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Trumps Ukraine-PolitikUS-Präsident spricht von „Energie-Waffenruhe“

Trump schließt mit Putin einen Diesel-Deal – und attackiert den ukrainischen Präsidenten hart. Fragezeichen über mögliche „Energie-Waffenruhe“.

Aus Berlin und Washington

Mathias Brüggmann und Hansjürgen Mai

Nach seinem Diesel-Deal mit Kremlherrscher Wladimir Putin scheint US-Präsident Donald Trump erst begriffen zu haben, worauf er sich eingelassen hat im Gegenzug zum teilweisen Aufheben der Russland-Sanktionen: Moskau kann aktuell nicht die Dieselmengen bieten, die es auf dem Weltmarkt bräuchte, um die Spritpreise zu senken.

Darüber wurde Trump offenbar so sauer, dass er von der Ukraine verlangte, die Angriffe auf russische Raffinerien sofort einzustellen. Und er forderte den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, der sich dieser Forderung verweigerte, zum Rücktritt auf. „Wir haben Selenskyj gesagt: ‚Mach, was du willst, aber lass den Diesel in Ruhe.‘ Und was macht er? Er greift die Dieselkraftstoffversorgung an“, ereiferte sich Trump am Sonnabend vor einem Flug nach Tennessee. Am Sonntag sprach Trump dann von einer „Energie-Waffenruhe“ zwischen Russland und Ukraine „mit sofortiger Wirkung“, ohne zunächst weiter ins Detail zu gehen. Eine Bestätigung aus Kyjiw oder Moskau gab es zunächst nicht.

„Ich denke, es ist an der Zeit, dass die Ukraine einen neuen Präsidenten bekommt. Ich schlage vor, dass sie einen neuen Führer bekommen, der in der Lage ist, Vereinbarungen zu schließen“, sagte der US-Präsident vor Journalisten vor dem Weißen Haus. Zuvor hatte der ukrainische Staatschef über seinen Telegram-Kanal den Trump-Putin-Deal kritisiert: „Er spielt Russland in die Hände – dass es mehr töten, den Krieg länger führen, Amerika noch weniger respektieren und der Welt noch größere Verluste und Schäden zufügen wird.“

Da hatte das US-Finanzministerium nach der Zusage Putins, russischen Diesel auf den Weltmarkt zu exportieren, die geltenden US-Sanktionen gegen Käuferländer von russischen Ölprodukten bereits ausgesetzt. Einen entsprechenden Erlass bis April veröffentlichte die zum Finanzministerium gehörende US-Sanktionsbehörde Ofac am Sonnabend.

In Russland fehlt der Diesel in der Landwirtschaft

Danach zeichnete sich allerdings ab, dass Russland den von Trump als „Weltproblem“ bezeichneten Dieselmangel kaum mildern kann. Denn seit den nunmehr fast täglichen Angriffen mit ukrainischen Drohnen auf russische Raffinerien muss Russland, der nach den USA und vor Saudi-Arabien zweitgrößte Ölförderer der Welt, selbst Treibstoff importieren. Erst am 30. September hatte die russische Regierung das seit Juli geltende Diesel-Exportverbot verlängert.

Der für den Energiesektor zuständige russische Vizepremier Alexander Nowak sagte derweil, Russland werde 300.000 Tonnen Diesel noch im Oktober exportieren, 500.000 Tonnen im November und 1 Million Tonnen im Dezember. Er wiederholte damit die Angaben Trumps.

Diese Mengen sind angesichts des gewaltigen Sprit-Hungers der USA nur homöopathische Dosen: Täglich werden dort rund 520.000 Tonnen Diesel verbraucht.

Wegen teilweise zerstörter Raffinerien klagen russische Farmen schon jetzt, nicht genügend Diesel für Traktoren und Mähdrescher während der Ernte zu haben, und an vielen Tankstellen sind Diesel und Benzin kaum oder nur noch mengenmäßig begrenzt erhältlich. Denn den Löwenanteil des Diesels verbraucht die russische Armee in ihrem Angriffskrieg in der Ukraine. Um überhaupt genügend Diesel zu haben, wird in Indien, Belarus und Kasachstan zugekauft. Zuvor waren die russischen Diesel-Exporte schon um über 80 Prozent eingebrochen.

China fehlt iranisches Öl

Woher die von Trump und Nowak in Aussicht gestellten russischen Diesel-Exporte von „perspektivisch“ 3 Millionen Tonnen monatlich kommen sollen – wie 2025 –, ist fraglich: „Hauptaufgabe ist die Wiederherstellung der zuvor beschädigten Werke“, unterstrich Nowak noch am 2. Oktober. Erst wenn die Produktion weiter steige, könne auch wieder an Exporte gedacht werden, sagte er vor dem russischen Oberhaus.

Hauptproblem für den globalen Dieselmarkt ist neben der langen Sperrung der Straße von Hormus vor allem, dass Iran wegen der US-Seeblockade kaum noch Öl exportieren kann. Seit dem 26. September ist kein Tropfen iranisches Öl mehr in China angekommen. Peking kämpft nun auch auf den Ölmärkten um Lieferungen von Öl und Diesel.

Im US-Kongress formiert sich derweil Widerstand gegen Trumps Deal. Der republikanische Abgeordnete Brian Fitzpatrick kündigte am Samstag an, dass er einen parteiübergreifenden Gesetzentwurf einbringen wolle, der Präsident Trump hindern soll, die erst kürzlich verabschiedeten Sanktionen gegen russisches Öl aufzuheben. Sowohl Demokraten als auch mehrere Republikaner haben ihren Unmut über Trumps Diesel-Deal mit Putin zum Ausdruck gebracht.

„Auch wenn ich den Wunsch nach niedrigeren Dieselpreisen verstehe, mache ich mir Sorgen, dass die Aufhebung der Sanktionen gegen russisches Öl lediglich die Kriegsmaschinerie des Kremls finanzieren und zu weiterer Gewalt und Zerstörung ermutigen wird – wie wir es in den letzten Tagen erlebt haben“, sagte der republikanische Abgeordnete Michael McCaul aus Texas.

Ein erst vor wenigen Wochen verabschiedetes Sanktionsgesetz hatte dem US-Präsidenten weitreichende Befugnisse erteilt, den wirtschaftlichen Druck auf Russland zu erhöhen. Doch die Entscheidung, diese Maßnahmen auch anzuwenden, liegt laut Gesetz allein beim Präsidenten. Der Diesel-Deal steht laut Kritikern zwar in direktem Widerspruch zum Sanktionsgesetz. Doch Trump hat freie Handhabe, das Importverbot für russische Ölprodukte aus dem Jahr 2022 kurzfristig außer Kraft zu setzen.

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35 Kommentare

  • Barbara Falk

    Mal ganz davon abgesehen, dass die ad hoc „vereinbarten“ Importmengen für den US-Markt unbedeutend sind, und das der Deal an der desolaten Haushaltslage Russlands nichts ändert: Der „Ending Importation of Russian Oil Act“ wurde vom Kongress im April 2022 verabschiedet, seitdem ist es in den USA geltendes Recht, dass der Import von russischem Öl und Ölderivaten verboten ist. Aufheben kann das Gesetz nur der Kongress, der Präsident kann es allenfalls (für maximal ein Jahr suspendieren), vorausgesetzte er legt vorher dem Kongress dar, dass der Zweck des Gesetzes erreicht ist, als da wären: Russland hat seine kriegerischen Handlungen gegen die Ukraine eingestellt, gesteht der Ukrainern zu, frei und unabhängig ihre Regierung zu bestimmen und stellt keine Bedrohung mehr für NATO- Staaten dar.



    Das ist der Hintergrund von Senator Blumenthals Warnung an die Industrie: „Congress is watching you“. Wieso sollte irgendein US-Unternehmen derartige juristische Risiken eingehen?

  • Stefan Mügge

    Russland importiert 176000 Tonnen Diesel aus Südkorea und exportiert angeblich 300000 Tonnen in die USA.



    Das erweckt eher den Eindruck das die Russen gar nichts exportieren können, sondern es sich hier nur um einen dreckigen Vorwand handelt, Selenskyj vorzuführen.

    • Janix

      @Stefan Mügge:

      Trump führt den Kongress bei dessen Kernbereichen demonstrativ vor, solange er noch eine Mehrheit von Getreuen hat.

      Er bezeigt Putin seine Loyalität, solange der vielleicht ein uneheliches Kind in Russland oder was auch immer beschweigt.

      Wie dieses Land ein verbessertes System wie auch andere Personen an den Hebeln bräuchte - bzw. Courage bei den jetzigen!

  • Martin Rees

    Dieser "Deal" ist offenbar schon wieder Makulatur:



    Bei faz.net



    "Trump verkündet „Energie-Waffenruhe“ – Ukraine meldet Angriff auf Kraftwerk



    12.10.2026, 05:31"



    'Very stable Genius' und Dealmaker, der POTUS irrlichternd...

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Martin Rees:

      Na ja. Weder in Moskau, noch in Kiew wurde der Deal bestätigt. Offenbar war Trump der Einzige, der davon wusste.

  • Oskar Muster

    Der läppische Schachzug von Trump vor den Midterms noch schnell einen Schuldigen für den knappen Diesel zu finden, wird doch von jedem Deppen durchschaut (Amerikaner mal ausgenommen). Und ich dachte auch immer, Russland habe zur Zeit selbst ein großes Dieseldefizit. Was es nicht alles gibt.

    • Encantado

      @Oskar Muster:

      "Der läppische Schachzug von Trump vor den Midterms noch schnell einen Schuldigen für den knappen Diesel zu finden, wird doch von jedem Deppen durchschaut (Amerikaner mal ausgenommen)."



      Na dann reicht's doch, oder?



      Ernsthaft, natürlich sieht der große Teil der US-Amerikaner das. Die Frage ist, ob es langt, um einen Teil der Wähler zu benebeln. So a la 'Der tut was'. Darauf zielt es ja.

  • Machiavelli

    Donald Trump hat die Wahrscheinlichkeit eines russischen Angriffs auf Rest-Europa gerade massiv erhöht.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Machiavelli:

      Wir reden über ein paar Liter Diesel und ein paar Dollar...

      • Machiavelli

        @warum_denkt_keiner_nach?:

        Es kommt darauf an wie die nachricht in Russland interpretiert wird. Putin sieht trump als schwach einfach h zu korrumpieren und ohne stehvermögen.

        • warum_denkt_keiner_nach?

          @Machiavelli:

          Ja. Putin sind die "Qualitäten" von Trump völlig klar. Schon lange. Es hat sich also nichts geändert.

          Eine Änderung kann eigentlich nur jemand vermuten, der immer noch glaubt, die USA wären für die Sicherheit der EU relevant.

          • Machiavelli

            @warum_denkt_keiner_nach?:

            Das Problem ist, dass es die USA relevant sind. Und die bisherige Ambivalenz, ob die USA Europa verteidigen würden, zerfällt zunehmend. Wir brauchen die USA für die Masse, die ein moderner Krieg erfordert.

            • warum_denkt_keiner_nach?

              @Machiavelli:

              Die USA haben die EU Staaten so lange unterstützt, wie es ihren globalen Interessen diente. Diese Zeit ist vorbei. Die USA sehen heute ihre Interessen wo anders. Und dabei ist es völlig egal, ob in der EU noch jemand glaubt, sie brauchen zu müssen. Der US-Amerikaner werden nicht kommen. Das zu bereifen, ist der erste Schritt, um auf eigenen Füßen zu stehen. Es nützt nichts, einer verflossenen Liebe nachzulaufen.

              • Machiavelli

                @warum_denkt_keiner_nach?:

                Natürlich und deswegen brauchen wir das Sondervermögen und deswegen brauchen wir die Wehrpflicht.

                • warum_denkt_keiner_nach?

                  @Machiavelli:

                  Bei der Wehrpflicht stimme ich zu. Beim Sondervermögen nicht. es verhindert, Geld intelligent einzusetzen. Zur Zeit wird gekauft, was im Regal steht. Ohne Rücksicht auf den Sinn. Wir brauchen z.B. bestimmt keine 1000 veralteten Panzer. Und es ist angesichts der rasanten Entwicklung auch nicht sinnvoll, große Drohnenlager anzulegen. Wenn die Dinger gebraucht werden, sind sie längst veraltet.

    • Mondschaf26

      @Machiavelli:

      Rest-Europa...

  • Fritz Lang

    Na, dann können ja die Europäer darauf verzichten die versprochenen Dieselmenge der strategischen Reserve freizugeben. Das wird ja Putin jetzt unverzüglich liefern ...

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Fritz Lang:

      Nein. Die "Europäer" können doch unmöglich darauf verzichten, Trump Wahlhilfe zu geben 😉

  • Jungle Warrior

    Jetzt mal ganz ehrlich. Macht er das Absicht oder ist das Psychose ? Ich kenne solche Leute. Die haben allerdings keine Macht. Die bekommen Medis dagegen.

  • PeterArt

    Der einige Trost bei diesem unsäglichen Vorgang liegt darin, dass jede Drohne, die eine russische Erdölanlage beschädigt, jetzt auch den Thron des Verräters Trump etwas zum Wackeln bringt.

  • Zange

    So dumm ist das doch gar nicht. Die Russen müssen liefern oder die Sanktionen sind ganz schnell wieder eingesetzt. Sie können aber nicht liefern. Wir peinlich ist das denn. Trump wird schnell erkennen, dass Putins Russland seine Verträge nicht einhält und Dinge verspricht die es nicht halten kann. Wenn Trump sagt: "macht was ihr wollt aber Hände weg vom Diesel" ist das eine beachtliche Entwicklung. Es gab Zeiten in denen er die Kapitulation Kiews gefordert hat. Trump, Putin und Selenski sind sich wahnsinnig ähnlich bzw ähnlich wahnsinnig. Deswegen ist diese ménage à troi auch so stabil. Die drei verstehen sich gegenseitig sehr gut. Das ist wahre Liebe.

    • Encantado

      @Zange:

      "Trump wird schnell erkennen, dass Putins Russland seine Verträge nicht einhält und Dinge verspricht die es nicht halten kann."



      Warum? Das ist doch schon länger so.



      Im Allgemeine weiß Trump sowieso nicht mal, was er selber gestern versprochen hat.



      "Trump, Putin und Selenski sind sich wahnsinnig ähnlich bzw ähnlich wahnsinnig. Deswegen ist diese ménage à troi auch so stabil. Die drei verstehen sich gegenseitig sehr gut. Das ist wahre Liebe."



      Bitte? Was verstehe ich hier nicht?

  • ferry

    Trumps Zorn trifft den Falschen?



    Welcher Narzist hätte je Selbstkritik geübt.



    (Noch dazu wenn er derart dümmlich durch die Weltgeschichte stolpert)

  • Gerald Müller

    Selenski sollte sich hier etwas vorsichtiger verhalten. Wenn die USA Starlink abschalten und der UA keine Satellitenaufklärungsdaten geben dann kann die ukrainische Armee nach Hause gehen. Das können die Europäer nämlich nicht ersetzen.

  • A.S.

    Trump, trump, trump... gibt's nicht mal was lustiges als diesen clown? Wenigstens einen Tag in der Woche?

    • Minderleister

      @A.S.:

      Über den ist wirklich alles gesagt worden, und diesmal auch von allen.

    • realnessuno

      @A.S.:

      Das frage ich mich auch. Man muss den Clowns dieser Welt nicht noch mehr Platz bieten, sie besetzen sowieso schon zuviel von unserer Aufmerksamkeit (und in Pressekanälen usw).

  • Nilsson Samuelsson

    Das Gespann aus dem Amerikanischen und Russischen Präsidenten galoppiert offenbar mit zwei irre geworden Pferde auf den Abgrund zu - zurück in das schon längst in Flammen stehende Stall der Fossilwirtschaft.

    Wir sollten diesen beiden (mitsamt ihren überreichen Freuden) schnell der Rücken kehren, vom Wagen abspringen, damit wir nicht mit ihnen in den Abgrund oder ins Feuer mitgerissen werden.

    Je früher desto besser.



    Einen schönen Tag noch.

    • Pico

      @Nilsson Samuelsson:

      Wir können "abspringen", rauf und runter springen, nach links oder rechts, kurz, wir mit unseren Ausstoß, ändern nichts. Es müssen sich schon die Großen bewegen, dazu gehört vor allem die USA, China, Indien und auch Russland. Aber wichtig sind die beiden Erstgenannten. Wobei China hier durchaus vorbildlich agiert.

  • Mondschaf26

    Die Zahlen waren wohl zu groß für den POTUS... Da war er überfordert.

  • Perkele

    Es ist nicht leicht zu beurteilen, welcher der beiden durchgeknallten Potentaten der Schlimmere ist. Leidtragend ist in jedem Fall die Bevölkerung der Ukraine. Europa darf sie auf gar keinen Fall im Stich lassen, jetzt erst recht nicht.

  • mwinkl02

    Angesichts der Midterms war jeglicher Wahnsinn zu erwarten. Gut das dem deutschen Kanzler die Worte wegbleiben. Was man bis zum 3.11. auch sagen wird, es wird falsch sein.

  • Pico

    Die USA könnten auch den Krieg gegen den Iran beenden. Es könnte wieder mehr Öl auf den Weltmarkt gelungen und die größten Probleme bezüglich Öl + Diesel wären gelöst.

    • hsqmyp

      @Pico :

      Ja, sehr richtig. Aber so etwas wird hier öffentlich nur von Putin verlangt, völlig zu recht.



      Nicht aber von unseren (ehemaligen) Verbündeten und „Wertepartnern“ USA und Israel, die den nahen Osten gerade in Brand stecken.

  • Janix

    Vielleicht noch einfach ein weiterer Nagel in den kommenden Sarg von Fossils hierzulande.



    Wobei politisch gerade Europa eigentlich große Dieselvorräte vom Markt wegkaufen könnte, um Trumps Wahlchancen endgültig zu garrotieren.