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„Academic Boycott Konferenz“ in BerlinOder soll man es lassen?

Der Name ist Programm: Deutsche Universitäten sollen ihre Verbindungen nach Israel kappen, fordert ein Bündnis palästinasolidarischer Gruppen.

BDS Ak­ti­vis­t:in­nen fordern seit über 20 Jahren beharrlich einen kompletten Boykott Israels Foto: Florian Boillot

Ist ein Boykott das richtige Mittel, um Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen Israels an den Pa­läs­ti­nen­se­r:in­nen zu stoppen? Für die Or­ga­ni­sa­to­r:in­nen der Academic Boycott Konferenz, die an diesem Wochenende in Berlin stattfindet, ist diese Frage schon längst mit einem klaren Ja beantwortet. Inhaltlich geht es auf dem dreitägigen Kongress folgerichtig darum, wie sich in eine bundesweite Kampagne für den Boykott israelischer Universitäten aufbauen lässt.

Organisiert wird der Kongress vom Internationalistischen Bündnis, einem Zusammenschluss palästinasolidarischer Gruppen in Berlin. Beteiligt sind unter anderem der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS), die jüdische Stimme, diverse kommunistische Kleingruppen, aber auch die Bezirksverbände der Linken Neukölln und Wedding.

„Die Notwendigkeit eines Boykotts ergibt sich aus der Analyse, welche Funktionen israelische Universitäten in der illegalen Besatzung Palästinas übernehmen“, erklärt Leon Bijan, Pressesprecher der Konferenz. Die israelischen Institutionen seien ganzheitlich in den militärisch-industriellen Komplex eingebunden.

So würden an der Technion Universität in Haifa Computertechnologien entwickelt, die bei algorithmischer Zielerfassung der israelischen Armee relevant sind, erklärt Bijan. Auch Studiengänge speziell für Sol­da­t:in­nen gebe es dort. „Universitäten sind keine neutralen Instanzen, sondern ganz maßgeblich an der Besatzung beteiligt“, kritisiert Bijan. Besonders Technion sei zentral in die Waffenindustrie eingebunden. Die Universität betreibe Kooperationen mit israelischen Waffenschmieden wie Rafael und Elbit.

Ökosystem des Krieges

Technion ist nicht die einzige Universität, die die Nähe zur Rüstungsindustrie sucht. Erst Anfang Dezember veranstaltete die Tel Aviv University die Defense Tech Week, eine zweitägige Konferenz, auf der die neuesten Entwicklungen der Rüstungsindustrie vorgestellt wurden: Angriffsdrohnen, algorithmische Überwachungstechnologien und AI-basierte Propagandatools.

Daher kommt die institutionelle Zusammenarbeit mit diesen Universitäten einer Beihilfe und Unterstützung bei Verstößen gegen zwingendes Völkerrecht gleich.

Uppsala Declaration

Zwischen israelischen Universitäten, Militär und Rüstungsunternehmen hat sich in den letzten Jahren, befeuert durch den Gazakrieg, eine Allianz gebildet, die in der Start-up-Welt als „Ökosystem“ bezeichnet wird. Ab­sol­ven­t:in­nen gründen Start-ups, die von den großen Rüstungsunternehmen aufgekauft werden. Durch den Krieg in Gaza und die Besatzung im Westjordanland bleibt der Bedarf nach militärischen Hightechprodukten hoch.

Die Kampagne, die auf der Konferenz am Wochenende ihren Anfang finden soll, zielt darauf, dass deutsche Universitäten ihre Kooperationen mit israelischen Institutionen einstellen sollen. „Mit dem Boykott soll politischer Druck ausgeübt werden“, sagt Bijan. Dieser sei nicht nur symbolisch, sondern auch materiell. So fließen zum Beispiel durch das europäische Horizon-Förderprogramm jährlich Hunderte Millionen Euro in die israelische Wissenschaftslandschaft.

In Deutschland sind Verflechtungen mit der israelischen Wissenschaftslandschaft vielfältig. Auf der Website Academiccomplicity.eu listen die Ak­ti­vis­t:in­nen über 300 direkte und indirekte Verbindungen deutscher Hochschulen auf. „Besonders die TU Berlin hat enge Verbindungen mit dem Technion Institut“, kritisiert Bijan.

BDS in neuen Gewändern

Die Forderung nach einem akademischen Boykott gibt es seit 2005, dem Gründungsjahr der „Boycott Divest Sanction“-Kampagne (BDS). Die Kampagne setzt sich nicht nur für einen akademischen, sondern kompletten, auch wirtschaftlichen und kulturellen Boykott Israels ein. In einer 2019 verabschiedeten Bundestagsresolution wird die BDS-Bewegung als „antisemitisch“ verurteilt und Kommunen dazu aufgefordert, Ak­ti­vis­t:in­nen der Kampagne keine Räume bereitzustellen. Beteiligt am Konferenzbündnis ist auch der Berliner BDS-Ableger.

Doch mittlerweile findet die Forderung nach einem Boykott auch weit über die palästinasolidarische Bewegung hinaus Anklang. In der im Juli vergangenen Jahres verabschiedeten Uppsala Declaration fordern 438 an deutschen Universitäten beschäftigte Wis­sen­schaft­le­r:in­nen einen akademischen Boykott.

„In Deutschland ist die Diskussion über einen akademischen Boykott aufgrund der rechtlich umstrittenen BDS-Resolution des Bundestags beinahe unmöglich zu führen“, kritisiert Mitunterzeichner Robin Celikates, Professor für Philosophie an der FU. Dabei sei Boykott eine klassische und international als legitim und effektiv anerkannte Form des friedlichen Widerstands. Wichtig ist ihm: „Der Boykott richtet sich nicht gegen die Zusammenarbeit mit israelischen Wissenschaftlern, sondern gegen Institutionen.“ Es gehe nicht darum, Einzelpersonen abzustrafen, die an israelischen Universitäten lehren.

Die Uppsala Erklärung führt vor allem rechtliche Bedenken für einen akademischen Boykott an. Israelische Universitäten seien eng verpflichtet mit illegaler Besatzung und der Unterstützung vom „Apartheidssystem“ und dem „laufenden Völkermord“, heißt es in der Erklärung, die vor dem Waffenstillstand in Gaza verabschiedet wurde. „Daher kommt die institutionelle Zusammenarbeit mit diesen Universitäten einer Beihilfe und Unterstützung bei Verstößen gegen zwingendes Völkerrecht gleich.“

Boykott wirkt

International liegt der akademische Boykott im Trend. Das Portal Israel heute berichtet über einen rasanten Anstieg der Boykottaktivitäten europäischer Universitäten. Der Boykott verlagere sich zunehmend auf eine institutionelle Ebene, so der Bericht. In Irland, Spanien und Belgien stellen immer mehr Universitäten ihre Kooperationen mit israelischen Partnern ein.

Die Berliner Universitäten lehnen bislang eine Einstellung der Zusammenarbeit entschieden ab. „Ein genereller Boykott der israelischen Wissenschaft schwächt die demokratischen Kräfte und würde gerade jene israelischen Wis­sen­schaft­le­r:in­nen besonders treffen, die sich gegen die Polarisierung und Radikalisierung der Gesellschaft engagieren“, sagt etwa HU-Präsidentin Julia von Blumenthal.

Auch die Berliner Linke ist uneins über die Boykottforderung. Tobias Schulze, wissenschaftspolitischer Sprecher, lehnt einen kompletten Boykott ab: „Wir finden eine Aufrechterhaltung des akademischen Austauschs wichtig“, sagt Schulze, das sei auch bei der militärischen Aggression Russlands so gewesen. Nach dem Angriffskrieg 2022 stellten viele Universitäten ihre Kooperationen mit Russland ein. Bedenkliche militärische Zusammenarbeit ließe sich auch anders unterbinden. „Ich bin großer Freund der Zivilklausel“, sagt Schulze – sprich: eine Selbstverpflichtung von Universitäten, auf militärische Forschung zu verzichten.

Jorinde Schulz, Sprecherin des linken Bezirksverbands, der auch in dem organisierenden Bündnis vertreten ist, begrüßt zumindest, dass die Konferenz stattfindet: „Wichtig ist, dass wir über akademischen Boykott diskutieren können.“

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94 Kommentare

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  • Boykott ist ein friedliches Mittel des Widerstandes. Wer ihn verbietet will eine gewalttätige Auseinandersetzung. Ein Schelm wer böses denkt. Die Unterdrücker bestimmen das Mittel des Widerstandes.

  • Organisiert wird die Konferenz im Wesentlichen auch von der oben nur als "jüdische Stimme" bezeichneten Organisation. Für einen solchen Artikel ist aber die Unterschlagung der Zusammenhänge hier wirklich etwas fragwürdig. Deshalb hier kurz die Infos dazu:



    Die “Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost” wurde am 21. Oktober 2007 als Verein gegründet. Am 9. November 2003 wurde in Berlin unter dem Namen “Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost” die Sektion der Föderation “EUROPEAN JEWS FOR A JUST PEACE” (“Europäische Juden für einen gerechten Frieden”) in den Räumen des Hauses der Demokratie und der Menschenrechte ins Leben gerufen.

    Die “Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost” handelt auf der Grundlage der Gründungserklärung der “EUROPEAN JEWS FOR A JUST PEACE” (EJJP), die im September 2002 in Amsterdam von 18 jüdischen Organisationen aus 9 europäischen Ländern verabschiedet wurde.

  • Was soll "palästinasolidarisch" eigentlich heißen?



    .



    In Gaza herrscht die Hamas. Was die sich unter "Free Palestine" in Bezug auf jüdisches Leben vorstellt, hat sie am 7. 10. 23 klargemacht.



    .



    Und am Tag nach dem Waffenstillstand hat sie in Gaza "Kollaborateure" hingerichtet - so soll muslimisches Leben dann in einem Freien Palästina aussehen?



    .



    Oder wie im Iran (ohrenbetäubendes Schweigen dazu bei großen Teilen der Linken)?



    .



    Die PLO ist auch nicht besser: Abbas stellt sich seit 2009 keiner Wahl mehr.



    .



    Unter Arafat hat sie die Welt mit Terror überzogen - der wiederum war Schüler und Anhänger al Husseinis de.wikipedia.org/w...d_Amin_al-Husseini



    .



    "Einem deutschen Aufruf zum Judenboykott werde die ganze islamische Welt begeistert beitreten; er selbst werde diese Idee unter allen Muslimen verbreiten"



    .



    1933!



    .



    Die Fokussierung großer Teile der Linken auf Israel hat etwas Irrationales, Fanatisches: die Hamas hätte nach dem 7. Oktober entwaffnet und vor Gericht gehört - wenn "Free Palestine" die Menschen dort meinen soll.



    .



    Der Krieg hätte so verhindert werden können, schon die Forderung hätte geholfen.



    .



    Statt permanent so zu tun, als wären das Freiheitskämpfer!

    • @ke1ner:

      Vollste Zustimmung, danke für diese mehr als nötige Klarstellung

      • @Antje1971:

        Auch von mir!



        Btw: Mehr Tote im Iran an einem Wochenende als im ganzen Gaza-Krieg... Kommentar der deutschen Linken dazu: yep, kann passieren. Ist vielleicht nicht sooo gut. Aber zurück zu Israel...

    • @ke1ner:

      Böse gesagt: Es gibt viel Solidarität gegen Israel, Solidarität mit der Palästinensischen Bevölkerung ist wesentlich rarer gesät.

  • Ich denke die Mehrheit der Deutschen steht (in der ein oder anderen Form) hinter einem Boykott Israels. Zumindest deuten Umfragen datauf hin:

    Wer spricht sich für Israel-Sanktionen durch die EU aus?*

    94 Prozent der Grünen-Wähler



    68 Prozent der CDU-Wähler



    68 Prozent der SPD-Wähler



    67 Prozent der Linken-Wähler



    49 Prozent der AfD-Wähler

    *Das hat eine Meinungsumfrage der Forschungsagentur Verian für den „Spiegel“ ergeben.

    • @Timothee Güsten:

      Schaue ich mir die Berichterstattung einer Reihe von Medien, insbesondere des ÖRR, zu Gaza an, wundert es mich nur, dass nicht die Mehrheit des Landes einen deutschen Einmarsch in Israel fordert.

  • Ich möchte da dem zitierten Tobias Schulze zustimmen. Es wäre m.E. sinnvoll, Zivilklauseln konsequent anzuwenden, generell und nicht nur in der Kooperation mit Israel. Das hieße, auf konkrete militärische Forschungszusammenarbeit zu verzichten, nicht aber gleichsam mit der abgesägten Schrotflinte auf alle Kooperationen zu feuern, an denen eine Partnereinrichtung beteiligt ist, von der ein anderer Bereich irgendwie "sicherheitsrelevant" ist. Eine solche Differenzierung, die Kooperation in zivilen Bereichen zulässt, sollte gegenüber Israel genauso möglich sein wie gegenüber Russland und anderen Staaten. Sicher kann es Grauzonen geben, wo die Abgrenzung nicht ganz klar ist und wo der Einzelfall zu betrachten ist. Aber den akademischen - wie auch den kulturellen - Austausch gänzlich auszusetzen, kann m.E. nur falsch sein. - Auch dem Kommentar von @Zippism am 21.1. um 11:31 Uhr möchte ich zustimmen, obgleich selbst nicht im akademischen Bereich tätig.

    • @Kohlrabi:

      Ja, so viel Hirnenergie sollte uns die hier wohl nötige Differenzierung wert sein.

      • @Janix:

        Schließe mich an. Warum aber ist es nicht möglich, diese Zivilklauseln in der Forschungsarbeit mit israelischen Hochschulen - oder überhaupt im internationalen Maßstab - zu implementieren? Dann müssten wir auch nicht über BDS-Boykottaufrufe diskutieren. Fehlt es etwa an politischem Willen?

        • @Abdurchdiemitte:

          Im friedlichen frühen 1990 wäre ich wohl für durchgehende Zivilklauseln gewesen, aus Grundsatz. Im frühen 2026 kann ich mir vorstellen, dass die Bundesrepublik gerne mal ukrainische Drohnendaten durchanalysieren würde oder französische militärische Anstrengungen auch wissenschaftlich sekundieren.



          Ich finde es einfacher, da es gegen die Besatzung gehen soll, darauf in der Zusammenarbeit zu achten. Ein U-Boot für Israel auch in deutschen Universitäten durchdacht zu haben, stört mich dann nicht so. Anders indirekt beim Unterdrücken in Gaza oder Westbank durch die IDF Beihilfe leisten.



          Ich träume von einem schlichten Ende der Besatzung. Auch für Israel und seine Seele selbst. Selbst Netanyahu spricht inzwischen vom Jetzigen als einer Art Super-Sparta, also einem militaristischen Staat mit Heloten.

  • "Gemessen am 3-D-Test für Antisemitismus betreibt BDS eine Dämonisierung und Delegitimierung des Staates Israel mit Doppelstandards und leugnet letztlich Israels Existenzrecht. Das Verhalten von BDS-Anhängern zeige vielfach die für Judenhass typische Virulenz und Obsessivität."



    (Interdisziplinäre Antisemitismusforschung / Interdisciplinary Studies on Antisemitism 6 /



    "Gebildeter Antisemitismus"



    1. Auflage 2015 ).

    BDS = Kauft-nicht-bei-Juden-2.0.

    "Ab 1933 waren solche Aufrufe auch vom nationalsozialistischen Judenboykott (1. April 1933) beeinflusst: An dessen Vortag bot Palästinas Großmufti Mohammed Amin al-Husseini dem NS-Regime an, dessen Boykottaufruf unter allen Muslimen der Welt zu verbreiten."

    Voller Erfolg. Die können's auch heute nicht lassen. Und gewisse Linke hängen sich gern dran.

    de.wikipedia.org/w...ment_and_Sanctions

    • @shantivanille:

      Wie soll denn eine Konferenz und eine Bewegung antisemitisch sein, die von der "Jüdischen Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost" unterstützt wird, der deutsche Ableger einer europäischen jüdischen Organisation. Teile des deutschen Diskurses leiden unter der Ausblendung namhafter jüdischer Stimmen. Es gibt sogar Argumente dafür genau das antisemitisch zu nennen. Wobei es mittlerweile ja zwei jüdische Definitionen gibt.

    • @shantivanille:

      Wenn man den 3D-Test mal auf die Haltung gegenüber den Palästinensern anwendet, wie nennt man dann das Ergebnis? Dämonisierung, Delegitimierung und Doppelstandards gegenüber den Palästinensern sind so verbreitet, dass sie gar nicht mehr auffallen.

      • @Francesco:

        Niemand hat etwas gegen Palästinenser:innen.

        Sie sind die Opfer derer, die sie vertreten.

        Zwischen 1933 und 2026 haben diese Leute sie darin gebracht wo sie heute leben, in die asbestverseuchten Trümmer des Gazastreifens, zudem instabil durch 1000 Kilometer Tunnel darunter, bis 70 Meter Tiefe.

        Kann man es schlechter machen? Fast 100 Jahre nur Mist gebaut. Terror ist nicht Folge, sondern Ursache der jetzigen Situation. Der 07.10.2023 hatte exakt das Ziel die globale Antisemitismuswelle auszulösen, die wir jetzt haben.

        Die Alternative:

        ZEIT: "Gaza hätte das Singapur des Nahen Ostens werden können. Ideal gelegen zwischen Afrika, Europa und Asien, mit weißen Stränden und gebildeten Einwohnern, hätte Gaza an seine jahrtausendealte Tradition anknüpfen können. Die Stadt am Mittelmeer war die meiste Zeit der Geschichte größer, bedeutender und reicher als das arme, heruntergekommene Bergdorf in den Hügeln Judäas namens Jerusalem."

        Alles Gute nach Gaza und Israel!

        www.zeit.de/politi...as-nahost-konflikt

        • @shantivanille:

          Die Wirklichkeit wird nicht einfacher, weil wir sie uns einfacher machen. Sie blenden die Rolle der zionistischen Bewegung und später des israelischen Staates aus, die von Anfang an ebenfalls gewaltsam und expansionistisch war. Statt routiniert in die ideologisch gefällige Zitatensammlung zu greifen, rate ich dazu, einmal einen seriösen Historiker oder auch nur den Bericht einer (auch israelischen) Menschenrechtsorganisation zu lesen, um die Dynamik dieses Konflikts und das Ausmaß der Gewalt, das die Palästinenser erleiden müssen, zu verstehen, statt sich vollständig die Perspektive des Besatzungsmacht zu eigen zu machen. Die Mär vom Singapur im NO ist übrigens besonders zynisch: Sie ignoriert sowohl die Isolation Gazas durch Israel aus (weshalb das AA ja weiterhin von einer Besatzung gesprochen hat) als auch die Tatsache aus, dass Gaza nicht isoliert von OJ/WJL betrachtet werden kann. Das Ziel ist ein Palästinenserstaat, kein Konglomerat von Bantustans.

  • Bisher habe ich meine Abgrenzung zum BDS immer deutlich markiert, auch und gerade mit Blick auf Wissenschaftsboykotte gegen israelische Universitäten. Die im Beitrag geschilderte Verstrickung israelischer Hochschulen mit dem Militär, die Entwicklung von Programmen, die eine bessere Kontrolle der besetzten Gebiete bzw. Unterdrückung der palästinensischen Bevölkerung ermöglichen, lässt mich neu nachdenken.



    Im Prinzip geht es der Boykottbewegung darum, die ökonomischen Transfers auszuschalten, die es Israel ermöglichen oder es unterstützen, seine völkerrechtswidrige Besatzungs- und Siedlungspolitik fortzusetzen. Ob das (legitime) Ziel durch Boykott tatsächlich zu erreichen ist, darüber lässt sich sachlich diskutieren und nur DAS sollte Bewertungsgrundlage dessen sein, was es an den BDS-Forderungen zu kritisieren gibt.



    Eine pauschale Diskreditierung von Boykottforderungen halte ich nur dann für zulässig, wenn tatsächlich eine antisemitische Diktion nachgewiesen werden kann. Die zwei vorliegenden Bundestagsresolutionen bzw. der Rekurs auf die IHRA verwässern diese klaren Kriterien und machen die Debatte, was Antisemitismus sei, zu einem Spielball politischer Auseinandersetzungen.

    • @Abdurchdiemitte:

      "...lässt mich neu nachdenken."

      Ja so wirkt Propaganda... Überprüfen Sie mal, was Ihnen erzählt wird. Und vor allem, setzen Sie es in Kontext zum Beispiel zur permsnenten Bedrohung etc. An sich ist das Ganze echt lachhaft. Forschen die doch an den Unis auch an Waffentechnik... Bei uns hingegen erforschen wir das Flugverhalten von Friedenstäubchen (schreibt jemand der im zivilen Bereich forscht aber ohne jede Reue in nicht-zivilen wechseln würde).

  • Es sollte keine militärische Forschung und keinerlei Zusammenarbeit von Universitäten mit der Rüstungsindustrie ganz gleich welcher Staaten geben, des Weiteren eine Ethikrichtlinie zur Mittelvergabe.



    Eigentlich gar nicht so schwierig. Was fehlt, ist der politische Wille.

    • @Klabauta:

      Warum sollte es so sein?

    • @Klabauta:

      Das wäre aber das Ende der Kooperation mit Chinesischen Unis die müssen nämlich alle Forschung dem chinesischen Militär zur Verfügung stellen.

  • Ok, wenn antisemitsche Gruppen etwas fordern, muss das noch lange nicht erfüllt werden. Was soll der Mist?

    • @FraMa:

      Sie werten offenbar. Worauf stützten Sie diese Bewertung gerade?

  • Es ist bezeichnend, wie hier an Israel Doppelstandandards angelegt werden. Oder fordert irgendjemand den Abbruch der wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit der VR China - wo Wissenschaft, Überwachungsstaat und Hochrüstung unmittelbar ineinandergreifen? Nur nebenbei: seit 1959 hält China völkerechtswidrig Tibet besetzt.

    • @Neville Longbottom:

      Tibet ist völkerrechtlich anerkannt ein Teil Chinas. Das sieht übrigens die Regierung Taiwans auch so.

      • @Francesco:

        Das ist eben nicht so klar wie Sie es hier darstellen.



        Der völkerrechtliche Status von Tibet ist umstritten. Auch in Taiwan.



        Aber das erklärt nicht, warum bei hier Doppelstandards angewendet werden.

    • @Neville Longbottom:

      Siehe O.F. für die völkerrechtliche Einordnung, so sehr wir Tibeters genauso gernhaben wie Palästinensers, Israelis, Molwaniers, ...

      Wird nicht umgekehrt an Palästinensers Doppelstandards angelegt, wenn die ihren Staat bloß bitte nicht kriegen sollen, damit wir uns anti-antisemitisch fühlen wollen. Hä???

      Siehe ansonsten meinen Post ganz unten.

    • @Neville Longbottom:

      Nun habe ich auch Zweifel an der Sinnhaftigkeit akademischer Boykotte (gerade in Zeiten einer erodierenden Streitkultur), aber dieser Vergleich hinkt: Tibet ist im rechtlichen Sinne nicht besetzt, sondern war bereits vor der Gründung der VR chinesisches Staatsgebiet, über das die Zentralregierung nachdem Kollaps der Staatlichkeit zeitweise die Kontrolle verloren und diese mit dem Einmarsch der VBA wieder hergestellt hat. Und so sehr man die chinesische Minderheiten kritisieren kann: Tibeter sind chinesische Staatsbürger und werden gerade nicht zu Zehntausenden ermordet, vertrieben und ausgehungert.

      • @O.F.:

        Tibet war bis in das zwanzigste Jahrhundert mal mehr, mal weniger ein eigenständiger Staat.



        1913 wurde ein unabhängiger Staat mit eigener Regierung, eigener Armee und eigener Währung proklamiert.



        Ihre Aussage bezüglich der Vertriebenen und Opfer ist eben der erwähnte Doppelstandard und wird den Opfern nicht gerecht.

        • @MBG:

          Das stimmt nicht. Tibet war (spätestens) seit dem 17. Jhd. Teil des chinesischen Kaiserreichs und damit chinesisches Staatsgebiet. Die Unabhängigkeitserklärung von 1913 wurde von niemand anerkannt und ist völkerrechtlich irrelevant. Tibet ist damit im rechtlichen Sinne ebenso wenig besetzt wie Kurdistan, Katalonien oder Nordirland (und ein Sezessionsrecht gibt es in diesem Sinne nicht!). Wenn die Tibet-Frage und der NO-Konflikt anders bewertet werden, liegt das also nicht an Doppelstandards, sondern an der grundsätzlich verschiedenen Natur beider Konflikte (zumal, ich weise gerne darauf hin, in Tibet gerade keine ganzen Städte ausgelöscht und Zehntausende Menschen getötet werden).

      • @O.F.:

        Es wurden aber Zehntausende Tibeter vertrieben, ermordet und unterdrückt.

        Von dem, was China gerade mit den uighuren macht, mal ganz abgesehen.

        • @Suryo:

          Ich verweise auf das Wort "gerade" in meinem Beitrag, der sich auch nur mit der Tibet-Frage befasst hat, nicht mit den Uiguren (wobei mir nicht bekannt wäre, dass China Xinjiang abgeriegelt, ausgehungert und in Schutt und Asche gelegt hätte...).

          • @O.F.:

            Es gibt genügend Stimmen, die China einen Genozid an den Uighuren vorwerfen. Zwangsumsiedlungen, die Trennung von Familien, um Kinder zu Han-Chinesen zu erziehen und sie ihre Kultur und Sprache vergessen zu lassen, die Zerstörung von religiösen Stätten, riesige Arbeitslager.

            www.bundestag.de/r...27-21-pdf-data.pdf

            www.bpb.de/themen/...g-mit-den-uiguren/

            Und weder gibt es deswegen in der islamischen Welt irgendwelche "Tage des Zorns", noch irgendwo in der westlichen Welt systematische, großangelegte Boykottaufrufe. Schon gar nicht an deutschen Unis.

            Nur Indien hat mehr Studenten an deutsche Unis geschickt als China.

            • @Suryo:

              Ich weiß nicht, ob Sie einmal in Xinjiang (oder in Tibet) waren - aber manche hier zu lesenden Berichte übertreiben: China versucht weder die betreffenden ethnischen Gruppen auszurotten noch ihre Kultur und Sprache ganz verschwinden zu lassen, sondern will diese soweit kontrollieren, dass sie aus chinesischer Sicht kein Sicherheitsrisiko mehr darstellen. Das geschieht nicht nur durch einen erheblichen Anpassungsdruck etwa im Schulsystem, sondern auch durch ein niedrigschwellig ansetzen des Strafsystem mit einer Tendenz zu Kollektivstrafen, die schon als solche menschenrechtswidrig ist. Sollte man dagegen protestieren? Ja. Das geschieht ja auch, allerdings emotionalisiert ein solcher schleichender Prozess nicht in demselben Masse wie die Vernichtung eines ganzen Landstrichs mit Zehntausenden Toten. Tatsache bleibt, dass Israel mit deutscher Unterstützung vor aller Augen einen Völkermord in Gaza begangen hat - das wird nicht besser, wenn man auf menschenrechtswidrig Assimilierungspraktiken in China verweist.

              • @O.F.:

                Inwiefern sind Tibeter oder Uiguren ein Sicherheitsrisiko für China? Gab es oder drohen Terroranschläge?

              • @O.F.:

                Sie sind ja echt grosszügig im Bezug auf China. Ob die Uiguren es auch so sehen? Ich versuche mir gerade vorzustellen, was hier los wäre, würde Israel gegenüber Palästinensern so vorgehen, wie in diesem Artikel Chinas Vorgehen gegen Uiguren skizziert wird: de.wikipedia.org/w...in_China_seit_2014

              • @O.F.:

                Der Punkt ist, dass es so etwas wie BDS nicht in Bezug auf andere Staaten gibt. Und speziell im Hinblick auf China fällt die atemberaubende Heuchelei der Ummah nun wirklich ins Auge.

    • @Neville Longbottom:

      whataboutism - befassen sie sich lieber mit dem inhalt des artikels

      • @the real günni:

        Doppelstandards kommen Sie nicht auf die Spur, wenn Sie nur eine Konstellation betrachten.

        Whataboutismus ist da ohne Erklärung doch etwas billig als Argument.

  • Natürlich ist BDS antisemitisch - schon deswegen, weil es so etwas hinsichtlich keines anderen Staates gibt, nur in Bezug auf Israel. Niemand fordert ein Totalboykott Chinas oder der Emirate, trotz der Uighuren und der Verbrechen im Sudan.

    Und was unterscheidet Israel von anderen Staaten?

    Eben.

    • @Suryo:

      Der Fall Südafrika mit seinen von Sharon interessiert studierten Bantustan-Ansätzen schon vergessen - war das Anticalvinismus?

      Israel unterscheidet u.a. von anderen Staaten, dass dort wie an vielen anderen Orten kolonisiert wurde, nur ungewöhnlich spät, teils mit dem Ziel einer Verdrängung der vorherigen Bevölkerung, dabei mit historischem Anspruch durch ein Spaghettimonster. Auch hat Israel den Anspruch hoch gesetzt, trotz alledem irgendwie eine Demokratie sein zu wollen.

      Nachdem das vielleicht geklärt ist, fordert BDS denn etwas gegen Israel oder eher gegen die illegalen Siedlungen?

      • @Janix:

        Als bekennender Pastafari verbitte ich mir den Bezug.

      • @Janix:

        Der Südafrika-Vergleich ist historisch falsch und dient nur der Dämonisierung. Apartheid war ein rassistisches Herrschaftssystem ohne Sicherheitskontext; Israel ist eine Demokratie mit gleichen Bürgerrechten für arabische Israelis, arabischen Abgeordneten, Richtern und freier Presse .Die „Kolonial“-Erzählung ist ebenso irreführend: Israel ist keine europäische Kolonie, sondern der Schutzraum eines indigenen Volkes, das im Nahen Osten verfolgt wurde und dort historisch verwurzelt ist. Jüdische Geschichte mit „Spaghettimonster“-Spott abzutun, zeigt den doppelten Maßstab.

        Und nein: BDS richtet sich nicht „nur“ gegen Siedlungen. Die Bewegung lehnt das Existenzrecht Israels explizit ab, fordert ein Rückkehrrecht, das Israel als jüdischen Staat faktisch auflösen würde, und boykottiert israelische Wissenschaft, Kultur und Zivilgesellschaft – also gerade jene Kräfte, die innerisraelisch kritisch und pluralistisch sind.

        Wer das für legitime Kritik hält, muss erklären, warum einzig der jüdische Staat weltweit mit einem Totalboykott belegt werden soll. Tut er das nicht, bleibt genau das stehen, was es ist: Antisemitismus im Gewand moralischer Überlegenheit.

        • @Zippism:

          Wieso historisch falsch und weshalb Dämonisierung?



          Das Offenlegen und die Analyse ungerechter, gewaltförmiger Macht- und Herrschaftssysteme gehört schließlich zum täglich Brot der politischen Linken und das weltweit. Natürlich ist es immer verdächtig, wenn sich diese Kritik ausschließlich auf einen Staat (Israel) fokussiert. Andererseits lassen sich anhand des Beispiels der israelischen Besatzungspolitik die Strukturen von Unterdrückung und Gewalt besonders „schön“ aufzeigen - und das anhand eines Staates, der unser Verbündeter ist und sich der Demokratie verpflichtet fühlt (tut er das noch?). Diktaturen und Autokratien ist diese Gewaltherrschaft schließlich inhärent (und auch sie müssen wir natürlich benennen).



          Wie lässt sich noch bestreiten, dass Israel apartheid-vergleichbare Strukturen in den Palästinensergebieten implementiert hat? Auch dann, wenn Sie den Begriff der Apartheid ausschließlich für das historische Beispiel Südafrikas unter der Rassentrennung gelten lassen wollen.



          Ob das mit Boykottforderungen a la BDS zu beantworten ist, DARÜBER sollten wir streiten. Aber bitte nicht sofort reflexartig den Antisemitismus-Vorwurf in Stellung bringen

          • @Abdurchdiemitte:

            Macht- und Herrschaftskritik ist legitim – entscheidend ist aber, welche Begriffe man benutzt und was sie leisten. „Apartheid“ ist kein neutraler Analysebegriff, sondern historisch klar definiert: ein rassistisches System dauerhafter Entrechtung eigener Staatsbürger. Das auf Israel zu übertragen, obwohl arabische Israelis volle Bürgerrechte, politische Repräsentanz und Rechtsgleichheit haben, ist analytisch falsch.

            Dass Israels Politik in den Palästinensergebieten teils hart und auch völkerrechtlich kritisierbar ist, steht außer Frage. Der zentrale Unterschied bleibt jedoch: Diese Maßnahmen sind Teil eines ungelösten Territorial- und Sicherheitskonflikts, nicht Ausdruck einer ideologischen Rassentrennung. Der Südafrika-Vergleich erklärt daher nichts, sondern moralisiert und delegitimiert.

            Zum Antisemitismus-Vorwurf: Er ist nicht „reflexhaft“, sondern ergibt sich aus Struktur und Zielrichtung bestimmter Narrative. Wenn ausschließlich Israel mit einem globalen Totalboykott belegt, sein Existenzrecht infrage gestellt und jüdische Selbstbestimmung delegitimiert wird, liegt ein doppelter Maßstab vor. Über konkrete Politik und auch über BDS kann man streiten – aber nicht so tun, als se

        • @Zippism:

          Rückkehrrecht ist Völkerrecht und war im Waffenstillstand ausdrücklich vorgesehen. Die jüdischen Milizen vertrieben auch mit dem Hinweis, dass diejenigen ja später zurück in ihre Dörfer dürften.



          Auch für Juden aus arabischen Ländern gilt das Rückkehrrecht, und auch das ist gut so.



          Ein Hinweis auf höhere Wesen ist keiner, wird aber immer noch gemacht. Würde Deutschland wegen der Nibelungensage Burgund beanspruchen, käme doch auch ein Fragezeichen von uns beiden, oder? Wie wir es auch bei der Hamas machen, wenn die damit anfängt.



          Indigen ist nicht ganz falsch, aber erst schauen Sie sich die Zahlenverhältnisse 1900, 1947 und 1949 an. Und die Herkunftsländer. Das sagt viel aus.



          Ich habe noch keine BDS-Resolution unterzeichnet, nur auch mal welche mit eigenen Augen angesehen. Darin ging es um Wirtschaft und die besetzten Gebiete. Durchaus nachvollziehbar.



          Dass Araber leider eben nicht gleich sind, im "jüdischen" Staat, würden wir uns beide anders wünschen (manche hingegen finden das gut, und sie sitzen im Kabinett dort), ist aber bei Militärdienst und Behandlung arabisch gelesener Parteien nun wirklich nicht der Fall.



          Noch mal: War ein Südafrikabokkotteur ein Anticalvinist?

          • @Janix:

            "Noch mal: War ein Südafrikabokkotteur ein Anticalvinist?"

            Nein. Ein Südafrikaboykott richtete sich gegen ein rassistisches System der Unterdrückung, nicht gegen eine Religion oder eine gesamte Bevölkerungsgruppe. Ziel war die Bekämpfung institutionalisierter Diskriminierung, nicht die Delegitimierung oder Auslöschung eines Volkes.



            BDS oder andere Totalboykotte richten sich oft gegen den jüdischen Staat als Ganzes, nicht ausschließlich gegen konkrete politische Maßnahmen. Historische Boykotte Südafrikas waren auf ein System gerichtet, nicht auf das Existenzrecht der weißen Bevölkerung an sich – das macht den moralischen und analytischen Unterschied deutlich.

          • @Janix:

            Das „Rückkehrrecht“ ist kein einklagbares individuelles Völkerrecht, sondern ein politischer Anspruch im Rahmen von Verhandlungen. UN-Resolution 194 ist bewusst konditional formuliert und nie als automatisches Massenrückkehrrecht verstanden worden – sonst wäre es längst umgesetzt. Für Juden aus arabischen Ländern gab es faktisch kein Rückkehrrecht, sondern Vertreibung und Enteignung.

            Die jüdische Verwurzelung im Land ist historisch und archäologisch belegt, keine religiöse Allegorie. Demografische Momentaufnahmen sagen etwas über Migration, aber nichts über das Recht auf Selbstbestimmung nach Verfolgung und Staatenlosigkeit.

            Zu BDS: Einzelne Forderungen mögen moderat klingen, die Bewegung als Ganzes zielt jedoch auf Delegitimierung. Ein Totalboykott von Wissenschaft, Kultur und Zivilgesellschaft richtet sich nicht gegen konkrete Politik, sondern gegen das Existenzprinzip eines Staates – genau deshalb trägt der Südafrika-Vergleich nicht.

            • @Zippism:

              Wenn sie juristisch formulieren, dann bitte auch präzise. Das Rückkehrrecht ist Bestandteil des Völkergewohnheitsrechts und verankert u.a. in Artikel 12 IPBPR von 1966.

              Die Rechtsstellung der Flüchtlinge ist in der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 aufgeführt, sowie dem Zusatzprotokoll von 1967.

              Das Rückkehrrecht für Flüchtlinge in der Konvention beschränkt sich nicht auf die de jure Staatsangehörigkeit oder einen Staat sondern auf das Land. Damit ist nicht das Heimatland, sondern das Land gemeint, welches der Flüchtling verlassen hat.

              In ähnlichen Wortlaut ist dieses auch in Artikel 12 Absatz 4 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte (IPBPR) aufgeführt.

              Völkerrechtlich umstritten ist das Rückkehrrecht für Flüchtlinge der Nachfolgegenerationen.

              Das hat viele Gründe, die hier nicht alle behandelt werden können, nur mit der von ihnen erwähnten UN Resolution hat keiner davon etwas zu tun. Die ist unter rechtlichen Gesichtspunkten für die Palästinenser nicht relevant in dieser Angelegenheit.

              • @Sam Spade:

                Wenn Sie juristisch argumentieren, dann bitte auch zur Reichweite der Normen.

                Art. 12 Abs. 4 IPBPR garantiert die Rückkehr in das eigene Land. Nach ständiger Auslegung des UN-Menschenrechtsausschusses meint dies Staatsangehörigkeit oder eine vergleichbare dauerhafte rechtliche Bindung – nicht jedes Gebiet, das jemand verlassen hat. Ein territoriales Rückkehrrecht ohne staatliche Zugehörigkeit lässt sich daraus nicht ableiten.

                Die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 regelt Schutz und Statusrechte (v.a. Non-Refoulement), nicht ein einklagbares Recht auf Rückkehr. Weder enthält sie ein kollektives noch ein generationsübergreifendes Rückkehrrecht.

                Ein universelles Rückkehrrecht für Flüchtlinge als Völkergewohnheitsrecht ist nicht gefestigt; Staatenpraxis und opinio juris sind uneinheitlich.

                UN-Resolution 194 ist politisch und bewusst konditional formuliert und begründet kein automatisches individuelles Rückkehrrecht – sonst wäre sie längst umgesetzt.

                Kurz: Ein Rückkehrrecht existiert für eigene Staatsangehörige, nicht als allgemeiner territorialer Anspruch für Flüchtlinge oder deren Nachkommen.

        • @Zippism:

          "Israel ist eine Demokratie mit gleichen Bürgerrechten für arabische Israelis..."

          Deswegen werden arabische Israelis ja auch von der Wehrpflicht ausgeschlossen und das schon seit 1948.

          Die gleichen Bürgerrechte sind auch nicht im Nationalstaatsgesetz zu finden, in dem die Selbstbestimmung ausschließlich Juden in Israel vorbehalten ist.

          Ebenfalls bei Landnahme und dessen Finanzierung kann von gleichen Rechten kaum die Rede sein, wenn Wohnsitz nur für Juden ausgewiesen wird, wie es nicht nur in etlichen Siedlungen der Fall ist sondern auch in städtischen Wohnvierteln.

          Die Aufzählung könnte ich jetzt noch beliebig ergänzen.

          Israel hat mittlerweile den Status einer fragilen Demokratie in der Rechtsanspruch und Rechtswirksamkeit weit auseinanderliegen.

          Und auch unbefristete Inhaftierungen der Zivilbevölkerung ohne Anklageerhebung und Rechtsbeistand sind doch wohl eher Kennzeichen eines Unrechtsstaates, als eines demokratischen Rechtsstaats.

          Zur Einführung in die Materie eignet sich auf deutsch

          Minderheitenrechte der Araber in Israel



          Völker- und staatsrechtliche Perspektiven, Duncker & Humblot 2004

          Aktualisierte/erweiterte Auflage 2023, Institut für internationales Recht Kiel.

          • @Sam Spade:

            Der Ausschluss arabischer Israelis von der Wehrpflicht stellt keine rechtliche Diskriminierung, sondern eine Befreiung dar; freiwilliger Dienst ist möglich. Wehrpflicht ist kein Maßstab für gleiche Bürgerrechte.

            Das Nationalstaatsgesetz betrifft die kollektive Selbstbestimmung als Staatsvolk, nicht individuelle Bürgerrechte. Diese gelten weiterhin für alle Staatsbürger und sind im israelischen Grundrechtssystem verankert. Eine solche Unterscheidung findet sich auch in anderen Demokratien.

            Diskriminierende Effekte in der Land- und Wohnraumpolitik sind rechtlich umstritten und problematisch, heben jedoch die formale Gleichstellung als Staatsbürger nicht auf, sondern betreffen verwaltungsrechtliche Praxis.

            Administrative Haft ist sicherheitsrechtlich begründet, richterlich überprüfbar und kein israelisches Alleinstellungsmerkmal. Sie allein begründet keinen „Unrechtsstaat“.

            Israel hat demokratische Defizite, bleibt jedoch eine rechtsstaatlich kontrollierte, pluralistische Demokratie.

          • @Sam Spade:

            Den "Ausschluss" von der Wehrpflicht als Beispiel dafür zu nehmen, dass arabische Israelis angeblich keine gleichen Bürgerrechte hätten, ist schon eine steile These. Auch die Haredim sind in Israel bisher von der Wehrpflicht befreit, und das hat der Oberste Gerichtshof Israels als Diskriminierung bewertet, aber nicht als Diskriminierung der Haredim, sondern der Wehrpflichtigen. Und in Deutschland sind bekanntlich die Frauen von der Wehrpflicht ausgenommen, was von diesen mehrheitlich nicht als Diskriminierung wahrgenommen, sondern eher begrüßt wird.

            • @Budzylein:

              "Den "Ausschluss" von der Wehrpflicht als Beispiel dafür zu nehmen, dass arabische Israelis angeblich keine gleichen Bürgerrechte hätten, ist schon eine steile These."

              Keine" steile These" sondern Staats-und Bürgerkunde Grundkurs. Lernen bei uns schon die Schulkinder, das sich aus Bürgerrechten auch Pflichten ableiten.

              Eine Bürgerpflicht in Israel ist der Wehrdienst für Frauen und Männer. Nehme ich eine Gruppe davon aus ethnischen Gründen aus, dann kann von Gleichstellung und Gleichberechtigung in diesem Punkt nicht mehr die Rede sein. Und ohne diese kann es auch nicht die gleichen Bürgerrechte geben, denn Rechte und Pflichten bedingen einander. Es gibt also eine Ungleichbehandlung innerhalb von Gruppen mit der selben Staatsangehörigkeit.

          • @Sam Spade:

            Der Ausschluss arabischer Israelis von der Wehrpflicht ist kein Beleg für fehlende Bürgerrechte, sondern eine historische Ausnahmeregelung; freiwilliger Dienst ist möglich. Daraus lässt sich keine systematische Entrechtung ableiten.

            Das Nationalstaatsgesetz ist politisch hoch umstritten – auch in Israel –, hebt aber weder Wahlrecht noch Rechtsgleichheit oder Rechtszugang auf. Nationale Selbstdefinition schließt Minderheitenrechte nicht automatisch aus; problematisch ist das Gesetz politisch, nicht im Sinne eines Apartheidsystems.

            Land- und Wohnungsfragen sind real konfliktbeladen und teils diskriminierend, beruhen jedoch auf Planungs-, Sicherheits- und Kommunalrecht, nicht auf einer rassenrechtlichen Trennung. Fehlentwicklungen definieren noch kein geschlossenes Herrschaftssystem.

            Administrative Haft ist rechtsstaatlich hochproblematisch und zu kritisieren. Sie steht jedoch unter gerichtlicher Kontrolle in einem Sicherheitskonflikt – gerade die anhaltenden innerisraelischen Debatten darüber zeigen eine belastete, aber funktionierende Demokratie, keinen Unrechtsstaat.

            • @Zippism:

              "Der Ausschluss arabischer Israelis von der Wehrpflicht ist kein Beleg für fehlende Bürgerrechte.."

              Anscheinend nicht ganz verstanden worum es geht. Machen wir es anschaulicher und ersetzen die "Wehrpflicht" durch die "Schulpflicht".

              Verpflichtet der Staat per Gesetz seine Bürger dazu ihre Kinder zur Schule zu schicken, erwerbe ich als Bürger ein Anrecht darauf, das meine Kinder diese auch besuchen dürfen. Wird dieses Recht mir von staatlicher Seite verwehrt, beschränkt es meine gesetzlich garantierten Rechte als Bürger. Erfolgt diese Beschränkung dazu noch aus ethnischen Gründen, dann spricht man im allgemeinen von Diskriminierung.

              • @Sam Spade:

                Die Analogie trägt nicht. Schulpflicht und Wehrpflicht sind rechtlich nicht vergleichbar.

                Die Schulpflicht begründet einen positiven Leistungsanspruch des Bürgers gegenüber dem Staat (Zugang zu Bildung). Die Wehrpflicht ist dagegen eine staatliche Dienstpflicht, aus der gerade kein subjektives Recht auf Heranziehung oder Ausschluss erwächst.



                Von einer Pflichtbefreiung auf eine Rechtsbeschränkung zu schließen, ist daher ein Kategorienfehler.

                Arabische Israelis werden nicht von einem staatsbürgerlichen Recht ausgeschlossen, sondern von einer Pflicht ausgenommen. Daraus folgt weder ein Verlust von Rechten noch eine Entrechtung. Im Gegenteil: Freiwilliger Dienst und Zugang zu allen zivilen Rechten bestehen fort.

                Diskriminierung setzt die Verwehrung eines Rechts, nicht die Ausnahme von einer Pflicht voraus.



                Ihre Analogie verschiebt diese juristische Grundunterscheidung und führt deshalb zu einem falschen Ergebnis.

            • @Zippism:

              Tut mir Leid, aber das was sie da von sich geben, kann kein Mensch der sich auch nur etwas mit der Materie auskennt ernstnehmen.

              Einmal das Nationalstaatsgesetz auch unter rechtlichen Gesichtspunkten studieren. Da das Gesetz Verfassungsrang hat, steht es über den Gesetzen welche die Minderheitenrechte garantieren. Es stellt jüdischen Gruppeninteressen über Minderheitsinteressen und deren Rechte. Was dem Gleichheitsgebot einer Demokratie widerspricht.

              Spätestens nach Verabschiedung des Gesetzes kann von gleichen Bürgerrechten keine Rede mehr sein.

              Geradezu lächerlich ihre Ausrede zur Landnahme. In den letzten 70 Jahren sind 90% der neuen Siedlungen ausschließlich für Juden zugänglich. Die Quote sich als Araber erfolgreich einzuklagen bewegt sich gegen Null.

              Und wie lässt sich ihre Begründung auf Wohnviertel wie Me'a Sche'arim oder Karmel anwenden? Sicherheitsinteressen?

              Zu ihren Ausführungen zur Verwaltungshaft. Beschäftigen sie sich einmal mit realen Fällen von willkürlich inhaftierten Palästinensern.

              Fallbeispiel



              Mohammad Faisal Abu Sakha, 2016, 554 Tage inhaftiert, ohne Anklage, ohne Anhörung vor Gericht, verfügt vom Militärstaatsanwalt Sharon Afek.

              Einer von tausend!

              • @Sam Spade:

                Zum Nationalstaatsgesetz: Es hat Verfassungsrang, hebt jedoch weder Wahlrecht noch Rechtszugang oder individuelle Bürgerrechte auf. Eine ausdrückliche Gleichheitsklausel fehlte im israelischen Verfassungsgefüge bereits vor 2018. Der Oberste Gerichtshof leitet den Gleichheitssatz weiterhin aus dem Grundgesetz „Menschenwürde und Freiheit“ ab. Das Gesetz priorisiert kollektive nationale Selbstdefinition, entzieht Minderheiten aber keine formalen Bürgerrechte. Politisch problematisch – ja; ein Apartheidsystem – nein.

                Zur Land- und Siedlungspolitik: Die faktische Benachteiligung arabischer Bürger ist real und kritikwürdig. Juristisch handelt es sich jedoch um Planungs-, Kommunal- und Bodenrecht, nicht um kodifizierte Rassentrennung. Soziale oder religiöse Abschottung (z. B. Me’a Sche’arim) ist kein staatliches Wohnverbot.

                Zur administrativen Haft: Der Fall Abu Sakha ist gravierend und international zu Recht kritisiert. Er belegt Missbrauch eines sicherheitsrechtlichen Instruments, nicht das Fehlen gerichtlicher Kontrolle. Gerade innerisraelische Verfahren, NGO-Klagen und öffentliche Debatten zeigen eine belastete, aber funktionierende Rechtsordnung.

        • @Zippism:

          Die blenden nicht nur die hinreichend dokumentierte Diskriminierung arabischer Israelis aus, sondern auch, dass sich der Vorwurf der Apartheid (der von diversen Menschenrechtsorganisationen auch hinreichend dokumentiert wird) auf die besetzten Gebiete bezieht, in denen die Apartheid-Merkmale offenkundig sind (etwas die physische Trennung, die unterschiedlichen Rechtssystem etc.). Der Hinweis auf den Sicherheitskontext ist zum einen zirkulaer und zum anderen problematisch, weil er elementare Rechte der Palästinenser israelischen Sicherheitsinteressen unterordnet - manch einer mag hier, um Ihre Formulierung aufzugreifen, Rassismus unter dem Deckmantel moralischer Überlegenheit sehen.

          • @O.F.:

            Die Diskriminierung arabischer Israelis wird nicht „ausgeblendet“, sondern ausdrücklich benannt. Der entscheidende Punkt bleibt die analytische Trennschärfe: Der Apartheid-Begriff beschreibt ein dauerhaftes, rassistisch begründetes Herrschaftssystem. In den besetzten Gebieten existieren gravierende Ungleichheiten – aber sie beruhen auf Staatszugehörigkeit in einem ungelösten Territorialkonflikt, nicht auf Rassenzugehörigkeit. Unterschiedliche Rechtssysteme ergeben sich aus Militärverwaltung versus Staatsrecht, nicht aus einer Ideologie biologischer oder ethnischer Trennung.

            Der Sicherheitskontext ist nicht zirkulär, sondern kausal: Gewalt, Terror und Kriege gingen der Besatzung voraus und prägen sie bis heute. Das rechtfertigt nicht jede Maßnahme, erklärt aber ihre Entstehung und begrenzt den Vergleichswert mit Südafrika erheblich.

            Gerade weil Grundrechte der Palästinenser verletzt werden, braucht es präzise Kritik. Der Apartheid-Frame verschiebt die Debatte jedoch von überprüfbarer Politik hin zur moralischen Totaldelegitimierung – und verhindert genau die Differenzierung, die für eine Lösung nötig wäre.

            • @Zippism:

              "Der Apartheid-Begriff beschreibt ein dauerhaftes, rassistisch begründetes Herrschaftssystem"

              Das ist die historische Definition von Apartheid wie sie auch in der UN Resolution zu Südafrika zu finden ist.

              Die Welt ist seitdem aber nicht stehengeblieben. Gilt auch für den wissenschaftlichen Betrieb, welcher im Laufe der Jahrzehnte den Apartheidsbegriff weiter umfasst und ihn anhand bestimmter Merkmale definiert hat.

              Nur um diese Definition dreht es sich bei den Vorwürfen gegen Israel und nicht um die historische Auffassung.

              Mit Blick auf die Westbank ist der Vorwurf der Apartheid dann nicht mehr ganz so einfach abzuweisen, wie beim historischen Vergleich.

              Die heute übliche Verwendung nämlich im Sinne einer "politischen, sozialen und wirtschaftlichen Dominanz, kombiniert mit Formen von Unterdrückung, Diskriminierung und Separation" gegen rassisch definierte Grossgruppen, dürfte zu grossen Teilen die Zustände im Westjordanland passend beschreiben.

              • @Sam Spade:

                Der Punkt bleibt analytisch: Der Apartheid-Begriff bezeichnet ein dauerhaftes, rassisch oder ethnisch begründetes Herrschaftssystem. Erweiterte Definitionen in der Wissenschaft können Formen von Dominanz und Diskriminierung umfassen, greifen aber nur, wenn die Ungleichheit systematisch, ideologisch verankert und dauerhaft ist.

                In der Westbank resultieren unterschiedliche Rechtsordnungen aus Staatszugehörigkeit und Militärverwaltung, nicht aus einer rassistischen Ideologie. Die Diskriminierung ist territorial und konfliktbedingt, nicht auf biologische oder ethnische Merkmale gerichtet.

                Gewalt, Terror und Krieg prägen diesen Kontext kausal – sie erklären die Sicherheitsarchitektur, rechtfertigen sie nicht.

            • @Zippism:

              Das Herrschaftssystem in den besetzten Gebieten ist andauernd und auf Dauer angelegt (und die gegenwärtige rechtsextreme Regierung verschweigt das nicht einmal). Und natürlich zielt es auf die Trennung zweier ethnischer Gruppen ab (dass es im israelischen Kernland Araber mit israelischer Staatsbürgerschaft gibt, schafft eine Grauzone, ändert aber nichts an der Grundkonstellation). Der Sicherheitsaspekt ist zirkulaer, weil die Besatzung genau die Gewalt produziert, die sie zu bekämpfen vorgibt; Sie verklären die Rolle Israels und seines Expansionismus, wenn Sie Israels Verhalten als rein reaktiv beschreiben (zumal auch Selbstverteidigung keine genozidalen Massnahmen rechtfertigen würde). "Apartheid" ist übrigens ein präzise definierter Rechtsbegriff - und dass dieser die Situation in den besetzten Gebieten und teils sogar im israelischen Kernland treffend beschreibt, haben inzwischen etliche Experten und Menschenrechtsorganisationen (auch israelische!) hinreichend begründet. Differenzierung bedeutet nicht, Tatsachen zu ignorieren, egal wie schmerzhaft sie sind.

              • @O.F.:

                Die Argumentation übersieht die analytische Trennschärfe. Der Apartheidbegriff beschreibt ein dauerhaftes, systematisch verankertes Herrschaftssystem auf Grundlage von Rasse oder Ethnie. Unterschiedliche Rechtsordnungen in der Westbank ergeben sich aus Staatszugehörigkeit und Militärverwaltung, nicht aus einer ideologisch motivierten Trennung von Ethnien. Arabische Israelis im Kernland bilden keine Ausnahme, die das Grundprinzip der Trennung ändert.

                Der Sicherheitskontext ist kausal, nicht zirkulär: Gewalt, Terror und Konflikte prägen die Besatzung, erklären aber nicht jede Maßnahme. Selbstverteidigung rechtfertigt keine umfassenden kollektiven Einschränkungen.

                Menschenrechtsorganisationen und Experten, auch israelische, weisen auf strukturelle Diskriminierung und ungleiche Rechte hin. Das ist kritische Analyse, kein moralisches Totalurteil. Differenzierung bedeutet, Tatsachen anzuerkennen, die unbequem sind, ohne sie automatisch als historisch identische Apartheid zu interpretieren.

      • @Janix:

        Welchen Grund gibt es, dass es so etwas nur in Hinblick auf Israel gibt, nicht jedoch auf China?

        • @Suryo:

          Hat der Kollege doch eigentlich schon beantwortet. Tibet hätte sich Anfang des 20. Jh. noch mal offiziell für souverän erklären müssen (und es war und ist natürlich dennoch eine S**erei von Mao und Konsorten, nur eben völkerrechtlich weitgehend gedeckt). Vogelsangs angenehm kritische kleine chinesische Geschichte und andere Werke zu den Details.

          Ich füge dabei auch (nicht gerade enthusiastisch) schon an: VR China hat den ständigen Sitz im Sicherheitsrat und ist _der Handelspartner. Wir tippen wahrscheinlich gerade auf festlandchinesischen Tastaturen oder Bildschirmen.



          Und doch _gab es sogar große Initiativen, die auf Uiguren, Tibeter hinwiesen und hinweisen, die einen Boykott von VW China verlangten und teils sogar China gesamt.

          PS: Ich ergänze, dass wir uns bei Marokko und der Westsahara den Flugurlaub o.ä. verkneifen, wenn mensch den überhaupt noch macht, bis dort eine wirkliche Abstimmung stattfindet; das wäre ein eher vergleichbarer Fall.

          • @Janix:

            Tibet hat sich 1913 als unabhängiger Staat erklärt. Und nun?

          • @Janix:

            Ach so, es geht hier gar nicht um Menschenrechte, sondern nur um technische Fragen des Völkerrechtes? Na dann.

            • @Suryo:

              Das Wort "nur" ist von Ihnen.



              Lesen Sie meinen Beitrag gerne noch mal, zum Thema Menschen.

  • Der Artikel verharmlost die tiefgreifenden Risiken eines akademischen Boykotts, indem er die Forderung als „Diskussionsangebot“ darstellt, ohne die realen Konsequenzen für Forschung und freien Austausch klar zu benennen. Wissenschaft lebt von Kooperation, Debatte und gegenseitigem Respekt – nicht von ideologischen Ausschlussmechanismen, die den freien Gedankenaustausch beschädigen. Ein institutioneller Boykott beschädigt nicht nur Wissenschaftler*innen, die sich unabhängig kritisch mit Israel und Palästina auseinandersetzen, sondern schwächt genau die Kräfte, die für Menschenrechte und Frieden eintreten wollen. Kooperation mit anderen Forschenden ist kein Komplott mit staatlichen Militärstrukturen, sondern ein Mittel zur Konfliktlösung, das über politische Polarisierung hinausführt. Statt wissenschaftliche Zusammenarbeit zu boykottieren, sollten wir sie nutzen, um Verständnis zu fördern und gemeinsame Lösungen für Frieden und Gerechtigkeit zu entwickeln – nur so kann Wissenschaft ihrem humanitären Auftrag gerecht werden. Boykott mag symbolisch befriedigen, praktisch aber ist er eine Einladung zur Eskalation und zur Zerstörung des universitären Gemeinwesens

    • @Zippism:

      Nach ihrer Logik hätten ja dann auch die Kooperationen mit russischen Universitäten von deutscher Seite nicht eingestellt werden dürfen.

      Wenn Universitäten zu Forschungslaboren für das Militär werden, dann hat das nur wenig damit zu tun, das die Wissenschaften ihren "humanitären Auftrag" gerecht werden.

      In Norwegen gibt es eine Ethikrichtlinie für sämtliche Institutionen die staatliche Unterstützung erhalten. Diese besagt keine ausländischen Investments oder Kooperationen mit Firmen und Institutionen die im militärischen Bereich aktiv sind. Gilt für den Staatsfond wie für Universitäten.

      Die meisten größeren Universitäten haben ihre Kooperation mit israelischen Institutionen eingestellt, schrittweise schon seit 2009, wenn diese nachweislich Dienstleistungen für das israelische Militär erbringen.

      Vor dem aktuellen Hintergrund hat das zudem nicht nur ethische sondern auch rechtliche Gründe. Wie in dem Artikel richtig ausgeführt besteht der Anfangsverdacht für Völkermord und Kriegsverbrechen von Seiten Israels. Eine Kooperation könnte sich daher im nachhinein als Völkerrechtsverstoß erweisen und rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

      • @Sam Spade:

        Ich sehe die ethischen Bedenken und die Notwendigkeit, Kooperationen kritisch zu prüfen, klar – insbesondere wenn Universitäten direkt militärische Forschung unterstützen.

        Allerdings ist es nicht angemessen, pauschale Boykotte über alle akademischen Kooperationen zu verhängen. Wissenschaft lebt von Austausch, Kooperation und kritischem Dialog – gerade auch in Konfliktsituationen. Kooperation bedeutet nicht automatisch Unterstützung militärischer Aktivitäten. Viele Forschende arbeiten unabhängig, kritisch und friedensorientiert, und ein Boykott würde genau diese Kräfte isolieren, die sich für Menschenrechte und Konfliktlösung einsetzen.

        Ethikrichtlinien wie in Norwegen zeigen, dass differenzierte Prüfungen möglich sind, ohne universelle Ausschlüsse zu verhängen. Rechtliche Risiken bestehen selbstverständlich, doch sie müssen projektbezogen bewertet werden – ein genereller Boykott kann diese Abwägung nicht leisten.

  • Sind die Gruppen wirklich „palästinasolidarisch“, oder nur einfach antiisraelisch? Das scheint ja auch für viele Menschen im linken Spektrum nicht wirklich geklärt zu sein. Von daher erscheint mir die zurückhaltende Reaktion deutscher Universitäten sehr gut nachvollziehbar. Das spanische und irische Institutionsvertreter das aufgrund ihrer grundsätzlich anderen Sichtweise zur Notwendigkeit eines jüdischen Staates anders werten, wundert mich nicht wirklich.

    • @vieldenker:

      wie wuerden sie denn antiisraelisch genau definieren - so in etwa wie israels regierung und auch leider große teile der bevölkerung antipalästinensisch eingestellt sind, d.h. diskrminierung, schikane, vertreibung, mord, mit eingeschlossen?

      • @the real günni:

        Im Kern geht es um die Frage des Existenzrechts des Staates Israel. Da lassen viele Unterstützer aus „ihren“ Kreisen von Anfang an bis heute die notwendige Klarheit vermissen. Solange das aber nicht ohne wenn und aber bejaht wird, braucht man sich über das Misstrauen auf jüdischer Seite nicht wundern. Die Lösung liegt nicht in Bedrohung und Boykott, sondern in der Wiederaufnahme gegenseitiger vertrauensbildender Maßnahmen. Leider hat die Hamas mit ihren Freunden genau diesen Prozess brutal unterbrochen und damit denen in der israelischen Politik und Gesellschaft in die Hände gespielt, die sich einer Annäherung aus verschiedenen Gründen verweigern (wollen). Insofern wäre es an der Zeit, sich auch bei den „Palästinafreunden“ mal selbstkritisch mit den eigenen Verbündeten zu beschäftigen und die eigenen Vorstellungen und einem Realitätscheck zu unterziehen. Scheint aber immer noch nicht im Fokus zu stehen.

        • @vieldenker:

          Es geht um das Existenzrecht eines palästinensischen Staats.

        • @vieldenker:

          Wenn es im Kern um die Frage des Existenzrechts Israels geht - eigentlich eine banale Feststellung, denn wir tun gut daran, die Existenz eines jeden völkerrechtlich legitimierten Staates anzuerkennen (schon wegen der globalen Verwerfungen, die das nach sich zieht) -, warum sollte dann aus der berechtigten Kritik am Vorgehen Israels gegen die Palästinensern KEINE politischen Forderungen formuliert werden? Etwa auch die nach wirtschaftlichem, akademischem und kulturellem Boykott? Der Vorwurf von BDS besteht ja darin, dass die Verstrickung mit der israelischen Besatzungspolitik auch auf Hochschul- und kultureller Ebene stattfindet - ein Vorwurf, über dessen Stichhaltigkeit man streiten kann, im Beitrag wurden jedoch Beispiele für solche Verstrickungen genannt.



          Und wie es richtig ist, solche Verstrickungen im Fall Chinas, Russlands, Irans etc. anzuprangern, ist es das selbstverständlich auch im Fall Israels - gerade weil Israel einer unserer wichtigsten Verbündeten ist und es diese spezifische historische Verantwortung gibt.



          Die EU war ja im vergangenen Jahr mehrheitlich wegen des Gazakrieges kurz davor, das Assozierungsabkommen mit Israel auszusetzen. Alles Antisemiten?

        • @vieldenker:

          existenzrecht israel - wer ist eigentlich wann mit dieser genialen frage aufgekommen?



          israel existiert. wer die frage nach dem recht der existenz stellt, impliziert ja schon einen zweifel. die frage wäre eher nach einer historischen aufarbeitung, wie es zur staatsgründung kam und wie man das aus heutiger sicht beleuchtet. und das beinhaltet dann gleich auch die frage nach dem staat palästina.



          es wird zeit, diese frage zu öffnen, und mantra-artige schwüre´ohne wenn und aber´ den sekten zu überlassen, um tatsächlich zu einer lösung des konflikts zu kommen.

        • @vieldenker:

          "Existenzrechts des Staates Israel" -> Was heißt das? Was ist Israel? Aktuell handelt es sich um einen Staat, der sich nicht neutral zu Ethnie und Religion verhält, Besatzung und Annexion betreibt, mutmaßlich genozidal handelt, Journalisten und humanitäre Hilfskräfte tötet und ganz Gaza dem Erdboden gleich gemacht hat. Bibi (und die meisten Israelis) lehnen schon lange sowohl den palästinensischen Staat als auch eine Eingliederung der Palis ab. Diese beiden Ziele müssen dazu führen, dass sich Israel völker- und menschenrechtswidrig verhält. Netanyahu stand schon lange für beiden Maximen. Solange sie Teil Israels sind, braucht man nicht auf die Hamas zu zeigen, die Bibi ja selbst unterstützte, weil sie wie er keinen Kompromiss will und er so weiter bei "möglichst keine Palis in Israel" UND "kein Palästina" bleiben kann, obwohl das zwangsläufig völkerrechtswidrig ist. Israel müsste sich zwischen Zwei-Völker Staat oder Zwei-Staaten-Lösung entscheiden. Solange sie beides aktiv bekämpfen, sehe ich nicht, wieso Israel (egal was es tut), bedingungsloses Existenzrecht hat, Palästina aber nicht.

          • @Corina Strößner:

            Wenn Sie die im Artikel verlinkten Seiten der Academic Boycott Conference und der Uppsala Declaration durchlesen, werden Sie feststellen, dass dort keine "Zwei-Staaten-Lösung" gefordert wird. Die Aussage, dass der Staat Israel existenzberechtigt sei, wird dort sorgsam vermieden. Die Academic Boycott Conference sagt gleich im ersten Satz "Der israelische Staat ist eine Siedlerkolonie..." und zeigt damit, was diese Leute von einer "Zwei-Staaten-Lösung" halten, nämlich nichts. Die wollen eine "Kein-Israel-Lösung". Das sagen sie in Deutschland noch nicht offen, aber wer sich explizit gegen die "Ideologie des Zionismus" wendet, meint genau das. Der Zionismus bedeutet ursprünglich nichts anderes als die Forderung, dass die Juden einen eigenen Staat bekommen sollen. Mit der Staatsgründung Israels 1948 ist diese Forderung verwirklicht worden, und seitdem hat "Zionismus" die Hauptbedeutung, dass dieser Staat weiter bestehen soll.

      • @the real günni:

        Ihre Definition dreht Ursache und Wirkung konsequent um. „Antiisraelisch“ heißt nicht, Regierungspolitik zu kritisieren – das gehört in Israel zur politischen Normalität. Antiisraelisch ist, Israels Selbstverteidigung als „Mord“ zu framen, während der jahrzehntelange Terror gegen israelische Zivilist:innen unterschlagen oder moralisch eingehegt wird.

        Der Unterschied ist simpel: Israel ist eine Demokratie, die sich gegen Organisationen verteidigt, deren erklärtes Ziel die Vernichtung des jüdischen Staates ist. Hamas & Co. kämpfen nicht für Menschenrechte, sondern gegen jüdische Existenz. Wer das verwischt, betreibt keine Analyse, sondern Ideologie.

        Von „Diskriminierung, Vertreibung, Mord“ zu sprechen, ohne Raketen, Massaker, Selbstmordanschläge und offenen Antisemitismus zu erwähnen, ist keine Kritik – es ist Delegitimierung. Genau das ist antiisraelisch.

        Pro Israel zu sein heißt, anzuerkennen, dass jüdische Selbstbestimmung nicht verhandelbar ist und dass ein Staat, der permanent angegriffen wird, sich verteidigen darf – auch wenn das nicht ins moralische Wohlfühl-Narrativ westlicher Aktivist:innen passt.

        • @Zippism:

          Umgekehrt: Israel framet die jahrzehntelange Besatzung als Selbstverteidigung und den Widerstand dagegen als Terror.

        • @Zippism:

          „Pro Israel zu sein heißt, anzuerkennen, dass jüdische Selbstbestimmung nicht verhandelbar ist …“.



          Richtig, sie ist so wenig verhandelbar wie das palästinensische Selbstbestimmungsrecht oder das irgendeines Volkes auf dieser Erde.



          @the real günni liegt mit seiner Einschätzung genau richtig, auch wenn Sie sie als unbequem empfinden: würde sich Israel gemäß dem Völkerrecht (an dessen Abschaffung sein Protege Trump gerade unter Hochdruck arbeitet) verhalten, müsste es a) einem unabhängigen palästinensischen Staat zustimmen oder b) die Rückkehr und Integration aller palästinensischen Flüchtlinge in den israelischen Staat zulassen - klar ist dabei, dass ein solcher Staat seinen jüdischen Charakter verlieren würde. Beide Lösungen werden von einer Mehrheit der israelischen Bevölkerung nicht gewünscht.



          Man kann (aus jüdischer Sicht) durchaus verstehen, warum das so ist. Nur wird das Problem mit den Palästinensern nicht anderweitig gelöst werden können als hier skizziert. Wenn nicht, wird es den Israelis immer wieder vor die Füße fallen und sei es so brutal wie am 7.10.2023. Da mag der POTUS noch so sehr versuchen, unter Umgehung der UN seine eigenen Friedenslösungen zu implementieren.

          • @Abdurchdiemitte:

            Dass palästinensische Selbstbestimmung legitim ist, bestreitet niemand. Strittig ist die Schlussfolgerung, sie könne nur durch die Auflösung jüdischer Selbstbestimmung realisiert werden. Genau das ist der Punkt: Ein „Rückkehrrecht“, das den jüdischen Staat demografisch abschafft, ist kein Kompromiss, sondern eine Ein-Staat-Lösung gegen den erklärten Willen einer der beiden Kollektive.

            Völkerrecht erzwingt weder diese Lösung noch eine bestimmte Staatsform. Es fordert Verhandlungen, Sicherheit für beide Seiten und Anerkennung gegenseitiger Existenz. Daran scheitert es seit Jahrzehnten nicht primär an Israel, sondern auch an palästinensischen Akteuren, die jüdische Staatlichkeit grundsätzlich ablehnen.

            Der 7.10. war kein Resultat ungelöster Statusfragen, sondern ein antisemitisches Massaker mit eliminatorischem Ziel. Wer solche Gewalt als „Rückkehr des Problems“ rahmt, verschiebt Verantwortung und verwischt Täter und Ursache.

            Zwei Selbstbestimmungsrechte lassen sich nur sichern, wenn beide anerkannt werden – nicht, indem eines davon als verhandelbar erklärt wird.

            • @Zippism:

              Wir beide wissen, dass Hamas eliminatorische Ziele nicht nur gegen den Staat Israel, sondern sogar gegen alles jüdische Leben weltweit verfolgt. Sie wissen auch, dass ich mich in meinen Kommentaren stets gegen einen inflationären Gebrauch des Antisemitismus-Begriffs ausspreche und daher auch den „regierungsamtlichen“ Umgang mit der IHRA-Definition kritisiere (und das Problem dabei ist nicht die IHRA, sondern dessen politische und israel-lobbyistische Instrumentalisierung). Aber in diesem Punkt (Haltung zur Hamas) ist eine scharfe Abgrenzung vonnöten und es entsetzt mich geradezu, dass das unter Linken überhaupt diskutiert werden muss.



              Wir können auch gerne über die (Mit)Verantwortung der anderen Akteure (Iran, die arabischen Staaten) sprechen, aber HIER soll es um die israelische Verantwortung gehen, die zu dieser schrecklichen Gewaltexplosion führten. Und so sehr betont werden muss, dass hier jüdische Menschen zu Opfern des Hamas-Terrors wurden, so sehr muss auch auf die Verantwortung der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern hingewiesen werden.



              Der UN-Generalsekretär hatte absolut recht mit seinem Hinweis auf die Wirkungszusammenhänge, die zum 7.11. geführt haben..

              • @Abdurchdiemitte:

                Natürlich sind Hamas’ eliminatorische Ziele weltweit antisemitisch und abzulehnen. Das ändert nichts daran, dass die israelische Politik gegenüber den Palästinensern Mitverantwortung für eskalierende Spannungen trägt. Wer die Ereignisse des 7.10. ausschließlich als „Rückkehr des Problems“ rahmt, verwischt jedoch Täter und Ursache und relativiert das gezielte Massaker.

                Zugleich ist entscheidend: Palästinensische Selbstbestimmung bedingt nicht die Abschaffung jüdischer Selbstbestimmung. Ein Rückkehrrecht, das den jüdischen Staat demografisch eliminiert, ist keine Verhandlungslösung, sondern ein einseitiger Ansatz, der Kompromissfähigkeit untergräbt.

                Völkerrechtlich verlangt es gegenseitige Anerkennung, Sicherheit und Verhandlungen, nicht die Auflösung eines der beiden Kollektive. Die Anerkennung beider Selbstbestimmungsrechte bleibt die Voraussetzung für Frieden, Sicherheit und Rechtssicherheit – ein Ansatz, der Gewalt vorbeugt, statt sie zu instrumentalisieren.

        • @Zippism:

          "Antiisraelisch ist, Israels Selbstverteidigung als „Mord“ zu framen"

          Hat nur rein gar nichts mit der Begrifflichkeit zu tun. Per Definition ist "Antiisraelisch", korrekter ausgedrückt israelbezogener Antisemitismus dann gegeben, wenn diese Kritik nur den Staat Israel zum Ziel hat, obwohl sie auch auf andere Staaten zutreffen würde, mit diesen also vergleichbar ist.

          Das führt ihren Bezug hinsichtlich Selbstverteidigung - Mord ad absurdum.

          • @Sam Spade:

            Israelbezogener Antisemitismus liegt nicht nur bei „Singularisierung“ vor, sondern auch bei Dämonisierung, Delegitimierung und doppelten Standards. Genau darum geht es beim Mord-Framing: Wenn militärische Selbstverteidigung per se als „Mord“ etikettiert wird, während vergleichbare Gewalt anderer Staaten als Krieg, Sicherheitspolitik oder Tragödie diskutiert wird, ist das kein neutraler Maßstab.

            Der Punkt ist also nicht die bloße Begrifflichkeit, sondern ihre asymmetrische Anwendung. Wer Terror, Massaker und eliminatorische Ideologie ausblendet oder relativiert, Israelische Gewalt aber moralisch absolut setzt, kritisiert nicht Politik, sondern spricht dem Staat faktisch das Recht auf Selbstverteidigung ab.

            Das ist keine „normale“ Staaten­kritik mehr. Es ist Delegitimierung – unabhängig davon, ob man sie sprachlich sauber verpackt oder nicht.

  • Die im Artikel verlinkten Seiten der Academic Boycott Konference und der Uppsala Declaration zeigen: Es geht diesmal vor allem um die Delegitimierung jeglichen israelischen Militärs. Die Forderungen sind darauf gerichtet, dass die israelische Bevölkerung Angriffen wie dem der Hamas am 7.10.2023 schutzlos ausgeliefert sein soll. Auf beiden Webseiten wird die Hamas nicht kritisiert, und die Massaker des 7.10.2023 werden nicht erwähnt. Das ist die übliche Arbeitsteilung der Antisemiten der BDS-Bewegung mit der Hamas et al.: Die einen wollen so viele Israelis wie möglich abschlachten, und die anderen wollen, dass Israel sich dagegen nicht zur Wehr setzen kann.

    Dies dann noch begleitet mit dem üblichen Lamento, dass man die "Diskussion" wegen der BDS-Resolution des Bundestages angeblich kaum führen könne, diesmal vom Mitunterzeichner der Uppsala Declaration Robin Celikates, Professor für Philosophie an der FU. Sieht man sich hingegen die Website an, liest man in der Unterzeichnerliste zahlreiche Klarnamen von Leuten aus dem deutschen Wissenschaftsbetrieb, die akribisch ihre akademischen Titel und Titelchen präsentieren und wegen ihrer Position nicht das geringste zu befürchten haben.

    • @Budzylein:

      Sie beschreiben die Arbeitseinteilung zwischen Hamas und BDS perfekt:

      "Die einen wollen so viele Israelis wie möglich abschlachten, und die anderen wollen, dass Israel sich dagegen nicht zur Wehr setzen kann."

      Sauber formuliert. Respekt.

  • Gegen jene eklig lange und böse Besatzung zu protestieren ist sehr nachvollziehbar (bitte dabei immer bei etwa Marokko/Westsahara in etwa gleich laut, nicht lauter, nicht leiser).



    Warum Differenzieren gar nicht leicht ist, steht im Artikel.

    Ich würde Differenzierung dennoch lieber probiert sehen, also Besatzung klar abweisen, den sonstigen Austausch jedoch nicht.

    Können Hochschulen auch noch stärker sich für die ja trotz Schikanen meist sehr bildungsorientierten Palästinensers einsetzen [Bildung kann einem kein Bulldozer, keine Uzi wegnehmen]?

    • @Janix:

      Nun demonstriert aber komischerweise niemand für die Westdahara.

      Es gibt auch keinen Aufruf zu einem Boykott marokkanischer Universitäten.

      Was schließen wir daraus?