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Mietenpoltik in BerlinSpannende Frage für den Wahlkampf

Uwe Rada
Erik Peter

Kommentar von

Uwe Rada und Erik Peter

Die Wohnunspolitik wird wichtiges Thema bei der Wahl in der Hauptstadt sein. Die Linke will enteignen. Die SPD will den Markt regulieren. Wer ist die Berliner Mieterpartei?

Die SPD hat noch Luft nach oben, meint die Linkspartei Foto: Imago/ Emmanuele Contini

W enn Berlin am 20. September wählt, könnte die Wohnungspolitik wahlentscheidend sein. Die SPD hat einen neuen Vorschlag gemacht. Wie der zu bewerten ist? Da sind sich die beiden taz-Redakteue Uwe Rada und Erik Peter nicht einig.

Uwe Rada: Die Berliner SPD lag bei den Mieten lange hinten. Nun aber hat sie sich überraschend zurückgemeldet. Mit einem neuen Mietendeckel sollen die Mieten von 1,4 Millionen privaten Wohnungen eingefroren und die Gewinne privater Konzerne gedeckelt werden. Weil ein erster Mietendeckel 2021 in Karlsruhe gescheitert ist, soll nun der Vergesellschaftungsparagraf 15 im Grundgesetz herhalten. Offenbar hat die SPD begriffen, dass sie im bevorstehenden Mietenwahlkampf liefern muss.

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Erik Peter: Wirklich? Ist nicht die SPD die Partei, die den Anstieg der Angebotsmieten in der Stadt um 132 Prozent in den vergangenen 15 Jahren wie keine andere zu verantworten hatte. Sozialdemokratische Mietenpolitik war meist der blinde Fokus auf Neubau und die Abwehr der 2021 von den Berlinern mehrheitlich per Volksentscheid geforderten Vergesellschaftung der privaten Wohnungskonzerne. Und genau darum geht es der SPD auch jetzt. Der Volksentscheid wird als Auftrag ausgelegt, den Paragrafen 15 anzuwenden, aber eben nicht, um die privaten Unternehmen in Landesbesitz zu übernehmen.

Rada: Stimmt schon. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach will keine Enteignung. Für die Linke, die bei den Wahlen im September gute Chancen hat, das Amt der Regierenden Bürgermeisterin zu übernehmen, ist die Umsetzung des Volksentscheids dagegen die Voraussetzung dafür, eine Koalition einzugehen. So kann aber nur argumentieren, wer auch nachweisen kann, dass die Konkurrenz konzeptlos ist. Dann bleibt die Vergesellschaftung gewissermaßen alternativlos. Nun aber hat auch die SPD ein Konzept.

Peter: Was die SPD hier vorschlägt, ist nichts anderes als eine Regulierung der Wohnraumbewirtschaftung – die Begrenzung von Mietsteigerungen und erkaufte Sozialbindungen. Darüber nachzudenken ist gut, aber das gegen eine Vergesellschaftung auszuspielen, bleibt unredlich und undemokratisch. Außerdem ist der argumentative Weg über den Vergesellschaftungspragrafen höchst wackelig und könnte im erneuten Desaster in Karlsruhe enden. Dort wird zwar auch die Vergesellschaftung landen, doch deren konzeptionelle Umsetzung ist eingehend geprüft und für machbar befunden worden.

Rada: Und dann sind da noch die Kosten, klar, auch ein Thema, über das noch gestritten werden kann. Wichtig ist doch aber, dass eine künftige Regierungskoalition aus Linken, Grünen und SPD nun mehrere Vorschläge auf dem Tisch hat. Ob es da für die Linke klug ist, eine rote Linie zu ziehen? Denn die SPD ist mit diesem Konzept womöglich auch anschlussfähig für eine Koalition mit Grünen und CDU. Die würde automatisch auf Berlin zukommen, wenn die Linkspartei, aus welchen Gründen auch immer, nicht regieren will. Interessant dabei: CDU-Regierungschef Kai Wegner hat die SPD-Forderungen nicht pauschal abgelehnt.

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Peter: Berlin ist unbezahlbar geworden. Die rote Linie der Linken ist nicht nur stadtpolitisch richtig, sondern auch schiere Notwendigkeit, um als Partei glaubwürdig zu sein. Wenn sich die SPD dagegen sperrt, wird sie weiterhin die Mietenmisere der Stadt verantworten. Und mit der CDU wird sie ihre schönen neuen Ideen niemals durchkriegen,

Rada: Abwarten. Womöglich verabschiedet Schwarz-Rot schon vor den Wahlen ein verschärftes Mietengesetz. Dann steht die Linkspartei unter Zugzwang. Der Wahlkampf wird spannend.

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Uwe Rada
Redakteur taz.Berlin
Jahrgang 1963, ist Redakteur für Stadtentwicklung der taz. Weitere Schwerpunkte sind Osteuropa und Brandenburg. Zuletzt erschien bei Bebra sein Buch "Morgenland Brandenburg. Zukunft zwischen Spree und Oder". Er koordiniert auch das Onlinedossier "Geschichte im Fluss" der Bundeszentrale für politische Bildung. Uwe Rada lebt in Berlin-Pankow und in Grunow im Schlaubetal.
Erik Peter
Politik | Berlin
Leiter der Berlin-Redaktion und Redakteur für parlamentarische und außerparlamentarische Politik in Berlin, für Krawall und Remmidemmi. Schreibt über soziale Bewegungen, Innenpolitik, Stadtentwicklung und alles, was sonst polarisiert. War zu hören im Podcast "Lokalrunde".
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58 Kommentare

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  • Berlin unbezahlbar ? Ich lach mich tot, vielleicht sollten die TAZ-Mitarbeiter sich mal die Mietpreise in München, Stuttgart, Frankfurt, Hamburg oder Düsseldorf anschauen. Berlin ist die billigste Hauptstadt der Welt, aber um das zu erkennen muss man halt mal seinen Kiez verlassen und sich London, Singapur, Tokyo oder irgendeine Großstadt in China anschauen.

  • Auch bei Enteignungen muss angemessen entschädigt werden. Der ganze Vorgang stellt sich also wie folgt dar: Berlin hat Wohnungen billig an Immobilienfirmen verkauft und kauft sie jetzt von diesen für einen weitaus höheren Preis zurück (der gestiegene Marktwert muss bei der Entschädigung entsprechend berücksichtigt werden).

    Und wo Berlin das dafür erforderliche Geld hernehmen will wird DieLinke vermutlich noch gar nicht wissen wollen. Diese Frage sollte der Bürgermeisterkandidatin vielleicht mal vorab gestellt werden. Um Luftschlösser zu vermeiden.

  • Dieses Format des Schlagabtausches zwischen zwei taz-Redakteuren zur Berliner Mietenpolitik finde ich ganz unterhaltsam. Bitte mehr davon, auch zu anderen kontroversen Themen.

  • *Mit einem neuen Mietendeckel sollen die Mieten von 1,4 Millionen privaten Wohnungen eingefroren und die Gewinne privater Konzerne gedeckelt werden*, sagt die SPD.

    Im Wahlkampf verspricht die SPD immer sehr viel, aber nach der Wahl leiden SPD-Politiker merkwürdigerweise an Gedächtnisverlust (Amnesie).

    Die 'soziale Brandt-SPD' ist schon lange tot. Die heutige SPD ist nur noch der "Steigbügelhalter für BlackRock-Merz" und für andere konservativ-neoliberale Leute. Wer immer noch die SPD wählt, anstatt 'Die Linke', dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.

  • Es wollen immer mehr Leute in der Großstadt wohnen, also ist doch klar, dass die Mieten immer teurer werden.



    Das Problem kann man gar nicht lösen.

    • @Peter Schütt:

      mieten steigen nicht, mieten werden erhöht. klar kann man also das problem lösen. nur geben es die momentanen politischen kräfteverhältnisse nicht her.

    • @Peter Schütt:

      Kann man schon durch Neubau in den Großstädten, nur darf der halt nicht so wie momentan reguliert werden.



      Wenn man circa 80% der Neubauregeln aufhebt (Nur 20% sind Sicherheits- und Wohnqualitätsrelevant) kann man dem Bedarf hinterher kommen. Ohne Neubau natürlich keine Chance!

    • @Peter Schütt:

      Herstellung ziemlich gleicher Lebenschancen im Bundesgebiet, da gab's doch so etwas Ähnliches.

      Können Bundesämter noch mehr in die scheinbare Pampa? Müssen wir denn auch mit staatlicher Pendelbegünstigung die Arbeitsplätze alle in die Stadt pressen?

      Können wir vom Einzelblech wieder zu Bahn und Bus für quasi alle kommen? Können Work-from-home-Jobs auch work-from-home werden, gelegentliches Treffen sei belassen?

      Preis kann das steuern. Dann wird auch klüger verdichtet. - Besser gehen wir dabei auf eine gleicher verteilte Zahlungsfähigkeit, dass niemand über Bord geht.

    • @Peter Schütt:

      „Das Problem kann man gar nicht lösen.“



      Doch, aber nur, indem man daran ansetzt, das Leben auf dem Lande wieder attraktivee zu machen. Und damit meine ich nicht nur das brandenburgische Einzugsgebiet um Berlin. Möglicherweise ist das nur eine viel größere gesellschaftspolitische Aufgabe und es umfasst weitaus mehr politische, infrastrukturelle und kulturelle Gestaltungsanstrengungen als das Leben in der Stadt wieder attraktiv und v.a. bezahlbar zu machen.



      Also, alle Probleme in diesem Zusammenhang lassen sich natürlich nicht komplett lösen, sondern nur abmildern. Aber es geht um das (durch die neoliberale Infiltration der letzen 40 Jahre verlorengegangene) Bewusstsein, dass Gestaltung/Veränderung über politisches Handeln überhaupt wieder möglich wird.



      Und natürlich müsste man bei der Benennung der Aufgaben konkret werden und auch sagen, woher das Geld dafür kommen soll.



      (M.E. ist jedoch einer der Hauptgründe für das Erstarken der AfD ohnehin die Verzagtheit bzw. der fehlende politische Gestaltungswillen der demokratischen Parteien.)

  • "Berlin ist unbezahlbar geworden."



    Berlin ist massiv teurer geworden. Allerdings war es zuvor unverhältnismäßig billig. Diese Wahrheit wird immer gern verschwiegen.



    Seit der Wiedervereinigung wird eine Angleichung des Ostens an den Westen angestrebt. Es ist nur logisch, dass wenn sich die wirtschaftliche Kraft anpasst, auch die Kostenstruktur sich angleicht🤷



    Berlin hat von der wirtschaftlichen Kraft beinahe aufgeholt zu München oder Hamburg. Dementsprechend wollen unglaublich viele Menschen nach Berlin, weil sie sich dort eine gute Ausbildung, gute Jobs, kurzum eine gute Zukunft ausrechnen. Diesem Zuzugswunsch steht begrenzter Wohnraum gegenüber.



    Wenig Angebot + viel Nachfrage = hohe Preise.



    Vergesellschaftung schafft keinen einzigen Quadratmeter mehr Wohnung. Stillt also keinen einzigen Zuzugswunsch.



    Spekulativer Leerstand und ungenutzte Büroflächen könnten enorm viel Wohnraum schaffen. Das brächte tatsächliche Linderung.



    Aber Lösungspolitik ist nicht beabsichtigt, viel lieber beschwor man einen Volksentscheid herauf, was nichts anderes ist als ein "Wir-gegen-die" Szenario...



    Hm, an welche Partei erinnert mich derlei politisches Kalkül🤔

    • @Antje1971:

      59,1% ist eine breite mehrheit der berliner bevölkerung, die sich in einem in der berliner verfassung garantierten demokratischen verfahren für die vergesellschaftung von wohnraum auf basis des grundgesetzes ausgesprochen hat. ein "Wir-gegen-die" Szenario ist sicherlich etwas anderes und der von Ihnen angedeutete vergleich erscheint mir bizarr.

    • @Antje1971:

      Zur "Angleichung" ... Wie heißt es doch? Im Durchschnitt war der Graben einen Meter tief, trotzdem ist die Kuh ersoffen.



      Wir hatten in Berlin lange (in beiden Stadthälften) größere innerstädtische Bereiche mit geringen Medianeinkommen UND bezahlbaren Mieten. Ich nenne es immer die "Old Economy" Berlins, geprägt von Kleingewerbe, geringen Löhnen, prekärer Selbständigkeit. Die Zuzügler strömen aber überwiegend in völlig andere Arbeitsmarktsegmente (Bundeseinrichtungen, Verbände, Technologie ...), wo ganz andere Einkommen erzielt werden. Dieser Segregation des Arbeitsmarktes droht eine wohnräumliche Segregation zu folgen, mit massenhafter Verdrängung (und in der Folge übrigens auch gewerblicher Verödung). In einigen Bezirken findet dieser Prozess beschleunigt statt und trifft jüngere, politisch mobilisierungsfähige Leute, die das nicht als Normalität hinnehmen wollen. Ob nun die Enteignungsinitiative die geeignete Antwort ist, sei dahingestellt. Ich bin auch skeptisch bzgl. der praktischen Umsetzung. Allerdings sehe ich die Initiative weniger als Konkurrenz zu anderen Lösungen, sondern eher als Druckmittel gegenüber der Politik, überhaupt etwas zu unternehmen.

    • @Antje1971:

      Stimmt alles Frau Antje. Berlin ist zwar teurer geworden, aber immer noch spottbillig.

  • Hier hat die Politik in den letzten 20 Jahren versagt.

  • Wieso wollten die Berliner Hauptstadtbewohner werden, wenn sie sich anschließend über die Premiumpreise wundern? Hat denen vorher niemand die Marktwirtschaft erklärt? Sehr merkwürdig.

    • @vieldenker:

      Niemand hat die Berliner gefragt, ob sie Hauptstadtbewohner werden wollten.

      Außerdem blieben die Mieten trotzdem lange Zeit sehr billig.

      Als Mieter konnte man sich die Wohnung aussuchen.

      Dann kam aber ein rot- roter Senat...

    • @vieldenker:

      Und das, wo man in Berlin außerdem noch an jeder Ecke in Hundescheisse hineintritt.



      Der billige Kalauer musste jetzt sein, um mal wieder meine kulturellen und politischen Vorbehalte gegen unsere Reichs- ähm Bundeshauptstadt zum Ausdruck zu bringen.



      Aber auch andernorts sind die Mieten viel zu hoch und zu viele Hunde laufen auch rum.😉

  • Man muss sich im Geiste der freien Marktwirtschaft von lähmenden Traditionen freimachen und z.B. das Bundesland Berlin in Gänze zum Kauf anbieten. Was die Politik und durch überbordende Bürokratie gelähmte Privatwirtschaft nicht hinbekommt, schafft die höhere Finanzwirtschaft jeden Tag: Aus einem Bankrott Gewinne ziehen und Schulden in Vermögen verwandeln. Und soviel sollen wir Adepten der Oikodizee doch schon verstanden haben: Geht es der Wirtschaft gut, dann geht es auch der Menschheit … Menschen …. vielen … einigen … wenigen … vielleicht … irgendwie? Auf jeden Fall geht da immer noch was.

    • @DemokratischeZelleEins:

      Marktwirtschaft?



      Funktioniert nur reguliert.



      Und das haben wir nicht.

      • @So,so:

        In einer Marktwirtschaft entsteht der Preis durch das Verhaeltnis zwischen Angebot und Nachfrage. Ist das Angebot zu niedrig und damit der Preis zu hoch, ergibt sich daraus eine Motivation fuer Marktteilnehmer zu investieren, wodurch das Angebot steigt und die Preise fallen.



        Dieser Mechanismus hat jahrzehntelang in Deutschland funktioniert. Der Staat hat durch Sozialwohnungen regulierend eingegriffen.

        Dann kamen die aktuellen Heisbringer Spd und Linke (ehemals PDS) und verscherbelten in Berlin die Sozialwohnungen. Den oben beschriebenen Marktmechanismus setzten sie durch vom Staat festgelegte Preise ausser Kraft.



        Aus Marktwirtschaft wurde Planwirtschaft und aus Planwirtschaft wurde Mangelverwaltung. Das einzige was zur erfolgreichen Transformation zum Berliner DDR-Freilichmuseum noch fehlt sind Enteignungen und ein neuer antifaschistischer Schutzwall - ich bin mir sicher, die Linke ist genau die richtige Kraft fuer dieses Vorhaben.

    • @DemokratischeZelleEins:

      Putin will eher seine Datscha in Dresden zurück.



      Großstädte ohne ihren Speckgürtel haben fast immer zu kämpfen. Wenn die Bundeshauptstadt dann auch noch die Polizei von Berlin im Alleingang in Trab hält und Wegner den Autoverkehr noch dopt, statt ihn einzuhegen. Wenn zwei Verwaltungen derart zusammengeführt wurden, dass sie alle eingestellt wurden. Wenn Diepgen Bankenrettung auf Staatskosten betrieb und Sarrazin die kostbaren Wohnungen en gros verschleuderte (recherchieren Sie mal den m²-Preis damals von den Haien). Dann so etwas.

      Finanzkapitalismus kann u.a. auch öffentliche Ressourcen aussaugen. Das schafft dann wirklich die "angemessenen" zweistelligen Renditen für hiesige Erben und auswärtige Geldwäschers. Das ist nicht wirklich "die Wirtschaft". Die sollte nämlich für die Vielen da sein, nicht nur für Bonzenrendite. Kann mensch meinen - aber dann auch so wählen hierzulande.

  • Beide juristischen Ansätze mögen jeweils gut sein, bringen bis zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts über Jahre gar nichts.

    Was nötig wäre: ein Kompetenzcenter mit 20 Juristen und einigen Sachbearbeitern einzurichten, die konsequent gegen Mietwucher (möblierte Vermietung, Leerstände und Mierhöhungen juristisch im Namen der Mieter vorgehen.



    Das hieße: Personal in der Verwaltung und Justiz, damit die rechtlichen Vorgänge abgearbeitet werden können.



    Am Wichtigsten: gesetzliche Regleungen vom Bund, die Schluss mit der Vermietung möblierter Wohnungen, Steuertricks (Grunderwerbsteuer, Gewerbesteuer) beim Erwerb und Verkauf von Mehrfamilienhäusern, die große Investoren nutzen.



    Share-Deals, Real Estate Investment Trusts (REITs) und andere rechtliche Konstruktionen, die das Wohnungen aufkaufende Großkapital nutzt, müssen weg!

    • @Lindenberg:

      Mit welcher juristischen Begründung und auf welcher Rechtsgrundlage will denn Lindenberg gegen das möblierte Vermieten vorgehen? Da bin ich aber auf eine Antwort gespannt

    • @Lindenberg:

      Ihre vorgeschlagenen Regelungen sind schön und gut. Es wird allerdings nichts an der Erschwinglichkeit von Mietwohnungen ändern. Denn wenn ich als Vermieter die Wahl habe zwischen einen Mieter in einem Mindestlohnjob und einem "Gutverdiener" , ist klar wer die Wohnung bekommt. Am Ende führt dies nur dazu, dass Gutverdiener in einer für sie sehr günstigen Wohnung wohnen.

  • Vielleicht war die Verlegung des Regierungssitzes von Bonn nach Berlin der nicht wieder gutzumachende Fehler.

    • @Franz Hofer:

      Damit sich die Regierung im abgelegenen, beschaulichen Bonn noch weiter von der Bevölkerung entfernen kann?

      Nein. Sie ist in einer Stadt mit vielen Problemen besser aufgehoben.

    • @Franz Hofer:

      Naja dadurch wurde Berlin Hauptstadt und Hauptstadtmieten sind weltweit immer hoch, im International Vergleich ist Berlin immer noch spottbillig.

      • @Machiavelli:

        Berlin wurde so oder so Hauptstadt, es ging um den Regierungssitz. Beruhigend weiter weg von Moskau war Bonn, näher an Brüssel, bereits komplett ausgestattet, für ein betont föderales Land die bessere Wahl ... doch das Wir haben's versprochen trug den Sieg.



        Jeder Nachteil hat seinen Vorteil (J. Cruijff): die Vororte Bonns wuchern seitdem nicht mehr so rasch.

      • @Machiavelli:

        im internationalen vergleich sind auch die kaufkraft und die löhne in berlin extrem niedrig.

        • @Pflasterstrand:

          Das stimmt nicht das Berliner Durchschnitt Einkommen ist nicht viel niedriger als London und höher als Paris, im europäischen Durchschnitt für Hauptstadt.

  • Der Wohnraum pro Person steigt fast jedes Jahr. Wer das Knappheitssignal Preis in diesem Kontext ausknipsen wollte, müsste erst recht gute Alternativen bringen. Effizienter und kompakter wohnen ist gerade eine gemeinschaftliche Herausforderung.

    Zugleich ist der Wohnungs"markt" besonders: Umzüge kosten nicht nur Geld, Obdachlosigkeit erst recht; Neu- und Altmieten klaffen auseinander; es gibt verzerrendes Wohngeld (faktisch für Vermieter); es gibt verzerrende Steuerabzüge fürs Pendeln; Intransparenz, Klüngel, Diskriminierung, um nur einiges zu nennen. Das ist nur sehr bedingt ein Markt.

    Vor allem haben wir eine jäh klaffende Zahlungsfähigkeit. Mit jedem Jahr wird der Abstand größer zwischen denjenigen, die sich in der teuersten Ecke Münchens ein leerstehendes Neubau-Appartment leisten, denn zuweilen im Jahr geht man ja dort in die Oper. Und denen, die über fast alles froh sein müssen. Die Verteilungsfrage, wieder einmal, und dringender denn je. Da anzupacken sollte auch den Wohnmarkt entspannen.

    • @Janix:

      Man müsste den Mietmarkt in einen wirklichen Markt verwandeln und gleichzeitig dafür sorgen das die untere Mittelschicht (um die geht es hier primär) mehr Geld in der Tasche hat.

      • @Machiavelli:

        Eine mögliche Lösung, vor allem das zweite; wobei sich sicher noch Teufelsdetails finden. Etwa: Gegen sofortiges Rausfliegen wird aber eine Sicherung nötig sein, denn Umzug und Wohnungsfinden wird stets Vorbereitung brauchen. Und auf der Straße leben kann eine/n abrutschen lassen.

      • @Machiavelli:

        wie soll das gehen, wo ersteres zwangsläufig dazu führen würde, dass letztere noch weniger geld in der tasche hätten?

  • In Deutschland leben 30 Mio Menschen zu viel. Wohnraum gibt es trotzdem mehr als genug. Er wird nur oft nicht vermietet.

    • @Johann63:

      Diese Zahlen werden in rechtsextremen Kreisen gerne verwendet, weil das die Anzahl an Menschen ohne Migrationshintergrund in Deutschland ist.

      Fakt ist: Deutschland funktioniert auch wenn wir alle Flüchtlinge der Welt aufnehmen. Deutschland funktioniert auch, wenn wir alle Weißen durch andere Hautfarben ersetzen, von mir aus auch mit nur 50 Millionen. Es muss eben nur mehr und gerechter gebaut werden. Keine Villen mehr, Wohnungsgrößen zwischen 50 und 100 Quadratmeter je nach Familienstand, Leerstände verbieten, bestehende Villen zu Sozialwohnungen umbauen.

  • "Die Linke will enteignen. Die SPD will den Markt regulieren. Wer ist die Berliner Mieterpartei?" - Die Antwort ist simpel: Keine von beiden.



    Beide Ansätze sind sehr wahrscheinlich verfassungswidrig und damit schlechter als Nichtstun. Und selbst wenn diese Ansätze nicht verfassungswidrig wären, sind sie immernoch keine Lösung. Das Hauptproblem ist ein Wohnungsmangel, den beide Ideen massiv verstärken anstatt ihn zu lösen.



    Und es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass eine rot-rote Landesregierung unter einem Gewissen Klaus W. es war, die rund 600.000 landeseigene Wohnungen verhökert hat. Die selben Figuren wundern sich nun über hohe Mieten und gerieren sich als Retter der Menschen vor den selbst verursachten Problemen...

    • @Samvim:

      Ja, Sarrazins Missetat, um den Finanzsenator damals auch zu nennen, der sich dessen regelrecht brüstete. Zu einem Schleuderpreis pro m² übrigens auch noch. Anstatt die langfristige Magnetwirkung einer Bundeshauptstadt einzukalkulieren, wie bei anderen Staaten die Regel.



      Wohnungsmangel entsteht durch Zuzug, durch ineffiziente Belegung. Die wiederum durch fehlende Witwenwohnungen in der Ecke, durch Alt- vs. Neumiete, ...



      Wer da gute Rezepte findet, hätte den Nobelgedächtnispreis für Wirtschaft redlich verdient. Was der Sozialdemokratie in Hamburg für eine Weile gelang, ist nicht unbedingt übertragbar.



      Einen sehr verzerrten und besonderen Markt regulieren kann verfassungskonform sein. Enteignung hat sogar einen eigenen Artikel, und bewusst so.



      Lieber wäre mir: Jedem genügend Geld für eine schlichte Wohnung oder ein Zimmer (ja: Umverteilung mal nach unten statt andersherum). Keine Bezuschussung von Eigentümern durch "Wohngeld" o.ä. Und das Knappheitszeichen Miethöhe beibehalten, egal ob es eine alte oder neue Miete ist. Dann sind die Anreize deutlicher, den fiesen Discounterparkplatz zumindest mit Wohnungen zu überbauen etc. Und den Leerstand oder Mehrfachwhg. aufs Minimum zu bringen

    • @Samvim:

      Geschickt. Erst die Mieten explodieren lassen und dann eine rot-rote Mehrheit mit irgendwelchen Versprechungen zur Lösung des Problems holen wollen. Klaus W hat wenigstens zugegeben dass der die Stadt systematisch arm hält („Arm aber sexy“) - wo käme man hin wenn ein breiter Wohlstand ausbrechen würde und rot-rot keine Mehrheit mehr holt und alle auf einmal die Partei der Besserverdienenden wählen.

  • Ich bin ja mal gespannt, wie die verstaatlichen Wohnungen in 20 Jahren aussehen. Die Löhne der Handwerker steigen, die Materialien steigen und Berlin soll ja CO" neutral werden. Dafür muss dann auch noch viel Geld in die Hand genommen werden.



    Dafür könnte ja dann der Länderfinanzausgleich herhalten. Hamburger Mieter zahlen einen Soli damit die Berliner Mieten nicht steigen.

    • @Bernd Simon:

      Sehen Sie sich einfach die Wohnungen der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften an.

      Die besitzen viele ihrer Häuser seit der Nachkriegszeit.

      Sind meist in einem vernünftigen Zustand.

  • Wer im Berliner Mieterverein ist oder Zugang zu dem Mietermagazin hat, kann dort in der neuesten Ausgabe nachlesen, dass auch die städtischen Wohnbaugesellschaften ganz kräftig an der Mietpreisspirale drehen und mitwirken.



    Ohne Subventionen aus öffentlichen Mitteln wird Wohnraum für den Durchschnittsverdiener nicht mehr finanzierbar sein.

    • @Ratio:

      Diese Subventionierung gibt es bereits, nennt sich Wohngeld.

    • @Ratio:

      Genau wie in Hamburg. Die städtische Saga (größter kommunaler Vermieter in der BRD) machte 2024 einen Rekordgewinn von 283 Millionen Euro, der in den allgemeinen Haushalt floß, statt Saga-Mieten und damit den Mietspiegel zu senken. Pflege der Grünanlagen und Reinigung, Handwerksdienste wurden outgesourct, Hausmeister eingespart.

      • @Lindenberg:

        Genau darum geht es immer: Gewinn, möglichst Rekordgewinn!



        "JEDE Alltagshandlung wird zu Geld gemacht!!" (Harald Welzer)

    • @Ratio:

      Was sollen die Wohnungsbaugesellschaften oder Genossenschaften denn machen. Investitionen in den Bestand müssen sein, wenn man die Wohnungen noch längere Zeit vermieten möchte. Nur sind diese Kosten analog den Kosten eines Neubaus auch in den letzten Jahren um den Faktor x gestiegen.



      Wer keine Lösung hat (zugegeben ich auch nicht) brüllt einfach direkt immer nach dem Staat und Subventionen. Praktisch jeder, welcher im normalen Wirtschaftsleben versagt. Bauern, Verkehrsbetriebe, Immobilienbesitzer, Umweltschützer, Gastronomen etc. Dabei sollte man sich aber auch einmal eingestehen, das man sich neu orientieren müsste, statt ein totes Pferd zu reiten, das nur durch staatliche Mittel noch am leben gehalten wird.



      jedenfalls kann ich schon verstehen, das die Geberländer im Finanzausgleich nicht einsehen, das Berliner (Wohn-)Versagen über Jahre zu alimentieren.

      • @Oleg Fedotov:

        Das Berliner(Wohn-)Versagen gibt es flächemdeckend.



        Glauben Sie, in Rhein-Main oder vergleichbar sieht es besser aus?



        Wir brauchen Lösungen und Antworten, wie Wohnen bezahlbar wird.



        Kapitalgesteuerter Irrglauben wird nicht zum gewünschten Erfolg führen.

    • @Ratio:

      Ja, und zugleich: Wenn z.B. Kinder wieder ganz normal draußen auf der Straße spielen können (statt Auto-Wild-West), werden Kinderzimmer-Bedarfe wieder ganz anders.



      Und vielleicht muss auch einfach mal die Verteilung von oben nach unten gehen statt andersherum. Das entspannt die Lage nämlich dann auch.

      • @Janix:

        Das nennt man Gentrifizierung, welche natürlich grundsätzlich negiert wird.



        Die Besserverdienenden glauben, ein Exklusivrecht auf Wohnen in den Städten zu haben.



        Das Prekariat darf dann per Deutschlandticket in die Städte fahren, um denen auch noch für Dumpinglohn die Treppenhäuser zu putzen.

      • @Janix:

        Sorry aber die Idee das Kinderzimmer kleiner werden können nur weil die Kinder draußen spielen ist Boomer Unfug. Das Wetter in Deutschland gibt das einfach nicht her, dazu sind Kinder nur relativ kurz im Alter wo sie draußen spielen, dann werden Computerspiele, Social Media etc. interessanter.

        • @Machiavelli:

          Warum installiert der Staat draußen keine Steckdosen? Dann gingen sie auch mal vor die Tür.

        • @Machiavelli:

          Und wenn es Boomer-Unfug (Ihre Wortwahl) wäre, dass Kinder mit dem Auto zum Sport gefahren werden, statt die Parkplätze zum Sportplatz umzuwidmen? Dass Kinder ausgeschimpft werden, weil mal der Ball ans Blech geht?

          Und dass in Deutschland jemals ein Wetter ist, wo kein Kind raus könnte, was es meist auch sich austobend will, wenn man's nicht elektronisch drinnen stillstellt, da haben Discounter ganz brauchbare Regenklamotten oder Handschuhe: ehrlich: Ausnahme, auf die mensch nicht optimieren sollte.







          Noch mal ausbuchstabiert: gemeinsame Lösungen sparen Platz und Geld. Das gute Freibad die teuren mickrigen Privatpools. Der Park in Stadt oder Land die "eigene" Großhandtuchfläche. Ohne die Autofixierung und wieder mit Infrastruktur stattdessen machen wir uns das Leben billiger.

    • @Ratio:

      Dann müssen bald die Steuern erhöht werden, wenn so viele Bürger Subventionen für Wohnkosten bekommen sollen.



      Eine andere Lösung wäre, die Baukosten spürbar zu senken, damit endlich mehr Wohnraum neu gebaut wird.

    • @Ratio:

      Er ist finanzierbar und er wird es bleiben aber halt nicht in der Traumlage da verdrängt die obere Mittelschicht.

      • @Machiavelli:

        mir drängt sich immer mehr der eindruck auf, dass Sie von wohnungsbau und wohnraumfinanzierung absolut keinen blassen schimmer haben. der markt stellt aus eigenen mitteln und antrieb keinen wohnraum für einkommensschwache bevölkerungsgruppen zur verfügung. das liegt in der logik der kapitalverwertung begründet. und da bauen teuer ist, kann bezahlbarer wohnungsneubau nur mittels öffentlicher investitionen entstehen – als investition in eine soziale infrastruktur also, auf die all die lohnabhängigen angewiesen sind, deren arbeitskraft entweder nicht nachgefragt ist oder im sinne der privaten profitschöpfung so billig verwertet werden muss, dass ihnen am ende zu wenig zum leben bleibt.

        • @Pflasterstrand:

          Es gibt bei Neubauprojekten häufig die Vorgabe Sozialwohnungen zu bauen. Allerdings macht dies dann für den Rest teurer. Das muss ja quer finanziert werden. Ansonsten scheint es in Berlin ja genug Wohnungen zu geben, wenn man sich eine 350 Hektar große Fläche rein zur Freizeitbespaßung gönnt.

  • Was mir immer noch nicht einleuchtet, wenn Berlin genug „Bares“ für die Vergesellschaftung aufbringen kann, warum wird die Kohle dann nicht lieber für eine städtische Bestandserweiterung genutzt. Dicke politische Bretter müssen doch auf jeden Fall gebohrt werden, bevor die Wohnungssuchenden davon profitieren können. Aber so müsste das zusätzliche Angebot durch die nicht profitorientierte Staatsbeteiligung ja zu mehr günstigerem Wohnraum führen, wenn die bisher vorgebrachten Parameter stimmen. Das wiederum sollte doch auch automatisch die Preise im bisherigen Bestand entspannen.

    • @vieldenker:

      Dann müsste man sich mit zwei Dingen auseinandersetzen, die man schon bei der Enteignung ausblendet.

      1. Der Staat is inkompetent und mit solchen Projekten überfordert. (Wird er auch beim Managment der enteigneten Wohnungen sein

      2. Bauen ist schweineteuer. (Das wird die Sanierung der enteigneten Wohnungen auch).

      Die Mietdebatte ist reaktionäres Träumen von Links, Mieten sind teuer weil Neubau teuer ist. Neubau wird aber nie wieder günstig weil Baumaterialien und Handwerkerkosten dauerhaft hoch bleiben und der gesetzliche Rahmen viel strenger ist als noch in den 1970er Jahren.