Rechtsextreme Gewalt: Die Hunde Deutschlands

Chemnitz, Hanau oder die NSU-Morde. Rechte Gewalt ist in Deutschland allgegenwärtig. Daran sind auch die Kompliz_innen des Faschismus schuld.

Ein Comic-Hund sitzt in einem brennenden Zimmer

Comic von KC Green: Ist der Hund selbst der Brandstifter? Die Frage bleibt ungeklärt Foto: Kc Green/Gunshow Comic

Mit seinen großen, gutgläubigen Augen, einem kleinen Hut und einem zuversichtlichen Lächeln sitzt der braune Hund auf einem Stuhl an einem Tisch, vor ihm eine Tasse Kaffee oder Tee. Über ihm ziehen dicke Rauchwolken die Zimmerdecke entlang, hohe Flammen lecken über den Boden, von dort aus nach oben. Der Hund lässt sich von den Umständen nicht beirren. Warum jetzt in Panik ausbrechen?

„This is fine“, sagt er zu Beginn im Comicstrip „On Fire“ des US-amerikanischen Zeichners KC Green. Er trinkt noch einen Schluck und sagt: „Ich komme mit den derzeit ausbrechenden Ereignissen zurecht.“ Dann fängt sein Arm eine Flamme. Auch sein Hut und sein Bauch beginnen zu brennen. „Das ist okay“, sagt er dazu, „alles wird okay.“ Im sechsten und letzten Comicpanel schmilzt sein Gesicht, die Augen quillen aus ihren Hüllen. Er sieht nicht okay aus.

Der Comic wurde im Netz vielfach geteilt und auf verschiedene Situationen angewandt. Für mich ist das Zimmer Deutschland. Die Flammen setzen sich zusammen aus: dem terroristischen Anschlag in Hanau, den rechten Pogromen von Chemnitz, dem Mord an Walter Lübcke, dem terroristischen Anschlag in Halle, aus Solingen, Mölln, Lübeck, Rostock-Lichtenhagen, außerdem Nordkreuz, Hannibals Schattenarmee, Teutonico, der Mordserie des NSU, rechtsradikale Sprüche über den Polizeifunk und in -gruppenchats, da ist noch mehr, ich verliere den Überblick.

Und der Hund? All jene Kompliz_innen des Faschismus, die das Label „bürgerliche Mitte“ bevorzugen. Vielleicht hätte der Hund ein Pferd sein müssen, wegen Hufeisen und Steigbügelhaltern, doch das könnte zu Täuschungen führen: Faschismus ist kein Ponyhof. Hunde hingegen sind oft im Spiel. Sie tragen Namen, wie etwa Friedrich Merz, das Comeback der 2010er Jahre, um das niemand gebeten hat. Seine Strategie gegen rassistische Gewalt? Verstaatlichte rassistische Gewalt.

Die Hunde Deutschlands

Oder Joachim Gauck, der bei einer Lesung aus seinem Buch Toleranz für die AfD und ihre Anhänger_innen fordert. Die Partei sei ja nicht verboten, also müsse man sie in den Dialog einbinden. Außer, die AfD wünsche sich den Faschismus, dann müsse man mit „kämpferischer Intoleranz“ reagieren. Ich weiß nicht, welche Notiz er verpasst hat, Verbrechen an der Menschheit waren selten zu seiner Zeit illegal. In der AfD gibt es Politiker wie Faschist Höcke. Ergo: Die Partei und ihre Wähler_innen sind profaschistisch. Und du kannst Faschismus nicht einfach ghosten und hoffen, dass er von allein dein Signal versteht.

Wir können im Comic nicht erkennen, warum das Feuer überhaupt in dem Zimmer ausgebrochen ist. Hat jemand einen Molotowcocktail durch das Fenster geschmissen? Oder, was viel plausibler erscheint, hat der Hund herumgekokelt, mit Feuer gespielt, Benzin über den Boden gegossen? Ist der Hund selbst der Brandstifter?

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Hengameh Yaghoobifarah studierte Medienkulturwissenschaft und Skandinavistik an der Uni Freiburg und in Linköping. Heute arbeitet Yaghoobifarah als Autor_in, Redakteur_in und Referent_in zu Queerness, Feminismus, Antirassismus, Popkultur und Medienästhetik.

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