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Grüne und FriedenspolitikIn Verkennung der Realität

Gastkommentar von

Winfried Nachtwei

Der Mediziner Tom Bschor ist wegen der Aufrüstungspolitik der Grünen aus der Partei ausgetreten. Sein Ex-Parteikollege Winfried Nachtwei bedauert den Austritt, widerspricht ihm aber.

Oleg, ein ukrainischer Soldat in einem zerstörten Krankenhaus in Kostiantynivka, Ukraine am 28. Dezember 2025 Foto: Diego Herrera Carcedo/imago

A ls Gründungsmitglied der Grünen und friedenspolitisch Engagierter bedauere ich den Parteiaustritt von Tom Bschor, sein Abschiedsbrief bestürzt mich. Der Autor verurteilt den russischen Angriffskrieg, verkennt aber den besonderen „Charakter“ dieses Krieges. Dieser soll die Eigenstaatlichkeit der Ukraine vernichten, die Vollinvasion geht einher mit nuklearen Drohungen gegen „zu viel“ militärischen Beistand für die Ukraine sowie hybriden Angriffen, ja einer regelrechten Informationskriegsführung gegen das demokratische Europa, auch Deutschland.

Als Veto-Macht blockiert Russland den UN-Sicherheitsrat in seiner Primäraufgabe der Wahrung von internationaler Sicherheit und Weltfrieden. Dem terrorisierten Land konsequent zivile und militärische Überlebenshilfe zu leisten und zugleich eine eigene Verteidigungsfähigkeit für eine wirksame Friedenssicherung a u c h durch glaubwürdige Abschreckung wiederherzustellen, ist ein Gebot gemeinsamer europäischer Sicherheit und demokratischer Wehrhaftigkeit. Hier Grünen, Union, Teilen der SPD eine „auf militärische Eskalation setzende Ukraine-Politik“ und eine „einseitige Militarisierung“ vorzuwerfen, verdreht die Rollen von Angreifern und Unterstützern der Überfallenen.

Bild: privat
Winfried Nachtwei

ist Experte für Friedens- und Sicherheitspolitik. Er saß von 1994 bis 2009 für die Grünen im Bundestag, unter anderem als sicherheitspolitischer Sprecher.

Überraschend war für viele der russische Großangriff 2022 – ebenso, wie viel an Unterstützung die Nato- und EU-Länder zustande brachten, die ein halbes Jahr vorher noch in Afghanistan gescheitert waren. Im Nebel eines solchen Krieges, wo es für die Ukraine nach Jahrzehnten der sowjetischen und nazistischen Terrorisierung um nationales Überleben geht, eine „strategische Erfolgsabschätzung“ von außen einzufordern, missachtet die Entscheidung derer, die um ihr nacktes Überleben kämpfen.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.

Unterschiedliche Formulierungen des Ziels der Ukraine-Aufrüstung können nicht darüber hinwegtäuschen, dass das völkerrechtliche Kernziel die Wiederherstellung der territorialen Unversehrtheit des Landes war und realpolitisch auf jeden Fall eine überlebensfähige Ukraine in sicheren Grenzen.

„Eine gleichermaßen energische diplomatische Strategie“ einzufordern, verkennt, was es an diplomatischen Bemühungen gegeben hat. China, das am ehesten die russische Politik beeinflussen könnte, umgeht die Sanktionen gegen Russland, bezieht drei Viertel seines Öls aus Russland und liefert wichtige Dual-Use-Güter, darunter Drohnen-Bestandteile, nach Russland. Es ist eine Grundpflicht deutscher Diplomatie, nach Möglichkeiten von Dialog und Verständigung zu suchen.

Diplomatie ist kein Alleskönner und kann bei Gewaltakteuren an Grenzen stoßen

Aber Diplomatie ist kein Alleskönner und kann bei bestimmten Gewaltakteuren an Grenzen stoßen. Unbestreitbar gehört Wettrüsten zwischen waffenstarrenden Nationen zu den zentralen Kriegsursachen. Deshalb sind bei der notwendigen Wiederherstellung von Verteidigungsfähigkeit Möglichkeiten der Rüstungskontrolle immer mitzudenken, um ein ungebremstes Wettrüsten zu vermeiden.

Die Behauptung des Autors, nicht die „gescheiterte Chamberlain’sche Appeasement-Politik präge die Geschichte“, trifft angesichts der Bedrohungslage in Europa daneben. Die Appeasement-Politik der 1930er Jahre ist das historische Lehrbeispiel dafür, wie der wahre Charakter eines aggressiven Regimes verkannt und die eigene Verteidigungsfähigkeit vernachlässigt wurden. Mit dem Ergebnis, dass Nazi-Deutschland die europäischen Nachbarn der Reihe nach überfallen, besetzen und im Osten mit Vernichtung überziehen konnte.

Friedenspolitisches Wunschdenken wirkte als Einladung für Aggressoren und trug mit dazu bei, dass der 2. Weltkrieg entbrennen konnte. Im kollektiven Gedächtnis unserer Nachbarn vor allem im Nord-/Osten wird deshalb die Maxime „Nie wieder Krieg“ weiter buchstabiert: „Nie wieder wehrlos, nie mehr allein!“ Es zeugt von irritierender Geschichtsvergessenheit, diese historische Erfahrung zu ignorieren.

Vorwurf des Pazifismus-Verrats

Tom Bschor wirft seiner ehemaligen Partei einen „letztlich autoritären Mangel an Debattenkultur“ und fehlendes „kritisches Bewusstsein für die Rolle der Rüstungslobby“ vor. Offenbar hat er sich nicht kundig gemacht, was es in der Bundestagsfraktion und der Partei dazu an Debatten und Initiativen gegeben hat. Er fragt, warum „die Bundeswehr mit bis 2022 bereits 50 Milliarden Euro pro Jahr keine Sicherheit gewährleisten“ konnte. Der erste Grund war, dass die Bundeswehr auf Kriseneinsätze mit leichterer Ausrüstung ausgerichtet war, was mit der Abrüstung wesentlicher Fähigkeiten der Landes- und Bündnisverteidigung einherging.

Zum Schluss noch der Vorwurf, die in den 1980er Jahren mit der Friedensbewegung groß gewordenen Grünen würden ihre pazifistischen Wurzeln verleugnen. Als Aktivist der damaligen Friedensbewegung erinnere ich mich deutlich, dass diese und die Grünen primär atompazifistisch, überwiegend antimilitärisch waren.

Der Vorwurf des Pazifismus-Verrats ignoriert, dass wir in den 1990er Jahren mit den Balkankriegen konfrontiert waren: Was tun, wenn Zivilbevölkerung in „Schutzzonen“ umzingelt, beschossen, massakriert wird?

Wir wurden darauf gestoßen, dass in politischer Verantwortung zum Grundwert Gewaltfreiheit auch der Schutz vor Massengewalt gehört. Diese Erfahrungen wurden in einem breiten Programmprozess aufgearbeitet. Seitdem verfolgen die Grünen eine Außenpolitik nach den Normen der UN-Charta und der Responsibility to Protect. Sie wurden im Bundestag zu Treibern des neuen Politikfeldes zivile Krisenprävention.

Keine andere Partei in Deutschland hat sich ein solches intensives friedens- und sicherheitspolitisches Erfahrungslernen erlaubt, erst recht nicht Linke und BSW. Im kältesten Winter seit Jahren zerstören russische Drohnen- und Raketenangriffe systematisch die Versorgung von Millionen Menschen mit Strom, Heizung, fließend Wasser, Internet. Gruppierungen, die sich als Friedensbewegung verstehen, schweigen notorisch dazu. Auch der prominente Facharzt schweigt dazu. Gerade in diesen Tagen wären Zeichen und Taten der Solidarität mit den terrorisierten Nachbarn in der Ukraine angebracht.

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58 Kommentare

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  • 1979 intervenierte Vietnam vollautonom in Kambodscha und bekämpfte das Pol Pot-Regime militärisch. In Kambodscha wurden v.a. muslimische Chams, Vietnamesen und andere Minderheiten ermordet, um die Bevölkerung als Khmer zu homogenisieren.



    1980 intervenierte Tanzania vollautonom in Uganda und vertrieb Idi Amin Dada von der Macht. Damit wurde der dortige Massenmord beendet.



    Beides war notwendig und richtig.

  • "Seitdem verfolgen die Grünen eine Außenpolitik nach den Normen der UN-Charta und der Responsibility to Protect."



    Sehr gut.



    Mich freut diese Erwiderung von Winfried Nachtwei. Genau diese Widersprüche bei Bschor hatte ich auch gesehen.



    Ich denke, es ist allgemein eine Art Desinteresse an der Realität, wenn Menschen an ihren Friedensprinzipien festhalten - egal wer wen angreift. Genau das erlebe ich bei den Leuten, die den Darstellungen der IMI folgen: "Informationsstelle Militarisierung". Z.B. Boris Johnson habe die Verhandlungen in einem frühen Stadium 2022 verhindert. Nein, da war das Massaker in Butscha der Anlass, auf Seiten der Ukrainer, die Verhandlungen abzubrechen.



    Das Schlimme ist ja, dass die ganzen Unterstützer-Regierungen der Ukraine viel mehr auf der Linie von Bschor liegen, als er wahrnehmen möchte.



    Unterlassene Hilfeleistung ist grausam.

  • Solange es imperiale Mächte gibt, wird es wohl Gegenwehr geben müssen. Es gibt zwei Optionen: Hochrüstung für den industriellen Krieg mit aller Vernichtung, die dazugehört ODER eigene Vorbereitung auf Gegenwehr mit allen möglichen dezentralen, defensiven und deeskalierenden Mitteln. So wenig wie möglich Opfer unter den Lebenden, keine weitere Naturzerstörung. Gesellschaftlich organisiert. Diese zweite Option nenne ich defensiv. Zwei Länder in Europa haben Erfahrung damit: die Schweiz und Irland. Umdenken ist vernünftig und muss sein. Danke Tom, dass du damit angefangen hast.

    • @Uli Priester:

      Das ist völlig unrealistisch. Die Situation in der Tschechoslowakei zeigte: nach dem Einmarsch der sowjetischen und weiteren Truppen 1968 kam es zur Anwendung einer Vielzahl von Formen sozialer Verteidigung. Die Einwohner wandelten ihren Widerstand in stärkere Militanz. Es nützte nichts. 1970 galt der Prager Frühling als militärisch beendet.



      Ungarns Austritt aus dem "Warschauer Pakt" 1956 wurde nach einer Woche mit Truppen besiegt.



      Hilfe von außen kam in beiden Fällen keine.

      • @Land of plenty:

        Vietnam ist ein Gegenbeispiel. Viele Opfer und Agent Orange von der Firma Boehringer, harmlos war es nicht. Wenn wir auf die Totalzerstörung zusteuern (in vielfacher Weise), lohnt es sich, über andere Wege nachzudenken. Tom Bschor hat es getan und Konsequenzen gezogen. Gehirnschmalz plus Empathie. Umdenken und danach handeln ist das Geheimrezept. Von heute auf morgen geht es wahrscheinlich nicht. Viel Erfolg bei der Aufrüstung.

        • @Uli Priester:

          @Uli Priester



          Die Macht der Rüstungsindustrie, der Wirtschafts-, Industrie- & Kapitalstrukturen, vertreten durch tausende Lobbyisten, die auf " unsere " Parlamentarier permanent einwirken, zeigen ihre Wirkungen..



          www.lobbycontrol.de

          oezlem-alev-demirel.de/



          blackrock-und-der-drohende-ausverkauf-der-ukraine/

          www.mehr-demokratie.de

  • "Diplomatie ist kein Alleskönner und kann bei Gewaltakteuren an Grenzen stoßen"

    Einerseits richtig. Das militärisch reagiert wurde und wird ist richtig und wichtig. Andererseits darf das keine Ausrede sein, dass man nicht parallel und unablässig sich der Mittel der Diplomatie bedient. Es hatb keiner behauptet, dass diese Vorgehensweise einfach ist und sofort zum Erfolg führt. Trotzdem sollte man den Spagat wagen und Beides einsetzen: militärische Unterstützung und Diplomatie. Beides ist wichtig!

  • Das Grundproblem der Grünen ist, dass diese sich nicht nur um 180 Grad gedreht haben, sondern jetzt - wenn vielleicht auch nur gefühlt - auf alle eindreschen, welche sich weiterhin für Antimilitarismus und Abrüstung einsetzen.

    Eine gewisse YGL - Memberin hat dazu maßgeblich beigetragen und den Ton verschärft. Inkl. verstörender Aussagen an der Oder.

    • @Drehrummbumm:

      "Das Grundproblem der Grünen ist, dass diese sich nicht nur um 180 Grad gedreht haben, sondern jetzt - wenn vielleicht auch nur gefühlt - auf alle eindreschen, welche sich weiterhin für Antimilitarismus und Abrüstung einsetzen."

      Der Sprung von "Schwerter zu Flugscharen" zu "Frieden schaffen mit mehr Waffen" fand ja nicht kurz nach 2022 statt, sondern 1998.



      Aktuell ist IMO mehr die Gefühlswelt jener betroffen, die denken, Petra Kellys Rede im Bonner Hofgarten sei heute für die Grünen mehr als ein Aktenvermerk.



      Die aktuellen Ereignisse machen es unmöglich für Leute, sich vorzumachen, die Grünen hätten wenigstens noch ein Fitzelchen dessen, was sie damals in den Bundestag brachte. Dabei ist das - jedenfalls im Kontext Friedenspolitik - seit fast 30 Jahren so. Andere Inhalte hatten andere Ablaufdaten.

  • Die Ukrainer kämpfen gegen eine Invasion und um ihr Überleben als Volk und Staat. Gerade Deutschland, dass im zweiten Weltkrieg weiter Teile des Landes zerstört hat, hat die moralische Pflicht, ihnen dabei beizustehen.

    Russland ist eine Bedrohung für Deutschland und, noch direkter, für unsere östlichen europäischen Nachbarn. Der Aufbau militärischer Kapazitäten für die Verteidigung, auch die solidarische Verteidigung diese Nachbarn, ist notwendig.

    Ich sehe beides als so offensichtlich wahr an dass ich nicht verstehe, wie man diese beiden Grundsätze anzweifeln oder gar leugnen kann.

    • @gzost:

      Sätze, die mit "Gerade Deutschland..." anfangen, stehe ich i.d.R. sehr skeptisch gegenüber. Oft wird damit eine scheinbare Sonderstellung begründet, gerne auch mit moralischem Anspruch. Besser ist es sich mit anderen Ländern zusammenzuschließen und gemeinsam vorzugehen. Dies wird in diesem Fall auch gemacht. Gottseidank

  • "Als Veto-Macht blockiert Russland den UN-Sicherheitsrat in seiner Primäraufgabe der Wahrung von internationaler Sicherheit und Weltfrieden. "



    Nach der UN-Charta dürfte eine Vetomacht bei Angelegenheiten, wo sie selbst involviert ist, eigentlich gar nicht abstimmen. Allerdings setzt das niemand durch. Andererseits kann die Generalversammlung bei einer Blockade des Sicherheitsrats dessen Rolle übernehmen (Uniting for peace). Dieser Weg wirde aber auch nicht versucht.

  • "Nie wieder Krieg" bedeutet doch nicht, dass man jede bewaffnete Krise und Kriege einfach ausblendet und wegsieht - das wäre naiver Pazifismus.



    Es bedeutet, dass man nie wieder einen Krieg beginnt und nicht aktiv mit Soldaten an einem teilnimmt...Letzteres, bis es keine Alternative mehr gibt.



    Denn selbst der grösste Pazifist wird sich und seine Angehörigen verteidigen wollen, wenn ein Feind physisch vor der Tür steht.

    Sich nicht zu verteidigen würde nämlich bedeuten, seine Familie, Freunde und Nachbarn im Stich zu lassen und sie ihrem grausamen Schicksal zu überlassen, teilnahmslos, empathielos, wehrlos.



    So ein Verhalten stärkt letztlich einen Feind und vergrössert den Krieg, wie man an Hitler gesehen hat.

  • Haben wir denn ganz das Versprechen die Nato nicht auszuweiten vergessen? Und was waren denn die westlichen Intressen an dieser Ausweitung? Hat Russland kein berechtigtes Sicherheitsintresse? Und sage mir keiner, dass die NATO ein Friedensbündniss ist.

    • @Peter Teubner:

      Und da ist sie wieder die russisch-koloniale Sicht auf Osteuropa.

      Es gibt dort keine souveränen Staaten mit eigenen Sicherheitsinteressen, sondern ausschließlich russische Sicherheitsinteressen Ganz im Geiste der Schmittschen Großraumordnung und des Molotov-Ribbentrop-Paktes.

      Mal so zum Realitätsabgleich: in Riga und Talinn gibt es Okkupationsmuseen die sich jeweils mit drei(!) Besatzungszeiten zwischen 1940 und 1991 befassen.

    • @Peter Teubner:

      Sie verbreiten russische Fehlinformationen. Gorbatschow hat es selbst als Fabel bezeichnet, dass westliche Politiker Wortbruch bei der Nato-Osterweiterung begangen hätten.

      Putin und Lawrow haben Anfang der 2000er der Ukraine sogar freie Bündniswahl zugestanden. Außerdem hat die Ukraine nie eine Bedrohung für Russland dargestellt und es gab keine Rechtfertigung für den Überfall.

    • @Peter Teubner:

      Welches Recht hat Russland einem anderen souveränen Staat zu verbieten, mit wem es sich verbünden möchte? Richtig, Sie haben kein Recht dazu!



      Welches Sicherheitsrisiko hat Russland, wenn die Ukraine oder das Baltikum der NATO beitreten?

    • @Peter Teubner:

      Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis. Sie ist ein Friedensbündnis.

      Die Osterweiterung ist deswegen erfolgt, weil die osteuropäischen Länder aus - wie sich heute zeigt - berechtigter Angst vor Russland so schnell wie möglich in die NATO eintreten wollten. Sie haben von sich aus die NATO-Mitgliedschaft beantragt.

      Russland wurde von der NATO nie bedroht. Die NATO beschränkt lediglich die Möglichkeiten Russlands, seine westlichen Nachbarn zu bedrohen und zu erpressen.

    • @Peter Teubner:

      Solche Versprechen hat es nie gegeben. Keiner bei den 2+4 Gesprächen war in der Position für 300 Mio Slawen da Russland irgendwelche Versprechungen zu machen. Alle Nachbarn Russland haben nachvollziehbarerweise ein hohes Sicherheitsinteresse. Wie es bloß kommt?

    • @Peter Teubner:

      Dier Nato hat sich nicht einfach ausgeweitet, nein, die ganzen osteuropäischen und baltischen Staaten wollten unbedingt hinein. Im Jahr 1997 hat Rußland unter Jelzin dann den Widerstand aufgegeben, und es wurden die Nato-Rußland-Verträge abgeschlossen. Es war die Zeit des politischen Tauwetters; Beobachter sagen, daß nie zuvor (und wohl auch nie wieder) so viel Russisch auf den Fluren des Brüsseler Hauptquartieres zu hören war.

      Die Nato hat die Staaten also erst nach diesem Einverständnis aufgenommen. Die Ukraine hat man hingegen nicht aufgenommen, auch, weil Deutschland und Frankreich immer ein Veto eingelegt haben - mit Rücksicht auf Rußland.

      Unter Putin erkaltete die Liebe wieder, auch die demokratischen Entwicklungen wurden zurückgedreht. Erst DANACH beklagte sich Rußland über die selbst genehmigte Osterweiterung.

      Rußland hat 1994 übrigens auch der Ukraine vollständige Souveränität und territoriale Integrität zugesichert - damit die Ukraine, damals drittgrößte Atommacht, ihre Atomwaffen verschrottet (Budapester Memorandum). Heute könnte man denken, hätten sie sie mal behalten...

      • @Debaser:

        „Hauptquartier“ ist vielleicht nicht ganz die angemessene Bezeichnung, aber irgendwie doch entlarvend.

        • @Yes:

          Hä?? Könnten Sie erklären, wie Sie das meinen?

          • @Debaser:

            „Hauptquartier“ hat eine militärische Konnotation und ist so etwas wie eine Befehls- und Kommandozentrale. Die EU hat aber weder eine Kommandostruktur noch Militär und auch keine Befehlsgewalt über die Armeen ihrer Mitgliedsstaaten. Die Verteidigung bleibt vorrangig deren Sache. „entlarvend“ ist das, weil es möglicherweise einen recht militaristischen Blick auf die EU als Streitmacht offenbart.

            • @Yes:

              Wo lesen Sie denn in meinem Beitrag etwas über die EU? Es geht um die NATO! Da wäre eine militärische Konnotation nicht ungewöhnlich (eine "Entlarvung" vermag ich auch nicht zu erkennen). Die Bezeichnung "NATO-Hauptquartier" ist sogar die offizielle, und bevor Sie fragen: Ja, selbiges befindet sich in Brüssel.

              Es gibt aber noch nicht einmal eine militärische Konnotation. Auch in großen Unternehmen ist die Bezeichnung "Hauptquartier" (oder englisch "head quarter") gebräuchlich.

              Wenn Sie in meinem Beitrag einen Fehler entdeckt haben oder anderer Meinung sind, gehen Sie doch darauf ein und widerlegen Sie mich, anstatt zu verkünden, Sie hätten mich "entlarvt".

              • @Debaser:

                Sorry, ich habe Sie missverstanden und nichts entlarvt, sondern dummerweise nur an die EU-Institutionen gedacht. Sie haben recht, bei der NATO ist der Ausdruck vollkommen passend. Bitte vielmals um Vergebung!

    • @Peter Teubner:

      Die berechtigten Sicherheitsinteressen Russland betreffen den Schutz seiner Bevölkerung, seiner staatlichen Souveränität und territorialen Integrität. Illegitim ist hingegen der Anspruch seiner politischen und militärischen Führung, andere Staaten, Völker und Territorien als die eigenen dominieren, beherrschen oder Russland einverleiben zu dürfen - und dies auch noch mit vermeintlichen Sicherheitsinteressen zu begründen.

      "Und sage mir keiner, dass die NATO ein Friedensbündniss ist." Strohmann.

    • @Peter Teubner:

      "Haben wir denn ganz das Versprechen die Nato nicht auszuweiten vergessen? " Gab es nicht.

      "Hat Russland kein berechtigtes Sicherheitsintresse? " Russland ist nicht bedroht und hat Atomwaffen und solange Russland die Sicherheitsinteressen und die Souveränität seiner Nachbarn nicht respektiert müssen die auch nicht auf die Sicherheitsinteressen Russlands eingehen.

      "Und sage mir keiner, dass die NATO ein Friedensbündniss ist." Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis perfekt geeignet Russlands imperiale Hegemonie bestrebungen einzuhegen.

  • Nichts ist schlimmer, als andauernd frühere Entscheidungen, Grundsätze und Vorgehensweisen, als sakrosankt hinzustellen. Aktuelle Entwicklungen bedürfen aktuelle Reaktionen, auch wenn diese von früheren Entscheidungen abweichen. Deshalb ist dem Kommentar von Winfried Nachtweih zuzustimmen, weil er genau diese Problematik anspricht.

    • @Klaus Waldhans:

      Ja genau, was spricht schon dagegen, einfach alle Grundsätze über Bord zu werfen. Die Entscheidungen von gestern waren nicht ernst gemeint, die von vorgestern sollen es jetzt sein. Wenigstens die Unaufrichtigkeit hat damit Kontinuität.

      • @Yes:

        Die Grünen haben auf den Angriffskrieg Russlands und die laufenden russischen Aggressionen reagiert-nicht mehr und nicht weniger. Soll man dem Treiben Putins zusehen und schulterzuckend sagen: kann man halt nichts machen. Sie haben ihre Grundsätze nicht über Bord geworfen, sondern auf die aktuelle Situation reagiert.



        Dass mit Putin und seinen Leuten keine ernsthaften Verhandlungen möglich sind, sieht man jeden Tag aus Neue. Dies als kriegstreibende Rhetorik und Handlung zu diffamieren, ist nichts anderes als eine Täter-Opfer Umkehr.

        • @Klaus Waldhans:

          Bis einschließlich 2021 propagierten die Grünen „Keine Waffen in Kriegsgebiete“, weil sie sich als Friedenspartei sahen. Unter den Waffen würde die Zivilbevölkerung leiden und sie würden Konflikte nur verlängern. Besonders kritisiert wurden Lieferungen an Saudi-Arabien, die im Jemen völkerrechtswidrige Angriffe durchführten. Kaum im Amt genehmigten Baerbock und Habeck (prägende Figuren der Grünen) Waffenlieferungen an Saudi-Arabien, obwohl dies sogar gegen den Koalitionsvertrag verstieß. Seit dem russischen Angriff überbieten sich die Grünen zudem gegenseitig mit zahlreichen Forderungen nach immer mehr und immer durchschlagskräftigeren Waffen für die Ukraine. Gerechtfertigt wird das mit deren Selbstverteidigungsrecht. Da fragt man sich: Hat der Jemen dieses Recht nicht auch? Kann man mit MBS besser verhandeln? Ist die Ukraine kein Krisengebiet? Lebt da keine Zivilbevölkerung? Sind die Werte jetzt wertlos? Hat man sie sich überhaupt überlegt? Und wer heute vehement ablehnt, was er morgen tatkräftigst unterstützt, könnte genauso gut dem Kreml Waffen liefern, für Zwangsarbeit plädieren o. ä. Blödsinn machen. Die Glaubwürdigkeit steigert dieser beliebige Opportunismus jedenfalls nicht.

  • Hr Nachtwei macht es sich zu einfach.

    Er geht letztlich kaum auf die fundierte und selbstreflexive Kritik seines enttäuschten Parteikollegen ein.



    Dazu müsste man dessen Argumente würdigen und sich ernsthaft damit auseinandersetzen.

    In der Partei der kompromisslosen Pazifistin Petra Kelly werden solche Fragen heute leider nicht mehr diskutiert geschweige denn beantwortet.



    Stattdessen werde Pazifisten als Zyniker oder gleich als „Putin“-Freunde geframed und vertrieben.

    Das mit Blut und Leid geschriebene Fazit „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“ galt und gilt wortwörtlich und ohne jegliche Relativierung.

    Es zeugt von irritierender Geschichtsvergessenheit, diese historische Erfahrung zu ignorieren.

    • @hsqmyp:

      Wenn Sie nie wieder Faschismus in Europa wollen, dann unterstützen Sie besser die Ukraine in ihrem Verteidigungskampf gegen den russischen Faschismus. Sonst breitet er sich auf andere europäische Länder aus.

    • @hsqmyp:

      Da muss ich wohl einen anderen Artikel gelesen als Sie, denn Nachtwei geht sehr wohl, detailliert und auch sehr sachlich auf den Beitrag seines Ex-Parteifreundes ein, obwohl dieser nun wahrlich alles andere als "fundiert" und "selbstreflexiv" ist.



      Bschor bringt in seinem Beitrag kein einziges neues Argument, sondern wiederholt nur längst vorgetragene Positionen, grundiert von einem Fundamentalpazifismus, der allen Ernstes die Vorgeschichte von WK I zur Blaupause nimmt. Dabei hat gerade die Appeasement-Politik der späten 30er Jahre grundsätzliche Fragen aufgeworfen (auf die Nachtwei hinweist), denen sich aber viele Pazifisten schlicht verweigern.



      Letzeres gilt auch für die immer wieder vorgetragene Forderung nach Verhandlungen, die man längst nur noch unter Realitätsblindheit verbuchen kann. Wer heute immer noch behauptet, eine Friedenslösung scheitere an fehlender Verhandlungsbereitschaft des Westen, stellt die Fakten schlicht auf den Kopf. Auch darauf geht Nachtwei übrigens ein. Putin ist bis heute keinen Yota von seinen Zielen abgerückt.



      Und was Ihren letzten Satz mit der bekannten Formel angeht: dessen inhärenter Widerspruch ist auch Ihnen offenbar nicht aufgefallen.

    • @hsqmyp:

      "Das mit Blut und Leid geschriebene Fazit „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“ galt und gilt wortwörtlich und ohne jegliche Relativierung.

      Es zeugt von irritierender Geschichtsvergessenheit, diese historische Erfahrung zu ignorieren."



      Ganz genau, Geschichtsvergessenheit ist es, dass Faschismus nur mit militärischer Gegenwehr und nicht mit Apeasement besiegt werden kann!

      • @Eulennest:

        Und wie jemand angeblichen Faschismus militärisch und nicht mit Appeasement besiegen möchte, kann man gerade in der Ukraine genau betrachten, um eine allzu pauschale Ablehnung der Appeasementpolitik vielleicht noch zu überdenken. Die im Artikel getroffene Gleichsetzung mit der Appeasementpolitik der 30er-Jahre ist jedenfalls nicht ausreichend differenziert.

    • @hsqmyp:

      @hsqmyp: Ich finde dass Herr Nachtwei sehr gut auf den Text von Herrn Bschor eingeht. Ihre Behauptung, dass "solche Fragen" bei den Grünen "nicht mehr diskutiert und geschweige denn beantwortet" würden ist absurd, denn das widerlegen ja bereits diese zwei offenen Beiträge. Und wer, bitteschön, framed hier Pazifisten als Zyniker oder Putin-Feunde? Aber wer öffentlich derart gegen eine gesamte Partei austeilt, muss auch mit den Gegenargumenten sachlich zurecht kommen, und nicht gleich behaupten, er würde von allen als Putin-Freund in die Ecke gestellt. Das ist unsachlich.

    • @hsqmyp:

      Nun hat der faschistische Staat aber leider vor sich auszubreiten, und wer das nicht möchte wird mit Krieg überzogen.



      Also, Krieg oder Faschismus?

      • @Genosse Luzifer:

        Welchen Faschismus meinen Sie denn? Den der MAGA-Bewegung aus den Staaten, den russischen Putins oder den internen der AfD?



        Von allen dreien geht Gefahr für unsere Demokratie aus. Der Streit geht aber darüber, welcher die größere Bedrohung darstellt.

        • @Abdurchdiemitte:

          Man kann natürlich auch solange darüber streiten, welcher der drei die größte Bedrohung darstellt, bis sich alle drei durchgesetzt haben...

  • Wer meint, irgendein Krieg könne einen „besonderen „Charakter““ haben, hat den Charakter von Krieg nicht verstanden.



    Da haben die Grünen auch in meinen Augen einen Rückschritt gemacht.

    • @Kay Brockmann:

      "Wer meint, irgendein Krieg könne einen „besonderen „Charakter““ haben, hat den Charakter von Krieg nicht verstanden." Nahezu jeder Krieg hat seine Besonderheiten oder wollen sie behaupten der Kartoffelkrieg und der Siebenjährige Krieg sei das Gleiche? Das ist doch das Gegenteil guter Analyse und Leugnung der Realität.

  • Ein Satz zum vollkommen gescheterten Einsatz der Nato in Afghanistan. Ein Krieg den die USA wollten, die das Angebot der Taliban ignorierten, Al-Kaida-Chef Osama bin Laden vor ein internationales Gericht zu stellen!



    Kritische Aufarbeitung des Einsatzes in Afghanistan Fehlanzeige!

    Zur Friedenspolitik im Ukrainekrieg würde gehören, Tatsachen innerhalb der Grünen und anderer Parteien kritisch zu diskutieren.







    Die Sanktionen gegen Russland sind gescheitert, die NOTWENDIGE Unterstützung der Ukraine kostet die EU Unsummen. Jetzt erhält die Ukraine einem Riesenmiiliardenkredit von der EU, um Krieg und Haushalt für zwei Jahre zu finanzieren.



    Glaubt irgendwer, die Ukraine wird diesen Kredit jemals zurückzahlen können?



    Realpolitk in Punkto Frieden wäre, den Krieg zu stoppen, eben auch mit starken Zugeständnissen an Russland, welches aufgrund seiner Größe nicht totzurüsten und totzusanktionieren ist.

    Denn auch in Afghanistan hieß es: Augen zu und durch! Doch zu welchem Preis!



    Sollen noch Hundertausende von Ukrainern und Russen sterben, wenn nicht einmal im Ansatz genug Geld vorhanden ist, um die zerstörte Ukraine wieder aufzubauen und gegen Russland abzusichern?

    • @Lindenberg:

      Meine starken Zugeständnisse an Russland sind die Folgenden:



      Beseitigung des Kreml, Putins und aller russischen Militaristen.



      Demokratisierung und Entmilitarisierung der russischen Gesellschaft.



      Solidarität mit Pussy Riot und allen Exilierten.



      Make Russia small again.

    • @Lindenberg:

      Nein, das ist historisch falsch.



      Die Taliban weigerten sich Osama bin Laden auszuliefern, denn er genieße Paschtunisches Gastrecht. Das war der Grund für den Einmarsch.



      Die ISAF hätten niemals aus Afghanistan abziehen dürfen. Es geht um Stabilisierung, Moderne und Menschenrechte.

    • @Lindenberg:

      Sogar die Sowjetunion wurde "totgerüstet" und "totsanktioniert", dagegen ist Russland nur ein Zwerg. Die aktuellen Meldungen über die höchste staatliche Auslandsverschuldung seit Jahrzehnten passen auch nicht zum Kommentar.

    • @Lindenberg:

      Wieder und wieder kommen sie hoch, die Falschbehauptungen. Wo fängt man da an? Alles nochmal kurz durchgehen, damit sie zumindest nicht unwidersprochen bleiben?

      Sanktionen haben nicht gewirkt, ist klar. These bleibt natürlich ohne Sachargumente zur Begründung. Russlands Öleinnahmen sind im Keller, Inflation von >20%, Flugsektor im Inland zerbröckelt, Bahn bröckelt, Konzernriesen wie Gazprom entlassen tausende Leute: alles Zeichen eines unbesiegbaren Russlands. Jetzt hat ihnen Musk sogar noch Starlink abgedreht um seinen Börsengang zu finanzieren. Alles Zeichen von Unbesiegbarkeit.

      Man gibt der Ukraine Geld, damit sie den Krieg von der EU fernhält, keiner geht davon aus, dass das Geld "zurück" kommt? Was ist das für eine Stimmungsmache?

      Hui dann noch ein paar Zeilen welche wortwörtlich von der Unbesiegbarkeit Russlands sprechen... harter Tobak. Gibt einem das Gefühl, sich noch einmal über die Dead-Internet Theorie Gedanken zu machen.

      Und wieso soll es eine gute Idee sein, dem unerreichbaren, unbesiegbaren, an der Front aber auch unbeweglichem Russland noch mehr Menschen auszuliefern? Wer solche Freunde hat...

      • @Genosse Luzifer:

        Danke für die Kritik. Leider iat aufgrund des beschränkten Raumes nur eine sehr plakative Argumentation möglich. Empfehle den aktuellen Wortwechsel im Deutschlanddunk zur Sicherheitspolitik. Eine Friennsforscherin fordert eine Umkehr in der sicherheitspolitischen Debatte, also vor allem den erweiterten Sicherheitsbegriff zu diskutieren.

        Ein Ökonom weist darauf hin, dass es vollkommen verfehlt sei, Waffensysteme aus den USA zu kaufen, statt eine europäische Sicherheitssindustrie aufzubauen, um zu verhindern, dass das viele Geld in Preissteiigerungen der Industrie verpuffe.



        Die Schuldenqoute in Punkto Aufrüstung erreiche aufgrund einer ineffizienten Aufrüstung in der BRD bald 100 Prozent. Der Ökonom weist darauf hin, dass dieses erhebliche Folgen für die soziale Absicherung haben wird, denn in wenigen Jahren sei das Geld aus dem Sondervermögen erschöpft.



        Und. Und. Und.



        Sicherheitspolitik gebe es nur mitenander und nicht gegeneinander, mahnt die Friedensforscherin.



        Eben dieses konzeptionelle alternative Denken ist bei den Grünen in punkto Sicherheit überhaupt nicht mehr vorhanden.

        www.deutschlandfun...en-sicher-100.html

  • Es gibt bei den Grünen, z.B. seitens der verteidigungspolitischen (und nicht wehrpflichtigen) Sprecherin, tatsächlich einen unerträglichen Militarismus. Dennoch stimme ich dem Autor in seiner Analyse weitestgehend zu, auch wenn sich in mir emotional alles dagegen sträubt.



    Es gibt allerdings zwei Formulierungen, die für mich wie rote Flaggen aufleuchten:

    „…die Entscheidung derer, die um ihr nacktes Überleben kämpfen.“ Genau diese werden nicht gefragt. Es entscheiden diejenigen, deren Position von dem Fortbestehen des ukrainischen Staats in seiner jetzigen Form abhängen. Um ihr nacktes Überleben kämpfen Soldaten, die ausgesandt werden, um andere Soldaten zu töten und zu sterben. Ob es unter dieses primärbetroffenen einen Konsenz gibt, wage ich zu bezweifeln. Einem Toten Soldaten nutzt eine verlorene Provinz weniger wenig, was sich auch darin zeigt, dass sich immer weniger Nachschub für den Fleischwolf finden lässt.

    „Was tun, wenn Zivilbevölkerung in „Schutzzonen“ umzingelt, beschossen, massakriert wird?“ Die Antwort auf diese Frage war und ist immer selektiv. Die Aussage kann auf Gaza und Kosovo anwenden.



    Kosovo: 100.000 Tote, Waffenlieferungen

    • @Henne Solo:

      Ja, das sehe ich auch so.



      Und genau das ist das auch der Wesenskern des Pazifismus nach WK 1…

  • Danke für diesen sehr guten Kommentar! Über die Worte von Tom Bschor war ich fassungslos.

    • @Radelnde:

      Dem schließe ich mich an. Vielen Dank für diesen sehr zutreffenden Beitrag, Herr Nachtwei.

  • Jep - Pazifist ist Diktators Liebling

    • @Fabian Lenné:

      Und soll jetzt das inhaltliche Niveau eines TAZ-Forums sein?

      • @hsqmyp:

        "Das mit Blut und Leid geschriebene Fazit „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“ galt und gilt wortwörtlich und ohne jegliche Relativierung."



        Nun ja, dieser Satz ist doch auch nur eine Phrase der Selbstvergewisserung, der angenommenen eigenen moralischen Überlegenheit und, ohne Ableitung mit Hinsicht auf politische Handlungen, eine leere Parole..

        • @mumba:

          Nein, das ist keine Phrase meiner Selbstvergewisserung.



          Das war das Fazit unserer Eltern und Großeltern nach 2 selbstverursachten Weltkriegen mit vielen Millionen Toten, sinnlos zerstörten Städten und verlorenen Landtstrichen.



          Das Fazit von Erich Maria Remarque für seinen Antikriegsroman…

          • @hsqmyp:

            Die Unterstützung der Ukraine ist keine Unterstützung eines Angriffskrieges sondern die Unterstützung zur Verteidigung. Nazideutschland konnte auch nur durch Waffengewalt besiegt werden. Ohne hätte der Faschismus, die Diktatur der Holocaust wahrscheinlich noch Jahre angedauert.