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Nicht gezahlte MindestlöhneDer Sozialbetrug der Arbeitgeber

Tobias Schulze

Kommentar von

Tobias Schulze

Tausende Unternehmen betrügen beim Mindestlohn – zum Schaden von Arbeitnehmern und Sozialkassen. Doch die CDU/CSU ist auf diesem Auge blind.

Besonders im Bereich Gastronomie zahlen zahlreiche Unternehmen den Mindestlohn von aktuell 13,90 Euro nicht Foto: Marcus Brandt/dpa

E s ist ein Sozialbetrug mit immensem Ausmaß: Über 6.000 Verfahren hat der Zoll im letzten Jahr eingeleitet, weil seinen Fahndern bei Kontrollen der Verdacht kam, dass Arbeitgeber ihren Beschäftigten den Mindestlohn vorenthalten. Die Zahl, die jetzt durch eine Bundestagsanfrage der Linken publik wurde, wäre noch um ein Vielfaches höher, wenn der Zoll mehr Personal hätte und mehr Betriebe prüfen könnte. Verschiedene Befragungen legen nahe, dass Arbeitgeber das Mindestlohngesetz in Wirklichkeit millionenfach brechen.

Den offensichtlichsten Schaden haben dabei die direkt betroffenen Arbeitnehmer. Daneben belastet der Mindestlohnbetrug aber eben auch den Sozialstaat – und das auf mehreren Ebenen. Erstens, weil durch gedrückte Löhne mehr Menschen ihr Einkommen aufstocken müssen, also trotz Arbeit noch Bürgergeld, Wohngeld oder Kinderzuschlag benötigen.

Zweitens, weil durch die gedrückten Löhne gleichzeitig weniger Beiträge an die Sozialversicherungen abgeführt werden. Drittens, weil die unterbezahlten Beschäftigten somit weniger Rentenansprüche erwerben – und im Alter wohl wieder ergänzende Transferleistungen benötigen.

Das Problem dürfte in Zukunft noch größer werden: Die Verschärfungen beim Bürgergeld, die im März durch den Bundestag gehen sollen, erhöhen den Druck auf Arbeitslose und mies Beschäftigte. Aus Angst vor Sanktionen könnte ihre Bereitschaft steigen, den Gesetzesbruch durch Arbeitgeber hinzunehmen.

Geringverdiener als Sündenböcke

Und die Sündenböcke der Sozialstaatsdebatte bleiben die Niedrigverdiener trotzdem. Gleichzeitig mit der Meldung über die Mindestlohnverstöße war am Wochenende CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann mit einer alten Leier in den Schlagzeilen: Durch Menschen, die wenige Stunden arbeiteten und zusätzlich Bürgergeld bezögen, entstünde „ein System, in dem legal Sozialleistungen abgegriffen werden“. Damit müsse Schluss sein.

Von Arbeitgebern aber, die illegal Arbeitskraft abgreifen und gleichzeitig den Sozialstaat belasten? Kein Wort. Die meisten Mindestlohnverfahren eröffnete der Zoll übrigens gegen Gastronomie- und Hotelbetriebe. Gegen die Lieblingsbranche der Union also, für die sie erst zum Jahreswechsel die Steuern senken ließ.

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Tobias Schulze
Parlamentskorrespondent
Geboren 1988, arbeitet seit 2013 für die taz. Schreibt als Parlamentskorrespondent unter anderem über die Grünen, deutsche Außenpolitik und militärische Themen. Leitete zuvor das Inlandsressort.
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44 Kommentare

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  • Wirtschafts- und Sozialpolitik, so halten es die Regierenden auf der ganzen Welt, soll der nationalen Wirtschaft dienen. Dabei sind sich alle Marktwirtschaftler einig, dass Investoren Rendite und Unternehmen Profite machen müssen, damit die Wirtschaft brummen kann. Alles was Renditen und Profite sichert oder maximiert ist so herzlichst willkommen, auch wenn dabei geltendes Recht gebrochen wird. Regierende müssen das Recht ja nicht durchsetzen müssen. Wer oder was aber die Aussicht auf Renditen und Profite verringert, wird mit den Mittelns des Rechts und Drohungen von Rechtsverschärfungen verfolgt.

    In der globalen Wettbewerbswirtschaft stehen die Zeichen auf Sturm: In Deutschland sind die Kosten für Arbeit, Energie, Rohstoffe, Verwaltung usw. teils mehr als doppelt so hoch wie z.B. in China. Da fordern Investoren und Unternehmen die Kettensäge; Regierende wollen liefern. In der besten aller möglichen Welten bleibt das Massaker vernünftig, ökonomisch, sozial und übrigens auch Voraussetzung für eine ökologische Wende, ... sagen die Liberalen jeglicher Färbung.

  • "Den offensichtlichsten Schaden haben dabei die direkt betroffenen Arbeitnehmer." - Nein. Bei der derzeitigen Personalknappheit arbeitet auch in der Hotel- und Gastrobranche niemand mehr für den Mindestlohn. Ein erheblicher Teil der Bezahlung findet dort "aus der Hosentasche" statt, und zwar auf Wunsch der Arbeitnehmer, die dann noch den Sozialstaat beschei..en. Der Arbeitgeber muss in diesem Fall die Nummer mitmachen, sonst kommt schlicht keiner mehr. Klingt komisch, ist aber so

    • @Samvim:

      Das ist absoluter Blödsinn was sie da schreiben, in meinen fast



      40 Jahren ging das immer von den Arbeitgebern aus. Ich war deutschlandweit unterwegs.



      Wer nicht mitmachen wollte bekam den Job erst gar nicht.



      Keiner will im Krankheitsfall kaum Geld haben und auf die Rente wirkt sich das auch aus. Der Arbeitnehmer hat da gar nichts von.



      Sie verbreiten hier ganz klar Lügen. Als ehemaliger Gewerkschafter kenne ich hunderte andere Fälle.

      • @Captain Hornblower:

        Mir ohne Belege Lügen vorzuwerfen ist ebenso albern wie ehrenrührig. Ihre historischen Erfahrungen in allen Ehren - heute ist es anders.

        • @Samvim:

          So historisch sind meine Erfahrungen nicht. Welche Belege haben sie denn. Arbeiten sie selbst in der Gastro oder haben sie selbst Betriebe?



          Da ist heute gar nicht anders. Einzig Großbetriebe (Hotelketten) verhalten sich anders.

  • Ja, der große Betrug geht von 'oben'. 'Unten' sollte sich damit nicht gemein machen, das auch.



    Wo ist der Stolz auf einen entsprechend großen Beitrag zum Gemeinwesen, den Athen noch förderte? Morbus neoliberalis?

  • Es ist ein Sozialbetrug mit immensem Ausmaß: Über 6.000 Verfahren hat der Zoll im letzten Jahr eingeleitet, weil seinen Fahndern bei Kontrollen der Verdacht kam, dass Arbeitgeber ihren Beschäftigten den Mindestlohn vorenthalten.



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    Na ja, ist das nicht ein wenig ENG gesehen?



    Verantwortung tragen, Konto pflegen, uvam. belasten die AD's so stark, dass DIE für solche "Nebensachen" kennen Blick mehr haben. Unzumutbar hiter jedem AN zu stehen & dessen Std. zu protokollieren!

    Betrug, ein hartes Wort, wie wäre es mal das, wie bei Steuern, Cum-Cum, Cum-Ex, mal als "Sünden" zu labeln?



    Btw. Immer sind die AG's doch die "Leistungsträger" unserer Gesellschaft, wenn bei deren Leistungen, unter deren Leitung mal der eine oder andere AN etwas zu kurz kommt....



    Mein Fazit: Bitte DAS ö.a. als lässliche Sünde einstufen. Beichten, Busse tun & weiter machen!



    Ps. Vergeben ist doch der Grundgedanke, die Wurzel in unserer christlich, usw. Kultur & da sollten wir den "Einzelfällen" doch eine 2. Change incl. Vergebung einräumen! :-(

  • "Tausende Unternehmen betrügen beim Mindestlohn" – "zum Schaden von Arbeitnehmern und Sozialkassen."

    Die erste Aussage ist richtig, nur der Wahrheitsgehalt der zweiten Aussage ist fragwürdig. Dieser angebliche Schaden setzt ja voraus, dass es zu einer Einstellung bei Mindestlohnbedingungen gekommen wäre. Das darf wohl in vielen Fällen bezweifelt werden.

    Es gibt also einfach einen Graubereich, bei dem Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammen das Gesetz umgehen; quasi wie bei der Schwarzarbeit.

    Was bringt also eine Entlohnung unter Einhaltung eines Mindestlohns, wenn hierduch der Job insgesamt wegfällt?

    • @DiMa:

      Die Arbeit muss ja gemacht werden. Und wenn ein Unternehmen sich am Markt nicht halten kann, weil es die Mindestlöhne auf die Preise umlegen muss, während ein anderes den Staat aufstocken lässt, dann ist das definitiv Betrug am Sozialstaat.



      Wenn jetzt eine ganze Branche die Preise nicht umlegen kann, dann fehlt einfach der Bedarf, und der Sozialstaat wird gezwungen Luxusgüter zu subventionieren. Was ebenfalls Betrug am Sozialstaat ist.

      • @Herma Huhn:

        >Die Arbeit muss ja gemacht werden.<

        Es gibt auch Arbeit, die nicht gemacht werden muss und die nur dann gemacht wird, wenn der Arbeitgeber dabei zumindest nicht draufzahlt - z.B. Essensausfahrer.

        • @A. Müllermilch:

          Bitte lesen Sie doch auch meinen zweiten Absatz.



          Wenn niemand mehr das Liefern-Lassen bezahlen möchte, dann muss diese Arbeit wohl nicht gemacht werden.



          (Soziale Arbeit ist nochmal ein ganz anderes Thema, das haben noch nie die bezahlen können, die es brauchten.)

      • @Herma Huhn:

        Ich weiß nicht, ob jede Arbeit davon gemacht werden muss. In meiner Gegend gibt es beispielsweise keine Putzkräfte mehr, die Privathäuser gegen Rechnung putzen. Was es gibt ist ein Schwarzmarkt, an dem ich mich nicht beteilige. Dies hatte dann zur Folge, dass ich mir für alles Mögliche Roboter angeschafft habe und den Rest selbst erledige.

        Und ob die Restaurants, Essenlieferanten, Friseure und Gartenbetriebe wirklich alle bestehen würden, wenn sie Mindestpreise bezahlen wage ich zu bezweifeln.

        • @DiMa:

          Wer seine Putzkräfte schwarz beschäftigt, lässt sich seine eigene Faulheit von der Allgemeinheit subventionieren. Und das finden Sie fair?



          Ich putze selbst, wenn ich es mir nicht leisten kann, gerecht dafür zu bezahlen. Denn ja, diese Arbeit muss gemacht werden.

    • @DiMa:

      Es gibt ja offenbar Arbeit, die gemacht werden soll, ist schlägst du vor, dass in all diesen Fällen die Arbeitskraftnehmer:innen ("Arbeitgeber") die unterbezahlten Stellen nur aus Menschenfreundlichkeit besetzt haben?

      • @Outis:

        "nur aus Menschenfreundlichkeit"?

        Wenn ich mir anschaue, wie hoch die Anzahl Ungelernter in Deutschland ist, dann würde ich das nicht "menschenfreundlich" nennen. Nur Arbeit muss sich lohnen; für den Arbeitnehmer UND den Arbeitgeber.

        Je höher am Ende der Mindestlohn ist, desto höher ist auch die Barriere einen sozialversicherungspflichtigen Job zu finden. Und ich halte nichts davon, Arbeitgeber staatlich zu subventionieren, damit sie Menschen einstellen (siehe www.ihk.de/berlin/...nalkosten-2264634).

  • Es wäre doch interessant zu erfahren, welche Sanktionen bisher aktuell vollzogen wurden. Sind sie überhaupt eine Abschreckung?

  • Das ist doch ganz normale CDU Politik. Arbeitnehmer übervorteilen und betrügen ist doch gut für die Besserverdiener, Die Familienunternehmer, Millionäre und Milliardäre.

    • @KLaus Hartmann:

      Klassenkampfgeraune.



      Millionäre und Milliardäre besitzen eher Firmen einer Größe, bei der schwer gemauschelt werden kann. Da ist eine Zeiterfassung nur schwer bis gar nicht zu manipulieren.



      Fragwürdig ist, Besserverdiener und Familienunternehmer in eine Reihe zu stellen.



      Im klassichen Wirtshaus auf dem Land hat nicht selten das Wirtsehepaar endlose Arbeitstage und eine Woche Urlaub im Jahr gehabt, das freie Wochenende hieß "Dienstags Ruhetag" und dauerte volle 24 arbeitsfreie Stunden.



      Bei Veranstaltungen am WE haben die anderweitig berufstätige Kinder oft mitgearbeitet.

      Diese Familien kamen teils zu bescheidenem Wohlstand, aber nicht mal annähernd auf einen annehmbaren Stundenlohn. Das Prinzip hieß Selbstausbeutung, das ist heute noch die Realität vieler kleiner Handwerker und Kaufleute.

      Die Kinder, nicht blöd, haben diese Wirtshäuser nicht übernommen, die tun sich das nicht an.



      Ist einer naiv genug, so ein Objekt zu pachten, ist seine Lage oft schnellk so prekär, dass er keinen Mindestlohn zahlen kann.

      Statt um reich werden, geht es da oft genug um pleite gehen und zusperren oder tricksen.



      Da beuten Arme noch Ärmere aus.

  • Es wird wie bei der Steuerfahndung sein - wenn ein wirkliches Interesse seitens der Politik bestünde, die Einhaltung der Regeln sicherzustellen, wären die Kontrollinstanzen entsprechend ausgestattet, personell und finanziell und was ihre Werkzeuge betrifft, und hätten den Auftrag, flächendeckend abzuräumen. Aber da Lohndumping und Ausbeutung bei den neoliberalen Parteien, also fast allen in diesem Lande, zu einem ordentlichen Geschäftsmodell gehört, veröfffentlicht man halt ein paar Alibizahlen und klopft sich auf die Schultern, weil man mal wieder damit durchkam, nur die Spitze des Eisbergs gezeigt zu haben.

    Was in dieser Situation helfen könnte, wäre ein Meldeportal für solche Praktiken. Aber s.o., die Einsendungen würden dann eben zur Kenntnis genommen oder auch nicht. Vielleicht müssten aber auch viel mehr Betroffene ihre Betriebe schlicht mal anzeigen. Zur funktionierenden Ausbeutung gehören immer zwei.

  • + :

    Durch vage Formulierungen im Gesetz ist es Arbeitgebern möglich, Mindestlohnempfängern bei Nachtarbeit willkürlich Zuschläge zu verweigern, ohne auf den ersten Blick gegen das Mindestlohngesetz zu verstoßen. Obwohl ein Grundsatzurteil des Bundesarbeitsgerichts vorsieht, dass zusätzlich zum Mindestlohn – insbesondere bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten – ein Nachtzuschlag von 30 % (im Regelfall 25 %) zu zahlen ist, halten sich nur wenige Arbeitgeber daran. Zudem ist dieses Recht vielen Geringverdienern nicht bekannt, wodurch der Mindestlohn faktisch ausgehöhlt und ihnen weiterhin ein wesentlicher Teil ihres gerechten Lohns vorenthalten wird.

  • Diese Zahlen hier basieren darauf, dass es überhaupt ein Arbeitsverhältnis gibt.



    Es gibt aber noch Grau-Arbeit und Schwarz-Arbeit, von der oftmals Migranten betroffen sind. Das ist der Politik aber herzlich egal.



    Übrgens werden in Deutschland Arbeitsverhältnisse aus anderen EU-Staaten akzeptiert, sprich Menschen können einen Arbeitsvertrag in Sofia oder Warschau unterschreiben und anschließend in Deutschland tätig werden.



    Dass diese Arbeitsverhältnisse vollständig auf ihre Übereinstimmung mit dem Mindestlohn überprüft werden, daran zweifele ich.



    Gleiches gilt für Minijobs, wo die Arbeitszeit und Überstunden eingefordert werden.



    Der Punkt ist meiner Meinung: Die Politik hat diese chaotische Arbeitswelt selbst geschaffen, jetzt will sie das nicht regulieren, sondern es wird einfach laufen gelassen.



    Es gibt ca. 6 Mio. Beschäftigungsverhältnisse im Bereich Mindestlohn, 6,7 Mio. machen einen Minijob. Die Summen für Lohn in diesem Bereich sind sehr hoch und sie haben sozialpolitische Konsequenzen, sobald der Jahrgang 1964 in Rente geht, werden auch Menschen mit der staatlichen Rente nicht mehr auskommen, weil sie in diesen Bereichen tätig waren. Dann muss Hilfe konstruiert werden.

  • Das ganze Thema ist eine ewige Nebelkerze.



    Die Existenz aller Menschen muss sowieso unabhängig von Erwerbsarbeit gesichert werden. Damit entfällt das Argument "Man muss von seiner Arbeit leben können" (würde eh nur bei Vollzeit-Lohnabhängigen greifen).



    Und einen irgendwie objektiv "gerechten" Lohn gibt es nicht.

    • @Eric Manneschmidt:

      "Die Existenz aller Menschen muss sowieso unabhängig von Erwerbsarbeit gesichert werden. " Steile These. Klingt irgendwie nach dem Traum vom Schlaraffenland (vulgo BGE).

    • @Eric Manneschmidt:

      "Und einen irgendwie objektiv "gerechten" Lohn gibt es nicht."



      Fürn Anfang reichts, wemmer von seinem Lohn die Grundbedürfnisse abdecken kann und bißchen was "für Spaß" übrighat und dafür ned die Arbeitszeitvorstellungen von "Verantwortlichen", welche wohl noch nie ihre Schlüpper gewaschen, aufgehangen und in den Schrank gelegt haben (und kommt mir bitte keiner damit, daß z.B. Herr BK beim Barras war, die haben dort maximal in den Spind eingeräumt ;) ), toppen muß!

    • @Eric Manneschmidt:

      Eine Entlohnung unter Einhaltung der Gesetze wäre immerhin ein Fortschritt.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Ich finde es irgendwie schon angesagt, über den Sinn oder Unsinn von Gesetzen nachzudenken.



        Was will man mit dem Mindestlohn überhaupt erreichen? Ist das überhaupt realistisch?



        Was muss man dann für einen Aufwand betreiben, um das umzusetzen? Was kostet das? Wieviele Bullshit Jobs werden wieder geschaffen mit der entsprechenden Verschwendung von Lebenszeit?



        Was gibt es sonst für Möglichkeiten, die angestrebten Ziele zu erreichen (vielleicht effektiver und effizienter)?

        Wer geht bei dem ganzen Unsinn wieder verloren bzw. bleibt auf der Strecke?

        • @Eric Manneschmidt:

          Der Sinn des Mindestlohnes ist eindeutig. Ausbeutung soll zwar leider nicht abgeschafft, aber wenigstens begrenzt werden.

          Natürlich kann man so etwas also sinnlos abtun und lieber ohne Ergebnis über das Große und Ganze debattieren. Nur geht es bei diesem Weg Millionen Menschen schlechter.

          Und langsam sollte auch mal klar sein, dass viele schlecht bezahlte Jobs für das Funktionieren der Gesellschaft notwendig sind. Sie sind also alles Andere als Verschwendung von Lebenszeit. Und nebenbei hebt der Mindestlohn auch das allgemeine Lohnniveau. Das ist für viele Menschen wichtig.

          • @warum_denkt_keiner_nach?:

            Möchten Sie vielleicht erstmal "Ausbeutung" definieren?

            Warum soll es "ohne Ergebnis" sein, über das Große Ganze bzw. Alternativen zum Mindestlohn zu diskutieren?

            Es sind nicht nur "schlecht bezahlte Jobs" für das Funktionieren der Gesellschaft notwendig, sondern zuerstmal die komplett unbezahlte Arbeit. Die Leute, die das machen (v.a. Frauen) erreichen Sie aber mit einem Mindestlohn gar nicht (genauso wenig die Selbstständigen). Genau das Problem wird mit der Mindestlohndebatte vernebelt und in der Folge "geht es Millionen Menschen schlechter". Danke für's Mitdenken.

            "Bullshit Jobs" bezog sich übrigens auf die ganzen Kontrolleure der Einhaltung des Mindestlohns (schauen Sie den Begriff gerne mal nach).

            • @Eric Manneschmidt:

              Also was Ausbeutung im Kapitalismus ist und wie sie funktioniert, können Sie bei Marx nachlesen. Im Kapital. Das lässt sich aber nicht mit 1200 Zeichen zusammenfassen.

              "Warum soll es "ohne Ergebnis" sein, über das Große Ganze bzw. Alternativen zum Mindestlohn zu diskutieren?"

              Weil diese Diskussion schon seit Jahrzehnten ohne Ergebnis geführt wird.

              Das der Mindestlohn nicht alle erfasst, ist bekannt. Er ist nicht ideal, aber wenigstens hilft er. Und er verhindert ja nicht, auch an Lösungen in anderen Bereichen zu arbeiten.

              In diesem Zusammenhang ist es übrigens schwer zu ertragen, wenn jemand die Kontrolle des Mindestlohnes als "Bullshit Jobs" bezeichnet. Der Artikel zeigt ja gerade, wie wichtig es wäre, die Kontrollen auszuweiten, damit nicht noch mehr Menschen im ihren Lohn betrogen werden. Und wenn man Kontrollen allgemein für "Bullshit" hält, bedeutet das ja auch, dass in jedem Bereich Betrug einfach geduldet wird. Auch in den Bereichen, die Sie angesprochen haben.

              PS: Für die Führung meines Haushalts will ich kein Geld. Es ist für mich (auch als Frau) selbstverständlich, meinen Dreck selbst wegzumachen und mein Essen selbst zu kochen.

              • @warum_denkt_keiner_nach?:

                Woraus schließen Sie, dass ich "Kontrollen allgemein für Bullshit" halte?



                Dass die Diskussion über das Große und Ganze ohne Ergebnis geführt wird, ist sachlich einfach falsch. Gucken Sie einfach mal hier rein: www.stern.de/wirts...geld-36970772.html

                In Anbetracht Ihres Nicknames sollte man erwarten können, dass Sie sich eigene Gedanken machen (und die dann auch bereitwillig darlegen), anstatt einfach auf irgendeine Schrift irgendeines Herrn Marx zu verweisen.

                Es geht nicht darum, dass Sie Geld für die Führung Ihres Haushalts bekommen. Sondern Geld zum Leben, was Sie dann damit machen, ist Ihre Entscheidung.



                Ich mache übrigens eine Menge Arbeit, für die andere bezahlt werden. Das ist sozusagen "selbstverständlich" für mich, aber natürlich brauche ich Geld, um Leben zu können.

                Der Mindestlohn verstärkt den Erwerbsarbeitsfetischismus und trägt damit dazu bei, dass eben (in Deutschland) nicht an anderen Lösungen gearbeitet wird.

                • @Eric Manneschmidt:

                  "Woraus schließen Sie, dass ich "Kontrollen allgemein für Bullshit" halte?"

                  Hatte ich vermutet, weil:

                  ""Bullshit Jobs" bezog sich übrigens auf die ganzen Kontrolleure der Einhaltung des Mindestlohns"

                  Der verlinkte Artikel ist übrigens recht lustig. In einem Zwergstaat wird eine Zahlung eingeführt, die vom Ausland gesponsert wird 😁 Wenn wir jetzt noch Klingonen finden, die so etwas in D sponsern, hätten wir so etwas wie ein Ergebnis...

                  Beim Begriff Ausbeutung muss ich das Rad nicht neu erfinden. Ich berufe mich auf jemanden, der klüger war, als ich es bin. Und wie gesagt. Das Thema ist zu umfangreich für 1200 Zeichen. Das "Kapital" ist aber frei zugänglich und lesen bildet ja bekanntlich.

                  "Erwerbsarbeitsfetischismus" sagt viel über einen Menschen aus. Natürlich kann man Erwerbsarbeit abschaffen wollen. Wäre nicht schlecht. Aber dazu müsste man in einem ersten Schritt den Kapitalismus abschaffen. Und zur Zeit sieht es nicht nach so einer Revolution aus. Zur Zeit sollten wir uns erst mal darauf konzentrieren, das Beste aus der Situation zu machen. Also dafür sorgen, dass wenigstens Mindestlöhne gezahlt werden.



                  Ich weiß, das ist wenig revolutionär. Aber praktikabel.

  • Warum fällt das nicht auf wenn jemanden Sozialleistungen beantragt weil er/sie trotz Vollzeitarbeit zu wenig verdient?

    Wird nicht nachgeprüft wie viel jemand arbeitet und für welchen Stundenlohn, bevor ausgerechnet wird, um wieviel aufgestockt werden kann?

    Die Bundesagentur für Arbeit müsste das in jedem Fall prüfen und dann Verfahren gegen die Arbeitgeber einleiten, die zu niedrige Stundenlöhne zahlen.

    Ganz einfach.

    • @Gnutellabrot Merz:

      Ja, müsste. Allerdings ist eine Hauptmethode der Betrug über die Arbeitszeit. Das sieht die Behörde, die für die Sozialleistungen zuständig ist, nicht. Hier würden tatsächlich nur mehr direkte Kontrollen helfen.

  • Das Arbeitsministerium (SPD) setzt via Rechtsverordnung den Mindeslohn fest, das Finanzministerium (SPD) ueberprueft die Einhaltung des Mindestlohns und Schuld ist die Union.

    • @elektrozwerg:

      Nein, schuld sind die Chefs. Aber in dieser Dimension ist es ein Problem, mit dem sich eine Regierung beschäftigen sollte. Und zwar sowohl CDU als auch SPD.

      • @Maradine:

        Natuerlich sind die Chefs schuld wenn sie keinen Mindestlohn zahlen, da haben Sie vollkommen Recht.



        Geht man aber einen Schritt weiter und fragt sich, warum das so oft moeglich ist, landet man bei unzureichenden Kontrollen. Fuer diese ist das SPD-gefuehrte Finanzministerium zustaendig, unabhaengig davon ob es sich um Gastronomie, Hotels oder andere Branchen handelt oder wie oft Unionspolitiker auf Arbeitslose/Niedriglohner rumhacken.

    • @elektrozwerg:

      Na dann ist die Union ja fein raus und darf weiter auf Arbeitnehmer und Arbeitslose einprügeln. Man kann sichs echt schönreden

  • Was für Strafen drohen eigentlich Arbeitgebern, die Lohnbetrug begehen?

    • @warum_denkt_keiner_nach?:

      Ehrenmitgliedschaft im CDU Wirtschaftsrat.

    • @warum_denkt_keiner_nach?:

      Sollten Sozialabgaben nicht bezahlt worden sein, werden alle Geschäftskonten geblockt, das muss dann ausgeglichen werden. Es kann aber auch sein, dass die Firma aufgefordert wird, entsprechende Unterlagen beizubringen, weil Unklarheit besteht, wenn das als Betrug nicht sofort erkennbar ist. Es kommt eben auf den Fall an.

    • @warum_denkt_keiner_nach?:

      Eine Geldbuße von bis zu 500.000 Euro.

      • @Nisse:

        Ich fasse mal zusammen. Es droht eine überschaubare Geldbuße bei geringem Risiko, erwischt zu werden.

        Persönlich passiert den Tätern, wie fast im ganzen Arbeitsrecht, nichts.

        Also wird der Betrug immer weiter gehen...

        • @warum_denkt_keiner_nach?:

          Ich weiß nicht in welcher Welt sie leben, aber die Beträge sind zwar oft niedriger aber können für kleine Baufirmen und Gastronomische Betriebe existenzbedrohend werden. Es betrifft halt meistens Firmen die hemdsärmelig und finanziell unsicher geführt werden.



          Je größer der Betrieb desto größer ist das Risiko aufzufallen.

          • @Herbarius Zunichten:

            "Es betrifft halt meistens Firmen die hemdsärmelig und finanziell unsicher geführt werden."

            Es gibt durchaus auch welche, deren Geschäftsmodell auf Lohnbetrug beruht. Und auch bei den Anderen. Betrug ist Betrug. Und ab einem bestimmten Umfang reichen Geldstrafen nicht aus.



            Ich habe mehrere Bekannte, die in Firmen arbeiteten, in denen Verstöße gegen das Arbeitsrecht zum Geschäftsmodell gehörten. Illegale Kündigungen, Verweigerung der Lohnfortzahlung, Arbeitszeitbetrug. Diese Leute versuchen es immer wieder und es ist einträglich, weil sich viele nicht wehren. Und persönlich passiert diesen Gaunern nichts. So ist die Gesetzeslage. Man kann jeden Betrug wiederholen, so oft man will. Meist klappt es ja...