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Möglicher nächster britischer PremierSeine Ansichten ändern sich wie das Wetter in Manchester

Andy Burnham, der wahrscheinliche Nachfolger des britischen Premiers Keir Starmer, ist nicht der Polit-Outsider, als der er sich gibt. Wofür er steht, weiß niemand.

Dominic Johnson

Aus London

Dominic Johnson

Als Andy Burnham vergangene Woche die Nachwahl zum britischen Parlament im Wahlkreis Makerfield gewann und damit die Möglichkeit, sich um die Führung der regierenden Labour-Partei zu bewerben, fasste er sein Programm in einem Satz zusammen. „Wir müssen dieses Land wieder auf den richtigen Weg bringen und die Menschen wieder zusammenführen und dafür sorgen, dass die Dinge wieder funktionieren“, sagte er in seiner Siegesrede. Bald schon könnte Burnham Großbritanniens neuer Premierminister sein.

Der „König des Nordens“, wie Burnham oft genannt wird, soll die lange vernachlässigten Industrieregionen, die keine Industrieregionen mehr sind, und deren Labour-Stammwähler, die keine Labour-Wähler mehr sind, zurückgewinnen. Das Ziel: Die Rechtspopulisten von Reform UK sollen aus Großbritanniens nächsten Wahlen nicht als Sieger hervorgehen. „Wir haben nur eine Chance“, warnt der bisherige Bürgermeister des Großraums Manchester.

Burnham inszeniert sich als Labours prominentester Außenseiter, der frischen Wind in Londons politische Blase bringen will: Ein normaler Mensch im T-Shirt, der verständlich redet und mit allen gut kann. Eigenschaften, die Keir Starmer eher fehlen.

Burnham ist Politinsider, kein -outsider

Mit der Realität hat das eher wenig zu tun. Burnham ist der ultimative Politinsider. Geboren 1970 in Liverpool und katholisch erzogen, trat er schon als 15-Jähriger der Labour-Partei bei. Er studierte englische Literatur an der Universität Cambridge. Dort fühlte er sich nach eigenen Angaben sehr fremd, lernte aber seine niederländische spätere Ehefrau kennenlernte.

Dann zog er nach London und fand eine Anstellung im Büro der Labour-Abgeordneten Tessa Jowell – im Alter von 24 Jahren. Seitdem ist er im Labour-Politikapparat geblieben. Er erklomm die übliche Karriereleiter: Ministerialberater, Abgeordneter, Staatssekretär, Minister, zuletzt Gesundheitsminister unter Premierminister Gordon Brown bis zum Labour-Machtverlust 2010.

Zweimal bewarb Burnham sich danach um den Labour-Vorsitz, zweimal verlor er – er galt als blass und zu eng mit der Ära der Minister Tony Blair und Gordon Brown verknüpft. Als in London für ihn nichts mehr zu holen war, bewarb er sich für den neu geschaffenen Posten des Bürgermeisters von „Greater Manchester“, einem städtischen Großraum mit über drei Millionen Menschen. Er wurde 2017 gewählt, 2021 und 2024 wiedergewählt.

Und erarbeitete sich dort endlich die politische Statur, die ihm zuvor gefehlt hatte. Burnham nutzte Freiräume – etwa in der Gesundheits- und Verkehrspolitik – und trieb die städtische Erneuerung Manchesters voran. Eine sehenswerte Bilanz, die ihm jetzt auch als Vorbild für das ganze Land dient.

Große Hoffnungen, wenig dahinter?

Wobei seine politischen Überzeugungen sich so oft zu ändern scheinen wie in Manchester das Wetter. Vor Labours Wahlsieg 2024 hatte Andy Burnham gemeinsam mit seinem Liverpooler Amtskollegen Steve Rotheram einen ambitionierten Zehn-Punkte-Plan für Großbritannien vorgelegt, bis hin zu einer neuen Verfassung. Davon war zuletzt nichts mehr zu hören. Und auch in konkreten Politikbereichen wirkt er immer zaghafter, je näher die Regierungsübernahme rückt.

Auf dem Labour-Parteitag 2025, als Burnham sich als linke Alternative zu Starmer in Stellung brachte, befürwortete er noch einen Wiedereintritt Großbritanniens in die EU, die Abschaffung der rigiden Haushaltsregeln zugunsten einer höheren Kreditaufnahme, mehr Trans- und Migrantenrechte. Heute sagt er zu all diesen Dingen das Gegenteil – um nicht in die linke Ecke gestellt zu werden, der er sich nicht zugehörig fühlt. Gleichzeitig setzt der linke Labour-Flügel auf ihn für einen Politikwechsel.

Wofür also steht Andy Burnham? Bisher vor allem für die Hoffnung der Labour-Politiker, diesmal den Richtigen an die Spitze gehievt zu haben. Das dachten sie mit Keir Starmer auch.

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