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Künstliche IntelligenzDenken wie das verbreitete Mittelmaß

Essay von

Malte Engeler

KI ist unvereinbar mit emanzipierten und freiheitlichen Gesellschaften. Dabei handelt sich nicht um einen Designfehler, sondern sie ist so gedacht.

E inige Maschinen müssen zerstört werden, damit sie keine Monster produzieren. Mit diesen Worten fasst Brian Merchant, Autor des Buches „Blood in the Machine“, nicht nur die Handlung von Mary Shelleys „Frankenstein“ zusammen, sondern auch das Wirken der Luddit*innen. Die Luddit*innen, eine Gruppe organisierter Arbeitender, protestierten im Großbritannien des frühen 19. Jahrhunderts mit handfesten Mitteln gegen den kapitalistischen Einsatz von neuartigen Webstühlen.

Linke Bewegungen der Gegenwart sollten es ihnen gleichtun. Das Ziel sind heute nicht mehr die Webstühle protokapitalistischer Fabrikbesitzer, sondern die physischen und immateriellen Manifestationen sogenannter künstlicher Intelligenz (KI). Diese Widerständigkeit fehlt in progressiven Debatten rund um KI. Kritische Stimmen artikulieren stattdessen Forderungen nach regulatorischer Einhegung, Open Source, ethischer Ausgestaltung und ökologischer Nachhaltigkeit.

Malte Engeler

ist Mitbegründer von Structural Integrity, einem bedürfnis­orientierten, digital­politischen Kollektiv. Im Juli erscheint sein mit Aline Blankertz verfasstes Buch „Digitale Solidarität“.

Ein aktuelles Beispiel für diese Art von Kritik sind die Worte von Papst Leo XIV. In seiner ersten Enzyklika verglich er die Technologie mit Kernenergie und forderte, sie von Logiken der Zerstörung zu befreien, um das Potenzial von KI zum Wohle der Menschheit zu nutzen: KI müsse entwaffnet werden, damit aus ihr keine Atombombe werde. Diese Art der Kritik ist beispielhaft für die Auseinandersetzung mit KI, die zwar wie eine vehemente Intervention klingt, den Gegenstand der Kritik dabei aber gleichzeitig legitimiert und affirmiert.

KI ist keine neutrale Technologie, die durch Einhegung davor bewahrt werden kann, zur Atombombe zu werden. Sie ist die Atombombe

Sie benennt viele schädliche Facetten, preist KI gleichzeitig jedoch stets als Innovation mit großem Potenzial, deren Nachteile lediglich Ergebnis der Umstände seien, unter denen sie eingesetzt wird. In progressiven Kreisen ist diese Art der KI-Kritik ebenfalls weit verbreitet. Der Wirtschaftswissenschaftler Tim Menzner warb im Magazin Jacobin dafür, dass die Linke eine eigene Zukunftsvision für KI entwickelt und im Ideas Letter erklärte der Technologiekritiker Evgeny Morozov KI gar zum Gradmesser für einen zukunftsfähigen Sozialismus.

Keine Welt ohne KI?

Überraschend ist allerdings, dass auch die Europäische Kommission sich die Mahnungen des Papstes zu eigen machte. Gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur teilte ein Sprecher mit: „Wir können der Vision des Heiligen Vaters Papst Leo XIV. und der Notwendigkeit eines soliden Rechtsrahmens für KI nur zustimmen.“ Diese Einhelligkeit sollte alarmieren. Vatikan, progressive Stimmen und Herrschende haben beim Thema KI nicht etwa eine gemeinsame Stimme gefunden. Die Einhelligkeit zeigt lediglich, wie ungefährlich diese Art der Kritik ist.

Sie wirkt radikal, bleibt in ihren Schlussfolgerungen aber so vage und inkonsequent, dass sie keine substanziellen Kursänderungen erfordert. Selbst die Europäische Kommission kann sich gesichtswahrend hinter Worthülsen wie „Regulierung“ und „Werte“ verstecken, während sie, getrieben vom internationalen Konkurrenzdruck, ihre einst als „Goldstandard“ gefeierte Digitalregulierung zugunsten der Wettbewerbsfähigkeit der heimischen KI-Industrie einschränkt.

Das kann sie auch deshalb, weil die gängige Kritik es nicht vermag, KI grundsätzlich infrage zu stellen. Dieses Scheitern ist Symptom dessen, was der Physiker Dan McQuillan im Magazin Vice als „KI-Realismus“ bezeichnete: der kollektiven Unfähigkeit, sich eine Welt ohne KI vorzustellen. Diese Verengung des Horizonts hat Regulierung, Open Source, ethische Einhegung und das pflichtbewusste Sichberufen auf das innovative Potenzial von KI zum Limit dessen gemacht, was progressive Stimmen an Kritik formulieren können.

Das aktuell greifbarste Beispiel von „KI-Realismus“ ist der Vorschlag von Bernie Sanders, die US-amerikanische Öffentlichkeit an den Gewinnen der KI-Konzerne zu beteiligen, indem die US-Regierung 50 Prozent der Aktien von Konzernen wie Anthropic, OpenAI und xAI übernimmt. KI, so der Grundton, ist unvermeidlich. Also kann man auch mitmachen und profitieren. Diese Kritik ignoriert die menschenfeindlichen, gewaltsamen und autoritären Funktionsweisen, die KI ausmachen.

KI ist konservativ

Sie ist inkonsequent, weil sie diese Ebenen zwar benennt, aber nicht die nötigen Schlüsse zu ziehen wagt. Sie ist unsolidarisch, weil sie diejenigen ausblendet, die der Einsatz von KI trotz jeder Regulierung und wohlklingender Ethikrichtlinien weiterhin marginalisiert und unterdrückt. Kurz gesagt: KI ist fundamental unvereinbar mit emanzipierten, egalitären und freiheitlichen Gesellschaften. Nicht weil KI von den falschen Dynamiken geprägt wird, sondern weil die Technologie genau dafür gebaut ist.

KI ist keine neutrale Technologie, die durch Einhegung davor bewahrt werden kann im Sinne der päpstlichen Metapher zur Atombombe zu werden. Sie ist die Atombombe. KI ist keine Zukunftstechnologie und keine Innovation, derer sich linke Bewegungen bemächtigen sollten. Sie ist inhärent konservativ und homogenisierend und damit nicht etwa ein Maßstab für fortschrittliche Gesellschaften, sondern eine Zementierung des Status quo.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Nur eine fundamentale Ablehnung von KI ist angesichts dieser soziotechnischen Funktionsweise konsequent. Das, was gemeinhin mit KI gemeint ist, sind Systeme der Mustererkennung und Musterreproduktion. Diese Systeme übertragen Muster aus der Vergangenheit auf die Zukunft und beeinflussen individuelles und gesellschaftliches Handeln und Denken. Die Reproduktion von Mustern ist zwangsläufig konservativ, weil die Daten nur Vergangenes abbilden können.

Und sie ist stets exkludierend, weil es eine Illusion ist, gesellschaftliche Vielfalt überhaupt in Daten abbilden zu können. „Eine datafizierte Welt ist eine Welt ohne Subjekte“, schreibt der Sozialwissenschaftler Jathan Sadowski in seinem Buch „The Mechanic and the Luddite“. Diese Entsubjektivierung ist immer gewaltsam. Und weil sie das Fundament jeder Musterreproduktion ist, ist auch KI auf grundlegender Ebene eine gewaltsame und entmenschlichende Technologie.

Nur Reproduktion von Mustern

Diese Gewalt nimmt unterschiedliche Qualitäten an. Im Bereich der Textsynthese tritt sie als eine auf gesammelten Daten beruhende epistemische Gewalt auf. Die statistischen Verfahren im Kern von Textgeneratoren wie etwa ChatGPT errechnen die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Wort auf das nächste folgt, um am Ende Sätze zu produzieren, die uns wie menschliche Sprache erscheinen. Die Ergebnisse von ChatGPT sind aber nicht Ausdruck des Verstehens, sondern lediglich eine mathematische Reproduktion von Mustern in datafizierten, auf digitalen Quellen basierenden Textkörpern.

Diese Synthese von Text mittels generativer KI ist immer ein Akt der Reduktion und der Ausgrenzung, weil all jene menschlichen Realitäten unsichtbar gemacht werden, die im Ausgangsdatensatz nicht hinreichend vertreten waren, um sich signifikant auf das Ergebnis auszuwirken. Was dabei herauskommt, ist eine rassistische und patriarchale Homogenisierung von Sprache und der begriffliche Ausschluss marginalisierter Realitäten. Diese Reduktion, teilweise auch Bias genannt, ist funktionsbedingt immer Teil von KI. Sie verengt Sprache und Denken auf das wahrscheinliche Mittelmaß, wie immer es gerade definiert wird.

In anderen Bereichen wird die Gewalt, die in dieser Reduktion liegt, unmittelbar greifbar. Wenn Mustererkennungssysteme Prognosen darüber errechnen, wer wahrscheinlich Sozialhilfebetrug begeht, reduzieren sie die menschliche Individualität auf Datenpunkte. Ein solches System warf 2021 in den Niederlanden Zehntausenden Eltern – ganz überwiegend zu Unrecht – Kindergeldbetrug vor und stufte dabei besonders häufig rassifizierte Eltern als verdächtig ein. Finanzieller Ruin vieler Menschen und der Rücktritt der Regierung waren die Folge.

Dieser Bias lässt sich nicht durch mehr oder genauere Daten beheben. Mehr Daten würden die Gewalt, die in jeder Reduktion von Menschen auf Wahrscheinlichkeitswerte liegt, lediglich weniger sichtbar machen und ihr sogar mehr Plausibilität verleihen. Die Prognosen werden für jene, die in ihnen gefangen werden, nur umso unentrinnbarer. Ihre Zuspitzung findet diese Gewalt in Berechnungen darüber, wo sich im Gazastreifen Menschen aufhalten, deren Tötung per Drohne mit hinreichender Wahrscheinlichkeit den Kriterien einer Kriegsmaschinerie genügt.

Herrschaftsinstrument Kybernetik

Die epistemische, soziale und physische Gewalt von KI ist kein Designfehler und nicht Resultat mangelnder Daten, sondern ihr zentrales Feature. Jede Kritik an KI, die auf der Ebene von Bias, Halluzination und Qualität der Datenbasis stehen bleibt, macht diese Dimension der Gewalt unsichtbar und legitimiert sie damit. Diese Kritik an KI ist nicht neu. Sie richtete sich bereits an computergestützte Feedback- und Kontrollsysteme.

Die Wissenschaft hinter diesen Systemen firmierte unter dem Begriff der Kybernetik und erträumte eine vollständig datafizierte Welt, in der allumfassende Steuerungssysteme ganze Gesellschaften durch allgegenwärtige und gleichzeitig unsichtbare Signale im Gleichgewicht halten. Die Philosophin Anna-Verena Nosthoff („Kybernetik und Kritik“) beschreibt die Kybernetik als Herrschaftsinstrument, das die Beherrschten als Menschmaschinen objektiviert und ihr Verhalten reguliert. Diese kybernetische Qualität prägt auch KI.

Eine konsequente Antwort darauf formulierte die französische Widerstandsgruppe Clodo in den 1980er Jahren. Während in Deutschland Proteste gegen die Volkszählung tobten, verbrannten die Ak­ti­vis­t*in­nen Datenspeichermedien in den Toiletten von Technikkonzernen. In einem Schreiben der Gruppe vom Februar 1983 heißt es: „Unsere Gesellschaft – kodifiziert, ausgerichtet, kontrolliert – […] in der wir uns wie Züge auf einem Rangierbahnhof aneinanderreihen“ und „in der das Binäre und das Quantitative die Krise lösen sollen – diese Gesellschaft ist unmenschlich.“

Diese Perspektive muss zurück in das Zentrum der Kritik an KI. Für mich sind es die Worte des Humangeografen Thomas Dekeyser („Techno-Negative“), der diese Sicht in seiner Analyse des Wirkens von Clodo am besten auf den Punkt brachte: „Keine Forderungen, nur Flammen.“

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53 Kommentare

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  • Ich zitiere mal: "Die Wissenschaft hinter diesen Systemen firmierte unter dem Begriff der Kybernetik und erträumte eine vollständig datafizierte Welt, in der allumfassende Steuerungssysteme ganze Gesellschaften durch allgegenwärtige und gleichzeitig unsichtbare Signale im Gleichgewicht halten."



    Eine unfassbar inkompetente Verzerrung einer ernstzunehmenden Wissenschaft, die sich mit Phänomenen gleich welcher Art beschäftigt, sofern sie regelbasiert und reproduzierbar sind.



    Nicht eine der Personen, die so argumentieren, hat den ein oder anderen Kybernetiker persönlich gekannt. Denen ging es u.a. um Folgendes: Was sind die biologischen Grundlagen von Autonomie? Also von Freiheit, von SELBSTSteuerung, nicht Fremdsteuerung. Aber offensichtlich gibt es speziell in Deutschland eine Garde von JungwissenschaftlerInnen, denen daran gelegen ist, den Begriff der Kybernetik ideologisch umzumünzen. Das ist intellektuelle Selbstentwaffnung. Denn bei den Kybernetikern finden sich tonnenweise Argumente, Musk & Co sowie die Valley-Tech-Träume ganz grundlegend zu kritisieren. Also WTF?

  • Ein Beispiel. Natürlich rein fiktiv. Eine Person, eine durch und durch ehrliche Haut, mit einem guten Einkommen, bislang schuldenfrei, lebt in einem Viertel, in dem es viele weniger zuverlässige Personen gibt. Nun will unser "Held" einen Kredit aufnehmen. Dieser wird verwehrt. Warum wohl?

    • @Il_Leopardo:

      "Warum wohl?"



      Weil die Bank oder auch andere Firmen sog. Credit-Scoring verwenden, bei dem einfach die PLZ und ein paar andere Daten mit einer Bewertung korreliert werden. Das ist weder fiktiv, noch braucht es dazu KI. Das wurde ganz genauso schon vor über 20 Jahren praktiziert.

      • @Ingo Bernable:

        AI and Machine Learning Models: Modern systems use algorithms like random forests, gradient boosting, and neural networks to improve accuracy and incorporate nontraditional data such as transaction history or social data.

        • @Il_Leopardo:

          Aber was ist daran denn tatsächlich neu oder grundlegend anders als das bisher ohnehin schon übliche? Vergangene Transaktionen und soziökonomische Basisdaten sind eben absolut nicht "nontraditional" sondern exakt das was zB die Schufa schon immer ausgewertet hat, wenn auch mit weniger hochgezüchteten Algorithmen.



          Anfang der 2000er wurde mein Antrag auf Mitgliedschaft in einer der damals ersten Online-Videotheken abgelehnt, ein Kommilitone der auch nicht mehr Geld hatte als ich, aber einen Block weiter mit "besserer" PLZ wohnte bekam das Abo aber. Der Bias und und die Ungerechtigkeit die sie befürchten ist also längst etablierte Praxis, deshalb kann es ja auch eine Chance auf mehr Fairness sein wenn die Methoden für ein solches ohnehin stattfindendes Scoring präzsier werden und nicht mehr pauschal die Bewohner ganzer Stadtteile ausschließen.

          • @Ingo Bernable:

            1.



            Ich finde dieses Entwicklungen grauenhaft - der gläserne Mensch.



            Über mich werden diese ganzen Schnüffel-Programme nicht viel herausfinden. Ich mache kein Online-Banking, bestelle nie, ich betone nie, über's Internet und bin auch nicht in den Social Media zu finden. Nur bei Signal habe ich mich kürzlich angemeldet, weil meine Neffen mich dazu drängten. Dort bin aber auch nur im Familienchat. Andere Chats fange ich erst gar nicht an. Wer mich erreichen will, kann das zwischen 17 und 22 Uhr gerne über meine Festnetznummer tun. Ansonsten möchte ich nicht behelligt werden. Diesen Luxus gönne ich mir.



            2.



            Wie schon an anderer Stelle gesagt, ist KI immer "konservativ" - sie stützt sich auf Daten der Vergangenheit oder richtet sich nach Daten, die nicht immer stichhaltig sind. Wenn ich gerade meinen Abschluss an der Uni gemacht habe, werde ich möglicherweise keinen Kredit bekommen. Wenn ich aber einem Bankbeamten meinen hochdotierten Arbeitsvertrag unter die Nase halte, vielleicht doch.



            3.



            All das mag Ihnen sehr altmodisch vorkommen. Aber ich bin nicht das Opfer oder der Sklave von irgendwelchen Maschinen - zumindest wehre ich mich dagegen - so gut ich eben kann.

            • @Il_Leopardo:

              Die Frage was man da nun für altmodisch oder technologieaffin hält, halte ich für eher irrelevant gegenüber der Frage ob und wie sehr sie sich den üblichen Schnüffeleien und Bewertungen so tatsächlich entziehen können. Was spricht denn etwa für die Vermutung, dass ihre PLZ bei der Anmeldung im Fitnessstudio nicht genauso bewertet wird wie beim Abschluss eines Online-Abos? Wird der analoge Arbeitsvertrag den sie ihrem analogen Bankberater überreichen wirklich anders und womöglich gar weniger kritisch durchleuchtet als jener den ein anderer digital bei seiner Banking-App hochläd? Und wo ist bei all dem der Punkt der sich durch KI tatsächlich fundamental verändert? Um Postleitzahlen und vergangene Kreditausfälle abzugleichen braucht man ja nun wirklich kein neuronales Netz, das kann jede banale Datenbank. Und, dass KI eben nicht nur stumpf Mittelwerte der Vergangenheit reproduziert hatte ich ihnen weiter unten ja auch schon demonstriert, das wird durch bloße Wiederholung nicht wahrer. Was also ist der Punkt? Wenn sie eine Offline-Existenz vorziehen können sie das ja auch tun ohne das mit dünnen Argumenten verteidigen zu müssen.

  • Danke für den Text! Ich denke allerdings, dass hier der Begriff KI nicht richtig verwendet wird. KI wird seit über 70 Jahren entwickelt und ist eine Familie von Ansätzen zur Mustererkennung (z.B. auch neuronale Netze, Machine Learning, usw.). Einige Ansätze sind dabei schon länger erfolgreich, z.B. Systeme zum Hautkrebsscreening, die im Vergleich zu Experten besser abschneiden und damit Leben retten (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40745683/). Was hier aber eigentlich diskutiert wird, sind vor allem generative KI (LLM). Dabei greift aber die Kritik zu kurz, der Einsatz dieser KI-Systeme zur Berechnung von Verhalten usw. bildet nur die aktuelle Ausgestaltung unserer Gesellschaften als eine Masse von Geldsubjekten ab und führt radikal nur fort, was sich seit Jahrzehnten durch die Verdrängung alternativer ökonomischer Theorien durch den globalen Neoliberalismus schon anbahnt. Unsere Gesellschaften sind komplett durchmonetarisiert und wir selbst setzen mittlerweile ökonomische Rationalität mit Vernunft gleich (dabei gäbe es Alternativen wie z.B. die Gemeinwohlökonomie). Ich empfehle einen Blick auf die wirtschaftsphilosophische Literatur von Karl-Heinz Brodbeck

  • Es ist ironisch, das hier im Netz zu lesen, erst ermöglicht durch einen von vielfältigsten Feedback-Mechanismen optimierten Datentransport.

    Würden die Argumente auch gelten, wenn sich hunderte Autor:innen zusammentun würden, um aus ihren eigenen Werken ein Modell zu trainieren, das ihnen beim Schreiben Stilhinweise gibt (z.B. „die Aussage ist für die sprechende Person sehr ungewöhnlich -- Jean-Luc Picard sagte bisher nie ‚fraggen wir sie‘.“ oder „Taki und Nightmare würden wahrscheinlich nicht miteinander scherzen: Taki hasst Dämonen“)?

    Und wäre ein Sprachmodell rassistisch, wenn es nur auf der Kommunikation von egalitären Gesellschaften trainiert wäre? (unter der Annahme, wir hätten als Gesellschaft diesen Stand bereits erreicht)

    Die Ablehnung der aktuellen Modelle, unter Kontrolle weniger¹, trainiert mit teils hochproblematischen Daten, auf alle möglichen LLMs zu generalisieren, halte ich für einen Fehlschluss.

    ¹ auch Open Weight Modelle können nur von deren echten Besitzern effizient weiterentwickelt werden. Alle anderen haben eher den Status von Moddern bei Spielen.

  • Wenn die KI aus der Mitte der Gesellschaft entsteht was sie auch sollte ist sie selbstverständlich nicht links.

    • @Suchender:

      Oh je, wenn die KI sich an der Mitte der Gesellschaft orientiert, dann ist es Zeit für mich, die Koffer zu packen und mich auf eine einsame Insel zu begeben.

  • Bis zur Erfindung der Fotografie konnte nur gezeichnet werden. Bis zur Erfindung des Tonbandgeräts konnte das gesprochene Wort nur mitgeschrieben werden.



    Fotografie und Tonband haben sich nochmal über unzählige Quantensprünge weiterentwickelt, längst können sie auch durch immer raffiniertere Methoden Fälschungen erzeugen. Dennoch kommt niemand auf die Idee, Fotografie oder Ton oder Filmaufnahmen zu verbieten.



    KI ist die logische Weiterentwicklung von Computern. KI wird zeitnah eigenverantwortlich unsere Kühlschränke befüllen, über Drohnen Nachschub ordern, den Herd ausschalten wenn niemand mehr in der Küche ist, kochen, Wäsche waschen, etc...



    KI wird viele unbeliebte Jobs ersetzen. KI operiert heute schon Patienten. KI pflegt heute schon Alte im Pflegeheim in Japan.



    Die Möglichkeiten und der Nutzen von KI sind nahezu unbegrenzt.



    Wenn emanzipierte und freiheitliche Gesellschaften sich tatsächlich mit KI nicht arrangieren können, werden sie verschwinden, denn auf KI will kein Staat und fast niemand im der Bevölkerung verzichten.



    Ich sehe aber in KI keine Bedrohung von Emanzipation oder Freiheit. Zmd keine größere als in Film, Fotografie und Tonerzeugnissen.



    Die Vorteile überwiegen.

    • @Astrid Sehnefeld:

      Oh je, nur weil ich zwei Wochen lang Lust auf Tartar hatte, schickt mir mein Supermarkt jetzt jeden Tag 250 Gramm davon. Und wenn ich das Zeug in die Mülltonne werfe, wird mein Kühlschrank "sauer" und lässt sich nicht mehr öffnen. Das "teuflische" Gerät hat nämlich eine Kamera mit Rundumblick!



      Mit etwas mehr Ernst: Roboter führen zum Glück noch keine Operationen durch. Hinter dem Roboter sitzt ein erfahrener Chirurg, der sich durch den Roboter in der Feinmechanik unterstützen lässt.

      • @Il_Leopardo:

        Das Da-Vinci-Operationssystem, das u.a. auch in der Uni Klinik Aachen eingesetzt wird, übersetzt die Handbewegungen des Chirurgen an einer Steuerkonsole präzise und zitterfrei. Mit anderen Worten: ohne den Roboter käme es deutlich häufiger zu Fehlern.



        Und natürlich könnte der Roboter, mit entsprechender Programmierung, längst selbstständig operieren.



        Das ist wie mit U-Bahn, S-Bahn, ICE und Flugzeugen. All diese Fahrzeuge bräuchten schon lange keinen Fahrer mehr. In Nürnberg läuft die U-Bahn problemlos automatisch seit bald 30 Jahren.



        Zur Beruhigung der Passagiere setzt man immer noch einen Fahrer vorne rein, auch beim Flugzeug, nötig ist das schon lange nicht mehr.



        Militärische Drohnen beweisen das seit weit über einem Jahrzehnt. Joystick gesteuert um den halben Globus, teils autonom im Aussuchen der Ziele.



        Die Robotik ist viel weiter als wir sie aktuell lassen. Die zunehmende Überalterung und der Mangel an Arbeitskräften wird diese Hemmschwelle aber sehr schnell abbauen.



        KI ist die Zukunft und (beinahe) die Lösung für alles

        • @Astrid Sehnefeld:

          Ich bin nicht ganz so enthusiastisch. Wie ich schrieb und Sie auch bestätigten: Die KI unterstützt den Chirurgen; die Entscheidungen trifft jedoch (zum Glück noch) der Chirurg, der all seine Erfahrungen einbringt. Diese Erfahrungen kann man m.E. einer Maschine nicht beibringen.



          Bei einer U-Bahn ist die Sache sicher wesentlich einfacher. Der Zug erhält ein Signal, nachdem das System überprüft hat, ob die Strecke frei ist, und schon geht's los.



          Einem Flugzeug ohne Piloten (und Co-Piloten) möchte ich mich nicht anvertrauen. Auch hier können Probleme auftauchen, an deren Handhabung die Programmierer nicht gedacht haben, und schon ist die Katastrophe da.



          Haben Sie schon einmal in KI-gesteuertes Auto auf der Straße gesehen? Ich nicht. Noch ist KI nicht reif für solch komplexe Situationen.

  • Ja, die KI ist gefährlich. Das Internet und Social Media ist es aber auch und wie immer kommt es auf die richtige Nutzung an.

    Was glaube ich der KI unkritisch, was frage ich die KI, was gebe ich von mir selbst preis- das sind dann individuelle Entscheidungen.



    Es wird wahrscheinlich nach hinten losgehen, aber das hat auch viel mit der ( mangelnden) Müdigkeit der Menschen und der kapitalistischen Verwertungslogik zu tun.

  • Obwohl ich grundsätzlich zustimme, dass eine große Gefahr der Unterdrückung vielfältiger und progressiver Lebensentwürfe durch konservative Akteure mittels KI besteht, stimme ich nicht zu, dass dies eine inhärente oder unvermeidliche Eigenschaft von KI-Systemen ist.

    Sie behaupten "Das, was gemeinhin mit KI gemeint ist, sind Systeme der Mustererkennung und Musterreproduktion. Diese Systeme übertragen Muster aus der Vergangenheit auf die Zukunft und beeinflussen individuelles und gesellschaftliches Handeln und Denken. Die Reproduktion von Mustern ist zwangsläufig konservativ, weil die Daten nur Vergangenes abbilden können."

    Wenn dies wahr wäre, so würde das gleiche Argument auf Menschen zutreffen, denn auch wir können aus Erfahrungen und Beobachtungen lediglich Muster ableiten (das nennen wir Wissenachaft) und tendieren dazu, sie zu reproduzieren (das ist dann konservative Politik).

    Müssen wir aber nicht: wir können auch entscheiden, Muster zu durchbrechen.

    Diese Macht müssen wir bewahren, indem wir wichtige *Entscheidungen* nicht an KI delegieren.

    Das muss aber nicht heißen, dass wir die *wissenschaftlichen* Fähigkeiten von KI verzichten --> Yoshua Begios "Scientist AI"

    • @Jobst Heitzig:

      Neues, kreatives, innovatives entsteht oft durch menschliche Fehler, ganz versehentlich. Die Maschine hat keinen Körper, aber produziert auch interessante, teils gefährliche oder amüsante Fehler, aus denen wir lernen müssen. (Wenns gut läuft, kommen witzige falsche Anleitungen raus, wenns schlecht läuft, Katastrophen.)

      Der Text ist gut in seiner KI-Kritik-Kritik, aber die Schlussfolgerung überzeugt mich nicht vollständig. Die sympathische bis überhebliche Haltung von Totalverweigerung oder Kampfansage, nunja, muss man sich irgendwie auch leisten können. Richtiges Leben im Falschen und so.

      Ich sehe das größte Problem von KI in der immensen Ausbeutung von Mensch und Natur. Im globalen Süden werden zigtausend schlechtbezahlte Arbeitskräfte für KI Training ausgebeutet, und die Datenzentren trinken uns Lebewesen das Wasser weg.

  • Ein sehr gelungener Beitrag.

  • Da wird ein Werkzeug zur kulturellen Bedrohung aufgeblasen, als hätte die Menschheit nicht längst gelernt, mit Druckerpresse, Computer und Internet umzugehen – jedes Mal begleitet von denselben Untergangsreflexen.

    Ja, KI produziert Fehler. Und ja, sie wird missbraucht. Das ist keine Neuigkeit, sondern der Standard jeder relevanten Technologie. Der eigentliche Unterschied heute: Zum ersten Mal wird nicht die Technik selbst hinterfragt, sondern der Versuch, sie möglichst breit verfügbar zu machen.

    Die eigentliche Verdrängung passiert nicht durch KI, sondern durch jene, die sie kontrollieren oder blockieren wollen, um Deutungshoheit zu behalten. Wer „Verlust des Denkens“ ruft, übersieht, dass Denken längst durch Zeitmangel, ökonomischen Druck und mediale Überreizung eingeschränkt wird – nicht durch Modelle, die Texte generieren.

    • @Zippism:

      Das Radio war instrumentell für Hitlers Aufstieg und ermöglichte es den Nazis, ihre Ideologie so weit in die Welt verbreitet, dass sie noch heute weit über die Grenzen Deutschlands hinaus Schaden anrichtet.

      Neue Technologie nicht ausreichend kritisch zu begleiten kann also schon sehr schief gehen.

      • @Arne Babenhauserheide:

        Der Hinweis auf das Radio ist berechtigt – aber er spricht nicht gegen Technologie, sondern gegen Machtkonzentration und fehlende demokratische Kontrolle. Das Radio war nicht gefährlich, weil es neu war, sondern weil es zentralisiert, staatlich monopolisiert und propagandistisch missbraucht wurde. Entscheidend war nicht das Medium, sondern wer es kontrollierte und ob es Gegenöffentlichkeit gab.

        Genau hier liegt der Unterschied zu heute: KI ist kein Einweg-Massenmedium wie der Volksempfänger, sondern ein vielseitiges Werkzeug, das sowohl dezentral genutzt als auch kritisch geprüft werden kann. Das Risiko entsteht nicht durch breite Verfügbarkeit, sondern durch Intransparenz, Monopolisierung und fehlende Regulierung – also dieselben Faktoren, die auch beim Radio im Spiel waren.

  • Ich teile zwar auch die Kritik am Rückwärtsbezug der KI und der Banalität der praktischen Anwendungen. Und ich fürchte die enorme Gefahr der Manipulation.

    Aber was mir hier sauer aufstößt ist die viel grundsätzlichere Kritik an quantitativer und empirischer Betrachtung - ergo: Rationalität. Ja Zahlen sind nicht alles. Aber was sich nicht (auf die eine oder andere Weise) in Zahlen ausdrücken lässt, ist nichts. Gesellschaftliche Relevanz muss immer auch zu quantifizieren sein, sonst bleibt es bei bloßen Behauptungen.

    Was hier als Subjektivierung bezeichnet wird, ist doch meistens reine Mystik, die eine Rationalisierung scheut.

    Es ist doch bezeichnend, dass der Papst auch dagegen ist. Organisationen die Geschichten für wahr verkaufen wollen, müssen natürlich immer gegen Rationalität - also den Abgleich mit der Wirklichkeit - sein.

    Leider gibt es auch linke Dogmen, die nichts als Geschichten sind.

    • @Chris McZott:

      Man kann generativen Modellen nun wirklich keine übertriebene rationale Verwurzelung vorwerfen. An LLMs wird doch grade ihr unkontrolliertes "Halluzinieren" und Texte erfinden, die sich wahr anhören, ihre einprogrammierte Gefallsucht kritisiert. Was dem Papst daran nicht gefällt, ist wohl (nebst möglichen edlen Motiven) der Machtverlust seiner Institution, mit seinen religiösen Dogmen und Hierarchien, wenn da jetzt ganz profane, diffus mächtige, individualiserte Sinn-Halluzinierer in jeder Hosentasche stecken. Ein echtes Konkurrenzprodukt zur Religion, der Rede-mir-nach-dem-Mund-Pocket-Welterklärer.

  • Gefährlicher Text, der an verschiedenen Stellen weniger oder mehr verklausuliert zur Gewalt aufruft. Basis sind apokalyptische Vorstellungen und Behauptungen. Der Autor bewegt sich in seiner theoretischen Welt, was fehlt sind klare Vorschläge und konkrete Handlungsempfehlungen.

  • Ich spreche mal für meine Studierenden: Wir sind bereits abhängig von KI, weil wir seit Jahren nichts mehr selbst geschrieben haben (und lesen tun wir auch nur die Zusammenfassungen).

    • @derzwerg:

      Hilft ihren Studierenden bei den Prüfungen auch nicht viel, da sind sie gezwungen selbst zu schreiben.

  • Man sollte nicht alle KI (besser: LLM) in einen Topf werfen. Eine KI, die darauf trainiert ist, bestimmte Muster in großen Datensätzen zu finden, ist für die Wissenschaft/Medizin sehr hilfreich, neue Sachen zu finden. Es gibt einfach nicht genug Menschen, die das machen können, und KI kann das auch viel schneller.



    Genauso ist KI in Bereichen legitim, finde ich, wo auch sonst nur das Gleiche wiederholt würde. Z.B. "eigene" Einladungskarten entwerfen vs. vorgefertigte kaufen. In beiden Fällen habe "ich" kaum Kreativität zum Prozess beigesteuert, und im Fall der KI habe ich zumindest über mein Prompt ein bisschen beigetragen, sie herzustellen.

    Beide Anwendungsgebiete sind natürlich konservativ.

    • @Cededa Trpimirović:

      Nicht "besser: LLM". Die erstgenannte KI ist kein LLM.

  • Bedenkenswerter Artikel!



    Die KI-Fürsten haben sich alle dem King angedient und der hat nun entschieden, keine mächtigen, neuen KI-Versionen mehr in demokratische Länder zu liefern.



    Wie sagte neulich ein US-Journalist zu einem deutschen Kollegen in Anspielung auf das offizielle WM-Motto von 2006: Die Welt zu Gast bei Feinden ...

  • Müsste man nicht wenn man die Produkte künstlicher Intelligenz ablehnt weil sie nur zuvor gelerntes reproduzieren, ebenso 99,999% des Outputs menschlicher Intelligenz ebenso ablehnen? Journalisten etwa geben ja im Wesentlichen nur wider was sie zuvor bei der Recherche gelernt haben, der Ingenieur wendet an was andere zuvor erfunden und gelehrt haben und selbst die Mona Lisa spiegelt hauptsächlich wider was Leonardo zuvor erblickte. Wer die Reproduktion und Wiedergabe von Wissen als zwangsläufig reaktionär ablehnt müsste nicht nur wie gefordert jegliche IT verbrennen sondern auch sämtliche Bibliotheken.



    Das Sein bestimmt das Bewusstsein und eben auch den Bias des mit diesem Sein trainierten LLM. Das bedeutet aber nicht, dass sie nur unter den gegenwärtig ungleichen Bedingungen möglich ist.



    Und wäre ein Gesellschaft die nicht nur auf KI, sondern auch auf jede Form von Computern und selbst noch Kybernetik, also simple elektronische oder analoge Regelkreise, verzichtet wirklich emanzipierter und freier wenn es wieder menschliche Vollzeitjobs wären etwa den Füllstand von Wassertanks zu überwachen oder manuelle Webstühle zu bedienen?

    • @Ingo Bernable:

      So mal so ganz grob schafft es eine wieauchimmerzuumschließende "linksliberale" Subkultur es ned, eigene Strukturen aufzubauen und sich in Teilen vom real existierenden Kapitalismus autark zu machen. Kommt wie jetzt aktuell bei den Kybernetikphantasien evtl auch was Gescheites bei raus, z.B. daß mer die Rechenzentren tatsächlich klimaschonend hinkriegt und auch so Späßchen wie effizientes Programmieren/Verarbeiten/Speichern.



      Also mensch zerkloppt den Jaquard-Webstuhl ned, sondern organisiert sich seine eigenen mithilfe der Konsument*innen und macht dann bessere Stoffe.

    • @Ingo Bernable:

      "Journalisten etwa geben ja im Wesentlichen nur wider was sie zuvor bei der Recherche gelernt haben"



      Gibt es zu Recherche und Journalismus nicht so etwas wie einen Unvereinbarkeitsbeschluss?



      (Vielleicht nicht mein bestes Bonmot, aber dafür garantiert KI-frei - ich schwörs ;o)

    • @Ingo Bernable:

      "Das, was gemeinhin mit KI gemeint ist, sind Systeme der Mustererkennung und Musterreproduktion. Diese Systeme übertragen Muster aus der Vergangenheit auf die Zukunft"

      Das hat mit ihren Beispielen der Reproduktion von Wissen wenig zu tun. Angeeignetes Wissen von Menschen wird eben nicht einseitig nach einem Muster ausgelegt und angewendet.

      Zwei Ingenieure die gleiches erlernt haben, können bei deren Umsetzung völlig verschiedene Wege bestreiten z.B. pragmatisch oder innovativ an das selbe Problem herantreten und es werden wahrscheinlich zwei verschiedene Lösungen dabei herauskommen. Das nennt sich auch Individualität und die bleibt schon auf der Strecke, wenn man sich angewöhnt statt selbständig durch eigenes Denken oder durch Erlernen eigenes Wissen zu erlangen.

      Textgeneratoren sind dafür das beste Beispiel. Die Struktur kommt der Denkfaulheit des Menschen sehr entgegen, nur Erlernen tut er durch die Anwendung herzlich wenig und selber Denken erst recht nicht.

      Mit der Aussage des Autors, das KI somit fundamental unvereinbar mit emanzipierten, egalitären und freiheitlichen Gesellschaften ist, stimme ich daher überein.

      • @Sam Spade:

        KI ist ein Werkzeug das wie jedes andere auch richtig und falsch eingesetzt werden kann. Richtig eingesetzt dürfte diese Technologie ein größeres emanzipatorisches Potential als jede andere zuvor haben. Internet und Smartphones führten dazu, dass wir den Zugang zum gesamten Wissen der Menschheit in der Hosentasche bei uns tragen. Der Zugang zu den Grundlagen der Quantenphysik oder den aktuellsten Entwicklungen post-strukturalistischer Theoriebildung ist jederzeit nur einen Klick entfernt, aber man kann sich eben auch monatelang einfach nur Cat Content reinziehen. Mit KI haben wir nun auch einen sehr geduldigen Professor in der Hosentasche der jederzeit bereit ist uns all diese Dinge auch zu erklären und zugänglich zu machen, den wir aber auch dazu nutzen können noch viel mehr Cat Content zu produzieren. Das Problem ist nicht KI, das Problem sitzt wieder einmal vor den Bildschirmen.

      • @Sam Spade:

        Überprüfen Sie doch einfach mal selbst Ihre Behauptung, indem Sie drei verschiedenen LLMs die selbe Frage stellen, die eine originelle Antwort erfordert. Meiner Erfahrung nach bekommt man dann drei verschiedene Antworten, von denen meist mindestens eine originell ist. Kein schlechter Schnitt, wenn man es mit Menschen vergleicht...

      • @Sam Spade:

        1/2



        Ausgangspunkt ist bei den meisten generativen Modellen White Noise. Das ist der Grund dafür warum der exakt selbe Prompt bei jeder Eingabe, etwa für den Entwurf einer Brücke, unterschiedliche Ergebnisse liefert. Und auch wenn das sicher keine menschliche Individualität ist und der Ausdruck der Persönlichkeit des Architekten bei der Gestaltung von Autobahnbrücken ganz fraglos ein Thema von überragendem kunsthistorischem Interesse darstellt geht es eben bei den allermeisten Anwendungen eben nicht darum einzigartige Kunstwerke zu schaffen, was die allermeisten Menschen ohnehin nicht tun, sondern schlicht um Effizienz und Nutzwert.



        Wenn man das mechanistische Funktionieren von KI, das ohne jeden göttlichen Funken künstlerischen Genies Ergebnisse produziert als Bedrohung von "emanzipierten, egalitären und freiheitlichen Gesellschaften" auffasst müsste das für jede andere Maschine die seriell die immer gleichen PKWs, Handys, Zahnbürsten, etc. herstellt erst recht gelten.

  • Der Vergleich mit dem Protest gegen die Webstühle ist treffend.



    .



    Genau wie damals ist der Aufstand der Betroffenen verständlich, aber gleichzeitig völlig aussichtslos.



    .



    KI lässt sich nicht verhindern, wir müssen einen Weg finden damit umzugehen und Regulierungen schaffen. Die 🐱 ist aus dem Sack, die "Atombombe" erfunden und weltweit in Nutzung.

  • Der Artikel benennt wichtige Probleme wie Machtkonzentration, Bias und Überwachung. Er geht aber einen Schritt weiter und behauptet, KI sei ihrem Wesen nach unvereinbar mit einer freien und egalitären Gesellschaft. Genau hier beginnt die Kritik: Dass eine Technologie vergangene Muster reproduzieren kann, macht sie nicht automatisch grundsätzlich autoritär. Auch Menschen entscheiden auf Basis von Erfahrungen, Traditionen und bestehenden Normen. Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob KI existieren darf, sondern wie sie reguliert wird, wem sie gehört und zu welchem Zweck sie eingesetzt wird. Der Text kritisiert reale Missstände, verallgemeinert sie jedoch auf das gesamte Feld der KI und setzt damit voraus, was er eigentlich erst beweisen müsste.

    • @Carl Rouberg:

      Dass eine Technologie vergangene Muster reproduzieren kann, macht sie nicht automatisch grundsätzlich autoritär.



      ----



      Glaubst Du?



      Vergangene oft ungeprüfte Muster replizieren Vergangenes & oft autoritäres!



      Wenn Du da noch die Tendenzen einrechnest, Dir anschaust, in welcher Hand die großen "Text-Papageien" sind, deren Hintergrund einbeziehst, wird sich wohl nicht nur mMn. automatisch eine sich verstärkende autoritäre Richtung einschleichen.



      Diese Programme sind ja keine, von Altruisten in die Welt gesetzten Werkzeuge, sondern "Tools" um Kommunikation zu beherrschen, zu kontrollieren, uvam.!



      Klar kann KI/AI in bestimmten Problemfeldern hilfreich sein. Wenn z.B. große Datenmengen, siehe t.B. MRT's verarbeitet werden müssen. Doch für allgemeine Entscheidungen, auch für Textproduktion, "zementieren" sie nur "vergangenes"!



      UND, was in der Vergangenheit mit unserer Gesellschaft passierte, Menschen-, Bürger- & Völkerrecht, Sozialstaat, Umwelt, Klima, uvam. ist mMn. alles ANDERE als eine Lösung für "die Zukunft"!



      Dafür muss über "Vergangenes" hinaus gedacht werden, & das können statische Modelle wohl bewiesenermaßen NICHT!

      • @Sikasuu:

        Aber ist denn das Wissen vergangener Zeiten wirklich ausschließlich autoritär und rechts? Sicher, man muss wohl annehmen, dass in den Trainingsdaten auch Ideen von Rand, Nozick, Schmitt, oder gar Hitler stecken, ebenso aber solche von Marx, Kropotkin, Proudhon oder Goldman. Was davon man abruft ist einem aber eben selbst überlassen.



        Und in der Disziplin über das Vergangene hinaus denken zu können brilliert die menschliche Intelligenz ja nun auch nicht gerade. Die Rechten pflegen die Sehnsucht nach dem völkisch-autoritären Nationalismus aus dunklen Zeiten und für die Linken scheint der verzweifelte und staatstragende Kampf um den Erhalt des Status Quo das leist- und erreichbare bereits zu übersteigen. Aber positive Visionen oder gar utopische Zukunftsentwürfe hat doch aktuell niemand im Angebot.

      • @Sikasuu:

        Den Beweis würde ich gerne sehen. Bitte verlinken!

  • Ich zitiere mal diesen einen Satz, "Die Reproduktion von Mustern ist zwangsläufig konservativ, weil die Daten nur Vergangenes abbilden können" und wiederhole ein sehr bekanntes Beispiel: Wenn ein Konzern einen Aufsichtsratsposten neu besetzen möchte und sich auf KI verlässt, wird unter den männlichen und weiblichen Bewerbern, die alle vergleichbare Qualifikationen vorweisen, vermutlich wieder ein Mann ausgewählt werden, denn die KI orientiert sich an den vergangenen meiste männlichen Aufsichtsratsmitgliedern. Insofern ist die KI in der Tat "konservativ".

    • @Il_Leopardo:

      Habe gerade mal die Probe aufs Exemple mit Gemini gemacht: "Schlage geeignete Kandidaten für die Nachfolge von Bundespräsident Steinmeier vor." wobei der Prompt bewusst im generischen Maskulinum formuliert ist.

      Die Antwort: Ilse Aigner (CSU), Karin Prien (CDU), Monika Grütters (CDU)

      Die Begründung: "Da [...] im politischen Berlin ein breiter Konsens darüber herrscht, dass erstmals eine Frau das höchste Staatsamt übernehmen sollte". Sowie die Beobachtung, dass im politischen Diskurs vor Allem über bürgerlich-konservative Kandidatinnen gesprochen würde.

      Es werden also tatsächlich 'konservativ' die bestehenden Muster der gesellschaftlichen Debatte aufgenommen und widergegeben. Die Frage ist aber doch ob das nicht genau das ist was auch gewollt und sinnvoll ist. Wie brauchbar wäre ein Modell, dass sich um Vorgaben und Erwartungen nicht schert und stattdessen als Kandidaten für den Bundespräsidenten Darth Vader, Muhammad Ali und den Osterhasen vorschlagen würde?

      • @Ingo Bernable:

        wunderbar!

      • @Ingo Bernable:

        Wie sagte doch Frau Hoppenstedt (Loriot): „Da regt mich ja schon allein die Frage auf!“

        • @Mondschaf26:

          Das ist halt der Unterschied zwischen Fau Hoppenstedt und der KI. Letztgenannte regt sich über nichts auf. Sie fühlt nichts. Hat Vor- und Nachteile. Ich versuche das auch manchmal, indem ich zu mir sage: "Bleib ganz ruhig Alter!" Oder "nicht aufregen, nur wundern"!

      • @Ingo Bernable:

        Immerhin sind es Frauen, aber natürlich konservative Gestalten und nur solche, die auch schon "im Gespräch" waren oder sind. Dabei täte dieser Republik doch wirklich einmal ein "großer Geist" ganz gut. Wir sind doch das Land der Dichter und Denker - aber vielleicht ist das einfach nur Vergangenheit.

        • @Il_Leopardo:

          Ob es Vorschläge sind die von linker Warte aus genehm sind ist ja eine völlig andere Frage. Aber die These, dass weil bisher alle Bundespräsidenten Männer waren KI zwangsläufig auch nur männliche Kandidaten vorschlagen könne, scheint jedenfalls nicht grundsätzlich haltbar wenn es um hinreichend komplexe Modelle mit korrekt gesetztem Kontextfenster geht.

          • @Ingo Bernable:

            Das erfreulicherweise Frauen genannt wurden - habe ich ja konzediert. Liegt vermutlich daran, dass viele Stimmen der Meinung sind, dass die Zeit reif ist für eine Frau in diesem hohen Amt. Trotzdem: Die KI denkt nicht, sondern sie orientiert sich an den mehr oder weniger ernst gemeinten Vorschlägen, die gerade im Raum stehen. Alle anderen Personen, seien es nun Philosophen, Dichter und Denker, bekannte Inhaber von Lehrstühlen werden offensichtlich nicht in Erwägung gezogen. Wenn man nun den "Horizont" der KI erweitern würde, wäre ich neugierig, welche Auswahl sie dann treffen würde.

            • @Il_Leopardo:

              Mein Argument ist ja, dass die KI auch gar nicht denken soll, sondern einfach nur ein möglichst präzises und erwartungskonformes Ergebnis ausspucken. Und natürlich kann man den Arbeitsauftrag auch problemlos so formulieren, dass eher wenig bedachte (Buyx, Göpel, Levit, Kermani, Heusgen, Harbath) oder auch völlig unpassende (Gottschalk, Bohlen, Böhmermann) Kandidat*innen vorgeschlagen werden. Die Maschine funktioniert also, dennoch dürften all diese Personen kaum realistische Chancen haben sich gegen die Präferenzen des öffentlichen Diskurs und die partei- und machttaktischen Kalküle der Bundesversammlung durchzusetzen.

  • Nur Reproduktion von Mustern! (...)



    Die statistischen Verfahren im Kern von Textgeneratoren wie etwa ChatGPT errechnen die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Wort auf das nächste folgt, um am Ende Sätze zu produzieren, die uns wie menschliche Sprache erscheinen. Die Ergebnisse von ChatGPT sind aber nicht Ausdruck des Verstehens, sondern lediglich eine mathematische Reproduktion von Mustern in datafizierten, auf digitalen Quellen basierenden Textkörpern.



    ----



    Nicht nur DAS!



    Zum Training werden ungeprüfte Texte aus der "Vergangenheit" genutzt! D.h. "Alles in einen Topf, durchrühren, & diese "Suppe" als "Neu zu verkaufen!"



    Ein kurzer Blich in YOUTUBE, wo gefühlt mehr als 50 % der neuen Beiträge schon KI produziert sind, belegt das! Sinnlose sich teilweise widersprechende Texte, nicht zu übersehende Tendenzen, uvam. zeigt sehr eindeutig den Weg, den KI/AI vorgibt!



    " ... Die epistemische, soziale und physische Gewalt von KI ist kein Designfehler und nicht Resultat mangelnder Daten, sondern ihr zentrales Feature. ... "



    Dem ist nicht hinzuzufügen.



    Wenn wir dann noch einbeziehen, das die wenigen Ansätze sich in Hand von US-Unternehmen befinden, sollten wir die Finger davon lassen!

    • @Sikasuu:

      Wenn mit "wir" die Menschheit gemeint ist, würde ich zustimmen. Was aber, wenn die zwei größten Ökonomien massiv auf KI setzen, die EU aber nicht? Mglw. dies: europe2031.ai/

      Wir müssen uns also zwangsläufig damit beschäftigen, da es ein Teil der globalen Realität ist. Das heißt nicht, dass wir im wahnsinnigen Wettlauf um AGI mitmachen müssen. Aber mglw. sollten wir intensiv in alternative, inhärent menschenkompatiblere und sicherere Formen von KI investieren.