Lindsey Vonn: Aus Liebe zum Sport
Lindsey Vonn wird für ihren Unfall im Netz vielfach verurteilt. Vollkommen ungerechtfertigt: Sie ist eine Ausnahmesportlerin und verdient Anerkennung.
M ehr als 100-mal stand Skirennläuferin Lindsey Vonn nach Turnieren auf dem Podest. Selbst mit Knieprothese gehörte sie noch zu den Besten. Im Jahr 2011 wurde sie Weltsportlerin des Jahres. Sie ist Weltmeisterin, Gesamtweltcup- und Olympiasiegerin. Dennoch erntet Vonn im Netz gerade Schadenfreude und Kritik, weil sie nach einem Kreuzbandriss Ende Januar bei den Olympischen Spielen an den Start ging und sich das Bein brach.
Die Sportschau veröffentlicht ihren Sturz als Reel auf Instagram. Dreimal sieht man, wie sie fällt: in Echtzeit, im Close-up, in Zeitlupe. Wer, abgesehen von Gaffern, die auch bei einem Autounfall stehen bleiben und glotzen würden, profitiert von einer solchen Darstellung einer Sportlerin? Diejenigen, die das für Klicks geschnitten haben, machen mit solchen Beiträgen eine Ausnahmeathletin zur Zielscheibe von Spott und Häme. In den Kommentaren unter dem Kurzvideo wird sie als „unverantwortlich“ verurteilt. Sie sei selbst schuld, schreibt jemand. Kommt davon, wenn man nicht auf seinen Körper hört, ein anderer unter einem YouTube-Video ihres Unfalls. Sie wird als dumm bezeichnet und ihr wird falscher Ehrgeiz vorgeworfen.
Trotz vieler Unfälle ist Vonns Lebensstil mit viel Bewegung und gesunder Ernährung vermutlich gesünder als der vieler Menschen, die sie aktuell von ihrer Couch aus verurteilen. Hätte Vonn so gehandelt, wie es ihr ein Teil der Internetcrowd nachträglich rät, wäre sie im Sport nie so weit gekommen. Viele derer, die Vonn gerade verspotten, verstehen die Einstellung der Sportlerin offenbar nicht im Ansatz. Vonn fährt aus Leidenschaft und Liebe zum Skisport, und das seit knapp 40 Jahren – sie ist 41 und lernte mit zwei Jahren Skifahren.
Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.
Ihr Vater fand passendere Worte als die Schadenfreudigen im Netz: „Unglücklicherweise war es nicht ihr Tag.“ Denn als Vonn sich vor 20 Jahren verletzte und trotz Schmerzen an den Olympischen Spielen teilnahm, schaffte sie es in zwei Disziplinen unter die Top 10. Dafür wurde sie mit dem U.S. Olympic Spirit Award ausgezeichnet: für ihren Willen. Das ist das Bild, das diese Ausnahmesportlerin verdient.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert