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Kürzungen beim Unterhaltsvorschuss Die Merz-Regierung zementiert Armut, statt sie zu mildern

Kommentar von

Amelie Sittenauer

Kinderschutzverbände warnen vor den geplanten Sozialkürzungen. Kanzler Friedrich Merz scheinen armutsgefährdete Familien aber egal zu sein.

A uf wen Friedrich Merz und seine schwarz-rote Regierung Rücksicht nehmen und auf wen nicht, wurde in der vergangenen Woche einmal mehr deutlich. So wurde der Kanzler bei der alljährlichen Sommerpressekonferenz zu den drastischen Kürzungsplänen befragt, die den Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende, das Elterngeld und selbst den 25-Euro-Kindersofortzuschlag betreffen. Maßnahmen, die, wie auch die fragende Journalistin anmerkte, vor allem Mütter mit geringem Einkommen und Kinder belasten.

Merz schien sich daran nicht groß zu stören und konzentrierte sich in seiner Antwort lieber auf die fiskalpolitische Dimension des Unterhaltsvorschusses: Man müsse „Rücksicht nehmen auf die finanzielle Situation der Städte und Gemeinden“. Sowieso sei der Unterhaltsvorschuss eben nur ein Vorschuss. Er erwähnte noch die säumigen Väter und schloss mit der „Ergänzung“, dass Eltern von Jugendlichen, konkret „die Mütter, die alleinstehenden Elternteile, in der Lage sind, auch Arbeit aufzunehmen“.

Als ob Alleinerziehende – über 80 Prozent sind Mütter – das nicht schon täten. Als ob nicht die Mehrheit in Voll- und Teilzeit arbeitete, während sie für Schularbeiten, Abendessen, Betreuung, Arzttermine, Haushalt, Miete, Behördengänge und nicht weniger als das Wohlergehen ihrer Kinder verantwortlich sind. Knapp 30 Prozent dieser Ein-Eltern-Familien sind armutsgefährdet.

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Über die Mehrfachbelastungen auf den Schultern der rund 1,7 Millionen Alleinerziehenden verliert Friedrich Merz kein Wort. Hier zeigt er sich nicht wie gegenüber den Kommunen rücksichtsvoll, sondern ahnungs- und empathielos. Anstatt die Situation von Familien und Alleinerziehenden zu verbessern, zementiert diese von der Union geführte und von der SPD mitgetragene Familienpolitik derzeit Armutskreisläufe.

Merz muss die Adres­sa­t:in­nen seiner Rücksichtnahme neu definieren

Es ist ein Skandal. Sollten tatsächlich fast 400 Euro Unterhaltsvorschuss monatlich für 16- und 17-Jährige wegfallen, müssten viele von ihnen Schule oder Ausbildung vorzeitig beenden, um schneller dazuzuverdienen, fürchten Kinderschutzverbände. Fa­mi­li­en­recht­le­r:in­nen warnen, dass von Gewalt betroffene Frauen ohne Vorschuss stärker vom Ex-Partner abhängig blieben. Kürzungen beim Elterngeld, beim Wohngeld und beim Kindersofortzuschlag belasten Paare und Alleinerziehende weiter.

Dass es Lösungen für die klammen Finanzen in Bund, Ländern und Kommunen braucht, ist unbestritten. Doch dafür kann nicht die Zukunft von Kindern und die finanzielle Unabhängigkeit ihrer Mütter herhalten. Der Fokus muss auf Reformen liegen, die diesen Namen verdienen: Beim Unterhaltsvorschuss kann strikter gegen säumige Väter vorgegangen, für Frauen oft nachteilige Regelungen wie das Ehegattensplitting und Minijobs können abgeschafft, fossile Subventionen können gekürzt, Erbschaften stärker besteuert werden. Die Merz-Regierung muss die Adres­sa­t:in­nen ihrer Rücksichtnahme dringend neu definieren.

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8 Kommentare

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  • Der Herr Merz ist noch nie in der Situation gewesen, dass er mit wenig Geld auskommen musste.



    Er weiss nicht wie das ist am Monatsende nur Reste zu essen.



    Er weiss auch nicht wie das ist als Kind keine heile Kleidung zu tragen,



    Der Herr Merz war immer reich. Das ist für ihn Normalität.



    Armut scheint er für eingebildet zu halten.



    Der Herr Merz und seine Konsorten.

  • Zumindest potenziell profitiert die ganze Gesellschaft davon, wenn Kinder gut aufwachsen können. Menschen sind grundsätzlich unterschiedlich. Von daher lässt sich nicht pauschal behaupten, dass es gut wäre, wenn alle Kinder möglichst früh und möglichst lange fremdbetreut werden, damit die Eltern (oder ein allein erziehendes Elternteil) möglichst viel Erwerbsarbeit verrichten können. Es gibt wenig bezahlte Jobs, die so sinnvoll sind wie Sorge für (die eigenen) Kinder.



    Man muss daher noch nicht mal mit Empathie argumentieren, um festzuhalten, dass die Gesellschaft (organisiert durch den Staat) auf angemessenem Niveau (und ohne Stigmatisierung) Kinder und Eltern materiell absichern sollte.



    Irgendwelche Verteilungskämpfchen zwischen verschiedenen staatlichen Ebenen oder auch zwischen (ehemaligen) Ehepartnern sind da völlig fehl am Platze.

  • Für mich leiten sich aus GG Art. 6 ganz andere Handlungsmaximen her als die, die wir von dieser Bundesregierung in der Familienpolitik aufgetischt bekommen, in der die SPD als "soziale" Partei eine ziemlich erbärmliche Rolle spielt.

    • @Aurego:

      CDU/CSU war schon lange vor Merz die Bremse im Sozialbereich.



      Und jetzt macht die SPD das Gleiche.



      Die Mehrheit der Deutschen ist eben zu dumm, um das zu begreifen.



      Aber es geht ja noch dümmer: Man wählt AFD um sich komplett abhängen zu lassen!

  • Der These, dass Merz armutsgefährdete Familien egal sind, würde ich anzweifeln. Merz scheint arme Menschen zu verachten und ihnen selbst immer wieder die Schuld an ihrer eigenen Armut zu geben. Diese Haltung lässt er in öffentlichen Statements allenthalben durchblicken. Für einen Politiker, der bisher nichts wesentliches zur Weiterentwicklung der Gesellschaft beigetragen hat und dessen politische Erfolge sich auf dem Niveau der „Steuerklärung auf dem Bierdeckel“ bewegen, ist das schon sehr vermessen.

  • Mal gucken wie lange das noch gut geht...

    • @Bolzkopf:

      Das geht bis zur ersten Koalition mit den Faschos und die kommt bald. Dann übernehmen die und das war's dann...

  • Merz gehört wohl zu den oberen 5 % der deutschen Gesellschaft. Dies sind die Menschen, mit welchen er sich umgibt und welche ihn interessieren.



    Alle anderen Menschen in Deutschland betrachtet er nur noch unter dem Gesichtspunkt der "Kosten", welche es zu minimieren gilt.



    Multimillionär Merz sieht die Kosten und nicht mehr den Menschen dahinter.