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Nach Volksentscheid in HamburgBraucht Deutschland Olympia?

Hamburgs Bevölkerung hat überraschend Nein zu Olympia gesagt. Ist das ein schlechtes Signal über die Stadt hinaus? Ein Pro und Contra.

W ährend bei Volksabstimmungen in der Rhein-Ruhr-Region und in München ein positives Votum herauskam, hat die Mehrheit der HamburgerInnen, die zur Wahl gingen, die rote Karte gezeigt. Ist das doof?

Ja!

Denn eine große internationale Veranstaltung wie die Olympischen Spiele, die von Milliarden Menschen beachtet wird, könnte Deutschland helfen, aus dem Stimmungstief zu kommen. Sie wäre ein Programm gegen die um sich greifende Verzagtheit, das Gemeckere, gegen das von vielen geäußerter Gefühl: Es geht alles den Bach hinunter.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Es lohnt sich kaum, noch einmal aufzuzählen, was alles nicht läuft oder lief: Großprojekte wie Stuttgart 21 oder der Berliner Flughafen BER, die sich ewig verzögern und den Kostenrahmen sprengen; die Bahn, die ihren guten Ruf im Privatisierungswahn gründlich vergeigt hat; das Wirtschaftsmodell mit billigem Gas aus Russland und China als Exportmarkt perdu; bei der IT abgehängt.

Wir sind ein Land, das ziemlich verunsichert auf Wachstumsregionen wie China blickt und sich bei den eigenen Projekten selbst im Weg steht. Firmen wie Privatleute halten es für selbstverständlich, das eigene Interesse gegenüber der Allgemeinheit durchzusetzen – hier stimmt die Balance nicht mehr. Wir pflegen den kritischen Diskurs – was ein Fortschritt ist, aber einen unschönen Nebeneffekt mit sich bringt: Wir denken mehr an Gefahren als an Chancen. Wenn dieses Auf-der-Bremse-Stehen nur am Umwelt- und Naturschutz läge, könnten wir wenigstens darauf stolz sein.

Die Olympischen Spiele wären etwas, hinter dem sich das ganze Land versammeln könnte. Sie würden eine Zielmarke setzen, bis zu der bestimmte, klug gewählte Projekte fertig sein müssten, und könnten die Wohlhabenden in die Pflicht nehmen. Sie schüfen den Zwang zu beweisen, dass Deutschland noch planen und organisieren kann. Die Spiele können Kreativität freisetzen, wie die großartigen Bauten und Otl Aichers Piktogramme für die Münchner Spiele von 1972 beweisen.

Und wie beim sogenannten Sommermärchen, der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, könnte Deutschland zeigen, dass es ein buntes, gastfreundliches, womöglich sogar entspanntes Land sein kann – „Schland“-Rufen zum Trotz. Gernot Knödler

Nein!

Die Bevölkerung in Hamburg hat (mal wieder) richtig entschieden: Olympia wird es dort nicht geben. Man hat sich nicht täuschen lassen von der immer gleichen Trommelei in Politik, Kultur und Spitzensport. Ein vereinendes öffentliches Fest sollen die Spiele sein, dabei sind sie stets vor allem eines: Gentrifizierung leicht gemacht.

Mieten schießen nachweislich in die Höhe, Verdrängung steigt an, und von der Infrastruktur, die angeblich zu keinem anderen Anlass errichtet werden kann, profitieren vor allem wohlhabende Viertel. Steu­er­zah­le­r:in­nen tragen hohe Kosten, während die Profite in die Taschen von Sponsoren, IOC-Funktionär:innen und TV-Bossen fließen. Olympiatickets leisten können sich viele nicht. Derweil sind zig Hallen im deutschen Breitensport marode, und Sportklubs gerade in Großstädten haben wegen Platzmangel Aufnahmestopp. Dort wäre das viele Geld richtig aufgehoben.

Ja, olympisches Flair in einer Stadt ist magisch, große Sportstars inspirieren Generationen. Aber das macht die routinierte Lügerei um Olympia nicht besser. Es wird jedes Mal viel teurer, schmutziger und weniger breitenwirksam als versprochen. Der Preis für zwei Wochen Sport ist zu hoch.

Märchen kollektive Versöhnung

Und sollte Deutschland sich wirklich dort präsentieren dürfen und sein internationales Image polieren? Ein Land, wo die Politik gerade so massiv wie nie zuvor Arbeitnehmerrechte angreift, aber rund um Olympia auf volksnah macht? Ein Land, gegen das derzeit eine Klage wegen Beihilfe zum Völkermord in Gaza vorliegt und das sich weigert, seinen Völkerrechtsverpflichtungen nachzukommen? Ein Land, das massiv gegen EU-Asylrecht verstößt – und wo möglicherweise zum Zeitpunkt der Spiele Rechtsextreme an der Regierung sitzen? Bitte nicht.

Solche Mega-Sportevents neigen übrigens dazu, nationalistische Einstellungen zu steigern; das Märchen von kollektiver Versöhnung ist großer Quatsch. Zum Glück immerhin gibt es im parlamentarischen Kapitalismus zumindest noch eines: die Möglichkeit, „NOlympia“ zu sagen. Alina Schwermer

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Gernot Knödler

Gernot Knödler Hamburg-Redakteur

Alina Schwermer

Alina Schwermer freie Autorin

Jahrgang 1991, studierte Journalismus und Geschichte in Dortmund, Bochum und Sankt Petersburg. Schreibt für die taz seit 2015 vor allem über politische und gesellschaftliche Sportthemen und übers Reisen. Autorin mehrerer Bücher, zuletzt "Futopia - Ideen für eine bessere Fußballwelt" (2022), das auf der Shortlist zum Fußballbuch des Jahres stand.
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58 Kommentare

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  • Man würde ja nochmal darüber reden können wenn das IOC und Sponsoren sämtliche Kosten für die Gemeinden HH und Umgebung tragen würde. Ne wahr ?

  • Olympia braucht Hamburg oder eine andere deutsche Stadt nicht . Typisch Hamburger SPD



    , siehe kurzer Olaf , dass war auch so eine schwachsinnige und größenwannsinnige Idee eines Hamburger SPD- Politikers !



    Für das Geld sollte man kaputte Turnhallen sanieren oder neue bauen und die



    Jugendsportarbeit fördern u.v.a.m.

  • Für Breitensport braucht man die Olympiade nicht. Und dass das IOC immer noch nicht die ausgesonderten SportlerInnen der „Para“lympics inkludiert hat, ist ein andauerndes Trauerspiel.

  • ich habe auch gegen Olympia gestimmt. Denn was bedeutet Olympia in HH, die Antwort ist einfach: Sparen, da viele versuchen werden, sich die Taschen vollzumachen. Weiter bedeutet es, 2 Wochen zu Hause bleiben, da die Öffis noch voller sein werden, als sie es ohnehin schon sind. Auch bin ich gegen Großevents in HH, denn ich habe es zu häufig erlebt, wie offenbar sinnbefreite Menschen sich auf einmal benehmen. Z.B. Rücksichtnahme gilt dann absolut nicht mehr. So manches Mal habe ich gedacht, viele Touris scheinen zu glauben. Nun sind wir IN HH, hier können wir die Sau rauslassen.



    Ich habe laut in meine Hände geklatscht, als ich das Abstimmungsergebnis hörte.



    Zur Erklärung, ich schreibe als 70-jährige Frau und die mit den täglichen Einschränkungen für ältere Menschen in HH täglich leben und sich damit arrangieren muss.



    Die sog. einkommenstarken Schichten stellen es sich so einfach vor, aber sie wohnen nicht dort, wo die einzelnen olympischen Events stattfinden werden.

  • Deutschland kann alles - auch ohne Olympiade.



    Investitionen in die Infrastruktur, in die Industrie - das ginge auch ohne diese Veranstaltung und dann würde das Ganze aber nachhaltiger geplant und vernünftiger angesetzt.



    Die Spiele sind ein Notnagel für fehlende Investitionen, angeblich gegen Abstieg und schlechtes Image.



    Nur hat Deutschland international einen gute Ruf und es bedürfte keiner Spiele, um internationale Touristen auf Hamburg aufmerksam zu machen. Dazu gibt es heute Strategien, die einfach und viel kostengünstiger sind.



    Die Menschen mit niedrigem und mittleren Einkommen brauchen jetzt Weitsicht, Planung und Investitionen in Bildung und Infrastruktur, unabhängig von olympischen Spielen. Genau das hat die Hamburger Regierung heute angekündigt, es geht alles - auch ohne diese Spiele.

  • Der Autor des "Nein"-Artikels hat 100% recht.

    Und was Stuttgart 21 betrifft: Umgekehrt wird ein Schuh draus: *Wenn* die Bahn wieder funktioniert und halbwegs pünktlich ist, _dann_ haben wir Ressourcen frei für Olympia und anderen Schnickschnack. Nicht umgekehrt.

  • Ich habe mich über das Nein gefreut, vor allem deshalb, weil es trotz massivsten Geldeinsatzes der Befürworter dazu gekommen ist. Die ganze Stadt war zugebaut mit monströsen Promi-Plakatwänden, die die BürgerInnen auforderten, das richtige Kreutzchen zu setzen.



    David gegen Goliath, und David hat gewonnen!

  • Mein Hauptanliegen wäre, dass nicht dieselben Leute, die jetzt mit bebendem Bürgerherzen gegen teuren Trubel und IOC-Kommerz in ihrer Stadt gestimmt haben, dann wieder in Krokodilstränen ausbrechen, wenn sich irgendeine humanitär inakzeptable Diktatur die Spiele schnappt und damit fett rumprunkt. Denn ja - DIE finden das Geld für so eine Gastgeberrolle irgendwo (und gehen über die Befindlichkeiten ihrer NIMBYs locker hinweg).



    Ansonsten möge gerne Jeder nach seiner Facon glücklich werden - "Weltstadt" muss auch sein wollen. Und wenn die Hamburger das lieber weiter von sich behaupten, OHNE in die Verantwortung zu gehen, kann ich das menschlich gut verstehen. Es ja nicht einmal gesagt, dass die benötigten Bauten vor 2050 fertig würden: Die Elphi steht zwar mittlerweile und Benkos/Kühnes "Kurzer Olaf" bis dahin vielleicht auch, aber beide taugen schlecht zum Sportstadion... ;-)



    Letzte neckische Anmerkung: Was wäre wohl bei der Abstimmung rausgekommen, wenn vorher auch Bremen und Bremerhaven (ok - von welchem Geld auch immer...) ihren Hut in den Ring geworfen hätten?



    Nix für ungut...

    • @Normalo:

      Es muss ja keiner teilnehmen oder zusehen. Wenn das IOC meint ein aufgeblähtes Sportfest in den Diktaturen dieser Welt abhalten zu müssen, dann zeigt das doch nur umso mehr, dass man auf Veranstaltungen mit dem IOC verzichten kann.

      Wer das Argument zieht, dass die Spiele den Menschen an den Austragungsorten zugute kommen, der soll einfach mal bei den Bewohnerinnen und Bewohnern der letzten Austragungsorte fragen.

      Die Mieten sind durch die Decke gegangen und auf vom Staat finanzierte Anlagen für den Profisport können die meisten Leute auch verzichten.

      Förderung von Infrastrukturmaßnahmen? Dafür braucht es die Spiele nicht.

      Davon abgesehen würde die Hamburger Verkehrsinfrastruktur zusammenbrechen, wenn ein Großereignis dort stattfinden würde. Wer das nicht glaubt, der kann sich einfach mal zu den klassischen Pendelzeiten in den ÖPNV setzen und genießen.

      • @Ralf Inkle:

        Ich habe das Argument des unmittelbaren Nutzens genau NICHT gezogen. Mir ging es mehr um die Frage, wer es sich zutraut, solche Olympische Spiele oder eine Fußball-WM um ihrer selbst willen bei sich austragen zu lassen. Es fällt schwer, den Verbandchefs ihre kommerzialisierte Herangehensweise vorzuwerfen, wenn aus potenziellen Veranstaltungsorten auch nicht mehr kommt als "Und was nützt MIR das?".



        Was die Fähigkeit betrifft, die Massen zu stämmen, müsste man wohl die Experten fragen, die an der Bewerbung gearbeitet, um es etwas genauer zu erfahren, wie die sich das vorgestellt hätten. In meiner Heimatstadt Köln blickt man wohl tendenziell - begründet - eher neidisch auf den Hamburger ÖPNV. Trotzdem schafft es diese Stadt regelmäßig, Großevents zu stemmen - egal ob CSD, Marathon oder Feuerwerk am Rhein, es sind immer 800.000 bis 1 Mio. Leute da (nur beim Rosenmontagszug sind es 1-1,3 Mio ;-)). Und wie Andere schon bemerkt haben: Es sind ja sonst reichlich Besucher in Hamburg. Die würden bei olympischen Spielen im Zweifel fernbleiben, so dass die Netto-Belastung gar nicht so gravierend ausfallen dürfte. Fragt sich ohnehin, wer heute noch ohne Ticket anreist, und die sind limitiert.

    • @Normalo:

      Des Glücks "Facon" für Jedermann hängt aber wohl sehr daran, ob sie seines Schmied sind. 😉 Nix für ungut.

    • @Normalo:

      Das passt doch. Olympia und Fußball-WM dort wo sie hingehören (Saudi-Arabien, USA, usw.)

      • @derzwerg:

        Eigentlich sollten diese beiden Veranstaltungen, als größte Sportfeste der Welt, den Sportlern und einem Publikum gehören, das die dort erbrachten Leistungen zu schätzen weiß. Dass es die veranstaltenden Verbände geschafft haben, sie so stark in ein kommerzielles und politisches Gewand zu kleiden, ist sehr bedauerlich - und eine verdammte Verschwendung der positiven Energie und des Interesses, die diese Veranstaltungen trotzdem noch entfachen können (auf denen ja auch ihr gewaltiger Werbewert basiert).

        Paris 2024 war ein guter Ansatz, dieses Rad allmählich wieder zurückzudrehen. Aber das reicht natürlich nicht. Da müssen andere Metropolen und Länder nachziehen - was natürlich nicht klappt, wenn alle meinen, "Ihh, das ist aber schmutzig und teuer, und wir haben doch viel Besseres zu tun".

  • Olympia 36 in Deutschland wenn die rechten aufsteigen....



    Mein Geschichtslehrer versucht mir etwas zu sagen....

  • Sportliche Großereignisse rechnen sich eigentlich nie für die austragenden Länder/Städte. Chicago, immerhin die drittgrößte Stadt der USA, haben sogar die Austragung von WM-Spielen der FIFA abgelehnt. Die Begründung: Man zahlt nur drauf, weil alles Geld an die FIFA und deren Sponsoren geht. Bei Olympia wird es nicht anders sein, nur, dass man da noch viele Sportanlagen zusätzlich errichtet, die man später meist nicht mehr benötigt.

    Hinzu kommt, dass unser Kanzler uns ständig sagt, wir müssen mehr arbeiten und werden trotzdem viel weniger haben. Und dann sollen wir uns für ein Sportereignis begeistern, für das aus Zauberhand wieder Milliarden auftauchen?

  • Nachdem Ja für früheren Klimaschutz war mir klar das Hamburg gegen Olympia stimmen wird. Die Hamburger sind da anders als der Rest des Landes

  • Ich verstehe den Jubel nicht? Die Olympia-Gegner tun immer so, als wenn das "gesparte Geld" nun in andere wichtige Aufgaben flöse. Als wenn der Breitensport oder der Wohnungsbau ohne Olympia besser finanziert würde? Er wird dann halt woanders angekurbelt, wo die Leute da Momentum zu nutzen wissen. So ein internationales Großevent bringt immer große Chancen und Probleme. Die Chancen sind futsch, die Probleme bleiben.

    • @jan ü.:

      Ja wie schade, es wären doch so rosige Aussichten auf bezahlbaren Wohnraum mit Olympia schon nach dem Jahr 2036, 2040 oder 2044 gewesen. So ein Mist, jetzt können die neuen Wohnungen noch viel früher bezogen werden. Verzweiflung wird sich ausbreiten. Die Probleme sind futsch, die Chancen bleiben.

  • Millionen Menschen um den Globus zu fliegen und gigantische temporäre Infrastrukturen für nur zwei Wochen Spektakel aufzubauen, widerspricht den globalen Klimazielen und der lokalen Nachhaltigkeit.

    Und 2036 wird der Klimawandel wohl schon so heftig sein, dass so eine klimazerstörende Idiotie (Menschen mit Flugzeugen wegen irgendein unnötiges "Spektakel" von A nach und B und retour zu fliegen) ohnehin vorbei sein wird – es sei denn, dass der Homo sapiens endgültig ein Homo idioticus geworden ist.

    • @Ricky-13:

      "Und 2036 wird der Klimawandel wohl schon so heftig sein, dass so eine klimazerstörende Idiotie (Menschen mit Flugzeugen wegen irgendein unnötiges "Spektakel" von A nach und B und retour zu fliegen) ohnehin vorbei sein wird"



      Das glauben sie doch selber nicht.



      Keine privaten Flugreisen mehr in 10 Jahren???



      Ihnen ist bewusst, dass der Flugsektor mit Abstand der am schnellsten wachsende Verkehrssektor überhaupt ist, weit vor dem Auto- oder Bahnverkehr.



      In Asien boomt der Flugverkehr wie nie zuvor, die Coronadelle ist da längst vergessen.

    • @Ricky-13:

      Naja, wo ist der Gewinn, wenn ich die Leute anstatt von A nach B von A nach C fliege? Und natürlich werden weiterhin WM und Olympische Spiele stattfinden. Eben nur nicht in Deutschland.

    • @Ricky-13:

      Homo idioticus wird es sein und ist es bereits. Das eigene Auto als Symbol der Freiheit, und dass jedes Jahr neue Klamotten gekauft werden, die durch Ausbeutung produziert wurden, sind das neue Statussymbol geworden, dann kann jeder mal in die Haut eines Sklaventreibers stecken und sich gut dabei fühlen. Hinzu der jährliche Urlaub nach Ägypten, Mallorca, Karibik und sonstwo.

      • @Troll Eulenspiegel:

        "...und dass jedes Jahr neue Klamotten gekauft werden"



        Jedes Jahr?



        Jede Woche.



        Schauen Sie sich mal bitte die Zahlen zu fast fashion an...



        Jedes Jahr wäre ja alles in Butter

      • @Troll Eulenspiegel:

        Was haben Sie denn gegen das eigene Auto?

        • @Die_gute_Mitte:

          @Die_gute_Mitte



          Auto heute - als Mittel zum Zweck gerade noch gängig als E-Mobil, ansonsten als Statussymbol so etwas von 50er / 60er / 70er / 80er Jahre. Wenn Leute nix in der Birne haben, so können sie ihre Dummerhaftigkeit heutzutage auch anders ihren Mitmenschen gegenüber zur Schau stellen, als mit einer noch unbezahlten Blechkiste.

    • @Ricky-13:

      Vielleicht ist es doch komplizierter. Schaut man sich z.B. die Olymp. Sommerspiele von 2024 in Paris an, hat gerade das Hotel- und Gaststättengewerbe nicht von dem Event profitieren können, weil nicht mehr, sondern nur andere Besucher in die Stadt kamen (Wer Paris der Kultur wegen bereisen wollte, kam nicht während der Spiele). Da geht Ihre Rechnung nicht auf. Und ob es wirklich "Millionen" waren?



      Da sollte man vielleicht eher fragen, ob Events wie der letzte Klimagipfel in Belem am Amazonas nötig sind, wo tatsächlich zwar nicht "Millionen" aber etliche zehntausend Besucher "rund um den Globus" in ein ökologisch ohnehin besonders sensibles und auf solch ein "Spektakel" "infrastrukturell" und auch sonst überhaupt nicht vorbereitetes Gebiet geflogen wurden, um zwei Wochen über Klimaschutz zu palavern.

      • @Vigoleis:

        ***Und ob es wirklich "Millionen" waren?***

        Es waren auf jeden Fall "sehr viele".

        Während des Olympia-Zeitraums wurden insgesamt 1,7 Millionen internationale Touristen in Paris registriert. Da Übersee-Gäste (vor allem aus den USA, Japan, Brasilien und China) zwingend fliegen mussten, bewegt sich die Zahl der klassischen Flugtouristen im Bereich von über einer Million Menschen.

  • Wer von dem Abstimmungsergebnis überrascht ist, kennt Hamburg schlecht. Olympia passt vielleicht nach München oder Rhein-Ruhr, aber nicht nach Hamburg.



    Wie die Stimmung im Land dann tatsächlich ist und ob Olympia dann sinnvoll und notwendig ist, können wir jetzt gar nicht wissen, dafür ist es noch viele zu weit weg.

  • Leider wurde ein Argument nicht angesprochen.



    Das letzte Olympia, das nicht ein finanzielles Desaster für die austragende Stadt war 1984 in LA. Nur ein Blick auf London und Paris zeigt, es waren Verluste von mehreren Milliarden Euro, für die Städte. Nur das IOC und die Sponsoren haben ihren Schnitt gemacht.

    • @Erwin1.:

      Aber lesen Sie doch mal den Kommentar von Gernot Knödler - Es könnte!

    • @Erwin1.:

      Die Olympischen Spiele haben in den meisten Städten einen Modernisierungschub gebracht, der finanziell schwer zu bewerten ist. Das bringt wichtige Impulse und nachhaltige Verbesserungen, die es ansonsten nicht gäbe.

      • @jan ü.:

        Können Sie das mit den "Impulsen" und "Verbesserungen" an konkreten Beispielen belegen oder ist das mehr eine Vermutung?



        Das mir bekannte Beispiel der Olymp. Spiele 1992 in Barcelona hat dazu geführt, dass die Stadt international ausgesprochen berühmt und bei vor allem jungen Touristen und jetsettenden "Internet-Nomaden" sehr beliebt wurde, was aber in der Folge zu stark steigenden Mieten, Umwandlung von normalen Wohnungen in FeWos und schließlich einer Verdrängung der Einheimischen aus ihren Vierteln führte. Was glauben Sie wohl, warum sich ca. 20 Jahre nach den Spielen die Alt-Bewohner dort massiv gegen Touristen wehrten? Ein schöner "Impuls" für den Zusammenhalt...

        • @Vigoleis:

          Ich habe seinerzeit Barcelona kurz vor und etwa ein Jahr nach den Spielen besucht. Es war schier unfassbar, wie sehr die Stadt von Olympia profitiert hatte. Dass mehr als 25 Jahre später die Internet-Nomaden Barcelona entdeckt haben, ist wohl nur mit viel Fantasie der Durchführung von olympischen Spielen anzulasten.

        • @Vigoleis:

          Barcelona ist durch die Olympiade quasi ans Meer gerückt, hat mir kürzlich jemand erklärt. Dass eine Olympia-Stadt so schön wird, dass sie unter Overtourism leidet, ist ja eher kein Beispiel für ein Desaster.



          Ich persönlich durfte Rio de Janeiro, die Stadt meiner Frau, vor, während und nach der Olympiade besuchen. Dort ist u.a. aus einem finsteren Militär- und Industriehafen eine spektkuläre Kultur- und Museums-Area geworden. Die hässliche Hochstraße ist unter die Erde gekommen und lang geplante Metro-Linien wurden - u.a. durch einen Berg -, endlich umgesetzt. Wie in Paris gab es aufwendige Klärmßnahmen für die Fließgewässer, die Innenstadt wurde Behinderten-gerechter gestaltet etc.



          Natürlich gibt es auch viele negative Entwicklungen, aber insgesamt war es sehr gut für das kollektive Selbstbewusstsein und das Image in der Welt. Auch wenn die deutschen Medien, damals sehr arrogant moserten. Wir waren sehr stolz auf die organisatorische Meisterleistung!

          • @jan ü.:

            Die von Ihnen beschriebenen Veränderungen in Rio de Janeiro hätte es aber auch ohne die Olympischen Spiele geben können. Es wäre dann sogar mehr Geld dafür da gewesen, weil das IOC nichts bekommen hätte.

          • @jan ü.:

            "Die hässliche Hochstraße ist unter die Erde gekommen und lang geplante Metro-Linien wurden - u.a. durch einen Berg -, endlich umgesetzt"

            Schön für Rio. In Berlin wird seit meiner Kindheit, die nun schon über 40 Jahre her ist, dem Märkischen Viertel mit über 40.000 Einwohnern eine U-Bahn-Anbindung versprochen. Jetzt, ganz bald, soll das wirklich passieren.



            Sie können sich sicher sein, dass der Plan sofort wieder in der Schublade verschwindet, weil die Umsetzung für Olympia nichts bringen würde, weil Stadtrand.







            Irgendwelche Prestigebauten und Umbauten bringen der Normalbevölkerung keinen Vorteil. Und dass in Rio auf Olympia gewartet wurde, um Wasser sauber zu halten, behindertengerecht umzubauen, den ÖPNV auszubauen, zeigt mir nur, dass dort wie hier es mehr um das Prestige geht, als um Verbesserungen für die Bevölkerung.







            Was war der Preis für das Ganze?







            "Die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro haben Brasilien und insbesondere der Stadt sowie dem Bundesstaat Rio de Janeiro einen massiven finanziellen Verlust eingebracht. Schon kurz vor dem Start der Spiele war die Situation so drastisch, dass der Bundesstaat Rio den finanziellen Notstand ausrufen musste."

      • @jan ü.:

        Wie werden denn Modernisierungsschübe und oder wichtige Impulse - gern auch schwer - bewertet? Welche nachhaltigen Verbesserungen waren denn eingetreten? 🤷 Man kann's messen: zB Steuern, Schuldenstand, Arbeitslosenzahlen, Mieten, ärztliche Versorgung. Nur zu! Ich bin gespannt.

        • @Gerhard Krause:

          s.o.



          Die aktuelle Agenda verlangt übrigens möglichst wenige Neubauten, es fehlt nur eine Deutsche Stadt die Ernst mit Nachhaltigkeit macht. Dafür lohnt es sich zu kämpfen und nicht für die Erhaltung der resignativen Stimmung!

  • Ich wohne in Berlin (Marzahn/Hellersdorf) wir haben für die 300.000 Einwohner*Innen unseres Bezirks 3 Schwimmbäder. Die reichen nicht einmal für den Schulsport und erst recht nicht für die restliche Bevölkerung. Glaubt wirklich jemand ernsthaft, dass hier weitere fünf bis 10 Schwimmbäder (nur für diesen Stadtbezirk), für Olympia gebaut werden würde, die es hier benötigt?

    • @Erwin1.:

      Ein paar Leute scheinen das ernsthaft zu glauben, ja. Was man so mitbekommt, lautet das immergleiche Argument in etwa so: Du kannst es schaffen, auch in Marzahn mit nur drei* Schwimmbädern, wenn Du Dich nur genug anstrengst usw. Siehe auch -> Aufstiegsversprechen, -> Vollkaskomentalität, -> kleine Paschas.

      *hoppla, nur noch zwei, eins musste schließen

  • "Die Olympischen Spiele wären etwas, hinter dem sich das ganze Land versammeln könnte."



    Was für ein Quatsch! Ich jedenfalls nicht, und mit mir 55% der Hamburger Bevölkerung. Das macht diese Stadt liebenswert.



    Aber ich denke, da hat sich Gernot Knödler mal in Satire versucht.

  • Deutschland braucht Olympia sicherlich nicht. Den zweiten Teil der Nein-Argumente (Repräsentation nach außen vs. innere Zustände in Deutschland) kann ich zwar nicht ganz teilen, da diese Einwände gegen fast jedes Bewerberland vorgebracht werden könnten. Außer vielleicht Costa Rica, Bhutan und Island. :-)



    .



    Wenn überhaupt, dann habe ich Sympathien für die dezentrale Rhein-Ruhr-Bewerbung. Aber bitte bloß nicht Berlin! Sage ich als Berliner. Schon allein deshalb nicht, weil man nur hier glaubte, auf eine Volksbefragung verzichten zu können. Und dann muss die Jahrhundertsymbolik 1936-2036 wahrlich nicht sein!

  • Inwiefern wären den Olypische Spiele etwas, "hinter dem sich die gesamte Bevölkerung versammeln" können, wenn doch die Mehrheit die Spiele gar nicht möchte?

    • @T-Rom:

      Das ist wie, wenn man eine Wahl verloren hat.



      Schade, die Leute haben einfach nicht verstanden, worum es uns geht..müssen wir besser kommunizieren

  • "...und könnten die Wohlhabenden in die Pflicht nehmen". Das könnte man jederzeit, aber man will es offensichtlich nicht -- und deshalb würde es auch zu Olympia nicht passieren. *Natürlich* nicht.

    • @miri:

      Das habe ich mir auch gedacht! Es ist ja nicht so, als könnte man es ohne Olympia nicht, aber wie stellt man es sich vor, dass wohlhabende für die Spiele herangezogen werden.

  • Deutschland braucht natürlich nicht Olympia, aber es wäre trotzdem eine gute Sache. Eine Nation der Größe Deutschlands muss einfach alle Jahrzehnte ein Großereignis ausrichten, eben mal nicht nur das konsumieren, was andere bereitstellen, sondern auch mal produzieren.



    Zu den Conpunkten: Gentrifizierung findet sowieso statt, wenn man die nicht will muss man die Viertel verlottern lassen und dort Nazis oder Junkies ansiedeln. Gesetze gegen Gentrifizierung blieben auch bei stattfindenden olympischen Spielem in Kraft. Paris war während der olympischen Spiele übrigens ziemlich leer. Die anwesenden Menschen aus aller Welt fanden es aber toll und hatten eine schöne Zeit. Ich glaube so etwas wie eine überfrachtete nationale Einigungsgeschichte muss man daraus nicht machen. Wenn es dazu kommt umso besser.

    • @FancyBeard:

      "Eine Nation der Größe Deutschlands muss einfach alle Jahrzehnte ein Großereignis ausrichten..."



      Äh - nö?



      Außer Großmannssucht fällt mir hier nun wirklich kein Argument ein. Aber ich wäre offen für Ihres.

      • @Encantado:

        Olympia bringt der Welt viel Freude, auch den Deutschen, wenn sie es schauen znd noch mehr, wenn sie wie 2024 in Paris einfach hinfahren können. Dafür muss es aber jemand ausrichten. Wer es ausrichtet beschenkt auch seine Nachbarländer. Deutschland hat die Wirtschaftskraft dazu und sollte sie dann eben auch in Abständen nutzen um ein solches Event durchzuführen.

  • Mit Verlaub: Beim Stichwort "Wohlhabende in die Pflicht nehmen" habe ich den Pro-Kommentar nicht mehr weitergelesen. In diesem Deutschland?

    • @Django:

      Kennen Sie die Steuerprogressionstabelle?

      • @Christoph Frohn:

        Gilt nicht für Leute, die für ihren Wohlstand nicht arbeiten gehen.

  • Oh ja, bitte Brot und Spiele, damit wir uns nicht damit beschäftigen müssen, was in diesem Land schief läuft!

    Friede den Hütten!

  • Deutschland hat sich seit 2006 so dermaßen verändert (zum Negativen), dass ein einzelnes Event nicht mehr "die Gesellschaft" hinter sich versammeln könnte. Das Problem sind übrigen nicht die aufgezählten Bauprojekte, sondern die sogenannte Gesellschaft. Das Kollektiv gibt es ja gar nicht mehr. "Schland" ist doch nur noch Schall und Rauch aus einer längst vergangenen, besseren Zeit.

    • @DiMa:

      Falls sie das auf die WM 2006 beziehen, wie hat sich Deutschland deswegen zum Negativen verändert?

  • "Schland zum Trotz". Diesen Satz bei der Pro-Meinung verstehe ich nicht. Es geht doch gerade um Zusammenhalt und große gemeinsame Ziele für die Menschen in "Schland".

  • "Die Olympischen Spiele wären etwas, hinter dem sich das ganze Land versammeln könnte."



    Das würde sicher nicht passieren.



    " Sie würden eine Zielmarke setzen, bis zu der bestimmte, klug gewählte Projekte fertig sein müssten, und könnten die Wohlhabenden in die Pflicht nehmen."



    Nein, es würden Projekte vorgezogen, die den olympischen Spielen nutzen, wirklich wichtige Projekte würden hinten angestellt werden oder garnicht mehr kommen, weil das Geld dann nicht mehr reicht. "Sie schüfen den Zwang zu beweisen, dass Deutschland noch planen und organisieren kann."



    Unter Zwang und Druck zu planen und organisieren hat noch nie gut funktioniert.

  • Nein, Herr Knödler. Sozialer Wohnungsbau könnte Deutschland helfen, aus dem Stimmungstief zu kommen.