Mindestalter für Social Media : Ein Verbot ist der Weg des geringsten Widerstandes
Der Ethikrat spricht sich gegen ein Mindestalter für die Nutzung von Social Media aus. Zu Recht, denn es gäbe einen besseren Weg.
Foto: Jens Kalaene/dpa
E s wäre so schön einfach: Ein Mindestalter für die Nutzung von Social-Media-Plattformen wie Instagram, Tiktok oder Snapchat zu beschließen – und schon ließe sich politisch suggerieren, man hätte etwas getan gegen die potenziell negativen Folgen, die eine Nutzung dieser Dienste haben kann. Dass die aktuell verfügbaren Wege zur Altersüberprüfung noch deutliche Haken haben, von mangelndem Datenschutz bis zu mangelnder Verlässlichkeit – egal. Dass die ersten Erfahrungen mit der Altersgrenze in Australien recht durchwachsen sind – nicht so wichtig. Dass selbst die Wissenschaft uneins ist, ob ein Mindestalter zielführend und verhältnismäßig – sekundär.
Der Ethikrat kommt nun in einer Stellungnahme zu einem eindeutigen Fazit: Nein, Altersgrenzen sind hier nicht sinnvoll. Die Expert:innen stellen klar: Restriktive Maßnahmen seien nur dann gerechtfertigt, wenn sich der Schutz nicht anders erreichen lasse oder die Gefährdungen besonders gravierend seien. Beides ist nicht der Fall. Altersgrenzen wären nur der Weg des geringsten Widerstandes, geeignet, Schutz zu simulieren, aber nicht zu gewährleisten.
Für echten Schutz, und zwar nicht nur für Menschen unterhalb der Altersgrenze, wäre etwas viel Aufwendigeres nötig: sich anzulegen mit den großen Social-Media-Plattformen sowie ihre Geschäftsmodelle und deren Auswüchse anzugreifen. Vom Datensammeln im großen Stil bis hin zu manipulativen Designs und Algorithmen, die Nutzende möglichst lange auf der jeweiligen Plattform halten sollen und die auch politische Polarisierung begünstigen.
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