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Köpfe von Beucker, Schulze, Mescher und Reinecke

Liberale Partei am Boden Kann Kubicki die FDP retten?

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Die FDP kämpft ums Überleben. Kubicki will sie retten, doch der Streit um den Kurs könnte die Partei weiter nach rechts treiben.

Die FDP kämpft mal wieder ums politische Überleben. Nach dem Scheitern an der Fünfprozenthürde bei der Bundestagswahl und weiteren Niederlagen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ist die Partei in eine Krise geraten, die tiefer reicht als frühere Abstürze. Jetzt will ausgerechnet Wolfgang Kubicki sie retten. Der 74-Jährige hat angekündigt, Ende Mai für den Parteivorsitz zu kandidieren. Doch seine Bewerbung steht nicht nur für einen Machtkampf, sondern für eine Richtungsentscheidung.

Im Bundestalk diskutieren Martina Mescher, Pascal Beucker, Stefan Reinecke und Tobias Schulze, was von der FDP noch übrig ist und ob Kubicki die Partei wirklich noch einmal ins Spiel bringen kann. Denn anders als nach dem Bundestagsaus 2013 fehlt der FDP heute nicht nur parlamentarische Präsenz, sondern auch ein klares politisches Angebot. In immer weniger Landtagen vertreten, ohne Bundestagsfraktion und ohne erkennbare Aufarbeitung des Ampel-Scheiterns steht sie vor einer existenziellen Frage: Wofür soll diese Partei eigentlich noch gebraucht werden?

Kubicki setzt offenbar auf maximale Sichtbarkeit. Er kann Aufmerksamkeit erzeugen, provozieren und die Partei in die Schlagzeilen bringen. Genau darin sehen einige in der Runde auch sein politisches Kalkül: Die FDP könnte sich als rechtsliberale Kraft zwischen Union und AfD neu positionieren – mit einem individualistischen Freiheitsversprechen, scharfer Staatskritik und populistischem Ton. Andere bezweifeln allerdings, dass in diesem politischen Feld überhaupt noch genug Platz ist. Rechts von der Union steht längst die AfD, viele klassisch bürgerlich-liberale Wäh­le­r:in­nen sind schon zur CDU zurückgekehrt, andere liberalere Milieus haben sich längst bei den Grünen eingerichtet.

Demgegenüber steht mit Henning Höne ein Gegenkandidat, der für einen eher klassischen FDP-Kurs wirbt: wirtschaftsliberal, bürgerrechtlich, sammelnd statt polarisierend. Auch deshalb wird der Parteitag Ende Mai mehr als eine Personalentscheidung. Es geht um die Frage, ob die FDP versucht, an frühere liberale Traditionen anzuknüpfen – oder ob sie sich auf einen härteren, rechteren Kurs einlässt, um überhaupt noch wahrgenommen zu werden.

Die Folge kreist deshalb auch um eine größere politische Frage: Was würde es für die Demokratie bedeuten, wenn die FDP verschwindet? Ist sie nur eine Partei der Vergangenheit, deren frühere Funktion im heutigen Parteiensystem erledigt ist? Oder würde mit ihr auch ein Teil des liberalen Spektrums heimatlos, das dann womöglich weiter nach rechts driftet? Die FDP ist klein geworden. Aber die Frage nach ihrem Schicksal reicht über die Partei selbst hinaus.

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4 Kommentare

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  • Es gab in dieser Partei eine gar nicht so kleine Anzahl an Persönlichkeiten wie Baum, Hirsch, Verheugen, Leutheuser-Schnarrenberger,Hamm-Brücher u.s.w. , die in ihrer aktiven Zeit für eine wirklich liberale Ausrichtung der Partei standen, stets verbunden mit einem sozialem Gewissen. Daneben waren sie auch immer ein Korrektiv gegen eine reine wirtschaftsliberale und rechtskonservative Entwicklung. Spätestens mit Lindner wurde aber immer mehr ein marktradikaler Kurs eingeschlagen, der letztendlich die FDP aus dem Bundestag katapultierte. Das jetzige Gerangel um den neuen Parteivorsitz, spiegelt eine Entwicklung wieder, wie sie sich seit längerem andeutete. Und sollte der rechtskonservativ-populistische Politclown Kubicki kandidieren und auch gewählt werden, kann man getrost schon mal den Bestatter bestellen.



    Wärs schade? Ich weiss es nicht.

  • Die derzeitige fdP ist in der Tat völlig überflüssig. Es wäre anders, würde sie sich in Wort und Tat dem wirklichen Liberalismus widmen, der durch die Aufklärung beflügelt wurde und alle !! Menschen betrifft. Stattdessen zeigt die fdP schon lange nur Interesse und Einsatz für die Wirtschaft (und hier nur die starken Akteure) und Egoisten, etwa solche, die die Raserei auf den Straßen für "Freiheit" halten. Sozial benachteilgte Mitbürger*innen kommen in den Gedanken nur als Schmarotzer vor und in Taten überhaupt nicht.

  • Unabhängig von den detaillierten inhaltlichen Positionen hat sich bei der FDP ja inzwischen eine regelrechte "Verantwortungsallergie" bis hin zur Regierungsunfähigkeit eingestellt. Volker Wissing bezeugt es gerade in seinem Buch und diversen Interviews.



    Es ist ein bisschen wie beim BSW - ein paar destruktive Protestwähler:innen die sich für die AfD zu fein sind mag eine Kubicki-FDP einsammeln können. Aber für, sagen wir, Kultur-Liberale wären es verlorene Stimmen... wo sollen solche Leute jetzt hin?

  • Natürlich rettet Kubicki die FDP und bringt sie sicher wieder auf ihre 3 Pünktchen