Russische Truppen an Grenze zur Ukraine: USA werfen Moskau Aufstockung vor

Nach russischen Meldungen über einen Teilabzug spricht Washington vom Gegenteil: Es wirft dem Kreml vor, weitere 7.000 Mann entsandt zu haben.

Auf diesem Videostandbild des Pressedienstes des russischen Verteidigungsministeriums wird ein russisches gepanzertes Fahrzeug nach dem Ende von Militärübungen in Südrussland auf einen Bahnsteig verladen

Das Ende des Manövers? Ein russischer Panzer wird in Südrussland auf einen Bahnsteig verladen Foto: picture alliance/dpa/Russian Defense Ministry Press Service/AP | Uncredited

WASHINGTON taz | Die Lage an der ukrainisch-russischen Grenze wird immer undurchsichtiger. Nachdem die russische Regierung gemeldet hatte, einen Teil der dort stationierten Truppen abzuziehen, wirft die USA dem Kreml nun vor, sich in Wahrheit weiter auf einen Krieg vorzubereiten.

„Wir können bestätigen, dass Russland in den vergangenen Tagen seine Truppenstärke entlang der ukrainischen Grenze um bis zu 7.000 Mann aufgestockt hat. Ein Teil davon ist dabei erst heute angekommen“, sagte ein ranghoher US-Beamter in einem Telefongespräch mit Journalisten am Mittwoch (Ortszeit). Wie es zu diesen neuen Erkenntnissen gekommen sei, wollte die Regierung nicht preisgeben. Zuvor hatte bereits Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg zur Vorsicht gewarnt und erklärt, dass es bis jetzt keinerlei Anzeichen einer Deeskalation von russischer Seite geben würde.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Olaf Scholz am Dienstag einen teilweisen Truppenabzug verkündet. Das wurde in den US-Medien und auch international als Zeichen einer möglichen Deeskalation gesehen. Das russische Verteidigungsministerium hatte am Mittwoch gemeldet, mehrere Einheiten, die an Übungen auf der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim beteiligt waren, kehrten nun zu ihren Standorten zurück. Das Ministerium veröffentlichte ein Video, das einen Zug bei Dunkelheit mit Panzern und anderen Militärfahrzeugen auf der Krim-Brücke zeigt.

Washington warnte auch davor, dass Russlands vermeintliche Bereitschaft zu diplomatischen Verhandlungen eine reine Inszenierung sei. “Alle Anzeichen sprechen dafür, dass sie nur öffentlich über Verhandlung und Deeskalation sprechen, aber im Privaten für einen Krieg mobilisieren“, so der US-Beamte.

Harris und Blinken bei Münchner Sicherheitskonferenz

In Washington wird weiterhin davon ausgegangen, dass Russland jederzeit einen falschen Vorwand anführen könnte, um eine Invasion der Ukraine zu rechtfertigen. Die US-Regierung verweist in diesem Zusammenhang auf jüngste russische Medienberichte. Laut diesen Berichten seien die USA und die Ukraine gerade dabei, biologische und chemische Waffen zu entwickeln. Außerdem sollen demnach vom Westen unterstützte Guerillakämpfer Zivilisten töten. „Wir wissen nicht, welchen Vorwand die russische Regierung letztendlich anführen wird, doch wir hoffen, dass die Welt dafür bereit ist“, so der Beamte weiter.

Trotzdem wollen die USA in den kommenden Tagen weiter an einer diplomatischen Lösung zur anhaltenden Ukraine-Krise arbeiten. Der zentrale Schauplatz dafür könnte die bayerische Landeshauptstadt sein, wo an diesem Wochenende die Münchner Sicherheitskonferenz stattfindet. US-Vizepräsidentin Kamala Harris und Außenminister Antony Blinken werden der Konferenz beiwohnen.

Laut Regierungs-Informationen beabsichtigen beide, sich am Rande der Konferenz zu bilateralen Gesprächen mit europäischen Verbündeten zu treffen. Auch eine Delegation von US-Kongressabgeordneten und Senatoren wird in München zu Gast sein.

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