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Neue Regierung in Baden-WürttembergEin schwäbischer Vegetarier bedroht Markus Söder

Es sieht nicht gut aus für Bayerns Ministerpräsidenten. Erst das miese Ergebnis bei den Kommunalwahlen und jetzt auch noch der Özdemir im Ländle.

D'Schwob Özdemir bedroht Weißwurst Markus Foto: Bernd Weißbrod/Reuters

M ultiple Krisen können einen Menschen verändern, sogar Gottes Geschenk an die Menschheit: Markus Söder (CSU). Bisher kannten wir den bayerischen Ministerpräsidenten auf Social Media nur von Würsten umgeben, mit Hamburgern, Dönern oder Adventskerzen posierend. Er war natürlich immer gut gelaunt, weil Bayern eben der schönste Fleck auf Gottes schöner Erde ist. Und er, Söder, machte diesen Fleck fortwährend noch schöner.

Doch zum großen Schreck Deutschlands nun dies: Der Bayer ist glattrasiert, trägt vermehrt Krawatte und postet nur noch fleischlosen Content. Der Hashtag #soederisst – ist weg. „Die Lage ist zu ernst“, ließ Söder in einem Interview mit der Bild-„Zeitung“ verlauten. Vorher war demnach die Lage nicht ganz so ernst. Da gab es nur den Ukrainekrieg, die Energiekrise, Inflation, die Rückkehr Trumps ins Weiße Haus, die Coronapandemie und die Erderwärmung.

Jetzt hingegen: Merz ist an der Macht und versucht zu regieren. Da kann man schon nachvollziehen, dass er sich um Deutschland, vor allem aber um Bayern Sorgen macht. Gleichzeitig haben seine eigenen Leute gewagt, Unmut wegen #söderisst zu äußern, zumal die jüngsten Kommunalwahlergebnisse der CSU ein historisch niedriges Ergebnis bescherten. Es war die fünfte landesweite Wahl unter Söder, bei der die CSU Verluste einfuhr.

Der bayerische Ministerpräsident postet nur noch fleischlosen Content

Ganz im Norden schüttet man bereits eimerweise Spott über Söder aus: „Früher, als die CSU in Bayern sehr erfolgreich war, haben wir ja wirklich immer voller Stolz darauf geguckt“, so Daniel Günther (CDU), Regierungschef in Schleswig-Holstein. Damals seien viele aus der CDU nach Bayern gepilgert, als es dort noch erfolgreiche Ministerpräsidenten gegeben habe. „Jetzt ist es halt umgekehrt so, dass Markus Söder mal nach Schleswig-Holstein fährt, um mal wieder dieses Gefühl zu haben, dass man auch Über-40-Prozent-Ergebnisse holen kann.“

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Als sei das nicht schlimm genug, droht nun auch noch Ungemach aus der Nachbarschaft: Der frisch vereidigte grüne Ministerpräsident Cem Özdemir kündigte an, Baden-Württemberg werde unter ihm „an Bayern vorbeiziehen“. Allerdings werde man in Stil und Auftritt „bescheidener“ sein. Käsespätzle statt Schweinshaxe. Für Söder ist diese Kampfansage das schlimmstmögliche Horrorszenario: von einem Vegetarier besiegt zu werden.

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Silke Mertins
Redakteurin Meinung
Kommentatorin & Kolumnistin, Themen: Grüne, Ampel, Feminismus, Energiewende, Außenpolitik
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25 Kommentare

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  • Nach dem Dieter Nuhr Bashing hätte ich eigentlich jetzt eine bessere Satire erwartet. Zumindest besser recherchiert. Schade.



    Zumal die Union schon bei Cem Özdemir abgekupfert hat.



    Für die Stadtbild Debatte hätte Friedrich Merz eigentlich Gebühren überweisen müssen. Das Urheberrecht hat Cem Özdemir.



    taz.de/Migrationsdebatte/!6040628/



    Andererseits hat Özdemir die Berliner, also Bundes -Grünen als Schwesterpartei bezeichnet. Das Copyright liegt bei der CSU. Zumal die Laudatio auf Winfried Kretschmann kein geringerer als Horst Seehofer gehalten hat. Vielleicht sind sich die Union und die Grünen, also das Bündnis Cem Özdemir (BCÖ) im Südwesten sich näher als die Grünen im Bund. Die schickt sich ja an die neue Blockpartei der Linken zu werden. Da passt kein Blatt Papier mehr dazwischen. Bestes Beispiel für die Entfremdung zwischen BCÖ und Grüne: auf den Wahlplakaten im Südwesten ardie Sonnenblume kaum auszumachen. Dafür. War ein verstoßener Ex- Grüner der große Wahlkampfhelfer. Boris Palmer die Bundespartei kam erst auf den Plan als.die Ernte eingefahren war und der Erfolg verteilt wurde. Also liebe taz, start hämischer Hetze mehr Özdemir wagen.

  • Wahrscheinlich sind die Auftritte der MP unterschiedlicher Provenienz auch Machwerke aus PR-Agenturen.



    Deren Credo ist bekannt.



    "...„Die Aufmerksamkeit anderer Menschen ist die unwiderstehlichste aller Drogen.“ So heißt es gleich zu Beginn der alle Aufmerksamkeit verdienenden Abhandlung von Georg Franck mit dem klar-sachlichen und eben deshalb überraschenden Titel Ökonomie der Aufmerksamkeit"



    Quelle deutschlandfunk.de



    Weiter dort:



    "Und erst für den älter Gewordenen, der so viel Aufmerksamkeit anderer erhalten hat, daß er gewissermaßen eine Rücklage gebildet und Aufmerksamkeits-Kapital angelegt hat, wodurch er Kränkungen und Nichtbeachtung eine Weile zu überstehen vermag, kann es so scheinen, als sei die Aufmerksamkeit anderer für das eigene Tun und Lassen eine angenehme Dreingabe."



    Wahrscheinlich geht es schon um die Pole-Position für die Nach-Merz-Zeit.

  • Was ist Höchststrafe für Söder? Von einem Kieler „Layla"-Populisten versprottet zu werden.

    • @Mondschaf26:

      @ Mondschaf26



      Oder vielleicht einer ordentlichen Beschäftigung in dem " Familienunternehmen " seiner Gattin , der Baumüller-Gruppe Holding GmbH & Co KG mit Sitz in Nürnberg und über 20 Standorten weltweit, nachzugehen. Aber vielleicht schafft der Markus ja durch seine Verbindungen durch die Politik ja auch schon beste Voraussetzungen für weiteren Wachstum & höhere Rentabilität der Baumüller-Gruppe Holding GmbH & Co KG.



      Etwas an den Arbeitszeitregelungen & Arbeitnehmerrechten " rumschrauben " - is doch auch schon was, fürs Unternehmen.

  • Bescheidener als Söder ist simpel. Zukunftsträchtiger auch. Söder hat "amerikanische" Ich-Oberflächlichkeit in die Ex-Volkspartei CSU getragen, was für das Land wie die Partei schlecht war. Solche Leute macht mensch eigentlich ganz schnell zum Konsul in Timbuktu.



    Özdemir kann durchaus auch Medien bedienen, da dürfte der Korrekturfaktor mitdenkende Partei aber deutlich besser greifen.

    • @Janix:

      Welche Partei? Wenn man von irgendwo her nach Baden-Württemberg pünktlich zum Wahlkampf gekommen ist und nichts von Cem Özdemir wusste, dann war seine Partei nicht bekannt. Von der hat er sich wie mit einem Skalpell getrennt.



      Allerdings die Mitternachtshochzeit beim Ex Grünen ,,Schmuddelkind" Palmer war schon wie aus dem Drehbuch einer Romanze. Und so haben die Grünen sogar einen verstoßenen Sympathieträger für sich den Wahlsieg holen lassen. Nicht die edlen Hochmoralitäten aus der Bundespolitik. Nur gut das Cem Özdemir nicht politisch verbrannt wurde als er damals seine beruflich erflogenen Bonusmeilen so kreativ eingesetzt hat.

  • Die bisherige Politische Bilanz von Özdemir ist eigentlich mehr durch Scheitern als von Erfolgen geprägt, da braucht niemand Angst zu haben das es jetzt anders wird.

    • @Günter Witte:

      O Sole mio gibt unten Antwort! Gel



      & btw



      Nach flüchtiger Einvernahme ehras Accounts



      Volkers 🫦 hat dafür - Stinkstiefel vD •



      Langweilig - aber wer‘s braucht! Woll

    • @Günter Witte:

      Nach einem Skandaldoppel musste er in die USA und zurück auf Start, auch ist er leider immer noch arg FDPig für einen Grünen, kein Konzepterarbeiter, sondern ein geschliffener Redner. Hofreiter wäre der bessere Landwirtschaftsminister gewesen. Özdemir scheint dabei auch lernen zu können.

      Angst hätte ich aber nun eher beim Bambiauge gehabt, der hoffentlich die vier Jahre nutzen wird.

    • @Günter Witte:

      Es gibt im politischen Diskurs grob gesagt zwei Möglichkeiten:

      1. man argumentiert mit Fakten, erlärt Zusammenhänge und hebt Potenziale und Möglichkeiten hervor.



      2. oder man behauptet einfach irgendwas, macht dabei alle und alles was einem nicht gefällt schlecht, ohne es näher zu begründen.

      ..aber wer wüßte das besser als Sie..







      ;-)

      • @Wunderwelt:

        Von „irgendwas behaupten“ kann keine Rede sein. Die politische Bilanz von Cem Özdemir ist gut dokumentiert – nur eben nicht besonders erfolgreich.



        Als Verkehrsminister blieb die große Verkehrswende aus: Weder eine spürbare Reduktion der Emissionen noch ein strukturierter Ausbau der Schiene wurden erreicht. Stattdessen steigende Kosten, Planungsstau und viel Symbolpolitik.



        Als Agrarminister folgten große Ankündigungen zur Tierhaltung und zum Umbau der Landwirtschaft, aber kaum umsetzbare Konzepte, die bei Landwirten tatsächlich angekommen wären. Viele Projekte scheiterten an Finanzierung, Praxisferne oder wurden vertagt.



        Kritik daran ist kein Populismus, sondern eine Bewertung realer Ergebnisse.

        • @Zippism:

          Hmh..







          Wann war Hr. Özdemir denn bitte Verkehrsminister.?







          de.wikipedia.org/w...n_Verkehrsminister







          Und was seine Leistungen als Landwirtschaftsminister anbetreffen..wenn ich da mal vergleiche mit seinem Nachfolger anstelle, dann schneidet Hr Özdemir doch ziemlich gut ab.







          Anyway..Sie liefern sowas wie eine Diskussionsgrundlage, die vermisse ich beim Beitrag von @Günther Witte..

          • @Wunderwelt:

            Das war eine Verwechslung. Hintergrund ist, dass Özdemir früher im Verkehrsausschuss des Bundestages tätig war und sich dort intensiv mit Verkehrs- und Infrastrukturpolitik befasst hat. Daraus habe ich fälschlich das Ministeramt abgeleitet.An der Kernaussage meiner Kritik ändert das jedoch wenig:



            Auch im Landwirtschaftsressort blieben viele der angekündigten Reformen hinter den Erwartungen zurück.



            Nur weil jedoch sein Nachfolger noch schlechter abschneidet muss man nicht mit der vorherigen mangelarbeit zufrieden sein.

  • Es wäre doch gelacht, wenn es Alpha-Özi nicht gelingen würde Baden-Württemberg wirtschaftlich komplett an die Wand zu fahren, da geht es den Bayern mit Söder noch richtig gut.

  • Kretschmann war ein ernst zu nehmender Gegner, eine grüne Ausnahmeerscheinung im Ländle.



    Es ist erfreulich, dass Cem das Fotofinish für sich entscheiden hat. Schwächer kann eine Wahl allerdings kaum gewonnen werden.



    Die propagierte Zusammenarbeit auf Augenhöhe lässt keine besonders grüne Politik erwarten.



    Wirtschaftlich ist in Baden Württemberg auch kein Überholmanöver zu erwarten.



    Mercedes steht deutlich schlechter da, als BMW. Sowohl, was die Verkaufszahlen, als auch die ( parallel laufende) Elektrostrategie betrifft.



    Bosch hat massiven Arbeitsplatzabbau bereits angekündigt und scheint sich strategisch vom alten Produktionsstandort lösen zu wollen. Länder wie Vietnam nutzen den Verkaufszahlen , aber nicht mehr Deutschland und den Arbeiter*Innen zu Hause.



    Es wäre überraschend, wenn dieser Trend umgekehrt würde.



    Dass Söder nicht mehr isst, scheint tatsächlich der Kritik aus



    der eigenen Partei geschuldet.



    Neben den landeseigenen Rechtsaußen ist die "afd" weiterhin Konkurrenz.



    Es bleibt zu befürchten, dass Söder, um von den innerbayrischen Mißerfolgen abzulenken, wieder deutlicher in die Bundespolitik reinquatscht, das wird "auch nicht" für Harmonie sorgen...

  • Wenn er damit Ministerpräsident bleiben könnte, würde der Markus wohl auch zu den Hubsis, den Blauen, oder den Grünen wechseln. Nur bei den diversen Roten würde er wohl zu recht gar nicht erst mit einem Wahlerfolg rechnen

  • Lasst ihn doch erst einmal starten und ein paar Monate im Amt sein.

  • söder ist mir Wurst.

  • Kompetente Menschen in der Regierung wären für uns als Bevölkerung jetzt wichtiger, als diese ständigen Berufs - Egomanen.

  • Söder wollte damals™ Bundeskanzler werden. Dazu hat er socialmedia-gekonnt jeden Baum umarmt, den er greifen konnte. Auch war er mal als Einweihungskönig tituliert worden, da er lieber in Bayern unterwegs war anstatt in der Staatskanzlei zu sitzen.



    Das jahrelange Mampfen von Burgern hat ebenso wenig was gebracht, wie der streng anmutende Bart.



    Wirksame Politik für Land und Leute hat dieser Landeskönig, pardon Landesfürst, nie gemacht. Man kann ja auch nicht für alles Zeit haben.

    • @Mopsfidel:

      Gegenthese: Er wollte damals nicht. Auf Kosten der anderen Bundesländer leben funktioniert auf Bundeslevel nicht, und er hatte einen hellen Moment, dass die Kandidatur ihn erst recht zu einem zweiten späten Stoiber gemacht hätte.



      Wie er es dann Laschet zuschob, dem es wohl ähnlich ging, um nicht selbst öffentlich zurückzuziehen, war schmerzhaft mitzuverfolgen.

  • Ich stelle mal die zugegeben recht steile These auf, dass die abnehmende Akzeptanz der CSU in der Bevölkerung sehr stark mit dem zunehmenden Bildungsgrad "im Ländle" korreliert.

    • @Bolzkopf:

      Soeder ist MP in Bayern, und "das Laendle" ist Baden-Württemberg, den Zusammenhang verstehe ich nicht, das müssten Sie mir erklären ( aber das liegt bestimmt nur an meinem niedrigen Bildungsgrad...)

      • @Oliver Tripp:

        Ist ja beides irgendwie "da unten".



        Die These ist steil. Zumal Baden-Württemberg dank u.a. Schavan höhere Bildung auch in der Breite hinbekam, was die CSU erst noch hinbekommen müsste.

  • In der Tat, Söder ist unter Druck - allerdings nicht von den Grünen sondern eher von der AfD und den freien Wählern. Und ich habe mal die letzte Meinungsumfrage SW nachgeschaut, Günthers CDU liegt bei 33% (-5%), und die AfD hat 7% zugelegt. Der Kurs von Günther ist vielleicht doch kein Erfolgsrezept.