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Gesetzesnovelle beim MietrechtMöbelstücke sollen Mieterschutz nicht aushebeln

Justizministerin Hubig plant mit einem Gesetzentwurf neue Regelungen im Mietrecht. Das betrifft möblierte Wohnungen, Kündigungsschutz und Indexmieten.

Für Mie­te­r*in­nen ist kaum nachvollziehbar, ob die Mietpreisbremse eingehalten wurde oder nicht Foto: Paul Langrock

Wer eine neue Wohnung auf den gängigen Immobilienportalen sucht, kommt meist nicht mehr um möblierte Wohnungen herum. Mal steht ein abgesessenes Sofa drin, mal ist die Wohnung hochwertig eingerichtet. Aber eins haben die Angebote oft gemeinsam: Sie sind deutlich teurer als unmöblierte Wohnungen.

Grundsätzlich gilt die Mietpreisbremse, die in diesem Sommer verlängert wurde, auch für möblierte Wohnungen. Das Problem ist nur: Ver­mie­te­r*in­nen dürfen für die bereitgestellten Möbel einen „angemessenen“ Aufschlag nehmen – aber was angemessen ist, ist nirgends geregelt und Ver­mie­te­r*in­nen sind auch nicht verpflichtet, den Möblierungsaufschlag transparent zu machen. Das ist ein großes Schlupfloch bei der Mietpreisbremse. Denn für Mie­te­r*in­nen ist es kaum nachvollziehbar, ob die Mietpreisbremse eingehalten wurde oder nicht.

Das Ganze ist kein Randphänomen. In den fünf größten Städten der Bundesrepublik ist mittlerweile jede dritte angebotene Wohnung möbliert. Das ergab eine Auswertung des Portals Immobilienscout.

Noch komplizierter ist es bei Kurzzeitvermietungen zum „vorübergehenden Gebrauch“ – denn da greift offiziell kein Mieterschutz. Eigentlich war das als Ausnahme gedacht, etwa für befristete Kuraufenthalte an einem anderen Ort oder kurze Arbeitseinsätze. Aber die Kurzzeitvermietungen boomen seit Einführung der Mietpreisbremse. Gesetzlich ist nämlich nicht klar definiert, welche Zeitspanne als „vorübergehend“ gilt.

Mieterschutz stärken

Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) möchte das gerne ändern und hat einen ersten Gesetzentwurf erarbeitet, der derzeit noch im Kabinett abgestimmt wird. Aus Kreisen des Justizministeriums heißt es: „Rechtsunsicherheiten bei der Kurzeitvermietung und bei der Vermietung von möbliertem Wohnraum tragen dazu bei, dass die Mietpreisbremse umgangen werden kann.“

Der Gesetzentwurf sehe deshalb vor, dass Ver­mie­te­r*in­nen künftig „den Zuschlag für Möbel gesondert ausweisen müssen“. Dieser müsse sich am Zeitwert der Möbel orientieren und angemessen sein. Für voll möblierte Wohnungen solle eine Pauschale von 5 Prozent der Nettokaltmiete angesetzt werden können.

Kurzzeitmietverträge sollen zudem, so heißt es weiter aus Kreisen des Justizministeriums, künftig „einmalig für maximal 6 Monate abgeschlossen werden können“. Dies solle nur möglich sein, „wenn ein besonderer Anlass für die Kurzzeitvermietung beim Mieter vorliegt“. Neu sind diese Ideen nicht. Im November gab es bereits eine Bundesratsinitiative, die das Gleiche vorsieht.

Insgesamt umfasst der Gesetzentwurf „Mietrecht II“ fünf Vorhaben. So sollen auch Indexmietverträge stärker reguliert werden als bisher. Die mögliche Mietsteigerung richtet sich dort, wie der Name schon andeutet, nach der Inflation. Die Besonderheit ist: Nur bei Mietabschluss gilt die Mietpreisbremse, danach kann die Miete gemäß der Inflation weiter erhöht werden. Bei regulären Mietverträgen können die Mieten immer nur bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete erhöht werden. Hubig möchte nun, dass die Mieterhöhungen „in angespannten Wohnungsmärkten auf 3,5 Prozent jährlich gedeckelt werden“.

Mieterschutzbund begrüßt Reformpläne

Ein weiteres Vorhaben betrifft den Kündigungsschutz, wenn Mie­te­r*in­nen in Zahlungsverzug geraten. Momentan ist es bei außerordentlichen Kündigungen so, dass eine Kündigung abgewendet werden kann, wenn die ausstehende Summe innerhalb von zwei Monaten zurückgezahlt wird. Diese Schonfrist soll nach den Plänen von Hubig künftig einmalig auch bei ordentlichen Kündigungen gelten. Mieterschutzverbände fordern das schon seit Längerem, damit ließe sich auch ein Teil von Zwangsräumungen verhindern.

Zuletzt soll es auch noch Änderungen bei Modernisierungen geben. „Die Wertgrenze für Modernisierungsmieterhöhungen nach den vereinfachten Verfahren soll von 10.000 auf 20.000 Euro angehoben werden“, heißt es aus Kreisen Justizministeriums.

Bei den meisten Vorhaben sah die SPD auch schon unter der Ampelregierung Handlungsbedarf, Mieterschutzverbesserungen scheiterten aber am Widerstand der FDP. Wie die Union damit umgeht, bleibt abzuwarten. Der Entwurf sei „derzeit Gegenstand von Gesprächen innerhalb der Bundesregierung“.

Die Vorhaben seien „absolut begrüßenswert und notwendig“, erklärte die Präsidentin des Deutschen Mieterbundes, Melanie Weber-Moritz. Angesichts explodierender Neuvermietungsmieten sei „politisches Handeln unausweichlich“. Doch ganz zufrieden ist sie nicht. Zwar sei beim Vorschlag zum möblierten Wohnen positiv, dass sich der Zuschlag am Zeitwert der Möbel orientieren soll. Die vorgesehene Pauschale von 5 Prozent der Nettokaltmiete für voll möblierte Wohnungen sei „jedoch zu hoch und droht die Preisspirale weiter anzutreiben“, kritisiert Weber-Moritz. Auch bei den Indexmietverträgen plädiert sie für eine stärkere Deckelung.

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27 Kommentare

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  • Ein zahnlose (und damit nutzlose) Politik wird durch permante kosmetische Reparaturen nicht besser.



    Das haben die MieterInnen, im Gegensatz zu Union und SPD, schon lange gemerkt.



    Natürlich gäbe es durchaus taugliche Mittel, um den sozialen Wohnungsbau zu bevorzugen und bestehende Mietverhältnisse zu entlasten.



    Ehrlicherweise muß man aber feststellen, das dies zumindest von Union und SPD nicht gewünscht wird. Weil man es sich dann mit einigen reichen Leuten verdirbt, die offenbar wichtiger sind als 52,8% der Bevölkerung.

    Leider wählen diese abgezockten und vernachlässigten MieterInnen bisher nicht massenhaft die Linkspartei.



    Das wäre politisch die einzig sinnvolle Alternative.

  • Das Problem ist der Reichtum der Mittelschicht. Seit Jahren steigen die Qm pro Person, weil man es sich leisten kann.

    Normalverdiener in Familie können sich halt 2000-2500 Miete leisten in der Stadt.

    Der verfügbare Wohnraum steigt seit Jahren, jedoch steigt die Zahl QM pro Person noch schneller. Weil sie essich leisten können. Damit verdrängen sie die Unterschicht. Für diese müsste man bezahlbare Sozialwohnungen ohne Schnickschnack bauen.



    Kein Balkon, kein zweites Bad, kleines Bad, kleine Zimmer, kein Aufzug. Halt nicht schön aber bezahlbar.



    Oft wollen die ja Luxussozialwohnungen bauen und die sind halt teuer.

  • Wäre es nicht einfacher einfach damit aufzuhören gemeinnützigen Wohnungsbau zu torpedieren ?

    Und einfach den sozialen Wohnungsbau leichter zu machen ?

    Aber wir wissen alle: Das will die Politik nicht.



    Die Politik will das Kapital kapitaler machen.

  • Freier Markt für freie Bürger, fällt mir dazu ganz spontan ein. Passt doch alles perfekt zusammen.

  • Danke für den interessanten Bericht!



    Die neue Justizministerin macht ja fast täglich von sich reden.



    Gut, dass die bekannten Schlupflöcher nun geschlossen werden sollen.



    Es ist auch erfreulich, dass herausgestellt wird, welche Partei was will. Der Rückblick auf die Ampel ist ebenfalls interessant, da Viele, unberechtigterweise, die Zeit ausschließlich negativ darstellen.

    • @Philippo1000:

      Der letzte verbliebene Sozialdemokrat...

  • Den Ausführungen der LeserInnen vor mir kann ich mich nur anschließen. Es ist zum Auswandern. Die SPD besteht aus lauter satten Schnarchsäcken - die haben ja schon ihr Häuschen, Penthouse oder den Dreiseithof in Brandenburg plus ein Mietshaus für die Einkünfte und Abschreibungen. Kümmern sich einfach nicht mehr darum. Ist ja sebst schuld, wer's in der boomendenn Bundesrepublik bis 1989 nicht zum Eigenheim geschafft hat. Und sowieso war Deutschland immer schon ein Mieterland. Früher mal Innovative (schnarch) Baumodelle wie Holzständerbau mit Strohballen - alles lokal machbar und auch mit mehreren Etagen,- oder andere innovative Bauweisen - ja wo kommen wir denn da hin? Mit den bisherigen Deutschen, die da an den Machthebeln sitzen, kommen wir nirgendwohin. Ausser vielleicht zu Repräsentationsbauten wie der ElPhi. Aber was für den Otto und die Ottoline Normalo - Wüste, wohin das Auge schaut.

  • Vermieter sind nicht alle gleich, da sollte man schon eine Unterscheidung treffen. Ich bin selbst Vermieter einer 2-Zimmer-Wohnung. Nach Abzug aller Nebenkosten und Steuern bleibt mir aus der Vermietung ein Ergebnis von etwa null. Dafür darf ich mich noch mit einem uneinsichtigen Mieter herumschlagen, der den Unterschied zwischen Kaltmiete und Warmmiete nicht versteht und mich für die steigenden Nebenkosten verantwortlich macht. Eine Neuvermietung ist für mich inzwischen keine Option mehr, und ein Verkauf wäre die beste Wahl. Wer noch nie vermietet hat, besitzt ein unvollständiges Bild von diesem Gewerbe.

    • @DanubisA:

      Nicht jammern, verkaufen.



      Zwingt Sie ja keiner.



      Ich vermiete auch, es bleibt auch fast nichts übrig. Aber so ist das halt. Hätte ich ein Problem damit würde ich verkaufen.

  • Was ist an Indexmieten, die an die Inflation gekoppelt sind, unfair? Inflation betrifft Mieter wie Vermieter. Warum soll das Risiko einer hohen Inflation einseitig beim Vermieter liegen? Er hat keinen Einfluss auf die Inflation, im Gegensatz zur Politik.

    • @ZTUC:

      Naja, bis vor 4 Jahren sind Mieter mit einer Indexmiete sehr gut gefahren. Noch bevor Russland in die Ukraine einmaschiert ist, stieg die Inflation aufgrund der Sanktionen auf 5% und waehrend des Kriegs dann weiter. Diese 2, 3 Jahre waren das erste Mal, dass Mieter mit Indexmieter mehr bezahlten. Und schon wird die Indexmiete zum Nachteil des Vermieters geaendert.



      Das ist einer von etlichen Gruenden, warum man in Deutschland privat nicht mehr vermieten und seine Immobilien an Deutsche Wohnen und Co verkaufen sollte. Diese zocken den Mieter zwar ab, aber offensichtlich ist das so gewollt.

  • Mietpreisbremsen schaffen nicht eine einzige neue Wohnung. Nur Neubau genügend vieler Wohnungen kann den Mietpreis dauerhaft stabilisieren. Natürlich kann ich jeden Mieter verstehen, dem eine Mietpreisbremse finanziell hilft, natürlich gibt es üble Abzocker, aber der Wohnungsnot als solches hilft sie gar nicht, eher das Gegenteil ist der Fall.

    • @Hans Dampf:

      Ich kopiere mal meinen Kommentar von weiter unten da ich zu faul bin es nochmal zu schreiben:



      Sie haben es nicht verstanden.

      Es geht hier nicht um den - auch - nötigen Neubau von preiswerten Wohnungen. Das ist ein anderes Thema.

      Hier geht es darum, dass auch Menschen mit niedrigem Einkommen eine bezahlbare Wohnung finden.

      Warum kann man nicht beide Probleme gleichzeitig lösen? Außerdem scheint Ihnen nicht bewußt zu sein, dass, zumindest hier in Berlin, der meiste Neubau im hochpreisigsten Segment zu finden ist.

      An meine Arbeitsplatz arbeiten vorwiegend StudentInnen. Nur mal ein Beispiel: "möbilierte" Wohnung, 64 m2, 3 Zimmer. 1 Zimmer vermietet für 800€, ein Zimmer mit einem Pärchen 900€, und meine Kollegin zahlt fürs 3. Zimmer nochmal 800€. Und ist froh überhaupt was zu haben.

      Deswegen ist diese Gesetztesänderung so notwendig. Neubau hin oder her. Also bitte in Zukunft nicht immer mit irgendeinem Whataboutism argumentieren.

      • @Petros:

        In den letzten Jahren hat man die Nachfrage u.a. durch Immigration erhoeht und das Angebot durch zB Energiekosten, Buerokratie und Umweltauflagen verringert. Solang sich daran nichts aendert, koennen Sie die Miete bregrenzen wie Sie wollen.



        Es braucht mindestens 3 Dinge: Die Baukosten muessen runter, sozialer Wohnungsbau und die Einschraenkung der Mietpreisbremse auf Immobilien der unteren Preisklasse. Solang die Gutverdiener fuer eine 15 Jahre alte Topimmobilie aufgrund der Mietpreisbremse viel zuwenig Miete zahlen, solang ziehen sie auch nicht in neue Immobilien um und der Mietmarkt ist eingefroren.

  • Warum sorgt die SPD nicht dafür, dass es flächendeckendes Verbot der Vermietung möblierter Wohung gibt? 30 Prozent der angebotenen zu vermietenden Wohnungen sind möbliert.



    Das Ganze ist eine riesige Geschäftemacherei und Unterhöhlung des sozialen Marktwirtschaft, ein Skandal. Die SPD wird auf kurz oder lang zur 5-Prozentpartei, auch weil viel zu wenige Sozialwohnungen gebaut werden. Vermieter wissen genau: einen Prozess wegen zu hoher Miete werden Kurzeitmieter kaum anstrengen, weil viel zu aufwendig.

    • @Lindenberg:

      "Warum sorgt die SPD nicht dafür, dass es flächendeckendes Verbot der Vermietung möblierter Wohung gibt?"

      Weil sie nicht allein regiert. Wir können also nicht sagen, ob sie den Mut hätte.

    • @Lindenberg:

      Klar, mal wieder verbieten und es so Freelancern mit wechselnden Projekten mal wieder schwerer machen am Einsatzort eine günstige Unterkunft zu finden. Auch die Begrenzung auf sechs Monate ist mal wieder weltfremd, gibt es doch viele Aufträge, die länger angelegt sind.

  • Befristet, spärlich möbliert, maßlos überteuert im Vergleich zu ortsüblichen Mieten: Das sind doch alles Merkmale illegaler Ferienwohnungen. Einfach mal machen: Wie bei diesen kontrollieren, dann horrende Strafen verhängen und auch eintreiben bis hin zur Beschlagnahmung nicht nur der möblierten Wohnung, sondern auch der Privatwohnung des Vermieters. Und wenn es die entsprechenden Gesetze noch nicht gibt: Schaffen, und zwar flott und unter Umgehung der üblichen links-grünen Quassel-Trötrunden, die meist zu überhaupt nichts führen. Es pressiert. Oder wollen sich Lokalpolitiker weiterhin von Immos auslachen lassen?

    In München gibt es entsprechendes bereits, eine "Zweckentfremdungssatzung". Auszug: "Informationen zum Thema Ferienwohnungen: Was ist eine Ferienwohnung? Nach dem Zweckentfremdungsrecht liegt eine Ferienwohnung vor, wenn eine Wohnung oder ein Haus nicht regulär dauerhaft bewohnt wird, sondern zum Zwecke der Fremdenbeherbergung jeweils nur für einen kurzfristigen Zeitraum vermietet wird. Darunter fällt auch die Vermietung von Wohnraum an Personen, die sich zum Zweck einer medizinischen Behandlung in München aufhalten."

    Jaja, Sie lesen richtig: Im CSU regierten Bayern.

    • @Josef 123:

      Entsprechende Regelungen gibt es in verschiedenen Bundesländern. Das Problem ist: wer soll das kontrollieren?

      Hier in Bremen ist man bspw. darauf angewiesen, dass Privatpersonen entsprechende Verdachtsmomente an die Baubehörde melden. Dann wird eventuell in ein paar Monaten mal kontrolliert. Scheitert nur meist am Personal (in der öffentlichen Verwaltung kann man pi mal Daumen sagen: nur 75% der Stellen überhaupt besetzt, 25% der Beschäftigten langfristig erkrankt (Stellen bleiben natürlich blockiert) oder in produktivitätstechnischer Sinnlos-Teilzeit, der Rest darf sich dann mit dem Alltagsgeschäft rumschlagen. Hat aber logischer- und verdienterweise natürlich auch mal Urlaub oder fällt für ein paar Tage mit grippalem Infekt aus.

      Falls man aber doch jemanden findet, der sich einer entsprechenden Meldung zeitnah annehmen kann: dann scheitert es häufig schon daran, dass die Wohnungseigentümer nicht ausfindig gemacht werden können. Aus den gleichen Gründen kommt man auch den Schrottimmobilien nicht bei, obwohl theoretisch die gesetzlichen Möglichkeiten geschaffen wurden.

  • Wenn aus diesem Land wieder etwas werden soll, muss das Wohnproblem gelöst werden.

    Die mittlerweile seit 35 Jahren andauerte Untätigkeit, die zu immer absurder werdenden Spiralen auf dem Wohnungsmarkt führt, ist ein immer größer werdendes soziales und wirtschaftliches Hemmnis.

    Wie das Problem gelöst wird, ist im Grunde egal. Aber es erfordert ein aktives Eingreifen des Staates, keine Nachtwächter-Bauminister:innen wie Geywitz, die meinte: "Wir mischen uns nicht in privatwirtschaftliche Verträge ein. Wir sind doch kein Nannystaat."

    Kurz: Wir brauchen normale, klassische Sozialdemokratie auf dem Wohnungsmarkt, keinen neoliberalen Abklatsch.

    Wann bekommen wir das?

    • @Stavros:

      Danke für den Hinweis auf Geywitz, die als Bauministerin total versagte. Als Lohn dafür einen Versorgungsposten als Vizepräsidentin des Bundesrechnungshofes.



      Unglaublich diese Selbstbediengungsmentaltät bei der SPD. Das gleiche Spiel bei der ehemaligen SPD-Chefin Nahles, jetzt Chefin der Bundesarbeitsagentur.

  • Natürlich kann man, sollte man versuchen, die Mietpreise halbwegs im Rahmen zu halten. Bestandsmieter ohne Änderungsnot sind mit Sicherheit dankbar dafür.

    Nur entsteht über derartige gesetzgeberische Aktivitäten wohl nicht eine einzige der zusätzlich so dringend gebrauchten, preiswerten Wohnungen.

    • @sutrebe:

      Die preiswerten Wohnungen sind durchaus vorhanden und könnten durch Rekommunalisierung wieder bezahlbar werden.



      Rot-Roit-Grün hat dies in Berlin versucht.



      Es gab dazu eine positive Volksabstimmung.

      RRG wurde von Union und FDP verklagt.

      Der jetzige Berliner Senat ignoriert das demokratisch legitimierte Begehren seiner eigenen Bevölkerung.



      (Übrigens unter tätiger Mithilfe einer nacht rechts gedrehten Berliner SPD...)

      • @hsqmyp:

        "Die preiswerten Wohnungen sind durchaus vorhanden und könnten durch Rekommunalisierung wieder bezahlbar werden.



        [...]



        Es gab dazu eine positive Volksabstimmung."

        Sie meinen diese ganze DeuWo Enteignen Geschichte? DeuWo bzw. diese ganzen Massenmarkt-Großanbieter sind nicht die Preistreiber. Klar, die machen anderen Mist, Beschiss mit NK-Abrechnungen etc. um ihr Scherflein Extraprofite abzugreifen. Und freuen sich natürlich, wenn die "ortsübliche Vergleichsmiete" steigt, zumindest sofern die Leistungsträger die KdU-Sätze entsprechend anpassen. Aber die massiven Preistreiber (wie auf dem Artikel-Foto: alte Miete 700, neue Miete 1700) sind irgendwelche "Projektentwickler", vermeintliche "Klein- und Mittelständler".

    • @sutrebe:

      Wer behauptet den das?

    • @sutrebe:

      @sutrebe



      Richtig, die dringlichst, schon lange überfälligen gesetzgeberischen Aktivitäten beziehen sich kurzfristig in erster Linie auf Bestandswohnraum. Sehr gut resümiert 👍



      Diese notwendigen Regularien betreffen selbstverständlich auch den in Zukunft zu errichtenen neuen Wohnraum.

    • @sutrebe:

      Sie haben es nicht verstanden.



      Es geht hier nicht um den - auch - nötigen Neubau von preiswerten Wohnungen. Das ist ein anderes Thema.



      Hier geht es darum, dass auch Menschen mit niedrigem Einkommen eine bezahlbare Wohnung finden.



      Warum kann man nicht beide Probleme gleichzeitig lösen? Außerdem scheint Ihnen nicht bewußt zu sein, dass, zumindest hier in Berlin, der meiste Neubau im hochpreisigsten Segment zu finden ist.



      An meine Arbeitsplatz arbeiten vorwiegend StudentInnen. Nur mal ein Beispiel: "möbilierte" Wohnung, 64 m2, 3 Zimmer. 1 Zimmer vermietet für 800€, ein Zimmer mit einem Pärchen 900€, und meine Kollegin zahlt fürs 3. Zimmer nochmal 800€. Und ist froh überhaupt was zu haben.



      Deswegen ist diese Gesetztesänderung so notwendig. Neubau hin oder her. Also bitte in Zukunft nicht immer mit irgendeinem Whataboutism argumentieren.