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Labour-Krise in GroßbritannienEndspiel für Keir Starmer

Dominic Johnson

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Dominic Johnson

Ein rechter Durchmarsch ist in Großbritannien kein Naturgesetz. Aber Andy Burnhams Nachwahlerfolg beendet Labours Probleme nicht, er offenbart sie.

F ür Großbritanniens Premierminister Keir Starmer hat das Endspiel begonnen. Sechs Wochen nach dem von ihm verantworteten Debakel seiner Labour-Partei bei den britischen Regional- und Kommunalwahlen hat sein schärfster innerparteilicher Rivale Andy Burnham einen fulminanten Sieg bei einer Nachwahl zum Parlament errungen.

54 Prozent im Wahlkreis Makerfield, wo vor sechs Wochen noch die Rechtspopulisten von „Reform UK“ gewonnen hatten, tragen den bisherigen Labour-Bürgermeister von Manchester triumphal ins Parlament und damit in die Position, sich an die Spitze der Labour-Revolte gegen Starmer zu stellen und den Premierminister um die Führung von Partei und Land herauszufordern.

Deutlich wird auch: Labour kann durchaus seine ehemalige Kernwählerschaft zurückgewinnen. Ein rechtsextremer Durchmarsch in Großbritannien ist keineswegs ausgemachte Sache. Die zweiten Gewinner dieser Wahlnacht in Großbritannien sind die Konservativen.

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Lange tot geglaubt, haben sie unter ihrer zielstrebigen neuen Parteichefin Kemi Badenoch den bisher von der Schottischen Nationalpartei (SNP) gehaltenen Wahlkreis Aberdeen South deutlich gewonnen. Wahlentscheidend war ihr Bekenntnis zur Öl- und Gasforderung im Widerstand gegen SNP und Labour, die die fossile Energieförderung beenden wollen.

Man kann diese Nachwahl im Kernland der britischen Ölindustrie als Sonderfall abtun – aber so gesehen war auch Andy Burnhams Sieg in einer traditionellen Labour-Hochburg ein Sonderfall. Tatsächlich senden beide Ergebnisse zusammen eine klare Botschaft: Dies war eine gute Wahlnacht für die Erneuerungskräfte in Großbritanniens etablierten Parteien.

Für Reform UK unter Nigel Farage hingegen zeigt sich zum wiederholten Mal, dass sie zwar ein Drittel der Wählerschaft oder auch mehr auf sich vereint, aber bei einer binären Rechts-links-Konfrontation im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit nicht mehrheitsfähig ist. Und im linken Lager sind die zuletzt viel gehypten Grünen in die Bedeutungslosigkeit zurückgefallen. Was das nun für das Land bedeutet, steht auf einem anderen Blatt.

Burnham hat als Kandidat der Regierungspartei gegen die eigene Regierung gewonnen. Seine Pläne im Falle einer Machtübernahme in London bleiben völlig unklar. Für eigene Inhalte steht er nicht. Alle möglichen Leute verfolgen über ihn ihre eigene Agenda. Unter einem Premierminister Burnham könnte Labours Selbstzerfleischung also noch dramatisch eskalieren und er könnte in Versuchung geraten, in Ermangelung eines klaren Kurses mit vorgezogenen Neuwahlen Klarheit schaffen zu wollen. Das wäre genau die Chance, auf die Nigel Farage lauert. Keir Starmers Schicksal ist jetzt wohl besiegelt, aber Großbritanniens Zukunft ist offener denn je.

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Dominic Johnson

Dominic Johnson Ressortleiter Ausland

Seit 2011 Co-Leiter des taz-Auslandsressorts und seit 1990 Afrikaredakteur der taz.
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9 Kommentare

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  • Herr Starmer wäre gut beraten, jetzt zu gehen. Noch käme er mit Würde aus der Sache heraus.

    • @Aurego:

      Damit das Chaos ausbricht falls Reform die Wahl in Greater Manchester gewinnen sollte und sich für diesen Fall herrausstellen würde das ein Rücktritt Burnhams als Bürgermeister von Machchester ein gwaltiger politischer Fehler gewesen wäre?



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      Farage und damit die Reformpartei sind zumindest teilweise von der Magabewegung ferngesteuert und der eindeutig rechtsradikale Rand in UK tut serin möglichstes um Labour und UK zu destabilisieren.



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      Burnham unterstützen zu wollen ist nachvollziehbar - aber momentan kann niemand mit Sicherheit bestätigen ob Burnham tatsichlich eine wirksame Geheimwaffe gegen die Reformpartei ist.



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      Witzig an der Debatte ist, das nach Aussagen verschiedener Analysten kaum eine andere Politik von Burnham zu erwarten ist als die von Starmer - nämlich den erfolgreichen Ausweg zu finden zwischen links und rechts.

  • Die Frage, die sich stellt ist, ob Labour es schafft seinen linken Kern zu bewahren. Starmer bedient einen eher rechteren Kurs und die linken Kräfte wurden nach Jeremy Corbyns Abgang geschwächt. Vielleicht wäre es eben eine Lösung sich an den britischen Grünen zu orientieren und sozial wie ökologisch nach links zu rücken, um eine progressive Wählerschaft anzusprechen. Das wäre vielleicht eher eine Lösung als der ständige Wechsel von mehreren Premiers an der Spitze hintereinander, wie es bei den Tories der Fall war.

  • Burnham ist kein Linksradikaler, nicht mal ein Corbyn, den einige vermissen dürften. Der hätte die unvermeidliche Mehrheit durch die Tory-Implosion politisch auch gegen 'Eliten' zu wenden gewusst.



    Doch selbst ein Burnham könnte nun entschlossener sein als der Establishmentschmuser Starmer. Der sollte ihn entweder einbinden oder selbst in überschaubarer Zeit zurücktreten, das machts für Labour einfacher. Denn es gibt ja noch viele Jahre Regierungsmacht, um das UK zu einem besserem Ort zu machen.

  • Man kann gegen die Rechtspopulisten gewinnen, aber da braucht es ein gutes Programm und gerne fähiges Führungspersonal, da hakt es bei Starmers Labour, ähnlich wie bei Sozis und Konservativen anderswo, auch in Deutschland.

  • "Für Großbritanniens Premierminister Keir Starmer hat das Endspiel begonnen....

    Keir Starmers Schicksal ist jetzt wohl besiegelt"

    Kleiner Klugschiss am Rande: Ein Endspiel kann man durchaus gewinnen. Nur Elferschießen sollte man als Engländer vermeiden.

  • Das Ergebnis war doch vorhersehbar.



    Der Wahlkreis ist eine traditionelle Hochburg von Labour, die auch noch Wähler von anderen linken Parteien mobilisieren könnte, die einen rechten Sieg verhindern wollten.



    Und das viele rechte Wähler so gewählt haben, um der Konkurrenz die Gelegenheit zu bieten, sich in Westminster so richtig schön zu zerfleischen, entbehrt auch nicht einer gewissen Logik.

  • ""Endspiel für ein dauerhaftes Chaos in UK? - aber ohne Ausweg?""



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    Der Kern der Befürchtung: Der Stellvertreter von Farage, Richard Tice (Reform) behauptet: „Wir haben von etlichen Wählern im Wahlkreis Wakerfield gehört, die sagten: ‚Um sicherzustellen, dass wir Starmer loswerden, wähle ich Burnham – auch wenn ich eigentlich Reform-Anhänger bin.‘“



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    Natürlich ist es super das Burnham die Wahl gewonnen hat - aber was folgt daraus? Wakerfield hat 75.000 Wähler - etwa soviel wie in ein Stadium der Weltmeisterschaft passen. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 60% - und Burnham hat mit knapp 55% bei einem Stimmenzuwachs von mehr als 9% die Wahl gewonnen. Der Zuwachs von Stimmen kam von Wählern die Farage verhindern wollen - siehe aussergewöhnlich schlechtes Abschneiden der Grünen & Libdems.



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    Auch die Reformpartei (Farage) hat zugelegt - lediglich 2,5% -



    und gewann 35% der Stimmen.



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    Das Wählergebnis auf der Grundlage der abgegebenen Stimmen ist zu gering um aussagefähige Analysen über die Politik von Labour treffen zu können. Die eigentliche Herausforderung kommt am 30 .Juli wenn 2 Millionen Wahlberechtigte in Greater Manchester den Nachfolger von Burnham bestimmen werden.

  • Sollte Andy Burnham es schaffen, den Premierminister abzusetzen und sich an diese Position zu bugsieren, wird sich das gesamte Labour-Spektrum neu sortieren.



    Dabei wird es definitiv zu Machtkämpfen kommen und Burnham wird sehr schnell sehr viel liefern müssen.



    Sollte er das nicht hinbekommen, dann könnte Labour richtig abstürzen. Aber Burnham könnte auch das Labour-Milieu aktivieren und die Partei stärken. Auch das wäre möglich.



    Es ist aber immer ungünstig, wenn eine Regierungspartei innerparteilich derart intensiv miteinander kämpft, wie das hier offenbar der Fall ist.



    Labour hat auch sehr viele Politiker rausgeworfen, angefangen vom ehem. Londoner Bürgermeister Ken Livingston. Labour hat seit Tony Blair eine Zwangsausrichtung auf die 'Mitte' und wer aus diesem Schema fällt, der kann auch schnell rausgeworfen werden. Überhaupt ist Labour hinter einer liberalen Kullisse eine überwachte Partei.



    Burnham ist noch in der Labour-Partei und er könnte sie verändern oder ruinieren. Sollte es bergab gehen, könnte das ganze Land absteiegen - und zwar noch weiter, als es jetzt schon ist.