

    Ich versteh' es nicht.