Rückreise für gestrandete Urlauber: Mit dem richtigen Veranstalter sind Sie nie am falschen Ort
30.000 Touristen sitzen in der Golfregion fest. Denn Veranstalter und Länder haben – Business as usual – nicht rechtzeitig die Signale gedeutet.
T error, Tsunami, Hurrikans und Bürgerkriege muss die krisenerprobte Tourismusbranche immer wieder meistern. Und immer wieder hat sich gezeigt: Das Gedächtnis der Reisenden ist so kurz wie der mediale Aufschrei. Auch die 30.000 gestrandeten Urlauber in der Golfregion werden eine bald vergessene Ausnahmesituation im touristischen Big Business sein.
Ohnehin sind die Urlauber, die bei einem Veranstalter gebucht haben, auf der „sicheren Seite“. Für sie ist gesorgt, sie haben Unterkunft, Ansprechpartner vor Ort und die Aussicht, dass die anfallenden Kosten zum Teil vom Veranstalter oder – wie aktuell im Fall Dubai – von der Regierung übernommen werden. Auch wenn sie ungewollt feststecken, was auch das luxuriöse Hotelzimmer zum Teilzeitknast verkommen lässt, können sie sicher sein, der Reiseveranstalter muss sich um sie und ihre Rückreise kümmern.
Anders sieht das für die vielen Individualreisenden aus, die nun möglicherweise im Drehkreuz Dubai gestrandet sind. Sie werden mit den Airlines um Kompensationen für die finanziellen Verluste durch Übernachtungen und andere Kosten vor Ort kämpfen müssen. Wenn es überhaupt eine Kompensation nach dem Reiserecht gibt. Denn bei außergewöhnlichen, nicht verschuldeten Umständen wie Krieg gibt es keine festen rechtlichen Regeln.
Unterstützend greift nun die Bundesregierung ein: Sie bereitet die Entsendung von Flugzeugen in den Nahen Osten vor, um von dort Touristen nach Hause zu holen. „Wir wollen Deutschen helfen, nach Hause zu kommen“, sagte Bundesaußenminister Johann Wadephul in Berlin. Die Maschinen sollen nach Muskat im Oman und in die saudi-arabische Hauptstadt Riad geschickt werden. Dort seien die Lufträume noch geöffnet. Krisenunterstützungsteams des Auswärtigen Amtes wurden nach Muskat, Doha und Dubai geschickt.
Die Politik springt ein, wo Business as usal von Veranstaltern und Ländern nicht rechtzeitig die Signale gedeutet haben. Ja, eine konkrete Reisewarnung des Auswärtigen Amtes wurde erst am 28. Februar ausgesprochen. Doch die vorherigen Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes für die Golfregion wurde nicht weiter ernst genommen.
Seit Dienstag findet nun die Internationale Tourismusbörse in Berlin (ITB) statt. Nur Israel hat wegen der aktuellen geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, insbesondere dem Konflikt zwischen Israel, den USA und Iran seine Teilnahme abgesagt. Offensichtlich wusste man dort mehr. Die Golfstaaten jedenfalls sind, mit Ausnahme von Iran selbst, in ihrer ganzen Pracht auf der ITB vertreten, auch wenn einige ihrer Vertreter wegen geschlossenem Luftraum nicht anreisen konnten. Emirates, Oman Air sowie Delegationen aus Dubai, Abu Dhabi und Bahrain präsentieren sich mit Werbetafeln und laufende Videos von Traumstränden und Luxusressorts. Menschen entspannen, lachen, genießen ihren Urlaub.
Krieg schadet dem Geschäft, Reisewarnungen auch. Wenn das Auswärtige Amt für ein ganzes Land eine Reisewarnung herausgibt, ist das für die juristische Beurteilung beim Reiserücktritt ein wichtiges Indiz. In der Regel stornieren die Veranstalter Reisen bei einer Reisewarnung von sich aus. Was für Urlauber, die nun die Golfregion gebucht haben, entscheidend für die Rückerstattung ist. Reisewarnungen bedeuten für Veranstalter aber auch Rückzahlungspflichten, oft Umsatzausfälle in Millionenhöhe. Da sie zudem eine touristische Region stigmatisieren, zögert man in der Politik, Reisewarnungen auszusprechen.
Thorsten Schäfer, der Sprecher des Deutschen Reiseverbands, geht im Rahmen der ITB nicht auf den Vorwurf ein, die Branche hätte viel früher auf die Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes für die Golfregion reagieren müssen. Dagegen setzt er die Freiheit des Reisens. Und die Überlegenheit der Pauschalreise: Für die Urlauber sei auch in der Krise gesorgt mit Unterkunft, Betreuung und Rücktransport. Ganz nach dem Motto: Mit dem richtigen Veranstalter sind Sie nie am falschen Ort.
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert