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CDU-interne Kritik an MerzLübcke-Witwe widerspricht Friedrich Merz

CDU-Chef Merz fragte, wo „die Antifa“ gewesen sei, als CDU-Politiker Walter Lübcke ermordet wurde. Irmgard Lübcke-Braun kritisiert ihn deshalb scharf.

Nicht bemerkt, war trotzdem da: die Antifa im Fall Walter Lübcke Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa Fto

Berlin taz | Irmgard Lübcke-Braun hat den CDU-Chef Friedrich Merz scharf kritisiert. Der hatte den Mord am CDU-Politiker Walter Lübcke in eine Rede instrumentalisiert, um gegen Ge­gen­de­mons­tran­t*in­nen zu polemisieren. Lübcke-Braun sagte: „Die Aussage von Friedrich Merz am Samstag beim gemeinsamen Wahlkampfabschluss der CSU und CDU in München hat meine Familie und mich sehr befremdet und ich möchte sie so nicht stehen lassen.“ Zuerst hatte die Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) über das Statement von Lübcke-Braun berichtet.

Sie bezog sich auf einen besonders geschmacklosen Ausfall des designierten CDU-Kanzlers Friedrich Merz am Abend vor der Wahl: Nach der Protestwelle wegen der gemeinsamen Abstimmung von Union und AfD im Bundestag begleiteten den Spitzenkandidaten in den letzten Wahlkampfwochen Gegenproteste. So auch letzten Samstag beim Wahlkampfabschluss in einem Münchner Brauhauskeller.

Merz regte sich dort erneut über die Kritik an seinem Manöver im Bundestag auf und schimpfte: „Ich frage mal die Ganzen, die da draußen rumlaufen, Antifa und gegen Rechts: Wo waren die denn, als Walter Lübcke in Kassel ermordet worden ist von einem Rechtsradikalen?“ Er diffamierte Gegenproteste als „grüne und linke Spinner“ und rief „Links ist nun vorbei“. Merz wolle Politik machen für jene, die „alle Tassen im Schrank haben“. Tatsächlich jedoch gab es viele antifaschistische Demonstrationen mit tausenden Teil­neh­me­r*in­nen nach dem Mord an Walter Lübcke.

Darauf verwies Braun-Lübcke in ihrem Schreiben an die HNA. Es habe „nach der Ermordung meines Mannes ein starkes gesellschaftlich breites Bekenntnis zu unserer Demokratie und ihren Werten“ gegeben. Sie verwies auf Trauerkundgebungen und Demos in Wolfhagen, Kassel und vielen weiteren Orten von linken, liberalen und konservativen Demokraten: „Gemeinsam haben sie sich klar gegen Gewalt, Hass und Hetze sowie eindeutig für Demokratie, Freiheit und Menschlichkeit positioniert. Dies gab uns als Familie sehr viel Kraft und zeigte, wir sind nicht allein, du bist nicht allein, wir treten gemeinsam ein für den Bestand unserer Demokratie.“

Sie schrieb weiter, in „dieser schwierigen Zeit, in der so Vieles, was bisher selbstverständlich war, ins Wanken gerät oder keine Gültigkeit mehr hat, sind wir alle mehr denn je gefordert, insbesondere die Politik, die Menschen zusammenzuführen und gemeinsam für Werte einzutreten, wie es mein Mann getan hat.“

Breite Kritik an Merz-Äußerungen

Merz Äußerungen hatten für breite Kritik gesorgt. Das Bündnis „Offen für Vielfalt!“ nannte es „erschreckend ahnungslos“. Der Grüne Robert Habeck stellte klar, dass es sich um eine „Lüge“ handelte und fragte, „ob die CDU damals die richtigen Konsequenzen gegen Rechts gezogen hatte.“

Der damalige CSU-Innenminister Horst Seehofer hatte nach dem Mord an Lübcke am 1. Juni 2019 über zwei Wochen lang Fragen nach einem politischen Hintergrund offen gelassen. Das antifaschistische Recherche-Kollektiv Exif veröffentlichte dann am 17. Juni eine umfassende Recherche über den neonazistischen Hintergrund des Täters. Die Antifa Freiburg berichtete am selben Tag über eine Spende des Täters an die AfD.

Auch die langjährige CDU-Rechtsauslegerin Erika Steinbach hatte in der Vergangenheit gegen Lübcke gehetzt, als sie bereits der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung vorsaß. Morddrohungen gegen Lübcke in ihren Kommentarspalten ließ sie stehen. Mittlerweile ist sie selbst der extrem rechten AfD beigetreten.

Lübcke war vor seiner Ermordung vielfach von extrem Rechten angefeindet worden, weil er bei einer Bürgerversammlung im nordhessischen Lohfelden rassistischer Hetze gegen eine Flüchtlingsunterkunft vehement widersprochen hatte. Lübcke sagte damals: „Es lohnt sich, in diesem Land zu leben. Und da muss man für Werte eintreten, und wer diese Werte nicht vertritt, kann jederzeit dieses Land verlassen, wenn er nicht einverstanden ist. Das ist die Freiheit eines jeden Deutschen.“

Viel Empörung hat die Union zuletzt auch dafür geerntet, dass sie mit einer raunenden parlamentarischen Anfrage Zweifel an der Gemeinnützigkeit von Organisationen gestreut hatte, die gegen die CDU demonstriert hatten – unter anderem die Omas gegen rechts. Zahlreiche Politiker und zivilgesellschaftlichen Organisationen kritisierten das vehement. Die Ortsgruppe Omas gegen Rechts aus dem Saarland schickte ein Paket mit Tassen in die CDU-Parteizentrale. Viele andere tun es derzeit der Gruppe gleich und nutzen dafür den Hashtag #AlleTassenimSchrank.

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28 Kommentare

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  • Wer Teilnehmer an einem legitimen und dringend gebotenen Protest als "Grüne und linke Spinner" beteiligt, möge doch bitte sein eigenes Demokratieverständnis überprüfen.



    Nimmt man den Inhalt der kleinen Anfrage hinzu, so scheint Merz Politikern wie Orban, Kaczinski und Co. deutlich näher zu stehen als der liberalen Demokratie.



    Wenn die SPD noch ein wenig Anstand besitzt, sollte sie sich einer Regierung unter einem erratischen, dünnhäutigen, kritikunfähigen Friedrich Merz verweigern. Die CDU hat deutlich fähigere Menschen in ihren Reihen als diesen sauerländischen Aushilfs-Trump.

  • Die gesellschaftspolitische Entwicklung in den kommenden Jahren ist ja abzusehen - spätestens in vier Jahren klopft die AfD definitiv an die Türen der Macht, Merz und seine Gefolgschaft werden dann nicht zögern, sie ihr zu öffnen. Wer unter uns erwartet denn allen Ernstes ausgerechnet von einer Union/SPD-Koalition die reformpolitischen Großtaten, die notwendig wären, um diese Entwicklung noch aufzuhalten?



    Dann, hoffe ich, gibt es in der CDU noch jene „Lübckes“, die dafür sorgen, dass Merz damit nicht durchkommt - oder dafür, dass die CDU an dieser Steigbügelhalterei für die Faschisten zerbricht.



    Aufstand des (christlichen) Gewissens.

  • AlleTassenImSchrank



    Wenn es etwas gibt, was in dieser ernsthaft beschissenen Zeit entlasten kann, ist es Humor :



    Bravo, Omas gegen rechts aus Saarland!

    • @poesietotal:

      Päckchen mit zwei weiteren Tassen ist seit heute unterwegs.

  • „Ich frage mal die Ganzen, die da draußen rumlaufen, Antifa und gegen Rechts: Wo waren die denn, als Walter Lübcke in Kassel ermordet worden ist von einem Rechtsradikalen?“

    Wir waren auf der Straße, Herr Merz, um gegen rechte Gewalt zu demonstrieren.



    Und wo waren Sie?

    • @Hansi Hoppel:

      Als Anfang 2024 die erste Demowelle gegen rechts stattfand hat sich die CDU in Koblenz schön fein aus der ersten großen Veranstaltung rausgehalten mit der Begründung, dass man dann ja gemeinsam mit den Linken für eine Sache stehen würde. Schon ein bissl eklig die Bande...

  • Wo war denn die Union, nachdem Herr Lübcke ermordet wurde. Zwei Wochen lang abgetaucht, so wie es im Artikel steht. --- Die Union ist schon fast so weit rechts wie die AfD! --- Wehret den Anfängen !

  • Kritik erhielt Merz auch deswegen, weil er von „linken Spinnern“ sprach. Auch SPD-Politiker fühlten sich angesprochen. Die Thüringer Linken-Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss erinnerte wenig später daran, dass es auch die ehemalige CDU-Politikerin Erika Steinbach war, die gegen Lübcke gehetzt hatte. Und während der damalige Innenminister Horst Seehofer (CSU) am 17. Juni 2019 erklärt habe, sich nicht an Spekulationen über den Täter zu beteiligen, habe die linke Plattform „Exif-Recherche“ bereits an jenem Tag ein umfangreiches Dossier zum Mörder ins Netz gestellt. Daraus wurde später auch im Untersuchungsausschuss des hessischen Landtags zitiert.

    Einige Beobachter stellten dort fest: Die antifaschistische Linke habe eine bessere Arbeit gemacht als die Sicherheitsbehörden. Auch deswegen gibt es nicht nur aus diesen Reihen nun viel Kritik an Merz.

    www.hna.de/kassel/...ssen-93595809.html

  • Und diesem Mann soll man trauen, dass er nicht doch mit der AfD in eine Koalition geht? Das was er bisher abliefert, das ist sehr weit rechts, sehr undemokratisch und sehr arrogant. Und wird er sich im Zaum halten können, wenn er mit anderen Staatschefs spricht? Wird er die ggfs. auch öffentlich als Spinner bezeichnen? Nicht dass ich Scholz Tränen nachweine, doch der war mir in seiner Art deutlich lieber.

  • Gegenfrage: Wo war eigentlich die Spitze der Union, nach dem Mord an Lübcke, als die Zivilgesellschaft regen den rechten Rand demonstrierte? Auf den Demos waren die jedenfalls nicht.

    Aber wir kennen das ja. Bei Demos gegen Faschos hat die Union traditionell andere Termine. Naja, hat was mit Prioritäten zu tun, denke ich.

  • Merz selbst übrigens wurde "in all den Jahren weder auf den Demos anlässlich der Ermordung Lübckes noch bei einer der Mahnwachen rund um den Gerichtsprozess in Frankfurt oder auf einer der der jährlich stattfindenden Gedenkfeiern in Kassel gesehen.



    .



    2024 hatteBundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD)bei der Gedenkfeier zum fünften Todestag von Lübcke gesprochen und zu mehr Geschlossenheit im Kampf gegen rechten Terror aufgerufen"



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    www.hessenschau.de...r-luebcke-100.html

  • 》Der damalige CSU-Innenminister Horst Seehofer hatte nach dem Mord an Lübcke am 1. Juni 2019 über zwei Wochen lang Fragen nach einem politischen Hintergrundoffen gelassen《



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    Nicht nur das. 》Der Rechtsextremist Stephan Ernst hat [...] sagte nach SPIEGEL-Informationen, seine Tat sei eine Reaktion auf Lübckes Äußerungen über Flüchtlinge gewesen. Er [...] nennt die Veranstaltung sogar als Motiv《 www.spiegel.de/pol...sel-a-1274434.html



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    Lübcke hat dort die Flüchtlingspolitik Merkels verteidigt, die er als Regierungspräsident umgesetzt hat (und deren Abwicklung Merz gerade in zwei Abstimmungen mit der AfD fortgesetzt hat).



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    Nur wenige Monate nach dieser Bürgerversammlung hat Seehofer diese Flüchtlingspolitik als "Herrschaft des Unrechts" bezeichnet, so ein rechtes Widerstandsnarrativ begründet.



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    》In einem Interview mit derPassauer Neuen Presserückt Ministerpräsident Seehofer die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Merkel in die Nähe des Vorgehens von Unrechtsstaaten《



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    www.sueddeutsche.d...unrechts-1.2856699

  • Großen Dank an Frau Lübcke-Braun für die Richtigstellung.



    Es war ekelhaft, wie die Unions-Granden Falschbehauptungen am späten Samstag rausgehauen haben. Niemand hatte mehr die Chance vor der Wahl zu widersprechen.

    • @starsheep:

      Danke …anschließe mich

  • Die liberalen Christdemokraten müssen jetzt zeigen, was die wahre CDU ist: Eine Partei der Humanität und konsequente Verteidigerin unserer Demokratie.

    Sie müssen Friedrich Merz einhegen und dieses Trauerspiel so bald wie möglich beenden.

    Der Rest des Landes, die Zivilgesellschaft, Kirchen, Initiativen, NGOs und alle Menschen guten Willens: Wir müssen sehr aufpassen!

    (Es wäre doch ein wunderbarer Treppenwitz der Geschichte, wenn GERADE Deutschland in dieser Zeit der autoritären Versuchung widerstände.)

  • Quel homme. Auf den Punkt.



    Danke.

    unterm——-Mene mene tekel u-parsin —-



    Der Kandidat Merz - gewogen.



    Und für zu leicht befunden! Woll

    • @Lowandorder:

      > „für zu leicht befunden!“



      Schön gesagt.

      Fischer‘s Fritze fischt faule Fische.

  • Es gehört zu den gut erprobten Problemlösungsstrategien, sich zuerst ein Gesamtbild der Lage zu verschaffen..auf alle relevanten Fakten zurück zu greifen und schließlich, nach sorgfältiger Abwägung zu einer ausgewogenen und nachhaltigen Lösung zu finden.



    Das muß man insbesondere von einem Bundeskanzler erwarten dürfen.







    Allerdings zeigt sich immer wieder, daß Hr Merz dies nicht beherzigt. Weder im Fall Lübcke, noch in der Frage des Umgangs mit Gesellschaftlichen Intiativen. Und schon gar nicht in der Migrationspolitik, bei der singuläre Ereignisse, wie etwa in Aschaffenburg zu einer sofortigen (nach seinen Worten notwendigen) RE-Aktion geführt haben. (Politiker sollten stets *Agieren* sollten und nicht *RE-Agieren*).







    Auch bzgl. Langfristiger Perspektiven, insbesondere in der Klimapolitik, sollte ein Kanzler (in spe) in der Lage sein, alle Gegebenheiten sorgfältig abzuwägen..und nicht bloß kurzsichtige Wirtschaftsinteressen über die langzeit Perspektive zu stellen.







    Bislang ist Merz eher mit spontanen (nicht zu Ende gedachten) Reaktionen aufgefallen - also dem genauen Gegenteil sorgfältiger Abwägungen..







    ..weswegen ich weiter große Zweifel habe, ob der Mann Kanzler kann..

    • @Wunderwelt:

      Ach was! Vagel Bülow

      Die Zweifel kann ich ehna nehme! Woll



      Yes. He can‘t •

  • Merz macht mir Angst. Wenn ich ihn und Weidel vergleiche sehe ich da kaum noch einen Unterschied. Teilweise versucht er auch von seiner Rethorik her Trump zu kopieren. Ein Rechtspopulist.

    • @Lui:

      Nicht Angst machen lassen. Klar benennen, dass das was er tut, nicht in Ordnung ist.

      • @Hanno Homie:

        Stimmt schon. Dennoch bleibt fast nur noch die Straße. Die Medien haben den Rechtsruck fröhlich mitgemacht. Denn wenn ein Migrant durchdreht bringt das Klicks ohne Ende. Auch werden die Politiker mit den extremsten und verrücktesten Forderungen am meisten rezipiert. Dumm klickt gut! Under Journalismus braucht Klicks...

  • Und wo war Merz?

  • Merz zeigt nicht das Format, dass es für das Amt braucht. Entweder er hat kein reines Gewissen wegen dem Mist im Bundestag oder es fehlt ihm an Nervenstärke.

  • Das ist an Peinlichkeit nicht mehr zu überbieten. Der fast 70jährige Friedrich Merz muss sich wie ein Pänneler über Fakten von der Witwe von Walter Lübcke belehren lassen, wie seinerzeit die Ereignisse tatsächlich waren, als er in schädlicher geschmackloser Weise die Ermordung ihres verstorbenen Mannes instrumentalisiert hat.



    Darüber hinaus gibt sie ihm noch eine Lehrstunde in Demokratie. Wäre ich an seiner Stelle, würde ich tief im Boden versinken.

  • Danke für die Zusammenfassung. Danke an Frau Lübcke-Braun.



    Entweder hat Merz die Lunte kurz oder er log bewusst. Mindestens eine sehr deutliche Richtigstellung und Entschuldigung wäre fällig.

  • Friedrich Merz ist kein Staatsmann und wird wohl auch nie ein Staatsmann werden; das zeichnet sich jetzt schon ab. Merz versucht aber mit großem Eifer ein 'kleiner Trump' zu werden.

  • CDU/CSU sind nach diesem Brandmauer-Fauxpas von Merz noch nicht wieder zur Besinnung gekommen und es ist gut und wichtig solche Artikel wie diesen aufzulegen, um die Dinge wieder zu richten. Deshalb danke dafür. Nun kann Merz alles besser machen, was aber nicht so sein wird, weil er nicht der richtige für Kanzler ist.