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Studie zu WohnarmutWohnen macht mehr als 5 Millionen Menschen arm

Offiziell sind in Deutschland 13 Millionen Menschen armutsgefährdet. Der Paritätische rechnet vor: Mit Blick auf steigende Mieten sind es noch viel mehr.

Aus Berlin

Beritan Dik

18,4 Millionen Menschen in Deutschland sind nach Auffassung des Paritätischen arm. Dies erklärte der Sozialverband am Dienstag bei der Vorstellung einer neuen Studie. Anders als das Statistische Bundesamt und die Bundesregierung verwendet der Paritätische darin das Konzept einer wohnkostenbereinigten Einkommensarmut. Damit gelten 5,4 Millionen mehr Menschen als arm als bisher angenommen.

Auf die Zahl ist der Paritätische gekommen, in dem er Daten aus einer Haushaltsbefragung des Statistischen Bundesamts neu ausgewertet hat. Dabei hat er, wie auch die Behörde, einen relativen Armutsbegriff verwendet. Demnach gilt als arm (beziehungsweise als „armutsgefährdet“, wie es bei staatlichen Stellen heißt), wessen Einkommen unter 60 Prozent des mittleren Einkommens liegt.

In einem Punkt unterscheiden sich die Methoden aber: Anders als bei der konventionellen Armutsberechnung hat der Paritätische für die Bestimmung von Median und Armutsquote nicht die kompletten Haushaltseinkommen berücksichtigt, sondern nur das, was nach Abzug der Wohnkosten übrig bleibt.

„Das eigene Zuhause wird immer stärker zur Armutsfalle“, kommentierte Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes und Mitautor der Studie. Die herkömmliche Berechnung erfasst diese Realität laut des Wohlfahrtverbands nicht ausreichend. So hat die Bundesregierung in ihrem kürzlich veröffentlichten Armutsbericht den Einfluss von steigenden Mieten auf Menschen mit wenig Einkommen nicht in gleichem Maße berücksichtigt.

Dabei entscheide nicht mehr nur die Höhe des Einkommens über den Lebensstandard. „Es gibt keinen Ausgabenbestandteil in den Haushaltsausgaben, der einen so dominanten Anteil einnimmt wie die Wohnkosten“, so Rock dazu.

Junge, Alte, Familien und Bremer

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass einige Bevölkerungsgruppen besonders stark betroffen sind. Mit 31 Prozent fällt die Wohnarmut bei jungen Erwachsenen bis 25 Jahren besonders hoch aus. Sie stehen häufig am Anfang ihrer Erwerbstätigkeit oder befinden sich in der Ausbildung. Studierende und Auszubildende mit eigener Haushaltsführung zahlen durchschnittlich 53 Prozent beziehungsweise 41 Prozent ihres verfügbaren Einkommens fürs Wohnen. In Wohngemeinschaften sind es 37 Prozent. Aber auch Menschen im Rentenalter oder Haushalte mit mehr als drei Kindern sind häufiger von Wohnarmut betroffen.

Unterschiede gibt es auch zwischen den Bundesländern. In Bremen (33,4 Prozent), Sachsen-Anhalt (28 Prozent) und Hamburg (25,9 Prozent) ist die Armut am stärksten verbreitet. In Bayern und Baden-Württemberg sind vergleichsweise weniger Menschen betroffen. Dennoch gelten durch die Rechnung des Paritätischen in Bayern 807.000 mehr Menschen als arm. In Baden-Württemberg sind es 742.000.

Mietendeckel und Investitionen

Dem Paritätischen zufolge würden zu einer erfolgreichen Armutsbekämpfung auch wohnungspolitische Maßnahmen gehören. Der Verband fordert, dass Mieter vor missbräuchlichen Kündigungen geschützt werden.

Außerdem brauche es massive Investitionen für den Rückkauf, Ankauf und Erhalt von kommunalen Wohnungsbeständen und mehr sozialen Wohnungsbau. Außerdem sollen Kappungsgrenzen für Mieterhöhungen in angespannten Wohnungsmärkten abgesenkt und Mietendeckel ermöglicht werden.

Mit Verweis auf den Bericht fordern auch die Bundestagsfraktionen von Linken und Grünen mehr Mieterschutz. Die Unionsfraktion hingegen lehnt eine aus ihrer Sicht übermäßige Regulierung ab, weil sich dadurch Vermieter aus dem Markt zurückziehen würden. „Das Problem steigender Mieten lösen wir nur durch mehr Wohnungsbau. Bauen muss in Deutschland einfacher, schneller und günstiger werden“, erklärte Jan-Marco Luczak, Vorsitzender der AG Wohnen der Fraktion.

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